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Full text of "Neue Jahrbücher für Philologie und Paedogogik"

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JAHEIOCIIB 

für 

Pbilologie und Pädagogik, 

oder 

Kritische Bibliothek 

ffir das 

Schul- und Unterrichtswesen. 



In Yerbtndnng mit etnem Vereine vob Gelehrten 

begrümiet von 

Mt JoL Christ. JahiL 

Gegenwärtig herausgegeben 

Prof. Eeinhold Klotz zq Leipzig 

und 

Prof. Rudolph Dietsch zu Grimma. 




ZweioDdsechKigBter Band. Brslea Heft. 



Leipzig, 185L 

Drack und Verlag von B. G. TeiAner. 



Kritische Beartheilangen. 



Wanderungen dur^h das Puniache und KyrenätBcke Küstenland 

od«r MagiHib , A^frikia und Barka von Dr. Heinrieh Barth, Mit einer 
Karte. Berlin 1849. Verlag von Wilhelm R«rt« (Besser'sche Boch- 
bandlnng). London. Paris» (Aach mit dem zweiten Titelt Wan-* 
derungen durch die Küstenländer des Mittelmeeres ^ aas- 
geföbrt in den Jahren 1845, 1846 irod 1847 von Dr. Heinrieh Batihm 
in zl^ei Bänden. Krater Band. Daa Nordafrikanische Gestade, 
land.) XXIV und 576 8. in gr. 8. 

Das nordafriÜLaDische KuatcDland, in» Alterthnnie unter Cav- 
thagern and Griechen, Römern ^ Byzantinern nnd Vandalen der 
Sitz eiscr biMenden und überaus reklieii Cultur, die aich jetzt 
nur nocli in einzelnen, mehr oder minder umfan^reidien TrUm- 
nerii kund giebt, ist bisher noch wenig Gegenstand der Erforschung 
unseren Jahrhunderts gewesen *), Erst durch die französische 
Occupation eines grossen Theiles dieses Kiisteniandes, so wie 
durch einige Specialtmtersnchungen^ den Resten der alten Cyrene 
wie der alten Carthago zunäohst gewidmet, ist die Aufmerksamkeit 
immer mehr auf diese Lander gelenkt, wenn auch durch das, was 
uns bisher von Seiten des franzosischen Gourerneraeiits und über- 
bzttpt der französischen gelehrten Forschung darüber bekannt ge* 
worden 9 noch nicht in dem Grade befriedigt worden, als diese 
wohl wüBSchenswertb gewesen wäre. Auch britische Reiselost 
hat diese Gegenden noch nicht in dem Grade, wie diess bei andern 
Landern Asiens und Afrlka's der Fall ist, durchwandert, so dass 
dem Forachungsgeiste gebildeter Wanderer hier noch ein reiches 
Feld ibrig gelassen ist. Es ist erfreulich hier den Anfang durch 
einen Deutschen gemacht zu sehen, der mit seltener Ausdauer und 



*) Vcrgl. diese NJabrbb. Bd. LH. pu 404« 



1* 



4 AUortlinmskande. 

mit neltenein Miithe clie gössen Schwierigkeiten 20 nTiervilnden 
wtiMte, die hier in den Weg treten, der aber auch wolilvorbcrei- 
tet und mit allen gelehrten Kenntnissen anfs beste ausgerastet 
eine so gefahrTollc Wanderung unternahm, deren Ergebnisse in 
diesem Bande niedergelegt sind. Auf diese Ergebnisse, sowek 
sie das Alterthum , sunlihst die alte Geographie und Geschichte 
lind was damit zusammenhängt, betreffen, aufmerksam zu machen, 
ist der nächste Zweck dieser Anzeige; wer übrigens eine getreue 
und lebendige Schilderung des jetzigen Bestandes dieser Im Alter- 
thum so wohl cnliivirten Landstriche und überhaupt ein klares 
Bild ihrer gegenwärtigen Lage zn gewiimen wünscht, wird auch io 
dieser Beziehung sich bei diesem Werke nicht getäuscht finden. 
Denn der Verfasser, obwohl er zunächst antiquarische Zwecke 
verfolgte und den geschichtlich-geographischen Standpunkt aus- 
drücklich (p. XIV) als denjenigen bezeichnet, der ihn bei seinen 
Wandenmgen geleitet und in der Aufzeichnung der Ergebnisse 
dieser Wanderungen bestimmt habe, hat dach die Natur der von ihm 
durchwanderten Gegenden in eiii^r so treuen und iebettdijgen und 
auch so anziehenden Weite geschildert, dass man giern bei diesen 
Schilderungen verweilen wird, die aus der unmitcelbaraten An- 
schauung hervorgegangen sind and uns über die jetzigen Verhält- 
nisse dieser Lander so manchen daokenswerthen Anfschioss brin- 
gen. Man wird aber daraus auch zur Genüge ersehen, mit 
welchen Schwierigkeiten, mit welchen Gefahren und Strapazen 
jeder Art der Verf. auf diesen Wanderungen zu kämpfen hatte, 
bis er Aegypten erreichte,' nachdem noch kurz zuvor, gleichsam 
im letzten Stodium seiner Wanderung, sein Aluth und seine Aus- 
dauer auf eine der schwersten und härtesten Proben durch einen 
räuberischen Anfall gesetzt werden war, der sogar den Veriust des 
grösseren Theiis seiner Papiere, neben der eigenen Verwundung, 
herbeiführte. Glöckllcherweise hatte der Wanderer vielfach , in 
tagebnchartiger Weise, Mittheilungen an seine Angehörigen ge- 
richtet; durch diese, wie durch ein frisches Gedächtniss unter- 
stützt, gelsng es ihm, jenen Verlust zu ersetzen und in dem vor- 
liegenden Werke einen getreuen und genauen Bericht über alle 
Ergebnisse der mrihaeligea und gefahrvollen Reise niederzulegen. 
Der Verfasser begann seine Wanderung' ganz planmässig mit 
dem äussersten Westrande des afrikanischen Nordgestsdes nnd 
. setzte sie von da aus in der Richtung nsch Osten bis »ach Aegyp- 
ten fort, stets f mit einer nur kleinen Ausnahme, dem Landwege 
der Kiiste folgend und nur hier nnd dort in einzelnen Excursionen 
nsch dem Binnenlsnde davon abweichend. Dieser Wanderung 
sohliesst sich auch ganz getreu der vorliegende Bericht an , des- 
sen erster Abschnitt: „Marocco, oder das antike Gestade- nnd das 
Passageland der westlichen Berberei** befasst. Von Gibraltar ans 
schiffte der Verf. nach Tanger, oder, wie der Verfasser, wel- 
cher durchweg der amblschen Schreibweise folgt, schreibt, 



Barth: Waaderungeo dorch d. Panbehe u. Cyreoaifiche Kostenlaiid. 5 

Tan dach ah; hier betrat «r luerat deo Boden Afrika^a, In eine 
ihm völlig neue Weit damit eintretend. Sein erster Biicl( verweilt 
hei dem Thier der Wnate, daa er hier zum erstenmal erbüclLt, bei 
dem Kameel ; und diess Teraiila^st ihn zu einer historischen Be- 
trachtung über den Gebrauch diesea Thierea im Alterthum, das 
wenigstens in Afril^a, selbst ztir Zeit der höchsten Biöthe dieser 
Landstriche, diesem dem jetzigen Leben daselbst unentbehrliche 
Thier minder gekannt zu haben scheint. Der Verfasser stutzt sielt 
dabei zunächst auf llerodot, der, obwohl tou den Völkern, die 
den Nordrand Afrika*8 damals bewolint^, und ^on dem Verkehr 
derselben ziemlich genau berichtend , doch dabei ,,niit keiner 
Silbe des zu diesen Fahrten benutzten Wüstenschiffs'^ erwähne. 
Diess letztere liat allerdings seine Richtigkeit; nur bei den Persern 
(1. 80 und 140), Indern (lil. 102) und Arabern (VII. 8ö) gedenkt 
der Vater der Geschichte des Kameels, und auch hier nur in Be- 
zug auf den kriegerischen Gebrauch dieses Thieres; erwägen wir 
iudess, dass HenMot schwerlich über Cyrene, das er, muthmaasa- 
lich von Aegypten aus zur See, betiuchte *)^ hinausgekommen, und 
data er dort dl« Nachrichten eingezogen, die er uns über die 
Nordküste Libyens und die an derselben wohnenden Völker mit- 
thellt, dasa er also auch Carthago schwerlich gesehen und berührt 
hat, so wird, zomal bei dem im Ganzen doch nur Fragmentari- 
schen und keineswegs VoUstfiudigen aller dieser Angaben, doch 
daraus kaum ein allzubestimmter Schluss über die Unbekannt- 
achaft der nordafrikanischen Bevölkerimg mit dem Kameel gesogen 
werden können. Eher dürfte dafür der Umstand sprechen, dasa 
dieses Thier der altSgyptischcn Welt , wenn wir nach den bild- 
lichen Denkmalen wenigstens einen Schluss macheu dürfen, gleich- 
ftills fremd geblieben zu sein scheint. Was der Verfasser weiter 
aas der Zeit der römischen Kriege mit Jhigurtha und mit Juba 
anfuhrt) bestiiigt allerdings die Annahme einer Unbekanntschaft 
der fruberen carthagischen Periode mit diesem Thier, das hier, 
noch XU Zeiten des Julius CSsar, fast wie eine Seltenheit vor- 
kommt. Ware uns freilich auch nur Einigea von der Litteratur 
der alten Carthager, es sei im Original oder in irgend einer Ueber- 
aetzung (wie z. B. die ins Lateinische übersetzten Bücher des 
Bfsgo) vorhanden , so würde gewiss darin eine sichere Aufklärung 
ikber diesen Punkt zu erwarten sein , wie wir sie jetzt durcliaua 
vermissen. Auch die bis jetzt bekannt gewordenen grieciiische» 
wie lateinischen Inschriften bringen, so weit wir wissen, kein Zeug- 
nlsa für den Gebrauch diesea Thieres und dessen Verbreitung, wie 
wir sie doch für die spütere römische Kaiserzeit in Nordafrika, 
nach ziemlich bestimmten Zeugnissen, anzunehmen berechtigt ihid. 
Der Verfaaser durchstreifte Tanger und seine Umgebungen 
nach allen Blehtungen ; er ward dadurch in aeiner Ueberzeugung 



*) 8. In meiner Ausgabe Bd. IV. S. 393. 



6. Altertlittniflkunde. 

bestärkt, daas das alte Tingis nicht, wie man allgemein bisher 
glaubte, drei Viertelatundeo entfernt. von dem heutigen Tanger 
gelegen, sondern vielmehr an derselben Stelle, wo die heutige 
Stadt, der unser Verfasser fiir eine nicht ferne Zukunft wegen 
ihrer vorsiigUchen Lage eine bedeutende Rolle zuerkennen will^ 
•ich befindet, sn suchen ist Der nächste Ausflug galt dem nur 
wenige Stunden entfernten Vorgebirge Spartel, Cot es bei den 
Phöniciern, Ampeiusiabei den Griechen genannt, und der da- 
selbst befindlichen , nach der Angabe des Pomponius Mela dem 
Hercules (d. h. wohl dem Melkarth) geweiheten Grotte. Der 
Verfasser schildert näher diese Grotte, so wie das Vorgebirge 
selber, dessen Bedeutung Niemand verkennen wird^ der dieganae 
Localität gehörig su würdigen versteht. Rasteten hier die Phö- 
nicier bei diesem weit In das Meer hinausragenden Vorgebirge, oder 
trieb ihre Wanderlust sie noch weiter in den weiten Ocean hinaus 
bis xn den Gestaden, die erst nach einer Reibe von Jahrhunderten 
der neuen' Welt näher bekannt geworden sinll Diese Frage 
drängte sich unwillkürlich dem Verfasser auf 9 als er von der Hohe 
dieses Vorspruogs in den weiten Ocean hinaus seinen Blick warf, 
und wenn er , bei aller Anerkennung des uralien Daseins dieser 
fernen Gestade einer den Alten sonst unbeksonteo Welt, diese 
Frage nicht geradezu bejahen will, so wird man ihm darin gewiss 
nicht Unrecht geben , obwohl die erst in neuester. Zeit b^annl 
gewordenen Baudeukmale Centrajlamerlka's mit ihren bildlichen 
Darstellungen es uns immer wshrscheinUclier machen, dass den 
Fhoniciern oder ihren, Abkömmlingen, den Garthagem, Amerika 
nicht unbekannt gewesen, dass laugst vor den Fahrten lud Nie- 
deiiissungen der Normannen im nördlichen Aroerika im sehnten 
Jahrhundert unserer Zeilrechnung; schon manche Jahrhunderte vor 
Christi Geburt mit den phönicischen Seefahrern auch phönicisdie 
Fertigkeiten und Künste, Symbole und andere charakteristische 
Abzeichen in diesen Welttheil gekommen (s. Tiedemann in den 
Heldelb. Jahrbb. der Litteratur 1851. Nr. 11, p. 161 ff.). Um 
aber noch einmal auf das er\9rähnte Vorgebirge, das jetzt den Joa- 
nnen Spartel fuhrti zurückzukommen, so glauben wir kaum, dass 
Jemand, der die anschauliche Darstellung des Verfassers gelesen, 
noch einen Zweifel darüber hegen kann, dass das Vorgebirge So- 
leis, welches Herodot II. 32 als den äussersten Punkt der afrika- 
nischen Küste im Westen, von Aegypten an, bezeichnet ( — iai 
^lyvKtov dg^iisvoi (iixQi SokOBVzog aac^^^, 9 TBlevtai tij^ 
jUßvKig^ «uQ^KOVöi Magd xäöav MßvBg «. i^* ^Oi ^'^ ^^^ TJial 
nicht bei dem bedeutend weiter zu nach Süden gelegenen Cap 
Caiitin, das gar nicht den entgegengesetzten Endpunkt zu Aegyp- 
ten im Osten bieten kann, zn suchen ist, wie noch neuerdings 
einer der gelehrtesten Forscher phöuicischen Alterthums nach 
RenneFs Vorgang uns beweisen wollte, sondern dass gar kein an- 
deres ala das heutige Spartel hier gememt sein kann, mithin 



Barth: Wauderangeo darch d« Pnnifleke a. Cyrenaiscbe Kastenland. 7 

RUier, wie vor iboi Gosselki, Bredow usd Sdilichtegroll gmt 
richtig geaehen habeo^ wiiireiid «ie «Nsh bei Forbiger (ifandb. d. 
alt. Geograph. U. p. 867 not.) desahaJb eioea IrrtbMM beifichtigt 
werden, deasen sie nach unaerer Ueberzengiing dcb keineawega 
aeholdig gentadU haben. 

Von Tanger aua wendete sich der Verfaaaer andwirta, den 
Zug der Köaten folgend; Aaita (daa atte Ziiia), fiiariaeh, das 
an die Stelle dea alten Lix oder Lins, Llxoa getreten, and 
Rabat waren die Hauptpunkte, welelie diese Wanderung be- 
rührte, welche bei Rabat, in der Mähe dea alten Sala, 4a8 achoa 
bei den Römern der äoaaerate Punkt der Provinz nach Süden war, 
ihr finde erreichte, ohne daaa ea dem Verfasser möglich gewesen 
wäre, von dleaen Kustenstadten ans, wie er beabsichdgte , weiter 
ostwärts in das Innere dea Landbi einsttdringen , wo noch ao mm*- 
che Reste punisclier wie römischer Sildle sich finden; auch die 
Wandernng nach dem, wenn anch erst In der spateren römischen 
Zeii ao bedeutend erscheinenden Volubilis, wie nach Faa, 
mnsBie unieiblelben, da ausgebrochene Unruhen die an sich schon 
gefsbrrolle Reise so got wie unmöglich machten. Unter solchen 
Umstiittden mauste die Ruckreise nach Tanger, und iwar meist 
auf demselben Wege, Hngs der Meeresküste angetreten und da- 
mit eine Landschaft verlaasen werden, die ungeachtet ihrer gün«- 
atigen Lage für den Handel, ungeachtet ihrer herrlichen Natnr, 
doch Im Ganten |etst nnr ein trauriges Bild der Verödung mtd 
der Verarmung bietet, wie sie dem gesammten Alterthnm vötlig 
fremd war. Wir veriveiten noch in dieaer Benleluing auf die Schill 
deruog:des Verfassers, die ibernll Benng anf das Alterthum, auf 
die Lage wie auf die Geschichte und Bl&ihe der jetat meist ao ber«- 
jibg^ekofDOienen Orte genommen nad die Angaben der alten SdiriCt- 
atelier aorgfäliig dab^ beachtet Jbat. Lyox oder Lix eracheiot 
ioganerbiai eis iie bedeutendste, an dieser Käste von den Gartfaa- 
gern oder wohl schon früher von den Pbönidern sngelegDe Cola- 
nie; ihren Resten hat daher auch der Verf. beaondere Aufmerk- 
aanskeit gewidmet» Wenig Reachtenswerthea von Ruinen und 
Alterthom fand sich bei Sala, der römischen Grenastadt, die, wie 
diess bei so vielen andern Stidten auch dar Fall ist, das Material 
für die Daheo araMschen Städte abgegeben an haben und dadaroh 
auch verschwunden au sein scheint. Die bei dieser Gelegenheit 
S.37 gemachte Bemerkung, daaa der jetafge Marne Berber niehtd 
andere sei, als der alte Name Rarbari, den die Römer den aua- 
aerlmR» Ihrer Grenalinie hauaeeden Völkern gegeben, den dann die 
0ii^iagQiideo Araber au^enommen, um damit die alte, in viele 
Gruppen und Stimme aersplftterte einheimische Bevölkerung 
sttsafiimenattfassen, soll nach S. 52 in einer eigenen, auafiuhrllchern 
Schrift nher die aüein heimische, aesaliaft gebliebene ReviM^erung 
NArdafrik«'« i^^r begründet werden. Wir haben also einer nUr 



8 AlUithomakood«. 

liereo Brorlerung über diese iussertt schwierige Frage entgegea- 
suaehen und wollen bis dahin unsere Bedenicen surockhsiten. 

Nach einem noch nach Teluan uoCernommenen Ansfliige 
kdirle der Verfasser wieder nach Buropa siirttck , und nachdem 
er ¥on Malaga aus einen Abstecher nach Granada gemacht, von 
da aber nach Aimeria surikckgeicehrt war, schiffte er sich wieder 
■ach Carthagena und von da nach Alicante ein , um von hier aus 
nur See nach Afrika , sunichsl nach Algler surttckiukehren. Dass 
der Verfaaser sich auf eine nihere Beschreibung von Algier, wo 
wir ihn su Anfang des sweiten Capitela finden , nicht eingelassen, 
obwohl er drei Wochen lang daselbst verweilte und in Kreua- und 
Quersugen die Umg^end dorchstreifte, Ist begreiflich, da gerade 
liber diesen Punkt ntlliere Notiaen seit der franaosischen Occupa* 
tion uns nicht fehlen ; auf einem Dampfboot begab er sich von da 
nach Sheracheii, daa kaum den achten Theil der alten Stadi 
(Julia Gaeaarea) einnimmt, und machte von hier landeinwirts 
einen Ausflug nach Miliana, dessen angenehme Lage den Wan- 
derer ungemein ansprsch; nachdem auch Oran besichtigt worden 
war, kehrte der Verf., da die eingetretenen kriegerischen Ver- 
hUtnisse )eden weiteren Ausflug in die dortigen Umgebungen un- 
mdgllch gemacht hatten, nach Algier surttck, um von da weiter 
nur See sich ostwirts su weodeu. Deliis, dann Brugle, das rö- 
mische Saldi, Phillppeville (Rusicadde) und Nora und 
von hier aus suf Landwegen Constantine, so wie Bona (Hip- 
pe reg! us) wurden nach einander besucht und erhalten in die« 
sem A^iohnitte eine iussersf lebendige Beschreibung. Ein Dsmpf- 
schiff brachte den Reiaenden von Bona in den Hafen von Tunia 
und führte ihn damit su den Ruinen dea alten Carthago , die nebat 
den Ruinen von Utika und Uthina den Hauptinhalt des dritten Ab- 
achnittes füllen. Nur kors verweilt der Verfasser hei der Schil- 
derung des jettigen Tunis: es drftngte ihn hinaua aua der schmutsl- 
gen Stadt und ihren die Luft verpeatenden Cloaken auf dasTrim- 
merfeld, wo einst Rom's geflihrllchste Nebenbuhlerin sich erhob. 
Und so selchnet er uns denn auerst in klaren Umrissen den Boden, 
auf weichem die Stsdt angelegt war, jene Halbinsel, auf welcher 
daa pnnische Carthago, wie daa apitere romische, daa vandalische 
und bysantlnische, wenn auch nicht innerhalb deraelben Grenxen 
und in gleicher Auadehnung aich erhob; er giebt auerst den Um- 
fang der puniachen Stadt an und aeigt darauf, wie die romische 
SUdt nur den südlichen Theil derselben einnahm , mithin bedeu- 
tend kleiner war, auch erat im fünften Jahrhundert nach Chr., als 
ihre grosste Blüthe — im ZeitsUer der Antonine bis auf Sevems 
— bereits verflossen wer, mit einer Ringmauer versehen ward, 
ao dass es nach den Resten dieser Mauer einigermaassen lu be- 
atimmen möglich wird, wieweit in der That die römische Stadt 
sich ausgedehnt. Nach dieser allgemeinen Ueberschaa wendet 
aidi der Verfaaaer inm Ginseloen und aucht, nach Süden sich 



Barth : Wanderaogen dorcli d. Poniaclie n. CyreoSiiehe Kfisienhuid. 9 

wendend^ von dem tudlichtten Punkte der Halbinsel an« die fibrl*- 
gen Oertlichiceiteu, wenigstens die bedeutenderen der Stadt niher 
so bestimmen. Das erste, was hier seine Bliclce festhielt , ist der 
Hafen, über dessen Lage, Ausdehnung und Beschaffenheit der 
Verfasser sich ausführlicher verbreitet (S. 88 ff.); dann folgt die 
Beschreibung des Hügels, wo die Byrsa , die Citadeite der Stadt, 
sich befand, auf deren höchstem Punkt jetst ^ie Capelle des heil. 
Ludwig errichtet ist. Herabsteigend von dieser Höhe durchgeht 
der Verf. die verschiedenen uro dieselbe gelegenen Gebäude, na- 
mentlich die sum Theil wenigstens noch in ihren Trikmmern er- 
kennbaren Tempel, und er gelangt hier au der Annahme, dass an 
die Steile der pnnischen Tempel und ihrer Gottheiten so siemlich 
die entsprechenden römischen getreten , der Tempel des Aescn- 
lapius auf den Trümmern des Eewuntempels, oder der Cöiestia 
und des Saturn an der'Steile der alten Tempel der Tanith und des 
Moloch erbaut worden (S. 98). Weiter kommen noch In Betracht 
der südwestlich von der Byrsa gelegene, in seinen Umrissen noch 
deutlich su erkennende Circns, dann in nordöstlicher Richtung 
dsvon dleUesi« «Ine« grosten Amphitheaters, das an Edrlsi*a 
Zelten noch siem/ich erhalten gewesen sn sein scheint , die gros- 
sen Clsternr B und insbesondere die ungeheuere Wssserleitung, 
welche von den in gerader Richtung, mindestens acht deutsche 
Meilen entfernten Gebirgen , welche Entfernung jedoch durch die 
Windungen der Leitung tum wenigsten verdoppelt wird , das fri- 
sche, klare Bergwasser den Bewohnern der Seestadt anführte und 
mit Recht das Staunen der arabischen Eroberer erregte. Die An- 
sicht des Verfassers, der dsrin ein römisches Werk erkennt, aus- 
geführt unter Hadrianua oder Septimiua Severus, welcher ietatere 
jedenfalls bei diesem Werke betheiligt war und daaaelbe minde- 
stens retftaurirt, wo nicht gar angelegt hat (was wir im Hinblick 
auf 00 manche andere durch diesen Kaiser in Afrika angelegte Bau- 
werk«*) sogar für wahrscheinlicher halten), erscheint auch uns, 
selbst ohne Anschauung des Werkes selbst, nach der ron dem 
Verfasser gegebenen Beschreibung ausser allem Zweifel. Daa 
einst sls prachtvoll noch von Appulejus geschilderte Theater glaubte 
der Verf. noch, wenigstens in seinen Umrissen, wieder aufgefun- 
den 3BO haben. Uebrigens scheinen diese und andere grosse Ge- 
biude nicht bei der Eroberung und Zerstörung der Stadt durch' 
die Araber am Schlosse des siebenten Jahrhunderts serstört wor- 
den SU sein; nach manchen Stellen arabischer Geogrsphen des 
eUfleu Jshrhnnderts , welche der Verf. hier und dort anföhrt, 



*) Aach die InsohrifUn, welche dieses Kaifers gedenken, können 
hier in Betracht gesogen werden , wie z. B. Mr. 31. 32. 33 tmUr den von 
Claras edirten Isfichriften, oder die bei Zell Epigrapbifc I. Nr. 1510. 
1513, 



10 AlterUmmskunde. 

I1IU88 es iiia diese Zelt noch gani andere an dieser Statte aasge- 
aclien und manclies der groaaen , jetst gans in Sclmtt und Stein 
Kcrfallenen Baawerice noch liemltch wolii erlialten gestanden Im- 
ben. So wird also iiier, wie bei mehreren anderen Städten deii 
Altertbnms von ähnlicher Grosse , die völlige Zerstörung^ in der 
wir jetvt 80 manche der alten Bauten, die durch die Festigkeit 
ihrer Anlage der Zeit su trotsen schienen, erblicken, veniger der 
blinden Zerstorongswuth barbarischer Völker, sie faeissen Araber 
oder Germsnen,4ils vielmehr dem Zahne der Zeit und' der gäoa- 
lichen Vernachlässigung, so wie der Abnahme aller Gultur und 
Givllisation, wie selbst der Bevölkerung zuzuschreiben sein. Wie 
bedeutend aber diese im Alterthume gewesen sein muss, lässt sich 
freilich jetzt nur muthmaasslich bestimmen^ die Griiode, womit 
aber der Verf. S. 107 die von Andern angefochtene Behauptung 
Strabo^s, dass Carthago vorder Eroberung und Zerstörung durch 
die Römer, also das alte, punlsche Carthago, eine Bevölkerung 
von 700,000 Menschen gehabt, zu vertheidigen sucht, sind von 
der Art^ dass aie auch uns überzeugt haben, indem Strabo*s Aa« 
gäbe, zumal wenn die Selaven und dte^anze auf den Schilfen le- 
bende Menschenmasse mit einbegriifeia wird , Jcaum zu hoeh ge- 
griffen erscheint. Selbst zu der römischen Kaiserzeit mag die 
Bevölkerung noch immer die Zahl von Hunderttausend wohl über- 
■tiegen haben. Eine Excursioii nach dem alten Utika, dessen 
Localität aber jetzt durchaus keine alten Reste bietet, und eine 
andere über Uthina nach dem Berge Saguan bildet uebst einigen 
kleineren in. der Nähe von Tunis vorgenommenen Excursioncn den 
Rest dieses Absobnittes. Der nächste , vierte (S. 127 ff.): „das 
tunesische Ge&tadeiaud^S enthält die Beschreibung der an der 
Küste auf Landwegen veranstalteten Wanderung, welche von Tu- 
nis ausgehend bis nach Sphakes, dem alten Taphae oder Ts- 
phrura, sich .erstreckte und von da ans wieder zum Theil auf 
gleichem Wege und mit einigen Abkürzungen der tunesischen 
Hauptstadt sich zuwendete. Auch dieser Abscluiitt ist reich an 
einzelnen geographischen Erörterungen, die insbesondere für die 
richtige Bestimmung der alten Küstenstädte dieses Landes wie 
Maxula, Aquilarla, Aspis, Curubis, Neapolis, Ua- 
.drometum (bei Susa), Leptis parva, Thapsus u. s. w. von 
Wichtigkeit ist. Einen traurigen Bindruck macht freilich die Schil- 
derung der Verödung, wie sie der }etsige Zustand dieser Gegen- 
den zeigt, des gänzlichen Verfalls einer vordem oo blühenden, jetzt 
gänzlich gesunkenen und doch, bei dem Reichthom der Natur, 
nicht unschwer wieder zu hebenden Cultur. Tritt doch selbst 
der hier herrschende Islam überall in einer Ruhe der Gesunken- 
heit entgegen, die nur durch Einführung enrepsisclier Sittigung 
wieder gehoben und belebt werden kann. Der fünfte Abschnitt 
(S. 192 ff.) beschreibt die v^ Tunis aus nach Make outenioin- 
mene Falirt, den Aufenthalt auf diesem Eilande und die durch 



Barth : Wanderungen dorcb d. PaaUche u. Cyrenaische Kastenland. 11 

Sitkne, welche duB schon in die Nfthe des Promontoriam Mcrco- 
rii gelangte Schiff wieder bis fast in die Nahe von Sfakes aurick 
trieben, verlängerte Räckfahrt. Der sechste Abschnitt (S. 212 ff., 
durch .einen Druckfehler irrig ab fünfter beaeichnet) enthalt die 
nun von Tunis aus quer durch das Binnenland bis aur kleinen Sjrte 
und ?on da längs der Meeresküste forlgesetate Wanderung his 
Tarabolos oder Tripoii. Auch von diesem Abachnitte mag wohl 
dasselbe gelten , was eben von dem snnachst vorhergehenden ge- 
sagt worden ist. Daa Binnenland, daa der Verf. in der ersten 
Hälfte dieaea Weges durchzog, ist ein Gebirgsland, das, nicht ohne 
aahireiche Schönheiten der Natur, im römischen Alterthum der 
Sita einer äuaserst blühenden Cultur gewesen sein muss, da sich 
sahlreicbe Denkmäler imd Trommer noch vorfinden, deren sorf* 
faltige Erforschung und Verseichniss bei der gegenwärtigen poli' 
tischen Lage freilich Jiaom möglich ist, $o wüosclienswertfa diese 
auch in jeder Hinsicht erscheinen moss. Der Verfasser hat überb- 
au , wo derartige Reste der Vorzeit sich finden , darauf hingewle- 
aen und dandt weiterer Forschung, wie wir sie sehnlichst wonachen, 
den Weg voTgezeVcUnei^ den sie au nehmen haben wird; er hat auch 
fiberail möglichst gen^n diese Reste au bestimmen und dieselben 
auf die aus den schriAJicbeo QneJlen des Akcrüintas uns bekaoJi- 
ten Oertiichkeiteo znriickaufiihreo gesucht. Wir erinnern hier 
nnran die Ruinen von Tibur sicca (Tebursek), Thugja, Aa- 
sura, TuGca u. a. w. Das Meer wsrd hei dem Grab des Sidl 
Mehedub (die Cellae Picentioae der Allen) erreicht und von 
liier aus längs dem Strande der Syrte der Weg fortgeaetat fiber 
Tacape nach der Insel Gerba, jetat Dshirbi, die, nur durch 
eine kleine Enge von dem festen Lande getrennt, nach veraehie- 
denen Richtungen durchstreift ward. So wenig auch die einst so 
gefeierte Insel der Lotophsgen mit ihrem unter Carthsgem blöhen- 
^deo, durch ihre Lage so sehr begünstigten Handel jetat ein Bild 
dessen zu bieten vermsg, was sie im Aiterthiune war, auch keine 
bedeutenden Reate desselben jetat die Bücke des Wsnderera anf 
sich aiehen,. so gewährten doch die blühenden Pflanzungen, die 
der Verf. besonders in dem östlichen Theile der Insel wahrnalun, 
deoiaellieo einen eigenen Gennsa. ,, Wahrend, schreibt er (S. 262), 
man Im Westen und Süden mehr Oelcultor wahrnimmt, erblickt 
roaobier Weingarten, Feigen-, Mandeln- und Aprikosenpflanzun- 
gen- DieM sind Fruchte, die mich wahrlich eher meine Heimath 
vcrgeaaen madien könnten, ala die fad-siisse Frucht des Lotoa- 
baumce, den man hier awischen den anderen Fruchtbäumen ge- 
wahrt und die vielleicht wirkUch jener von dem alten Sanger so 
wunderbar gepriesenen Frucht entspricht/^ Jedenfalls wird man 
auch nua dem, waa die Inael noch jetzt erkennen lisst, Grund ge- 
nug entnehmen, um den in der Sage gefeierten Ruf dieses Eilan> 
dea zu hegreifen und zu würdigen. Ueber Sarsia (Gergis im Ai- 
tertbome) und Bibar (dem alten ZucUit), wo die Grenze' über- 



12 AUerthomskund«. 

•ehrtUen ward, gelangte der Verf., immer dem Strande der Syrte 
folgend , auf unsicheren und gefahrvollen Pfaden und unter man- 
chen Entbehrungen an das bestimmte Endziel. In Tarabolua oder 
Tripoli irard eine Raat von acht Tagen gemacht, um hier die no« 
Ihigen Vorbereitungen suder Weiterreise lu treffen, die, in der- 
selben Eichtung nach Qsten forlge^etst, der Meeresküste folgte, 
aber mit gans andern Schwierigkeiten und grösseren Beschwerden 
und Mühen , ja selbst Gefahren verknöpft war , als der bisher 
^glücklich surückgelegte Theil der Wanderung. Der siebente Ab- 
schnitt: ^^die Syrte,^' S. 291 ff*., achildert uns diesen Zug von Tri- 
poll aus bis Bengaal In derselben lebendigen, dabei stets auf das 
Alterthum und dessen Re^te, auf die einzelnen Oertlichkeiten und 
deren geschichtliche Bedeutung Rucksicht nehmenden Welse, die 
wir schon bei den frühereu Theilen des Buches rühmend aner- 
kannt haben. Was zuvorderst die Lage des jetzigen Tarabolus 
oder Tripolis betrilTt, so befindet sich diese Stadt nach der S.294 
ausgesprochenen Ueberscugung des Verfassers ganz an der Stelle 
der alten Stadt Oea, allein sie zeigt, ausser einem mit überrei- 
chem Schmuck verzierten, deu Antonlnen von dem Froconsul der 
Provinz Africa Cajus Orfltos dediclrten Bogen , kaum noch litwel- 
che Reste der alten Zeit. Inschriften werden auch hier die volle 
Beititlgang bringen müssen und damit jeden Zweifel verschwinden 
machen. Bisher war man wenigstens darüber noch nicht völlig 
im Reinen; vergl. Forbiger Handbuch d. alt. Geographie II. p. 837. 
Leptis magna (jetzt Lebda) mit seinen als wahrhaft colossal 
auch noch in ihrem jetzigen halbzerstörten Zustande bezeichneten 
Befestigungswerken und Dämmen, in welchen der Verf. altphöni- 
cische Bauten erkennt, zog, wie der gesammte Hafen der ehedem 
so bedeutenden Handelsstadt, die Blicke des Verf. besonders auf 
sich, der una von allen den noch vorhandenen Resten wie von dem 
jetzigen Stande eine genaue Beschreibung gegeben hat; sorgfältig 
aber unterscheidet er von jenen Werken einer früheren Epoche 
die der römischen Zelt angehörigen, wahrscheinlich in die Periode 
des aus diesem Orte gebürtigen Kaiser Septimins Severus fallenden 
Werke, indem dieser Kaiser überhaupt durch Bauten jeder Art 
sich in seinem Heimathlande, wie auch manche erst in unseren 
Tagen aufgefundene Inschriften zeigen, einen Namen gemacht und 
dn ehrendes GedKchtniss hinterlassen hat. Aber auch dem Verf. 
prigte sich, wie er am Schlüsse seiner Schilderung bemerkt, tief 
das Bild dieser merkwürdigen Stadt ein. ,^Brst wenn man, schreibt 
er S. 315, einige Zelt hier verweilt und diese Oertlichkelt von ver- 
schiedenen Seiten aus betrachtet, erkennt man, welch Tortreffii- 
che Lage hier für eine Stadt gewesen, und anstatt sich zu verwun- 
dere über die Bedeutung und den Reich thum 'derselben, die tag- 
lich ein Buböisches Talent [also circa vierzehnhundert Tha- 
ler] an Carthago kahlte, stsunt man darüber, dass picht auch 
gegenwärtig ein grosser Ort hier liegt. Aber nicht ewig, hoffe ich, 

y 




Barth: Wandernn^en darch d. Pnniache o. Cyreoaiscbe Rnstenland. 19 

wird die grosse Fruchtbarkeit der herrlichen Ebene so wenig sos- 
gebeutet werden, nicht ewig diese für den Karawaoenhandel wich- 
tige Lage unbenutst bleiben. Es ist ein wahrhaft schöner Land- 
strich und bei Benatsung der Kräfte des Bodens gewiss nicht un- 
gesund : gegenwärtig mag das stagnirende Wasser des Flusses der 
Luft einige ungesunde Substanzen niitthellen u. s. w.^S Dieser 
Umstand. war es auch, der den Verf., nachdem er selbst die Fol- 
gen dieser Luft in einem Fieberanfall empfunden hatte, veran- 
lasste, seine Abreise zu beschleunigen und an dem Saum der Kiiste 
der grossen Syrte seine Wanderung fortzusetzen. In einiger Ent- 
fernung von da ward ein Flnsschen erreicht, dessen W^asser dem 
Verf. von seinem Führer als ungesund zum Trinken bezeichnet 
ward, während im Alterthnm dasselbe durch eine Leitung in die 
Stadt Leptis gefuhrt ward. Ausser den noch vorhandenen Spuren 
dieser Leitung ward auch jenseits des Flusses verschiedenes alte 
Gemäuer entdeckt, so wie die Reste eines Terrsssenbanes, der 
nach dem Urtheil.des Verfs. karthagisch ist und in seiner Aus- 
führung ganz eigenthumlich erscheint. Der Verf. möchte daher in 
dteaem Wi^sachcn, Mrle auch schon Ritter Erdkunde!, p. 927 ge- 
(han, den Cinjps des Herodotus (IV. 175. 198. V. 42) wieder 
erkennen, so wie in den ans der Fläche sich erhebenden drei klei- 
nen Erhebungen, in der einen derselben wenigstens, den von He- 
rodot gleichfalls genannten, aber nach diesem 200 Stadien vom 
Meere entfernten Hügel der Grazien erkennen, der, damals dicht 
bewachsen mit Waldung (dacvg fdyifi), jetzt freilich sein Grnn 
verloren hat eben so wie die ganze Umgebung de» Flusses, die 
von Herodotus als eine der fruchtbarsten und gesegnetsten der 
Erde bezeichnet wird, jetzt aber nur ein Bild der Wüste ond der 
Verödung bietet. Und kein anderes Bild Im Ganzen bot auch die 
Fortsetzung des Zugs der Reise längs der sandigen Gestade des 
Meeres , so frisch und anziehend auch selbst In seinen Einzelhei- 
ten der Bericht ist, den der Verf. von dieser Wanderung entwirft, 
die erst dann Etwas von ihrer Einförmigkeit verlor» als man der 
Gegend von Bengasi nahe gekommen war., wo Alles einen anmu- 
ibigeren Charakter annahm. In die Einzelheiten dieser Wanderung 
und der davon hier gelieferten Beschreibung einzugehen, kann 
hier nicht unsere Absicht sein; fiir die alte Geographie ergeben 
sich aber asus dieser Darstellung manche Berichtigungen und Er- 
weiterungen, indem wohl kaum seit Jahrhunderten ein Europäer, 
und zwar ein Gelehrter, mit solchen Absichten und Zwecken, aber 
auch mit solcher Genauigkeit und Aufmerksamkeit auf alle Beate 
des Alterthums diesen Strand der alten Syrte durchwandert hat 
In Folge dessen wird in den Noten (S. 366^377 mit engem 
Druck) eine Topographie der alten Syrle von dem Verf. gegeben, 
eine äusserst detaillirte Znsammenstellung aller der in den alten 
Quellen angegebenen Punkte und eine Zuruckführnng derselben 
auf die gegenwärtige Localität. Bei der Dürftigkeit der ana dem 



14 Alterthnmsknnde. 

Alterthum daniber iine cagekommenen Qae)len bildet derStadtas- 
mos dem Verf. einen Haiipianhahspiinkt; desgleichen auch die 
hinerarien, wiewohl diese hier gerade die gleiche Bedeutung nicht 
ansprechen können; aie bieten vielmehr im Einzelnen manche 
Schwierigkeiten , deren Grund wohl in der Anlage und Zusammen- 
setstmg dieser uns sonst so wichtigen , freilich in ihrem Ursprungs 
liehen Zustande kaum noch erhaltenen Urkunden zu suchen ist. 

Der folgende, achte Abschnitt: €yrenaica,S. 381 ff, ist 
wohl einer von denen, welche die besondere Aufmerksamkeit dea 
Alterthomsforschers ansprechen, da er sich aber Gegenden ver- 
breitet, die, so bedeutend und bIShend im ganzen Alterthum, da- 
von noch jetzt Zeugniss geben in namhaften Resten der alten 
Zeit, die auch achon fr&her die Blicke neuerer Reisenden auf sich 
gezogen haben , wodurch unser Interesse nur noch mehr gestei- 
gert und der Wunsch nach weiteren Nachrichten noch vermehrt 
worden ist. Bengasi, wo der Verfasser drei Tage verweilte, 
liegt, wie uns hier von Ihm versichert wird, an einer fiberaus 
fruchtbaren Ebene und hat eine afdsgezeichnete merkantile Lage, 
aber (setzt er hinzu) die Hand des Menschen lasst zu Grunde ge- 
ben , was die Natur geschaffen hat. So ist z. B. der Hafen jetzt 
gchon mehr als zur Hilfte versandet, was er im Alterlhum und 
selbst im Mittelsiter nicht war; das stagnirende Wasser verdirbt die 
Luft, der Handel ist mit der Otiltur des Landes fast erloschen. 
Reste alter Zeit sind ebenso wenig vorhanden, da die alten Ge- 
binde offenbar als Material zum Bau der neuen Stadt benutzt wur- 
den und Anderes vom Meere weggespült oder auch dem Zahn 
der Zeit völlig unterlegen ist. So lässt sich die alte Stadt der 
Hesp Briden, die Berenice der Ptolemier, jetzt kaum noch 
wieder erkennen, und die vielbesungenen und In der Dichtung so 
gefeierten Gärten der Hesperiden geben in Nichts mehr jetzt ihr 
Dasein kund, können aber, wie der Verfasser ganz richtig be- 
merkt, immerhin ztim klaren Beweise dienen, welchen herrlichen 
Anblick auch diese Landschaft gewahrt haben musste, in welcher 
neben einer Fülle der herrlichsten Erzeugnisse des Bodens eine 
üppige Vegetation sich überall kund gab. Diese vermisste der 
Verf. auch noch in den nichsten Strecken seiner snf das alteCyrene 
gerichteten Wanderung, sowie man sich jedoch dem Bergplateau, 
auf welchem die alte Stadt angelegt war, mehr nüherfe, fing Alles 
an ein anderes Ansehen zu gewinnen. Noch ehe man diese Höhe 
erreicht hatte, ward das alte Taucheira, jetzt Tokrah, be- 
sucht, das, obwohl in der Geschichte ohne besonderes Interesse, 
doch noch jetzt durch seine alten, noch in einem gänzlichen Zu- 
stande der Erhaltung befindlichen Ringmauern ein gewisses An- 
sehen von atissen gewinnt, dem jedoch der Blick in das Innere 
keineswegs entspricht. Dass diese Mauern, wenn auch unter Jusli- 
nian ausgebessert oder wieder hergestellt, doch In ihrem Kern ei- 
ner älteren Periode, und zwar der sogenannt macedonischen, ange- 



Barth: Wanderungen dorch'd. Paniache ö. C^renäuche Küstenland. 15 

hören, seigi ihre ganae Aolaf'e imd Beschaffenbeit, insbesondere 
wird diess auch durch die mit der Mauer verbundenen viereckigfen 
Thurme^ deren die kleine Stadt sechs und zwansig besittt, be- 
stätigt. Sonstige Bierkwürdigkeitcn des Alterthums, ausser sahi- 
reichen , aber wie uns S. 395 versichert wird « giuzlich uninteres- 
santen Inschriften, die meist nur blosse, Inhaltslose Namen mit 
Daten enthalten, fanden sich nicht vor; nur in der alten Nekropole 
der Stadt sollen sich noch Spuren roher Malerelen mit chriatli- 
chen Gegenständen, so wie einige 9 aber gleichfalls uninteressante 
Inschriften befinden. In wie weit daher eine nähere Untersuchung 
für den Forscher des Alterthoms lohnend sein dürfte, wagen wir 
kaum SU bestimmen. An diese Schilderung der alten Tochaira 
schliesst sich die Beschreibung dessen an, was von Resten des 
Alterthums zu Ptolemais samrot seiner Nekropole und in dem 
landeinwärts gelegenen Barce, von dem jedoch kaum etwa» A-el- 
teres als Byzantinisches sich noch jetzt vorfindet, sich erhalten 
hat. Auf Bergespfaden durch eine schlnchtreiche, wild roman- 
tische, aber auch nicht gefahrlose Gegend, wie wir aus dem Be- 
flcVit d«aVerfa«8eT« ersehen, wendete sich derselbe der Trünmier- 
stattedes alten Gjrene zu, was in der jetslgen, freilich nur noch 
den gelehrten Anwohnern bekannten Beneiiffoiif Grennah oder 
Kren nah gewlssermassen noch fortlebt, während die dem Apollo 
'geheiligte Quellet welche die Gründung der Stadt vernnlassCe, 
(Herodot. IV. 158) als Ain esch Schehad, d. f. fons perennis^ 
von den Beduinen noch jetzt bezeichnet, der ganten ausgebreitet 
ten und gewaltigen Trünmierstitte den Namen gegeben hat. Nach 
dieser Quelle war der erste Ritt des Verfassers, die alte Strasse 
desBattus hinunter, gerichtet; hier, im Mittelpunkt der alten Stadt 
und der Ruinen gedachte er sein Zelt aufzuschlagen, um von hier 
aus bequem alte einzelnen Punkte und Oertllchkeiten der alten 
Stadt au besuchen. Ans Rücksichten der Sicherheit musste jedoch 
dieser Plan afufgegeben und in einem der geräumigen Felsen- 
gräber der Aufenthaltsort genommen werden, welcher neben den 
Vortbeilen grösserer Sicherheit sowohl der Person wie des Ge- 
päcks ^ unfern dem Qnell des^ Apollo und einer andern frischen 
Quelle mitten unter den Ruinen gelegen, die bequemste Gelegen- 
heit bot, diese selbst unmittelbar zu besichtigen. Ueber die Lage 
der Stadt, oder vielmehr die Nothwendigkeit der Anlage dersel- 
ben auf dem Hochplateau und nicht an dem davon abhängigen 
Knatenaaum, giebt der Verf. die n^thlgen Aufklärungen und zeigt 
dann, wie passend und trefflich eben die Lage der alten Cyrene 
gewählt war und wie in Folge desaen alabald der blühendste Ver- 
kehr sich entwickelte. Nachdem nna so ein Bild der Stadt im All- 
gemeinen gegeben und über den Dmkreis derselben, der, allerdings 
in den frühesten Zeiten beschränkter, erst in späterer Zeit in 
Folge der steigenden Blüthc der Stadt den Umfang angenommen 
sa haben acheint, den die in deutliehen Resten noch zn erkennen- 



16 Altorthamakmide. 

d«ii, theilweiRe mehr, theil weine miiidep erhaltenen Griindmanera 
der Rio^maner noch jeUt beschreiben, das INöihSge bemerkt wor- 
den, gebt der Verf. gn der Beschreibung der einaelnen bedeuten- 
deren Punkte Qber, welche unsere Aufnoerksamkeit Torauglich in 
Anspruch nehmen; Unter diesen erscheint au erster Stelle die aus 
einer Felswand hervorsprudehide Quelle, die den Mittelpunkt der 
alten Stadt bildet und nach ihrem gegenwärtigen Bestand aufs 
SorgfiUtigste von dem Verf. beschrieben wird, der hier, wie auch 
in andern Punkten der Oertlichkeit der alten Cjrene, die Angaben 
seines Vorgangers Pacho mehrfach im Einzelnen berichtigt und 
erweitert. Vor der Quellgrotte findet sich durch künstliche Mit- 
tel vermöge starker Quadermauern eine gerSumige Terrasse ge- 
schaifen, welche jetzt mit Trfimmern dicht bedeckt ist. Hier 
glaabt der Verf. die Agora der Stadt und in deren Mitte den 
Tempel des Apollo sehen zu können, während rings herum die 
ofTentllchen Stsatsgebäude sich anreiheten, auch in der Nihe das 
Grabmal des alten Battus, das am Ende des Marktes gelegen, zu 
suchen sei. Wenn auch, wird hinzugefügt, in apaterer Zeit bei 
der grosseren Ausdehnung der Stadt der Marktplatz (der an die- 
ser ersten Stelle doch immerhin einen nur beschrfinkten, nicht sehr 
ausgedehnten Rsum einnehmen konnte) anders wohin verlegt wor- 
den, so sei doch hier immer der religiöse Mittelpunkt geblieben: 
eine Behauptung, die Jeder, der mit den Verhältnissen des Alter- 
thums und der Anschauungsweise der Hellenen nur einigermassen 
bekannt ist, begründet finden wird. Eben so richtig wird daher 
auch der Schluss anzunehmen sein, dass die Trümmer, die den 
Raum dieser Terrasse jetzt bedecken, jedenfalls mit die Reste 
eines Apollotempels enthalten , wenn auch vUicht des ursprüngli- 
chen, der in die Gründungsseit der Stadlt ßllt, so doch einer 
spiteren Wiederherstellung oder eines an derselben Stelle später 
errichteten gleichen Tempels. Denn den Tempel des Apollo an- 
derswo als bei der ihm geheiligten, die Anlage der ganzen Stadt 
bestimmenden Quelle zu auchen, wäre in der That sonderbar. 
Leider sind die Trümmer, wie wir sie jetzt erblicken, in einem 
solchen Zustande der Vernichtung und Zerstörung, dass nähere 
und sichere Bestimmung sich nicht geben lasst. Die verstümmel- 
ten Säulen, von deren Kapitalen sich nichts mehr erhalten, haben 
noch immer einen Durchmesser von 4 F. 6 Z. bei 7 F. Zwischen- 
raum. Würden freilich die vorhandenen Trümmer von allem 
Schutt gereinigt und völlig herausgegraben ans Licht gestellt 
werden, ao möchten vielleicht die Zweifel und Ungewissheiten» 
mit denen wir uns jetzt noch herumtragen , gehoben werden kön^ 
nen: doch dazu ist vorerst noch keine Aussicht vorhanden, so 
aelir wir aiich in den von dem Verf. schon früher 8. 420 ausg e- 
aprocbenen Wunsch einstimmen, dass nach wiederhergestellter 
Ruhe in Buropa auch andere Reisende sich als dM Ziel ihrer Auf- 
gabe die nähere Untersucbnog der Ruinen der alten Cjreoe 



Barth: Wanderangen durch d. Panische ö. Cyrenabche Küstenland. 17 

aetseb moehteb, wo eine so grosse Anabeate ihnen noch TÖrbettl- 

ten aei. 

WestwärUi von diesen Ruinen gelangte der Verf. in einen 
halbkreisförmigen Ausschnitt, der an einem Abhang gelegen nnd 
mit theils noch sn ihrer Stelle befindlichen, theils herabgestnrsten 
Sitsen versehen war. Mit allem Rechte erkennt der Verfasser 
darin die Reste des alten Theaters, das zugleich einen herrliehen 
Anblick über dss weite Meer hin darbot und uns selbst in dem 
zertrümmerten Zustande, in dem es jetzt sich befindet, wohl er- 
kennen lasst, dass seine Anlage in die besten Zeiten der Kunst wie 
der Bliitheder Stadt ftllt. Die Meinung Ton Beechry, der hier ein 
Amphitheater erkennen wollte, widerlegt sich durch die gerianea 
Angaben des Weri. znr Genüge. Zu diesen Resten älterer Zeit, die 
um so grössere Aufmerksamkeit verdienen, je mehr sie in den 
\ielfachen Umwilzungen und Zersternngen der naebfolgenden Zeil 
verdrangt oder vertilgt worden sind , werden noch zwei anf dem 
höchsten Punkte der östlichen Kufipe, also wohl im Bereich der 
alten Akropoli« gelegene Tempelruinen, eine grossere und eine 
kleinere , §e^hU , ohne dasa Jedoch bei der Zerstörung, die sie 
betroffen, irgend' ein sicherer Anhaltspunkt geboten wäre, um 
die Gottheit zu bestimmen, welcher ^leae Tempel gewidmet wa« 
ren. Auch hier werden nnr Nacbgrsboogen und Aufriumnngen 
des Schuttes ein besseres Resultat herbeizuführen vermögen. 

Nachdem der Verf. noch die Hnuptreste römischer Zeit, ins- 
besondere die eines einst prachtvollen Theaters und eines andern 
grossen Gebludes von einem eigenthumliehen €hsf akter, welches 
der Verf. mothmaassHch mit d^ Markte der römischen Stsdt, in 
Ermangelung anderer bestimmter Naehweisungen, in Verbindnng 
bringt, dann eines grossen von einer machtigen Mauer aus ge- 
waltigen Qttadem umschlossenen Reservoirs, welches wohl dazu 
dienen sollte, die in diesem Räume (von 180 Metern Linge bei 
125 Metern Breite) gefasste Wassermenge unter die Stadt zu ver- 
theilen, endlich eines theils in den Felsen gehauenen ^ theils ana 
der Erde aufgebanten Stadiums, daa übrigens auch , wenigstens in 
seiner ersten Anlage, aua vorrömiacher Zeit stammen kann, be^ 
schrieben bat, wendet er sich S. 438 ff au den Wohnungen der 
Todte», die in ihrer Ausdehnung und selbst Pracht hier eine ihn- 
liehe Bedeutung geu^nncn, wie wir sie unlingst aus den in Lycien 
aufgefundenen ähnlichen Monumenten kennen gelernt haben. Wohl 
möchte man eine nähere Zusammenstellung und Vergleichung die- 
ser GrabmoDumente Lyciens mit den entsprechenden der alten 
Cyrene auch vom konstierischen Standpunkt aus wünschen, wenn 
diesa nicht vorerst noch au früh wäre nnd nicht anch hier noch 
erst genauere Darstellungen, auf eben so genaue Vermessungen 
und getreue Abbildungen gestützt, su erwarten wSren. Wie aus- 
gedehnt diese Denkmale der Todten in der alt^n Cyrene gewesen, 
möffen die fdgenden Worte d^ Verf. andeuten : ,»Diese diibnr- 

iV. Mrbb. f.PkiLu,Püd.<HL MrH.3ibl. Bd. hXü. Bß.1. 2 



18 Alterlhnroskonde. 

KUdi bildet ein Tolktandifeg Lebyriath, in dem der neugierige 
Pilger, der wfssbegierig Ton SchluclU zu Schlucht, von Kuppe ra 
Kuppe vordringt und von einer Gräberstra8§e in 6ie andere ge- 
rächt sich u»hewu88t verliert. Ich habe keinen AugeobAck wib- 
rend nieinea Hierseins geruht, aber das Terrain ist zu ungeheuer; 
gar Manches hat selbst einer flnchtigen Ansieht entgehen mnsaeu. 
Denn es gewinnen diese Griberstätten , die theils ans Kammeni 
bestehen, welche in den Felsen gehauen sind, thciis aich frei 
über die Erde in grösseren Denkmälern , oder in einfachen Sarko- 
phagen erheben, eine solche Ausdehnung, dass man das ganze 
Local Stunden weit .für eine Todesstadt halten und die Wohnun- 
gen der Lebenden ieiclit darüber ganz übersehen könntet* 

Ob durch den Einfluss ägyptischer Cultor^ ,,der sich nnliug- 
bar auch in andern Beziehongen bei diesen libyschen Hellenen 
zeigt '^, oder durch die eigenthnmiiche Beschaffenheit des Bodens, 
auf dem die Stadt lag^ die Bewohner derselben veranlasst wurden, 
ihren Todten solche Wohnstitten zu schaffen und sie so zu be- 
wahren, lässt der Verf. unentschieden: und allerdings möchte ea 
jetzt schwer, wo nicht voreilig scheinen, hier ein bestimmtes Ur- 
theil zu fällen. Nahe liegt es gewiss, an das nahe Aegyptßn zu 
denken und einen EiiiAiiss der dort üblichen Todtenbestattung in 
einer gewissen Weise auch auf die in der Nahe angesiedelten , mit 
/^egypten in so vielfachem Verkehr stehenden Hellenen anzuneh- 
men und somit in der Nekropole von Cyrene eine Nachbildung 
der igyptischen Nekropolen , wenn auch in Etwas abwetcliender 
Weise, zu erblicken. Aber auf der sndern Seite musa uns die ähnliche 
Wahrnehmung, die wir jetzt in Lycien bei der dort sesa haften, 
gleichfalls hellenischen Bevölkerung gemacht haben, doch behut- 
sam machen , da wir bei diesen lycischen Grabeadenkmaien doch 
schwerlich an einen ägyptischen Ursprung werden denken wollen, 
während wir in Bezug auf die Localitäten an beiden Orten, in Ly- 
cien wie zu Cyrene, eine gleiche Veranlassung zu der Errichtung 
derartiger Grabesdenkmaie finden. Leider scheinen nun die cyre- 
näischen nicht in dem Grade der Erhaltung, namentlich was die 
künstlerische Zuthat, den ftoaaeren Sohmuck und alles dahin Ge- 
liörlge betrifft, sidi zu befinden, welchen wir an den lycischen Gra- 
besdenkmalen der Art, wenigstens dem grösseren Thelle nach, 
bewundern müssen. Sporen von Farbenschmuck und Bemalung 
wurden (wie früher auch von Pacho) gleichfalls be! einigen Grä- 
bern gefunden. Uctbri^ens darf auch hinsichtlich der künstleri- 
schen Beurtheilung nicht überaehen werden , dass diese Grabes- 
monumente gar verschiedenen Zeitaltem angehören, mithin auch 
in dieser Beziehung sorgfältig von eiinnder zu unterscheiden sind, 
wie diess der Verf. auch zu thun versucht hat, indem er diejeni- 
gen Felsgräber, die er, ihrea in jeder Hinsicht grossartigen Gha- 
rsktera wegen, für die (Itesten ansieht und in die Zeit der gröss- 
ten Blüthe der Kunst Im hellenischen Mutterland setzt, von der 



Barth: Wanderungen darch d« Pnntsebe a. Cyrenaiscbe KSstenland. 19 

nngleich überwiegenden Zahl derjenigen nnterschefdet , wekhe in 
die sp&tere ptoiemiisclie und in die frühere römische, a'nige jiuch 
In die spatere christlich - römische Periode, nach seiner vollen, 
auf die architektonische Beschaffenheit derselben gestutzten Ueber- 
seugung', gehören. Was die Besehreibung des Blnselnen betrifft, 
die Anlage und die innere BInrIchtung dieser Gräber, so mftescn 
wir hier um so mehr auf die Darstellung des Verf. Yerweisen , als 
diese nicht wohl eine gedringte Zusammenfassung oder einen Aus* 
sug verstattet, der doch immer nur einen ungenügenden Begriff 
gebeq würde. Und so verlassen wir mit dem Verf. diese Graber* 
Stätte, diese Umgebung einer Stadt, die auch in ihrem gegenwär- 
tigen , nur ein Bild der Zerstörung und der Vernichtung bietenden 
ZimUnde doch iien ganzen Charakter des hellenischen Lebens und 
Treibens „in sahlreicheren Beziehungen na Tage bringt als bei 
den meisten andern Stätten de» Alterthums, und hat die natürliche 
Beschaffenheit des Gebietes, suf dem die Stadt sich erhob, einen 
so grosaartigen, In wunderbarster Mannigfaltigkeit gestalteten Cha- 
rakter , das« , wäre auch kein Monument der Stadt selbst erhalten, 
stsbon das Terrain aUcin iu mehrtägigem genussreichsten Aufent- 
halt einladen könnte.*^ |So schreibt der Verf. S. 449, wahrend er 
■B einer andern Stelle (S. 467) geradezu erklarl, dass, wollte man 
alle Einseinheiten der allen Cyrene mit Genauigkeit ergründen, 
diess einen jährigen Aufenthalt verlangen würde. So etwas wurde 
freilich nur durch das Zusammenwirken mehrerer Freunde des 
Alterthums und durch eine förmlich dahin unternommene, mit 
Allem, was zu einem Isngero Aufenthalt nothwendig ist, reichlich 
versehene und auch mit der uöthlgen Schatswehr zur Sicherheit 
gegen die räuberischen Beduinen ausgeriistete Expedition ausführ- 
bar werden: sie würde dann aber auch in ihren Resultaten wohl 
eben so lohnend erscheinen als msnche der bisher, nicht ohn« 
namhafte Kosten, zur Untersuchung anderer Punkte der alten 
Welt, z. B. Aegypten, nnternommenen Expeditionen. Nicht bloa 
Manchea, was griechische Verhsltnisse betrifft, würde damit in 
ein helleres Licht treten: auch Anderes, wie z. B. der Einflusa 
des nahen Aegjptens und seiner Cultur, auf die hellenische Cul- 
tnr, so wie spater die römischen und dann wieder die christlichen 
Einwirkungen, eben so auch die, auch von dem Verf. S. 444 gele- 
gentlich ansgespro<ihene Behauptunng von einer Vermischung des 
hellenischen und des einheimischen afrikanischen Elements, wie 
aie (nach des Verf. Ueberaeugung) hier allerdings in weiterer Aus- 
dehnung stattgefunden, Alles diess würde dann seine volle Erle- 
digung finden können. 

Ehe der Verf. Cyrene verliess, glaubte er auch noch die Ha- 
fenorte beauchen zu müssen. Diese Wanderung auf den dahin füh* 
renden Gebirgspfaden bildet einen äusserst unterhaltenden Ab- 
schnitt des Ganzen, den wir jedem Leser, auch dem, der niclit 
gerade auf Alterthümer ausgeht, empieblen können. Ueberdem 

2t 



20 Alterthon^konde. 

wBi*, In Absicht auf Reste des Alterthnms, dfe Aasbente nScht be- 
deutend. Geniit wird tins Apellonia miC dem ansserhsib der 
Ringmauer befindlichen ^fheater, das noch aus ^nter Zelt atammt^ 
beschrieben; die meisten Hbri^en Geb&itde stammen aus spiter rö- 
mischer und selbst christlicher Zeit. Die jetsige Beseichnung die- 
ser IV&mmerstitte istSusa (aua dem Beinamen Zw^ovöa^ den 
die Stadt im Zeitalter Justinian'a erhielt) oder auch Miras Susa 
Harn am. Von Nauststhmos war wenigstens keine iussere 
Spur in Ruinen o. s. f. aufsufinden. Künftigen Reisenden dieser 
nsch der hier gegebenen Schilderung allerdings romantischen Berg- 
gegenden empfiehlt der Verf. auf Pussreiten sich einzurichten , da 
auf diesen Abhängen und Abschfissen das snf der Höhe des Pla- 
teau selbst so nAtsliche Pferd nicht gut zu gebrauchen sei nnd 
nur Mfihe und Zeltverlust, Sorge und Angst vernrssche. Davon 
liegt freilich der Gnind mit in der gSnslichen VernachUssignne 
and Verwahrlosung, in welche jetzt diese von derNsturso be^ 
gönstigten, einst so blühenden und reichen, wohl bevölkerten Ge- 
genden gesunken sind. ,,E8 ist unglaublich, spricht der Verf. S. 467^ 
in welchem Elend die heutige spirliche Bevölkerung dieses an je- 
der Art von Hülfsquelleu so reichen Lsndes lebt, daa einst ao 
viele grosse Völkerschaften , so viele grosse Stidte und Ortschaf- 
ten mit Leichtigkeit ernfihrte. Aber es fbhlt den heutigen Bewoh- 
nern an jeder Energie das Geringste zu thun, sich der geringsten 
Mi^he zu unterziehen , um ihren Zustsnd zu verbessern ; nur dem 
Raub unterliehen sie sich mit Ausdaaer und Beharrlichkeit.^^ In 
der Bestimmung des Silphiums, dieser der cyreniischen Ge- 
gend elgenthömlichen, im gsnzen Alterthum, selbst auf MUnsen 
gefeiertern Pflanze, stimmt der Verf mit Pacho öberein; er findet 
sie in der fär die Kamele besonders sIs Futter so nachtheiligen 
Drias pflanze; ihre Gestalt stimmt mit den bildlichen I>ar8tellun- 
gen, die wir davon namentlich auf Münzen besitzen, äberein 
ihre Wirkung mit der, welche schon Theophrast dieser Pflanze 
und ihrem Genuss beilegt; nur scheint die Ausdehnung, welche 
Herodotus (IV. 169) derselben giebt, von Platea bis an den Ein. 
gang der Syrte, jetzt in besehrinkterem Maasse angenommen wer- 
den zu müssen; siehe besonders S. 469. Der Rest dieses Ab- 
schnittes enthilt die Abreise vonCyrene über Lamluck (Limnias) 
nsch Derns (Darnis), wo eine Rast gemacht und die Vorhereitunir 
zu dem letzten, gefährlichsten Theile der Reise getroffen wer- 
den musste. Die Schilderung des Weges von Cyrene bis Dema 
mag man bei dem Verf selbst nachleaen : er bezeichnet denselben 
als einen der fürchterlichsten , die er je gemacht hsbe: 

Der letzte Abschnitt, der neunte des Ganzen, mit der Auf- 
schrift ^,Marmarica^, S. 499 ff., ist zwsr derjenige, welcher für 
die Alterthumskunde nicht die Bereicherungen und Erweiterungen 
bringt, die #ir in den früheren Abschnitten hervorgehoben haben, 
wihrend er in andern Bealehungen die Aufmerksamkeit dea Leaers 



Barth: Wanddrangen durch d. Panischa u. Cyrenäische Kastenland. 21 

Torzii|$flwei8& zu fesseln vermag. Nieht ohne Warniingea über das 
Mjssliche und Gefahrvolle des Landwegs naoh Aegjpten, wie Ibo 
der Verf. iaiigs der Kiiste auasufubren gedachte, nachdem sein 
früherer Plan, die Seekaste alsbald (bei Tabnik, dem alten Antf- 
pyrgos)' so verlassen und von da landeinwärts durch die Wöste 
iiber die Oase von Audschila und von da über die Oase Sivah das 
Nilthal SU erreichen , sich als gäuslich unausführbar gezeigt hatte, 
ward die Reise angetreten: der Verf., der bisher auf -seinen Wan- 
derungen ungefShrdet durchgekommen war, hoffte auch diesesmsl 
glücklich diesen Rest seiner Reise zurückzulegen. Und sein Af uth, 
9eine Ausdauer und Geistesgegenwart wurde auch, aller Schwierig- 
kelten und Mühen ungeachtet, dieses Ziel erreicht hsben, wenn 
eine gleiche Gesinnung die ihn begleitenden Führer des Weges 
beseelt hätte. So aber machten diese, sei ea aus Schwache imd 
Furcht« oder aus Eiuverständnlss, also durch Verrath, einen 
Ueberfali riiuberischer Beduinen möglich, der für den Reisenden, 
hätte er nicht mit solchem Muthe und solcher Bntschlosseuhcil 
sich widorsetai, noch gefährlicher hätte anelaufeo können. Mil 
einer BcViusAwunde am Fuas, die, wie sich später herau^stelUe, 
glücklieber wehe nicht gefährlich war, entrana er swar für seine 
Person den Gegnern und kam glöcklicli auf ägyptischem Boden 
an : allein djas Gepäck , womit ein Pferd und ein Maulthler beladen 
^areo, ward darüber eingebiisst ; es enthielt unter Andern dlelnstru- 
ipente, die Ski^zisn und Tsgebiicher des Verf., verschiedene Brief- 
schaften und Empfehlungen , auch eine Sammlung von Gemmen, 
i}nd Münzen, die auf der Reise meist an den betreffenden 'Orten 
selber zusammengebracht worden waren : diess Alles ging sammt 
anderem Gepäck verloren. Dieser Umstand , der den Verf. grade 
der für ihn werthvoU&ten Gegenstände bersubte, ereignete sich 
sn der Gränze zwischen Tunis und Aeg}pten, bei dem von ^ea 
Alien als Kalabathmos bezeichneten Punkte, der Gränzscheide 
zweier Wielttheile, Libyens oder Afriks's und Asiens, zu dem Ae- 
gypten gerechnet ward. Die ausfuhrliche Erzählung dieses trsuri« 
gen Ereignisses muss man in dem Buche selbst nschlesen, so wie 
die Schilderung der beschwerlichen Reise von da bis Aleiumdrien; 
von wissenschaftlicher Nacbforschung konnte jetzt nicht mehr die 
Bede sein, wo es galt, vor Allem in Bälde einen sicheren Ort zu 
gewinnen und Aleundria zu erreichen. Indessen auf der voraus- 
gehenden Strecke von Derna bis zum Katabathmos , welche längs 
dem Gestade des Meeres zurückgelegt w^rd, wurden ^nehrere 
Funkte des Alterthums untersucht und ermittelt. Dahin rechnen 
wir die nähere Bestimmung der Oertllchkeit des alten' Irass 
(Herod.IV. 158), jetzt Irsema, und der von demselben Geschicht- 
schreiber (IV. 159) genannten Quelle T hoste, die aber jetzt nicht 
mehr die gleiche Bedeutung hat, die sie im Alterthum gehabt zu 
haben scheint; ferner die BestiquDong der Lage von Azirls (He- 
rod. IV. 157) bei dem Vadi Temmineh) in Uebereinstimmung mit 



18 Alterthiimfikimde« 

Pacho; afcer die vdnm xdkkt^aif welche nach Herodot'a Ver<* 
fficheruh^ diese Sielle von beiden Seiten umgeben, sochte der 
Verf. vergeblich. Und doch werden wir darum achwerlich den 
Vater der Geschichte, dessen Angabe Callimachus (ll^rmn. In Apoll. 
89), der selbst aua Cjrene war und die Gegend kennen musste, 
noch Aberbietet, der Unwahrheit leihen wollen: man mag aach 
darin nur den Beweis der grosseren hier einst herrschenden Cul- 
tur und der dadurch hervorgerufenen Fülle der Vegetation erken-^ 
nen, die jetnt, bei dem Mangel aller Cultur, freilich verschwunden 
ist. Reste des Alterthums fanden sich hier so wenig, wie auch 
spiter bei Mirsa Tobruk, dss die Stelle von Antipyrgos einnimmt; 
auch wurden wohl an andern Stellen des Weges hier und dort ein- 
s^lne Trümmerhaufen wahrgenommen, die jedoch nicht von der 
Art waren , um irgend ein bestimmtes Resultat hervoraurofen. 

Hiermit verlassen wir den Verf., der in einem zweiten Bande 
die Fortsetzung seiner Wanderung durch den Orient zo geben 
verspricht $ In allgemeinen Umrissen soll zuerst die Nilrelse bla 
Vadi Haifa, dann ausführlicher die Wustenrelse von Assuan nnch 
den Ruinen von Berenice und von da nach Kessar, gegeben wer- 
den; auf die gleichfalls In allgemeinen Umrissen gegebene Route 
durch die petrSIsche Halbinsel und Palistina soll dann ein iiuaftthr- 
Ileher Bericht der Reise von Berut durch das nordsyrische Küsten« 
hnd, durch Ciliclen, nebst einer zwanzigtagigen Wanderung durch 
die Insel Cypern, dann durch Pamphylien, Lycien nebst Rhodut, 
lonien, Lydien, Aeoiien, Troaa und Btthynien folgen. So wenig- 
stens bezeichnet der Verf. selbst S. XV den Inhalt dieses Bandes, 
dessen Erscheinen Jeder, der den ersten voriiegenden Band durch- 
gegangen , nur mit Verlangen entgegen sehen kann. Eine kleine 
Aenderung zur Bequemlichkeit der Leser würden wir aber dann 
dem Verf. vorschlagen. Die Noten nümlich, welche einzelne Be- 
lege, Nachweisungen n. dergl. zu dem Texte enthalten und nur 
an ein paar Steilen grössere Bxourse bringen, befinden sich in 
diesem ersten Bande hinter jedem der neun einzelnen Abachnitte 
mit kleinerer Schrift zusammen gedruckt, wo sie durch beigef&gte 
Zahlen auf den Text verweisen. DIess hat bei dem Nachschlagen 
manche Unbequemlichkeiten, denen leicht wird abgeholfen wer- 
den können , wenn die Noten unmittelbar unter dem Text, zu dem 
-Biegehören, also auf der betreffenden Seite, abgedruckt stehen. 
Die diesem Band beigefikgte Charte enthilt In einer sehr netten 
und feinen Zeichnung das gesaromte nordafrikanische Küstenland, 
wobei die Reiserouten des Verfs., so wie bei den einzelnen Orten 
die alten und neuen Namen angegeben sind. Eine Ausbeute an 
neuen, bisher nicht bekannten Inschriften, griechischen oder la^ 
telnischen, bringt dieser Band uns nicht; nur an ein paar Stellen 
in den Noten (z. B. S. 284. 362. 483) werden Inschriften , und 
zwar kürzere, anch nicht bedeutende, gelegentlich mitgethellt; 
der an manchen Orten nur kurze Aufenthalt, welcher die Vor- 



Ravoul^: Exploration setontifiqne de rAIgerio« 83 

ualime der äbachrlheh uidit verstaltete, ae wie ittsbeaoiidere der 
Verlast des Gepäcks bei dem räuberischen Anfall am Katabathmos^ 
— denn wir finden mehrmals in der Bralhlnng den Verf. mit Co- 
plrea der Inschriften beschäflfgt — mag wohl die Hanptursache da- 
von tragen. Auch von anderer Seite her ist di^ früher gehegte 
Erwsrtoog einer wesentlichen Erweiterung des Inschriftenschatzes 
durch Bekanntmachung der von den Franzosen in Algerien auf- 
gefondenen lateinischen Inschriften nur wenig In ErfiiUoDg gegan- 
gen. Zu dem, was in diesen Jahrbudiern Bd. LH. Heft 4. S. 407 ff. 
bereits besprochen worden ist, lisst sich nur Weniges im Gänsen 
und auch nicht so sehr Erheblfehes hiozufilgen, aus der Fort* 
setsung des am a. 0. S. 402 ff. bereits in seineu nenn ersten Lie- 
feriiogen, die damah allein erschienen waren, angezeigten, leider 
mit aJlao grossem Luxus, sogar in dem zu den Kupferplatten ge* 
liorigen Texte masgeführten , auf Kosten der französischen Regie- 
rung gedruckten Werkes: 

ßsploration srientifique de VAig^rie pendant ies ann^es 1840. 
1841« I^AQl pnblUtt par <»rdre du goovcrneniont etc. Beanx ArU, 
ArclAtecture et Scutpinre par Amable Uatvmi. Paris. LibrairU de 
Firmin Didot, rae Jacob d6. 

Das Werk Ist jetzt bis zitfr drei and zwanzigsten Liefe- 
rung vorgeschritten, so dass, wenn anders- an dem orsprilngllcheo 
Plane festgehalten wird, noch zwölf Lieferungen zur Vollendung 
des Ganzen fehlen. Mit diesen 23 Lieferungen tot , was die Kupfer-- 
t»feln betrifft, der erste und sweite Band vollendet und (in der 
23. Lieferung) bereits der Anfang zum dritten und letzten Bande 
gemacht. Die Lieferung 10 nnd 11 schliesst den ersten Band ab, 
sie bringt noch einige IhtrsteUiingen römischer Reste, auch eine 
aehr gut ausgeführte allgemeine Ansieht von Dj emila, dem altea> 
Ciiiculum^ nnd einen Plan von Setif oder Sitifis, femer Dar- 
stellungen einzelner Ruinen, und zwar ebenfalls römischer, zu 
Hons, Kseur Madjooba, nnd eines Monument commimoraiif 
(so wird es hier bezeichnet) zu So um la, wovon sogar eine Reatl- 
tution (auf PI. 63) versucht wird, indem das Denkmal, daa viel- 
leicht ein Grabesdenkmal ist, sich nicht mehr in seinem ursprüng- 
lichen Zustande erhalten hat. In dem Texte ist das fünfte Ca- 
pitel diesem Orte, der in südlicher Richtung von Constantine liegt, 
gewidmet; da sich bei keinem römischen Schriftsteiler Angaben 
oder wenigstens nur Namen über einen hier gelegenen Ort finden, 
so konnte keine nähere Beatimmung dieaer Reste römischer Zeit 
gegeben werden. Die beiden vorausgehenden Cap. 111 u. IV be- 
schäftigen sich, das eine mit Hila, in welchem das alte Mileum 
oder MUerum der römiachen Itinerarien erkannt wird , nnd 
Djemla; das andere mit JHons und S etil Hila liegt in einer 
angenehmen Oase, zu der man durch öde Saudsteppen von Con- 
stantine ans gelangt, und acheint bereits Im Alterthura, mit in 
Folge seiner Lage, ein bedeutender Ort gewesen zu sein , welcher. 



24 AlUrÜHUukiuide. 



th iwm mbkdiea Geographen Bakri erat so AnfaBi^ de« eilften 
Jehriiiuiderto aeretört wurde und Isafe Zeil in Roinen lag, bis ein 
Wiederaufbeu erfolgte. Daher werden auch hier keine ▼olltlandi- 
gen oder grosaeren Gebinde römlacher Zeit mehr gefunden, wohl 
aber finden aich ikbernil Trümmer, Sanlenreale, Maoer- und Siein» 
werk, welchea groaaeniheila das Material sum Bau der jettlgen 
Stadt lieferte , die an Umfang der alten nicht gleichkommt, aber 
fanmerhin auch jetit noch Conatantine mit Gemnae imd friachen 
Fruchten, beaondera Orangen und Granaten, versieht. Die Ring- 
mauern der alten romiachen Stadt Uaaen sich übrigena siemlich 
klar verfolgen and aind noch erkennbar. ^ 

DJemila, froher nur durch eine knrae Notis bei Shaw und 
Pryioonnel bekannt, welche ee irrig für das alte Gemeilae hielten, 
tat jetst bemer bekannt und durch Inschriften hinreichend als daa 
alte Cttiomimm gesichert Wir haben schon früher des hier befind- 
lichen Triumphbogens und der daran befindlichen Inschrift (s. Bd. 
LH. S. 408 u. 409) gedacht and bemerken hier nur noch, dasa der 
veratorbene Horaog von Orleans, ab er im Jahre 18S8 mit den 
Truppen hierher kam, den Wunsch aussprach, diesen gsnsen 
Triumphbogen Stein um Stein abnehmen , nach Paris traosporti- 
ren und dort wieder ausammensetsen nu laaaen, als ein €tod£cht- 
nlss der afrikanischen Feldsilge. Indesaen die Ausführung unter- 
blieb. Da an die Stelle des alten Cuiculum keine neue »rabische 
Stadt getreten ist, so hat Mch hier mehr Römisches erhalten. 

M ons, das vier Stunden von Djemilsln westl. Richtung Hegt, 
Ist die Beaeichnung eines Punktes, der, mit Resten römischer Bso- 
werke sngef&llt, eine bedeutende römische Niederlassung hier ver- 
muthen lisst, ohne dass Jedoch ans den schriftlichanf uns gekom- 
menen ölten Quellen Btwss darüber sich ermitteln lisst. Eben so 
wenig sind Inschriften, welche darüber Auskunft geben könnten, 
an Ort und Steile entdeckt worden. 

Von dem einige Stunden nur entfernten Setif , das noch im 
Mittelalter einige Bedeutung hatte, dann aber in Verfall ^eratheu 
Ist, wird eine gensue Beschreibung der Localität geliefert, die 
allerdings durch das Zusammentreifen mehrerer Strassen eine Be* 
aohtung verdient, welche die Römer durch Anlage einer Stadt 
(Seiißs) wohl su wfirdigen wussten. 

, Die Lieferungen 12 bis 22 incl. bringen die Zeichnungen 'des 
Bweiten Bsndes vollstindig; aber von dem dasu gehörigen Texte 
sind erat swel Cspitei, das sechste und siebente des Gänsen, er- 
schienen, welche sich ikber Medjeg-Amer, Hsmmam«>Me8- 
khoutin und Announa, so wie über Guelma verbreiten. Die 
drei erst genannten Orte liegen auf der Route von Conatantine 
nach Bona und bieten mehrfache Reste römischen Alterthums, 
dsrunter such (su Annonns) eines siemilch erhaltenen Trlumph- 
bogena; die römischen Beielchnungen dieser Ocrtlichkeiten sind 
Jedoch noch nicht ermittelt $ aus dem, was hier mitgetheilt wird, 



RaTobi^: Exploration ident^^ae de TAlg^rie. 25 

iai ausser der genauen Beschreibongder LoealitÜ nidiU Maherea 
SQ entneliinen: Bei Hamraam-MeakhouUn befinden sich Heilquel- 
len, die, wie die hier vorhandenen Reste römischer Bäder bewei- 
sen, schon im Alterthnm benutzt worden sind; würden hier einige 
Nachgrabungen veranstaltet, so wiren sweifelsehne nähere Auf- 
schlüsse zu erwarten. Dsss die vorhandenen Reste sorgfältig, j« 
mit allem Luxus des Details hier abgebildet sind, bedarf kaum 
einer Erwähnung. Dasselbe gilt von den bei Guelma, was jetzt 
als Calama hinreichend, auch durch Inschriften gesichert ist, 
entdeckten römischen Resten, eines Theaters, dann von BMern^ 
Befestigungen, Sarkophagen u. s. f.; auch ein schönes Mossik 
(PI. 34), so wie Reste einer christlichen Kirche. Weiter als Gu- 
eima reicht der Text nicht; aber zahlreiche Kupfertafeln (beinahe 
an dreissig) enthalten die Darstellungen der bei Philippeville 
(Stora , Hippo regins) und in der nächsten Uiqgebung bemerkens- 
werthen Reste römischer Zeit, nsmentlich eines Theaters und 
eines Amphitheaters so wie anderer Gebäude, Reservoirs u. s. f., 
wobei man freilich, bei aller Anerkennung der künstlerischen Aus* 
führung , sich des Qedaukeus nicht enischlagen kann, dass hier auf 
die Darstellung einzelner, minder bedeutender Gegenstände eine 
fast zu grosse Bedeutung und ein Luxus in der Ausführung ver- 
wendet worden ist, der die Kosten des Gsnzen in unoötbiger Welse 
ü()er Gebühr erhöbt hatj was von dem dritten Bande in der 23. 
Lieferung gegeben Ist, hal kernen Bezug auf das Alter thum. In- 
dem es bloB Pläne einer maurischen Wohniiog und die Ansichl 
eines maurischen Landhauses in der Mähe von Algier bringt. 

liie Darstellung von Inschriften liegt eigentlich ausser dem 
Plane des Werkes, das nur Kunstdenkmale u. s. f. enthalten soll; 
insofern jedoch an diesen Werken Inschriften sich befinden, wer- 
den sie hier ebenfalls, zugleich mit der Darstellung der Denkmale 
selbst , in möglichst getreuer Nachbildung mitgetheilt. Diese zeigt 
uns, dass nur die wenigsten derselben in einem vollkommen erhal- 
tenep Zustande auf uns gekootmeu sind ; die meisten lassen ein- 
zelne Lücken und Verstümmlungen erkennen, welche die Lesung 
dieser Inschriften theilweise sehr erschweren. Wir wollen, mit 
Uebergehung solcher Inschriften, welche blosse Namen mit An- 
gabe des V. A. (vixit annis) enthalten, einige der auf diesem Wege 
bekannt gewordenen Inschriften hier mittheilen. 

PI. 36 giebt die Abbilduiigen einiger römischen Sarkophage 
aus den Ruinen des alten Calaiiia. Auf einem derselben findet sich 
folgende Inschrift: 

D. JM. S. Setia Honorata in flore decessit prndens demandit 
na .... marito karissimo luce mo ... caruit vix. anois vl- 
^ ginti sex. 
Auf einem andern : 

Setius Fondanus nutrivit natos dao in prima aetate ex germana 
conjoge in studiisque misit et honores tribaii post lantos sumtus 



26 Altertliaiiiskiiiide. 

oon frukat aemine foneriTU natos et haec"^) coepit opcra aenex 

laboraus haec perfecit oiDDia V. A gerniaiia conjunx 

V. A. LXKX aorori . . conjugia ornaviC »emoria cum f [filia] 
Julia prim. V. A. LXXX val paa*'*') riator lector loia cartniuis. 
Bioe eben daaelbat abgeseichnete Ära enthält die Inachrift: 

Herculi Ang. Sacrum. L. Vibiua Satiirnimia illlvirampliusadho- 
norariatn aum cum HS 111 M promialsaet ex HS VI AI P. S. P 
[pecunia aiia poanit] fdemq. dedic. [idemque dedicavit]: 
8um^ waa wohl wegen dea fehlenden Kauma, da ea am Ende der 
Zeile steht, nicht aufgeachrieben ist, legen wir summam^ oder 
man müaste ea nehmen fiir statuam; beidea kommt in einer an- 
dern, bei Saguan in der Nahe von Tuiiia gefundenen Inachrift vor, 
welche achon Maffel Mua. Veronena. pag. CGCCLVI, 5 bekannt 
gemacht hat, dort heiaat ea: 

hanc atatuan imilataa patria exemplum HS VIII milllbua fn aua 
liberalltate numerata priua a ae refpublicae summa honorariam 
posttit eandemquc dedicavit etc. 
In einer andern eben daaelbat p. CCCCLXIV, 3 bekannt gemach- 
ten Grabschrift aua Afrika kommt ebenfalla ein Saturninu^y ein 
8ohn des Q. SIsenna vor; ein anderer Sainrninus ist aua einer In- 
achrift SU Solilia ebenfalla bekannt geworden; a. bei Clarac Nr.^S. 
Auf einem Stein, der an Resten aller Befestigung angebracht ist, 
findet aich folgende Inschrift, die jedoch mehrere Schwierigkeiten 
hinsichtlich dea richtigen Verständnisses bietet: 

nna et bissenaa turrea creacebant In ordine^^*) totaa mirabilem 
operam qui -|-) to conslructa videt . . r Posticiua aub termas W) 
alte o concluditur ferro numis majorum poterit erigere mau ra- 
trici Solomoni hiatitutionemque expugnare vale vit defenaio 
martir o tu et . . . Posticiua ipse Clemens et Viuceniiua martir 
custodi introltnm .... ff f ) 

Aua der Erwähnung dea Patricius Solomo, der als Statt- 
halter Afrika*a unter Justinian gegen die Mitte dea aechsten Jahr- 
hunderts nach Chr. Insbesondere uns aua Procopiua Vandalischer 
Geschichte bekannt lat, lässt aich wenigstens die Zeit dieaer auch 



^) hancf wie in der Abaeicbnung steht, kann, wenn es anders wirk- 
lich aof dem Steine steht, kaum richtig sein; wir haben desshaib haec 
gesetzt« ^ 

**) val bedeutet wohl vah. Was bedeuten aber die drei folgenden 
Buchstaben P. A. S.? Oder soll es heissen: valeos? 

*^*y Eigentlich ; in o. düie. 
t) So steht Kiemlich deutlich QJTO. 

If) Nach tieft iermaa folgt ein Buchstabe, der wiie O aussieht, aber 
auch ein D lein konnte. 

ff f ) Die nach introitum noch folgenden Buchstaben sind nicht recht 
leserlich and geben keinen Sinn« 



Ravoisi^: Exploration scientifi^e de FAlg^rie. 27 

durch die 'schlechleren SchrifUl^ge ihr spilereg Zeitalter Ituiidge- 
beoden Inschrift beatirameD. 

Eine Poppelgrabschrift ist Vol. II. S. 8 des Textes mitge- 
iheilt. Neben einander auf derselben Seite stehen die beiden In- 
schrifiten : 

1) D. H. S. L. Corvinns L FQVR Flaminalis V. Anis LXXL 

2) D. M. S, Acrina VIctria Acrini Donati filia V. Anis XLVII. 
Und darunter stehen die zum Theii verwischten oder Terstümmel- 
ten Worte: 

VAICII PAR .... inec omquam'*') . . . cum mea marita egi 

bona Tita iam marita de . . . placuit civibus. H. S. E. 
Auf einem andern Grabstein ebendaselbst stehen die Worte: 

Aonis primo Jon. QIR Equiti Romano oneste gravitatis morum 

.... consecratus. Vix. An. XXVI. 
Das darunter befindliche Datum des Monstes Januar ist nicht gans 
deutlich. Gans unten steht AxeniUa. 

Was aus den bei Philippeville gefundenen Inschriften uns 
mitgetheiU wird , ist^ namentlich was die beiden grösseren Inschrif- . 
teu betrifft, schon durch Clarac (s. Nr. 98. 106) belcannt gewor- 
den. We erste derselben, welche bei den Resten des Theaters 
aufj^efunden ward, lautet: 

Genio coloniae Veneriae Rosicadis Aug. Sacr. M . Aemllios Bal- 

lator praeter HS X. M N qnae in opus cuIttimTe theatri postu- 
lante populo dedit statuas duas geuium patriae ^ et annonae sa- 
crae urbis sua pecunia posuit ad quarum dedicationcm diem lu- 
doram cum missilibus edidit L. 1). D. D. [d. i. locus datus decu- 
rlonnna decreto]. 
Hier gewinnen wir die offlcielle Namensbeseichnnng der Stadt 
selbst als Colonia Veneria Rusicade und werden hiernach stich 
auf eine besondere Verehrung der (in den afrikanischen Städten 
Oberhaupt unter verschiedenen Beinamen verehrten) Venus in 
dieser Stadt schliessen dürfen. Ballator^ was auf M. Aemilius 
folgt, könnte wohl, zumal da kein dritter Beinamen folgf, für ein 
zu der Namensbezeichnung gehöriges Wort geltün, wobei jedoch 
immerhin auch die Bedeutung desselben beriicksichtigt werden 
könnte. Nun kommt ballo (das griechische ßaXXHHv bei Athenaus 
VIII. p. 362 A mit den Auslegern) in der späteren Latinität, na- 
mentlich auch bei dem Afrikaner Augustinus, in dem Sinne von 
tanzen vor, so dsss also das davon g^hMei^ baUator einen Tan- 
zer bezeichnen würde, was allerdings zu den Spenden, welche 
derselbe zu dem Theater gegeben hatte, gut passt; sehen wir uns 
freilich nach weiteren Belegen dieses Ausdrucks um, so kann, 
weun man von dem bei Vopiscus vorkommenden ballialea (Tanz- 
musik) absieht, dafür nur eine einzige Inschrift angefiihrt werden, 



*) Soll wohl beisaen : nee unquam» 



28 GriecbUdie LiUenliir. 

welche nftch Mikratori auch Orelli Nr. 2337 ^egebeo hat, wo et 
hciast: . .. . Sodales Ballaiores Cybelae beoe mereoti feceruot; wo 
jedoch Saxe liest: Balneatores, 

Die am Schlüsse der Inschrift genannten Missilia beseich- 
oen die bei diesen Spielen unter das Volk ?ertlieiltea Spenden, wie 
man aus Sueton Aug. 98. Ner. 11 ersieht. Die Annona aaora als 
Gottheit finden wir auch in einer andern Inschrift lu Rom, auf 
einem Denkstein, welchen der Annonae Sanclae Aeliua ViUlis 
Mensor perpetuus aeUt, bei Gruter p. LXXXI. 10 und Orelli 
Nr. 1810. Chr. Bahr. 



Ausgewählte Reden des hokraies^ Panegyricue und Areopagi- 
iicue^ erlilärt voo A. AoausAetittom. Leipsig, Weidnuum'dch« Buch- 
handlang. 1849. (10 Ngr.) 

Zweit« Abtheilang. 

Nachdem der Unteraeichnete in dieaea Jahrbikohern, Bd. LX, 
Heft 3, S. 227—234, die erste der befden von Hrn. Raachenstein 
herausgegebenen Reden des Isokrates, den Panegyricus, bespro- 
chen hat, will er ohne Weiteres auch einige Bemerkungen über 
die Behandlung der aweiten , des Areopagiticus , mittheiien. 

Doch zwsoT swei unbedeutende Nachträge «im Panegjricus! 
Zu §. 107 iJber die Bevölkerung Attika's wird der gelehrte Herr 
Herausgeber unterdessen bei Hermann griech. Prifstalterthuroer 
I. S. 2 eine Notiz gefunden haben. — §. 184 . . . ^ergtcag Tovtci 
tm XQayfLati XQCOfiivovg. Wie hier unter dem ngäyfia die Ta- 
pferkeit zu verstehen ist, sagt Plato im Phaedon Cap. 5. p. 61, C: 
. . . idaki^öii xoivvv^ i<p^y xai Evijiog xal arog, otqi dii<ag tot;- 
Tot; xov agayfiaros fiBtiOtiv. Da vorher Euenos (pU6(ioq>og ge- 
nannt wird, bezieht sich rd ngäyfia auf die ipUoöoq>ia. 

Ich wende mich nun zum Areopagiticus. lu der Biuleitung 
Ist S. 89 der Ausdruck ra Inl 0gaK7jg besprochen und dabei auf 
Vömel verwiesen. Dsss Böhnecke Forschungen auf dem 
Gebiete der Attischen Redner u. s. w. S.95 ff. ausführlich 
darüber handelt, brauche ich Hrn. R. nicht erst zu bemerken. Die 
S. 90 besprochene Hülfe, welche Chares dem Satrapen Artabazos 
brachte, setzt jener Gelehrte S. 728 in das erste Jahr der 106. 
Olympiade. 

§. 5 . . imdidovöag. Hier ist in einer Anmerkung die Be- 
deutung dieses Wortes angegeben, welches doch schon im Pane« 
gyricus §. 149 vorkommt. 

§. 7. AaKhdaifAOvioi . . . 2x (pavkmv xal raxurav nokscov 
oQiifjbivxBs xtL Wäre es nicht besser, statt der kurzen Bemer- 
kung: „aus der Dor. Tetrapolis. O. Müller, Dor. 1, 39^^ eine 
etwas vollstiadigere, mit Nennung jener Städte, etwa nach Her- 
mann Stutsaltcrtb. §. 16 zu geben 1 



Ranchehflteifi: Isokrat««* «tttgewShlie Reden. 29 

§. 10. Die Anmerlcni^en: ngttttovrwv find: ^iofyilia t6#. 
sind umEUSteUep. Sodwtn erklärt Hr. R. die Worte tmv navxa 
rä ikovta »gatt&mmv in neutraler Bedentang. Es scheint aber 
unsnlSstig^ diese hiafig Torkommenden Worte anders hieran neh- 
men, als sie gewöhnlich gebraucht werden, nämlich active. Aach 
ist der ZusamiAenhang daf&r. Nach Isokrates haben die Athe- 
iiienser nicht gethan, was sie sollten. Anders ist es §. 8, 32, 44:^ 
uaxaÖBi&tsQOv oder vnodBiötigov XQatteiv. Eben so f Agiich 
bt mir §; 78 in den Worten: . . . öx^dov anavta mal Mn^ofiB^a 
xixl ngtt^ofüBv die neutrale Bedeutung yon ngatteiv wegen der 
Trennung durch xai . . . xaL Auch folgt am Schlosse der § : 
rag «ga^sig . . . dxoßalvBiv. 

§. 60. xliov^lag. Statt der Verweisung auf Sintenis hStte 
Ich lieber die Tollstandige Erklärung der Aristokratie „im antiken 
Sinne^^ gewünscht. Die von Sintenis citirte Stelle aus Aristoteles 
hätte schon die Sache hinlänglich erläutert. Was iiesse sich in 
der ,,urfipr«nglichen Verfassung Athens^^ dafür anführen 1 — Recht 
tveffen^ sind die sunächst folgenden Worte mg Stv^ov Uliersetst : 
in zufälliger Laune; ebenso §. 71 oTctv .r^xo: wenn mich 
die Laune anwandelt^ Auch solche Klehiigkeiten sind cha- 
rakterfstiiN^h. 

§. 61. xal j^xsdmpiovlovg ^ta tovto xäÄXiöta ^oiifsvo^- 
vovg , Ott (iaki0ta drifto*gatovfi%voi tvy%(ivov6tv. Diese Dar* 
Stellung der spartanischen Verfassung ist für den Schüler nach 
dem ihm Bekannten su auffällig» als dass er nicht belehrt werden 
müsste. Die politische SteUnng der beiden Haiiptstaaten Grie- 
chenlands beruht ja ztim Theii wesentlich auch in der Divergen« 
ihrer Verfassungen. Die ursprünglich gleichen Landloose, die 
« gleiche Brsiehung u. s. w., was Hr. R. in der Anmerkung bespricht« 
scheinen mir nicht die Sache su begriinden. Freilich spricht der 
Redner selbst davon, aber hat er auch Recht? Isokrates kannte 
gewiss die Verfassung Sparta's als eine aristokratische, aber die 
Darstellung derselben als einer demokratischen liegt in seiner Ten« 
dens. Ich meine, der Redner habe namentlich den Ausdruck 
ofiotoiri^rag gebraucht wegen der Ofioto*. * Sind aber diese wirk- 
lich Zeugen für Demokratie 1 Und wenn urspriioglich hierin ein, 
Element gleicher Berechtigung (aber freilich nur der Derer) lag, 
blieb es im Verlaufe der Zeit so? Siehe Hermann Staatsalter- 
thnmer §. 47. 

§. 62. tolvw. €3m die in der Anmerkung beaprochene dop- 
pelte Bedeutung dieser Partikel sa beseichneo, gebrauche ich in 
der Schule gern mit Schäfer (Apparat, critic. et exegetic. ad De- 
moatb etc. I. p. 222) die griechischen Ausdrücke övlloyiöunov 
imd fiBxaßtntxov. Es kommt freilich nicht viel dsranf an. — Den- 
folgenden Sats: iiul xal ripf i^fi^Btigav TtQXitüuv xtX. haben 
meine Schhler nicht ohne Weiteres Yerstanden , bis ich ihnen an 
Hnife kam mit der Bemerkung, dass der Redner meine : die schiech- 



so GriecUsche LkUntor. 

taate Denokr»lte {j nivtsg inixiiimöiv) — denn von der fiiten 
(§• 16) versiehe es sich Ton selbst — sei ein Gotterwerk (im 
Deoischen iiönnte min nach dem Spruchworte tigen: sei Gold) 
^egen eine oligarchische Verfassung wie die unter den Dreissisr 
V«rgl. § 70. 

§. 63. ü Si — taika di %xL Hier ist wieder auf die Be- 
merl[ung su Panegyr. §. 1 verwiesen, aber auch su Areopagit. §. 47 
finden wir eine ausfuhrlichere Bemerliung. Nach meiner Ansicht 
wire es rathsamer, au Panegyr. §. 1 die Anmerl^ung ailgemeiner 
itt fassen und auf die in den beiden Reden vorl[ommenden Stellen 
ikbersichilich Rnclisicht tu nehmen , dann bei diesen einfach auf 
die Hauptnote su verweiaen. 

§. 76. TOMcvri/s ydg ijfitv tijg ^vösag vnaQxov^g , ov du- 
9tyJUr|afi€v avt^. Hier wlkttschte man eine Bemerkung, warum 
erst der genitivus absolutus im Participialsatte stehe und niclit so- 
gleich der Objectscasus des folgenden Verbum duqn}Xa^aii%v. 
Wenn das Verhiltniss der Zeit oder «der Cansalitit oder ein ande- 
res, wie hier das des Gegensatsea, hervortreten und alsetwaa für 
sich Besiehendes, Gesondertes erscheinen soll, habe ich diese 
Ausdr&cke öfters , Irre ich nicht , namentlieh bei PIsto und Pin- 
tarch , gefunden. M a 1 1 h iS giebt in seiner ausführlichen griech. 
Grammatik §. 561. S. 1S06 eine solche Andeutung, indem er ssgt, 
dass das Subject des Participlalsatsea durch den Accent herausge- 
hoben werden solle. Vergl. auch Bernhardy wlssenschaftl. 
Syntax u. a. w. S. 473 su finde und S. 480. Daaselbe gilt wohl 
euch von den lateinischen Stellen, die Weissenborn lat. Schul- 
grammatik §. 274, Anmerk. 8 anfiihrt. 

§. 79. otav Ixg xara Tposrov ripLiv. Obe^i tu §. 11 Ist swar 
diese Stelle citirt , aber hier bitte darauf surdckverwiesen werden 
sollen. Recht verstindlich fikr den Schüler wäre noch die von 
Benseier verglichene Stelle Philipp. §. 45: lyfo fthpyig olniu 
tovtiov öoi öwaywvif^onivenf aitavta yiVfjötö^ai xara tQ6Mov. 
— Auch §. 81 au den Worten ix täv in^toXav^ so wie schon 
oben §. 10 tu ivayyiXia vsdvxafiev wire eine Verweisung auf die 
Binleitnng S. 90 wUnschenswerth. 

Zuletst noch eine sllgeroeine Bemerkung. Der Hr. Herans- 
geber citirt öfters seine Bearbeitung ausgewihller Reden des Ly- 
siss , s. B. SU §. 64 über die harten Fricdenabedingungen der Spar- 
taner, welche Lysander noch verschirfte. Zu Lysias 12. §. 70 
sind allerdings diese Bedingungen erwihnt. Femer su ff, 65 über 
Besetsung der Akropolis durch Kallibioa ist verwiesen auf die Note 
SU Lysias 12. §. 94. Da stöbt nicht viel mehr, aber Deutlicheres: 
„Die 700 von den Spartanern gesandten Soldaten anter KalliMos/^ 
und dann das ClUt: Xenoph. Heil. II. 3, 13 f. Sodann lu §. 66, 
wo ttber Uga und oOi« , die hier gar nicht erklirt werden , die 
Note au Lys. 30. §. 25 angesogen wird. Endlich führe ich noch 
§. 67 an ; wo in der Anmerkung wegen der Litotes auf die Note 



Wagner y Koch o. Ladewig i Sehnlaasgaben VirgiPs. 31 

Sil Ly8..12. §. 63 gewieaen wird. Woxn tber goHen BjDkhe CHale 
helfen 1 Lieber möge an jeder Stelle die nöthige Benerknog 
Tol Island ig gegeben werden; dann mag da« Citat der Verglei-i 
cbung wegen noch hinzukommen , aber nicht wegen der Note, aon- 
dern wegen des Textes. Es ist ja leicht möglich, dass nicht über- 
all die Reden des Lysias und dann die des laokrates gelesen wer- 
den. Auch soll ja wohl nach der Bestimmung der Redaction jedes 
Bindchen ein selb^tstindiges Ganzes sein. Auch In anderer Be- 
siehung möchte ich mich in diesen Ausgaben gegen nnnölhige Ci« 
täte erklären. Hr. R« fuhrt öfters Schriften von Vömel, Her- 
mann, Scheibe u. s. w. an. Ist die Erklärung in der Note für den 
Schuler der Hanpisachc nach gegeben, so dass er Tollstandig die 
Steile verstehen kann, dann, aber auch nur unter dieser Bedin- 
gung, mag ein Citat für den Lehrer binsukommen. Denn das Be- 
durfniss der Schüler ist bei diesen Ausgaben, die wissenschaftlicli 
gehalten, aber ohne gelehrten Anstrich sein sollen, die Hau|>l« 
Sache. Doch damit sage icli dem Hrn. Herausgeber, dem trefT- 
lichen Schulmanne , nichts Neues. 

Eisenach. K. H. Fiadchaenel. 



1) P. Firgiii Marani$ Cormina breviter enarrayit Phüippa Wagner. 

Editio altera aacUor et emendatior. Lipsiae, in libraria Habnianay 

1849. XXIV o. 42a S. in gr. 8. 

2) Die Oediehle des P. VirgiUus Marc. Lateinischer Text mit 

deatscben Erläaternngeo heraosg. von PhSipp Wagner. 1« Hefti 
' Vorbenerkang. Ueber Anlage nnd Zweck dieser Aofgabe. Ueber 

Virgil's Leben and Werke, Uebersicbt der erthographiflchen Aeo- 
dernngen im Texte. Bedeotang der im Text nnd ia den Brlante« 
ranc^en gebrauchten Zeichen. Schriftateiierverzeicbniss. Bncollcon 
I — X. — 3. Heft, Georgicon üb. I — IV. — 3. bis 6. Heft: Aenei« 
dos üb. I — XIL Leipxig, Habn'fche Verlagsbncbhandlnng , 1849 
and 1850. Jedes Heft ist besonders paginirt, 
3) Virgjil's Gedichte. Erklart ron TA. Ladewig. Erstes Bandebens 
Bacolica ond Georgica. Leipzig, Weidaiann'sche Bucbhandlang, 

1850. XVI u. 150 8. in kl. 6. 

[Schluss.] 

Wir kommen zu den Georgicie. In L 5: ^^^inc signiflcat 
uraeaens rei initiiim ; non aliquando , sed hinc exorsus, incipiam^^ 
lat Jahn's Briilärung: ,,ex hu, vw ufio&av^ davon'^ klarer nnd 
richtiger. Dss ^^viles pro omni arborum genere posuit^^ (Vs. 2) 
serstört des Dichters charakteristische Eigenthnmllchkeit; denn 
Yergil lia^ noch Dichterweise nur einen wesentlichen Haupt- 
punkt^herTorgehoben, und weiter darf man dabei such nichts 
denken. Vs. 20: ,,ab radice, cum ipsa radice^^ [auch Hr. L. 
,^ammt der Wurzel^^]. Das ist ?agc Sinnbestinuoung, welche die 



3S Laieintfehe Littorator. 

Form verntehtet , die ein achter Materiilist Tiel scharfer gewahrt 
wiasen will , aia ein sogenannter Forroaliat. Daher wird der er* 
aiere auch Vs. 39 mil der prosaischen Definition ,^cure|, velii^^ 
sich nicht befriedigt fohlen. — Va. 43 ,,Vere noTO, geiidaa eania 
cum roonlibus hiimor | liqiittur et Zephyro putris se glaeba resol- 
vit^^ Wird erldart: ,^cania, nive obduetis^^ und in den beiden deut- 
schen Commentaren: „den beschneiten.^^ So ericiart auch 
Kiots in 8. Handwörterbuch^) [Freund hst die Stelle gar nicht 
angefikhrt]. Aber dann hatte der Dichter wohl nweis gesetst, nicht 
eanis. Der schmelzende Schnee ist in geiidus humor angedeo- 
tet, canie dagegen heisst blos den grauen oder welssgranea 
und besieht sich auf den Anbliclc , den die Gebirge beim Schmel- 
zen des Schnees gewahren. Ein n^glUcklicher Mecklenburger^^ 
mag diess weniger beobachten können, aber ein friedlicher Dresd- 
ner hat dasa bei jedem Frühlingsanfang (vere novo) auf der 
Br&hrschen Terrasse die schönste Gelegenheit. Ich hätte daher 
etwa eine Note erwartet wie: ,,refertur ad canum colorem, quem 
nontea luduunt quum nives (getidus humor) liquescunt.^^ Aehn-^ 
lieh steht gramina canerd III. S2'i von dem graulichen Glanme 
am Friihmorgen. Weiter heisst es: ^^puiris^ tepore et humore 
resolnta.^^ Abgesehen von der prosaischen Allgemeinheit ,,tepore 
et humore^^ statt der poetischen Besonderheit ,,Zephyro^^ (die kei- 
ner firliuterung bedurfte), ist auch das resoluta nicht möglich, 
weil der Dichter js selbst erst ein se reioMi als Fo 1 ge hiosnfttgt, 
mithin nicht schon in putris der Begriff r^so/ir/a als Ursache 
vorhergehen kann , man mösste denn mit den BegrüTen ein bontea 
Wechselspiel treiben. Hier war etwa au sagen: „Zephyro putris, 
i. e. Zephyri flatu putrefacta,^^ wenn die locker gewordene 
Erdscholle sich auflöst. — Vs. 47 : „otMirt , largum proventnm sibi 
optantis.^^ Das scheint mir den Begriff abgeschwächt so haben. 
Entsprechender d&rfte sein: |,qni non facile polest satiari, nn er- 
at ttl ich. ^^ — Vs. 52 zu „praediacere . .. patrios cnltnsque 
hsbitusgue locorum'^ liest msn snnachat ^^habiius^ Ingenium agri^^ 
was dem Schiller unklar ist, daher mehr verdeutlicht werden muss, 
vielleicht: ^^babiltu loeorum^ i. e. quae sfngulis locispropria sunt^ 
Eigenthumlichkeiten jedes Ortes.^^ Weiter sngt die 
Note : ^^patrios , patriornm locorum, i. e. quae qutsque cole>nda ac- 
cepit; et est adjectivum non suo nomini juncinm, v. B. IX. 46/^ 
Und diese Erklärung soll (nach der grösseren Ansgsbe) stattfinden 
,,more poetico nimis saepe interpretibos neglecto.^^ ich meine 
dagegen, dsss mit dieser vermeintlichen , ^poetischen Sitte'^ In den 
latein. Commentaren viel Missbrauch getrieben wird. Ueber Bei. 
IX. 46 steht daa Richtige bereits bei Hrn. L.; an unserer Stelle 

^) Dass Ich die Stelle nicht anders i^efawt aU der Res., gebt aus der all- 
gemeinen ßedeutang, welche ich dem Worte im Worterb. gegeben, hervor. 
Per Schnee erscheint eben aschgrau^ schmutziggrao, wenn er ichmilzt. 

R. Klotz. 



a 

B 

n 

I. 
e 



Wagner, Koch a. l4i^äemig i Scbahiiiagaben Virgir«« M 

aber TefiDisst man dien sprachlichen Beweia, daas je ein Rd- 
mer fHi/rt um in so verflachter Allgemeinheit: ^^id qiiod colendnm 
accepit'^ ^ebrancht habe mit gänalicher Wegwerfung des Specific 
sehen a pairibu$ oder majoribus. Zweitens Ist su seigen, wie 
diess mit: ^^ignotum aequor^^ siisamnienstlninie. So lange dtesa 
nicht geschieht, mnss man wohl bei der herkömmiichen Deutung 
bleiben. Wenn Hr. W: (bei Heyne) dagegen ssgt: ^^de qna re ne 
Terbuium (IS) qnldem a Yirgiiio prefertur in seqiientibns,'^ so er- 
scheint mir dieser Einwand etwas seltsam , weil ja das ganze Buch 
dea Vergil nur dlepalrioa eultoa der Römer sor Grundlage bat. 
Denndass der Dichter bei allen seinen Regeln im Wesentli- 
chen neue Entdeckungen gemacht, und nicht Welmehr aus dem 
Landleben der frühem und damaligen Römer geschöpft habe, hat 
Niemand erwiesen. Der Dichter sagt in dieser Hinsicht selbsl 
IL 174: „res aniiquae iaudis et artis ingredior.'^ — Stott Vs. 60 
„aeterna /oedera, condiciones^^ [Hr. K. „Anordnungen, Gesetse^^] 
SU sagen, schiene mir ein „semper conserrandas regulaa, ewig 
dauernde Regeln ^^ klarer und entsprechender an sein. — 
Vs, 6Q Mtien die deutschen Commentatoren für maiuria »aUbuM 
den entsprechenderen Ausdruck „m It^ollen Sonnengluten^^ 
gebrauchen sollen; ferner Vs. 89 fdr spiramenia unser L oft- 
Buge. — Vs. 92: ^^^epluvia^ n\ forte nimia ttiij ipsa sua te- 
nuilate . . . penetrana.^' Hier ist pluvia nimia [,5x0 heftiger Re- 
gen^^] und ienuitoB ein Widerspruch in sich selbst Denn def „sa 
heftige Regen^^ schlägt wie bekannt den Boden fest, während nur 
der feine Regen oder das Regengerieael, wovon der Dich- 
ter redet, eindringt und bei längerem Anhalten (was an der 
Stelle von tätMa erU bestimmt herrorzoheben war) su viel Piässe 
eraeugt. — Vs. 97 ist mir das „suscitata terga, mtoi^*' nicht ver- 
■tändlieli^ weil die aufgeworfenen Rüeken doch nicht die 
Furchen, aondern nur die crasBiorea glaebas inter sttlcos be- 
seiebnen können, welche der Landwurth „wiederum In die Quere 
mit gewendetem Pfluge durchbricht.^^ — Vs. 114 reden die Her- 
ren K. und L«. etwas vag von dem „auf dem Felde sich sam- 
melnden Wasser, ^^ wahrend Vergil ^^paludia eMeeium hu" 
morem^*' geactst und Hr. W. diess richtig mit „aquam . . Btagnan- 
tem^^ gedeul«t hat. Es war daher genauer su aagen: „die auf 
dem Felde entstandene Lache.'^ ^ Vs. 119 ist improbuB 
in der deutschen Ausgabe bündiger und besser erklärt, während 
in der latein. verschiedene Begriffe, wie „acer, vehemcns, per* 
vicax^^ an einander gereiht sind , statt etwa mit einem allgemeinen 
„quisquis in aliqoa re nimiua est seu modum non servat Ideoque 
non potest probari ^^ das Einselne susammensufassen. Für vor- 
liegende Stelle wird ,^auidilatem indicans^^ beigeschrieben, ohne 
dem Schüler deutlich SU machen, worin diese Begierde oder 
Gier bestehe; wesshalb ein edacitaiem oder varaeitaiem klarer 
wäre. ~ Va. 126: ,^$ignare, limite.^' Dann wäre sweimal dain 

tf, Jahrb. f. Pkii,^ MdL od. Ktü. Bibi. Bd. LXU. B/L I. 3 



S4 ' . Latoiniflche Litteratar. 

»elfoe pJMgt, well fletch „partiH limiie^^ Mcbfolgt. Durniii darf 
man wohl nur erläutern: ^^signare^ signis notare, mit einem 
Mahlebeieichnen.''— Va. 141: ,,verberat , jaeiena f andam 
in amnero/^ wo alao der BegfHff yurtetia üuaaerllch ala Termeint- 
liche Erginzung hlnatitritt, während er bei genauerer Erklanmg 
berelta im Verbo liegt. Denn „funda verberat amnem^^ helsat 
(nicht sowohl was Hr. L. setst: „aenkt schnell los Wasser/^ aon- 
dern) In elnei^ Art von Prägnanz: ^^verberando (I. e. cum sonita) 
jacH in amnem/^ Ac»hnlirli atAht v« oai a»^ .,«^-.i,ia^« ■ 

procvdii^ l' ^. _ 
IV. 59: sospexerls 
kläriing}. 159: exercentur agria = exercentei opus suüm t7i7^afi- 
tnr per agroa. 171: fulmina properant = properantes faclunt ». 
cudunt. 420: scindit sese -■= se acindens discurrit o. a. w. Vergl 
auch was zu III. 523 und IV. 565 bemerkt werden soll. — Vs. 149 
sagen Hr. L. und Hr. K. auffälliger Welse: „Dodona steht meto- 
nymisch statt der Eichenwälder/^ was Hr. W. hier durch eine 
treffende Bemerkung vermieden hat. Bei der bekannten Verbin- 
dung Quodnhi (Vs. 155) verweist Hr. L. auf eine Stelle, wo 
nichts bemerkt wird, Hr. K. dagegen hat, weil sein Vorganger 
^^quamobrem nisi^^ erklärt, erweiternd geschrieben: ^.quod ist 
soviel als propter quod,^*" Statt solcher Noten doch lieber ein 
Citatauf Z §. 807. — Vs. 160 ^^arma^ instrumenta^^ [Hr. K. 
;, A c k e r w e r k s e u g e ^^] ist Heyne's verfehlter Ausdruck. Denn 
Lastwagen (plaustra), Dreachgestelle (tribola), Schlei- 
fen (trahcae), Flechten (erstes), Futterschwinge (vannns), 
was hier Alles mit unter die arma gehört, hat noch kein Land- 
mann Werkzeuge genannt. Es war daher 6 er a t h e oder 6 e- 
räth Schäften, oaAa, agreatis aupeUes zu setzen, wie arma 
auch III. 34b als tsupelles ateht. — Vs. 167 ^^anle^ quam usus 
erit.^^ Das liegt schon in pronsa rej^ones , was nicht etwa, wie 
der von Hrn. W. unverbeasert gebliebene Heyne glossirt, „ornate 
pro provldebis^^ gesagt ist, sondern ganz eigentlich bedeutet: ,,re- 
pones in futuroa ums}^ Vergl. auch IV. 157. — Vs. 167 „rfi- 
viniy diis grati et acceptl^^ [Hr. K. „des von G&ttern besuchten, 
den Göttern angenehmen Landes^^]. Daran hat schwerlich ein rö- 
mischer Leser gedacht , sondern es wird ihm bei dem Gedanken 
„wenn du wlirdige Ehre des göttlichen Landbaues erwartest^^ 
wohl nur entweder die Herrlichkeit, der Nutzen und Segen des 
Landbaues überhaupt oder die Einföhrung desselben durch den 
„Pater ipse" etc. (Vs. 121 ff.) vorgeachwebt haben. — Vs. 177: 
^,cirriis, Opera, quae curanda sunt rusticis^^ [))<lie Arbeiten nnd 
Geschäfte, welche der Landmann zu beaorgen hat'^ Hr. K.]. Eine 
vage und ungenaue Bestimmung! Denn zu diesen „Arbeiten und 
Geschäften^^ u. a. w. gehört ja schon Vieles von dem, was Im Vor- 
hergehenden beim Dichter zu lesen ist. Hier dagegen kann mit 
tenuea cognoacere euraa nur gemeint sein: „rea tenues, quae 



Wagner, Koch o. Ladewig: Sdralaosgaben VirgiPs. 85 

eura dignae rani, geringe Gegenstiode der Sorgfall 
kenaen su lernen." — Va. 180 von der Tenne ^,neu pulvere victa 
fatiscat" wird erklart : ,,nen aolvaiur ei tota in piiherem dilabainr" 
[Hr. K. „damil sie nicht gans in Staub aich aoilöse und serfalle"]. 
Aber da ist nach dem Vorgange Heyne^s der Begriff /»/»oere bia 
SU einem gans anderen Begriffe gesteigert worden^ wozu Niemand 
ein Recht hat. Wie die Worte beim Dichter lauten, kann man 
nur erklären ,,neu pulvere obruta rimas agat,^' Denn die rimae 
werden auch bei andern Autoren speciell hervorgehoben. — Va. 
181 ^^peatea , nociva animalia" [andi Hr. L. ^^scbädliche lliiere"]. 
Solche Erklärungen muas man vermeiden , weil sie Bedeutung 
und R e 1 a t i n der Worte mit einander verwirren. Der r&mische 
Geist hat beim Lesen der Worte „ne variae inludant peatea" doch 
nichts anderes gedacht als was wir sagen ,)damit nicht mannig- 
faltiges Verderben heimlich schade" oder ,,die Arbeit ver* 
eitele;" der Gedanke aber an ,,Bchfidilche Thiere" ist ihm hier 
noch nicht speciell in die Seele gekommen. Vs. 192 ^^teret area^ 
in area terenUir." Warum nidit lieber an einem Platae der No« 
ten alle SleUen gesammelt, wo der Dichter der Georgica leblosen 
Dingen Leben und Odem zuschreibt l Denn die Note su 11. 59 hat 
nur Einiges berührt. Vs. 213 ^^jamävdum^ per omoe illud tem-» 
pus," was sich unmöglich zusammenreimt. Auch Ha nd's ßrkli- 
run^ im Tura. III. p. 161 scheint mir nicht befriedigend zu sein. 
Und wenn es keine schlagendere Stelle bei den Alten glebt als 
diese, so glaube ich die Richtigkeit der ganzen Nr. 8, die der 
treffliche Hand mit der Bedeutung „ittinc demum^ nun eben" 
aogefnhrt hat, überhaupt bezweifeln zu müssen, well der Ver- 
gleich des „jamdudum^^ mit „quum^^ und ,)dum^^ schon an und für 
aich etwas Missliches hat. Kurz, meine Ansicht über die Vergi* 
Jische Stelle hat schon Hr. L. ausgesprochen. — Vs. 234: ^^ru- 
bens^i, q. ardens;^^ nur halbwahr und A\e Schönheit des poett«- 
aclnen Bildes zerstörend l Der Dichter nennt hier diese Zone nur 
,,von der leuchtenden Sonne geröthet (coruseo soie nibens),^ 
gerade wie Vs. 251 die röthliehe Abendsonne (rnbens Ves- 
per) und II. 319: „ver rubens^^ (zu vergleichen mit II. 430) ge- 
sagt Ist; das Brennende dagegen (ardens oder candens) wird 
erst im Folgenden ^^torrida ab igtsi^^ angedeutet. — Vs. 242 mit 
der Erklärung „polus areticus nobtM est semper con^picuHi*^ ist 
ein Nebenumstand zur Hauptsache erhoben. Denn der Haupt- 
gedanke ist nach den klaren Worten dea Dichters: „der Nordpol 
ilegt über uns (nobis aemper aubUmis^ i. e. eminet semper su- 
pra nos), der Südpol unter nna (aub pedlbns),^^ und erst bei 
dieser zweiten Bestimmung kommt als poetlscb-personifi- 
cirtes Bild der Nebengedanke, dasi ihn „der schwarze Styx 
vod die Geister der Tiefe ^^ sehen. — Vs. 255 das armata» de- 
ducere eiaates so prosaisch zu deuten ^^inatructoB ad navigondum 
uaveS)^^ wiederholte dem Wesen nach nur den Gedanken, der 

3* 



36 Latoiniiche Litieratnr« 

eben Tdrlierffelit: ,,waiin e« Zeit sei, mit Radern die untreoe 
Meer etfliche so schlagen/^ Man motste daher dem Dicii- 
ter fieinen vollen Begriff lassen (und wegen ^dueere eine iLurse 
Note for Schüler hinsufagen). Denn was Hr. W. bei Heyne sagt 
^speciem h. I. poni pro genere/^ das gehört bei Dichtem so den 
prossIschen Kunatstnclcchen der lateinischen Commenlare. — Ys. 
260 liest man; ^^properantur^ quae properanter, maiuranturj 
qnae dtligenter et accurate fiunt.^^ Sowohl die Symmetrie mit der 
letstern Brklürnng ^ als auch das bekannte Gesets , dass man ia 
keiner Definition daaselbe Wort wieder vorbringen d&rfe, verlsn- 
gen hier BiBii proper anf er wenigstens ein raptim ei praecipiianter. 
~ Vs. 290 yjteniue humor, qni lenta, Aexilia et molliora reddlt, 
qnae secsntur/^ Das heisst Poesie in Prosa verwandeln, atatt 
welcher ich ausserdem lieber „die langaam sich herabsen- 
kende Feuchtigkeit^^ deuten würde. Dssselbe gilt Vs. 296 ,,<re- 
^i ferventls in seno musU/^ Denn der Dichter hat „die Woge 
dessitterod kochenden Kessels^^ genannt, und diese Poe- 
sie darf man Ihm nicht zu prosalse'bem Most machen. Das davor 
stehende ^^Voleano^ igne^ nt Mars pro hello, Geres pro f rugibns^ 
Bscchus pro vino, Neptunus pro aqua, Venus pro amore, Minerva 
pro tela*^ [was auch Hr. L. sagt] Ist nur dann giltig, wenn nicht, 
wie hier angegeben wird, dieser einfache, sondern der em- 
phatisch gesteigerte Begriff gemeint Ist, so dsss siso hef« 
tiges oder loderndes Fener, gewaltiger Krieg, herrli- 
ches Getreide, trefflicher Wein u. s. w. im Sinne des 
Redenden liegt. Denn s. B. im sichsischen fingebirge wohnt die 
Ceres, oder in Grikneberg thront der Bacchns, wird sich kein Dich- 
ter SU ssgen erlauben. — Vs. 313 „r%i7imrfii, provideoda.^^ 
Worin daa pro liegen solle, bt mir nicht verstandlich; ich aehe 
im Lateinischen bloa den Begriff dea ^^düigenter agenda^ waa da 
die Männer mit Sorgfalt an beachten baben/^ Zu dem 
gleich Folgenden „Spieea jam eampis cum messis Inhorroit^^ liest 
msn: „niessis, seges,'^ terstort siso ein proleptisches Bild, dns 
alle Völker haben. Weiter: „tn^orrere, seges, maxime quae jam 
eulmoe egii , dicitur.^^ Da ist sweierlei onbeschtet geblieben ; er- 
stens von horrere und dessen Compositis der Grondbegriff, der 
beksnntlich in der spitsen oder rauhen Aussenselte liegt, mithin 
nicht anwendbar iat, sobald eine Saat erst Hsime getrieben 
hat (culmos egit); sweitens daa Attribut epieea messis, i. e. quae 
gravia est spicis, waa doch nur vom reifen Aehrenfelde ge- 
sagt aein kann, ao daaa also die Worte gans eigentlich bedeuten: 
„wenn bereits die ihrenreiche Erndte den Fluren empor- 
starrt.^^ Diess seigt auch der nichate mit expllcativem ei ange- 
achloasene Gedenke. — Vs. 319: „graetWom, uberem.^* Warum 
diess Allgemeine ststt des sinnlich bestimmten: „die schwere, 
d. i. körnigte Saatl^^ — Va. 329: „mo/irt, proprio movere, ja- 
ctare, ut hie et IV. 331^^ ete. Da geht aber etwas verloren, waa 



Wagner, Koch a. Ladewig : Sehokiosgaben VirgiVa* Sfl 

Imnier in moliri liegt und aoch Hr. K. an der cilirten Stelle rich- 
tig aosgedriclct hat; dämm würde icliaagen: ^^vehementer morere, 
cvm ri jactilari,^^ und über corusca in FSUen, wie dieaei* Ist, daa 
altmodiscbe Sturmdach setzen. Heyne schwankt über die Ver- 
bindung, aber corusca mit fulmina an verbinden , w8re prosaisch, 
dagegen ist ,,s€hieudert macbtToll mit erleuchteter Rechte die 
Blitze^^ poetisch. Zo dem Folgenden „^»o maxima motu terra 
iremü^' hat Hr. W. sein „i. e. qnibus commota^^ wiederholt und 
dadurch mehr verloren als gewonnen. Denn das quibuB wiarde 
sich grammatiach nur auf fulmina beziehen, aber zur Erschüt*^ 
teruttgder Erde gehört ausser den Blitzen wesentlich der Dour 
Der. Diesen hat der maassrolle Dichter mit angedeutet, indem 
er allgemeiner sich ausdrückte: „durch welche Bewegung die 
ganze Erde erzittert/^ — Vs. 331 ^^humiUs dicitur pavor, quia 
sternit, affligit animos,^^ In Heyne'scher Manier (wie auch IL 376: 
iarda^ quae tardos reddit). Etwas besser sagt Hr. L.s „Die Furcht 
[paror ist mehr] wird nach ihrer Wirkung selbst humilis ge- 
naniit>^ Da« Eiehtige ist, dass potior dem Dichter ala personifi- 
cirter Begriff gilt, wie das bekannte paUida mmn und vieles An* 
dere. Em hei^t demnach hier: „kleinlicher Schrecken hat 
die sterblichen Herzen niedergeschlagen^^ fVs. 330 hat sich Hr. 
K. versehen, indem er operaias mit „indem du opferst^^ über- 
setzt}. — Vs. 354 ^^quid saepe videntes^ quo visu indtcio'^ mit 
Heyne , wobei aber ein Begriff wie tnonüi vermlsst wird. — Va. 
370 steht tonat^ wo der Text zur Erklärung ein fulminai et tonäi 
verlangt — Vs. 373 wird das „Numquam Improdentibus imber 
obfuit^' mit Hejner gedeutet: „AgrIcolis non faciU imber auper^ 
venire potest imprudentibns, i. e. quin ante provideant/' Hier 
begreffk man nicht, wie numquam mit einem non faeüe synonym 
sein kdnne. Die übrige Erklärung hat Hr. K. so ausgedrückt^ 
dass er einen fremdartigen Gedanken In unrichtiger Form hin- 
einbringt „ohne dasa sie vorher Haassregeln treffen,^^ was 
Hr. L. wenigstens richtig mit „etc. hlitten treffen könuen^^ angiebt. 
Ai»er ^er Gedanke ateht nicht im Dichter, welcher ausserdem hier 
nicht den Landmannspeciell meint, sondern allgemein spricht, 
weil Jeder die angegebenen Erscheinungen beol>aehten kann. 
Daher sagt er, was auch die Wagnerische Erklärung (mit Aus-^ 
nähme der drei ersten Worte) klar ausdruckt, nichts anders ala 
einfach: „numquam preasit imiier homlnes, quin antea moniti es- 
sent^^^ — Vs. 388 ist eorhix improba nicht, wie Hr. K. erklart, 
„die schamlose, mit Rncksfciit auf ihre Geschwätzigkeit,^^ soli- 
dem einfach die „ongestüme, in crocitando modum non ser- 
vana.*^ Hro. L.'s Worte sind hier für Schüler nicht klar genug. — 
Va. 393: „ex •m6rt, post imbrem;^^ und Hr. L.: „ex verbinde! 
mit dem Begriffe der Zeltfolge den der Causalität.*^ ' Das ge- 
bort nicht hierher, well dann das pro in prospicere seinen geeig- 
uetctt Sinn verlöre. Daher kann man an deuten „dum adbuo 



S8 ^ LftteiniBohe Littaratar. 

pltiit) mitteD Im Regen Torh ersehen/^ — Vt. 306: „neque 
firieoa Lud« ratihnlibas Soiia radiis obnoxia est, 1. e. rulneundum 
inde trahit eolorem.^^ [So auch die beiden andern Heraiia^ber.J 
Aber wo atehl denn im Dichter der Begriff röth lieh, den man 
ao ohne Welterea hiniufagt? Hitte Vergil daran gedacht wiaaen 
wollen, 80 wäre ea ihm ein Leichtea geweaen, den Begriff hlneln- 
subringen. So aber aagt er mit ,,Nec fratria radiia obnoxia aur- 
gere Luna^' nichta anderea als ,,non videturtum mutuata eaaeanam 
Incem a Sole, quasi sua ipsiua luee tplendeat^ non aiiena^^^ und 
kein Interpret hat das Recht, noch etwaa hinzuzufügen. ^ Zu Hey^ 
ne'a aufgenommener Erklärung von lanae vellera (noch acheinen 
aich die dünnen Wollviieaae fiber den Himmel lu liehen) hätte 
der Deutlichkeit wegen auch deaaen oviculae hiozukoromen sollen, 
waa die beiden andern Herren beifügen. — Va. 400 „fnemtnere, 
i. q. aolent^^ verwischt den dichterischen Ausdruck , der ganz un« 
aerm „denken daran^^ entapricht. — Va. 413 „i/i/o/tV«, aub 
arboribua.^^ Das ist schon an und für sich unmöglich , daas „i n 
den Blattern*^ jemala bedeuten könne „tin/er den Biumen,^^ 
und hier widerapricht ea noch ausserdem dem Torhergehenden 
^^cubüibui altit^ i. e. in arboribua.^^ Deaahalb helssen die Worte 
einfach: „oft rauachen sie in ihren hohen Wohn nngen, ich 
weiaa nicht durch welchea ungewohnte Freudengefühl froh, in 
den Blättern (oder im Laube) ;^* wobei daa ausserdem bemer» 
kenswerthe praeter $olitum (wie es ordine lU. 341) adjectivisoh 
steht, waa die Wortatellung beweist. — ^ Vs. .424 scheint st aus- 
gefallen zu sein. Bei „orciiittf , deinceps^^ wire es wohl nicht nö* 
thig, dass daa Wort emphatisch Im Anfange des Verses stände. 
Dsher scheint mir doch ein gubinde etjuato ordine darin zu lie- 
gen (Aehnlichea Hr. W.zu IV.537); „die Mondestage, die in he- 
atimmterOrdnung auf einander folgen>^ (Uebrigena hat Hr. 
W. wie hier ordine , ao Aen. VU. 139 es ordine ebenfalla mit 
9)deincepa^' erklärt : ein Umatand , der mit manchem Andern zo- 
zammengehalten die in der kritiachen Note bei Heyne zu IV. 4 
verauchte Dnteracheidung zwischen beiden nicht recht haltbar er- 
scheinen läast.) -- Vs. 428 wird daa vom Monde Gessgte „Si ni- 
grum obscuro comprenderit aera corno^^ erklärt: ^^comprenderit^ 
quaai complexa fuerit utroqne cornn^^ [Hr. K. „mit beiden Hör- 
nern gleichaam umfaaat, umspannt ;^^ Hr. L. „wenn der Mond mit 
trüben Hörnern die dunkle Luft umspsnnt,^^ also blosse Ueber- 
aetsung!]. Aber das wird der Schttler noch nicht ganz ver- 
stehen. Darum wurde ich bemerken , ea aei poetiache Personifi- 
cirung statt des prossischen Begriffes: „si niger aer cornua Lnnae 
involverit ita ut pauliaper obacurata aint,^^ und wurde zugleich, 
wie oben an die Schäfchen, so hier an unaere Volkasprache: 
„derMondhateinen Ho^^ erinnert haben. Das versteht der 
Schüler. — Vs. 441 hätte Hr. K. die Worte des Hrn. W. hesser 
Mersetst durch: „wenn die Sonne ...mft Flecken gespren« 



Wagaer, Koch a. Ladewig: Schuiausgabca -Virgii^s. 39 

kell ertcheiut.^^ — V«. 443 ^^aUo^ aere, aeiliere^^ hat wie ich 
■ehe schon Hr. L. richtig erorterl. — Zu denXextworteq Va. 461 
y^unde sereoM Veniua agal mibea^^ heiaal die Note : ,,a qua caeli 
parte veoturui ait ventua, qui nubea dispellena caelum serenei^^ 
[Auch Hr. L. hat ganz allgemein ein i^^verireibt die Wollten u|id 
reinigt den Hinimei''S] Aber das 111160« agere heisst nicht nubeit 
düpellere^ und serenaa ist wieder matt und prosaisch gedeutet. 
Der Fenltf« iat personificirt, serenaa nicht auflieiternd, sondern 
heiter, „i. e. nuUam pluviam afferentes^', sodass das Ganze ein- 
fach heisst; «^was der späte Abend bringt, woher der Wind h ei- 
tere Wollten treibt.'' Vgl. iil. 197 da8,,Aquiloiirt<^adiffert 
nubila.'' Diess aber ist in einem ähnlichen Sinne gesagt, wie in 
den Worten der Schilier'schen Maria das 

^«Eilende Wolken, Segler der Liifte! 

Wer mit euch wanderte;, mit euch achiffte!'' 
Nur ist in der prognostischen Scene des Vergil, wie es der Zu- 
sammenhang verlangte, mit dem Zasatse ,,auf was der feuchte 
Sudwind deuki^' « noch der Auster als tückischer Lauerer gedacht, 
wann er aämlich die heiteren Wolken verjagen könne. Aus 
dem Allen dürfte erhellen, daaa auch die ganze Note des Hrn. L. 
aammt der Horaaiachen Stelle nicht hierher gehört. — Va. 47ü 
,,rtf/^o, Igitur muitos per lucos.^' Das ist kein nothwendiger 
Schluss. Nicht die Menge der Wälder — dafür hatte der Dich- 
ter wohl „lucos muUoa audtta^^ gesetzt — ist angedeutet, sou. 
dern das gewöhn liehe oder häufige Hören der Götterstimme. 
Dafür sprechen auch Oiid (der in ähnlichem Sinne zweimal saepe 
aetit) und Tibuli Der (für diese Prodigien in der grössern und 
kielnern Ausgabe nicht angeführte) Sueton Jul. Caes. c. 81 hat 
noch ein anderes prodigium ex prosimo nemore erwäliut. — Vs. 
500 ^^everso saeclo^ afflictis tum rebus Romanorum.'' Aber das 
bdben alte Römer, als die damaligen Herren der Welt, da- 
bei sehwerlich gedacht. Denn das Lateinische ist allgemeiner 
und umfassender; ea entspricht etwa onserm „dem zerrüt- 
teten Jahrhundert.'^ Vgl. Va. 468 „impia saecula'^ und 511 
„saevit toio Mars impiua orbe}^ — Vs. 510 wird vicinue urbes 
in der Note durch singulae urbes wiedergegeben. Aber dagegen 
erregt die Wortatellung des „vicinae . . . urbes'^ in solcher Her- 
Torhebung Bedenken. Da hier viele apecielle Anspielungen 
vorliegen, so scheint es gerathener, aucli^hieran bestimmte Städte, 
•iwasn Rhegium und Meaaana au denken.* 

In GTuch II. 22 liest man : „tta, ratione, arte," wo also Theile 
gesetzt werden statt des Ganzen : „die Erfahrung auf ihrer Bah n.'^ 
Denn die Erfahrung ist persouificirt, was Hr. K. durch den Zu- 
aatz: „die durch Versuche gewonnene Erfahrung-' ver« 
wischt hat. Vs. 33 ^^generatim^ cultum singulorum genernm.'^ 
Wem die Form nicht gleichgültig ist, der wird hier erklären: 
^propriot cuUm^ qui proprii sunt arboribus ge/ierot im , pro suo 



40 Lateinische Litteratiur. 

cQJntqiie genere/^ — Ys. 37 ,,Baccho, Titiba«/^ Das wäre aber 
der au I. 295 erwahote Gruneberger^ eio Anderer würde aagea 
,,iD i t e d i em W e i n &\ waa Hr. K. hier mU Recht gebraucht hat. 
— V. 65 ^yplantia^ aurculia^^ ist unklar, wofür bei den Herren K. 
und L. daa Richtige ateht. — Va. 94 wird olim durch inierdum 
erklart, waa Hr. K. nachschreibt mit den Worten: ,,und lahmte 
auwei len (olim) F&ase und Zunge>^ Die Unmöglichkeit einer 
solchen Erklärung leuchtet ein (ygl. Hand im Turs. IV. p. 372 
n. 7, wo man j e t s t Hm. W. hmsufligen könnte). Das olim heisst 
einst und besieht sich auf die künftige Zeit, wo der, hierTon 
Dichter noch alaWeinstock gedachte, tenuia Lageo8 genoasen 
wird. Wie Hr. L. hier schweigt, so schwelgt dagegen Hr. W. sa 
IV. 421; wo nach dem Vorgange Hand'a a. a. O. p. 371 Hr. L. 
daa olim richtig erklart hat. — Vs. 114 ist domare nicht, wie Hr. 
K. erklsrt^ ein einfaches „Urbarmachen und Bebauen ,^^ sondern 
es liegt darin ein „mühaames Bebauen, ein /a^ortose colere/* 

— Va.,127 ^JoUcis, aalubria'' [Hr. K, ,,des gesunden Apfels'']. 
Genauer wäre „utlUaaimi ad aaxillum ferendum, dea geaegne- 
ten'' so ssgen, vtle felis in diesem Sinne auch IV. 329 gelesen 
wird. — Va. 134 „ad prima^ i. q. maxime'' statt des richtigen t/t* 
primis^ wie Jshn erläutert. Sonst werden geschiedene Begriffe 
Terwechselt. — Vs. 135 (nach Hejne's Vorgange) ,/orei»/, cot 
rant; suco ejus mall animae male olenti medicantur'* [Hr. K. un4 
L. „sie heilen''], so dasa %\9o Jovere und medioari beliebig ge- 
gen den Dichter mit einander vertauscht wird und die Scharfe 
der Begriffe ao wie die Erfahrung unbeachtet bleibt. Der Hedi- 
sehe Apfel nämlich, wie mir ein befreundeter Arst aua einer 
berühmten Geschichte der Arzneimittellehre nachwiea, bewirkt 
keine Tollständige Hellung der vorliegenden Uebel , sondern 
dient nur sls Erleichterungs- oder Verbesserungsmit- 
tel. Und dem entsprechen such die Worte des Vergil. Deoa 
medicari ist nirgends gans r= moderig wie die Lexicographen be- 
haupten, aondern beselchnet nur die Anwendung des Hell- 
mittels, ohne den in mederi gewöhnlich enthaltenen EIrfolg mil 
einzoachljessen. Man wird daher hier genauer lu erklären haben: 
^^fovetUy recreant,emendsnt; medioantur^ pro medicamento dant." 

— Vs. 149 mit Heyne; „a/iests, sc. hibernis^' [auch die Herren 
K. und L.]. Daa hat Vergil nicht gessgt« sondern blos „in nicht 
geeigneten Honaten^'^nd damit gemeint, wie der Parallella« 
mus Ter a$8iduum anzeigt, dasa der Sommer ICaliena nicht in ao 
heatimmte Grenzen eingeschlossen sei, wie anderwärta. — Vs. 
152 dss„saeva leonum semIna" wird glossirt ; ^^aeminay gennra^^ [Hr. 
K. „Raasen (sie), Geschlechter"]. Aber der Begriff der verschiede- 
nen Arten oder Ra^en liegt nicht in dem Worte, sondern nur der 
Brgriff der Fortpflanzung, daher Ist es zu deuten: „wuthende 
Löwenstämme" oder „dlegrsussme Löwenbrut" oder, wie ein 
neuerer Dicbler ssgt; „w&thendes Löwengcsficht.^^ -^ V. 153 



Wagner, Koch nod Ladewig: Scbolaosgaben VirgiPs. 41 

^^operumqu0 iaborem^ magnificeotiam earum orbitim^^ [Hr. K. ^^di« 
Pracht, den GUqi (?!) derselben ,. besondere die Bauwerke^']. 
Diese yag e Aügemeinheit (ähnlich schon Heyne) ist doch wohl be^ 
reite im vorhergehenden ^^egregias urbes^^ enthalten, so dass nsQ 
wenigstens „indnstriam Uboriosam in operibus^^ erklären sollte. 
Unter opera scheint man, wie 'Aen. I. 455 , besondere die Kuua t* 
werke verstehen in müssen. — Vs. 174: ^^iiöi, tose laudi inser- 
Tiens^^ [was Hr. K. weggelasseiT hat]. Aber man wird doch nicht 
,,tiiae laudi inserviens res laudis Ingredior*^ sagen wollen? Ein 
9,in honorem et usuna toum^^ wäre besser gewesen. — Vs. 176 
liat Hr. K. ^i^in Rom*^ ^setst, wo der Dichter Romana per appida 
sagt, was eher snf p^ lialiam fuhrt ^ indem Vergll andeuten will, 
dass er auerst in römischer Sprache diesen Stoff dichte- 
rf seh behandelt habe. Ferner steht Vs. 179 für ^^collesque ma- 
ligni^' spärliche (wie parci bei Heyne) ststt des personificirten 
missgunstige, und Vs. 204 ist imiiari durch machen gedeutet 
atatt durch nachbilden. — Vs. 219 su ^^quaeque suo semper 
Tirtdts se gramine veatU^^ findet man ala Erklärung: ,,Poeta com 
hoc Teilet dicere ^ae viridU eal, omatiua id elocutus est ita; 
viridis 80 vestil.*^ Aber solche formelle Erklärungen, welr 
che in dichterischen Begriffen nnr Schmuck (ornatius) finden, 
kann eine materielle Deutung, die da nimmt waa dasteht, ^nie- 
mals für wahr halten. Filr diese meint der Dichter einen Boden, 
,,welcher sein schönes (oder immer frisches) Grss aus sich selbst 
schafft (stio gramine), ohne dass menschliche Kunst, wie etwa Üm^ 
graben und friaches Säen , erforderlich ist.^^ Daher ist Hr. L. in 
der Wiederherstellung des handschrifUichen viridi mit Recht dem 
Urtbeiie Jahn^s gefolgt. — Vs. 220 ^saha robigine, quae ex 
sabedlne nascitur'^ gidit einen pliysikalisch- prosaischen , aber 
nicht den poetiaeh-VergilliiGhen Gedanken ^ welcher beisendea 
oder aerfreaaenden Rost ?erlangt. — Vs. 247 ^^iemptantum^ 
gustantum,^^ und daa daraaf folgende senm wird mit ore in 1. 430 
verglichen. In dieaer Beziehung hat dann Hr. K. über sensu eine 
ausßhrlicbere Note gegeben , und diese hat wieder Hr. L. nach- 
geaehrleben , mit dem Zosstie ,«nach der Bemerkung Wagner^s,'^ 
dem beide Herausgeber gefolgt sind. Mit Unrecht. Denn daa 
sensu iat gana anderer Natur^ als daa obige ore , well es nicht auf 
dem Sinne beseichnet. Und iemptare allein kann auch nicht 
gustate bedeuten s es heisst blos versuthen; erst in Verbin« 
dung^ mit s^nsii (als einfacher ablat. instrumenti i. q. gusiu^ wia 
Vs. 365 ade temptanda aholich gesagt ist) gewinnt es den Begriff 
iron gustate^ so dass also die ganse Gelehrsamkeit nicht hierher 
gehört. Auf ähnliche Weise wird Vs. 281 erklärt : ^fluctuat^ co- 
roacat,'^ da doch fluctuare nur sein kann undatim moveri^ waa 
vortrefflich auf eine Troppeumasse passt, die jemand von höherem 
Standpunkte aus beobachtet; erst nach der Beifügung von aere 
ramdenti whrd ein Begriff wie coruscare gewonnen [Hr. K. giebt 



42 Lateinitiche LiUeratur. 

III, 180 dem praelabi eine Deutung, die erst nacli beigefügtem 
Rftia dtrin UegtJ. — Vs. 341 bat Hr. K. daa Wagner'sohe ,,e terra 
oatos^^ unrichtig übersetzt. — Vs. 374: ^^capraeque se^vacea^ i. 
e. qaae Potent ea sequi, quae sapore sunt jucuDdissima/' Diese 
uaturgescbichtlicbe Note ist hier ungehörig, weii sie nicht in dem 
Worte liegt. Denn diese Allgemeinheit gilt von der ganseaThier- 
weit. Die Herren K. und L. sprechen wenigstens von den 
,,Weinstoclcen''; Indess bestellt sich das Beiwort ,,sequaces'^ 
.speclell auf das, wovon hier die Rede ist, auf /rons teuer a. — 
Vt. 381 ^^ineuni^ inierunt; veieres^ antiquis teroporibus.^^ [Aehn« 
lieh die Herren K. und L.j — Für solche Erlclärungen , die nur 
verwirren, lieber gar lieiiie! Denn das Angeführte wird liein Ro- 
mer beim Lesen dieser Worte gedacht haben. Man darf hier Mos 
einfach sagen, es sei eine aus der Zeit des Dichters ge- 
fasste lebhafte Schilderung historischer Thatsa- 
chen. Diese Ausdrucksweise giebt suglelch für den Schüler 
einen Denicstoff. — V. 441 ,,sihae, quas animosi Euri adsiduc 
frauguutque ferunlque^^ eriiilt als Note ^^ferunt\ est nostrum ser- 
tausen.^* Gewiss nicht, sondern (wie öfters auch bei Vergil) 
fortraffen, fortreissen. Denn ein Orkan pflegt Bsumaste 
nicht blos zu serbrechen (frsngunt) und herabsuwerfeu, sondern oft 
ganze Strecken weit fortsu trag eiK In dem Buche eines russi- 
schen OOiciers über den letsten Feldzug gegen die Tzscherkesseu 
kommt eine Schilderung vor, die recht lebhaft an diese Stelle des 
Vergil erinnert. Ueberhaupt sind die guten Alten viel zu pU* 
stisch und nsturgetrcu, sis dass ihnen die formelle Erklärung 
durch ein ,,Talia miuime ad vivum resecanda^^ (wie Hr. W. bei 
Heyne spricht) ihre eigentlichen Begriffe ohne Nachthell eutzieheu 
darf. — Vs. 460 „/ciciYem victum, sffluentem , aq>9vvov^' Das 
sind an und für sich schon getrennte Begriffe, von denen der letz* 
lere hier keinen passenden Gegensatz zur Nahrung im städtischen 
Leben zulassen würde. Ausserdem harmouirto ein „victus af- 
fluens^^ nicht mit dem, was Hr. W. selbst zu Vs. 499 bemerkt hat. 
Das einfach Richtige giebi Heyne, bei dessen Erklärung jeder als 
uothwendigen Gegensatz die künstlich und mühsam bereitete 
Nahrung des Städters deokeu kann. — Vs. 464 ^^itäusas , picias 
ornatasque; ludere artifices dicuutur^' etc. Ja ludere; aber sollte 
In Hindere die Präposition bedeutungslos seiji und nicht etwa den 
Begriff eines „Übermut big gestickt^^ enthslten^ Das folgende 
veneuum Hess sich bei Hrn. K. kurzer durch ,,Belze^^ übersetzen, 
sowie Vs. 467 dss fallere nescia durch t r u g l os. — Vs. 468 „o/;if//i 
variarum^ variarum frugum, fructuum, eei,^* Was soll eine soK 
che Erklärung, die am Ende noch ein eei. nöthig machtl Wo der 
Dichter allgemein redet, darf der Erklärer nicht specialisi- 
reu, sondern höchstens wie hier ein verwsudtes „bonorum, qui- 
bus fruuutur agricolae, reich an mannichfachen Gütern"^ liio- 
akuTugen, da der Dichter selbst im gleich Folgcudeu das Verstiudr 



Wagner, Koch n. Ladei*ig: 8chniaa8gab«n VirgiPs. • 43 

n!«8 erSfliiet. ~ Vs. 520 Terbiodet Hr. W. jdttt glande redeunt 
mit der Bemerkungf ,^a glande, quam in «ilvia fregtrunt.^^ Aber 
den letiten Gedanken hat Tergil auch nicht mit einer Silbe ange- 
deutet. Auch möchten aich die Schweine am blossen Zerbre- 
chen der Eicheln nicht genfigen lassen. Wer die Worte des 
Dichters ,,glande snes laeti redeunt'* mit unbefangenem Blicke an- 
sieht, der wird sicherlich glande laeti verbinden, wie Hr. W. 
selbst bei Heyne geihan hat. . Das fordert die hermeneiitische 
Einfachheit. Ich sweifle , dass ein Römer beimHInsutreten 
eines derartigen Adjectivs, wie Ikier oder bei LIv. 27, 31: 
„classis Romsna handquaqiiaro laeia praeda Naupactum rediü^^ 
oder ähnlichen Stellen seine Worte je anders verbunden habe. 
Die Ton Hrn. W. verglichenen Beispiele sind snderer Natur und 
nicht Mos auf Composita mit re beschränkt. Zu Siryonia baca 
reden die Herren K. und L. von „Oelgftrten,^^ was ein unpas« 
sender Ausdruck ist für O iiv enhai ne. — Vs. 521 su „Et varlos 
ponit fetiiB autumnus^^ lesen wir (nach Heyne) als Erklärung: „au- 
tamno poroa ex arbortbus decidunt.^^ Allein fetua sind nicht blos 
pomd, und ponere kann daher mit dem allgemeinen Begriffe 
„varlos fetua^V verbunden nicht immer ein decidere cur Folge ha^ 
ben. Daher passte diese Erklärung weit eher mn Vs. 516 „pomis 
exuberet annus.^^ lodess hat auch Hr. L. erklärt wie Hr. W. : 
^^ponit, wirft ab, vgl. oben 403.'^ Ich zweifle, dass mfionere je- 
mals der Begriff w-erf en liege; es heisst in dersrtigen Verbin- 
dungen nur ablegen, wie an der (von Heyne entlehnten) Stelle: 
„wenn des Rebenland sein spätes Laubwerk abgelegt hat.^^ Und 
in diesem Sinne erinnere ich mich blos Perfectformen gelesen su 
haben; ich wünschte wohl eine sichere Stelle für das Präsens 
nachgewiesen su sehen. Die gegenwärtige Stelle hsbe Ich daher 
immer nur so verstanden , dass dei^ (personificirte) „Herbst seine 
mannichfschen Frfichte vorseUf Dazu passt das Folgende: 
„und auf sonnigen Bergen wird die Traube weich gekocht**^ (ms- 
iia nämlich proleptisch). 

Zu Buch IlL 1 ssgt Hr. K.: „Ehre nnd Glanz (1) erwerben,«^ 
wo Hr. W. geschmackvoller das einfache ^Jaudetn coosequi '^ ge- 
setzt hat. Eben so hat Hr. K. Vs. 9 zu victor ein „trotz alier Hin- 
dernisse^^ eingesetzt, was ein unpassender Gedanke ist ; Hr. W. 
hst ein geeignetes „parata egregii operis fama^^ gebraucht. — 
Vs. 10 heisst die Erklärung des Hrn. W. : „Primus ego popularium 
meornm Muass sb Helicone deducam, i. e. poctae laudem conae- 
qunr; v. G. II, 520.'^ Meine Bedenken sind dreifach: erstens 
Ist der Genitiv „popularium meorum^^ fnr Schiller zweideutig, 
daher besser ein ex oder mier pop. m. zu setzen; zweitens wird 
nach dem Citate der Ablat. jionio vertiee von rediens ebbingig 
gemacht, und in der Erklärung doch „ab Helicone deducam^' ge 
braucht, was nicht zusammenstimmt, wiewohl ich das Letztere für 
das Richtige halte; drittens kann ich in den Worten des Dich- 



44 LaUiuiache Litterainr. 

• 
len Dicht ein so abfeschwSchfes „poetae laudem conaequtr^^ se- 
hen. Oenaueres giebt Hr. L., nur würde ich kärser so sa^^u: 
,,Als der erste unter den Römern will ich im dldalLÜschen Ge- 
dichte den Ruhm der griechischen Dichticunst nach Italien ver- 
pfltnsen;^* wesshalb er sich Vs. 17 victor nennt. Was übrigena 
Hr. L. von einem ,, Vortragen auf dem Helilcon^* beifügt, iat ein 
phantasiereicher GedanlLc, der aber im Dichter nicht angedeutet 
liegt. Das von Hm. K. su Vs. 25 Gegebene: ,^der Theatervorhang 
wird nicht, wid bei uns, herabgenogen^^ ist ein unpassender 
Ausdruclc statt herabgelassen. Die Thaten des Augustus sollen« 
wie Hr. W. na Vs. 26 sagt ,,a poeta mirabühis auctas^^ sein. Aber 
warum soll der Schiller hier nur Verwunderung aufgefordert 
werden, da diess doch nur ,,ex more poetarum iillus temporis/' 
wie etwa lu ssgen wSre, geschehen ist. — Vs. Sl reden die Her- 
ren K. and L. von „verstellter Flucht der Parther ,^^ da doch 
Vergii, nach dem Zusammenhang der Stelle, nur eine wirlc- 
liehe Flucht verstehen iiann. Die Herren hatten hier an den vor- 
sichtigen Worten des Hm. W. festhalten aollen. Zu der Darstel- 
lung des Dichters Vs. 37 f. wird gesagt: „adversariorum in An- 
gnstum odia civilesqne discordiae signifieantur.'' Aber ^« '•?**"• 
specifische ^.infeHs . . . metuet^' verJoren gegangen, fresslialö au 
odia und discordise der Regrfff des üeberwu od en- und We- 
lahmtseins von beiden (also etwa odia reiusa nnd discordiae 
eoercitae) hinsulcommen muss. Dass übrigens- die Sccneriedleacr 
Stelle als „in tabula picta'^ enthalten su denken sei, wie Hr. W. 
(mit Beistimmnng der beiden andern Herausgeber) behauptet, 
möchte ich nicht so bestimmt bemerlcen, weil such nicht die lei- 
seste Andeutung des Dichters auf pingere fuhrt, wohl aber daa 
stabunt Vs. 34 mit spiraniia sigfia ao emphatlsoh an der Spitse 
des Satsea steht, dass man dasselbe in der Vorstellung auf alle 
aechs Verse besuglich, also auch bei der letiteren Bildergrnppe 
an Wanddarstellungen durch den Meise! denken mochte. 
Was Hr. W. bemerkt: „aliter haec, quae ponuntur a poeU, non 
facile omnia simul exprlmi poterant^' dUrfte wegen des „non fn- 
cile^^ mit dem Kunstsinne der Alten nicht harmoniren , wenn man 
nur an die Giebelfelder dea Parthenon denkt, oder an Binnelnes, 
was uns aus Pompeji berichtet wird. — Vs. 80 ^^Arguium, de- 
cens et venustum; breve maxime nee magnum.*^ Solehe nichta 
erklärende Weitliofigkeit wird der Sachkenner wohl vermeiden. 
Ich horte den G. Hermann einmal auf der Leipaiger Promenade, 
ala er einem langsamen, aber eleganten Reiter nachsah, lo aeineai 
Nachbar sprechen: „dss Pferd hat ehien fein gebildeten 
Kopf.** Daa diirfte das Vergilische arguium eaput sein. Der 
,,Nebenhegriff der Lebhaftigkeit,'' den Hr. L. (nach Voaaena 
Vorgange) darin sucht, liegt schwerlich darin, sondern scheint mhr 
erst im folgenden „animosum pectos,** waa doch erat den Kopf in 
lebhafte Bewegung setst, mit enthalten lu aefai. So urtheiite 



Wagner, Koch n. Ladewig: ScholaiMgabeii VirgiPs, 45 

auch ein Stallneister, den ich eiomal frdher (mit Yotlegmg äeti 
Aeteo) aber diese. Stelle befragt habe. Die Erkiaruog so Va. 87 
,^t duplex agitqr per lamboa apioa^' spricht bei allen drei Her-; 
aoagebern yoo einem ,,gleich8am doppelten Rückgrat, alao breite 
fett^^ u. a. w. Aber der technische Ausdruck der Pferdekenner 
lautet: „ein gefurchtes Rückgrat läuft durch die Lenden>^ — Va. 
143, wo gesagt ist, man solle die trächtigen Kühe weiden ^^aaliibus 
m vacuis^^*' wird diess erklart: ^,ubi nnlla sunt saxa aut alia impe* 
dimenta/^ Die $asa waren hier nicht zu erwähnen. Denn ea 
werden sogleich für die Kühe apeluncae und aasea umbra em- 
pfohlen, was doch ohne Vorhandensein der saxa nicht möglich 
wäre. — Vs. 148 ,,oestrum Grqji vertere vocanies^ nomine asiii 
In Ipsorm sermonem translato appellant oestrum/' Waa heisi«! 
dasf Die Griechen hStten die lateinische Benennung erst in ihre 
Sprache übertragen, also von den Römern entlehnt nnd über* 
aetati Aehnlich Heyne. Das verstehe ich nicht, da olötQog be« 
kanntlicb schon in der Odyssee vorkommt. Die Herren K. und 
Li. deuten : ,,gaben einen andern, uns fremden Namen.^^ Hier 
begreife ich nicht, erstens was der Ausdruck „ein uns fremder 
Name*^ bedeuten solle, da ja Vergil so wie andere römische Dich- 
ter den griechischen Namen gebrauchen, siso mit demselben 
bekannt sind; sweitens wie der Begriff des Fremden iiber« 
haapt in vettere liegen könne. Ich bedaure, dass ich nach Hey- 
ne's Bemerkung: »^argutantur in hoc jam veieres Grammaiiei>'^ 
die Letatern nicht nachsehen kann; die vorliegende Stelle aber 
weias ich nicht andera au erklären als: ^^muiato (alio) nomine 
(sono) voeofU^^ '— Va. 189 y^etiam , etiamnom^^ ist für Schuler 
nicht klar genug, da diese das Verhältniss, wie es Hand im Ture^ 
II. p. 571 mit gewohnter Deutlichkeit entwickelt, noch nicht ken- 
nen. Als Erfolg des Aqnilo wird Vs. 200 erwähnt: „longiqne 
urguent ad lltora fluctus.^^ Da wird erkllrt: %4ongi e longin* 
quo venientea^' nach dem Vorgange Heyne's. Abgesehen von dem 
sprachlichen Bedenken, ob longua jemsis „weither kommend'^ 
bedeuten könne, widerstrebt diese Erklärung der Plastik des Dich- 
ters. Es sind langgesogene oder langg^estreckte*) Flu* 
then gemeint {aliius aurgentes)^ Das ist das Erste, was beim 
Stnrme dem Bh'cke dessen, der snfs Meer sieht, in die Augen 
fillt. Daa urgent äberseUt Hr. K. „rollen , stürmen,'' von wel-r 



*) So bitte auch Georges in seinein gpten Hand werter buche un- 
ter kmgui 2 b die angeiührten drei DichtersteUen erklären, nicht aber 
die vage Bestimmopg: „udt Eintcblasa der Breite, weit z=^ gross'.* 
aofnehiaen sollee* Dieselbe Bestinunong hat auch M ah I mann in sei- 
Rem empfehlpngswerthen Handworterbnche , und beide haben als Aocte-r 
rität für loogi ßuctua bbs Horat, genannt, wo mit gleichem Rechte Ver^ 
gil und Jovenal an nennen waren« Dahin gehört auch longm OI^pos 
Vs. 32a. 



46 Lateliiiache LHteraiar. 

clten Bftfrlffen der erste Utetnfech volTimtur, der iweite raont 
heissen wurde; urgueni dagegen entspricht anserm siedrängea 
«ich. — Vi. 202 ,,niaxim« campi spaiia^ hlc qaidem hippodro- 
miia.*^ Aber doch nkht der Hippodromua selbst, sondern die 
Umlatife im Hippodromus. Zu moUi collo Vs. 204 hat Hr. L. 
die vage Allgenieinheit des Servius gebändigt beigesetst, wo 
geschmeidig (qiiod facile ilectitur) das Diditerische war. — 
Vs. 232 giebt Hr. W. vom iraad in cornua eine weitlauftige (von 
Hrn. K. noch mit Erweiterung übersetzte) prosaische Para- 
phrase , da er doch schon su Heyne kurz und poetisch gedeutet 
hatte nnd, wenn ihm diess hier nicht genügte, doch durch ein 
etwaiges ^^irascendo omnea vires convocare in cornua^^ dem Schu- 
ler verstfindlich geworden wäre. — Zu Vs. 261 porta coeli spre- 
oiien alle drei Herausgeber so, als wenn der Plural /lor/a« gesetzt 
wire, und vergleichen dazu die homerischen xvXai ovgavovy 
aber bei Homer steht nvkai belcanntlich (vgl. Lehrs de Arist. p. 
129 sq.) stets sls plurale tantum, ist demnach im Sinne mit Ver- 
gil übereinstimmend. — V. 267 .i,men<em, sc. eam^^ [ähnlich die 
Herren K. und L.]. Aber diess Pronomen, auf welchem der Ton 
ruhte, daher wohl eher kane , konnte der Dichter nicht so belie- 
big weglassen ; eher wurde man ein „sc. ••*** ertragen. Das men* 
fem dedii scheint einfach zu heissen: beseelte oder begei- 
sterte sie, ist also mit msassTollem Euphemismus gesagt. — 
Vs. BOT^^muienlur , emautnr^^ ist einseitig, weil der Dichter sagt: 
um hohen Preis vertauscht werden, mithin beides, Kauf 
und Verkauf, andeuten will Denn auch die Milesier wussten 
ihre Waare au schätzen. — Vs. 312 ^^tondent^ pastores.^ [So auch 
die Herren K. und L.] Diese prosaische Ellipse wfhaste ich nicht 
zu rechtfertigen. Denn erstens sind die Hirten auch nicht mit 
einer einzigen Silbe speciell angedeutet; und zweiten« denken 
Hirten beim Scheeren der graulichen Barte und haarigen Zotten 
wahrlich nicht an den angefahrten U8U8 easirorum und die vela* 
mma nautis^ sondern haben bei mechanischer Ausfuhrung dSflF^ 
tiger Geschäfte ganz andere Gedanken. Daher hat der naturge- 
treue Dichter, weil er den folgenden Vers anschliessen wollte, 
t&ndeni impersonell gesetzt: „man pflegt zu scheeren/^ wie 
Vs, 352 das ienent^ man hält. -:— Vs. 324 wird carpamus rura 
erklärt: „pedibus teramus rura, grege illuc deducto'' [Hr. K. 
,,iasst uns die Gefilde betreten , nachdem die Heerde dorthin ge- 
trieben^]. Also erst soll die Heerde dorthin getrieben sein , und 
dann lasst una „die Gefilde betreten?*' Wer sind die uns, die 
nach dieaer Erklärung von den Heerden getrennt werden, um wie 
es scheint die Rolle von blossen Spaziergängern za erhalten? 
tJebrigens müsste dann auch spradilich mistig aber nicht miUet 
vorhergehen. Hisrr L. deutet, waa auch Hr. K. hinzugefügt hat: 
„lasst uns auf die Triften eilen.'' Aber der Begriff der Eile 
kann nicht in carpere rura liegen, da diess überall noch besonders 



Wagner, Koch o. Ladewig: SchDlaatfgaben Virgir«. 47 

(wie 8. B. oben Vi/ 142 dnrch /i/^if) atisfredrückt wtrd^ weil die 
eigentliehe Bedeutung die Triften pflnclcen die Beziehung 
auf die Ei le autzuachliessen scheint. Was ist nun das Resultsti 
Das pedibus lerere ist unschöne Prosa für die liebliche Poesie, 
nach welcher hier in carpamuB auf echt idyllische Weise Hirt 
(oder Besitzer) und Heerde in ein Gsnzes zusammenftiesst , so 
dass man als nackten Begriff etwa ein ^^cum gregibus procedamus 
per rura'^ angeben könnte; „mit dem ersten Blicke des Morgen- 
sternes wollen wir (in Begleitung der Heerden) dur.ch die küh^ 
len Triften ziehen/^ In dem besten Ilandwörterbuche der 
lat. Sprache, in dem von Reinhold Klotz, ist unter carpere die 
Erklärung des Serrins (,,carpere cogamus animalia^^) mit einseiti- 
ger Strenge befolgt worden. Aber das scheint mir theils zu/^/- 
gida rura^ was nicht mit pascua ganz gleich ist, nicht passend zti 
sein, theils das idyllische Bild zu zerstören. Daher bleibe ich 
bei der angeführten Deutung *}, — Vs. 363 zu ^^aeraque dissl« 
liuut^^ sagt Hr. K. ,,eherne Geschirre und Bildsaulen.^^ Wer 
hat denn von ^^Bildsaulen'^ Scythiens berichteti — Vs. 3(jO 
,,/)/e7ioque alinm circumspice campo^' hat die Note: „ex grege 
eampum implente" [Hr. K. ,,aU8 der Heerde , welche das Feld an- 
ftillt, aus der wimmelnden Heerde des Feldes^^]. Das ist 
theils prosaisch, theils zum Irrthum verleitend, als wenn das 
aus in dem Ablativ enthalten wire. Hr. L. sagt: „suf dem 
von Schafen wimmelnden Felde.^^ Also aus Schafen soll er 
den Widder wählend! Der Dichter spricht einfach: ,,«ieh dich 
nach einem and2rn (Widder) um auf der vollen Trift;^*> so dass 
also Irochstens ein „pleno, sc, gregibvs'^ für Schiller nöthig war. 
— Vs. 409 ^^Oenagrum^ peregrinam bestiam, pro qua vis f er a 
uominat^^ [eben so die beiden andern Herausgeber].. Das ist nach 
dem Vorgange Heyne^s bemerkt, der da sagt, es bedeute: „om* 
nino feram, utqne oratio esset doctior, minus notum genas posnit>* 
Aber mau wolle doch dem Dichter seine Waldesel lassen, damit 
durch solche Erklärung nicht das dabeistehende eursu timidoe 
sinnlos werdcf Und wenn man glaubt, etwas bemerken zo müs- 
sen, so möge man für Schüler blos die (von Voss bereits ange- 
deutete) Stelte aus Xen. Anab. I, 5, 2 citiren. Denn daraus er* 
hellt, warum Vergil gerade die Waldesel gewählt habe. — Vs.421 
von der Natter : ^ytoUeniem minas^ sublato capite minantem.^* Den 



*) Nachtraglich freue ich mich anfahren zu können, dass in dem 
gehaltreichen Programme: „Francisci Oodendorpü epistolae oriticae com 
annotationibus a P. Handio adjecti»/' Jena 1860, p. 16 von dem scharf- 
ainaigen und trefflichen Verfasser ein ahnliches Urtheil gegen das 
Wagner'scfae „pedibus terere'* gefallt wird. Nnr will Hand in der 
Stelle des Vergil noch eine tiefer liegende Corraptel finden , wozu ich 
hier nach meinem beschränktem Gesichtskreise blos ein inixm habe. 



48 LateioUcbe Litteratur. 

Kopf h«t der Dichter nicht eririihnt, sondern blos ge6agt:',,wetin 
sie sich drohend erhebt,^^ weil er weiss, dus daxu nicht oar 
Erhebung de« Kopfes , sondern auch das Zoo j^In und das frap- 
pante Ange gehört. — Vs. 482 „Nee via mortis erat simplex^* 
erklären alle drei Herren: ^^aimples i. q. una, at ü. 73/^ haben 
also das römische Golorit vertilgt, welches nur den Gegensatx 
irerhingt ,,non simplex, sed duplex,^' and swar Im iwelten Buche 
mtl aut . . . amt^ hier mit primum . . . deinde, — Vs. 486 bei „in 
honore deum*' hat Hr. K. das Wagner'sche ,,S8Crificio^^ unrichtig 
nbersetst „durch Opfer^^ statt beim Opfer, woraus sugleich er- 
hellt, dass Hr. W. wegen deum zu seinem „sacrificio^^ noch eui 
„quod parabatur dlis^^ hinzusetzen musste. — • Vs. 500 „tacer/utf 
sudor, nunc multus, nunc nullus.'^ Das Ist doch kein logischer 
Gegensatz. So viel Ich sehe, kann bei „unstetem Schweisse^^ 
ein dreifacher Gegensatz gedacht werden, entweder: „nunc mul- 
tus, nunc exiguus,*^ oder: „nunc adest, nunc abest,^^ oder endlich: 
„nunc calldus, nunc frlgidns.^^ Will man nur Eins herausgreifeni 
so scheint mir durch den Zusammenhang dieser Stelle besonders 
das Letztere empfohlen zu werden, wofür auch Lucret. VL 1185 
spricht. — Vs. 493 ,Jefuna sanle. exigoa.'' So TSg Erklären 
auch die Lexicographen , and die Herren K. und L. „mit weni- 
gem Blter.^^ Aber wenn man die Natur der Sache betrachtet 
und an die Unterscheidung zwischen sanies und pus bei Celsua 
V. 26, 20 denkt : „sanies est tenulor^' etc. ; so wird man hungri- 
gen oder mageren Biter genauer deuten: „dünn, tenuis,^^ was 
trefflich zur Oberfläche des Sandes pssst — Vs. 495 „vituli . . . 
dulcis anlmas reddunt^^ hst als Note: ..dulcea^ qnia dulcls est 
▼Its.'^ Dts ist ein Zirkel in der Definition, well Vergil schon 
sagt: ^,dle vituli hauchen Ihr süsses Leben aus.^^ Bs hitte 
daher etwa bemerkt werden können , dulces sei vom Dichter ge- 
wählt, well die viiuii noch so jung sind. — Vs. 523 „ima solvun- 
ttor Istera" erklirt Hr. W. nach dem Vorgange Hcyne^s: „so/otifi- 
Itff , flaccescunt.'^ Das scheinen mir verschiedene Begriffe zu 
•ein» die man nicht für einander setzen könne, zamal da daa „sie 
werden welk,^^ wie Hr. K. öbersetst, für Schüler eine neue fir- 
kISnmg verlangte. Die Natur dürfte erfordern , daas man aalvun" 
iur in solcher Verbindung prfignant verstehe, also: „soluta depen- 
dent usque ad jmam partem, die Seiten hingen schlaff he r- 
nb/^ — Vs. 529 ^^eserciia cursu flumina, quasi fktigsta longo 
cursu, antequam ad mare pervenlant.^^ In dieser Qua s1-Brklirung 
ist das Meer ein fremdsrtiger Gedanke, der nicht mit einer ein- 
sigen Silbe im Dichter liegt, wesshalb auch die von Hm. L. aus 
Ovid beigebrachte Parallele nicht hierher gehört. Vergil nennt 
hier einfach „lauteres Quell waaser und fri ach laufen de (rüh- 
rige) Flüase,^ mit Personificirung, ohne an Ermüdung oder 
iin*s M ee r zu denken. Er meint daher wesentlich nichts anderes 
ala was Horaz vom amnU in dem bekannten : „labitur et labetur 



.Wagner, Roch u. Ladewig: Sebolaasgaben Virgir«. 40 

in amne volubüis aevum^^ gestapft hat. Will man bei Vergil duf^li- 
ans eineu Gegensatz haben, so h'esae sieh nur an Sompfwaaser 
denken, wie Hr. W. selbst an Heyne schon richtige bemerkt hat. 
— Va. 539 erklären die HHrn. W. und K. daa eura domat^ über* 
gehen also den HanptbegriiF acrior (i. e. mordacior, nagendere), 
der erst das Ergriffensein von der Seuche bezeichnet. 

No^h Einiges aus dem vierten Buchei Zu Vs. 24: ^^obvia- 
qne hospitiis teneat frondentibus arbos^^ heisst die kurze Note: 
^^obvia exaraina /e/iea/ , excipiat^^ [Hr. K. ,,aufnimmt^^j, was nach 
meiner Ueberzeugung einen doppelten irrtiium enthalt. Zuvör- 
derst ist teneat mehr sIs exclpiat^ denn es heisst halte, fest- 
halte, aufhalte, dsmit nämlich die Bienen dort gern verweilen 
und nicht wc^iter fliegen. Sodann liegt der Begriff dea A uf neh- 
me ns, der hier allerdings nach dichterischer Plastik nothwendig 
ist , in obtia, Hr. W. hat diess Wort auf examina belogen. Aber 
dem widerstreitet ein dreifachea Bedenken. Ersiena steht exa- 
min« drei ganze Verse vorher, und Vergll gehört nicht zur Schule 
eines Nonnua, waa Hr. W. besser weiss als viele Andere; indes« 
scheint seine tiefe Gelehrsamkeit ihm an einigen Stellen den na- 
tärifcheli Blick getrübt zn haben. So hier , wo ich kein zweites 
Beispiel gleicher Art aus dem Vergllins anzuführen wüsste. Zwei- 
tens würde obvia bei dieser Beziehnng prosaisch und matt, weil 
es sich von selbst versteht, dass, wenn Einer den Andern sufneh- 
men und fesseln will , dieser Andere hin- oder entgegenkommet! 
müsse. Drittens stört diese Verbindung die Symmetrie dea 6e- 
dankena. Wie nimllch im vorigen Verae ripa sein vicina bei sich 
hat, 80 verlangt auch arhos ein plastisches Epitheton. Diesen 
letzten Grond bat, wie ich sehe, schon Hr. L. angeführt. Daa 
oöpia gehört daher ohne Zweifel za arboa , wie ea auch Hr. K. 
verstanden, aber, indem er lebende Poesie In Prosa verwandelt, 
„entgegenstehend^' gedeutet hat. Es heisst mit belebender Poe- 
sle (wie Vs. 109 dss intitent in ihnlichem Sinne gesagt Ist) : en t- 
gegenfcomro'end, d. 1. amice eserpiena^ freundlich auf- 
nehmend. Der Dichter sagt also: „und damit ein entgegenkom- 
mender (frenndllch aufnehmender) Baum sie festhalte in laubiger 
Herberge,^' wo Hr. K. wieder ein unpassendes „Laoblager^^ hin- 
einbringt: Vergl. Vs. 61 die frondea /ec/a. — Vs. 41 : „s^rvaiif, 
paratum habend' [Hr. K. „halten in Bereitschaft,^ Hr. L. „he- 
gen'', was fovere wäre]. Einfacher und genauer wohl reponunt^ 
bewahren auf. — Vs. 44 redet Hr. K. von „Brd bleuen" 
statt yon „wilden Bienen," wie daa vom Dichter Beigefügte 
exeaaeqtie arborla antro" verlangt (in der Höhlung einea 
^^^^gevfiiierX^^ Baumes). — Va. 45 zu dem Tu tarnen etc. 
«ben dieHHra. W. und K. mir Heyne'a vage Beatimmung, bei 
welcher dem Schiller daa tarnen nicht deutlich wird. Hr. L. hat, 
^ie öfters , eine aweckmaasige Frage gesetzt , Hr. W. aber hatte 
nach aeloem aonst befolgten Principe hier wohl ein : „Qoamqoam 

/V. JoAr». f. PkU. H. Päd. od. Krit. Bibl. Bd, LZII. Hft, 1. 4 



«..«»»^«iw i*i 



^« ^'iHL «^ ■» iHf^wk ei calorfs, tu (ameii 

j0pf 1 iri«r mi^m' Mä^ ^^tm iöaneo, so wie Hr. K, su 

f|e 6 -' ' Z^.^vMtmhM^ >.ikM« ^fidich thaend'^ aDffihrea 

«.^f "^ J,»^ WMiii^«A «Mi» ^^ BicQenräter bei dieser Sache 

^^^i ' '^ %^ .»J^ «»€*• *« Hrm K. »»SoBnenlofl^« sUU Som- 

» ri .^-'^ %JK t** ■•• OMyciachen Greise: „t« veraum diatu- 

•Jg. '^•* ^41» lü^Ä» di»p^tas habebat.'' Aber das hiesse 

^♦•'-'t^^x**«*«^^ *«fce« irerpflaoste. Der Dichter 
^ • ^. ^^ü^^ Tbitigkcll des Greises ersählt, dass er 

?* *-^ ^-^^,>*«**l'*"»««80verpfla«il habe. Etwas Ande- 

r -f^--^ "^»^^ r?* kHetiten, weil bei Hm. W/s Brkiäriing 

' — "^^^ -^ - •«•Ijprteaa diaiuierat oder die Unschreibuiis- mit 




«stÄrÄe s«iil merces, pro qua pa^ere i:«/.'' Ich 

^a«s diese Aiiodmeksfonii der Erkiaruo^ fiir den, dem 

* ycrsÜBdoka eröffnet werden soll, nicht klarer sein werde 

V**^ ^** «uiÄdies: ^^nsereedem pro eo quod, i. e. pro 

'--_ll# 9^ «utoiterunt'' w5re jedenfalls deutlicher geweaen. 



i^i«' 1- Wenn dies» Vergil so geradeso gedmcht wiagon 
^ 90 «»««ie er ea gt^^nt hmben. Aber der B/eoenrater 

^ die 2e>delu«9 durch eioeo Dieoer oder sonst eine kundige 
Ss^ ^.^^ebasen lassen. Daher redet der Dichter allgemein, ohne 
Üff^l^^iesSubject, und es hat Niemand ein Recht, ihm diese 
h^f^^fieinheit durch vermeintliche acilicet'^ lu stören. Es 
^iJ ^^ cu^mni gerade 90 wie Vs. 297 premunl^ und wie die- 
|V|^iiFomen, ?on denen oben zu III. 312 die Rede war. — 
^260: „tractiroque susurranl" wird glossirt: „tz-ac/m, jugiler" 
filr. K. vnd L. „ein gedehntes, anhaltendes Sumsen^^J. Ab- 
Lesohen davon, dass die Mehrsahl der Schuler diess Wort erst 
wird nachschlagen mtiaseil, und' desslialb das bei Heyne vorher- 

■ .^Z S^^A^»« L.I-..«. .^...^.^.. U l-_l .!•_ 



uod man muea diesen Ton bei den Bienen einmal selbst gehört 
haben, um das Naturgetreue des Ausdrucks begreifen su können. 
Dieser aonus gravior klingt wirklich wie eine dumpfe Todten- 
kbge'^). — Va. 302: ^^aolvuniur^ comminauntur tundendo, ita 



*) Darch jahrelange Beobachtong bei einem benachbarten Freunde 
habe idi aianche Stelle des Dichters erst ordentlich begriffen, oad neben- 
bei die Sineicht eine« J. H. Voss in derartige Dinge gehörig würdigen 
lernen« Blosse Buchergelehrsamkeit ist fnr die Georgica nicht ansrei- 
d^«ad. Kin Padagog , der gewohnt ist das Gedicht mit Schälern au lesen, 
tte«bi die Brfehrang, dass die Sohne der Landleute in der Regel das 
Rkbttge treffen, weil sie die jugendliche Anschanang für sich hahen, wäb* 



Wagner, Koch d. Ladewig *. fidmlaasgaben VirgU's. 51 

* 

tarnet! fiit pellia tnaneat integra/^ Hier ist snnichst dag .<,€Oin^ 
mlDiiiiDtar^^ für den Begriff von solvfitttur doch wohl au atark , ao 
daas etwa ein macer antur entsprechender wäre. Sodann , nber- 
aetzt die letzteren Worte Hr. K. „ohne daser daa Fell verletzt 
wird/^ und Hr. L. hat beigeachrieben : ,yda8 Fell wird jedoch nicht 
verletzt/^ Da nousa ich aber die Möglichkeit beider Be- 
griffe, daa Murbeach lagen eioea zweijährigen ▼itttina und daa 
r^ichtverletzen dca Felles, erat in der Wirklichkeit vereinigt 
fliehen , bevor ich dem geschmackvollen Dichter eine ao miwahrc 
Hyperbel zutrauen kann. So viel Ich sehe, sagt Vergll (waa auch 
die Erklarnng dea Hrn. W. scheint andeuten zu wollen) ganz ein- 
fach: „daaa daa Fell ganz bleibe, h. e. non dissecetur^^ oder 
,,ita nt vitnins non degluptus ait>^ — Vs. 311 erklären alle drei 
Herausgeber an den Stellen, auf welche aie verweisen^ daa aera 
carpunt durch ,5fliegen.^^ Aber sowohl der Begriff an^ und für 
sich, als anch daa beigefügte ,,magi8 magis'' scheinen zu beweisen, 
daaa man nur deuten köniie: ,,sie versuchen zu fltegen.^^ — 
Vs. 325: ^^sperare caelum^ sortem et honorem deorum^^ [die Her- 
ren K. und l«. „g'öttUche Verehrung^^] ist nicht deutlich genug, 
indem man diess auch bildlich von einem glücklichen Meu8chen 
verstehen könnte. Darum wäre gerathener, bestimiiit zu sagen, 
daae daa „auf den Himmel hoffen^^ bedeute: „daa inier Deos aii- 
quaiido referri hoffen.^^ Auch Vs. 328 wäre statt cum ein quam' 
ms noch klarer gewesen. — Va. 34.5 meint Hr. W., oa bezeichne 
das Volcani ^^euram inanem^ Studium inane In deprehendendo 
conjugia suae aduUere." Aber ich kann mir nicht denken, dasa. 
Vergil vom Homer hier abgewichen sei. Bei diesem 'dagegen iat 
in Va. 296 ff. und 330 im vvv ^Hq>ai6zoq. iaov fi^advg slk$v 
"^Qf^a ein deprehendere doch sattsam enthalten. Auch waa 
Heyne gebraucht und Hr. &. benutzt hat, ist gegen Homer's to 
xal fioixaygi' 6<pikksi und gegen die Bürgschaft Neptun*B. Bei 
VergiFs cura inanU Volcani kann daher höchatens von einem av' 
cere oder prohibere aduUerum die Rede sein, und zu dem Aus- 
drucke ^^ctsram inanem^^ hat dem Dichter ohne Zweifel die komi- 
sche Scenerie von Va. 350 an, dea Vulcans eitel e Sorge nm 
Schadenersatz (d. I. der das Verbrechen nicht mehr ändern kann) 
Veranlassung gegeben. Es liegt also in dem inanem eine Re- 

rend die Kinder mancher feineren Städter oft vor lauter Bäumen den 
Wald nicht sehen. Was aber die Lecture des Gedichtes' mit Schülern 
überhaupt betrifft, so halte ich es mit Dilthey (Zur Gjmnasialreform. 
Zweites Heft. Darmstadt 1849), welcher sagt: „Virgil steht als oiassisch 
und nnobertroffen nor in dem Natorepos der Georgica da, welches zu- 
sleich unter den Händen eines naturwifisenschaftiich gebildeten Lehrers 
darch Combinatioa scheinbar heterogener Sphären ergreifende* 
stoffartigea Interesse gewinnt-^' 



52 Lateinische Litteratur. 

flexion des Rörncrs^ wahrend der alte Grieche nur naiv erzahle 
hat. Eine solche Reflexion oder einen solchen Ausdruck seines 
eigenen Gefühls hat Vergil auch anderwärts in Beiwörtern ausge- 
sprochen, wie z. B. Vs. 512 in durua arator. Ich entsinne mich 
nicht, über den Charaiitcr der Epitheta in den Commentaren sum 
Dichter eine Bemerkung gelesen zu haben. Nur bei Hrn. L. ist 
lu G. I. 321 eine ahnliche Andeutung zu lesen, wiewohl dort 
,,Urthell des Beobachters^^ statt d es bestimmtem Dichters 
gesagt wird, welcher ja ein saepe ego yorhergehen lasst. — Vs.374 
nagt Hr. K. au „in thalami pendentia pumice tecta'^ nur: „eine 
Wohnung aus liängondem üimmstein/^ und Hr. L. deutet mit 
Heyne: „eine gewölbte Bimmsteingrotte.^^ Ich bin zu sehr ans 
Materielle gewöhnt, als dass ich mir irgend einen Begriff, der 
beim Dichter steht, durch ein „exquisltius^' und dergleichen weg- 
nehmen Hesse. So kann ich hier nur deuten: „in die Behausung 
eines Gemaches, wo herabhängender Bimmstein die D e ck e biidet.^^ 
Das hat auch Hr. W. mit seinem „tecta, qoae constant e pumice 
pendenti^ vielleicht ausdrucken wollen , wiewohl tecta nicht klar 
genng ist. — Vs. 407 wird alra tigris erklärt: ^^atra, saeva,*^ mit 
Servitts. Hr. K. ,,ein unheilvoller, wQthender,^ wo das erste 
Wort ein verschlechternder Zusatz ist ; Hr. L hat noch also er- 
weitert: „der graunvolle Tiger, bei dessen Anblick Einem schwarz 
vor den Augen wird.^^ Da möchte man mit Heyne von Neuem 
„mirum epltheton!^^ rufen, wenn auch in anderer Beziehung. 
Denn wenn „Einem schwarz vor den Augen wnrde,^^ so wäre noch 
kein Tiger von Jägern erlegt worden. Auch habe ich diess noch 
von Niemandem aus einer Menagerie gehört. Ferner kann Ari- 
staus, wenn ihm „schwarz vor den Augen wird,^^ das befohlene 
„magis contende tenacia vincla^^ unmöglich in Erfüllung bringen: 
denn dazu gehört eine lichtvolle Besonnenheit. Endlich wörde 
Arlstaus, wenn Proteus ein wirklich w&thender Tiger gewor- 
den wire, schwerlich mit heiler Haut davon gekommen sein. Was 
ist nun das Wahre? Diess atra tigris bezieht sich auf den pla . 
stischen Anblick, den der Tiger gewahrt ^ aber nicht auf die 
Handlung, die man mit jenen Erklärungen bewusst oder unbe- 
wusst unterschiebt. Hat nun ein Schüler noch keinen Tiger In 
einer Menagerie gesehen, so wird man ihm das Epitheton etwa 
durch „ein finsterer Tiger, ob aaevitiam in ejus vuUu conspi- 
cuam'^ verdeutlichen können. — Vs. 424 zu : „ipsa procul nebu* 
lis obscura resistit^^ sagt Hr. W.: ^^obscura^ ufpote nebutis circura- 
fnsa,^^ verbindet also, da er die Nebel noch einmal mit utpoie zu- 
fügt, in den Worten des Dichters nebuJis resistit, wie auch daraus 
zu erhellen scheint, dass er Heyne*s, lebendige Poesie verstei- 
nernde Erklärung ',^111 nebula alat''*' unverbessert lisst. Aber man 
hat doch wohl nebulis obscura eng zu verbinden (sie selbst, fn 
Nebel gehüllt, tritt weit zurück). — Vs. 427: „medium 
Bol aureus orbem hauserat'^ wird erklärt : „Sei confecerat mediam 



Wagner^ Koch o. Ladewig: Schalaasgaben Virgir«. 53 

cursum per orbem caelegtem.^^ Hr. K. «chatte die Hälfte ihres 
KreisJaufea Tollbracht,^' woiu Hr. L. noch beifügt: „es war alao 
um Mitta^/^ Dass vom Mittage die Rede seio müsse, leuch- 
tet ein ; aber wie diess bei der Deutang confecerat und ,,hatte 
vollbrachte^ oder ,, v o 1 1 e n d e t ^^ herausi&omme , leuchtet nicht 
ein. Denn bei einem confecerat ist der Mittag schon v orü her; 
man vergl. confecimiis aequor II. 541. Ich sehe in derartigen 
Stellen keinen einfachem Weg, als haurire aliquid su erklären 
durch peneirare in aliquid. So glaube ich auch III. 105 verste- 
hen zu miissen , wo die Heransgeber anders geurtheilt haben, aber, 
wenn sie dieselbe Redeweise in Aen. V. 253 nach dem dortigen 
Zusammenhange genauer betrachten, ihre hy per b oiis che Deu- 
tung vielleicht zurücknehmen werden. Was man an unserer 
Stelle in Vergleichung zieht, scheint mir verschiedener Nator zu 
sein. — Das zu Vs. 455 von Hrn. K. gesetzte : „ohne es irgend- 
wie verdient zu haben" kann miss verstanden werden; darum ist 
deutlicher : „keineswegs aus eigener Verschuldung ungliicklich^e 
zu sagen. Eben so war Vs. 468 „caligantem nigra formidine^^ 
den Worten entsprechender zu deuten: „finster bedeckt von 
schwarzem Graue n.^^ — Weil der Dichter Vs. 481 bei „in- 
tima Lei i Tartan'' scheinbar \on seiner Darstellung in deir 
Aeneis abweicht, bat Hr. K. bemerkt: „es verfahren die Dichter 
in dergleichen Beschreibungen nicht immer mit Genauigkeit.^^ 
Aber was ist denn das für eine Ungenauigkeit, wenn die Sage 
verschiedenartig ist, und ein Dichter an verschiedenen Stellen hier 
dieser, dort jener Sage folgt, je nachdem er es für seinen poe- 
tischen Zweck geeignet ßiidct? Vorsichtiger ist der Ausdruck 
des Hrn. W. „in ejusmodi rebus liberius versantur poetae.^^ Auf 
ähnliche Weise hat über das Locaie in Vs. 539, wo alle drei Her- 
ausgeber schweigen, Heyne ein bei Dichtern nicht begründetes 
„sui oblitus e^t poeta^^ hingeschrieben, als wenn Vergil ein Histo- 
riker wäre, was Hr. W. nicht ohne Erinnerung hätte durchlassen 
sollen. — Vs. 491: „vic/t/s animi^ qui est victi, cupiditate scili- 
cct, anlroi.^^ Gegen diese Erklärong nur die einfache Frage^ ob 
wirklich jemand „victi animi respe;Kit^'-Mgen könne? Sodann ist 
durch das äusserliche scilicet mit seinem anklaren cupiditate^ das 
wieder eine Ergänzung wie videndi eam nöthig machte, das eigent- 
liche Wesen der Construction und des Sinnes verwischt worden *), 
Auch Hr. L. suppllrt, indem er bemerkt: ,,victus, von Sehn- 
sucht n ä m I i c h. Der Gen. animi zeigt an , dass hier nicht von 
einem physischen , sondern von einem geistigen Unterliegen die 



"^ Dieaes Verwischen des eigentlichen Wesens, besonders aus dem 
Streben nach Kürze, findet sich auch anderwärts. So wird, um nur ein 
Beispiel durchzugehen, Bei. I. 8 geradezu gesagt: ^^agniu ob oviübu» 
nostris,!. e. agnus ovilis nostri/' was dem Schüler keine Einsicht «•- 



54 Lateinische Litteratnr. 

Rede ist^^ Aber wie soll nur irgend ein Schriftotellcr irgend einer 
Nation die Worte T o n Sehnsiiclit oder von Begierde weg- 
lassen können! Das acheint mir unmöglich su sein. Wiil Hr. W. 
(denn dieser bildet immer die Grundlage, weil von ihm Alledanic- 
bar gelernt haben) seinem Principe gemäss keine Grammatik citi- 
rep, was doch wohl in vereinzelten Fällen sweckmissig wäre, so 
darf man die vorliegende Stelle wohl nur erklären: ^^üiciU8 animi^ 
besiegt in Hinsicht seines Herzens, fere i. q. victuB ani-- 
mo^ besiegt von seinem Herien, h. e. dieslderiö captus.^^ — 
Vs. 509: ^^aec^ sein Loos, sein Geschick/^ So die HHrn. K. 
und L. statt des bestimmtem: dieses sein Missgeschick, 
waa doch wohl Hr. W. durch sein ,,c«sus suos^^ hat auadrilckeii 
wollen. — Vs. 565 sagt Hr. L. ,,/tisi, s. zu E. I. 10,^^ was nicht 
hierh^er gehört, wovon zu der angegebenen Stelle gesprochen 
wurde; hier heisst ^st einfach: ich habe Hirtentieder scherz- 
haft oder spielend gedichtet. 

Hier will Ich mit meinen Erinnerungen aufhören. Die ange* 
f&hrten Beispiele werden genügen, um das zu beweisen, was be- 
inriesen werden sollte. Ich bin aber ausführlicher gewesen, well 
man noch immer hier und da die sogenannte formelle Bildung 
im Monde fuhrt, jedoch nirgends erklart findet , was man darunter 
für eine abstracte Realität sich zu denken habe : wohl aber sieht 
man bei genauerer Priifung des Materiellen, dass selbst in den 
besten lateinischen Commentaren, wozu der Wagnerische ganz 
unbestreitbar gehört, Manchea vag, ungenau, bisweilen selbst un- 
richtig erläutert werde. Eine von den Ursachen dieser ErscheN 
Dung, besonders bei der Worterklärung, scheint mir im lateini- 
schen Colorit zu liegen. Zwar ist es bekannt, dass Hr. W. mit 
ausgezeichneter Klarheit und Eleganz sein Lateinisch zu schreiben 
versteht, sodass es übertriebener Pedantismus wäre, wenn jemand 
ein „d tao inde consulalu^^ p. 14, famigerata p. 31 , episodium 
p. 52, aerem p. 64. 73. 00. 92. 103 (Zumpt Gr. §. 71) , Crono 
statt Saturno p. 106 und ähnliche Kleinigkeiten aus vermeintlicher 
Classlcltät hervorziehen wollte: aber es hat doch Hr. W. in Be- 
ziehung auf Wort- und SInnerklärong, trotz seiner Meisterschaft, 
dem Schickaale sterblicher Lateiner nicht ganz entgehen können. 
Das ist es, was ich durch meine obigen Bemerkungen b^weiseii 
wollte. 

Eine andere Seite der Schulausgabe betriSk das alte Zuviel 
lind Zuwenig, worüber, ungeachtet der verschiedepen Urtheile 



wälirt. Hr. K. hat besser er^Llärt, nor so nbersetst, ald wenn ex and 
nicht ak Im Dichter stände. Noch deotlicher spricht Hr. L., aber am 
Schlosse mosste statt: „oft dient aar Beseichnang des Ortes, dem et- 
was angehört" vielmehr gesagt werden: von dem etwas herr 
kommt oder herrührend gedacht wirdf 



Wagoer, Koch tt. Ladewig: Scbulsusgabeii VirgiPs. _ 55 

im Einzelnen, doch fm AUgemeiae« die Erfahrung entscheiden 
nius6, wenn nämlich der Pädagog den behandelten Autor mehrmals 
mit Sehölern einer Classe gelesen uifd auf diesen Punkt ein auf- 
merksames Auge gerichtet hat. Da kommen eine Anzahl von 
Stellen zum Vorschein, hei denen die Mehrzahl regelmässig an- 
stösst, während sie bei andern, die nur für Philologen philolog!« 
sehe Wichtigkeit hahen, für pädagogische Schullecture keine 
Nachhülfe . brauchen. Es wird freilich vorausgesetzt , dass die 
Schüler der hetreffenden Classe die nöthige Vorbildung haben, 
und dass diese Classe nicht an Ueberftillung leide , um wirklich 
Pädagogik üben zu können. Denn über so zaiilrefche Classen, wie 
sie manche Gymnasien aufweisen, habe ich noch keine Erfahrung, 
am eia Urtheil zu wagen, wie man da die einzelnen Schuler, jeden 
nach seinen Kräften , vorwärts bringe , und wie sich da derartige 
pädagogische Erfahrungen gestalten. Was nun die Leistung des 
Hrn. W. in der angeführten Richtung betrifft, so kann man ihn 
bewundern, das« er bei seinen umfassenden und griindlichen Stu- 
dien gerade bei Vergil eine solche Resignation im Beschränken 
seiner Noten ge^bt hat. Stellt man nämlich die drei Ausgaben 
wegen des Zuviel mit einander in Vergleichung, so dürfte das 
Verhältniss folgendes sein.. Am häufigsten hat dagegen gefehlt 
Hr. Koch durch manche nutzlose oder entbehrliche Zusätze , und 
zwar in dreifacher Hinsicht: a) in der K^r i t i k , indem er an Stel- 
len, wo Hr. W. sein zweckmässiges AHi setzt, diese Varianten 
erläutert, wie E. V. 5. 10; X. 10 und anderwärts; b) in der 
Beifügung blosser Inhaltsangaben, die der Schaler selbst 
gleich beim ersten Lesen des Textes auffinden kann und muss, 
wie B. 1. 12. 28. 53; IV. 14. 17. 47; V. in der Einleitimg und 20. 
80; Vf. 1; VII. 52 u. s. w. ; c) in der Angabe von Ueber- 
Setzungen leichterer Stellen, wie E. 1.2.99.82; 111.85; 
V. 12. 51. 74^ VI. 10 u. n. Dabei soll naturlieh nicht geleugnet 
werden, dass mancher andere Zusatz zweckmässig sei, und ^dass 
er auch einzelnes Fremdartige von Hrn. W. weggelassen oder 
verbessert habe. Nur durften nicht Zusätze und Erweiterungen 
stattfinden , wie z. B. I. 58;. „tua cura, an deren Girren du 
dich ergötzest, dein Liebling/^ wo Hr. W. kurz und richtig 
sagt: „quibus delectari soles.^^ Denn wem die Waldtauben 
Lieblinge sind , der ergötzt ^ch nicht blos „an deren Girren,^^ 
sondern überhaupt an deren Anblicke und Besitze. Oder E. III 
linder Einleittmg: „es treten zwei Hirten aus Andes auf,^^ zu 
welchem Zusätze im Gedichte selbst keine Andeutung liegt. Zn 
IV. 27: „quae sit virtns^^ heisst die Note : „quae drückt hier die 
Beschaffenheit und den Umfang und die Grösse aus.^^ Aber von 
Umfang und Grösse der Tugend pfiegt kaum ein Moralist zu 
reden, geschweige ein Dichter: in der Beschaffenheit ist 
schon Alles enthalten. V. 4 steht „major älter, mit Wegfall von 
itaftf/^ Man darf nicht vom Wegfall reden, wo etwa« nicht 



56 iiateinische Litterator. 

stehen Mon; Vs. 45: ,,Der Infin. restinguere bei quäle nach 
griech. Gebrauch, olov oßkönij^^ ataUdes beütiainiten und richli- 
ge« |,iat Sutyecteuifinitiv , iwie olov ro ößiöai,^^ VI. 38 alimmt 
die ^rklärtin£[ der Herren K. und W. nicht mit dem Texte über- 
ein, in weichem nach altiua interpungirt wird (was bei Hrn. L, 
9U V. 5 9u bemerken ist); Vs. 70: ^^Aacraeo aeni, der aua Aslira, 
einem Fieciceu in ßöoUen, stamrate,^^ wo Hr. W. mit seinem 
^^ab^scra ita dicto^^ vorsichtiger redet. Doch Derartiges Hesse 
sich öfters erinnern, wie I. 60: ^^evea^ gewöhnliches Beiwort der 
Vöge(,^^ wo Hr. W. richtiger valaniium setzt, weil er weis«, 
dass a. B. die Bienen, die G. IV. 55 ebenfalis ieves heissen, nicht 
SU den Vögeln gehören; ein gantUcheA MissTerstehen des Herrn 
IV. in Ecl. II. ti6 u. A. 

Das Zuviel des Hrn. Wagner ist unbedeutend und erstreckt 
sich nach meiner Ansicht besonders auf folgende zwei Punkte. 
Erstens ist in der Anfuhrung von Parallelstellen hier und da des 
Guten zu viel geschehen. Abgesehen davon, dass einzelne nur 
eine entferntere Aehniichkeit haben oder nicht ganz genau passen 
— für Beides würde der Beweis hier zu v|el Haura erfordern — , 
liat ein grosser Theil blos philologisches Interesse, dient also dazu, 
den Schüler im Veretäodoiss des TejKtes zu hemmen und im Vdr- 
wärtsstreben aufsubalteu, zumal wenn Schriftsteller cilirt werden, 
welche der Schüler noch nicht selbst gelegen hat. Dann bleiben 
solche Citate nichts weiter, als ausserliche Notizen, welche die 
Aufmerksamkeit vom Texte des vorliegenden Autors abziehen. 
Freilich hfingt diess zum Theil mit der Hauptfrage zusammen, wie 
man heut zu Tage die Alten in Gymnasien lesen müsse, um etwas 
Erkleckliches zu erzielen. Darüber sind die Ansichten noch sehr 
|etheilt. Der zweite Punkt für das Zuviel des Hrn. W. scheint 
mir darin zu liegen , dass er die Absicht hatte (um seine eigenen 
Worte p. VI zu gebrauchen) , „ut haec editio pro Supplemenio 
tnajoris haberi ipsisque etiam magistris usui esse possit.^' Diess 
mag Veranlassung sein, dass er hier und da längere Noten oder 
JSxplicatlonen aufgenommen hat (wie G. I. 142. 163. 173; II. 45. 
277, • III. 283. 481; IV, 82 u. a,), diq entweder in grammatische 
Lehrbücher oder in die grössere Ausgabe gehörten. Ausserdem 
möchte Hr. W. in vereinzelten Fällen erklart haben , was keiner 
Erklirung bedurfte, weil es auch ein angehender Leser dea Ver- 
gil von selbst versteht. Ich will diese wenigen Stellen, die ich 
meine, durehgehen. Bei. 1. 3 wird erklärt, was alles dulcia 
heisse ; aber da diess allen gebildeten Völkern eigenthümlich iai, 
so braucht man es nicht »q erklären , sondern ksnn höchstens eki- 
mai angeben, warum ein Schriftsteller gerade diesen Ausdruck 
gewählt habe. Diesen Grund aber hat (Ir. W. so wenig als ein 
Anderer angeführt. Mir scheint das Passende des Wortes hier 
darin zu liegen, weil der Mensch am lebhaftesten fühlt, wie lieb 
{llip ^twas war , wenn er ea verliert oder verloreii ha|. Auf diesp 



Wagner ; Koch u» Ladewig: Scbolaasgaben Virgirs« 57 

psychologbche GeinaChlichkeit in der Wahl mancher Epitheta des 
Vergil siud die Interpreten des Dichters noch nicht eingegangen. 
Das zu Vs. 59 stehende: ^ygemere turturiim et cohimbarum pro- 
prium^' ist entbehrlich, weil dieas theila aus dem Texte erhellt, 
theils aber das ^^proprium^' noch von mancher andern Verbindung 
gilt. Noch mehr trifft der Begriff des Entbehrlichen das dabei- 
stehende: „aerta^ perpetaum arboram epitheton, iliitudinero in- 
dicans/^ Denn was luftig hcisst, wird Jeder zu deuten wissen, 
mag es in die Luft liinausragen oder in der Luft sich aufhalten. 
Daher versteht hier der Schüler ohne Erklärung die «^luftige 
Vlme;^^ wie Ecl. III. 59 die ^^luftigen Waldtauben,'^ wasneheo- 
bei durch^,]n aJlo nidificautes^' unrichtig erklärt iat; denn der Be- 
griff des M jatens liegt erst im dabeistehenden congetaere^ das 
aeriae kann nur bezeichnen, dass sie sich viel in der Luft bewegen. 
Was ferner ein ^luftiger Berg^' sei in VIII. 59, wo wieder citirt 
iat, wird der Schaler wohl aua dem homeriachen i^Sfioeööa ver- 
stehen. Eben ao G. 1. 375 die „luftigen Kraniche'^ und III. 474 
di« „luftigen Alpen.'^ E. 1. 71 wird neben dem impius müea 
auch noch hinzugefügt: „pti sunt agricolae, pacis ac juatitiae aman- 
tea,'^ was weder hier angedeutet ist, noch zum Charakter der 
Vergilischen Hirten weit passt, weashaib ea Hr. K. mit Recht über- 
gangen hat. Uebrigena scheint mir im „ruchlosen Soldaten^' 
noch eine doppelte leise Andeutung zu liegen, welche die Er- 
klärer nicht hervorheben, nämlich erstens die Beziebnng auf /Mrai- 
peris tuguri, in sofern er besonders armen Leuten den fleissigea 
Aabaa raubte, und zweitens die Territherische Handlungswelse 
gegen das Vaterlands Um aber die letztere nicht allge- 
mein als blos die Römer treffend hinzustellen, hat der Dichter 
noch das beschrankende barbarus has segetes hinzugefugt. In 
E. II. 22 ist bei dem Gedanken „das gsnze Jahr hindurch ^^ der ^ 
Zusatz etiam hieme matt und überflüssig; und Vs. 59 konnte die 
Erklärung von „ klaren Quellen, liquidls fontibus^^ wegbleibeo 
nebst dem Gitate „cfL G. 11. 187,^^ weil dort summis liquuntur mon«> 
tibus affines gelesen wird, die amiie« aber doch nicht mit /ofi/i^iar« 
gleichbedeutend sind. Ganz ohne Zweifel wird Hr. W. künftig 
tilgen zu £. VI. 39 die Note: „sllvarum, i. e. arbornm/^ damit man 
den Wald vor den Bäumen nicht verliere, und wird diesem Todten- 
opfer auch G. II. 15 „nemorcem, I. e. arborum nerooralium^^ und 
2ti ^^süvarum^ arborum"*' zum Begleitergeben, well der Dichter 
an der ersteren Stelle: „die Speiseeiche, die grösbte der Uaiiie,^^ 
an der zweiten „andere Gewächse derWälder^' gesagt hat, was 
man ihm nicht durch prosaische Hjperexegese rauben darf, in 
6« I. 224 1 „anni spem credere terrae , die H o f f n ung desJah« 
r ea der Erde anvertrauen^^ dürfte doch wohl kein „aniii% prov^ij- 
tua annul^^ nöthig machen, da alle Völker ao reden und da eigent- 
lich auch nicht der „proventus annuus,^^ aondern wa9 diesen heip- 
yorbringty'^das semen^ der Erde au?ertraut wird. Kurz, der Schüler, 



58 LateiniBch« Litteratur. 

der Im Deutschen, wie es iiothwendig ist, f&rSecunda die iiöthige 
Vorbildiiog bat, wird wohi itt der Erinuerung an das Vaterlän- 
disclie 

,<)Deni dunkeln Schooss der heiligen Erde 
* Vertrauen wir der Hände Tliat, 

Vertraut der Sämann seine Saat, 

Und Kiofft, dass sfe entlielmen werde^^ 
die BÖthige Aufklarang finden. In früiierer Zeit, wo die Mutter^ 
spraclie vernaclilassigt Wurde, moclite die Erklärang von derarti- 
gen Stellen notliwendig sein. Dahin gehört auch Vs. 312 „der 
mildere Sommer, moUior aetas.^^ Kürzt man nun noch Vs. 502 
die zn lange Erklärung vom ^^'Laomedontea Troja,'' so wäre das 
Wenige erwähnt, was ich ausser den zwei Hauptpunkten in dieser 
Ausgabe an Einzelheiten für überflussig halte. 

Ich komme zu Hm. Ladewig, bei dem ich in Hinsicht auf 
Zuviel nichts Wesentliches anzuführen wüsste, was sich auf ob- 
jective Erfahrung zurückfuhren Hesse , mit Ausnahme einiger Par- 
allelen und eines Punktes, in welchem Hr. L. nach meiner 
Ueberzeugung seinem gelehrten Vorgänger nachsteht. Es hat 
nirallch Hr. L. an mehreren Stellen, wo er eine nene Erklärung 
giebi, oder in der Lesart von Hrn. W. abweicht,^ in kürzerer oder 
längerer Note zugleich angeführt, wie man nicht zu erklSren 
habe und w a r u m man so oder anders lesen müsse, oder er hat 
wenigstens vereinzelte Varianten erwähnt. Das ist theils gegen 
das Princip, welches der Prospectus jener Sammlung aufgestellt 
hatte, theils an und für sich ein nntzloser Ueberfluss. Da hat 
der tüchtige und scharfsinnige Mecklenburger seinen Philologen- 
rock nicht ablegen können , um einzig und allein Pädagog zu 
sein, oder in anderer Beziehung: es ist von der Schaale, in wel- 
cher der Kern seiner Prüfung lag, in der Note etwas hängen ge- 
blieben, was getilgt werden m^8s. Denn für Schüler ist gleich- 
gültig , ob Tityrus oder Meliböus anders erklärt, IMenalcas oder 
Mopsus einer verschiedenen Lesart folgt, wenn die Schüler nur 
das augenblicklich verstehen lernen , was im Texte der Ausgabe 
steht. Wer mehr verlangt, von dem fürchte ich, dass er über 
philologischen Luxusartikeln die Forderung pädagogischer Noth- 
wendigkeit, d. i. ehi leichtes und sicheres Textverständniss der 
Alten bei den Sdiülern herbeizuführen, aus den Augen verliert. 
Der Lehrer aber sieht schon aus der aufgenommenen Lesart und 
aus der positiven Erklärung derselben, dass der Heraasgeber 
gründliche Vorstudien gemacht habe. Daher sind, nach meiner 
Ansicht , in diesem Sinne theils zu tilgen , theils zu verkürzen die 
Bemerkungen zu E. 1. 18 [wo Hr. W. mit Rocht nur ein „cf. IX. 
15^' beischreibt]. 59. 65; 111. 16. 109; IV. 56. 63 [über Vulcan und 
Minerva]. VIII. 48. 57 [über G. Hermann's Anordnung, worüber 
Hr. W. p. Vi ein ,,fortasse dicetur a me commodiore loco ac tem- 
pore** versprochen hat], G. I. 25. 52. 174, 415. 513; II. 141. 



Wagner, Koch a. Ladeviigc Scbolausgaben Virgil's. 59 

S56. 437; III. 96. 117. 230. 241. 254. 303. 305. 343. 402. 415; 
IV. 45. 130. 132. 431. Die kleiuen Bedenken, die ich sachlich 
oder sprachlich gegen Einzelnes habe, sollen an einem andern 
Orte vorgetragen Mrerden. Hier möge noch ein pädagogischer 
Umstand beriihrt werden, der mir in der Ausgabe des Hrn. L. 
nicht beifallswerth scheint: ich meine die Einrichtung, dass Hr. 
L. vorjedem Buche der Georgjeu den Inhalt desselben, der an 
und für sich nach Vossens Vorgange vor trefflich abgelEasst isl^ 
gleich für das ganze Buch zusammenstellt. Das verur- 
iacht dem Schüler einen nutzlosen Zeitaufwand im Tielfachen 
Machschlagen. Dpnn das ganze Buch kann kein Schuler Anfangs 
in einem Zuge durchlesen, zumal in den Georgicis, sondern es 
kann diess bekanntlich nur abschnittsweise bewerkstelligt werden. 
Er muss daher beim Beginn jedes Abschnitts immer wieder vorn 
nachsehen , wenn er wissen will , was die Haupttendenz der näch- 
aten Aufgabe sei. Meint aber Hr. L. — denn er hat sich darüber 
nicht ausgesprochen — , dass diese Gesammtöbersicht nur 
nach der Lecture jedes Buches aU Leitfaden zur Wiederholung 
des Ganzen dienen solle ; so gebe ich zu bedenken , ob nicht eine 
solche Gesammtwiederholung viel zweckmassiger vom Schuler 
selbst aus nochmaliger Lectöre des Einzelnen znsammeogesteilt, 
oder nach Umstanden zu einem Aufsatze nach gegebenen Gesichts* 
punkten verarbeitet werde. Jedenfalls haltt ich das Verfahren 
des Hrn. W., vor die jedesmaligen Textabschnitte in den Noten 
kurze Ueberschriften zu setzen, für empfehlungswerther. Und 
dieses Verfahren wörde ich auch in der Aeneis in Anwendung 
bringen. Nur müssen diese Ueberschriften kurz und anregend 
abgefasst sein, auch wurde ich jedem Buche der Aeneide eine 
Ueberschrift geben, etwa In der Art, wie es Thiel in seiner, 
sonst freilich mit gelehrter und ^emüthlicher Breite sich ergehen- 
den Ausgabe gethan hat. Das würde ich noch zweckmassiger 
finden , als die jetzigen Zugaben Wagner's. 

Fragt man nun nach der zweiten Seite, die oben berührt 
wurde, nach dem Zuwenig^ so ist \u dieser Beziehung ein partim 
immer besser als ein nimium , und ich hitte nach meiner ^Erfah- 
rung nur einzelne Stellen zu nennen, wo ich statt derjenigen Dinge, 
die mir in den vorliegenden Ausgaben der Tilgung oder der Ver- 
kürzung bedürftig scheinen-, anderweitige kurze Bemerkungen 
aufnehmen würde. Im Allgemeinen glaube ich in der Bearbeitung 
der Georgica bei Hrn. W. eine gewisse Ungleichmassigkeit be- 
merkt zu haben , indem die beiden ersten Bücher 'reichlicher be- 
dacht sind, als die beiden andern, während bei Hrn. L. eine grös- 
sere Gleichmibsigkeit herrscht. Ferner möchte im Commentare 
des Hrn. W. eine kleine Erweiterung der sachlichen Erklärung 
wunschenswerth sein; ohne dass darum das Ganze vcrgrössert 
wird. Es ist diess ein Urtheil, das auch Rauchenstein ausge- 
fiprochen hat. Biuzehies mag, wenn man die sonatigen Grundsätze 



60 Lateinisch« LitteratQr. 

des Hro. W. beachtet, blos auf Vereehen beruhen , wie s. B. das 
gaDzlIche Schweigen lo Ecl. I. 66: ,,rapiduni Cretae Oaxen/^ 
V. 72: y^Lyclius Aegon/^ G. 1. 250: ^^equia Oriena adflavit anher 
lia.^^ 275: Mmaasani picis'^ [wozu diesa diente]. II. 172: ^.Romania 
arcibna.^^ III. 349: ,,Maeotia uoda^' [wo In Hro. L.*a Note der 
Schreibfehler palaa ateht]. 510: „laticea Leoaeoa/^ IV. 34: ,,al- 
vearla^^ [hier u. II. 433 die Synizeae]. 246: ,,iovlaa Minervae.^^ 
Dieaa acheinen mir Veraehen zu aein, weil aonai dergleichen Dinge 
regelmäaaig erläutert werden. Bei den anderen Stellen, zu wi- 
chen ich eine kurze Bemerkung vermiaae , leitet mich meine Er- 
fahrung. Dreimal nämlich habe ich aeit dem p!rachelnen der klei- 
nen Wagnerischen Ausgabe den Vergil mit Schillern (öflfentJicb 
und privatim) durchgeieaen , und jedeamal Gelegenheit gehabt, 
mir noch folgende Stellen ala aolche zu bezeichnen, die Anetoaa 
gaben. (Wo das Folgende auch Hrn. L. trifft, will ich deaaen Na- 
men in Parentheae hinzuaetzen.) In E. II, 29 (l*ad.) wird figere 
eervos regelmiaeig überaetzt „llirache jagen^' oder „Hische er- 
lege n.^^ Ruft man Halt, und fragt man nach der eigetttlichea 
Bedeutung und läaat dabei achnell 6. 1, 307 das „retia ponere cer- 
via^* vergleichen, ao findet wohl der Eine oder der Andere, daaa 
hier wahrscheinlich der Alexia zu dem achönatea Werke dea 
Waidmanu 8 eingeladen wird , wenn nämlich ein HIrach daa Fang- 
garn durchbricht und nun mit dem Wurfspeer erlegt wird. 
Denn andere Stellen, wie z. B. Aen. V. 253 acheinen nicht hier- 
her zu gehören, w.eil da ,Jaculo cervoa curatique /a/iga^* und 
Aehnlidies gesetzt lat, kurz man vermiaat eine kleine Bemerkung. 
VII. 31 wird ohne Vosaena Wink daa toia überlesen , und zu 
cothurntis Va. 32 würde ich noch die Motiz über die Gestalt dea- 
aelben [Böttiger's Kl. Sehr. 1. 213] kurz aufgenommen haben; 
aonat macht sich der Schuler eine falsche Vorstellung. VIII. 92: 
^,t/i limine^ dea Altars oder des Hauses 1^^ In Georg. 1. 49: f7/itia. 
105 (L): „cumuloa ruil, propellit, i. e. frangit, cf.ll. 308.'' 109 
und 449 einen 'kurzen Hin weis auf den entsprechenden Rliythmua. 
162: ,,inflexi grave robur aratri, i. e. aratrum iuflexam, grave 
onuatiimque'^ [dm Va. 143 daa noch leichtere ferri rigor erklärt 
wird]. 190 (L.}: „cum magno calore , mit vielem Seh weisse 
[wie Voas] oder bei groaser Hitzel^^ 307: „grtii^ua pedicaa^' 
(warum dieaen?). II, 14: „poaito de aeroine'^ [mit Jahn. Hr. L. 
musate aelne erste Erklärung vom , .gestreuten Saamcn^' tilgen, weil 
lu der angezogenen Parallele Vs.57 erstens ynr/i« steht, und zwei- 
tens der Zusammenhang ein ganz anderer ist]. 105 (L.): „LIbyci 
aequoria^' [Meer oder Eben ei Ich denke mit Voaa an'a Letz- 
tere]. 109 (L.) fehlt Verweisung auf den ähnlichen Gedanken, 
der!, 53 ateht. III, 82: ,,albia*' [mit Jahn]. 357: „pallentes 
umbras, i. e. dies illiua temporis caliginosos^' [wie auch Hr. L. er- 
klärt]. 420 (L.): „cape robora,''' wo die Schüler In der Regel 
keinen paaaendeu Auadruck finden. Ebenso Va. 483 zu „addu- 



Wagner, Koch und Ladewig : Scholaongaben VirgiPs. , 61 

xerat artns.*^ 522: „electro.** 536: ^^contenta cervicc." IV, 14 
(L.): „a stabnlis/^ 13 (L.): „corticibus^ enberis, mit der Stelle 
des €oliiinella>^ 45: ,,e levi limo^^ [woran jeder Scbtiler anatöaat, 
Hr. L. hat ei anfgenommen]. 47 haben alle drei Herausgeber mir 
„Ed. IX. 30'' citirt, dagegen die tax! meentea In IT. 257 ohne 
hinlin^llchen Grnnd weggelassen. 62 [was Hr. L. nicht gans rich- 
tig erklart]. 112: „pinosque ferens de roontibiis altis'^ wird citirt 
^,cf. B. VII. 65^^^ wo man findet: ^^pimie in koriia^ hortensis, ^fis- 
Qog,^^ Nun hat der Scholer den Begriff: ,,Criir/e;7pinien Ton 
den hohen Bergen tragend^* und weiss keinen Rath. Hr. L. 
schweigt, V oss erwähnt „die angebanete Fichte oder Plai e, de- 
ren Frucht die essbare Zirbelmiss oder Pinjole ist. Denn warnm 
sollen wir nicht niedriges Pinlengeb&sch denken? Aach 
Of id (art. III. 689) nennt unter dem niedrigen Gesträuch um einen 
Bergquell hansliche Pinien.** Alles gana gut, mit Ausnahme des 
„niedrigen Piniengebusches,^^ was ein einfaches /»mos nicht heis- 
sen kann; aber beim Ovid heisst es: 

,,Est prope purpureos collesflorentu Hymetti 

Föns sacer et mtidi eespüe mollia Atimtis^^ u. s. w., 
es Ist also eine Thalgegend geschildert, wo die eulta pinua (was 
Ovid gebraucht) nichts Auffälliges hat, sumai da der luxuriöse Ovid 
zugleich einselne Spuren von menschlicher Cultur in seine Schilde- 
rung mit verwebt hat. Wer hat dagegen aus Italien berichtet^ man 
könne dort die Pinus Pinea von ,,h o h e n Bergen, de montibos allW 
holenl Nicht jeder wird sich dieselben von den Interpreten belie- 
big verkleinern lassen : ich wenigstens habe lu viel Rcspect vor 
Vergll, als dass ich glauben könnte, er habe jemals „hohe Berge^^ 
genannt, um „niedrige Hngel^^ zu beseichnen. WasgiebtHeynet 
Der fertigt den Leser ab mit einem: ,«Qnae in botanicorum iibel- 
Its memorari solent, ex Ulis, non ex notisad poetam sunt petenda.*^ 
Ja wenn jeder eine Göttinger Bibliothek in der Nihe bitte! Debri* 
gens ist diese Bemerkung gegen seine sonstige Gewohnheit, da 
der edle Heyne bekanntlich kein blosser Formalist war. Was ist 
nun über Vcrgifs Stelle als Resultat zu sagen? Ich weiss keinen 
andern Ausweg, als dass der Dichter mit seinem vplnoiiqne ferens 
de montibus altis tecta serat late circum^^ zugleich die Vered- 
ln n g d e r pinui mit gemeint nnd diess nur als eine seinen Römern 
bekannte Sache nicht ausdrücklich erwähnt, wohl aber ge- 
rade desshalb das so allgemeine ,,cul ialia cnrae^^ hinzugefügt 
habe, was bei der herkömmlichen Deutnng zu einem entbehrlichen 
Znsatze herabsänke. Aus dem Allen dürfte ersichtlich sein, dasfl 
Hr. L. mit Unrecht schweigt und Hr. W. nicht gana befriedigt. 
— Vs. 138: „increpitans.*^ 173 (L ) „/nett." 179: ,^munire favos, 
daedala tecta.'' 319: ,,extreml'' [wo ich Hrn. L. beistimme]. 382: 
„Oceanum patrem remm [wo Hr. L doch noch den Ursprung jenes 
Phllosophems ans dem homerischen yiviöig ndvtB66i titvntai 
beifügen sollte}. 385 : y,subjeeta'' [bei Hrn. L. sind mir die Schloss« 



62 Lateiniscbe Litterainr. 

Worte nnvenitindUch, wovon anderwärts]. 416: ^^corpus perdu- 
Sil.'' 457 : ,^per flumina/' 472 und 486 (L.) würde ich auch 
in einer Atisgabe benotzen, um auf den charakteristischen 
Gebrauch des Imperfecti ibant und veniebat Vxltz aufmerksam su 
machen Denn beide Beispiele sind besonders instructiv , indem 
bekanntlich das erste die Menge und Fortsetzung der 
6 eh enden' bezeichnet, und das veniebat unserm waraufdem 
Wege entfiprlcht. 506 [Beziehung des Verses]. 510 (L.) : ,,mul- 
centem tigres [wie diese bei der Schilderung des Dichters in 
Thrazien erwihnt werden konnten]. 

Diess waren meine Vorschläge für kleine Nachtrage im Ein- 
zelnen aus den durchgegsngenen Abschnitten. Es bliebe nun nur 
noch übrig, nach alter Recensentensitte eine Reihe von Stellen 
zu berühren, wo ich den Herren Herausgebern aus diesem oder 
jenem Grunde in Lesart oder Erklärung nicht beistimmen kann. 
Manches Exegetische dürfte schon aus den obigen Bemerkungen 
hierher gehören, wiewohl Alles von anderen Gesichtspunkten ans 
behandelt wurde. Aber dieser ganze Punkt ist in einer Schul- 
ausgabe Nebensache. V^enn die übrigen Erfordernisse nach Mög- 
lichkeit befriedigt sind, so kommt nichts darauf an, ob ein Ande- 
rer bei einer Anzahl von Stellen beistimmt oder abweicht. Ja 
wenn in einer Schulausgabe des Vergil selbst ein paar Dutzend 
falsche Erklärungen standen, so kann diess — die Erfüllung der 
sonstigen Bedingungen vorausgesetzt — dem Werthe der Ausgabe 
keinen wesentlichen Eintrag thun. Der Lehrer hat schon ge- 
nügend seine Pflicht erfüllt, wenn die Schüler der Secunda beim 
ersten Lesen des Dichters mir das Leichte und Klare, in 
dessen Erklärung Alle übereinstimmen, leicht und sicher verstehen 
lernen. Das kostet in den ersten Monaten schon Arbeit genug, 
zumal da Secundaner (nach meiner Erfahrung) sich nicht mit 
derselben Leichtigkeit in den Vergil hineinlesen, als es beim 
Homer der Fsil ist. 

Diese Sätze werden freilich denjenigen paradox klingen, wel- 
che gewohnt sind, sogleich bei der ersten Leetüre des Dich- 
ters besonders auf die schwierigen Stellen ausführlicher oder 
iwie sie es aasdrücken) gründlicher einzugehen, weil sie glauben 
arin ein vorzüglich bildendes Moment zu finden. Desshalb legen 
sie auf solche Einzelnheiten ein Schwergewicht. Nun, die Gei- 
ster sind einmal in der Welt verschieden organisirt, und von den 
„Berufenen^^ muss jeder den Weg wandeln, den er nach seiner 
Individualität für den geeignetsten hält, wenn er nur von Unduld- 
samkeit gegen andere mögliche Richtungen frei bleibt. Ich will 
daher dem etwaigen Verlangen nach Behandlung zweifelhafter 
Einseinheiten anderwärts nach Kräften Rechnung tragen, 
was schon oben einige Male angedeutet wurde. Da ich namlicli 
gerade jetzt den hiesigen Schnlnachrichten (nach alter Sitte) 
pflichtmässig eine Kleinigkeit vorsetzen soll, so möge dazu 



Wagner, Koch o. Ladewig: Schulausgaben Virgir«. 69 

gleich eine ,,Rcihe von Stellen^' dienen, wo ich su den drei Her« 
ausgebern ausser der gegenwärtigen Beurtheilung noch etwas im 
Einseinen zu bemerken habe. Am liebsten wiirde ich an Hrn. 
Wagner selbst eine Epistel richten, wenn ich gegen die Beschul- 
digung der Zudringlichkeit im Voraus gesichert wäre. Aber 
wenn ein Pädagog nicht mit dem Rustzeuge von Hrn. Wagner'a 
tiefer Gelehrsamkeit den Vergil behandeln kann, sondern nur mit 
seinem Gefühle und pädagogischem Sinne alte und neneClas- 
siker zu lesen gewohnt ist; so muss er befurchten lästig zu wer- 
den , sobald er mit der Kühnheit seines mehrseitigen Widerspru- 
ches auch noch persönlich an den Philologen herantritt, wiewohl 
in diesem Widerspruche nichts anderes liegen liegen soll, als der 
Ausdruck eines aufrichtigen Dankes -für so vielfache Belehrung 
und die freundliche Bitte um weitere Aufklärung. Freilich ist 
beides beim Hinblick auf die Philologie nur umschlossen von dem 
pädagogischen Rahmen eines ^^laudato ingeniia rvra^ esiguum 
colito,^^ Uebrigens werden die programmatariachen Bemerkungen 
iiher Einzelheiten auf Bucolica und Georgica beschränkt bleiben. 
Die Berücksichtigung der Aeneis nämlich macht für Pädagogen 
erst Anderes nöthig, z. B. die Beachtung der Frage, wie man In 
Secaiida die Lecture der Aenelde wohl am zweckmässigsten mit 
dem Homer zu verbinden habe, und wie sich daher eine Ausgabe 
unter Anderm mit dem Citiren der homerischen Stellen zu ver- 
halten habe, um aus der beiderseitigen Lectiire den möglichsten 
pädagogischen Nutzen zu ziehen. Ob Ich später einmal nach dem 
Erscheinen von Hrn. L.'s Ausgabe, darauf eingehen werde, möge 
davon abhängen, inwieweit es der geehrten Redaction genehm Ist, 
und In wie weit die Herren Herausgeber sich veranlasst sehen, 
die diessmaligen Bemerkungen ihrer Beachtung werth zu finden. 

Noch hat Hr. W. am Schlüsse seiner Vorrede einen epilogna 
galeatns hinzugefügt, gerichtet gegen die Verächter der altclassi- 
schcn Studien , insonderheit gegen diejenigen , welche in der a I- 
1 ein igen Pflege des Deutschen das Heil der Gymnasien suchen. 
Nur hätte Hr. K, diesen Abschnitt nicht iibersetaen , oder wenig- 
stens p. XXII nicht schreiben aollen: „wie jene Stimmführer in 
ihrer Kurzsichtigkeit und anmaassenden HalbwiS' 
serei schreiend verlangen.^' Denn diess bleibt matt und ein- 
druckslos, während der Wagner'ache Text: „tf/ jnbent nosiri 
Bruti atque CoelHea^' schön und kräftig klingt. Man kann ea 
einem Manne, der sein Lebelang redlich und erfolgreich für phi- 
lologische Wissenschaft gearbeitet hat, nicht verdenken, wenn er 
sich bei mancher Erscheinung der Neuzeit unwillig expectorirt; 
Denn wirklich betrübend ist besonders die rücksichtslose Impietät, 
mit welcher so Mancher aus dem Jüngern Geschlecht, der das 
Deutsche verficht, an die Stelle der Vorgänger tritt« Haec mea 
Mtinty veterea mißrate coloni^ das ist der Refrain von mancher pä- 
dagogischen Arbeit. Und doch musa man oft: „lauter Theo- 



54 Lateinische Litteratnr. 

Rede ist.^^ Aber wie soll fiur irgend ein Schriftsteller irgend einer 
Nation die Worte Ton Selinsuclit oder von Begierde weg- 
lassen können! Das scheint mir unmöglich zu sein. Will Hr. W. 
(denn dieser bildet immer die Grundlage, weil von ihm Alle dank- 
bar gelernt haben) seinem Principe gemäss keine Grammatik citir 
rep, wjBS dpch woh) in vereinzelten Fällen zweckmässig wäre , so 
darf man die vorliegende Stelle wohl nur erklären: „vtc/tis animt\ 
besiegt in Hinsicht seines Herzens, fere i. q. victus atU^ 
mo^ besiegt von seinem Herzen, h. e. diesideriö captus/^ — 
Vs. 509: ^^haec^ sein Loos, sein Geschick>^ So die HHrn. K. 
und L. statt des bestimmtem: dieses sein Missgeschick, 
was doch wohl Hr. W. durch sein ,,casus suos^^ hat ausdrücken 
wollen. — Vs. 565 sagt Hr. L. ,,/tisi, s. zu E. I. 10,^^ was nicht 
hierher gehört, wovon zu der angegebenen Stelle gesprochen 
Wurde; hier heisst tust einfach: ich habe Hirtedtieder scherz- 
haft oder spielend gedichtet. 

Hier will ich mit meinen Erinnerungen aufhören. Die ange* 
fahrten Beispiele werden genügen, um das zu beweisen, was be- 
iriesen werden sollte. Ich bin aber ausf&hrlicher gewesen, weil 
man noch immeir hier und da die sogenannte formelle Bildung 
im Munde fuhrt, jedoch nirgends erklärt findet , was man darunter 
für eine abstracte Realität sich zudenken habe: wohl aber sieht 
mau bei genauerer Prüfung des Materiellen, dass selbst in den 
besten lateinischen Commeptaren, wozu der Wagnerische ganz 
unbestreitbar gehört. Manches vag, ungenau, bisweilen selbst un- 
richtig erläutert werde. Eine von den Ursachen dieser Erscher- 
nung, besonders bei der Worterklärung, scheint mir im lateini- 
schen Colorit zu liegen. Zwar iat es bekannt , dass Hr. W. mit 
ausgezeichneter Klarheit und Eleganz sein Lateinisch zu schreiben 
versteht, sodass es übertriebener Pedantismus wäre, wenn jemand 
ein „a tao inde consulatu^^ p. 14, famigerata p. 31 , epiaodium 
p. 52, aerem p. 64. 73. 00. 92. 103 (Zumpt Gr. §. 71), Crono 
statt Saturno p. 1Ö6 und ähnliche Kleinigkeiten aus vermeintlicher 
Classiciiät hervorziehen wollte: aber es hat doch Hr. W. in Be- 
ziehung auf Wort- und Sinnerklirung, trotz seiner Meisterschaft, 
dem Schicksale sterblicher Lateiner nicht ganz entgehen können. 
Das Ist es, was ich durch meine obigen Bemerkungen b^weisep 
wollte. 

Eine andere Seite der Schulausgabe betriffit das alte Zuviel 
find Zuwenig, worüber, ungeachtet def verschiedepen Urtheile 



wälirt. Ur. K. hat besser erjclärt, nar so übersetzt, als wenn ex and 
niclit ak im Diohter stände. Noch deutlicher spricht Hr. L., aber am 
Schlosse masste statt: „oft dient zar Bezeichniing des Ortes, dem et* 
was angehört" viehnehr gesagt werden: von dem etwas her? 
kommt oder herrührend gedac|ii wirdt 



Wagner, Koch u. Ladewig; Schulausgaben VirgiTfl. _ 55 

im EiDselnen, doch fm AUgemeiaeii die Erfahrung eiitschefden 
IIIUS6, wentt immlich der Pädagog den behaBdelten Autor mehrinaia 
mit Sehnlern einer CiasBC gelesen uifd auf diesen Punkt ein auf- 
merksames Äuge gerichtet hat. Da kommen eine Anzahl von 
Stellen xum Vorschein, bei denen die Mehrzahl regelmässig an- 
atösst, während sie bei andern, die nur für Philologen philologi- 
sche Wichtigkeit haben, fnr pädagogische Schullecture keine 
Nachhülfe . brauchen. Es wird freilich vorausgesetzt , dass die 
Schiller der betreffenden Classe die nöthige Vorbildung haben, 
und dass diese Classe nicht an Ueberftillung leide , um wirklich 
Pädagogik üben zu können. Denn über so zaiilrerche Classen, wie 
sie manche Gymnasien anfweisen, habe icli noch keine Erfahrung, 
am eia Urthei) zu wegen, wie man da die einzelnen Schüler, jeden 
nach seinen Kräften , vorwärts bringe , und wie sich da derartige 
pädagogische Erfahrungen gestalteii. Was nun die Leistung des 
Hrn. W. in der angeführten Richtung betrifft, so kann man Ihn 
bewundern, dass er bei seiuen umfassenden und gründlichen Stu- 
dien gerade bei Vergil eine selche Resignation im Beschränken 
seiner Noten geübt hat. Stellt man nämlich die drei Ausgaben 
wegen des Zuviel mit einander in Vergleichung, so durfte das 
Verhältniss folgendes sein. Am häufigsten hat dagegen gefehlt 
Hr. Koch durch manche nutzlose oder entbehrilche Zusätze, und 
zwar in dreifaclier Hingeht: e) in der Kritik, indem er an Stel- 
len, wo Hr. W. sein zweckmässiges j^Hi setzt, diese Varianten 
erläutert, wie E. V. 5. 10; X. 10 und anderwärts; b) in der 
Bei fngung blosser Inha^lts angaben, die der Schaler selbst 
gleich beim ersten Lesen des Textes auffinden kann und muss, 
wie B. 1. 12. 28. 53; IV. 14. 17. 47; V. in der Einleitung und 29. 
80; Vf. 1; VII. 52 u. s. w. ; c) in der Angabe von IJ eher- 
Setzungen leichterer Stelleu, wie E. I. 2. 99.82; ill. 85; 
V. 12. 51. 74; VI. 10 u. a. Dabei soll natürlich nicht geleugnet 
werden, dass mancher andere Zusatz zweckmässig sei, und 'dass 
er auch einzelnes Fremdartige Ton Hrn. W. weggelassen oder 
verbessert habe. Nur durften nicht Zusätze und Erweiterungen 
stattfinden , wie z. B. I. 58l ^^tua cura, an deren Girren du 
dich ergötzest, dein Liebling, ^^ wo Hr. W. kurz und richtig 
sagt: „quibus delectari soles.^^ Denn wem die Waldtauben 
Lieblinge sind , der ergötzt ^ch nicht blos „an deren Girren,'^ 
aondern überhaupt an deren Anblicke und Besitze. Oder E. Ill 
lt| der Einleitung: „es treten zwei Hirten aus And es auf/^ zu 
welchem Zusätze im Gedichte selbst keine Andeutung liegt. Zu 
IV. 27: „quae sit virtns^^ heisst die Note : „quae driickt hier die 
Beschaffenlieit und den Umfang und die Grösse aus.^^ Aber von 
Umfang und Grösse der Tugend pfiegt kaum ein Moralist zu 
reden, geschweige ein Dichter: in der Beschaffenheit Ist, 
schon Alles enthalten. V. 4 steht „major älter, mit Wegfall von 
ito^tf/^ Man darf nicht vom Wegfall reden, wo etwas nicht 



66 Lateiiiische Sprache. 

die abstracten Regeln an einer Reihe Ton recht pataenden Beispie- 
len «ich zu veranschaulichen. Denn iongum eat her per prae- 
cepta, brere et efficax per exempla ! 

Dasa sich das vorliegende Buch nur an eine beatimmte, an die 
Sibertl-Meiring'ache Schulgrammatil^ anaciiliesat, wird hoffentlich 
keinen Lehrer^ der an eine andere Grammatik gebunden sein 
eollte, bestimmen, desshalb diesem Uebungsbuche den Eingang in 
aeine Schule zu versagen. Es kann dieses Uebungsbuch ohne 
Schwierigkeiten an jede hie oder da eingeführte Grammatik «nge* 
passt werden, zumal wenn der Lehrer im Besitze des von Spiess 
herausgegebenen wohlfeilen Syntaitbüchelchens ist. 

Was die Phraseologie anlangt , so ist meines Bedunkens mit« 
unter wohl eher tu viel als zu wenig gegeben worden. Dieses Zu- 
viel besteht In den öfteren Wiederholungen eines und desselben 
Wortes in gleicher Bedeutung auf derselben, oder doch nichst- 
folgendeu Seite. Z. B. ..Pflicht officiom^' p. 2 und 3; deliciae 
..Freude^^ p. 2 und 4. Ferner Phrasen wie ..au Wasser und zu 
Land'^ zu latlniairen . Ist nach meinem Ermessen mindestens über- 
flüssig, da ein Tertianer theits aus seiner Lectilre. theils aus sei- 
ner Grammatik schon hinlänglich Keuntniaa davon erhalten ha- 
ben muss. 

Eine andere Bemerkung betrifft die Auswahl der ziisammen- 
hingenden Stucke, die theils den einzelnen Capiteln eingeriüht, 
theils als Anhsng dem Buche beigegeben sind. Ref.. der sich 
des CJebungsboches beim öffentlichen Unterrichte bedient, kann 
nicht billigen , dass gar manche jener zusammenhangenden Aufga- 
ben in demselben (umfange und mit denselben Worten aus der 
Quedlinbarger Ausgabe der Loci memorlales. an welches treffliche 
Buch der grammatische Unterricht geknöpft zn werden pflegt, 
entnommen sind. Ich glaube wohl . ohne missverstandeo zu wer- 
den, mit Recht behaupten zu können , dass solche Pensa. so nutz- 
reich und psssend sie in dem einen Buche sind , doch an Nutzbar- 
keit verlieren, sobald man sie verdeutscht und ohne gemachte Aen- 
dcrungen In einem anderen für eine gleiche Stufi sprachlicher 
Bildung bestimmten Schulbuche abgedruckt findet. Denn ein Ter- 
tianer besitzt noch nicht diejenige Reife , um mit Nutzen' (wie z. 
B. in der Prima) ein Pensum Im Texte vergleichen zu können. 
Vielldcht wHre es zweckmSssiger, zusammenhängende. Instructive 
Aufgaben aelbst zu bilden, die sich entweder an latein. Originale 
anlehnen . wie diess bei dem empfehlenswerthen Buche von Bern- 
hardt der Fall is|. oder die sich au die Lectttre anschliessen. Be- 
herzigungswerlhes hat hierüber Prof. Ameis in diesen Jahrbb. 
tiO. Bd. 2. Heft bei Gelegenheit der Beurtheilung der Bomhardt'- 
bchen Aufgaben zu latein. Stilöbungen gegeben. 

Ref. fasst am Schlusie seiner Anzeige sein Urlheil über die- 
ses Uebungsbuch zusammen, indem er meint, es zeichne sich vor 
manchen anderen durch Anlage und Durchführung vortheilhaft 



Beck : Lehrbach d«r allgemeinen Geschichte. 67 

808 uod verdiene desshalb eine immer weitere Verbreitung. Vor- 
zugsweise acheint ihm das Buch, soweit er damit die cn den Re- 
geln gehörigen Satse meint, trefflich geeignet cum miindlichen 
Uebersetzen und Extemporalien, während die zusammenhängenden 
Stuclce, zumal wenn ihre Auswahl eine etwas TerSnderte würde, 
für die scliriftlichen Arbeiten aufbehalten bleiben. 

Das geringe Verzeichniss der Druckfehler konnte durch fol^ 
gende erweitert werden : p. 9 lies confirmare statt confiroare ; p. 
12 invitus für invidiis; p. 71 furor 1 für 3 ^ p. 125 Capitei 99 ^ 
für 95, ^ 

Druck und Papier sind gut; der Preis billig. 

Das für die Quarta von demselben Verfasser bestimmte De- 
biuigsbuch anlangend, so enthalten wir uns einer weiteren Anzeige, 
da das Buch zwar in einer dritten aber unveränderten Auflage er- 
schienen ist. Seine Brauchbarkeit hat sich ebenfalls bewährt und 
ihm neben ähnlichen Büchern Elugan«^ verschaflt. Zu wünschen 
wäre iudess, dass bei einer neuen Auflage die in der Vorrede 
versprochene, aber in den Berichtigungen zurüekgenommßne Hin- 
weisung auf die Granupatik von O. Schulz beigegeben würde, wie 
es bezüglich der Grammatik von Putsche geschehen Ist; denn die 
Schulz'sche Grammatik ist Immer noch eine von den verbreitet- 
Bten. Ich glaube, es würde eine solche Hinweisiing gerade für 
den in seiner Grammatik oft noch nicht ganz bewanderten Quarta- 
ner eine dankenswerthe Zugabe sein. Auflbllend. sind , mir ein- 
zelne Sätze in diesem Buche^ von denen Ich beispielsweise nur den 
S« 7 stehenden anführen will: „Wir werden diejenigen tauschen 
etc.**^ im Gegensatze zu dem in dem Uebuiigsbuche fqr die Tertia 
gegebenen: ,;lhr werdet diejenigen nicht tänschen.^^ Was wird 
der Schüler darüber urtheilen'f Druckfehler sind: p. 10 lies inno^ 
Center, p. 11. Z. 2 v. u. setze habere statt habere unter 8) und 
primus unter 9), p. 15 steht eine falsche Uefaerschrift; p. 23 er»- 
•gänze das Fehlende m: „Umständen bei ;>^ p. 43 setze die Ziihl 
11) vor ,,keine.^^ 

Sondershausen. Dr« Uartmtmni 



h Lehrbuch der ungemeinen Geschichie für Schule und Haue. 

Von Or, Joseph ßecfe, GroBwberzoglieh ba(}iecben Geb. Hofratbe. 

Erster Tbeil (Corsas). Poofte durchaos Terbeseerte ond vermehrte 

Aasgabe. Hannover, 1850. Im Verlage d<ir Habn^cben Hofbuch- 

handlong« 

Auch unter dem besondern Titel: 
Ldtrhueh der allgemeinen Geschichie für die unteren ond odttieren 

Classen höherer Uaterricbtsanstaiteni Von Dr« Joseph Boek, Gr. 

bad. Geh. Hofirath^ Fünfte darcbaos verbesserte und vermehrte 



5* 



68 fGescbichle. 

AosgAbe. HannoTer 1850« fm Verlage der IIahn*s^1ien Bofbuch- 
handliMig. XVI o. 243 8. gr. 8. (:20 Sgr.) 

11. Lehrbub der aligemeiaen Gesckichie für Schule und Haus. 
Von Dr. Jo»eph Bisdb, Grosshenoglich badischen Geb. Hofr^tke. 
Dritter Theil (Corsas). Zweite Abtheilang. Zweite ganalich onge. 
arbeitete und vermehrte Auflage, HannoTer , 1850. Habn*Bche Hof- 
buchhandloBg. 

Audi unter dem beaondern Titel : 

Geschickte der 7\BuUchen und der vorzüglicheren europäischen 
Staaten^ fSr höhere Unterrichtsanstalten« Mit besonderer Rück- 
sicht auf Geographie und Literatur. Von Dr. Joaeph JBaek, Gross- 
bera. bad. Geb. Hofratbe. Zweite Abtheilong. Die neuere Ge- 
schichte. Geschichte von Teutschland (Oesterreich, Preusaen), 
Prankreich, England, Rassland nebst Polen. Zweite gaiialich um- 
gearbeitete und Termehrte Auflage. Hannover, 1850. Hahn^sche 
Hofbuchhandhing. XII u. 383 8. gr. 8. (p% Sgr.) 

Der Verfataer der Tor iina liegenden Schriften ist Ton der 
Ueberseugiing durchdrungen (Nr. I. Vorwort I), das« es Aufgabe 
der Geschichte sei , zu zeigen, dass Alles, was der Alenschengeist 
durch die verschiedenen Stufen seiner Entwickelung hindurch 
sich erarbeitet und errungen hat, nichts Anderes Ist, als die 
fortschreitende Offenbarung Gottes im Leben der 
Menschheit selbst, oder die Ersiehung und Heranbildung 
dersetbeki zur Gottahnllchkeit. Wird darum die Geschichte als 
das, was sie wirklich ist, erkannt und studirt, so muss sie auf dts 
geistige Leben des Menschen den wohlthitlgsten und wichtigsten 
£lnfluss üben, und abgesehen davon , dass sie Trägerin allea Wis- 
sens ist, leicht seibat mehr ala der eigentliche Religionsunternchl 
den unmittelbaren Glauben an die göttliche Weltregiernng und an 
die höhere Beatimmong der Menschheit, darum Achtung vor Men* 
schenwürde und Sinn ^r Wahrheit und Recht erwecken nad atar- 
ken. Und indem sie den Menschen sich selbst, seine Kraft und 
seine eigenthumliche Stellung zur Gessromtheit kennen und be- 
greifen lehrt, weckt sie in ihm ebensowohl edles Selbstgefühl als 
freudige Liebe zum Gemeinwesen und ist ein vorziigliches Mittel^ 
ihn von den Alles veruneinigenden Banden der Seibatsucht erlo- 
sen zu helfen. 

Von diesem Standpunkte aus sind die sammtlichen Geschichts- 
Lehrbiicher des Verfaasers bearbeitet. Da sie aber bereita in wie- 
derholten Auflagen dem Publicum vorliegen, in vielen Schulen 
Deutachlanda, ao wie in deutachen Lehranatalten des Auslandes 
eingeführt und auch schon in diesen Jahrbüchern (Bd. 57. H. 2. 
S. 175 bia 177) besprochen worden aind, so begnügen wir uns im 
Allgemeinen zu bemerken, daaa aie durch eine zweckmaaaige Ana- 
wahl dea Wesentlichsten, ohne in trockenem und unverstandlichem 
Lapidarstil abgefasat zu sein, eine klare, Uchtiolle Gesammtan- 



Bibliograpbitfcbe B«rlbht« n. korse Anzeigen. 69 

•cbairaiig Aber den Bnlwickduiigtgang der Henscliheit im Ge-» 
nintbe des Scbülers begründen und dadurcb Liebe wie Befähigung 
für weiteres historisches Studium wecicen. Das« tragt auch die 
bei der Behandlung des Sloffes contequent durchgeführte Form, 
weiche da« beste Hilfsmittel für daa Gedächtnisa iat, nicht we- 
nig bei. 

Geben wir nun zu den einielneo oben angegebenen Schriften 
über, so ist Nr. 1 für die beiden ersten Jahrescurse des historischen 
Cnterrichts bestimmt, ist In dieser neuen Auflage vielfacli bericli* 
tigt und erweitert, und es dürfte dieses Weric bei seiner gedring* 
ten fteichhaltiglceit auch gebildeten Geschichtsfreiuiden als ein 
orientirender Leitfaden auf dem gansen Gebiete der Geacbichta 
nicht unwillkommen sein. 

Die Schrift Nr. II behandelt die Geschichte der neuern Zeit 
oder der drei letzten Jahrhunderte, so wie die Entwickelung und 
Ausbildung der europäischen Gross -Staaten: Oesterreich, Preus- 
seo, Frankreich, England, Russiand mit Polen. 

Diese neue Ausgabe kann mit Recht eine neue Bearbeitung 
genannt werden. Sie ist als fnr die oberen Classen und auch als 
Mosliche Lect&re zum Nachlesen bestimmt , ausführlicher behan- 
delt als die übrigen Thelle dieses Gesciuchtswerkes, jedoch in 
übersichtlichen Gruppen, so dass der Charakter des gaozen 
Werkes sich gleich geblieben ist. 

Eine dritte Abtheilung dieses dritten Thelles wird (Vorwort 
S. VI) nächstens erscheinen. Diese wird die ausfiihrlicbe Ge- 
schichte der europäischen Staaten zweiten und dritten Ranges ent- 
halten, als: Dänemark, Schweden , Norwegen ; Spanien und Portu- 
gal; die wichtigeren Staaten Italiens; das griechische und türki- 
sche Kaiserreich u. a. 

Mit Vergnügen sehen wir dieser Schrift entgegen. Sie wird 
als eine aehr wünschenswerthe Vervollständigung dieses ausge- 
zeichneten Geschichtswerkes den Freunden der Geschichte sehr 
willkommen sein. 

m 



Bibliographische Berichte u. kurze Anzeigen. 

Miscellanea phüologa et paedagogica, Ediderunt Gymnasio- 

rwtt Baiavorum doctorea socieiaie conuificti. Nova aeries* Fasciculua /. 
(Curarunt »ociorum nomine J, O» Hulleman , A, Ekker , J, €• G. Boot,} 
Amatdodami^ apud Joh. Müller. MDCCCL. 287 S. 8. — Mit Freuden 



70 BibfiograpMsche Berichte b. kurze Anieigen. 

begrassen ynh ^e Fortsetzang oder Tielmebr Wiederaofnabme eines bScbst 
iFerdienstvollen Unternehmens, za welchem sich di« Gymnasiallehrer im 
Königreiche der Niederlande Tereintgt, um die Fruchte ihrer gelehrten 
Studien auch einem grosseren Publicum zugänglich zu machen, indem sie 
dieselben zur Kenntniss des Auslandes bringen. Und können wir auch, 
bei der Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeil des Stoffes , es nicht unter- 
nehmen eine eigentlich beurtheilende Anzeige von dem uns vorliegenden 
ersten Hefte zu liefern, so fühlen wir uns doch ver[yflichtet , dasselbe 
seinem Inhalte nach etwas genauer zu skizziren. Der Gesammtstoff des 
Heftes zerfallt in zwei Hälften, wovon die erste die gelehrten Ab- 
handlungen in lateinischer Sprache enthalt, die zweite, in hollän- 
discher Sprache abgefasst, wieder zwei Unterabtheilnngen bil- 
det , wovon die erste Schulnachrichten, die zweite kürzere An- 
zeigen und Beurtheilungen von Schulschriftcn enthalt. Der erste, um- 
fangreichste und für uns Ausländer wohl auch wichtigste Theil, giebt 
auf S. 1 — 204 folgende Abhandlungen: 1) M, Tulln deeronis comnien- 
tarü verum auarum swe de vUa sua, FinxH W. H, Di Surmgar, Über 
quarius. Es beschreibt dieses vierte Buch aus Cicero's Leben die Zeit 
vom Ausgange seines Consnlates bis zu seinem unfreiwilligen Fortgang 
von Rom. Hr. Suringar hat seinem Plane gemäss diesen Tbeil von Ci- 
cero^s Leben fast lediglich aus den Aeusserungen des edlen Romers, welche 
er in seinen Reden Sber seine Thätigkelt in jener Zeit niedergelegt, ent. 
lehnen müssen , und wenn wir schon gerne bekennen , dass dem Verfasser 
in den meisten Fallen die mühevolle Zusammenstellung jenes Mosaikwer- 
kes gelungen sei, so lasst sich doch nicht in Abrede stellen, dass die rein 
rhetorische Form, welche auf diese Weise jene Commentarii erhalten 
haben und erhalten mnssten, nicht allemal auf gleiche Weise anspricht« 
Denn anders würde auf jeden Fall Cicero selbst jene Zeit beschrieben 
haben, hätte er mit der Ruhe eines Historikers oder wenigstens mit der 
Uebertegung eines Memoirenschreibers sein Verhalten und seine Erleb- 
nisse zeichnen wollen, als es jetzt geschehen ist, wo uns grosstentheils 
Partieen aus seinen , zum Theil unter der leidenschaftlichsten Affectauf- 
wallung gehaltenen Reden jener Zeit vorliegen. Doch auch so werden 
wir, zumal da wo die ruhigere briefliche- Darstellung zu Grunde liegt, die 
Hauptresultate jener verhängnissvollen Tage nach Hrn. Soringar^s Dar- 
stellung gerne überfliegen und es ist das Unternehmen ein um so nütz- 
licheres, als oberall unter dem Texte die benutzten Stellen angegeben 
sind. Es folgen: 2) Misceüanea crfttco. Von J. C. G. Boot, S. 44—66. 
Caput L in Corneln Taciti jlgricolam^ in welchem der gelehrte Hr. Verf. 
unter Zugrundelegung der neuesten Ausgaben von Orelli und Ritter 
folgende Stellen behandelt: Cap. 6« Fixerunt (Agrlcola com uxore Do- 
mitia Decidiana) mira eoncordia per mutuam carUatem et invicem se an- 
teponendo , nin tpiod in bona uxore ianto major laus , quanio in mala plus 
eulpaeest,' Hier tadelt Hr. B. zuvörderst Orelli, dass er per mutuam 
carUatem auf das Zeitverhältniss bezogen habe, wenn er erkläre: in eon- 
tinua caritate mutua , während doch ein Causalverhältniss in den Worten 
vorbanden sei« Sodann glaubt er, dass die Worte: et Invicem se ante- 



BibHogra^ibiscluB Berichte o. knrse Aozeigen. 71 

ponendo elc keinen richtigen Sinn gäben> and schlagt za le$eu von et 
ittvkem »e aniepovendo ornrnbuSf quod in bona uxore eU.f Vielehe i^tstere 
Aeiiderang Hef. freilich nicht cinleocbten will. Cap. 16. DtMcere tarn - 
barbari quoque ignoscere viiüs blandievUbuSy woselbst Hr. B. vUm blati" 
dientibus weder aU Dativ mit Orelli, noch als abl. absoU mit Ritter, 
sondern so gefasst wissen will , dass blandientibua als Dativ von i^noscere 
abhänge, hingegen vHHa vis gleicher Casus von blandientibua ^ unior Be- 
rufung auf Ca es. b. c. 14, 32 unioerm imperaiif pecunüa. Cap. 18, wo 
Hr. B. in den Worten: non ignaraa iruUmdum famae oc, prout prima 
ccMtssent , terrorem eaeteria fore universa , zwar unii>er9a mit Orelli und 
Ritter nach den Codd, VaU. gestrichen , allein auch terrorem in ^eno" 
rem verwandelt wissen will. Cap. 20, wo Hr. B. unter Berufung auf 
Haase zo Reisig's FerUeutigen S, 572 quo minue im Sinne von quim 
schuta&t. Cap. 2i zu Anfang: Quinto expediiionum anno nave prima 
tranifgreseuB ignoia» ad id iempue gentes — domuit , woseJbst Hr. B. die ' 
Worte nave prima mit D ro nke nnd Orelli im Sinne von tum primum 
nävibus fasst gegen Ritter,. der erklärt: in nanium agmine Clotam iraü- 
Gientaum prtmus tpse legaCu« /uit , sodann aber , an dem absoluten Ge- 
brauche von transgretsus Anstoss nehmend, zu schreiben vorschlagt pri- 
mam (nämlich Clotam) transgresnu ^ primam im Sinne von prtorem. Cap. 
31 will Hr. B, nach Hoschkein der Schrift: Ueber den Cenaus und die 
Steuerverfaasung der frühem vom, Kaiaersseit (Beri. I84t7) p. 26 in der 
Aomerk. lesen: Bona fortunaeque in tribatum macerantur^ annua in 
frumentum^ „das Vermögen wird zur Steuer, der Jahresertrag zum Zehn- 
ten ausgezehrt.*^ In der so mannigfach aufgefasaten Steihi aus der 
Rede des Agricola an die Soldaten : Acerrimi Britannorum iam pridem 
cedderunt; reliquua est numerua ignavorum et metuentiam. Quoa quod 
tandem inveniatia^ non reaiiterunt , aed doprehenai aunt: noviadmae rea et 
extremo meiu corpora defixere aeiem in kia veatigOa^ in quibua pulcram et 
apectabilem victoriam ederelia, bt Hr. B. weit entfernt Dronke^s u. Oreirfs 
Rechtfertigung der handsdiriftlichen Lesart gut zu heissen, erklärt sich 
vielmehr, mit Hintansetzung eines eigenen Verbesserongsversucho«, für 
die ihm aus diesen Jahrbb. Bd. 58. S. 39 bekannt gewordene Verbesse- 
rung Bezzenb^erger^s: -r- deprehenai aunt, Noviaaimi haeaere et eX' 
tremo metu ac iorpore defixere adem in hia veatigüa ete, und will n^r noch 
statt veaiigiia mit Peerlkamp faaiigiia hergestellt wissen. Gndiicb erklärt 
sich Hr. B. Cap. 36 für die von Ritter aufgenommene Verbesserung von 
Franciscus Medicens: et in.arto pugnam non (o2era6atit,' wofür Orelli mit 
der Handschrift in aperCo festhielt , unter Vergleichung von lAvma 28, 33 
quod in arto pugna Romana aptior — videbatur, Cap. 1 1 enthält Ver- 
besserungs vorschlage zu Seneca's Consolatio ad Mardam, Und daran 
reiht sich zum Beschlüsse die kritische Behandlung zvyeier Stellen des 
G eliius ISoet, Att, üb. V« c. 13 nnd lib. XIII. »cap. 22 an. Es folgen: 
Quaeaiionea Graeoae.- Inatituit J, G. Hullemanm 8. 57 — 67. I. Sotonia 
qui dicuntur nvQßBi^ et axonea. Sodann Annotalionea de hiatorida Grae- 
cfs* Scripaii J. G. ilulleman S. 68 — 78. Beides fleissige Arbeiten des 
gelehrten Mitherausgebers, £a folgen : Animadvm'donet. Edidit J, A. C. 



72 BlbHographisehe Berichte q. kone Anteigen. 

van Beuide. 8. 79 — 90. Der Mebrsabl nach Stellen der Griechen , meist 
Platon's behandelnd, tarn Schlaaae JitiHm. 1, 113 sqq. besprechend. Fer- 
ner reihen sich ObteroaUane» et conjeeturae m nonnuUo$ Oraeeontm sert- 
piorwn loeo9, Serip»k J, M. van Gent. 8« 91 — 96. Bs werden beban- 
delt Hom. II. 12, 299 sqq. Hod. 11. 19, 382—302. Boripid. Phoen. 971, 
wo SU lesen Torgeschlagen wird : jtii} p ivloysitm tinpa ttg mxtlwort* ifui, 
Tbacyd. 11, 4. Xenoph. Anab. I. 8, 8. Xenoph. Ages. 1, 20. 8cboliasta 
Aristoph. Plat. 1139. Das darauf folgende Smendationum ipeeUaen m 
JTenopAonftf Jnabaaif Oeoonomteo et Sifmpoilo [aerSpeU A. B, Bhnekig. 
8. 97 — 125] scheint nns, offen gesagt, sehr viele unnotbige Gonjeetaren 
anfinstellen. Bin eintiger Nachweis wird unsere Leser von der Wahr- 
heit onserer Bemerlcnng überzeugen. Zu Xenoph. Oecon. c« 4. $. 15 
ipael 9i tivs;, ^917 d ^«x^ari];, cl Kgitopovlif x«l ovce» Sm^ didm i 
ßaetlMvg^ n(fiStov php tloMcUZv votrc noXifttp ayad-oufg ytyovotag ^ Stt 
ovShif ofpBXog noXXa «^oov, ii pLtj bUv ot uiffj^ovteg, bemerkt ▼• 6. : „8cri- 
bis reddatur 6 , qnod ante ßaeiXivg. Porro pro ttQWvov corrige JtQuirovg» 
Vide quae annotari ad Memorab. 3, 1^ 8« Tom ante noXditm insere ivt 
dicnnt enim avSffBlogy ayai^6g, StiXog yiypio^M ip noXifi^, Unnm 
omniuffl instar sit exen^plum Arist, BccI. 678: 

Marl ^a^ditv ietat totg natÖa^iotet 
• vovg &v9^nlovg iv tji noXifup mt t»g diUog yiyspriviH, 
Denique ante oti ezcidisse Xiyopvu prozima docebunt.** B« folgt t 

IHä. d 9vt 9 ^op dl y tavg lutxeieiiBvaiopwg t^g {«^(ttc &qiattt nal 
ivt^ovg noiovptag Xiyopta Sri ovd' Sp ot iXiuyLOt dvvaifrro f^, ii 
fii) bUp ol iffyaiofkipoi, y wotu bemerkt wird: „Uti iliic ir^sirovg, sie 
hie dtvriQOvg requiritnr: item ultimae Tocis fotori forma i^yasofiew»», 
qnam habet liiic qnoqoe ultima agrjioptig, Hanc corroptionem vide 
etiam infra 7, 20 de* (tiptoi votg niXXowfiP dp4^Qmnotg Ffsiv oti ele^ 
q>iQneip iig zo ettypop ix^tp tovg iffycttofdpovg ^ quae Graeca et sana 
sunt , si omiseris op^ganoig et receperis iQyaeofiipovg. Conferas ibidem 
mox sequentia $• 21 : Stl d'av, inetidv recvt bIospbx^ ^k rd ettypcp %u\ 
tov edaopvog v«vr« nal tov iQyaaoiuPov» Hoc enim futnri participio 
aemper utuntur in simili sententia , idque agnoscitur ex articulo.*' Dass 
derartige^ Veränderungen, wenn sie nicht «aus diplomatischen Gründen 
onternommen werden, keinen 8inn haben, leuchtet leicht ein. ZuTor* 
derst konnte eben so gut 6 ßaeiXtvg als ßaatXevg gesagt werden. Sodann 
wird kein Mensch it^itovg statt ntfmtop nothwendig erwarten. Bben 
so gut wie die 8ache personlich durch nr^ovro«; gefatst werden konnte, 
konnte sie auch adrerbial ausgedruckt werden durch ngtirop, Bben so 
gut man sagen konnte und gesagt bat äya96g ip noXifuo o. dergl. m., eben 
so gut konnte man sagen und hat auch also gesagt dya96g noXiftm» Bnd- 
iich konnte iwar Xiyopxa tur nahern Brklarnng vor Btt ovdlp *th, ein« 
gesetat werden , aber denselben Sinn geben die Worte auch ohne jenes 
Binschiebsel und der Grieche that wohl daran , dass er es nicht setsto, 
well sonst seine Rede su einförmig in Besug auf die Ausdrucke geworden 
sein wurde. Bben so wenig wie $. 15 n^tovg notbwendigerweise so 
schrmben war, ist SHfti^ovg statt dsiffs^oy hersusteUenj die adverbiale 



BibliographiMlie Berichte n. kane Aosfllgen. 73 

FaMQng bei dieser trockenen Anfoahlong sogar besser. Endlich ist o2 
iffyatoittifai f qiä opernNtitr, eben ao got eis ot ipyaao'^Mvoi , ftil epcrsH 
hünUir^ je sogar noch besser, weil so einer gewissen Monotonie, die 
ohnediess in diesen Schriften des Xenopbon svm Vorschein Icoaunt, dnrch 
den äusseren Ansdrnclc einigermaassen Yorgebeogt wird. Wer noch so 
Kritik übt im Jahre 1850 , wie der Verf. dieser Bemerkangen , der ist 
offenbar hinter seiner Zeit allzuweit zorfick und eine fernerweite Darlegung 
der Ueberflassigkeit solcher Bemerkungen wird ihn wahrscheinlich nickt 
▼on seinem Steckenpferde abbringen. Wesshalb wir ruhig weiter gehen. 
Wir finden zunächst p. 136 — 14& fimeniiationet tn Lgna, Seriptit Q* A, 
l^nehig , in welchen der Bruder des Vorhergehenden , wenn schon etwas 
▼orsichtiger als sein Vorganger , doch immerhin noch unter mandiem Be» 
achtenswerthen sehr viele unnütze VerbesserungsTorschlage zu Lysias 
mittheilt. Hierauf folgen S. 146 — 150 w^nnotottisiiet in CaUdH epigramß- 
maia, Seripnt C 7. Chanper, die nicht ohne Interesse sind. Vorzügliche 
Erwähnung aber verdienen die folgenden, anemlieh umfiingreichen von 
J. 6. Bnlleman bevorworteten Abhandlungen 8. 151 — 204: iooniiti JSer- 
nardi Loman commentoni in Haufwn p6ftiiffii, welche der leider zu frih 
verstorbene Gelehrte im Sinne und Geiste RitschPs mit grossem Fleisse 
nnd anerkennungswertbem Talente ausgearbeitet hat und welche wieder 
in folgende Abtheilungen zerfallen ; - 1. jinnotaUone$ criiieae in Caginamy 
p. 1&7 — 173. II. Speeimen eommentani in jimpkiiruünem ^ p. I74«~I8S. 
III. Spemnem eommeniarü m Trinumimim, p. 189 — S04. Hierauf folgen: 
Berigten eti Verüagen omfrenf Gfimnasien en GpnnastMd Onderw^w S. 
205— -371 und Arnnkondtgungenen Beoordeetingen van Sdkoolwerken 8* 
273 — ^287, welche insgesammt mit Sachkenntniss nnd grandlichem Ur- 
tbeile abgefasst nnd ; allein von uns nicht füglich einer speclellern Benr- 
tbeilung unterworfen y noch weniger aber auszugsweise mitgetheilt werden 
können. * JS. Xloia, 



Fon der Harmonie der Sphären. Ein Vortrag, gehalten im 
wissenschaftlichen Runstverein zu Berlin am 15. October 1849, von Fer- 
dinand Piper j Doctor und Professor der Theologie an der Universität zu 
Berlin. Berlin , 1850. Gedruckt bei den Gebr. Unger. 31 8. 8. — Der 
Verf. in dem gelehrten Publicum, besonders dem kunstfrenndlichen, schon 
hinlänglich* und gar vortheilhaft bekannt durch seine „Mythologie 
and Symbolik der christlichen Knnst,<< wovon der erste Band 
im Jahre 1847 erschienen ist, der zweite sich unter der Presse befindet, 
ein Werk , das sich eben so durch Gelehrsamkeit wie durch neae Ansich- 
ten und Aufklarungen über die christliche Kunst im Mittelalter, wie sie 
namentlich wurzelt im Alterthume, dne verdiente Aufmerksamkeit der 
gelehrten Weit auf sich gezogen hat. Hier, in der vorliegenden kleinen 
Schrift, versucht er specieli ,tdie Lehre und Ueberlief erung 

e 

▼en der Harmonie der Sphären nebst den dahin gehörigen 
Kunstdenkmalern'' zu erörtern, berührt mithin eine Sache, die, 
anliebend im Alterthume, sich im Mittelalter nur fortgesetzt und fortge- 



74 . BiblioerapbUcbe Berkbte a« kiirae Aogeigeo. 

pflanit hat, and daraiii i§t es wader (3r aberflassig noch Cor onpaaaand 
oracbtet worden, dieselbe hier einer BeBprechung sd wärdigen, indem 
81« eben so Wohl in die Kunde des classiscben Alterthums^wie in die 
Stadien der Kanst des Mittelalters eingreift. Aosfuhrlicher wird der 
Verf. den Gegenstand in dem zweiten T heile des oben bemerkten Wer- 
kes abhandeln. Die gegenwartige Schrift ist also nor eine Vorlaaferin 
der eigentlichen Erörterung , aber auch als solche unserer rollen Be- 
achtung werth. 

Der Verf. bahnt sich den Weg su seinem Thema durch die Beruh« 
rang der Frage, „ob der Künstler Tone malen könne/' Aller- 
dinga, meint er, hat schon ein grosser Meister des Alterthums, ApeUoa, 
es unternommen , Donner und Blits su malen (Plin. bist. nat. )CXXV. 36) ; 
es werde freilich nicbt überliefert, in welcher Weise; indessen erhelle 
doch sofort , dass , wenn die Töne auch nicbt unmittelbar darcb Farben 
wiedergegeben werden können, mittelbar sowohl die Ursache der Töne, 
derjenige, der sie hervorbringt, als auch die Wirkung der Töne, der 
ttindruck , den sie auf die Zuhörer machen, sich darsteilen lasse : wodurch 
in dem Beschauer des Bildes eine gleiche Gefühlserregoag geweckt werde« 
Beides nun — so bauet sich der Verf. den Uebergang — finde sich au- 
saamien in einem Gegenstande, der, aus dem classiscben Alterthume 
atammend, bei den alten Christen in symbolischer Deutung beliebt war, 
aber auch der neuen Kunst nicht fremd geblieben ist , nämlich Orpheus, 
wie er die Thiere durch sein Saitenspiel lockt. Man sieht den thract- 
scben Sönger mit der Leier , um ihn her die Thiere , die aufmerksam su- 
hören, in Wandgemälden der christlichen Katakomben au Rom (s. Mytb. 
and Symb. der christl. Kunst I. 1. S. 122) , — so wie in einem Land* 
Bchaftsbilde von Savary zu Anfang des 17* Jahrhunderts in der Galerie 
SU Haag. So stehen also die beiden sonst so Terschiedenen Künste, die 
Malerei und die Tonkunst, nicht so fern von einander, als man glauben 
sollte; ja als Kün»te sind sie sogar miteinander verwandt: die eine ver- 
mag die andere zu schöpferischen Productionen herauszufordern, wie die 
Erfahrung an mehreren eclatanten Beispielen lehrt; auch ist Licht und 
Ton selbst mit einander verwandt« Und weil das Tönen durch die 
ganze Natur geht, so wird es vorzugsweise in der Hand des Landscbafta- 
malers liegen, durch Licht und Farbe dasselbe in die Seele zu leiten. 
Hier aber entsteht die Frage , ob auch Gegenstand der zeichnenden Kunst 
sein könne ein Tönen, welches über die Grenzen der Landschaft hin- 
ausgeht , ja welches nur selten in eines Menschen Ohr gekommen ist, viel* 
mehr in der Phantasie allein nur existirt, • — der Sphärengesang« 
Und die Alten — obwohl sie keine Landschaftsmalerei hatten, oder 
gerade, weil sie dieselbe nicht hatten, sie haben durch die Kraft 
lind durch den Charakter des Mythus der Kunst den Weg gebahnt, diese 
Harmonie darzustellen ; sie haben uns auch Denkmäler hinterlassen , wel- 
che diese Darstellung geben« — Der Verf. hat den Stoff seiner Schrift 
in zwd Hauptabschnitte gruppirt, indem er nämlich I. die Ansichten und 
Lehren von der Harmonie der Sphären im classiscben Alterthume 
und II« die im christlichen Zeitalter, der chronologischen Reihe 



BibliograpMsdie BmcHte a. kurze Anxeigeii« 75 

nach , aaseinanderaetzt ond die betreffenden KonstdenkmSler aofoafalt ond 
bespricht. ]>er zweite Theil zerfällt wieder in die Unterabtheilnngen x 
1) Im christlichen Alterthame) 3) im Mittelalter, 3) in der 
nenern Zeit. — Wie bekannt , ist Pytbagoraa der erste , der da ge- 
lehrt, dasa die Planeten , "wie alle schnell bewegte Korper, Tone Ton 
sich geben, die theils nach der Geschwindigkeit ond Grösse, theils nach 
den Zwischenräumen der Planeten Terschieden wären: sie sollten aber 
in einem höchst ronsikatlschen VerhSltniss zn einander stehen , so dass 
diese Harmonie -vollkommener als irgend ein sterbliches Lied ert6ne. 
Diese erhabenen Weltsymphonieen soll er selbst and er aHein unter allen 
Sterblichen vernommen , seine Schaler aber durch das Spiel der Lyra und 
durch Gesang sie nachahmen gelehrt haben. Weiterhin ward die Erfin- 
dung oder Ausbildung der Lyra mit der himmlischen Musik in Verbindong 
gesetzt, und nun sollten diesem musikalischen Instrumente desshalb sieben 
Saiten gegeben worden sein, weil es sieben tonende Planetenspfaaren 
gebe. Umgekehrt wird dann wieder das Planetensystem' yermoge seiner 
JSphärenmusik als siebensaittge Himmelsleier, als Leier Gottes, aach als 
Instrument der Gottheil bezeichnet. Diess benutzt der Verf. zUr wahr- 
scheinlich richtigen Brklarnng der Lehre von einer Spharenharraonie, 
welches ancb wohl die ursprungliche AufTaasung gewesen sein mag, „dass 
nämlich das Planetensystem zwar gleich einer Leier harmonisch ge- 
stimmt sei, nicht aber, wie im Spiel die Leier, wirkliche Tone hervor- 
bringe ; es mochte unter jenem kolossalen Bilde nur ausgesprochen sein, 
wie das , was in der begrenzten , engen Erdenwelt sich als Ton bricht, 
dem Verhältnisse nach das Gleichnamige, aber Verkleinerte sei der im 
Weltall als übersinnlicher Ton und Bewegung lebendigen Zahl.*' -^ An- 
dererseits hat man , aber diese Vorstellung von tonenden Himmelskörpern 
hinaus, persönliche Wesen gediehtet als Urheber der Sphärenmusik, z. B. 
Plato (de rep. X. p. 617) die Sirenen und Moren, während Andere wie- 
der die Musen damit in Verbindung bringen, und noch Andere (wegen 
seines doppeldeutigen Namens, als Weltganzes, nSp) den Pan, der so 
für den Chorführer des himmlischen Reigens gilt und als solcher auf der 
Flöte spielend mit Einem Hauche alle sieben Sphären beseelen und die 
unsterbliche Harmonie bewirken solle. Und gerade diese selbe Scene 
findet sich auf Kunstdenkmälern In Edelstein und Metall' abgebildet. — 
An Aristoteles (de Coelo II. 9, p. 290 sq. ed. Berolin.) fand die Lehre 
einen scharfen Gegner. Wenn sie sich dessen ungeachtet fort und fort 
behauptete , so hat sie solches theils dem Umstände zu verdanken , dass 
sie jede lebendige Phantasie im hohen Grade anspricht , theils den be- 
stimmten und ausdrucklichen Entgegnungen , durch welche die Pythago- 
reer den Einwendungen dagegen zuvorgekommen sind. So geschützt ge- 
gen die Angriffe einer nüchternen Empirie , hat selbige bis in die späte* 
sten Zeiten des heidnischen Aiterthums Anhänger gehabt; ja sie ist selbst 
vom judischen Gelehrten Philo aufgenommen worden. Dieser Umstand 
f&hrt den Verf. mit Leichtigkeit zur christlichen ^Seit hinüber, wo jene 
zuletzt zwar von astronomischer (von Keppler namentlich), wie von theo- 
logischer Seite' verworfen worden ist^ aber noch immer eine Zuflucht and 



76 Biblio^pliMche Beridite n. knne Aiwetgen. 

GeKang sich erhalt ,,bei ^em Dichter, der die Ahndongen sa deuten 
weiss, womit der onsterbliche Zog der Gestirne gleich dem Hauch,, der 
iiber die Aeolsharfe geht, das menschliche GemSth erfallt/' — Diese der 
Inhalt der interessanten and anch durch ihr Aensseres höchst ansprechen- 
den Abhandlang. [Dr. H,] 



UebersiehiM^Taiellen der deutschen und laieinischen For^ 
men^ und SaisJehre^ ein Beitrag zar erleichternden und parallelea Be- 
handlung beider Sprachen , fnr untere Classen höherer Lehranstalten von 
Fjk. J. HiUer, konigl. Stadienlehrer zu Wiirzborg. (Haec studia adole- 
scentiam alont.) Wursborg. Drnclc von Bonitas-Bauer. 1850. gc. 4, 
VIII und 41 8. — Da die lateinische Sprache nicht mehr, wie sonst^ 
ausschliesslich die Sprache der Diplomaiie, der christlichen Kirche, der 
Gelehrten, der Wissenschaft and des Unterrichts auf den Gymnasien 
und Universitäten ist, im Gegentheil als solche schon vielfältig in den 
Hintergrund getreten ist und jahrlich noch immer mehr an Raum verliert, 
ihr sonst so allgemeiner Gebrauch immer mehr zasammenschrumpft und 
sich beinahe gänzlich nur auf weniges Disputiren auf den Universitäten, 
auf akademische Schriften und Ankündigungen beschrankt, so hat SMn 
nicht ohne Grund gefragt, was soll der Unterricht in der lateinischen 
Sprache noch in unseren Schulen? besonders in denen, die die Jagend 
für die Gegenwart und deren Anforderangen vorbereiten sollen? Oder darf 
wenigstens dieser Unterricht die bisherige Aasdehnung behalten , wo er 
den grosstcn Tbeil der wöchentlichen Standen an manchen Lehraostalten 
absorbirt? — Man hat die dessfallsigen Zweifel and Bedenken nicht ^on 
der Hand zu weisen vermocht, selbst nicht von Seiten derer, die dem 
Alten , Herkömmlichen als Erprobtem huldigen und dämm schwer auf 
Neuerungen eingehen; aber man hat dennoch das Hergebrachte nicht SLUf- 
geben wollen, sondern vielmehr dorch andere Grande, Zwecke, Aas- 
sichten auf Vortheile n. s. w. zu stützen gesacht. 

Als einen der Hauptgronde für die Beibehaltung des Unterrichts im 
Lateinischen , namentlich in unseren höheren Bürgerschulen und in den- 
jenigen Lehranstalten, wo vorzugsweise der Sprachunterricht und zwar 
vornehmlich der Unterricht in der Muttersprache getrieben wird, hat man 
den geltend zu machen gesucht , dass es überhaupt zur genauem Kennt- 
niss eines Gegenstandes der Vergleichnng desselben mit einem andern, 
Shnlichen bedürfe, folglich um die Regeln, die ganze Architektonik der 
Mattersprache recht zum klaren Bewusstsein za bringen, daneben der 
Unterricht in einer fremden Sprache nothwendig sei. Und welche könnte 
dazu geeigneter sein als die lateinische, welche so scharf in ihren For- 
men ausgeprägt ist, deren Grammatik mit so grosser Genauigkeit enge* 
baut worden und in welcher der langjährige Unterricht so viele treffliche 
Lehrer gebildet u. eine Methode erzeugt hat, die sich durchaas als so 
höchst wirksam bewiesen? Es ist daher schon seit längerer Zeit an die 
Lehrer in den betreffenden Schulanstalten , selbst höhereii Orte, die Mah- 
nung geschehen 9 den Unterricht in der Mattersprache mit dem in der 



BlbdogntphiBdie Bericht« «. kürte Ameigea. 77 

latehiuchen Hand tn Hftod gehen so lawen, bei dem Binen immer die aa* 
dere Sprache heranzaaiehea , theils am das Gemeiosame io beidea, aad 
dadorchr aacb im meascblicbea Sprechea äberbanpt, zu erkennea, tbeile 
durch daa Verachiedenartige daa CfaarakteristitchcL eiaer jeden com 
Nutzen der Muttersprache wahrzonehmen. 

Der Unterricht in der Sprache, namentlich in der Muttersprache, 
ist in jeder Beziehung so interessant, »o wichtig, ao lohnend; aber aoU 
er aeinen Zweck ganz erfüllen , aoll er den jungen Menachen zum vollen 
klaren Bewnsatsein der Regeln und Geaetze seines Sprecbjens bringen, 
dann ist er höchst sorgfaltig und bedachtig zu geben , dann ist er im ho- 
hen Grade achwierig« Der Lehrer muss durch und durch sprachlich ge- 
bildet sein ; er muaa sich über alles Sprachliche aufgeklart, festgestellt 
habon, dasa er überall Re/de und Antwort zu geben, über Allea seinen 
Schülern Licht zu Terbreiten im Stande ist. Und in dem flussigen Ele- 
mente daa Bleibende, in dem scheinbar Regeltosen die jedesmalige Regel, 
'in dem Concreten das Abstracto zu finden und die Schüler finden zu leh- 
ren, daa lat wahrlich keine geringe Aufgabe , besonders wenn man es nur 
mit erst angehenden Schulern zu thon hat, die man erst einfuhren soll 
in den Gegenstand , der freilich von ihnen täglich gehandhabt wird , dem 
aber sich gegenüberzustellen und dessen sich bewusst zu werden, grosse 
geistige Anstrengung erfordert, eine grossere^ als die angehende Schul* 
Jugend meistens zu leisten im Stande ist. 

Der Verf. vorliegender Tabellen hat „wahrend seines bereits acht- 
zehnjährigen Wirkens im Lehramte an der Studienanstalt in Wurzbnrg'* 
diese Schwierigkeiten beim Unterrichte in den Sprachen eingesehen und 
es ist ihm schon von Anfang an noch als jungem und unerfahrenem Lehrer 
eine „Herzensangelegenheit*' gewesen , aeinen Schalem diese Schwierig- 
keiten einigermaaasen zu erieiehtem. Zu dem Ende entwarf er, laut 
dem Vorworte, das eich aber die „Bntatehuag und Benutzung 
vorliegender Uebersichta-Tabeilen*' verbreitet (S. V) schon 
in den ersten Jallrea seiner Berafstbitigkeit, nachdem mehrfach ange- 
stellte anderweitige Versuche ihn aioht zum erwfinscht^n Ziele der fir- 
Irichternng gefuhrt hatten, über einige der wichtigsten und schwersten 
Theile des zu erklärenden grammatischen Stoffes kurze tabellarische Ue- 
bersichten, um vielleicht auf diese Weise seinen Zweck eher zu eriteichen. 
Und stehe da! seine Muhe ist nicht uabelohnt geblieben; denn bald hat 
er erkannt, daas viele seiner Schaler, indem sie mit B'renden sich dieser 
tabellarischen Uebersichten bedient, selbst schwere Regeln leichter 
anffasstea und schaelleta Fortschritte machten« 

Später wnrden nun zwar höhern Orts die deutsche Grammatik von 
Heyse und die lateinische von Zampt ehigefuhrt in den baierischen Stta- 
dien-Anstalten. Indessen so vortrefflich und brauchbar auch dieaelben im 
Ganzen namentlich für reifere Schuler aind , so hat doch der Verf. gewiss 
im Allgemeinen nicht unrecht, wenn er sagt (S. V), , Jeder erfahrene und 
tichtige Schulmann werde darin mit ihm ober einstimmen, dass jene Lehr- 
bficher sowohl wegen der grossen Masse des behaadeltea Lehrstoffes, als 
auch wegen dar rein wiasenachaftlieheo und oft philosophischen Darstei- 



• ««^ 



t^^AilM^ •. *»» Aweige«. 



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,^^^ A^«« •Btoren Clasjwi unserer Gelehr- 
• -*- >MMi* «»4 iSw^ *"» Lehrer« das Erlernea bei- 
•. ^.^-i.,K« ^ i^t«- Wo6 ff TerJeidcn/* 
*•* V vN^s^^aiN^ aKwiMfen, um also seinen Schulern die 
^ '<v«»«'<K>MiM; ^raeNBatischer Regeln za erleichtern , ihnen 
> * -^ tu^.vi»>« ^^l»#>««.*Via «id verständigen AufTassung derselben be- 
, >.-.n , «.*<Hks«^NMi Gelegeobeit zn geben, sich mit Leichtigkeit 
> >. i«, '«-^s««!« i-^^umtflie« t« bedienen and sie dabin zu bringen, dass 
V Sc «.N»v*« ^«^ ^^•>€« »idit blos mit dem Gedachtnisse mechanisch auf- 
s. H^N» ^.^^»v^e«'« ^i<\«i«4ir ihr Bigenthum werden und ihre geistige 
. N X. j^V^.ii« A»$|knicli nehmen, hat der Verf. bald nach der allge- 
HKS«««« K).^^W««g 4«r obgenannten beiden Lehrbucher anfangs nur za 
MNiK>«i ^«(«A«« Gebrauche beim Unterrichte wiederholt sich kurze Ueber* 
»icb49t«b<>nett teverderst ober den etymologischen Theil der deutschen 
und Uteim$chen Sprache entworfen , da gerade dieser Theil der Gram> 
Bittik für die Anfanger der schwierigere und ermüdendere ist. Nachmals 
bat der Verf. dieselben seinen Schulern dictirt und durch Beisetzung von 
Fragen den zu erlernenden Regeln eine solche Einkleidung zu geben ge- 
sucht, dass die Schuler mit Lust und Liebe sie einübten und' gern länger 
bei ihnen verweilten. So ward dem Schüler, aber auch zugleich dem Leh- 
rer, eine grosse Erleichterung: es ward Zeit, Mühe und auch Verdruss 
und Unlust erspart. 

Obwohl von mehreren Seiten schon vor einigen Jahren aufgefordert 
Bur Herausgabe dieser Uebersichts-Tabellen , hat sich erst jetzt der Verf. 
SU derselben entschüessen können, ihn hat das „nonum prematur in an- 
nnm*' davon abgehalten. Erst die wiederholte Aufmunterung in neuerer 
Zeit und von Männern, denen im Lebrfoche ein Urtheil zusteht, hat 
ibo dazu veranlasst« So verwendete er denn die wenigen Standen , wel- 
che ihm von seinen Berufsgeschäften noch übrig waren , dazu , diese Ta- ^ 
belleo einer nochmaligen Durchsicht zu unterwerfen, die Fragen kurz 
und bestimmt auszudrücken und in den beigefügten Antworten die Seiten 
des Lehrbuches von Heyse , so wie die Paragraphen der Grammatik von- 
Zampt genau anzugeben, so dass den Schulern das Nachschlagen er- 
leichtert sein und dieselben zur häufigen Benutzung dieser Grammatiken 
veranlasst werded möchten. 

Die schwierige Satzlehre hat er nach einem vom Studienrector Dr. 
Bisenhofer im Jahre 182&'-26 abgefassteh Programm , betitelt „über die 
grammatische Periode, '' entworfen and dazu die betreffenden Fragen 
nebst Antworten ausgearb^tet. [Dr. H,] 



Suripidea' Werke. Griechisch mit metrischer Uebersetzung and 
prüfenden und erklärenden Anmerkungen von J. J, Härtung. Drittes 
Bandchen : »ippolyl. Leipzig, Verlag von W. Engelmann. löiS. XVII 



Bibliographucli« Berichte o. kunie Anseigen. 79 

und 190 S. 8. Viertes Bandehen: Ortkie». Bbend. 1849. XVIII niid 
243 8. Fünftes Bändchen: Phonikermnen. 1849. XVII und 270 S. 
Sechstes Bandeben: Ragender Herakle», IM9, 2118» Siebentes Band- 
eben: Bdkdken, 1849. 212 8. — Ref. setzt die Anzeige dieser rasch 
▼orscbreitenden Ausgabe des Euripides fort, nachdem er im J. 1848 die 
beiden ersten Theile besprochen , soweit es die beigeiogte metrische Ueg 
bersetznng anging. Ueber den Werth der letztern kann unsere Kritik 
. kein günstigeres Urtheil fallen, als sie damab gefillt hat; denn Hartung's 
Verdeutschung ist seither uro nichts besser geworden und durfte auch in 
den folgenden Dramen , wie die Sache einmal steht , schwerlich so weit 
sich umwandeln , dass sie Lob ?erdiente oder den gerechten Ansprüchen 
genügte , welche an die Uebersetzung eines solchen Dichters zu steilen 
sind. Herr Härtung arbeitet zu flüchtig, als dass es ihm gelingen konnte, 
die poetische Seite des Originals herauszukehren und in ihrer Pracht zu 
entfalten, vorausgesetzt, dass ihm das dichterische Talent dazu, Geschmack 
und genügende^ Kenntniss beider Sprachen wirklich zu Gebote stände« 
Um jedoch billig zu stfin , dürfen wir nicht Ter&cbweigen, dass der Verf. 
auf einen eigentlichen Kunstwerth seiner Arbeit selbst irerzichtet zu 
haben scheint. Und auf diesen Umstand, nämlich darauf, dass sein Werk 
flicht jene Stufe der Vollendung erstiegen hat, welche wir die klassi- 
sche nennen, müssen die Leser wiederholt und ausdrücklich aufmerksam 
gemacht werden, sowohl diejenigen Leser, weiche bereits ein Urtheil zu 
haben glauben , als diejenigen , welche sich dieser Uebersetzung bedienen 
und über dergleichen Leistungen ein Urtheil bilden mochten. Ref. findet 
diese Hinweisung nothig, um der Kunst die verdiente Achtung zu ver- 
schaffen und zu bewahren. Die einen Leser sollen durch diese sehr man- 
gelhafte Verdeutschung Hartung^s nicht in dem Wahne bestärkt werden, 
dass alle dergleichen metrischen Nachbildungen der Alten ein elendes 
Flick- und Stückwerk bleiben mussten , weil uns Modernen das Verstind- 
nias der antiken Formen überhaupt versagt sei ; die andern Leser , wei- 
che zum ersten Mal einen solchen metrischen Versuch in die Hand be- 
kommen, sollen sich nicht durch den unabweisbaren schlechten Bindruck, 
den die sehr fühlbaren Schwachen der Hartung^schen Nachformung auf 
den mit reinem und natürlichem Geschmack Begabten ausüben müssen, 
ein für allemal von diesem Feld zurückschrecken lassen, indem sie mit 
Bedauern der Meinung sich hingeben, dass hier ein tüchtiger Pbilolog 
das Höchste, obwohl ohne Erfolg, geleistet habe. Es ist die Aufgabe 
des Ref.» beide Arten von Lesern, wefern sie sich überzeugen lassen wol- 
len , zu fiberzeugen , dass nicht nur etwas Besseres möglich sei , sondern 
auch etwas wahrhaft Anziehendes, Entsprechendes, Vollkommenes und 
Schönes durch den edeln Nachbildner edler Formen geschaffen werden 

könne. 

Dieses allgemeine , aber entschiedene Urtheil , womit ich die vorlie- 
gende Verdeutschung für eine durchaus ungenügende Nachzirklung erklärt 
habe , musste ich um so mehr vorausschicken , als ich im Uebrigen dieser 
Ausgabe des Euripides recht viele Leser nod die möglichste Verbreitung 
wünsche. Denn weit entfernt Schaden an stiften , wird sie im Gegen- 



80 Bibttographifdie Berichte a. kane Anieigen. 

Üieil, aoter gehöriger BernckfiohtigiiDg dessen, was die Kritik anssosetsen 
hat, die Theilnahme f&r den dritten attischen Tragoden erhohen und das 
Verständniss eine» Dichters befördern, der jedenfalls lesenswerther ist 
als viele heutige sogenannte Klassiker. Herr Härtung, ein Mann von 
Talent ond Einsicht, trigt mancherlei tnr Berichtigung des griechischen 
Textes, znr Brlaoterang der hellenischen Begriffe und Weltansichten und 
sor Aufhellung dunkler oder falsch anfgefasster Stellen nnsers Autors bei* 
Er ist bekanntermaassen ein abgesagter Feind aller derjenigen , welche 
an Buripides irgend einen Makel zu finden wagen , obwohl er dabei ver- 
gisst, dass dieser Dichter bereits dem sinkenden Tagesgestirn der helle« 
nischen Glanzzeit angehört , wo die herrlichen Parben zu verbleichen an- 
fingen, womit Aeschylos, Sophokles und Andere das reine Ideal der Schön- 
heit ausschmückten nnd verkörperten. Ob seine besondere Hinneigung 
für Bqripides auf persönlicher Ueberzeugung beruhe oder eine halbe 
Affeetation sei, welche Jagd auf philologisch -ästhetischen Rnhn macht, 
lassen wir dahingestellt ; er ist übrigens , wie Stil und Inhalt seiner An- 
merkungen und Einleitungen kundthun, das Gegentheil eines pedantischen 
Gelehrten. Darüber wurde der vornrtheilsfreie Leser sich ohne Zweifel 
ungemein freuen, wenn Herr Härtung überall eine gewisse Gränzlinie 
der Humanität beobachtete nnd seinem Gel^ss Zaum und Zflgel anlegte s 
er tadelt oftmals ungemessen die Personen, wo er die Sache reden lassen 
sollte. Ref. schwört nicht in die verba magistri nnd liebt keineswegs 
die Vergötterung der Auctori^ten, wo es wissenschaftlichen Untersnchon- 
gen gilt ; aber die Niedertretung jeder Auctorität und die Verhöhnung be- 
rühmter Namen , wo es sich um eine für die Person gleichgültige Ansicht 
bandelt, hat er nie gebilligt and wird er nie loben. Denn obwohl manch- 
mal ein Gelehrter zu grossem Ruf gelangt, ohne dass er verdient Ist, so 
gründet sich doch In der Regel das wissenschaftliche Ansehn auf be^ 
stimmte Leistungen, welche nicht in die Luft gebaut waren; wesshalb 
derjenige, der den Trager eines berühmten Namens ohne Noth herabsetzt» 
die Wissenschaft aelbst mit Stanb bewirft und häufig anch seine eigene 
Schwache offenbart. Letzteres ist allemal der Fall, wo der Angriff mit 
Leichtfertigkeit geschieht; denn die wahre Auctorität steht sichrer, als 
der blosse Widersprecher, and weiss, warom sie diess oder jenes ha- 
haoptet hat : sie stutzt sich nicht aaf augenblickliche Binfalle oder dunkle 
Gefohle. Daher die Widerlegung niemals in einem hoffartigen Tone ge- 
führt werden sollte. 

Wir wollen keine Namen ausgezeichneter Manner erwähnen, wel- 
chen Herr Härtung um einer Meinungsverschiedenheit willen sehr starke 
Zurechtweisungen glebt oder schmucklose Beiwörter anhängt. Ein ge- 
wisses blindes Zuschlagen scheint ihm zur andern Natur geworden za 
sein. Wie er aber selbst pudelt , -indem er gegen Andere losfährt, dafür 
ist ein ebenso treffendes als ergötzliches Beispiel an der Stelle. In der 
Vorrede zum 5. Bändchen, den Phönikerinnen, bekriegt der Verf. einen 
seiner Recensenten, Hrn. Witz sc hei, nnd fuhrt dann eine Probe an, 
nm zu beweisen, „wie wenig Griechisch dieser Gelehrte verstehe, nnd 
wie er immer alle Begriffe zu verwechsebi pflege.'^ Witzschel hatte 



BibJiographucbe Berichte n, kane Anseigen« 81 

nämlich eine Conjector angefochied , dnrch welche Herr Hartnng.eine 
Stelle des Euripidea sa Terbesaern oder richtig sa gestalten vermeint 
bat, Vs. 435 der Trojerionen, wo der Dichter nach den Handschrif- 
ten sagt: 

ilXlov d"* fllyval ßoss, 

«2 aäQ%iic qpnvijsfftfatr Sjaova^v noti, 

nt%qdp 'Odv96ti yi(fvif, 
Kassandra prophezeit, dass die heiligen donnenrindery nachdem sie ge- 
schlachtet worden, durch ihr brnllendes Fleisch den Odyssens erschrecken 
werden, und B«f. findet, dass diess deutlich und bestimmt genng ausge- 
druckt ist, da für die Zuschauer eine leichte Hindeutong auf diese be- 
kannte Geschichte genügte. Das Fleisch brQUte, das gebratene sowohl 
als das rohe, wie Jedermann aus dem Homer wnsste. Ref. wird seine 
Meinung über die Worte des Textes weiter unten sagen ; der Verf. aber 
begnügte sich nicht mit der Ueberlieferung, sondern inderte, Mnter An- 
gabe Ton haltlosen Gründen, den Trimeter Ys. 435 folgcndermaassea um: 

tt^ 0aQiu tpwvrjv i^ai ijdovoiV nou^ 
wae so yiel beUsen soll als ; „welche, nachdem sie gebraten sind, mit dem 
Fleisch eine Stimme erschallen lassen oder reden werden.*' Diese Ab« 
Sndemng des Textes , welche Härtung ohne Weiteres als höchst zuver- 
lässig aufgenommen bat, obgleich sie an und für sich schon gegen slle 
WahrscheinHcbkeit streitet, velrwirft oder bezweifelt Herr Witzscbel, 
wobei er freilich eine Erklärung des Zeitwortes Upui vorbringt , die un- 
statthaft ist. Nach ihm soUen die Worte bedeuten : „welche brüllendes 
Fleisch einst liefern werden/' Mit Recht wendet dagegen unser 
Verf. ein: man sage im Deutschen, der Wald liefert uns Holz, die 
'Heerde Fleisch, als von regelmassigem Ertrage an bestimmte Be- 
sitzer. Allein erstlich wenn eine Metapher In einer Sprache üblich 
sei, so folge daraus niclit, dass diess auch in einer andern der Fall sein 
werde. Zweitens heisse Ümxc nicht liefern, nicht einmal schicken oder 
senden, sondern eigentlich sebiessen, fahren lassen. Drittens werde man 
von Rauhem und Mordern, welche mittelst eines Grüuels zum Genuss 
eines Fleisches gelangen, das wahrend des Bratens um Rache schreit, doch 
nicht in allem Ernste, sondern höchstens nur zur Ironie und im Spasse 
sagen, dass die Gemordeten das Fleisch ihnen geliefert, und dass sie 
es als ein brüllendes geliefert haben« Soweit äussert sich Herr Här- 
tung allerdings mit richtigem Ueberblick, um jene Erklärung abzuweisen; 
aber desshalb hatte er -keine Ursache zu dem obigen Ausfall gegen sei- 
nen Recensenten, noch weniger Veranlassung , die grobe Bemerkung hin- 
zuzufügen, „dass Herr Witzscbel in dieser Weise die Medea und einige 
andere Tragödien AeB Enripides behandelt , wie einer welcher den Staar 
und den Stockschnnpfen habe.'' Um so weniger aber war der Verf. 
zu einer solchen Sprache berechtigt, als seine eigene, in den Text auf- 
genommene Aendernog nicht nur höchst überflüssig, sondern auch in Ver- 
gleich mit der Lesart der Handschriften zusammengeflickt, unharmonisch 
und prosaisch ist^ überdiess sogar, was ziemlich komisch ist und seiner 
Kenntniss der attischen Rhythmen keinen leichten Stoss versetzt, einen 

/¥• Jmkr^ f. Phil. u. Päd. od. Krü. BM. Bd. LXIU IT/t. I. 6 



g2 Bibliographische Berichte n. karte Anieigeo, 

groben metrischenFehleran sich tragt, deMen Vorhandensein alteia 
hinreicht, seine ganze Emendation über den Haufen «n werfen. Herr 
Witzschet halte klug gehandelt, diesen Schnitter aofzostechen, ohne wei- 
ter ein Wort tu verlieren. Mir bleibt- jedoch noch fibrig, den oberlie* 
ferten Text tn erklaren , wie er erklärt werden muss , auf einfache und 
der Dichtersprache angemessene Weise. Das Zeitwort tivat bedeatet 
die Stimme schiessen oder tonen lassen , auch ohne dass yXac0€ev , Sna^ 
qtmvrlv und Aehnliches ausdrficklich hinzugefagt wird, wo es sich aus 
dem .Zusammenhang ergiebt oder von Tonen, Lauten und Sprechen han- 
delt. Da sofort hinterdrein nitt^iv ffJQvv folgt, zweifle ich nicht, data 
es allenfalls tum Verstätidniss genügt hätte, wenn Euripides blos sagte: 
ai aocQ^a rlcoveiv note^ nm^av yriifov. Das Fleisch tönte und sprach, 
wie sonst die Zunge. Zum üeberfluss aber setzte Euripides q>ünnj*C0€aß. 
hintu, weil die Dichter Elegant und Fülle des Ausdrucks lieben ; fpatp^Bö- 
ouv Uvai gebort offenbar und noth wendig in Einen Begriff zusammen, 
bewirkt die grosste Deutlichkeit und ergiebt sieh als ein poetischer, ge- 
wählter und doch sehr einfacher Ausdruck , welchen Hr. Härtung durch 
eine auffallend unglückliche Conjectur in seine einzelnen Theile mit pro- 
saischem Finger zerpflückt hat. Sein tpmviiv wird schon desswegen 
lästig, weil yi\QW folgt, und die ausdruckliche Erwähnung der Kocherei» 
die Härtung für nothig hält, war Tollkommen entbehrlieh; es ist schon 
wunderbar genug, wenn das Fleisch redet, um das gante Breigniss ta 
bezeichnen , und gerade dieses in Rede-Setzen des Fleisches mussta Toni 
Dichter hervorgehoben werden, nicht das Reden vermittelst des Fleisches. 
Der Verf. weicht also von dem, was die Handschriften den Dichter sagen 
lassen, bedeutend ab, wenn er übersetzt: 

der Sonnenrinder gieriger Schmaus, 

Aus deren schon gebratnem Fleisch ihr Brüllen tont, 
Odyssen bittre Mahnung. 
Ref. glaubt schärfer zu verdeutschen : 

die heilige SonneUrinderbrot, 

Die helle Stimmen schallen lässt aus ihrem Fleisch, 
Bin graoses Wunder für Laertes* Sohn dereinst. 
Was das kritische Verfahren überhaupt anbelangt , womit Herr Hartling 
nnsern" Dichter heimsucht , so glaube ich , dass ihm die Leser tn grossem 
Danke verpflichtet sein müssen für manches Erspriessliche , das er tur 
Erkennung und Beseitigung verdorbener Stellen beisteuert. Nicht ohne 
Scharfsinn legt er in seinen Anmerkungen die Gtonde für Aenderangen, 
die Zweifel an seitherigen Conjecturen und die Vorschläge, die er selbst 
zur Heilung des Textes macht, sammt vielen Erläuterungen dar. Die 
Kritiker werden , trotz seiner abstossenden Sonderbarkeiten , diess nach 
und nach anzuerkennen gezwungen sein. Mir ist an seiner Weise auf- 
gefallen, dass er häufig attzugewaltsame Aenderangen versucht, wofür 
schon die oben angefahrte Stelle ein schlagendes Zeugniss ablegt; und 
darüber muss man sich um so mehr verwundern , als er bei vielen Gele* 
genheiten die Kritiker tadelt, dass sie die Ueberlieferung mit Füssen 
treten und mit zu grosser Willkuhr Vorschreiten. Niemand verlässt die 



Bibliograplusche Berichte d. knrie Aasetgen. SS 

Handscliriften häufiger als der Verf. ielbat) Niemand streScht mehr Verse 
und ganze Partbien, die anacht aeln -sollen , aus den Stucken des Bnripi- 
des, als Herr Härtung, obgleich man nicht recht einsieht, wer sie sonst 
gemacht haben soll als eben Buripides; wenigstens sehen die ausgelösch- 
ten Verse den beibehaltenen meistentheils so ähnlich wie ein Bi dem aa- 
dern, so dass es sehr bedenklich ist, in diesem Punkt den snbjectiven. 
Geschmack walten zu lassen. Der Verwand doppelter Recensienen er- 
scheint hierbei noch als die günstigste Ausflucht^ doch reicht er meinea 
Brachtens nur für Binzelbeiten bin, keineswegs für die Benrtbeiinng der 
Anlage ganzer Stellen , wofür uns der sichere Maassstab fehlt. Bndlich 
glaube ich auch Grund 'zur Besorgniss gefunden za haben, dass Herr 
Härtung dem Buripides fremde Gedanken und philosophische Satze anf- 
zabürden versucht, die kaum antik sind oder doch an gewissao Stellen 
gegen den Zusammenbang so Terstossen , dass sie modern scheinen« - Da- 
für will ich ein Beispiel aus einem Chorgesang, welchen ich onten ans- 
fShrlich behandle , hier anfuhren. Im 7. Stack , den Bakchen, scbKesst 
das zweite Chorlted (V. 428*- 429) mit folgenden Wortoa der Hand- 
schriften t 

To nXij^og oti xt ^ccvloxtgov 
hofuaf x^fittti t8, Todt voi liyoifi «fy« 
Dtts rs der ersten ZeHe verbesserte Brunck, weil, es sinnstorend ist, in 
TO, wobei man mbig stehen bleiben kann, da die Aeaderong äusserst ge« 
ringfngig ist, der Fehler der Abschreiber leicht möglich war. Herr Här- 
tung brachte jedoch keinen Sinn heraus und nahm an dem Rhythmus der 
zweiten Zeile Anstoss, wesshalb er, unter Aufnahme des Brunckischen 
xdf ziemlich rücksichtslos corrigirte: 

TS nXii%og dyn td fpavX6x§if09 
Myuety x^Hütwf x68§ tot Uyoifi &r, 
indem er die Stelle fibersetzt : 

Was beim schlichteren Volk gang* 
Und gab' ist, soll stets mir das Beste scheinen* 
Dieser Scblussgedanke passt sehr wenig zu dem Vorhergehenden, wie die 
Leser nnten aus der Mittheilung des ganzen Gesanges erfahren werden | 
er erinnert uns an unsere heutigen Volksliederdichter, welche in ihrer 
Verherrlichung des Weines mit dem grossen Haufen abereinstimmen. Aber 
damals, we dieses Drama spielt, war Dionysos und die Bakeben unter der 
Menge und dem sogenannten schlichteren Volk^ noch keineswegs so an- 
erkannt, dass Buripides dem Chor einen solchen allgumeinen Ausspruch 
in den Mund legen durfte. Im Gegenthell beabsichtigt der Gesang, 
wenn ich so sagen darf, für den Preis und die Rhre des Bakchos, der 
noch Terfoigt wird, zn wirken und dem neuen Gott Anhänger zn gewin^ 
nen* Wer nicht festliche Heiterkeit, Wonne nnd Lust ▼erzieht, gebort 
zu dem nlfj^üQ, welchem der herrliche Sohn des Zeus abhold ist. Die 
Bmnckiscbe Lesart, wie sie auch von Andern gedeutet worden sein mag, 
enthalt daher den angemessenen und richtigen Gedanken, der vom Dich-' 
ter frei hjinzogefdgt wird, gleichsam unter Achselzacken über den Lauf 
dar Dinge: 

6* 



84 BibliographiichiB Berichte o. kane Ansefgen« 

Tch sprecV «s aas , die Menge folgt 

Dem falschen Braoch and das schlechtere Theil gefallt ihr, 

To nXfj^OQ ou To tpavXizägop 

h6fii0B X9V^^^ *' » '^^^^ *o' Xtyoiii av. 
Sehen wir aber von der Schiefheit des Hartnngischen Gedankens ab, so 
giebt es aoch noch innere Grunde, welche g^en die obige allzokeck«5 
Aendernng sprechen. Per Verf. hat eine gewisse Feinheit des Sprach- 
gebrauches fibersehen und Tergessen, dass Bnripides und die guten helle« 
nischen Dichter fiberfaaupt sehr gewählt, geschmackvoll und streng, schrei- 
beii. Wir wollen ihm einmal angeben , dass «o nXij^og to q>avl6uQinf 
hier die schüchtere Menge, die Menge mit natürlichem Verstände 
in gutem Sinne, bedeuten könne, wie denn auch anderwärts q>«vlog nad 
tpetvXoteqog ohne tadelnde Beziehung Tom Gemeinen, Schlechten nad 
Rechten gebraucht werden : so steht dennoch dieser Bedeutung das nach- 
folgende ZQfiotov^ welches der Verf. durch Conjectnr hereingebracht hat, 
wie ein Gegensatz im Wege, welcher auf ^avilorff^oir ein feindliches Licht 
zurückwirft und diesem Beiwort seinen gewohnlichen Sinn gleichsam auf- 
nSthigt. Bs entspringt hieraus ein Missverhältniss, welches sich mehr 
fahlen als beschreiben ISsst, heruhend auf Ungenauigfceit nnd Nachlässig- 
keit in der Auswahl der Wörter, was bis an das Komische streifen kann. 
Unsere Kritiker fehlen sehr häufig in solchen scheinbaren Kleinigkeiten^ 
selbst die besten nnd vorzüglichsten, Gottfried Hermann an der Spitze; 
sie legen den einzelnen Wörtern Bedeutungen bei, die sie an der Stelle, 
nm welche es sich handelt, nicht haben können« 

Doch will ich die kritische Wildniss diese» Ausgabe verlassen; ihre, 
Sichtung schlägt nicht in mein Fach, und es genagt mir, durch ein paar 
Stellen gezeigt zu haben, dass ein sorgfSItiger Ue|>ersetzer ein Wort über 
die Kritik mitsprechen darf und dass diejenigen Philologen im Irrtbnma 
sind, welche die hochmnthige Meinung hegen , dass die Kunst der Nach- 
bildung darin bestehe, mit dem Flederwisch über den Autor wegzufahren, 
oder mit andern Worten, dass der Uebersetzer der Alten eine blos mit- 
telmassige Kenntniss der Ursprachen habe, haben könne und haben mnsse. 
Ref. wendet sich also zur Hartungischen Verdolmetschung zurück, um 
eine Probe auszuwählen und an derselben so kurz nnd bündig als möglich 
darzothun , woran es der gesummten Leistung gebricht und was erforder* 
lieh ist, wenn dss Bild der Verdeutschung nicht hinter dem Original zu- 
rückbleiben, sondern in Zeichnung und Farbenpracht mit demselben wettr 
eifern soll, soweit es die reichen Mittel der Muttersprache gestatten. 
Ich wähle diessmal einen Chorgesang und zwar den zweiten aus dem sie- 
benten Bandchen, den Bakchen, welcher Vs. 370<— 429 umfasst; er ist 
minder verdorben als die andern dieses Stuckes, gewehrt ein allgemeine- 
res Interesse und bietet auch Rhythmen , welche fSr die deutsche Nach- 
bildung zu den schwierigsten gehören und die daher , wenn sie einiger^ 
maassen gelingen nnd nachahmbar erscheinen, den deutlichsten und sicher- 
sten Beweis dafür liefern , dass die meisten übrigen , die leichter sind, 
von dem kunstfertigen Meister auf die rechte und dem griechischen Vor- 
bild entsprechende Stufe der Vollendung gehoben werden können» Nach- 



Bibliographkche BeHohte o. kune Anzeigtin. 85 

dem die Bakchischen Weihen aammt ihren Thehischen Anhängern von 
dem König Penthens gelästert worden sind and Befehl ergangen ist, den 
Urheber dieser Schwärmereien , den neuen Gott Dionysos , anfzospuren 
und gefesselt vor den Konig zu bringen , spricht sich darober unser ent* 
rusteter und klagender Bakchen-Chor folgendermaassen nach Härtung aus: 

Erste Strophe. 

Du vernimmst, heilige Scheu, 

Denn du schwebst goldenbeschwingt 

Ob der Weit , gottlich und hehr — 

Du vernimmst hier, was der Fürst 

In so keckfrevelndem Hohn 

Von dem Lustbrauseaden spricht, Semelens Sohn, höchsten der 

glückseligen Gottheiten im kranzdufUgen Frohsinn ! 
Denn er ist's , der uns beglntikt 
Und zu Tanzreigen und Sehers 
Bei Musikklängen erregt. 

Und die Missstimmung hinwegbannt, wenn der Saft rinnet der Trauben 
Bei den Festmahlen der Götter, und den Mann, eppichbekränzt, 

senket. der Rauschbecher in sanften Schlummer. 

Erste Gegenstrophe. , 

Für ein zuchtloses Gemnth, 

Einen zaumledigen Mund 

Ist das End' bitteres Leid : 

Doch ein friedseliges Thun 

Und ein sittsames Gemuth, 

Das l>esteht ruhig im Sturm fort, und sein Haus dauert: denn hoch 

über Gewölk thronend , vernimmt dennoch die Gottheit, 
Was der Mensch redet und thut. 
Und das Hochweise ist Wahn , 
Und der unirdische Sinn. 

Unser Dasein ist so kurz: wer nach dem Hochragenden strebt hier. 
Der geniesst nicht, was ihm nah liegt: das ist Tollheit, so bedankt 

mich's , und verkehrtdenkender Manner Weise. 

Zweite Strophe. 

Hin zur Insel der Liebe 

Möcht' ich ziehen nach Kypern, 

Und wo Reiz und Verlangen hold walten, herzenbezaubemd , dort- 
hin zum sonnigen Lande, das hundert Arme des wälsohen Stroms 

Ohne Regen befruchten. 

Wo der Musen herrlichster Sitz an des Olymps Berghange so an- 
muthig lacht in Pierien, 

Dort führe mich, lärmender und ' « 

Vor anschwärmender Gott , hin. 

Dort herrscht Verlangen , ^eiz und Lust, 

Dort dürfen frei Bakchen die Weihen feiern« . 



86 Bibliographiiobe Berichte o. karae Ai»eig«o. 

Zweite Gegenslrepbe* 

Lufttbarkeit «ad GeUg iiebt, 

7*oüB* Sohn 9 an«er« Gottheit, 

Hegt den göttlichen Frieden, wo Segen qaillt ood die Jagend blüht, 

Giebt harmloeen firqaickangstrank ohne Wahl dem geriogeo Mann, 

Gleich dem Reichen , za kosten, 

Hasst Pedanten , die es verschmäfani belle Tag^ nnd selige Nacht' 

In Leichtsinn ^vl yerscbwärmen, 

Und klugen Verstands die Hoch^ 

Und Tiefdenker an meiden» 

Was beim schlichteren Volk gSng^ 

Und gäb^ ist , soll stets mir das Beste scheinen. 
l^ie Rhythmen dieses Ghorgesanges sind von Herrn Hartnng richtig ab- 
getheilt worden, sie stimmen mit der Anordnung Wilhelm Dindorfs ober- 
ein, des grossten Meisters aof diesem Felde , nnd geben im Griechischen 
eine treffliche Melodie; yerstehen aber kann sie nnmögiich Jemand in obi- 
ger Verdolmetscbung, weil sie an mengelhaft aasgemessen sind , da der 
Herr Verf, Unterlassen hat , dem jetst festgestellten Gesetz einer gleich- 
Aussigen Quantität zu folgen* Einige Keilen des zweiten Strophenpaares 
ausgenommen,' die sich allenfalls fQr glykoneisch erkennen lassen, be^ 
zweifle ich, dass auch der bestkundige Metriker im Stande sein werde, 
ohne Zuziehung des griechijschen Textes zu errathen, \jvelcheä Ver&maass 
eigentlich diesen einfachen Reihen zu Grunde liege. Ich erachte es dess^r 
halb auch für überflüssig, die L«eser davon zu unterrichten. Mit der Feh- 
lerhaftigkeit der äusseren Messung aber verschwinden alle Vortheile, um 
derentwillen die metrische Kunst überhaupt erfanden worden ist, eine 
Kunst, die wir von den Griechen entlehnen, um den deutschen Leser 
nicht die Anmuth des modernen Reimes vermissen zu lassen. Ist also 
das Maass nicht gehörig gehandhabt worden , so rauschen die Worte an 
ans Toruber ohne Wohllaut und Musik; es fehlt der Zauber des Tonfal- 
les, nm dem ausgesprochenen Gedanken die Lieblichkeit und Sussigkeit 
sa verleihen , welche nach des Dichters Willen zur Seele dringen sollen, 
und der Leser fragt mit Recht, ans welchem Grunde man ungereimte 
rhythmische Verse m^che. Dazu kommen noch andere Gebrechen der 
Hartungischen Reihen, der Hiatus und der Mangel an Ruhepunkten für 
das horchende Ohr; die Fosae klaffen and die Gedanken sind in keine 
festen Grenzen eingegossen, sondern zerrissen durch die einzelnen Vers- 
theile, gleichsam gebrochen und ungegliedert, ao das« sie mühsam sich 
bininscbleppea. Selbst in der Auswahl der Wörter sehen wir den Ge- 
schmack mehr als einmal von Herrn Härtung vejrletAt; er hat sich sogar 
nicht gesehent, die modernen „Pedanten'* in seinen Ten aufzunehmen, 
aaaserer Missklaage nicht zu gedenken, welche stdrend- eingreifen , wie 
Jenes „lärmender und yoranschwarmeAder*' ia der zweiten 
Strophe. 

Ref. stellt freilich, wie hieraus hervorgeht, sehr hohe Anforderun- 
gen an die Tonyollendung eines metrischen Gedichts , das in das Bereich 
der erhabenen Lyrik fallt ; aber demangeachtet verlAngt er nicht mehf 



Bibliograpliifche Beriebte o. kurze Aaxeigair. £7 

al» wirklieb erfnilt werden kann QAd «n d«r Konst selbst wilUn geiltet 
werden niass. Wenn dieee hoebsle Vollendang lucbt in der Absiebt des 
Verf. lag , wenn er vielmebr , wie schon früher geäussert worden , einzig 
und allein darnach streb te, denjenigen, welche seine Ausgabe des Enripir 
des gobraochen wollen , eine Ueberset^ong voraaUgen, ans welcher sich 
mit Sicherheit abnehmen lasse , wie der Verf. durchweg den Sinn des 
Dichters interpretire, an leichten sowohl als schwierigen Stellen:. so muss 
man offenbar wünschen , dass Herr Härtung die vergebliche Muhe, mit 
metrischen Versreihen %a prunken, von Anfang an aufgegeben und den 
hpB^m eine scharfzageschnittene, wohlgebakene und klare Dolmetschong 
in Prooa dargeboten hatte. Die Furcht, etwas Allsuknnstioses zu schaf- 
fen und dem Tadel der Schulmänner sich aasznsetzen, welche eine solche 
Arbeit für nachtbeilig halten , war eitel. Schädlich sind blos schlechte 
Verdeutschungen, die von Sinnfehlern strotcen und auf Irrthumer fnhreas 
der Wurde der Sache aber that es schwerlich Eintrag , wenn die unge- 
bundene Rede bevorzugt wurde, weil letztere einerseits, um gut auszu- 
fallen^ nicht eben leicht ist, andererseits ein« durchaos tdehtige Sohopfting 
ermoglidit, wie schon Goethe anerkamit bat. Die Vortheile wären for 
den Zweck dos Verf. dreifach gewesen, Zrunacbst hätte er sich von det 
Schwierigkeit b'efreit, den Sinn des Autors man gel ha ft ausdrücken 
zu müssen, was nicht selten geschehen ist ; so verdeutscht er unter andern 
in der ersten Strophe die Worte: tqv nuqA HctXlicxBtpdvoig ewpifoavvccig 
Sai{iovu Tt^mtov ftaxa^cov durch ^,dem höchsten der glückseligen 
Gottheiten im kranzduftigen Frobsin n." Das ^ind allerdings 
ebenso viele und die nämlichen Worter wie im griechi.Hchen Original ; 
aber das v<a< damit gesagt werden sollte, das Wesentliche des Sinnes ist 
nicht getroffen, namentlich sehen wir ftrcuagoav, welches einfach für d'BtSv 
steht, durch „glückselige Gottheiten" schief gezeichnet. ZweitensL hatte 
der Verf. durch Abwerfnng der Silbenmessung den Vortbeil gewonnen, 
überafl sich wahrhaft deutsch ausdrucken zu können; er umging als- 
dann unnatSrliche Wortstellungen, fehlerhafte Verbindungen, verkehrte 
Wendungen und Gewaltschritte gegen den Sprachgenius überhaupt , wo- 
für die obigen Chorverse mehrfache Belege aufzeigen. Drittens konnte 
er sich deutlicher fassen, als in vielen Fällen geschehen ist. Manche 
Einzelnheiten sind in der That ganz unverständlich geblieben , wie jenes 
Sätzchen in der ersten Gegenstrophe , welches nur mit Hülfe des Textes 
klar wird: 

Und das Hochweise ist Wahn 

Und der unirdiüche Sinn. 
Wenn auf diese Weise ein dreifacher Gewinn sich ergeben hätte, so 
mnsste man dem Verf. für eine prosaische VerdoliB^ts^hnng grosseren 
Dank, wissen, als für die vorliegende metrische, w^lsbedas nicht leistet, 
was sie leisten mnsste ; man sieht nicht recht ein ^ welchen Notien es ge- 
währen soll, dass sie in gebundener Rede verfasst wordetf ist. Indessen 
wie gross auch das Hinderniss sein mochte y welches ihlit der Zwgag des 
Versmaasses in den Weg legte , allein trägt ea nicht die Schuld , dass er 
seine Aufgabe nicht erfolgreioher bewUtifU. Hmr filMrteng hatte sich 



88 BibUograpbiMhe Beneble n. karae Anseigeii. 

vSelmehr Torgesetzt, einen fortlaufenden Gommenter zu sebreiben, and 
ain ja nicht irgend eine Kleinigkeit so oberseben ond aas den Aagen zu 
lassen, verdeotscht er mit einer allzoangstlicben Wortlicbkeit, welche ihm ^ 
darch Hemmong Jeder freien Bewegong tngleich eine Schranke setzte, 
die es ihm onmogHch machte, die metrischen Schatze der deotacben 
Sprache aoszobeaten ond an dem Gesetze wandelloser Silbenmessang 
streng festzuhalten. Hauptsaebllch dorch diese anpassende, zar Stöm- 
perei fShrende W6rtlichkeit , welche man fälschlich Genauigkeit ond 
Schärfe nennt, ging wie im gewohlichen Stil des Dialogs die Eleganz, so 
in der höheren Form der lyrische Hauch verloren. Der Anfang der 
zweiten Strophe lautet i 

' 6 Sa^^kov^ 6 ^tog ntti^g 

Uebersetzen wir dieses von Wort zu Wort, wie ilr. Härtung: 

Lustbarkeit und Gelag liebt 

Zeus* Sohn 9 unsere Gottheit, 
80 haben wir zwar nicht gegen den einfachen Sinn gefehlt, aber der poe- 
tische Gehalt ist uns unter den Händen zu Wasser geworden, es tont 
nichts Gesangartiges aus diesen Versen. Daher musste es lauten i 

ßr, Zeus' herrlicher Sprossling, 
Preist nur fk'öhliche Wonnen. 

So. haben wir einen Anfang der Strophe gewonnen, bei welchem wir die 
griechische Leier im Geiste schallen zu boren glauben ; wir haben die 
prosaische Leere vermieden und Worte gesetzt, bei welchen sich etwas 
denken und fühlen lässt. Es hat uns kein neckender Kobold die grie- 
chischen Goldstacke, welche wir in die Tasche gesteckt hatten, in dem 
Augenblicke, als sie vom Tageslichte beschienen wurden, in leidige 
schwarze Kohlen verwandelt. Wenn ich durch diese Auseinandersetzung 
dasjenige, was ich aussprechen wollte, deutlich gemacht, so darf ich 
wohl meinen eigenen Versuch , ohne anmaassend so sein , dem Härtung - 
sehen folgen lassen. Wenigstens muss ich zu beweisen trachten , was 
ich oben versprochen habe, nämlich dass eine Leistung möglich sei, 
welche die Kritik nicht zu scheuen brauche. Ich verdeutsche also die 
beiden Strophenpaare dergestalt: 

Erste Strophe, 

O vernimm , gSttlicbe .Scheu, 

Do gerechtwaltender Hort 

In der Goldfittige Prunk, 

O vernimm, Hohe, wie frech. 

Wie verrucht frevelt der Piirst 

An des Zeus Sohn, an dem loatschwarmenden Weingott, an der 

kranzduftigen Pestsegnnngen allmächtigem Schirmherrn! 
Et entfacht Bakthos um uns 
Das Gewnhl tanzender Reih*n, 
Die Schalmei , Lachen und Scherz, 
Und ertr&Mkt Sorgen ond. Ünmuth an dem gotUabenden Zechtiseh 



BibIiogr«piiifleh0 Berichte n. kone Anteilen. 89 

lo dem TbaQ kostlieben Rebstock» and im Scblaf, den der Pokal 
weckt io dem Raascb- epptcbumtcbmfiokter Wonnen. 

Erste Gegenstrophe. 
Der gewaltthatige Thor 
Und der zaumsp ottende Mond, 
Er verbnsst bitter zaletzt; 
Der Vemnnft Segel indess 
Uud der Friedfertige trotzt 
' Dem heranbrausenden Flothschwall und beschirmt Mauer nnd Heerd 
thront in der Luft Räumen und fern Uranos' Chor auch, 
Er gewahrt sterbliches Tbun. 
Es erscheint Wissen ein Wahn, 
Und ein Wahn menschlicher Stolz ; 

Dti^ dieweii kurz nur das Dasein , so verlierst ober dem Rochflog 
Du das nahüegende GlSck leicht; du verräthst, also gesinnt, Sterb- 
Heber , geistirren und schnöden Irrthnm. 

Zweite Strophe, 

Nimm mich auf, Apbrodite^s 

Eiland, wonniges Kypern, 

Das du Gotter der Liebe pflegst, 

Seelenbannende Zanbrer ! 

Nimm mich, blühendes Papbps, auf. 

Das in ewigem Sonnenschein 

Netzen milden Barbarenstroms 

HandertmSndige Wellen ! 

Nach der Schönheit strahlendem Reich, 

Auf Olympos* heiligen Fels, 

Den die Musen nmtbronen, 

Dort fahre mioh , Bromios , hin, 

Festbrauslenkender Bakchos! 

Dort wohnt die Lust, dort wohnt der Scherz, % 

Dort darf der trunknen Bakchantinnen Jubel schallen. 

Zweite Gegenstrophe. 
Er, Zens' herrlicher Sprossling, 
Preist nnr fröhliche Wonnen; 
Liebt die Göttin des Friedens nur, 
Sie , die jogendomlachte 
Sanfte SegenTerleiberin ; 
Fallt und spendet an Arm und Reich 
Seinen lieblichen Weinpokal, 
Süsser Tr esCongen Sprudel : 
Aber hasst das taube Oeincht, 
Das nicht Tag und selige Nacht 
Eilt zu schwelgen in Freuden, 
Das nimmer mit klugem Bntschluss 
Flieht nachdenkliche Thoren ! 



00 Schal« und Umrerfiitat«iachriölit«n, 

Ich'SpMch' es ao«, dia Menge folgt 

Dem faUchea Braach ond das schlechtere Theil gefällt ihr« 
Tiefer in die Sache einzogeben, als bereits geschehen ist, geborte in das 
Gebiet der angewandten Metrik. Aach für meine Uebertragung will ich 
das Versmaass nicht nennen , in welchem das doppelte Strophenpaar ge- 
bildet worden ist; es wird, hoffe ich, hinreichend sein, dass der Leser, 
welcher aberhaopt mit Ansdruck zu lesen versteht, die Worter nnd Sil- 
ben so betont, wie sie betont werden müssen, and geschieht diess, so 
wird ihn die rhythmische Woge Ton selbst tragen, auch wenn er übri- 
gens der Rhythmik unkundig sein sollte. Sachverstandige versichern, 
dass diess der beste Probirstein für' die metrische Vollendung eines Wer- 
kes sei. Das Maass des ersten Strophenpaares widerstrebt, wie ich schon 
oben bemerkte , einigermaassen der Natur unserer Sprache , und ich moss 
bekennen, dass ich mich sehr ungern znr Nahahroung solcher feindseliger 
Rhythmen, wenn ich so, sagen darf, entschliesse. Indessen habe ich das 
obige nicht blos hier, sondern auch in andern Stucken der attiacben Dich- 
ter nachzubilden keinen Anstand genommen, weil ich versuchen wollte, 
ob in unsern Tagen etwas Gediegenes in dieser fremdartigen Gattung zu 
Stande gebracht werden könne. Es ist zu verwundern, dass Klopstock 
eine Menge Oden in dön nämlichen Rhythmen zu dichten gewagt hat, 
allerdings nicht ohne manche^ Freiheiten und Verstösse gegen den Wohl- 
laut der Messung. 

Herr Härtung bemerkt in der Einleitung zu den Bakchen,^ dass, 
wenn es einmal gelingen sollte, das liebliche, dem Ohr und Gemuth sich 
einprägende Gewand der Worte und Rhythmen , in welche der Dichter 
dieses Stuck gekleidet habe, nur halbweg so schon im Deutschen wiederzu- 
geben, die deutscheLitteratnr mit einem Werke wurde berefchert werden, 
von welchem man viele Stellen auswendig lernen und singen und stets im 
Munde fuhren musste. Ref. gesteht, dass ihm diese Aussichten ein Sporn 
gewesen sind, obigen Chorgesang, der ohne Zweifel zu den schSnsten 
Stellen der Häkchen gehört, so gut als irgend möglich nachzobifden. 
* Johannes Minckwitz, 



Schal- und Universitätsnachrichten^ Beförderungen 

und Ehrenbezeigungen. 

Aus dem GROSSHERZOGTHUM BADEN. Von dem Grossher- 
zoglicben Oberstudienrathe in Carlsmhe, watehar mit anarkennenswer- 
them Eifer , grosser Umsicht und Sacbkenntnisa für das Gedeihen der 
Betner Aufsicht nnd Pflege anvertrauten GelehrtciMc)inieo und höheren 
Bürgerschulen besorgt ist, worden in mabrereo Erlasaen Verfligoftgen ge- 
troffen, weiche wohl auch in einen weiteren Kreise nicht ohae lateresse 
werden gelesen werden» 



Be£3rderiiiig«n and Elurenbeseignogeii. 9 1 

l^r finden ana dnbec Teranlasat » folgende in die«. BL mitsnükeilen. 

Erlas$ des Örosshersogliehen 0bei-ttudienraihe9 an sämmiikhe Ltfceen, 
Gymnasien und Pädagogien d, d, 29. Juni 1843. ZVr. 1201 „die $6genann- 
ißn QäHe (Boapitanten) an GelehrtenachuUn betrqgknd*^'' 
Ans den von den Directionen and Lebrer-Conferenzen der Lyoeen 
erhobenen Berichten het. sieb ergeben, dass eich an den Lehranstalten 
im Allgemeinen drei Kategorien von Hospitanten nnteirscbeiden lassen, 
namlicb I) solche , welche den Unterricht nicht zum Zwecke der Vorbe- 
reitong für akademische Studien besuchen ; 2) solche ^ welche, ans einem 
Privatnnter rieht kommend,, wegen vorgerückten Alters in eine niedere 
Classe, für weiche sie in den alten Sprachen etwa befähigt waren , nicht 
eintreten !koonen, aber for eine höhere in dem genannten Fache die no« 
thige Vorbereitung noch nicht besitzen und daher in eine selche höhere 
Ciasae einstweilen als Gaste aufgenommen werden , bis sie durch beson- 
dern FleisA zur Aufnahme als wirkliche Schuler sich befähigen i endlich 
.3) solche, welche eine Classe wegen ihrer mangelhaften Kenntnisse wie- 
derholen sollten, aber, um dennoch voranzukommen, in den folgenden Jah* 
reecors als Gaste aufgenommen zn werden verlangen und nach einiger 
Zeit zn einer Prüfung sich melden, um als wirkliche Schüler wieder 
einzutreten« 

Die erste Kategorie der Hospitanten ist die in den $$. 32 and 46 
des allgemeinen Lehrplanes ausdrücklich angeführte, und die Befitimmon- 
gen, nach welchen sie zugelassen sind, finden sich daselbst angegeben. 
Was die zweite Kategorie betrifft, so kann der Fall sein, dass solche den 
Jahren nach schon etwas weiter voraogeschrittene Schüler selbst noch 
nicht über die Wahl ihres künftigen Berufs fest entschlessen sind und 
vor der Hand als solche Schaler sich darstellen , welche unter den $. 32 
sich begriffen wissen wollen. 

Wenn solche Individuep ohne ihre Schuld etwas später in den Siu« 
dien kommen, dabei hinsichtlich des Betragens and ,des Talentes sieb 
empfehlen, so können sie als Gaste aufgenommen werden. Wenn sie 
später als wirkliche Schüler eintreten wollen , so haben sie nicht blos 
die $• 46 vorgeschriebene Bedingung zu erfüllen , sondern es ist auch, ' 
wenn ihr Lehensalter von den $. 3 der Verordnung vom 31. Dec. 1836 
vorgeschriebenen Bestimmnngeo bedeutend abweicht, darüber vor der Auf- 
nahme ein molivirter Antrag aoher zn stellen. Unter der zuletzt ange« 
fubrien 'Einschränkung können übrigens solche Individuen in die ihrem 
Alttir toSgUehst entsprechende Classe probweise eU Schüler eintreten mit ' 
einer gesetzten Frist von drei bis vier Monaten, nach deren Verlaof de* 
finitiv über ihr Verbleiben in der Classe sn entscheiden ist. Die dritte 
der drei oben angefohrten Kategorien von Gasten hat man bisher da , wo 
sie vorkam, geduldet , weil keine Bestimmung der allgemeinen Schulord- 
nnng verbietet, dass ein wirklicher Schaler als solcher ansttete, als Gast 
wied«c eintrete und nach einiger Zeit auf den Grund einer besonderen 
Prüfung wieder in die Zahl der wirklichen Schuler «oruckkehre. AUein 
die Erfahrung hat bewiesen , dass dieses in den aeisten Faileli gesc^ehti 



92 Schal- nad Unit erütatonachrichiea, 

um die dem Schaler aufgegebene Repetition der Giaese lo eiodken, was 
für ihn eelbst and für die Anstalt, wenn er auch später eine abermalige 
Prüfung besteht, mit mancherlei Bedenklichkeiten and Störungen ver- 
bunden ist. 

Es wird demnach hiermit angeordnet, dass ein Schaler, welchem 
die Wiederholung eipes Jabrescorses aufgegeben war, nicht vor Verflosa 
eines halben Jahres und nur nach angestellter Prufuilg in dem obern Jah- 
rescurs als Gast aufgenommen werde. Sollte ein^ solcher Schüler durch 
Krankheit oder andere unverschuldete Umstände an dem Aufsteigen ge- 
hindert worden sein , dabei aber gegründete Hoffnung geben , er werde 
im Verlauf des Schuljahres sich dennoch gehörig befähigen, so kann ein 
solcher auf eine Probezeit von einigen Monaten in den Jahrescurs aufge- 
nommen werden , nach deren Umlauf über seine definitive Stellung durch 
die Lehrer-Cdnferens zu beschliessen ist. Sollten den Directionen und 
Lehrer-Oonferenzen in einzelnen besonderen Fällen Ausnahmen von.dieser 
Regel nothtg erscheinen, so ist jedesmal hierüber zu berichten. 

Für die Rehandlang der nach den obigen Bestimmungen zulassigen 
Hospitanten sollen in Hinkunft folgende Normen gelten: 

1) Die Hospitanten unterstehen In Beziehung auf die Disdplin den 
allgenieinen so wie den besonderen Anoidnungen der Schale und sind darin 
wie die übrigen Schüler zu behandeln. 

-2) Ebenso sind sie in Beziehung auf die Aufgaben und deren Fer- 
tigung, das Examiniren u. dergl. wie die regelmässigen Schaler zu be- 
bandeln; nur können sie nicht in die atigemeine Location der Ciasse ein- 
gereiht werden. 

5) Wenn solche Gäste als ordentliche Schüler eintreten oder an dem 
Maturitätsexamen Antheil nehmen wollen , so sind die §§. 32 und 46* des 
allgemeinen LehrpJanes gegebenen Vorschriften zu beobachten. 

4) Hinsichtlich des von den Hospitanten zu bezahlenden Didactrnms 
bleibt der $. 10 der Verordnung vom 6. Sept. 1841' über Schulgeldsbe- 
freiungen maassgebend. 

Siegel, vdc. Qock, 



ErloM deräethen Behörde an eämtMliche Gelekrteneehulen und höhere fiur- 

gerechuien d. d. 6. Mm ISdO, ZVr. 735 „itie biMtrutthn über dae Ferfah-^ 

ren hei der Aueweieung eines Sebäiere beirrend*** 

Die Instraction über das Verfahren bei der Strafe der Ausweisung 
eines Sohnlers vom 37. Nov^ 1843, nebst dem Generale vom 10: JnU 1844 
ist aufgehoben , und es tritt demnach der $• 61 der Scholordaung vom 
18. Febri 1837 in unbeschränkte Kraa. 

Man setzt dabei auf die Directionen nnd Lehrereonferenzen das 
Vertrauen, dass sie an dem GrundsaUe festhalten , die Be«Ummoag einer 
Schule sei, nicht bios zu unterrichten, sonderu auch za erziehen; und 
dass desshalb die bärteste alier SchuUlralen , als welche die Ausweisong 
einea Schülers zu betrachten ist, aidit leichthin und abi wenigsten bei 
Jongeren Schalem der onterea Ciassen in Anwendung gebracht, lud dabei) 



Bef5rd«niiieen und Ehranbeseicoogen, SB 

wenn et geschielit, gtets ein solches Verfahren eingehalten werden wird, 
wodorcb diese Sti'afe aU eine gerechte and für das Beste der Schale wohl- 
gemeinte erscheint. -— Namentlich macht man darauf anfmerlisam , dasa 
nach dem oben erwähnten $.61 — wenn nicht ein grobes Vergeben statt- 
findet — der Answeisung, zu der in allen Fallen die diesseitige Bestati- 
gong erforderlich ist, jedesmal Torangehen soll, dass den Angehörigen 
des Schülers der Rath ertheitt wird, ihn ans der Schale wegzonehmen, 
oder dass die Aasweisüng ihm angedroht, ond diese Androhung schriftlich 
aor Kenntniss der Angehörigen gebracht wird. 

Wenn äbrigens mehrere Schaler aosammen längere Zeit habituell 
die Schulgesetze übertreten haben , ohne dass es bekannt wnrde, und es 
sich dabei berauss^eJit, dass sie von einzelnen Schalern geleitet oder Ter- 
fuhrt worden , so kann unter Umstanden ohne Torhergegangene Androhung 
gegen diese einzelnen i4eiter oder Verführer aaf Ausweisung erkannt 
werden. 

Brunner. vdU Krmut* 

Der WartUaU des oben enoa&nleti $• ^^ der Sefticlordnung vom 
18. Februar 1837 ist folgender: 

Die Ausschliessung eines Schiiers von der Anstalt wegen fortge- 
setzten Unfleisses und ordnungswidrigen oder unsittlichen Betragens soll 
in der Regel nicht erkannt werden , bevor der Director die Angehörigen 
des Schulers Ton dessen Benehmen benachrichtigt und nach Umstanden 
denselben den Rath ertheilt hat, ihn aus der Anstalt zurückzunehmen, 
auch dem Schuler mit Entfernung gedroht worden ist. 

Wenn diese Anordnung fruchtlos bleibt , oder im Falle ganz grober 
Vergehen , wird die Strafe der Ausschliessung in der Lehrerconferenz er- 
kannt und Ton der Oberstudienbehorde bestätigt. Wenn dem Schdler 
gestattet bleibensoll, die Aufnahme an einer andern Schule auf Probe 
nachzusuchen, so werden von dem Straferkenntnisse nebst dem zunächst 
Betheiligtcn nur die Eltern oder Vormünder desselben, ond nach den 
Umstanden die Mitschüler, sowie wenn der Ausgewiesene an eine andere 
inlandische Anstaltsich begiebt, die Direction dieser Anstalt in Kennt- 
niss gesetst. 

Es kann auch auf eine zeitliche Ausschliessung erkannt werden. Die 
geschärfte Strafe der Ausschliessung wird sammtlichen Lehranstalten be- 
kannt gemacht , welche den Unterricht bis zu der Classe wenigstens fort» 
setzen , ans welcher der Schuler entfernt worden ist. Sie soll selbst bei 
schwereren Vergehen ans Uebereilung, Leichtsinn oder Heftigkeit nicht 
erkannt werden , sondern nur wegen gröberer Vergehen eintreten, welche 
Ton solcher Verdorbenheit oder so schlechter Gesinnung zeugen, dass 
man jede Berührung eines solchen Schulers mit gutgesitteten jungen Leu- 
ten zu verboten^ im Interesse jeder Anstalt sich Terpflichtet halten muss. 
Auch kann sie nicht gegen Schuler erkannt werden, welche das Tierzehnta 
Lebensjahr noch nicht erreicht haben« 



94 Sditil - xmdi UniTersitateDacliricIiteiii 

m. 

Erlois derselben Behörde anBämmtUcke Lyeeen, Ojfmnanen und PSdago- 
gien d, d. 16. Februar 1847, Nr, 397 ^^die landesherrluAen kMoUsek" 

theologiaehen Stipendien betr,** 

Wiedervorlage bochiter Staatsministerialentschliesinng vom 9. v. M. 
Nr. 25, wonach 8e. Konigl. Hoheit der Grosghenog aaf den onterthänig- 
stea Vortrag dei MinUteriamt des Innern Tom 1. t. M. Nr. IßOSl-^— 32, 
die Verleihung Ton Stipendien an Theologie Stadirende betreffend, dea- 
Ben Antrag: 

1) dasa eine Samroe Toriaofig von jährlich 3600 fl. cv Stipendien 
fSr Bolche Schaler bestimmt werde, welche sich dem katholiach - geistli- 
chen Stande widmen und in einem der sechs obersten Jahrescarae des 
neunjährigen Lehrcnrses der Gelehrtenschalen aofgenommen sind; 

2) dass diese 3600 11. aam Tbeii in Stipendien sa je 100 fl., swii 
Theil in solche von je 150 fl. vertheilt werden ; 

3) dass dieselben geschöpft werden 

a) mit 2000 fl. aas der allgemeinen kathol, Kirchencasse in Carlsrahe, 

b) mit 1600 fl. ans dem Domstift Speyerischen Alamnatfond so Brochsal^ 
aiiergnädigst zu genehmigen gernht haben. 

Beschloss. 

Fiat. Generale an sämmtliche Lyceen , Gymnasien and Pädagogien : 
Zum'VollsDge der rubricirten Allerhöchsten Entschtiessung sieht 
man sich veranlasst folgendes za verordnen : 

1) Die Vertheiiang der Stipendien geschieht halbjahrig zn je 50 fl. 
and 75 fl. 

2) Im Anfange jedes Schuljahre^ hat der Director der Anstalt in^den 
betreffenden Schulen zu verkündigen, dass diejenigen Schüler, welche 
sich om die, durch die Allerhöchste Gnade des Grossherzogs bestimmten 
Stipendien bewerben wollen, ihre Gesuche bei der Direction binnen 
4 Wochen einzureichen haben. 

3) Die Bittschriften der Bewerber müssen enthalten : 

a) Vor- und Zuname , Religion , Alter and Classe des Schülers ; 

b) Stand oder Gewerbe und Wohnort der Bitern; 

c) die Willensansserung des Schülers , dass er sich dem Studium der 
Theologie widmen wolle, und das Versprechen, dffss er, beziehungs- 
weise seine filtern oder Vormünder , das erhaltene Stipendium za- 
rückzahien werden, wenn er in der Folge dem ausgedruckten 
Zwecke des Stipendiums nicht nachkommen wolle oder k5nne. 
(Letzteres jedoch mit alleiniger Ausnahme, dass Stipendiat durch ein- 
tretende körperliche oder geistige Defecten oder durch Tod gehin- 
dert werden sollte, sich dem geistlichen Stande zn widmen.) 

4) Diese Bittschriften müssen von den Schülern, wie von den filtern 
oder Vormündern zugleich unterzeichnet and denselben legale Vermogens- 
zeugnisse nach Vorschrift der Verordnung vom 6. Sept. 1841, die Be- 
freiung vom Schulgeld betreffend, angeschlossen sein. 

&) Bittschriften , welche nicht den Nr. 2 and 3 angegebenen BesUnt- 



BeiorteBDgett abd Ehrenbaieigimgeo^ 95 

moageii g^muu abgefasst sind , oder den zur Binreiehnng festgesetzten 
Termin yersäujnt haben , hat die Direction sofort anrfiekzQweisen. 

6) Zum fimpfiuige dieser Stipendien können nur Stiidirende loge- 
lassen werden: 

a) ^reiche sich dem kathol. geistlichen Stande widmen wollen und die 
bereits in die IV. Ciasse eingetreten sind ; 

b) deren Qoalification in BezQg anf Betragen und Fleiss nnd Fortgang 
Toilkommen befriedigend ist; 

c) die nicht durch eigene Mittel oder durch sonstige Unterstützung 
ihre Studien bestreiten können. 

7) In der Ferienzeit zwischen Weihnachten and Nenjabr und in der 
letzten Woche dt» Monats Mai haben die Lehrerconferenzen die einge- 
reichten Bittschriften zu prüfen und auf den Grund gegenwärtiger Ver- 
ordnung nnd unter Beachtung der diesseitigen Instruction über die Er- 
theilung der Schulzeugnisse vom 18. Mai 1840 ihre Antrage zu stellen. 

8) Die Liste über die Bewerbungen wicd. vom Director nnd einem 
Mitgliede der Conferenz unterzeichnet^ und sodann sammt den Beilagen 
jeweils spätestens in der ersten Woche des Januar und beziehungsweise 
des Juni dem Oberstndienrathe vorgelegt. Dem Director und der Mino- 
rität der Conferenz steht es frei , ihre Von de^ Majorität abweichende 
Ansichten , rcspective Antrage zugleich zur Kenntniss der Oberatudien«> 
behörde zu bringen. 

9) Die Stipendiaten sind unter die besondere Aufsicht des Directors 
und des betreffenden Classen-Ordinarius gestellt; man erwartet von der 
Diettsttreue und Gewissenhaftigkeit beider, dass sie sich gerne werden 
angelegen sein lassen, auf Weckung und Leitung eines regen wissen- 
sebaftlichen Eifers und insbesondere auf Bildong einer würdigen Gesin- 
nang der St^endiaten hinzuwirken. ^* Insbesondere werden sie darauf 
bedacht sein , dass die Stipendiaten ^ wenn ihre Eltern im Qrte der Stn- 
dienanstalt nicht selbst wohnen, in guten Hausern ihre Aufnahme finden« 

10) Für das laufende Schuljahr haben ausnahmsweise die Vorlagen 
nur einmal* mit Anträgen auf Brtheilong des ganzen Jahresbetrages der 
Stipendien und zwar längstens 14 Tage nach Deginn des Somn^ersohnl- 
halbjahres anher zu geechehen. 

Si€g€l. vdt. Säur. 

Die Stipendiengelddr wurden früher in ganzer 8umme an Schü- 
ler abgegeben, welche zur Fortsetzung ihrer Studien Unterstützung, be- 
durften und durch Fleiss, Fortsehritte und sittliches Betragen sich der- 
selben würdig machten. Darin hat nun der Grossherzogl. kathol. Ober- 
Kirchenrath durch Brlaes d. d. 28. Juni 1850 folgende abändernde Ver- 
fügung getroffen : 

Zur Verhütung onzweckmässiger Verwendung der bewilligten Sti<> 
pendien wird die Verwaltung veranlasst, die eingekommeoen Gelder we- 
der dem Stipendiaten, noch deren Eltern oder Vormündern verabfolgen 
zD lassen, sondern nur auf Vorlage von Rechnungen, zunächst für Kost 
und Wohnung, dann für Bucher und Kleider^ in der Regel an die Gläu^ 
biger selbst Zahlung in leisten. 



96 8oh«|. uid Umvenitf traftciiriekteii, 

Zo dtegem Qehafe wird empfohl«ii , fiir jeden Stipendiaten einen 
Bogen anzulegen , aof welchem onter Bezug auf die dleeseitig« betreffende 
Verfagung die Groase des erhaltenen Stipendinma anangeben nnd sofort 
Jede weitere Auslage nnter Bmpfangsbescheinigung des Stipendiaten sa 
Teneicbnen Ist. 

' Beim EmpFang des Geldes liat der Stipendiat so wie dessen Bltem, 
betiehongsweise Vormünder die Quittung in bisher nblicher Weise cur 
Einhändigung an die betreffende Verwaltung ansxnstellen. 

Oben beseichneter Abrechnungsbogen dient dagegen dem Stipendia- 
ten als Gegenschein. An Anstalten , wo mehrere Stipendiaten sind , oder 
wo der Dlrector sich diesem Geschäfte nicht untersiehen will , bleibt es 
demselben überlassen , solches unter seiner Aufsicht durch ein oder meh- 
rere vertrauensvolle Lehrer besorgen zu lassen ; an evangelischen Anstal- 
ten eignen sich dazu wohl zunächst die IcathoL Religionslehrer. 

Man ist überzeugt, dass sowohl der Director als, die hiermit be- 
trauten Lehrer, ans Liebe znr Jugend und zur Handhabung guter Zudit, 
sich gerne diesem Geschäfte unterziehen werden. Ebenso ist man der 
zuversichtlichen Erwartung, dass ausser diesen Lehrern die Classealeh- 
rer nnd besonders der Religionslehrer mit vaterlicher Sorgfalt anf die 
Stipendiaten wachen und dieselben zu einem lur Aspiranten cum geist- 
lichen Stande geziemenden Verhalten aufmuntern werden. 

Brunner. [:){:] 

CARtSRüHB. Nach dem vor uns liegenden Programm des Gross» 
herzogt, hiesigen Lycenms für das Scholjabr l84d — 50 ist in dem Perso- 
nale der Anstalt weder zn Anfang noch im Laufe des verflossenen Sehnl- 
jahres irgend eine Veränderung eingetreten. Wohl aber war diess der 
Fall in der Innern Binriohtung. Vorerst wurde dieses letzte Scholjahr 
nur die Prima nnd Secnnda des Lycenms in Parallel-Abtheiluogen ge- 
trennt , wahrend im Jahre 1819 diese Trennung auch auf die Tertia sich 
erstreckte. Sodann wurden auf den Vorschlag der Conferenz und Direc- 
tion höheren Orts genehmigt, dass di^enigen 4 Stunden des olassischea 
Unterrichts in Obersexta, welchen früher Geh. Hofrath Zett nnd nach 
dessen Versetzang an die Universität Heidelberg Lycenmslehrer Schmidt 
provisorisch versehen hatte» nunmehr definitiv einem der alteren Lehrer, 
Hofrath Süpße^ übertragen wurden. In Folge dieser Veränderung konnte 
auch die Einrichtung getroffen werden, dass Prof. BodbA, nach seinen 
im Interesse der Sache mehrfaltig geäusserten Wunsche, den griechischen 
Sprachunterricht in drei aufeinander folgenden Classen, namiich in Unter- 
nnd Oberqnarta und Unterquinta erhielt. Nach einer im Herbste 1849 
getroffenen Einrichtung ist Hofrath Süpfle^ onter einstweiliger freiwilliger 
Verzichtnng anf seine Stelle als Rauptlehrer einer Classe , blos in O ber- 
und Untersexta beschäftigt und ertheilt, ausser dem hebräischen Unter- 
richte in diesen beiden Abtheiinngen, den dassischen Unterricht in Unter- 
Sexta neben Hofrath Fseronif, in Obersexta neben dem Director Geh« 
Hofrathe Kärcher. — Prof^ IFe/ftsten hat auch in dem verflossenen 
Schuljahre , wie er schon seit mehreren Jahren gethan (NJahrbb. LVIKI« 



Beförderungen ond Shrenbeieigiingen. 97 

Hft. 4. 6. 415) , den Schnlern der Obersexta mientgeltliclien Unterriobt 
in der Chemie' ertbeilt nod sich dadarch um die Anstalt verdient gemacht 
und deren Dank erworben. — Die Anstatt besuchten in dem yerflosae- 
nen Schuljahre im Gänsen 601 Schüler. Davon kommen auf das eigent- 
liche Lyceum 38^ auf die Lycealvorschule 219. BTangelischer Confes- 
sion sind darunter 349, katholischer 180, Israeliten 72. — Interessant 
ist eine dem Programm beigegebene Znsammenstellung der Scbuleraahl 
des Lyceums Tom Jahre 1825 bis 1850. — Nach derselben beträgt tpni 
Jahre 1825 bis jetzt die Durchschnittszahl für die Lycealclassen allein 
jahrlich 429, für die VorbereitungsdaMe 74, fSr die seit 1838 gegrün- 
dete Vorschule 219 Schuler; die Durchschnittszahl für das Lyceum mit 
der Vorbereitungsciasse 576. Bis zum Jahre 1838 war ^ie Zahl der 
Schuler des Lyceums und der Vorbereitungsschule nie bis auf 600 ge- 
stiegen ; rom Jahre 1838 an bis zum Jahre 1850 betragt sie über 600. 
Am geringsten war die Zahl der Lycealschuler im Jahre 1831 (437), am 
höchsten im Jahre 1847 (671). — Auf die Universitjit wurden im Herbst 
1849 17 Schaler entlassen. Von diesen widmeten sioh 1 der (evangei.) 
Theologie, 1 der Philologie, 3 der Rechtswissensefiaflt, 11 der Medicin 
und l der Landwirthschaft. — Die diessjährige Preisanfgabe zur Feier 
der Oeratner^aehen Si^ung wurde ron dem Director gegeben und biess: 
fyOeeonomia ejuafabulae Sophodeacquae inieribitur Oedipua re» übe- 
riua eoBponatur: nn^utrafiir, guantum Sophodea m haefabuia eomponenda 
Foto tribuerü>** Den Preis erhielt Friedrich Wielandty das Acoessit Carl 
Maurer^ belebende Erwähnung PMlipp Gerber, Das Personal des Ly* 
ceums ist: Ephorus: Hvgeü^ evangei. Prälat, Ministerial- und Oberkir* 
chenrath. Director: Dr. Käreher^ Geh. Hofrath. 1, Lehrer: a) des 
Lyceums: Dr. Kärehery Geh. Hofr., Vterordt, Hofrath, Gockel, Hofratb, 
EiaenUhr, Hofrath, Süpße^ Hofrath, Maurer, Professor, Geratner, Prof., 
Boekh, Prof., Zandt, Prof., Biaainger, Prof., Betfrick, Prof., Schmidt^ 
Lyceumslehrer, Kim, kathol. Religionslehrer, Dr. Hauaer, Lehramtsprakti 
Pfeiff'er, Lehrer der Mathem. , Foaaler, Rudolf, Zeuner, Lyceumslehrer* 
b) Der Lycealyorscbule : Rudolf, s. o., Zetiner, s. Ot, Beck* c) Für be* 
sondere Unterrichtsgegenstande : fSr d. Tuf-nunterr.: Polytechn. fFüÜard: 
für den Zeichenunterricht: Maler Epple; Cur den Gesangunterricht: Hof- 
organist Gaa. Bibliothekar Maurer s. o. 3. Verwaltungsrath : Präsi- 
dent: seit Geheimraths DeimUng''a Tod ein neuer noch nicht ernannt. 
]Mlitglieder: der Lyceumsdirector Dr. ÜTarcAer, Prof. Boekh, s. o., Geh. 
Finanzrath Schmidt, Secretär: Revisor Feaenbedih» Verrechner des 
Lycenmsfonds : Verwalter. ifoltls. — Beigegeben ist dem Programm als 
wissenschaftliche Beilage : „Horaz, Zweite Lieferung, ht die 20. Ode de$ 
L Buchea acht? Von E. Kärcher. Druck der G. Braun*schen Hofbuch- 
drnckerei. 1850. VUI und 16 S. in gr. 8.<< Der Direetor des Lyceums, 
Geh. Hofrath Dr. Käreher, welcher seit mehreren Jahren (NJahrbb. 
Bd. 52. Hft. a. S. 347 und Bd. 55. Hft. 4. S. 443) die Programme der 
Anstalt mit wissenschaftlichen Beilagen ausstattete, hat auch in diesem 
Jahre das Gleiche gethan. In der oben genannten Schrift , welche schon 
im Torigen Jahre druckfertig war, aber der besondera Verhältnisse wegen 

N.Iekrb. A PMUu.Pad.od. KriU Bikl, Bd. LXSh Bfl. 1. 7 



98 ' . \ Schul- und UoiYersitaUnachrichten, 

auf die0€fl Jahr sarackgelegt warde (NJahrhb. Bd. 58. HfU 4. $. 415), 
weist der Verf. die Aechtheit der 20. Ode des I. Baches des Horaz 
nach« Bekanntlich hat Peerlkamp dieses Gedicht als des Horaz unwür- 
dig yerworfen, indetn er es für eine Schnlübong (carmen scbolasticuni) 
erklart. Die Bedenken, welche sich gegen dessen Aechtheit erheben 
lassen and welche grossentheils auch erhoben wurden, sind doppelter 
Natur, hergeholt nämlich zum Theil aus einzelnen Ausdrucken darin, 
andern Theils aus seiner scheinbaren Gedankenleerheit. Um nun diese 
Bedenken zu beseitigen , weist der Verf., zuerst auf das Einzelne einge- 
hend , den inneren Zusammenhang und den folgerichtigen Gang des Ge- 
dichtes nach. So wird in sehr gründlicher Weise über die verschiedenen 
Arten der romischen Trinkgefasse (S. 2 fit.) gehandelt, und auf zwei bei- 
gefugten Tafeln werden Abbildungen derselben gegeben. Namentlich 
wird gezeigt, dass, wenn auch die canihari besonders bei der Bacchus- 
ieier gebraucht wurden und anfanglich wohl grossen Theils von bedeu- 
tenderem Umfange waren, sie dieses nicht immer gewesen (S. 3), und 
dass , wenn diese Gefisse zu Horaz' Zeiten auch etwas ans der Mode ge- 
wesen, ungefähr wie die guten, stattlichen Humpen der früheren Zeit es 
bei uns jetzt sind , ein solches Gefass immer noch in einer Junggesellen- 
Haushaltung, wie Horaz sie führte, seinen Platz gefunden habe (S. 4). 
Und wenn Peerlkamp , so heisst es ferner S. 4, die Erwähnung des Bei- 
falls, der dem Afaeeenos, als er zum ersten Male wieder in das Theater 
kam, Yon den Anwesenden gespendet wurde, ein lejnde factum nennt, so 
hat er wohl nicht daran gedacht , dass Horaz dieses Beifalls auch in einer 
andern Ode (2, 17, 20) Erwähnung thut, an deren Aechtheit zudem selbst 
er nicht zweifelt. — Ein weiteres Bedenken, welches dem gelehrten 
Holländer daraus entsteht, dass Horaz das t in FaiicanuB kurz gebraucht 
habe, beseitigt der Verf. durch eine Reihe you Beweisen, in welchen er 
darthut, dass solche Freiheiten öfter und namentlich in manchen Eigen- 
namen Torkömmen (S. 6)« Darauf geht er zu dem Einwurfe Peerlkamp^ 
aber , dass Horaz das Echo ein Bild des Berges nenne, und zeigt , unter 
Htnweisung auf andere Stellen, dass der Genitiv Faticani montia als Ge- 
nitiv der Ortsbezeichnung , gleichsam a oder ex monte Vaticano (reper- 
cnssa), anzusehen sei. In der letzten Strophe nimmt der Verf. die von 
Doderlein vorgeschlagene Lesart tum for tu zii und weist die Grunde 
für die Richtigkeit dieser Aenderung nach (S. 8. 9). Endlich erklärt 
der Verf. das von Peerlk. angefochtene temperare durch vermischen, 
da in temperare mitunter die Bedeutung des Mässigens verloren ging und 
nur noch die dos blossen Mischens übrig blieb. Der Gedankengang der 
Ode wird (S. 10. U) folgendermaassen angegeben: „Mäcenas soll bei 
Horaz zuerst einen massigen Humpen an sich geringen, aber dadurch 
werthvollen Sabiners leeren, dass dieser Wein bei einer Gelegenheit ein- 
gelegt wurde , die für den Freund und Günstling des Mäcenas besondere 
Wichtigkeit hatte. Zu viel in gewöhnlichem Weine zu thun, wollte 
und konnte das Zartgefühl des Dichters dem verwohnten Gaumen sei- 
nes Freundes nicht zumuthen. Dann erst werde er ihm edlere Sorten 
vorsetzen (tum bibes etc.); die alleredelsten (wie Mäcenas sie gewohnt 



Belorderongen and BkrMibMeifttgen. 99 

sei) babe er freilidi nicht.'' -— Die ganze Sebtift Ist mit eben to grSnd- 
lieber Gelehrsamkeit aU grossem Scharfsinne abgefasst und ist, wie die 
erste Lieferong (NJahrbb. Bd. 55. Hft. 4. 8. 443), ein höchst schätzen«- 
wertber Beitrag zor Brldärung des Horaz. Wir glauben deeshalb auch 
den Wunsch aussprechen zu dürfen , dass es dem würdigen Verfasser ge- 
fallen möge f den beiden ersten Lieferungen recht bald eine dritte folgen 
zu lassen. [#] 

Ehingen. Hier erschien als Einladnngsscbfift zu der Feier des 
Gebnrtsfestes Sr. Maj. des Königs Wilhelm von Wurtemberg und zum 
Schlüsse des Schuljahres an dem Gymnasium zu Ehingen an der Donaa 
▼on Prof. Oswald folgendes Programm : Die Nomina $aegolaia und paia- 
ehata» Ulm 1850. Druck der Wagnerischen Buchdruck erei (J. A. Wal- 
ter). 4. — Wahrend in anderen deutschen Staaten mehrfach die Rede 
davon gewesen ist, den hebräischen Sprachunterricht den Gymnasien 
nicht femer zu belassen , sondern ihn einzig and allein den Hochschulen 
zuzuweisen , ist man im Königreich Wurtemberg sich in dieser Hinsicht 
consequenter geblieben. Wir verdanken diesem Bestreben mehrere 
grondUcbe Abbandlungen, welche für die Beibehaltung des erwähnten 
Lehrzweiges an den gelehrten Anstalten geschrieben worden sind. Die 
Berliner Gymnasial- Zeitschrift hat sich hierüber recht auMührlich, wie 
bekannt, ausgesprochen. — Auch die vorliegende Schrift des Professor 
Oswald am Gymnasium zu Ehingen an der Donau bestätigt die Behaup- 
tung des Referenten. Die Nomina paegolata und patachata »ind zunächst 
lexicograpbisch geordnet und terdient die Anordnung in systematischer 
und kritischer Hinsicht eine belobende Anerkennung. Ref» hat sich über 
die Wichtigkeit dieser Formen , über den Zusammenhang einzelner der- 
selben in Mutzell's Zeitschr. f. d. Gymnasialwesen. Aug. und Sept. 1849, 
ausgesprochen. Als unwesentlich hat der Verf. die Eigennamen und die 
grossere Anzahl derjenigen Feminina auf n-^ oder n-^, die von Participien 
gebildet sind, ferner die v. V. hV, z. B. *^*^a nicht erörtert« 

Wichtig iet (S. 27) die Uebersicht derjenigen Wörter, welche eine 
verschiedene Formbildung zulassen , wie Sl^M und rntt u. s. w. ««-^ S. 30 
Rückblick auf die Graremat. von Gesen« (-^ S. 31), enthält Ausstellungen, 
welche auch bereits Ref. in seinen mehrfachen Beurtheilungen der ver- 
schiedenen Ausgaben dieses Sprachwerkes gemacht hat. Die von S« 31 
— 39 beigefügten „linguistischen Bemerkungen** von Rector Wocher ver- 
anschaulichen „die besondere Anwendung der phonologischen Methode 
auf das hebr. Sprachleben'* auf eine sinnreiche Weise. Einzelnes be- 
treffend bemerkt Rec. nur Folgendes. Bei *|aM ist 3 Mos. 1, 16 und Jer. 
18, 3 D'?9^Kn richtiger mit „testiculos" zu übersetzen. Vergl. zu dieser 
Stelle Maur. Comm. etc. (Jerem.) p« 584 „Insignem vero similitodinem 
tibi nostrates praebent, qui et ipsi testiculos die Steine vocant.** Bei 
MtDM beisst es — st. constr. aber diese Form ist auch der eigentliche st. 
absöl. (Ges. tbes. p. 87), z. B. 1. Sam. 28, 7. — S. 23 wäre bei »ti zn 
bemerken gewesen (z. B.) D'^^aV) für B^SJ^«^ (eben so auch schon früher 
bei 'H^ die Abweichung t^*?)^^; '^Q ist übergangen worden). S. 37 
bn'K. 'rcc. bemerkt hierüber: der pl. &*^V;$ i^t distribntivum, „viele ver- 

7* 



100 Schal- and UniTersitSUnachrichten, 

schiedene Zelte'* (▼ergl. bina castra und dergl.) ; tfit^ bezelclinet coU 
lectiWsch: die Wohnung; daher in der Redensart Ti)rvti ti^M la aber* 
setaten ist : Jeder nach seiner Wohnung. — Was den „Rockbltck^* ba- 
trifft, so ist auch vom Ref. schon früher wegen der Form 'rfyo bemerkt 
worden , das« hier, wie es im „Lehrgebäude'* geschehen iat , angegeben 
werden mosste VI. a. «) "r^yn (-), ß) laj? (t), y) S=n (-). — Die lin^ 
guistischeu Bemerkungen vom Rector Wocher veranlassen sa Nachfol- 
gendem. ^ 

Die Sprache wird als „lauteres Leben^' auch als hebräische Sprache 
betrachtet. Aas diesem Grunde bemaht sich der Verf. den Grand der 
verschiedenen Vocalisation der Saegolata nachzuweisen und stellt ange- 
messene Vergleichung an mit alten und neuen Sprachen. Hierdurch 
kommt er auf eine Att r actio n der Laute. Bs wird (S. 34). nach- 
gewiesen, wie die vorgesetzten Serviibuchstaben auch hier ihren ent- 
schiedenen Einfluss auf eine veränderte Vocalisation ausgeübt haben. 
Gerügt wird hier, wie auch schon von anderer Seite' geschehen ist, 6e- 
senius' Ansicht , dass nur ein Zufall oft eine veränderte Vocalisation her- 
beigefihrt habe. Sicher waltete hier ein organisches Gesetz vor. Ref. 
wurde hier auch noch auf Formen wie Dm für Wü hinweisen. Der Vor- 
Satz, hier in den Grenzen einer kurzen Anzeige zu bleiben, behindert ein 
ausführlicheres Besprechen des Erwähnten, und kann nur bemerkt wer- • 
den, dass dasjenige, was der Verf. von der „Naturbelauschnng'' beim 
Auffinden der Vocale vor suffixis sagt, gewiss beachtuiigswerth ist. — Jedoeh 
wäre es auch .interessant gewesen , hier (S. 36) bei Erwähnung doppel- 
ter Formen , wie *l'ia und "n , auf die nuancirte Bedeotung aafmerksam 
zu machen. So heisst z. B. pai9 Tiefe und ps9 Thal (vergl. Bwald*s 
ausfuhrl. Lehrb. der hebr. Spr. 1844, p. 281), Schliesslich resultirt der 
Verf. aus den Vergleichungen der respectiven Nomina mit anderen Rede- 
theilen , besonders mit dem Verhum, die Richtigkeit der „Masorethischea 
Vocalpunctation.*' In einer Anmerkung wird eines ähnlichen -Programms 
(Stettin 1845, geschrieben von Dr. FrUdiander) Erwähnung getban and 
das Beißllige , so wie das Auszustellende bemerkt. 

Der Jahresbericht kundigt die Festrede an über das Tliema: ^^Dk 
ge»ehkhtUehe Aufgabe DeuUMandt alt der Centralmaehi Europe^g tm Hin- 
blick mtf die poütiteh'kireMiehe Beziehung dee OeeidenU zum OrienV^ vom 
Präceptor Baid. Eingeführt ward : die dupuische Zeichenmethode ; die 
Bibliothek ist durch Vermächtniss sehr vermehrt. Dr. Halder hat eine 
wissenschaftliche Reise angetreten und sein Amt verwaltet Dr. Anii|Ml. 
Far den etc. Abgeordneten Fejfl fungirten Dr. Rieea und Schalamtscand. 
Kurs. Präceptor Haid von Bllwangen abernahm die neugebildete Lehr- 
stelle der 5. Classe. Für den Präceptor Feyt ist der Lehrer Baur von 
Pelldorf ernannt worden. Die Gehaltserhöhungen treten für mehrere 
Lehrer „etatsmässig^^ ein. Das untere Gjmnasinm zählte 83, das obere 
109 Schüler. 

Mtthihausen in Thüringen. Dr. MüUberg. 

FREiBmo IM Bebisgau. Im Lehrerpersonale sind auch in diesem 
Schnljahre (1849 — ^1850) , wie es im vorigen der Fall gewesen (NJahrbb. 



Beförderungen und Bhrenbezeignngeii. 101 

Bd* 58. Hft. 4. S. 419 und 430) mehrere Veranderaogea eingetreten. Noch 
vor dem Beginne des Unterrichtes wurde Prof. Sckerm soro ersten Lehrer 
und Direetor des Gymnasinms in Bruchsal und Prof. CAaton zum Vor- 
stande der höheren Bürgerschule in Ueberlingen ernannt. Die hierdurch 
erledigten Stellen wurden einstweilen provisorisch besetzt durch Beru- 
fung des Pfarrers Neummer in IWesheim ond* des Prakticanten SehndU^ 
der an der höheren, Burgerschule in Ettenheim lehrte« — Gegen finde 
Octobers 1849 wurde Reallehrer Ekari von dem Lyceura an die höher» 
Burgerschule dahier versetzt u. hatte den Reallehr. KtUer^ welcher von der 
höheren Bürgerschule in Baden-Baden kam, zu seinem Nachfolger. Am 
26. Febr. 1860 verliess Prakticant Dr. Jülg die hiesige Anstalt, um ein 
Lehramt an dem Ljrceum zu Heidelberg provisorisch zu übernehmen« An 
dessen Stelle trat Prakticant Ehle, der zuletzt an dem Lyceum in Con- 
stanz beschäftigt war, ein. Den natnrhistorischen Unterricht besorgte 
iiv diesem Jahre mit Genehmigung des grossherzogl. Oberstudienrathes 
der Lehramtscandidat Dr. Garienhauter, Dem Lehrer Reinhard ist Titel 
und Rang eines Professors verliehen worden. — Der grossherzogl. ka- 
tholische Oberkirchenrath wies von der für landesherrliche theologische 
Stipendien bestimmten Summe von 18,000 fl. für das Jahr 1850 dem hie- 
sigen Lyceum 6,325 fl. zu. — Von den Schülern , welche um Befreiung 
von der Entrichtung des Didactrums nachgesucht haben, wurden 160 ganz 
und 30 zur Hälfte befreit, — « Am Schlüsse des vorigen Schuljahres be- 
fanden sich an der hiesigen Anstalt 402 Schuler. Von diesen wurden 
ans Obersexta 34 zur Universität entlassen. Von diesen studiren 14 Theo- 
logie, 7 Jurisprudenz, 11 Medicin, 2 Philologie. — Die Schulerzahl des 
Lycenms im Schuljahre 1849 — I8ö0 betrug 470. ' Von diesen waren am 
Schlüsse des Schuljahres noch 441 anwesend. In der Gesammtzahl der 
Schüler waren 413 Katholiken, 52 Protestanten, 5 Israeliten. Answär- 
iige Schüler besuchten die Anstalt 258. Zwei fleisstge und gutgesittete 
Schuler wurden der Anstalt durch den Tod entrissen. — Das Personal 
des Lyceams ist: Ephorus: Geh. Rath, Dorocapitnlar und Professor Dr. 
von flJrscAer. Direetor: Hofrath IVolrit. Lehrer: a) Lehrer, welche der 
Anstalt ausschliesslich angehören: Prof. Duffner, Prof. Reinhard^ Pfarrer 
NeuMoier^ die Lehramtsprakticanten EbUj IVorier^ K-appeUf ^cAnittt und 
SehUgeL^ und die Lycenroslehrer Baumgartner und Keller, b) Lehrer, 
welche nicht aasschliessend dem Lyceum angehören, sondern nur einige 
Stunden an demselben unterrichten : Direetor und Professor (an der hiesi« 
gen höheren Borgerschule) Dr. Frick, Pfarrvicar Zewner y Maler Ge9»- 
ler^ Lehramtscandidat GarienhauBer, Bibliothekar: Prof. Duffner, Ver- 
waltnngsrath. Präsident: Regierungsrath Bannwarih, Mitglieder: Hof- 
ratb Nokk^ Prof. Reinhard^ Handelsmann Gä$$^ Gemeinderath Hauer, 
Secretar: Hofgerichtssecretür Jäger, Verrechnor des Lycenmsfonds: 
Verwalter Rasenhqfer. — Die wissenschaftliche Beilage zu dem Programm 
hat den Direetor der Anstalt, Hofrath Nokk^ zum Verfasser und ist be- 
titelt: „Eakitd's PAaenomene. Uebersetzt und erläutert von ji. Nokk. 
Freiburg , 1860. Gedruckt bei Franl Xaver Wangler. 59 S« in gr. 8. 
mit 3 Tafeln/* Diese Schrift ist rfn »ehr schitzbarer Beitrag zur Kunde 



IQ2 Schul- «nd Universitatsnachriditen, 

der alten Mathematik and schliesst sich an die ron dem Verfasser früher 
herausgegebene Abhandlung über ,ydk Sphärik des TheodoBUu'^ an, wel- 
che im Jahre 1847 als wissenschaftliche Beilage za dem Programme des 
Brnchsaler Gymnasiums (NJahrbb. Bd. LH. Hft, 4. S. 440) — dem der 
Verfasser damals als Director vorstand — erschienen ist. Beide Schrif- 
ten stehen aber in so enger Verbindung mit einander , dass derjenige, 
welcher die Phänomene verstehen will , sich vorher mit der Sphärik des 
Theodosins vertraut gemacht haben muss. Die Gelehrten der neaeren 
Zeit pflegen die Schrift, wenn sie derselben Erwähnung thun, gewöhn- 
lich unter dem Titel: ^tttv6(ieva oder 'AqxüI datQOvo^iag^" anzufahren. 
Doch dieser Zusatz ist unrichtig. Es kennen ihn weder Pappua noch 
Marinua^ weder Zamftcrti noch Gregors (vergl. S. 42). Sind die Phä- 
nomene schon au und für sich schätzbar, so haben sie für die Geschichte 
der Mathematik besondem Werth, weil wir aus ihnen allein die gana 
eigenthümliche Methode kennen lernen, welche Männer wie Ar\»ioit\^^ 
JutolskuB, Euklidea anwandten, nm Sätze aus der sphärischen Astro- 
nomie zu beweisen. Auch die Alten schätzten diese Schrift des EukUd 
sehr hoch. Dieses lässt sich, wie der Verf. S. 40 mit Recht sagt, aus 
dem Umstände ermessen, dass Pappus im 6* Buche seiner Sammlungen 
sie erläuterte und ergänzte: eine Ehre, die nur den Werken, welche da- 
mals allgemeine Geltung erlangt hatten', widerfuhr. Auch andere Ma- 
thematiker gaben von diesem oder jenem Satze neue Beweise und schrie- 
ben sie in ihr Exemplar von den Phänomenen ; daher die fremden Zusätze, 
welche wieder auszuscheiden der Verf. sich zu seiner Aufgabe machte 
(S. 41). — Den erbten Versuch , diese Schrift ins Lateinische zu über- 
tragen^, machte nach dem Wiedererwachen der Wissenschaften BarA, 
Zamberti\ allein er war dem Unternehmen nicht gewachsen. Sie er- 
schien zuerst in Venedig 1505 mit der lateinischen Uebersetznng sämmt- 
Ifeher Werke EukUtTa von ZambertL G.Inngener ist die lateinische Ue- 
bersetzung , welche Joseph Awria von den Phänomenen allein fertigte und 
zu Rom 1591 drucken Hess. Dib Urschrift selbst ist vollständig nur ein 
einziges Mal im Druck erschienen in der Gregory'schen Gesammtaus- 
gäbe, Oxford 1703 fol. mit AwMe lateinischer Uebersetzung. Seit 
Gregory ist nicht das Geringste mehr weder für Berichtigung des Textes, 
noch für die Erklärung des Inhaltes geschehen. Es ist also das Verdienst 
des Verf. um so mehr anzuerkennen , dass er diese Schrift in das Deut- 
sche übersetzt und in grundlicher Weise erläutert hat. [:tt^] 
L'^ HfiiDELBERO. [Universität.] Von den Vorlesungen, welche im Win- 
terhalbjahre 1850 bis 1851 auf der hiebigen Universität gehalten werden, 
glauben wir folgende als für den Kreis der Jahrbucher geeignet anfuhren 
zu müssen: Bäkr (Geheim. Hofrath u. Oberbibliothar) i Anleitung zum 
lateinischen Stil mit schriftlichen Uebungen, in Verbindung mit der Er- 
klärung von Cicero de oratore. Encyklopädie der Philologie in Verbin- 
düng mit der Brkläroog von Aeschylüs Prometheus. Erklärung eines 
griechischen Schriftstellers In lateinischer Sprache, nebst lateinischen 
Disputationen und griechischem Stil. — Zell (Geh. Hofrath); Römische 
Aiterthumer, durch Römische Inschriften oriäuterU Aristotai«^ Politik. 



Befordernngen und Bhrenb<»zeigiingeD. 103 

Gymaasiaipadagogik mit praktischen Uebongen. — Ka^r (aosserordentl. 
Professor) : Interpretation von Plantus Milea. Griechische Antiquitäten. 
Erklärung Ton Sophokles Oedipus Kdnig, Trachinierinnen ond Philokte- 
tes. Rhetorische Analyse der schwierigem Reden Cicero's. — ümbreü 
(Geheim. Kirchenrath) : Einleitung in das alte Testament. Erklärung 
der Psalmen. Praktische Auslegung ausgewählter Stellen des alten Testa- 
ments. Uebongen im Interpretireo des Propheten Micha. — Hotmo (aus- 
serordentl. Professor) : Erklärung der Sprüche Salomo^s« Unterricht in 
der hebräischen und arabischen Sprache. — Weil (ausserordentl. Pro- 
fessor): Arabische Sprache. Beidhawi^s Commentar zum Coran, Er- 
klärung des Gulitftan von Sadi. Privatissima in der hebräischen, arabi« 
sehen , persischen und türkischen Sprache und Literatur. — Ruth (Pri- 
' yatdocent) : Erklärung von Dante^s Inferno. Geschichte der italienischen 
Poesie bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. — Heiiner (Privatdocent) : 
Aesthetik. Geschichte der Poesie und der bildenden Künste von Got- 
sched und Raphael Mengs bis auf die Gegenwart. — Gaspe^ (Privatdo- 
Cent): Sbakspeare^s Henry IV. Shakspeare's Othello, Merchant of Venice, 
King Lear. Privatissima in englischer Sprache. — Hofmann (Collegien- 
rath und Professor): Vergleicheode Grammatik mit besonderer Berück- 
siohtigung des Griechischen ond Lateinischen. — ^cAIosser (Geh. Rath): 
Neueste Geschichte von 1815 bis 1846. — Kortüm (ordentl. Professor): 
Romisehe Geschichte. Neuere Staaten- und Völkergeschichte von 1600 
bis 1789. Deutsche Geschichte von 1803 bis 1848. — HäuBMer (ordentl. 
Professor): Geschichte der europäischen Staaten von 1617 bis 1789. 
Deutsche Geschichte. Geschichte der deutschen Freiheitskriege von 
1809 bis 1815. — ' Freiherr von ReUshUn-MMegg (ordentl. Professor): 
Logik nebst Einfeitung zur Pliilpsophie. Psychologie mit Einschluss der 
Somatologie des Menschen und der Lehre von Geisteskrankheiten. Ge- 
schichte u. Kritik der Philosophie. Ueber Goetbe^s Faust. — Roth (ordentl. 
Professor): Psychologie. Geschichte der alten Philosophie. Sanskrit- 
grammatik mit Interpretation des Nalus. — Sehweins (Geh. Hofrath): 
Reine Mathematik. Ueber die neuere Methode in der Geometrie. Ana- 
lytische Geometrie. Differential- und Integralrechnung. •— jimeih (Ly- 
ceal-Professor): Anleitung zur AuRösong geometrischer Aufgaben. Tri- 
vatissima ober alle Theile der Mathematik. — Leger (ausserordentl. 
Professor): Archäologie und Geschichte der Architektur. Heraldik. — 
von Leonhard (Geh. Rath) : Mineralogie, Geognosie und Geologfe , oder 
Naturgeschichte des Steinreiches. Conversatorium und Examinatoriom. 
Die Lehre vom Bergbau. — Leonftord (Privatdocent): Mineralogie und 
Geologie des Grosshertogthums Baden. Vulkanenlehre. Privatissima 
aber Mineralogie ond Geologie. — Blum (ausserordentl. Professor): 
Oryktognosie oder specielle Mineralogie. Bergbaulehre. Praktische Ue- 
bongen im Bestimmen einfacher Mineralien. Examinatoriom aber Geogno- 
sie und Geologie mit praktischen Uebungen im Bestimmen der Felsartea 
verbunden. Privatissima über specielle Mineralogie und Geognosie. — 
Bronn (Hofrath): Geschichte der Natur. Specielle Petrefacten-Kunde. — 
Bmhoff (ordentl. Professor) : Anatomie und Physiologie der Pflanzeu« 



lOA Bchnl* und Uaiverntatsnacbricbien, 

Nfttargetchtchte der krjptogamiadien Gewachse. — AfeMennw (PHvat- 
Pocent) : Anatomie ond Physiologie der Gewachse. Ueber kryptogani- 
sehe Gewächse. — • Joll^ (ordentl. Professor) : Experimentalphysik. Tech- 
nologie. Uebangen im physikalischen Laboratorium. -^ Gmelin (Geheim, 
Hofrath)e Organische Chemie. Praktische Anleitang zur chemischen Ana- 
lyse. Praktische Anleitung cur Darsteilang pharmaceatischer und anderer 
chemischer Präparate. 

Das philologische Seminarinm, welches unter der DIrection 
des nm die Alterthnmswissenschaften und die Bildung für dieselben hoch* 
TOrdienten Geheimen Hofrathes Dr. Bahr hier besteht, aählt in diesem 
Semester, wie auch in dem vorigen (N. Jahrbücher Bd. LIX. Hft. 4. S. 
447) I awanzig ordentliche Mitglieder. Mit rühmlichem Fieisse nehmen 
diese an allen mündlichen und schriftlichen Uebnngen Antheil. Die zur 
Uniyersitat gehörigen Anstalten, nämlich das Modellcabinet, das physika* 
lisehe Cabinet, das chemische Laboratorium , der botanische Garten, die 
im Grossherzoglichen Schlossgarten angelegten land- und forstwissen- 
schaftlichen Plantagen, das zoologische Cabinet, das anatomische Theater 
und die Klinik für Medicin, Chirurgie und Geburtsbölfe , werden nicht 
nur bei den Vorlesungen benutzt, sondern können auch ausserdem auf* 
Anmelden bei den Vorstehern derselben too Reisenden gesehen werden. 
— Die Universitätsbibliothek ist Mittwochs und Samstags von 2 bis 4 
Uhr, an den übrigen Wochentagen von 10 bis 12 Uhr geöffnet. *- Ueber 
den sittlichen Zustand der Studirenden wird das Ephorat, in dessen Ge- 
schäftskreis die Aufsicht über die Sittlichkeit nnd den Fleiss der Akade- 
miker gehört, sich mit den Eltern und Vormundern in Correspondens 
setzen. 

Nach dem Adressbuche der Universität betragt in dem laufenden 
Winterhalbjahre die Anzahl der Studirenden: 

Ausländer. Inländer. Im Ganzen« 

1) Theologen, immatricnlirte nnd 

Seminaristen ..... 4 46 50 

3) Juristen 275 74 349 

8) Mediciner, Chirargen u. Phar- 

macenten 48 40 88 

4) Cameralisten 8 26 34 

&) Philosophen nnd Philologen 14 22 36 

Siim-na 349 208 ! 557 " 

Ausserdem besuche^ die akademi- 
schen Vorlesumgen noch 
Personen reiferen Alters . '. 6 4 . 10 ' 

Conditionirende Chirurgen und 

Pharmaceuten .... 7 6 13 



Gesammtzabl 580 



Beförderungen and Ehrenbeieigungen. 105 

Im vorigen Semester (N. Jahrbb. 
Bd. LIX. Hft. 4. S. 447) betrog 
die Snmme der immatricalirten 

8tndirenden 1 — 5 ... 342 180 522 
Die Anzahl bat aich daher ver- 
mehrt um 7 28 35 

Die Groflfiherzogliche Regferong bat mit dem Bergrathe Dr, Sekü- 
Ur in Jena einen Vertrag zur Erwerbung seiner unermesslichen auf 
80,000 Thlr. geschätzten MineraliensammJung nbgesch Jossen, wel- 
che dieser im Verlauf vieler Jahre theils persönlich im östlichen und sud- 
lichen Europa und in Kleinasien zusammengebracht, theils im Tausche aus 
allen Weltgegenden erworben bat« Die Regierung zahlt für diese Samm* 
lang, welche reich ist an seltenen, materiell wie wissenschaftlich werth- 
vollen Stocken, nur eine Leibrente von 1000 Thlrn. jährlich und fünf 
Jahre anch in dem Falle, dass der Eigenthümer nicht so lange leben sollte. 
Jedoch bat derselbe zur Bedingung gemacht, dass diese jSammlung selbst- 
ständig aofcestellt werde , seinen Namen trage und dass ihm selbst bei 
der Art der Anfstellong eine Mitwirkung vorbehalten bleibe. Die Samm- 
lung' ist bereits hierhergebracht worden und wird in zwei grossen Sälen 
deB Universitatsgebäudes aurgesteilt werden. [:|t] 

Hambo&G.* Von dem Johanneum schied wahrend des Schul« 
Jahres Ostern 1849 — 60 der Zeichenlehrer HardorffaQs, Erfreulich wa- 
ren die längst wnnschenswerthen wohlverdienten Gehaltserhöhungen der 
Collaboratoren Dr. Meger^ Dr. Laurent und Dr. Füeher^ so wie die Er- 
theilung des Titels ordentlicher Lehrer. Die Schnlerzahl betrug im Som- 
mer 1849: 121, im darauffolgenden Winter 117 (12 in L, 35 in IL, 28 
in HL, 10 in IV., 16 in V., 16 in VL). Zur Universität wurden Ostern 
1850 5 entlassen« Den Sohulnachrichten voraas steht : Beiträge zur Kritik 
des Thuofdidee vom Prof. Dr. Frz, Wolfg, Ulrich. Erste Abthl. (43 S. 4.). 
Bei der Wichtigkeit dieser Abhandlung halten wir eine besondere Be- 
sprechung derselben in Verbindung mit den 1846 erschienenen Beiträgen 
zur Erklärung des Thue. für nothwendig und hoffen nächstens eine solche 
aus kundiger Feder zu geben. [D,] 

Helmstedt. An dem dasigen Gymnasium ging in dem Schuljahre 
Ostern 1849 — 1850 keine Veränderung vor , als dass der Subconrector 
Dr. Sehütte längere Zeit auf einer wissenschaftlichen Reise nach Paris 
abwesend war. Zar Universität gingen 2 Primaner. Die Schiilerzahl be- 
trug in I: 10 — 7, in U; 14—7, in III: 29, in IV: 29, zusammen 
82 — 72. Das Ostern 1850 aasgegebene Programm enthält 3 Entlassunga- 
reden von dem Dir. Dr. it. P, Beaa , gehalten in den Jahren 1846 — 1849 
(15 S« 4.), welche sowohl in formeller, als materieller Hinsicht der Be- 
nutzung und Lecture würdig sind. [D.] 

Hebfo&d. Es liegen uns die Berichte vom dasigen Friedrichs- 
gymnasium über die Zeit von Ostern 1848 — Michaelis 1850 vor. Dass 
in diesem längeren Zeiträume im LehrercoIIeginm keine weitere Verände- 
rung vorkam, als dass die Vorschule vom 1. Sept. 1818 — 1. April 1849 
vom SchnlamtfcandidAten B, Stocker geleitet wurde | dann aber der fru« 



106 Schal- und UulversitaUnachrichten, 

here Lehrer Candidat A, 2?« Bock wieder eintrat, verdient als ein selte^ 
ner glücklicher Umstand hervorgehoben su werden. Die Scholerzahl be- 
trug Ostern 1848: 129 im Gymn., 14 in der Vorsch. ; Mich. l848 im 
Gymn. 120, in der Vorsch. 21; Mich. 1849: 122 im Gymn., 17 in der 
Vorach., im Sommer 1850: 102 im Gymn., 21 in der Vorschule. Abitu- 
rienten waren Ostern 1848: 3, Mich. 1848: 2, Oätern 1849: 5, Ostern 
1850: 12. Die schwierige Aufgabe, den Beginn des Schuljahrs von Ostern 
auf Michaelis zu legen , demnach zwei volle Jahrescurse in l^^ Jahren zu 
vollenden, wurde ^IScklich gelost. In dem Programm Mich. 1849 ist 
enthalten : Da» Maltfattische Problem, Beweis der SieinerUehen Auflösung, 
Von dem Oberlehrer A. Quidde (18 8. 4. u. 4 Figorentafeln). Der Hr. 
Verf. fühlte sich von der durch Adams zu der eleganten Construction von 
J. Steiner gegebenen Analysis nicht befriedigt, weil sie nicht rein plani- 
metrisch, sondern auf eine Gleichung zweiten Grades gestutzt ist. Er 
giebt daher eine rein planimetrische und , wenn die vorbereitenden Satze 
einmal bekannt sind, zugleich einfache und abersichtliche. Das Mrch. 1850 
aasgegebene Programm enthalt: Die circenmchen Spiele der ^mer, Bine 
Abhandlung von Prof. H. fFeriher. Vierte Abtheilnng (21 S. 4.). Die 
beiden ersten Abtheilungen sind in diesen Jahrb. Bd. XLVII. S. 232 be- 
sprochen , die dritte im Programm von 1847 mitgetheilt. Mit der schon 
aus den früheren Abtbeilungen hinlänglich bekannten Gründlichkeit selbst- 
ständiger Forschung in den Quellen und den Abhandlangen früherer Ge- 
lehrten schildert der Hr. Verf. in der vorliegenden Abtheilnng den ei- 
gentlichen Hergang der Spiele and knüpft daran ernste Betrachtangen 
über die durch jene genährte Verderbniss des Volkes. Dass er die Stei- 
len vollständig angiebt und selbst nicht zur Sache zunächst gehörige kri- 
tische Bemerkungen macht, erleichtert angemein den Gebrauch. Wohl 
brauchen wir nicht noch erst beizufügen , dass die Abhandlung zum Ver- 
atandnisse vieler Stellen der Alten ond zur Bestimmung der Bedeutung 
vieler Worte sehr Schatzenswertbes bietet. [Z^.] 

Mannheim. Das Schuljahr wurde vorschriftmassig am 1. October 
1849 eröffnet, wobei sich eine ziemliche Abnahme der Scholerzahl heraas- 
steilte, welche theils in der ungewöhnlich grossen Zahl von Abiturienten, 
theils in der Furcht vieler aoswärtigen Eltern vor der damals herrschen- 
den Cholera, theils dem in den Zettvcrbältnissen begründeten, verminderten 
Andränge zu den Universitatsstudien überhaupt ihre Erklärung findet. 
Durch Briass des Grossherzoglicben Oberstudienrathes vom 5. November 
1849 worde die wegen Augenleidens von dem Director, Geheimen Hof- 
rathe Dr. PfüssUn , an den aiternirenden Director, Hofrath Gräff^ auf un- 
bestimmte Zeit geschehene Abtretung der Geschäfte bei der Lyceoms- 
fondsverwaltong genehmigt , und durch Briass vom 12. November 1849 
mitgetheilt, dass nach Beschlusa des Grossherzogl.Ministerinms des Innern 
T. 26. Octbr. 1849 die durch das Ableben des Regierangsrathes von Adelg- 
heim erledigte Stelle des Vorstandes des Verwaltungsrathes für den Ly- 
ceumsfo.nd dem Regierungsrathe von Stengel übertragen sei. Zu dem Au- 
genleiden, welches den Geh. Hofrath NiUsÜn genothigt hatte, einen Theil 
leiaer Geachafte abzutreten , kam um Weihnachten eine innere Krankheit 



Beforderongea and Ehrenbezeignogen« 107 

hinza, tod welcäer sich derselbe nur langsam erholte. Dieses bestimnite 
den tokta die hiesige Anstalt hochverdieuten Mann , welcher ihr seit der 
Grnndang durch den nnvergesslichen Grossherzog Karl friedriek als 
einer der alternirenden Direcioren wahrend 43 Jahren seine besten Krifte 
mit nie ermüdendem Eifer und seltenem Erfolge gewidmet hatte, was in 
dem dankbaren Andenken seiner vielen 8chuler »tets fortleben wird, nach 
Vollendung seines siebenzigsten Lebensjahres und nach einer sieben und 
▼ierzigjährigen Lehrerthätigkeit am seine Zurohesetzong zu bitten , zu 
welchem allen seinen CoUegen unerwarteten Schritte ihn besonders die 
'Wahrnehmung trieb , dass er die bisher noch nie geschwächte Liebe zu 
seinem Berufe in sich erkalten fohlte. Die hohe Behörde, Yon der gewiss 
richtigen Ansicht ausgebend , das» das Ausscheiden des ältesten Lehrers, 
der mit allen Entwickelungen und Erlebnissen des Lyceums seit 1807 so 
▼ertraut ist und 'selbst so regen Aniheil daran genommen hat, dass .ihm 
die Angelegenheiten desselben zu einer wahren Herzensangelegenheit ge- 
worden sind, ein schwerer Verlust für die Anstalt sein wurde, und dass 
mit den wiederkehrenden Kräften des Korpers auch die augenblickliche 
Missstimmong sich beben könnte , machte in so freundlichen und ehrenden 
Ausdrücken das Anerbieten eines Urlaubs auf unbestimmte Zeit, dass 
Geheimer Hofrath NiusHn sich demselben nicht entziehen zu dürfen 
glaubte. 8o wurde denn dieser der Anstalt drohende schmerzliche Ver- 
lust fürs Erste abgewendet j doch, ehe noch der Director seioen Urlaub 
antreten konnte, musste die Anstalt einen der verdientesten Lehrer aus 
ihrer Mitte scheiden sehen. Professor Hertldn nämlich , der noch nicht 
volle zwei Jahre an der Anstalt als Hauptlehrer der Unter-Seita wirkte, 
hatte sich aus Gesundheitsrücksichten um die erledigte zweite Lehrerstelle 
am L^cenm zu Wertheim beworben, wo derselbe vor seiner Anstellung 
in Mannheim seit 18'25 gelehrt und ein gesegnetes Andenken hinterlassen 
hatte. Seine Präsentation erfolgte von Seite der ITürstl. Löwensteinischen 
Sammtherrschaft und erhielt nach höchster Entschliessong Sr, KönigL 
Hoheit des GrouherzogB au8Gre8sherzogl.Staatsminifiterium vom 30. März 
1850 die^ Staatsgenehmigung. Mit seiner wenige Wochen nach Ostern 
erfolgten Abreise verlor das Lyceum einen Lehrer , der mit grundlicher, 
durch schriftstellerische Leistungen bewährter Gelehrsamkeit eine seltene 
Pflichttreue, mit ernster Gesinnung die liebenswürdigste Anspruchlosigkeit 
nnd Bescheidenheit zu verbinden wusste. -~ Durch denselben Erlass dej 
Grossherzoglichen Oberstudienraths vom 10. April 1850, in welchem die. 
Versetzung des Prof. fierllein mitgetheilt ist, wu^de die Lyceumsdirection 
in Kenntniss gesetzt, dass für die erledigte Lehrstelle Lehrer Deimlmg am 
Pädagogium zu Pforzheim an das hiesige Lyceum, jedoch mit verändertem 
Geschäftskreise, versetzt worden sei; Diese definitive Anstellung des reich 
begabten jungen Lehrers erweckte grosse Zufriedenheit, da Hr. Lyceums- 
lehrer Deimlmg schon vor einigen Jahren aushilfsweise an der hiesigen 
Anstalt gewirkt und durch sein Wissen, Wollen und Können zu den schön- 
sten Erwartungen für das Lyceum berechtigt hatte. Derselbe über- 
nahm als Hauptlehrer die Unter- Quinta/, während Professor Behaghel als 
Ban^tlefarer ia die Unter- Sexta eintrat; indem diese Einrichtung dei»«- 



108 Schul- and Umversitatsnachrichiaii,. 

wegen ata die geeignetste ecschien , weil ao in den fibrigen Ciaseen keine 
Aendernngen eintreten muflsten, was mitten im Scbaljahre stets ^eine miss- 
liebe Sache ist. . Durch einen Brlass des Grossherzoglicben Oberstndien- 
ratbes yom 6; Mai 1850 wurde dem Geheimen Hofrathe Nüaüin die hoch- 
•te Bntscbliessung Seiner KonigUehßn HoheU des GrosBherzogM aus Gross- 
hersogliohem Staatsmlnisteriam vom 36. April 1850 mitgetbeilt, nach wel- 
cher ihm der Behufs seiner Erholung nntertbanigst, nachgesuchte Urlaub 
vom 1. Juni bis zum Ende des laufenden Schuljahres allergnadigst bewil- 
ligt worden sei und für die Dauer dieses Urlaubs die Directionsgeechäfte 
dem Profei?8or Behaghel übertragen werden sollten. Zugleich wurde 
. angeordnet , dass die ausfallenden Lehrstunden desselben Ton Profes- 
sor Behaghel und Lyceumslebrer Deiaäing versehen werden sollten« 
Den bisher von Professor Herilein ertheilten hebräischen Unterricht 
in Quinta und Sexta übernahm Lyceumslebrer Ebner ^ wofür er seine 
französischen Stunden in Tertia an Lyceumslebrer DemUng abtrat. —^ 
Die Unmöglichkeit, mit den Torhandenen Lehrkräften ohne Combination 
die gesetzliche Zahl der Lehrstanden auszufüllen , Hess es aach in diesem 
Schuljahre noch nicht gelingen y die protestantischen Schüler der beiden 
obersten Classen in dem Religionsunterrichte zu trennen ; doch wird in 
dem nächsten Schuljahre die Trennung erfolgen, wenn die Hoffnung in 
Erfüllung geht, für unvorhergesehene Fälle durch einen Lehramtsprakti- 
canten eine stets bereite Aashülfe zu finden. Auch der Tarn- Unterricht 
konnte in diesem Schuljahre nicht in seinem ganzen Umfange ertheilt 
werden. Zwar erhielten die Schüler der drei unteren Classen den gan- 
zen Winter hindurch zwei wöchentliche Turnstunden in dem Lyceums- 
eaale durch Lehrer Beckmann, Doch als mit dem Frühlinge die Zeit 
herankam, in welcher auch die Schüler der oberen Classen an die#em 
Unterrichte Theil nehmen sollten , fehlte es an einem Lehrer, indem von 
den jungem Lehrern des Lyceums keiner diese Standen zu übernehmen 
im Stande oder geneigt war und wegen der Reorganisation der badischen 
Truppen und des steten Ortswechsels derselben nicht daran gedacht wer« 
den konnte, wie in früheren Jahren einige tüchtige Unterofßciere zur Br- 
tb«ilung des Turn- und Exerciiien- Unterrichts zu gewinnen. Daher ge- 
nossen während des Sommerhalbjahres nur die Schüler der vier unteren 
'Classen einen regelmässigen Turnunterricht, da sich Hetkmann erbot, 
auch noch die Schuler der Unterquarta zu übernehmen. Ausser den be- 
reits angeführten Veränderungen ist noch zo erwähnen, dass durch Brlass 
des grossherzogl. Ministeriums des Innern vom 20. April 1850 die Staats- 
anstellung des Prof. Dr. Lamey für unwiderruflich erklärt worden ist. — 
Prof. Sache f der schon längere Zeit hindurch wegen heftiger Gichtleid en 
nur mit der änssersten Anstrengong seinen Unterricht ertheilen konnte, 
trat am 24. Juni' 1860 einen vierwochentlichen Urlaub an, von dem der- 
selbe zur Freude seiner Amtsgenossen am 21. Juli zurückgekehrt ist. 
"Während seiner Abwesenheit ertheilte Stadtvicar Haffenreffer dessen ge- 
aammte Unterrichtsstunden und die Anstalt ist ihm für seine Bereitwil- 
ligkeit und seinen Eifer zo grossem Danke verpflichtet. Prof. Roller 
trat «einen bia tom Bade des Schuljahres reichenden Urlaub am 21. Jali, 



Beforderongen and Ebrenb^teigangeD. lOd 

eine Woebe spater an, als ibm gestattet war, am sein Lebrpensnoi «t 
▼ollenden, nachdem vorber nach seinem Wanscbe ein landesherrlicher 
Commissar, Hr. Geb. Hofrath Fddbauaeh , eine Prüfung in dessen Lehr- 
gegenstanden' vorgenommen hatte. I>er landesherrliche Commissar be- 
natzte zogleich diese Gelegenheit, um dem Unterrichte in mehreren Glas- 
sen beizuwohnen und namentlich die Abitnrienten der Obersexta in den 
classischen Sprachen za prüfen. Die Lehrston den des Prof. BMer wor- 
'den mit höherer Genehmigong bis za dem Ende des Schaljahres von 
Prof. Behttghely den Lycenmslebrem JBauoiofifi, Ebner and Stadtvicar 
Haffenreffer^ Tersehen. — Neben den reichlichen Unterstätzangen, weU 
che Tielen ärmeren Scbdlero dorch den bekannten Wobltbatigkeitssinn der 
hiesigen Bewohner zuflössen, hatten sich noch manche Schaler der An- 
stalt besonderer Unterstatzangen ans milden StÜtangen nnd Staatsmit- 
teln zu erfreuen. — Am Schiasse des Schuljahres 1849 worden 33 Schü- 
ler zur Universität befordert. Von diesen stodiren ö kathol. Theologie, 
3 evangel.-protest. Theologie, 6 Jurisprodenz, 3 Medicin, 4 Cameralwis- 
senschaft and 1 classische Philologie. — Die Gesammtzahl der Schaler 
betrag im vorigen Schuljahre 339. Von diesen waren Katholiken 130, 
Protestanten 91 , Israeliten 18. hn Laufe des Schuljahres sind 35 Scha- 
ler aasgetreten, so dass am Schlosse des Schuljahres noch 3l4 Schüler 
anwesend waren. Unter der Gesammtzahl der Schüler waren 33 Aas- 
lander and 5& Aaswartige, d. h. deren Bitern nicht in Mannheim wohnen« 
— Die wissenschaftliche Beilage hat den Lyoeumslehrer Ebner zum Ver-* 
fasser and fuhrt den Titel : jyBeiirage asur Etymologie, I) Naehwek einer 
engeren Verwandtaehaft des Lateinischen und Semüisehen. 2) Erklärung 
einiger Eigennamen der BibeL Mannheim , Buchdruckerei von Kaufmann. 
]8ö0. 33 S. in gr. 6.'^ Der Verfasser macht in dieser Schrift den Ver- 
such , die lateinische Sprache in verwandtschaftlicher Beziehung zn dem 
semitbchen Sprachstamme zo zeigen, bemerkt aber (S. 1), dass sich 
diese Verwandtschaft nicht auf Abwandhing in- Deelination and Conjoga- 
iion, wo das Sanskrit sein volles Recht bebaapte, sondern nur auf Wur- 
zeln ond Stamme erstrecke. Denn, fahrt 'der Verf. fort, nicht gleiche 
Wurzeln allein begegnen uns in beiden Sprachen , sondern es bietet das' 
Semitische auch manchen dreiconsonantigen Stamm, der uns im Lateinischen 
entgegentont. Zuerst vergleicht der Verf. die Wurzeln , die nach den 
Gesetzen beider Sprachen verschiedene Schosse getrieben haben , indem 
er die Bemerkung vorausschickt, dass simmtliche Verbalstamme nicht fSr 
reine Wnrteln zn halten, ond wir daher genothigt seien, bei jedem Ver- 
bam den Sitz der Wnrzel zu suchen. Als eine der natürlichsten Verstär- 
kungen einer reinen zweiconsonantigen Wurzel sei die dorch vorgesetztes 
intensives s. Diese Wurzel finde sich im Semitischen und Deutschen, 
wie in nurns, vsvp«, Scbnar; lucus, Schlucht (S. 4). Als weiteres Bei- 
spiel geben wir an (S. 5): „Gippor (Urwort, das, wie so manchefl andere, 
hebraisirt wurde; das arab. ssaphara kann in seiner Bedeutung, pfeifen, 
leicht denominativ sein) ist Verstärkung der Wnrzel par oder paB $ daher 
nitoiuit (statt «iffofu», wie imöov statt IWtroy), passer, praepes, 
deatsch aber wieder Spats, SperUng.'' Auch der Name Qoiriten nnd Qoi- 



100 Schnl- und Universititflnachricliteny 

schiedene Zelte^< (vergl. bina castra ond dergl.) ; tl^Mt bezelclinet col- 
lectivifich: die Wohnnng; daher in der Redensart t'Pni« ttj^ji aa uber- 
setaten ist: Jeder nach seiner Wohnnng. — Was den „Rackblick^' be- 
trifft, so ist aueh tooi Ref. schon früher wegen der Form "^bo benierkt 
worden , dass hier, wie es im „Lehrgebaade'* geschehen ist , angegeben 
werden musste VI. a. «) l^'n (t), ß) ^^^ (t), y) ^H (7). — Die lin- 
guistischen Bemerkungen vom Rector Wocher veranlassen zu Nachfol- 
gendem. 

Die Sprache wird als „lauteres Leben^' auch als hebräische Sprache 

betrachtet. Ans diesem Grunde bemüht sich der Verf. den Grund der 
Terschiedenen Vocalisation der Saegolata nachzuweisen und stellt ange- 
messene Vergleicfaung an mit alten und neuen Sprachen. Hierdurch 
kommt er auf eine Att r actio n der Laute. Bs wird (S. 34). nach- 
gewiesen, wie die rergesetzten Servilbuchstaben auch hier ihren ent- 
schiedenen Einflnss auf eine veränderte Vocalisation ausgeübt haben. 
Gerügt wird hier, wie auch schon von anderer Seite' geschehen ist, Gm- 
senius* Ansicht , dass nur ein Znfali oft eine veränderte Vocalisation her- 
beigeführt habe. Sicher waltete hier ein organisches Gesetz vor. Ref. 
würde hier auch noch auf Formen wie DRta für Wü hinweisen. Der Vor« 
Satz, hier in den Grenzen einer kurzen Anzeige zu bleiben, beaindert ein 
ausführlicheres Besprechen des Erwähnten, und kann nur bemerkt wer- 
den, dass dasjenige, was der Verf. von der „Naturbelanschung*' beim 
Auffinden der Vocale vor snfüxis sagt, gewiss beachtujigswerth Ist. — Jedoeh 
wäre es auch .interessant gewesen , hier (8. 36) bei Erwähnung doppel- 
ter Formen , wie *i'ia und 1*^ , auf die noancirte Bedeutung aufmerksam 
zu machen. So heisst 1. B. pnif Tiefe und ps9 Thal (vergl. Bwald's 
ausführl. Lehrb. der hebr. Spr« 1844, p. 281), Schliesslich resnltirt der 
Verf. aus den Vergleichungen der respectiven Nomina mit anderen Rede- 
theilen , besonders mit dem Verbum, die Richtigkeit der „Masorethischen 
Vocalpunctation.^ In einer Anmerkung wird eines ahnlichen i^rogramma 
(Stettin 1845, geschrieben von Dr. Friedlnnder) Erwähnung gethaa und 
das Beifällige, so wie das Auszustellende bemerkt. 

Der Jahresbericht kündigt die Festrede an über das Thema: ,,IKe 
gesehiehtUehe Aufgabt DeuUehlawl» aU der Ceniralmachi Europe^B im Hm- 
blick mtf die polititch-kircMiehe Beziehung dee OocidenU mim Orient'^ vom 
Präceptor Baid. Eingeführt ward : die düpüische Zeichenmethode ; die 
Bibliothek ist durch Vermächtniss sehr vermehrt. Dr. Haider bat eioe 
wissenschaftliche Reise angetreten und sein Amt verwaltet Dr. Himpei, 
Für den etc. Abgeordneten Feiß fungirten Dr. Aiess und Scholamtscand. 
Kur», Präceptor Haid von Bllwangen übernahm die neugebildete Lahr^ 
stelle der 5. Classe. Für den Präceptor Feyt ist der Lehrer Baur von 
Pelldorf ernannt worden. Die Gehaltserhöhungen treten für mehrere 
Lehrer „etatsmässig^^ ein. Das untere Gymnadom zählte 83, das obere 
109 Schüler. 

Mühlhausen in Thüringen. Dr. Mühlberg. 

Freibiag im Bebisgau. Im Lehrerpervonale sind auch in diesem 
Schuljahre (1849 — ^1850) , wie es im vorigen der Fall geweaen (NJahrbb. 



Beförderungen und Ehrenbeseigmigen. 101 

Bd. 58. Hft. 4. 8. 419 and 430) mehrere Veranderaogea eingetreten. Noch 
Tor dem Beginne des Unterrichtes wurde Prof. Sckerm soro ersten Lehrer 
and Director des Gymnasiums in Bruchsal und Prof. Cftoton zum Vor- 
stande der höheren Bürgerschule in Ueberlingen ernannt. Die hierdurch 
erledigten Steilen wurden einstweilen provisorisch besetzt durch Beru- 
fung des Pfarrers /Veumuter in lUesheim und- des Prakticanten SehmiU^ 
der an der höheren, Burgerschule in Ettenheim lehrte. — Gegen Ende 
Octobers 1849 wurde Reallehrer Ekort von dem Lyceum an die höher<^ 
Burgerschule dabier versetzt u. hatte den Reallehr. Kellerj welcher von der 
höheren Bürgerschule in Baden Baden kam, zu seinem Nachfolger« Am 
26, Febr. 1850 verliess Prakticant Dr. Jülg die hiesige Anstalt, um ein 
Lehramt an dem Lyceum zu Heidelberg provisorisch sn übernehmen. An 
dessen Stelle trat Prakticant Eblcy der zuletzt an dem Lyceum in Con- 
stanz beschäftigt war, ein. Den naturhistorischen Unterricht besorgte 
iiv diesem Jahre mit Genehmigung des grossherzogl. Oberstndienrathes 
der Lehramtscandidat Dr. GarienhauMer, Dem Lehrer Reinhard ist Titel 
und Rang eines Professors verliehen worden. — Der grossherzogl. ka- 
tholische Oberkircbenrath wies von der für landesherrliche theologische 
Stipendien bestimmten Summe von 18,000 fl. für das Jahr 1850 dem hie- 
sigen Lyceum 6,325 fl. su. — Von den Schulern , welche um Befreiung 
von der Entrichtung des Didactrums nachgesucht haben, wurden 160 ganz 
und 30 zur Hälfte befreit« — « Am Schlüsse des vorigen Schuljahres be- 
fanden sich an der hiesigen Anstalt 402 Schüler. Von diesen wurden 
ans Obersexta 34 zur Universität entlassen. Von diesen studiren 14 Theo- 
logie, 7 Jurisprudenz, 11 Medicin, 2 Philologie. — Die Scbulerzahl des 
Lycenms im Schuljahre i849 — 1850 betrug 470. ' Von diesen waren am 
Schlüsse des Schuljahres noch 441 anwesend. In der Gesaromtzahl der 
Schüler waren 413 Katholiken, 52 Protestanten, 5 Israeliten, Auswär- 
tige Schüler besuchten die Anstalt 258. Zwei fleissige und gutgesittete 
Schüler wurden der Anstalt durch den Tod entrissen. — Das Personal 
des Lycenms ist: Ephorus: Geh. Rath, Domcapitnlar und Professor Dr. 
von Hirsch^, Director: Hofrath IVoÄ^it. Lehrer: a) Lehrer, welche der 
Anstalt ausschliesslich angehören: Prof. Duffner, Prof. Reinhard^ Pfarrer 
Neuntmer^ die Lehramtsprakticanten Eble^ fVorier^ Kappes ^ Schmitt und 
SehlegtA , und die Lyceumslehrer Baumgartner und Keller, b) Lehrer, 
welche nicht ansschliessend dem Lyceum angehören, sondern nur einige 
Stunden an demselben nnterrichten : Director und Professor (an der hiesi- 
gen höheren Bürgerschule) Dr. Fri«^^ Pfarrvicar Zeuner^ Maler Ge$9' 
IcTf Lehramtscandidat Gartenhauaer, Bibliothekar: Prof. Duffner. Ver- 
waltongsrath. Präsident: Regierongsrath Bannwarih, Mitglieder; Hof- 
rath Nokkf Prof. Reinhard^ Handelsmann Goss, Gemeinderath HaUer, 
Secretfir: Hofgerichtssecretär Jäger, Verrechner des Lyceumsfonds : 
Verwalter JRasenAiifer. — Die wissenschaftliche Beilage zu dem Programm 
hat den Director der Anstalt, Hofrath Nohky zum Verfasser ond ist be- 
titelt: yyEmklid^$ Phaenomene. Uebersetzt und erläutert von A, Nokk, 
Freiburg, 1850. Gedruckt bei Frani Xaver Wangler, 59 S. in gr. 8. 
mit 3 Tafeln.'' Diese Schrift ist mn »ehr schits&barer Beilrag snr Kunde 



102 Schul- und Universitatsnuchrichten, 

der alten Mathematik ond schliesst sich an die von dem Verfasser froher 
heraatfgegebene Abhandlung über „die Sphärik des Theodoaiua*^ an, wel- 
che im Jahre 1847 als wisüienschaftliche Beilage zu dem Programme des 
Bmchsaler Gymnasiums (NJahrbb. Bd. LH. Hft. 4. S. 440) — dem der 
Verfasser damals als Director vorstand — erschienen ist. Beide Schrif- 
ten stehen aber in so enger Verbindung mit einander, dass derjenige, 
welcher die Phänomene verstehen will, sich vorher mit der Sphärik des 
Theodosius vertraut gemacht haben rouss. Die Gelehrten der neueren 
Zeit pflegen die Schrift, wenn sie derselben Erwähnung thun, gewöhn- 
lich unter dem Titel: <Paivofieya oder 'AQ%äi uatQOvo^tag^^ anzuführen. 
Doch dieser Zusatz ist unrichtig. Es kennen ihn weder Pappus noch 
Marmiu , weder Zamberti noch Gregorg (vergl. S. 42). Sind die Phä- 
nomene schon au und für sich schätzbar, so haben sie für die Geschichte 
der Mathematik besondern Werth, weil wir aus ihnen allein die ganz 
eigenthfimliche Methode kennen lernen, welche Männer wie Aruiotele»f 
Jiutol^uMy Euklidea anwandten, am Sätze aus der sphärischen Astro- 
nomie zu beweisen. Auch die Alten schätzten diese Schrift des EukUd 
sehr hoch. Dieses lässt sich, wie der Verf. S. 40 mit Recht sagt, aus 
dem Umstände ermessen , dass PappuB im 6. Buche seiner Sammlungen 
sie erläuterte und ergänzte: eine Ehre, die nur den Werken, welche da- 
mals allgemeine Geltung erlangt hatten', widerfuhr. Auch andere Ma- 
thematiker gaben von diesem oder jenem Satze neue Beweise und schrie- 
ben sie in ihr Exemplar von den Phänomenen ; daher die fremden Zusätze, 
welche wieder auszuscheiden der Verf. sich zu seiner Aufgabe machte 
(S. 41). — Den erbten Versnch , diese Schrift ins Lateinische za aber- 
trageiK-, machte nach dem Wiedererwachen der Wissenschaften Barth» 
Zamfrerft; allein er war dem Unternehmen nicht gewachsen. Sie er- 
schien zuerst In Venedig 1505 mit der lateinischen Uebersetzung sämmt- 
lieher Werke EuMlUTa von Zamheriu G.Inngener ist die lateinische Ue- 
bersetzung , welche Joseph Auria von den Phänomenen allein fertigte and 
zu Rom 1591 drucken liess. Dib Urschrift selbst ist vollständig nar ein 
einziges Mal im Druck erschienen in der Gregory ^schen Gesammtaus- 
gabe, Oxford 1703 fol. mit Auria^s lateinischer Uebersetzung« Seit 
Gregory ist nicht das Geringste mehr weder für Berichtigung des Textes, 
noch für die Erklärung des Inhaltes geschehen. Es ist also das Verdienst 
des Verf. um so mehr anzuerkennen , dass er diese Schrift in das Deut- 
sche abersetzt und in grundlicher Weise erläutert hat. [4{=] 
^^j^ HfitDELBERO. [Universität.] Von den Vorlesungen, welche im Win- 
terhalbjahre 1850 bis 1851 auf der hiesigen Universität gehalten werden, 
glauben wir folgende als für den Kreis der Jahrbucher geeignet anfuhren 
zu müssen: Bahr (Geheim. Hofrath u. Oberbibliothar) i Anleitung zum 
lateinischen Stil mit schriftlichen Uebungen, in Verbindung mit der Er- 
klärung von Cicero de oratore. Encyklopädie der Philologie in Verbin- 
dung mit der Erklärung von Aeschylüs Prometheus. Erklärung eines 
^griechischen Schriftstellers in lateinischer Sprache, nebst lateinischen 
Disputationen und griechischem Stil. — Zell (Geh. Hofrath): Römische 
AUerthümer; durch Römische Inschriften erläuterU Axistoteicib Politik. 



Befordertingea und Ehrenbeieigangen. 103 

GymoasialpSdagogik mit praktischen Uebungen. — Kaiser (aasserordentl. 
Professor) : Interpretation von Plautus Miles. Grtechiscbe Antiquitfiten. 
Erklärung von Sophokles Oedipas König, Tracbinierinnen und Pbilokte- 
tes. Rhetorische Analyse der schwierigem Reden Cicero's. — Un^eU 
(Gefaeim. Kirchenrath) : Einleitung in das alte Testament. Erklärung 
der Psalmen. Praktische Auslegung ausgewählter Stellen des alten Testa- 
ments. Uebungen im Interpretiren des Propheten Micha. — < Hanno (aus- 
serordentl. Professor) : Erklärung der Spruche Salomo^s. Unterricht in 
der hebräischen und arabischen Sprache. — fFeil (ausserordentl. Pro- 
fessor): Arabiäche Sprache. Beidhawi's Commentar zum Coran, Er- 
klärung des Gulitftan von Sadi. Privatissima in der hebräischen, arabi- 
schen , persischen und türkischen Sprache und Literatur. — Ruth (Pri- 
Tatdocent): Erklärung von Dante's Inferno. Geschichte der itaiienischea 
Poesie bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. — Hetiner (Privatdocent) : 
Aesthetik. Geschichte der Poesie und der bildenden Künste von Got- 
sched und Raphael Meogs bis auf die Gegenwart. — Oospey (Privatdo- 
cent): Sbakspeare's Henry IV* Shakspeare*s Othello, Merchant of Venice, 
King Lear. Privaüäsima in englischer Sprache. — tlofmann (CoUegien- 
rath und Professor): Vergleicbende Grammatik mit besonderer Berück- 
sichtigung des Griechischen und Lateinischen. — ScMosier (Geh. Rath): 
Neueste Geschichte von 1815 bis 1846. — Kortüm (ordentl. Professor): 
Röffltsebe Geschichte. Neuere Staaten- und Volkergeschichte von 1600 
bis 1789. Deutsche Geschichte von 1803 bis 1848. — Häuuer (ordentl. 
Professor): Geschichte der europäischen Staaten von 1517 bis 1789. 
Deutsche Geschichte. Geschichte der deutschen Freiheitskriege von 
1809 bis 1815. — Freiherr von Reichlm- Meldegg (ordentl. Professor): 
Logik nebst Einfeitung zur Philosophie. Psychologie mit Einschluss der 
Somatologie des Menschen und der Lehre von Geisteskrankheiten. Ge- 
schichte u. Kritik der Philosophie. Ueber Goethe^s Faust. — Roth (ordentl. 
Professor): Psychologie. Geschichte der alten Philosophie. Sanskrit- 
grammatik mit Interpretation des Naius. — Sehwema (Geh. Hofrath): 
Reine Mathematik. Ueber die neuere Methode in der Geometrie. Ana- 
lytische Geometrie. Differential- und Integralrechnung. — Ameih (Ly- 
ceal- Professor): Anleitung zur Auflösung geometrischer Aufgaben. Pri- 
vatissima über alle Theile der Mathematik. — Leger (ausserordentl. 
Professor) : Archäologie und Geschichte der Architektur. Heraldik. — 
von Leonhard (Geh. Rath) : Mineralogie, Geognosie und Geologre , oder 
Naturgeschichte des Steinreiches. Conversatorittm und Examinatorium. 
Die Lehre vom Bergbau. — Leonhard (Privatdocent): Mineralogie und 
Geologie des Grosshertogthums Baden. Volkanenlehre. Privatissima 
über Mineralogie und Geologie. — Blum (ausserordentl. Professor): 
Oryktognosie oder specielle Mineralogie. Bergbaulehre. Praktische Ue- 
bungen im Bestimmen einfacher Mineralien. Examinatorium über Geogno- 
sie und Geologie mit praktischen Uebungen im Bestimmen der Felsartea 
verbunden. Privatissima über speclelle Mineralogie und Geognosie. — 
Bronn (Hofrath): Geschichte der Naiur. Specielle Petrefacten -Kunde. — ■ 
Biaehoff (oidenU. Professor): Anatomie uud Physiologie der Pflanseu« 



Kritische Beartheilangen. 



Sophokles. Brklart Ton F. JF. Sehneidewm. 1. Bandchens Aifts und 
Pbiloktetes. Leipzig 1849. Weidmann« [Ans der Samnilong grie- 
chischer ond laUdnitcher ScbrifUtelier von Haapt und Saoppe.] 

Wenn diese Aog^abe seit ihrem Erscheinen noch nirgends 
eine ausführlichere Anaeige und Besprechung gefunden hat, so 
msg die Schuld in der Ungunst sorgenvoller Zeilen liegen, schwer- 
lich aber in einer Gieichgtiltigkeit derjenigen Freunde des Sopho* 
kies, die das erste Interesse daran haben mlkssen, nämlich der 
Gymnasiallehrer. Denn wir sind gewiss, dass die Mehnahl derer, 
die dieses Bindchen kennen gelernt und In der Schule erprobt 
haben; mit ans beseugen werden, nicht nur dass es dem Lehrer 
und dem Schfiler die Arbeit in der besten Welse erleichtert u|id 
die LectSre ungemein gefördert habe, sondern auch dass unge- 
achtet des rascheren Fortruckens ein gründlicheres Verstandnirs 
der Einseinheiten ersieit, ein fruchtbareres Eingehen auf Inhalt 
und Form dieser beiden Tragödien herbeigeführt und dass endlich 
der Genuss an den herrlichen Dichtungen den jungen Lesern wie 
dem Lehrer erhöht worden sei. Wir selbst haben dieses binnen 
anderthalb Jahren aum sweltenmal erfahren und wahrgenommen, 
wie diese Bearbeitung alle früheren des Sophokles, die man etwa 
dem Schuler In die Hand gab , weit überflügelt. 

In Folge f enauem Studiuma derselben finden wir uns su dem 
Urtheil berechtigt, dass sie nicht nur eine der durchdschtetten 
und gelungensten Schulausgaben sei, sondern auch dass sie In 
der Kritik und Erklärung des Sophokles einen grossen Schritt vor- 
wSrts thut und dem gelehrten Studium neue Förderung und Ge- 
winn bringt, da hier sum erstenraale über manche Stelle die rich- 
tige Entscheidung gegeben, mancher gegründete Zweifei erst hier 
erhoben und sugleich sur Auffsssoog des Gsnseo joancher oeue 

8* 



116 Griechische Litterainr. 

SUnclpunkt trefflich gewiesen ist. Man weiss wie schwierig es ist, 
den Ansprüchen des Schitigebrauchs und denen des gelehrte» Slo- 
ditims sugleich ein Genüge an thun. Die Schulausgabe fordert 
i(nappe Abgemessenheil, eine vielsagende Kurse mit grösster Deut- 
lichkeit and Einfachheit, eine beziehungsweise sum Einidringen 
und Seibstfinden reisende Fassung des Ausdrucks. Der Gelehrte 
aber fordert Erörterung, in Manchem Beweisführung, Verdeut- 
lichung durch Belege und durch Analogien, oft auch Nachweisung 
des Weges , auf dem su den Ergebnissen zu gelangen ist. 

Die vereinigte Lösung beider Aufgaben ist Hrn. Schneidewln 
in vorzuglichem Grade gelungen. Er hat sich sein Werk zwar in 
der letzteren Besiehung und mit Recht dadurch erleichtert, dass 
er die umständlichere Behandlung einer Anzahl Fragen und Stel- 
len nachtraglich im vierten Baude seines Philologus vorgenommen 
hat Dort findet man fiir Vieles, was die Ausgabe mehr nur als 
Resultat enthalt, die tiefere Begründung, mitunter auch e' curia 
secundis eine Berichtigung, aber auch den Anstoss zu neuer Er- 
forschung und Belehrung, so dass dem , welcher genauer sehen 
will , jene „Sophokleischeo Studien^^ im Philologus manchen schö- 
nen Gewinn und klares Licht bringen. Allein die wesentilche Ur- 
sache, warum die Bearbeitung nach beiden Selten gelungen ist, 
finden wir in der innigen Vertrautheit mit dem Dichter, in dem 
richtigen durch Vorginge unbeirrten fJrtheil, in dem Scharfblick, 
der mit Sicherheit das Morsche und fJebertiinchte wahrnimmt, 
und in der meist glücklichen, beides kühnen und besonnenen, 
Kritik, zumal der Conjecturalkritik des Herausgebers, tavxa yäg 
td xXsivä %6^ & vvv f^et. Fugen wir hinzn die ausgebreitete 
Belesenheit in dem Sophokles nahe liegenden sowohl, als in fem 
abstehenden Schriftstellern und die auf vielerlei Gebieten erprobte 
Erfahrung und Geschicklichkeit In Handhabung aller rechten Kün- 
ste der Auslegung und der Kritik, so haben wir die Uraachen des 
Gelingens dieses mit Liebe ausgeführten Werkes bezeichnet. 

In der Vorrede von sechs Selten spricht sich Hr. Sehn, über 
den Zweck seiner Ausgabe und über die Grundsatze aus, mit deoeo 
er ihn zu erreichen gesucht hat, so wie er auch treffende Bemer- 
kungen einflicht über die Art, wie der Dichter mit der reiferen 
Jugend zu ieaen sei, weichem Allen wir unscrn Beifall geben 
müaaen. Mit Vergnügen haben wir ^uch folgende Worte gelesen: 
„Dabei habe ich ausser den jüngeren Lesern des Dichters Freuode 
der Alten im Ange geliabt, welche sich am Genuas siter Meister- 
werke efholen und erfrischen wollen. Es ist MiUchuld der Phi- 
lologen, dass diese ehrenwerthe Glasse von Lesern der Alten tag- 
lich mehr zusammenschmilzt. Ziehen wir auf Gymnasien und 
Unirersititen nicht wieder Humaniaten heran, so graben wir 
der classischen Litteratnr die Wurzeln im Volke ab.^^ Absichtlich 
liat er keine Schemata der lyrischen Partien beigegeben. Er dringt 
allerdings mit Recht darauf, „daaa der Schüler nach dem Vorgänge 



Scbneidewin : Sophokles. 1. Bandchen. 117 

de« Lehrers die Chorgesiilge rkbtig und schon lesen lerne, wosu 
das Auffassen der Rhythmen durchs Gehör richtiger und mit mehr 
Lust hinrohri, als das mnhsame Abklauben nach dem Schema. Da 
aber dieaes Verfahren, welches Ref. auch eiiisusclifagen pflegt, 
vor dem Lesen doch eine Analyse, wenigstens der jedesmal neu 
vorkommenden Metra Yoranasetzi und dieselben^ zumal bei sahl- 
reich aufeinander folgenden Auflösungen, dem Ungeübten oft 
schwierig cn erkennen sind, so bedarf dieaer doch einer voraus- 
gehenden Hülfe, und darum sfihe es mancher Lehrer mit ims ge* 
wiss nicht ungern, wenn über schwierigere Metra eine kurze Be- 
lehrung beigefügt wire. 

Von den schön geschriebenen Emleitungen, die den Stöcken 
vorausgehen, botragt jede etwa sechzehn Seiten. Sie lassen sn 
Gediegenheit bei praciser Fassong, an goter Belehrung iiber die 
Anlage des Stuckes, an feiner Nachweisung den Ganges der 
Ilsudtung , der inneren Beziehungen, der maai^svoLlen Hsliung In' 
den Situationen und !n der Zeichnung der Charaktere, Allea hinter 
slchsnriick, waa lina als Versuche dieser Art In Schulsusga- 
ben von tragischen Stucken heksnut ivt, und können hierin für 
gersiime Zeit sIs Muster gelten. Manches, was hier hinein fillt, 
ist in Programmen, Zeitschriften, Alouographien und In grösseren 
Werken besprochen worden , aber wie wenigen Lehrern ist jetzt 
auch nur das Wichtigere davon zugänglich. Solchen leistet Hr. 
Sclineidewin , indem er aus seiner Beleseiilieit das Bedeutendste 
herausbebt und mit freiem Urtliell zur neuen und eigenen Dar- 
stellung verwendet, werthvolle Dienste. Vorzüglich erwähnt er 
mit Dank Weicker'a Schriften. 

Die Einleitungen enthalten jede eine gedrängte Zusammen- 
fassung des Inhaltea des betreffenden Stackes*, mit Angabe der 
Gliederung des Ganzen naeh den technischen Bezeichnungen. 

Wir wissen, dass In Betreif der Zulässigkeit solcher Summa« 
rien in Schulausgaben von Tragödieii sction Bedenken sind erho- 
ben worden. Das eine davon, hergeleitet aus dem Interesse an der 
Handlung, daa beim jungen Leser schon vor Beginn der Lectiire 
durch daa Somroarium geschwächt wurde, wird wohl von Wenigen 
mehr geth eilt und fngiich übergangen, da ea auf einer falschen 
Vorstellung von dem, woran der Schuler Interesse nehme, beruht. 
Wichtiger ist ein Zweites. Manche Lehrer pflegen nämlich die 
Kntwickelung der Handlung einer Tragödie, oder einzelner Theile, 
oder Charakteristiken von Personen u. s. w. ala Aufgaben zu Auf- 
sitzen KU benutzen , und gewisa sehr mit Recht. Nun fürchtet 
man, durch ausführliche Summarien sei der Bearbeitung solcher 
Aufgaben vorgegriffen. Theilweise ist es allerdinga wahr, allein 
wer f erliegende Arbeit genau ansieht , der wird finden , dass tu 
solchen Aufgaben noch eine Menge von Stoffen übrig bleibt, in- 
dem der Hgrausgeber bei seiner gedrängten Kurse Vieles nur an- 
regt oder noch mit einigen Andeutungen begleitet, so daaa manche 



Schneide Win: Sophokles« 1. Händchen. 119 

fcenreichlhmii T^r^eodet. Mit Recht wbd darnm Tom I^eraiM- 
gebcr in der Einleitung zu diesem Stlicke der CharakterisUk der 
Personen ein grösserer Abschnitt gewidmet. 

Wir schreiten zum Comnu^ntar, Ueber die geschickte Aus-* 
wähl der gerade im rechten Maa«se gegebenen Erklärungen und 
über die Vorzüge ihrer Fassang haben wir uns oben schon ausge* 
sprochen. Auch mit der Auswahl der kritischen Anmerkungen 
und der Weise, wie sie Torgetragen werden, sind wir wohl zufrie- 
den, und wenigstens wir wünschten nicht, dass ihrer in einem 
Dichter wie Sophokles wenigere wären. Der Text ist, wie Hr, 
Sehn, sagt, dem Dindorfschen ähnlicher als dem llermann'schen, 
und dem Zwecke der Ausgabe gemäss sind häufig Conjecturen, wo 
es nolhig, aufgenommen. Wir könnten nun, indem wir zum Ein- 
zelnen kommen, eine Menge vom Herausgeber zuerst aufgefun- 
dener gelungener und tiefer gehender Erklärungen, eben so Text- 
verbessernngen nnd schöne Conjecturen anfuhren, welche wir mit 
Freude begriisst haben. Da aber dieselben der Leser leicht selbst 
findet, so wollen wir hauptsächlich über eine Reihe von Stellen 
unsere abweichende Meinung vortragen, mehr in der Absicht, 
unsere Zweifel zo eröffnen, als im Glauben, das Richtigere über- 
all getroffen zu haben. Der Abkürzung wegen müssen wir den 
Leser bitten, den Sophokles, wo möglich den Schoeldewin'schen, 
in der Hand uns zu folgen. 

^ias. Zuerst zwei Kleinigkeiten. Vs. 40 wird verbunden 
ävCkoyLöxov x^iQU und verglichen Vs. 21 aCxonoif xgdyfia. 
Allein övöXoyiOtov hi mit xi zu verbinden: zu was Unbegreif- 
lichem hat er die Hand geschwungen'? Vs. 44 j^ xal rö ßovXBVfi 
&g in 'Jgyaloig z6ä* {i/; wird erklärt: War denn auch nur die 
Absicht auf die A. gerichtet? nal ist auch wirklich. Denn 
Odysseus kann es fast nicht glauben, dass es dem Leben de^ 
Achaerfursten gegolten habe und Aias nicht nur aus Bosheit, um 
dem Heere zu schaden , seine Heerden vernichtet habe. Vs. 77 
ist klüglich nach agoö&Bv ovk dv^g oö' ^v ein Strich gesetzt als 
Zeichen unterbrochener Construction , während* sonst etwa nach 
dem Vorgange des Schol. erklärt wurde : war dieser früher nicht 
ein Mann 1 Vs. 135 x^g d(iq)igvxov Zalaulvog %coi; ßd^gov 
a^^jl^iaAov. Die Vermulhung für das letzte Wort sei vielleicht zu 
schreiben Alax^Öav hätten wir gerne auch im Commentar ange- 
führt gesehen. In der Note zu Vs. 160 ist zu schreiben 163 für 
63. Die vielgeplagte Stelle Vs. 167 ff. hat Hr, Sehn, durch Beru- 
fung auf den Sprachgebrauch der Voranstellung des begründenden 
Gedankens nach unserem Urtheil auf befriedigende und leichte 
Weise sicher gestellt. Vs. 204 ist zwar richtig, dass ti^Ao'Osi/ 
mit HijdotiBvoi, zu verbinden. Allein die übrige Note: ,,E8 ist vorp 
Standpunkte der auf Salamis Zurückgebliebenen gesagt ,^^ ist uns 
undeutliclu Tekmessa spricht zum Chor: Ihr und ich, die wir 
uns hier vor Troia um Telamons Haus aus welter Ferne kümmern^ 



120 GriecMsche Liiierator. 

I 

haben Ursache sam Wehklagen , denn daa Telamonische Hana traf 
hier ein groaaea Leid. Va. 221 oiav IdylwOag dvigog ictL üe- 
ber den Mangel an Uebereinatimmung dea Anfanga dieaea Veraea 
mit der Antiatrophe Va. 245 mga uv ^dti ngäta ist nichta be- 
merkt. Man wird wohl Wnnder*a Gonjecttir iq,f^ag für Idj^Ao- 
Hag kaum entbehren können. In der Note bu Va. 254 iat atatt 
„Vergl. 251*' zu achreiben : „AI. Va. 257." Va. 269. Die Ver- 
beaaerung vo0ovvtog fTir voöovvtbs giebt der Stelle auf einmal 
Licht. Va. 271 ff. Zur Verdeutlichung dieaer Erklärung der Tek- 
meaaa wären die Worte dea Kadmua aua Eurip. Bacch. Va. 1262 
anzuführen geweaen. Va. 297 tavQOvg, xvvag ßot^gag BvxBgav 
t' aygav, Hr. Sehn, hat völlig Recht, wenn er an dieaer gewöhn- 
lichen Leaart Anstoaa nahm. Wenn er aber emendfrt bvbqov x 
o^pat^und bemerkt: ,,dam{t gewinnen wir die Schaf- und Z legen- 
heerden, die hier nicht fehlen durften," ao aind die Ziegen nicht 
tvBQOi, Entweder also müsaen aie aua dem Spiele bleiben, oder 
ea iat wie Va. 55 zu achreiben xoXvksq&v r aygav^ womit der 
mannigfaltige Hornwucha der Schafböcke und der Ziegen ange- 
deutet wurde. Va. 300 i)xft«d\ <3öt« tpäxag, iv uoißvaig nix- 
vtsiv. DaalB der Veraauagang unächt aei , wird im Phlloi. mit Recht 
behauptet. Eine aichere Ergänzung Iat freilich unmöglich. Wir 
vermuthen, dasa daa Auagefallene dem xaxd dswafljODv ftjfiaxa 
Va. 243 entaprocbcn habe. Va. 320 ngog yag xaxov xz xal |3a- 
gvilfvxov yoovg toiovöS" aU not dvdgog ili^yctv Siitv. Gegen 
die Verbindung yoovg Ix^iv ßir yod69at glaubt Hr. Sehn, atraube 
aich die Wortatellung , dagegen erklärt er ixsiv mit dafür hal- 
te n. Una diinkt vielmehr dieae Bedeutung gezwungen und die ge- 
wöhnliche Erklärung um ao richtiger, ala ßoi^v^ xavttxijv ixsiv 
eine geläufige Phraae war, ao daaa jedem Zuhörer die Verbindung 
Ton ixsiv mit yoovg afch aufdrängte. Va. 360 achreibt er 6i roi 
ftovov dido'gxa noiiiivcDv IV agxog ovt\ die letzten drei Worte 
offenbar aehr gut. Dagegen glauben wir, daaa man nicht leicht 
darauf vergilt In notfiivav ,^eine allgemeine Bezeichnung dea 
Aiaa ala notfiijv latSv^^ zu finden, ao daaa dieaer Auadruck an un- 
aerer Stelle dunkel wäre. Vielleicht iat zu achreiben tcrjfiovav. 
Schon von Andern iat daa Wort vorgeachiagon worden. Va. 362 ff. 
Die achon von O. Müller bemerkte Symmetrie, mit der die zwl- 
achen den ly riachen Veracn dea Aiaa geaprochenen Trimeter dem 
Chor und der Tckmeaaa zuzutheilen aind , iat trefflich featgeatellt 
aua inneren Grfinden und gezeigt, wie achon die alten Erklärer 
daa Richtige bemerkt hatten, ohne Gehör zu finden. Va. 383 
muaaen wir der im Philol. vorgebrachten Conjectur |vy xot dtiß 
nag xal ytXa xciövgBxai für x(ß unaern Beifall geben ; eben ao 
Va. 405 der von Lobeck und Dindorf begonnenen und vom Her- 
auageber trefflich auageführten Verbeaaerung zlöig d' oiiov i$ 
Ua, und wahracheiolich iat Va. 537 rl ö^t äv &g Ix xäv6' Ix* 
€iq)Bkoiiit öB Vät äv m(p. Va. 601 In einer verzweifelten Stelle iat 



Schoeidewin: SophoklM. I. BSodchen. 121 

twar TOD dlem bisher Vorgebrachten das Beate, obwohl sehr an- 
gewiaa, Was Hr. Sehn, schreibt Idala ydyivm XuiicivC xlö$\ dl- 
yimv dviiga^n, Vs. 726 durfte wohl, was schon Andere, und 
auch Ref. ftlr aieh conjicirt hat, zu schreiben sein rof' Totti liavh- 
zog »dxißovk$vtov ötgatto iwHxiiiov duoxaXovvtig ^ mit der 
Verbalstructur statt ötgatov^ welches die Rede schwieriger 
macht. Sehr gut ist Vs. 747 emendlrt xdgBi für sclpi, Vs. 796 
wahrscheinlich dofiov für iiovov (im Philol.), 799 überzeugend 
gerechtfertigt ikxlj^€i fpigBtv, Schön 802 emendlrt 9dvatov 
I|odo8 ^ig^L nnd nachgewiesen, wie die onpaasende Vulgata i^ 
ßlov ^igu entstanden sein möge. Wir Anden dafür auch ein Be- 
leg In der darauf folgenden Entgegnung der Tekmesss Vs. 800 
xaxi^ Sj^odov. Aus ihrem Munde klingt das wie eine Wiederho- 
lung des eben vernommenen Ungtöekswortes. Vs. 812 ^copcSfiev, 
iyKCVi&ptBV^ ovx Sdgag dxpL^^ öei^Hv ^ikovttg avtg\ og äv 
6%iv8jj 9aviiv schreibt er in der Ausgabe , im Philo!, aber em- 
pfiehlt er den Handschriften naher avdga y\ Sg 6nsv8y 9avilv» 
Die Tekmessa in höchster Angst und Hast fordert zur grössten 
Eile auf. Diesem ist aber die durch den Conjunctiv mit dv oder 
auch mit dem blossen Conjunctiv bewirkte Versllgemeinening des 
speciellen Cpedankens nicht zuträglich. Wir würden demnach 
avdga y, Sg cnsvÖBi %ccvsiv vorziehen. ^iXovtig Ist natörllch 
nicht s^ l^iiloftsv, sondern schliesst sich an die Conjunctive an: 
Lasst una eilen , gewillet (d. h. da es gilt) einen Mann zu Vetten, 
der zu aterben eilt. Vs. 889 ovglo) ftij mXdoat Ögofim wird er- 
klärt: nicht dem günstigen, rechten Pfade genaht sein.' Schlich- 
ter scheint uns die Auffaasnng als Dat. instrum. : ihm nicht mit 
günstigem Laufe nahe gekommen zu sein. Vs. 906 wird es wohl 
lieissen müssen avtog ngSg avtov für avtov. Vs. 966. Die Ver- 
besscruDg y xslvoig ylvxvg für ij x. yL ist evident und wohl be- 
wiesen. Die Kritik nber die auazustossenden drei Verse 969 nnd 
9r2 sammt 973 ist siegreich und entscheidend. In der Note zu 
Vs. 998 lies ,,Aiaa 825'' statt 84&. Die Verse 1104. 1105 werden 
mit Recht verdächtigt. Vs. 1129. Hr. Sehn, hat, wie wir auch 
in einigen andern Aoagaben gesehen, die prosodische Unmöglich- 
keit bestehen lassen, dass der Trimeter beginne: i$ij vvv dtl^a 
&aovg atatt wie ea heissen muss fii} vvv. Man glaubte eben, es 
bedürfe der Folgerung; aber ganz richtig iat die Zeltpartiirel : 
„Verachte nicht jetzt , wo du von den Qöltem gerettet bist , die 
Götter.^^ Vs. 1231 St ovölv cSv tov firjdhv dvtsötiig vnsg. 
Warum die Negation fiijdiv iat, wird nicht bemerkt. Vs. 1293 
'y^rginc d\ Sg ad 6^ SöuBigs dvööBßiötatov. Es muss entweder 
heissen dvöötßiöxatog >t oder nach lonBigs ein Komma atehen, da 
dvööBß. jedenfalls auf 'Ätgia gehen muss. Bald darauf schreibt 
Hr. Sehn, recht gut Vs. 1296 mit 0. Woiff o tp^tv^ag 0* dv^g 
fnt 6 q>i%v6ag natijgn ohne mit demselben iq>fjx9P nnnöthlg in 
^qxip ViV zu ändern. Va. 1306, 7 ovg vvv üv roioldd' iv MovoiOi 



122 Griecbiscbe Litterttur. 

nm^Upovg o^hq d9§anovg^ aif iauuOxvvsi Afyoiy; la der Thal 
wire avxd bei leyov lu ergioien awlty und soll nan tovto ver- 
ateben, m fordert es für liyav ein lorifti^eres Verbum iniperaiidi. 
Hr. Scbo. ▼ennoüiet nao ßlhusfv. AUein Uyatv scbeint uot so au 
versieben : and tcbinal dich nicht Worte so OMchen bei einer so 
ocbindlichen Thnt? Vs. 1395 wuosebt Tenkros, der edelmüUiige 
Odyaaeoa möge an der Bestattong dea Aiaa nicht miChelfen^ 

ft^ f o 9€cvcvti xouto övöxBQig soid* 

[va d* £UUr xal Ivfur^aooc, kbI xiva ötgcttav 

9ilBi6 uoßi^Hv^ oviiv alyog e|ofiev.] 

fym ih tiXXa navta moqöwü' 6v öl 

av^Q %a9^ Vß^S lö9X6g mv ear/tfraoo. 
Die eingeiiianinierlen Verse «erden von Hrn. Sehn, mit Recht für un- 
tergeschoben erklirl. Die Worte iy<u 61 — MOQ0vva sind allerdioga 
als Parentbeais su betracblen, doch aber giaubeu wir nicht, dasa 
mit Y«JUa Mavxa ,^alies Weitere^* (die Bestattung) im Gegensats 
nur erwirkten Brlaobniss der Beslatlung Yerstandeo werden koiine. 
Man erwartet vielmehr Ibigenden Zusammenhang; An der BesMil- 
tung kann ich dich nicht Thcii nehmen lassen, weil es dem Todten 
vielleicht nicht lieb w&re. Für die Beslattong su sorgen ist meine 
Sache nnd die mir ankommenden Verrlditoogen will ich alle be- 
sorgen. Dir dagegen erkläre ich, dass du dich an uns als edel n 
Mann erwiesen. Darum schlagen wir vor xdfia nivxa. 

PhiloHei, Vs. 66 xovxcnv ydg ovÖiv fi' aXfWHg, Hr. Sehn, 
sagt : ,, der Accus, tritt su dkyvvstv im Sitme von oviav xovtmv 
Uyayif dXywBlg i^L ^^ Da aber die Negation su dkywiig gehört, 
ao wäre eher so zu sagen : In nichta von diesen Aeuaaeruugen wirst 
du mich beleidigen. Vs. 67 Xvnrpß xäöiv 'j^gysioig ßalaig- Hr. 
Sehn, nimmt Anstoss an der ungewöhnlichen Ausdrucksweise XvxijV 
ßdkXstv Tivl und vermulhet an sich passend dg^lg. Sollte aber 
nicht mit ßaltig die Unvorsichtigkeit beseichnet sein, mit der 
IVeoptoIem gar leicht den Arg. Schmers verursachen könnte 1 
Vgl. AI. 1005 dvlag fio« xaxaöniiQag, Vs. 110 nc5g ovv ßkbcwv 
ctg xavxa ToA/Et^O£t lakHv\ Da dem Ref schon vorgekommen, 
dua der junge Leser dieses als eine sornige Drohung gegen Odys- 
aeus fassen wollte, so dükrfte bemerkt sein, dass mit ti,g Neoptolem 
sich selber meint und xavxa auf xd ifBVÖ^ v. 108 geht. Vs. 138 
Deutlicher würde die Conatr. so gegeben: r(;|^a srpovxe* vixvaff 
ixigag Keel yv{6(Aag higag yvcif^a (ixhlvov) nag ä, Vs. 178 ä 
dv6xava yivij ßgoxtoVy olg fii; (lixgiog alav. Die Worte gehen 
wohl nicht auf das traurige Loos der Sterblichen im Allgemeinen, 
sondern, wie pnj anzeigt, nur bedingt auf die, olg fi^ fihgiog aliäv. 
Vs. 190. Statt des sinnlosen vuoxiixa^t wofür schon Mannigfaltiges 
vorgeschlsgen worden , ist aufgenommen v^toxkaUi , wie schon 
Pflugk conjicirt halte, mit d^r Bemerkung, es bedürfe hier ein 
aucoifiii, Gans recht! Im gleichen Sinne hatte Ref. fiirsich ver- 
mutbet vnaüÖBt,. Vs. 228 oAA' olntlöavte^ avöga dvOt^voVf 



Schneidewin: Sophokles« I. Bindcheo. 123 

giovov^ S^ßov cldfi %S<pikov xaXovilWQV. Das leere xaXo^fMivov 
wird mit Recht Terworfen. Bergk's u^iXoviiBVov gefällt dariim 
niodcr, weit nach der Bescbaifeiiheit der Stelle die Worte ig^nov 
dda xa^iAov eiae Beatimiiuing sum fraglichen Particip sein soileo. 
Sehn. verBQcht nvnkoviiBvov. Ob aber dieaea in dem angegebenen 
Sinne ^,Schritt für Schritt aich forlachleppen^^ xulasaig , ist zu be- 
sweifeln. Es wurde eher heissen: sich mannigfaltig wenden und 
kehren, vgl. Ai. 19 ßdötv »VK^ovvta. Ret, dachte an dnoxoinov^ 
fifiyov, yider noch verkommen mnaa.^^ Sonst wäre Brnnck's Ttcfjtov^ 
lt%vov silfäliig genügend. V6.267 dyifla voöep KaTaq)^lvovtci^ tijg 
av8Qotp&6(fov Tikriyivt l%l8vriq dygltp xagayf^ati. unzweifel- 
haft ist die aus Kustathius geschöpfte im PbiIoL raitgetheilte Vcr- 
besaeruog q>ot,vlm für dyglqf* Va. 271 dg ddav ix aoXkav odXov 
at/()os^/r wird erklärt: ,Jn Folge der heftigen Wundschmerzen/^ 
Wir sehen keinen Grund die eigentliche Bedeutung ,,in Folge der 
Yielea Bewegung auf dem Meere** aufzugeben, die freilich den 
Kranken noch mehr angriff und seinen Schlaf tiefer machte. Va. 
275 QaxTi nQo^ivtBs ßaid xai t» nai ßoQäg inmipilTjua OßiUQOV^ 
oV avxolg tv%o^> Dieae letzten Worte -scheint Hr. Sehn., wie 
aus seiner Berufung auf Va. 315 u. 509 zu scbliessen , als Wunsch 
zu fassen. Das Ist aber unrichtig. Die Verwünschung folgt mit 
aller Energie am Schlüsse der ganzen ^^oig Va. 315 au ihrem 
Platze und hatte hier, da sie sich auf die Kleiderfetzen und die 
kümmerliche Gabe von Nahrung bezöge, etwas Kleinliches. Viel- 
melir heisst es: was sie eben fto bei der Hand hatten, und der Opt. 
iaX wie 289 o ptoi ßdXot, atgctHtog- Zu dem Va. 301, wo Philokt« 
a'eine einöde Insel mit den schönen Worten zu schildern beginnt, 
fUIt uns die Lage der Mönche ein auf der Felseninsel ÜLnig^^ die 
wohl zwei Monate nicht besucht werden kann, keinen Fischerkahn 
hat und nur zufSlIig kommt ein Schiff in die Nabe , nach Rosa Kö- 
nigsreisen II. 37. Die Note zu Vs. 335 ist sehr gut, nur sollte, da- 
mit sie nicht seitwärts abführe, noch bemerkt werden, dass der 
JiingHng mit Stolz erwähnt, kein Sterblicher habe seinen Vater 
gefallt. I Va. 347. Gut wird für aXkov ij 'fi bIbIv^ da hier der ent- 
gegengesetzte Fall ist ale Vs. 47 , vermuthet akkov &v8q* ik$iv, 
Va. 394 a vov fiiyav UaHvmXov iv%qv9qv vifiiig. Wenn 
diese Worte so erkifirt werden, dass „Kybele den Paktoloa gold- 
reich schaffe,'^ ao bedurfte es des Zusatzes ,. dass bvxqvöov pro- 
leptlsch stehe, da der Schuler in seinem Wörterbnche ,, schaffen ^^ 
unter viiAHV nicht findet. Va. 421. Trefflich wird hier ti ö'og nd- 
Xmog verbessert In %L d' av «cxAatog. Va. 425 *Av%Lko%og avziiß 
ipQQviogs o<inig ^ yovog. Die hergebrachten Lesarten, nämlich 
die eben angeführte und o0suq ^v fi6vog% aind beide Terwerftich, 
letztere unbiatorlsch, eratere matt. Hr. Sehn, verroutiiet og xag^p 
yovii (dem Nestor). Schon Musgrave wollte o$ nag^v. Ref. 
vermuthete Sg mag^v fi6i/g». Ea soll nämlich angedeutet werden, 
daaa in jener Verfolgung durch Mejnnoa Neator auf aeiiiem durch 



124 Griechische Litterator, 

den Fall seines Pferdes gehemmten Rnclcsn^ sich rin^um verlas- 
sen und allein sah, weswegen er auch nach seinem Sohne schrie, 
ßoaös xalda ov PInd. Pyth. 6, 36. Vs. 442. Der richtigen Bemer- 
kung war noch beisufugen, dass, obschon Philoktel den Thersites 
meint, Neoptolem den Odysseus versteht, weil dieser ihm in sei- 
ner Lage zuvörderst vorschwebte. Vs.443. Thersites ovk Sv bZIbx* 
ücina^ tlnflVy o»ov fii^dclg ^cii;. Die vorgeschlagene Aendernng 
des stAsT* In tl%%x scheint uns nicht nothig. In Biktto Hegt sudem 
die Andeutung grosser SelbstgeHÜligkeit. Wir fsssen &v niafere^ 
womit d Idpti harmonirt: der nicht leicht vorsog nnr einmal su 
sprechen, .wo es Keiner wollte, nämlich dass eres nur einmal thit^, 

Seschweige denn mehrmals Vs. 445 ovn hlöov avxov^ Tffö^ofAipß 
' Ir' ovta viv. Hr. Sehn, nennt avroV bei viv befremdlich und 
will dafür avxoQ. So müaste es allerdings heissen, wenn JVeopto* 
lem au sagen hat: ich persönlich habe Ihn nicht gesehen. . All^ein 
N. sagt : ich sah ihn nicht — besinnt sich dann ein wenig und fögt 
hinzu: erfuhr aber dass er exlstire. Von dem demagogischen 
Schreihals, soll au9gedriickt werden, habe N. kaum Notiz genom- 
men. Vs.4()7. Die Beziehung von ^q '£ an6%tov hwi xiiX6%tv hlöo- 
QtQv Vs. 454 Ist kaum vorhanden. Vs. 521. Neoptolem warnt den 
Chor, er solle sich jetzt nicht durch Mitleid hinreissen lassen, 
wenn dagegen die Krankheit öbcrlüatig würde, roV ovxid^ avxog 
tots Ad^/Qtg xovtoig ^avi^g. Zu xovxoig tolg Xvyoig findet sich 
die Note „r^ tetvxtc liyovx^.^' Das musste man eher anf PhHokt. 
beziehen. Allein N. warnt, der Chor solle nicht dannzumal mit 
seinen jetzigen Aeusserungen in Widerspruch gerathen. Die Note 
sollte also helssen : ,, öol xavxa Xiyovri.^*' Der Dichter konnte andi 
schreiben: toiöt Coig kayotgt allein tovxoig sagt: mit diesen dei- 
nen letzten Aeusserungen. Zu Vs. 529 ist das Citat „Ai. 904^ 
falsch, es sollte eher helssen Phiiokt.961. Scharfsinnig ist Vs. 631 
die Vermuthang ij 9ä06ov^ Vs. 64*2 dU' iöxl fiir ovk ikXd Bine 
wahre Verbesserung ist die Zuthellung des Vs. 671—673 an Neo- 
ptolem. Zu rasch dagegen Ist Vs. 676 ovdaptd geschrieben fijrdas 
herkömmliche ov fndka. Vgl. ov ndw und Kruger gr. Gramm. 
§. 67, 1, A. 3. In diesem Choriied, obschon nicht Alles ins Reine 
gebracht werden konnte, reicht ein vergleichender Blick auf Won- 
der's dritte Ausgabe hin, um zu erkennen, wie viel das VerstSnd- 
nlss durch Hrn. Sehn, gefördert worden' Ist theils mit Emendation 
nsch Schollen und vermittelst Conjectur, theils durch ansprechen- 
dere Erklirung, wahrend man sich früher durch so viel Dorniges 
und Geschraubtes hindurch arbeiten musste. Vs. 578 lesen wir 
eine ungezwungene und treffende Erklärung der Worte %kdvoig 
lömg 6g IgcsrAi^di^, und Vs. 767 eine treffliche Emendation l^avy. 
Auch glauben wir Vs. 777 hier zum erstenmal richtig erklart zu 
finden , warum der Bogen noXvnova genannt wird. 

Doch nnserm oben ausgesprochenen Vorsatze getreu wollen 
wir lieber solche Stellen berühren , in denen whr eine abweichende 



9chneid9win: Sophokles. L Bandchen. 125 

MeiBunf haben. Vi. 791 wird mit Recht aufmerksaio f emacbt auf 
das Ironiache in der Anrede m |£i/s Kh(pakXr^v^ das wir doch nicht 
auf den von Odysseus zugedachten Besuch beziehen , sondern so 
verstehen möchten, >»ie auch oft unser ,^ Landsmann! ^^ ironisch 
tont. Vs. 800. Philoktet bittet im Terzweif elten Schmerz den Neo< 
ptolem^ ihn zu Terbrennen xiq jliifiviip %^ä^ avaxakoxfVsva} nvgl^ 
für weiches man axaxvxAovfiivc) nvQi wollte. Hr. Sclin. weist 
sehr gut und gelehrt nach, dass das ^ij^tviov nvg ein sprüch wört- 
liches geworden war. Wenn er aber bemerkt, Pli. fordere mit er- 
zwungenem Humor den N. auf, ihn in das Feuer zu werfen, wel- 
ches im eigentlichen Sinne ein Leronisches sei, so ist es schwer- 
lich Humor, für den im wuthendsten Körperscbmerz keine Stelle 
ist, sondern ¥h. deutet an : meinen Schmerz kann nur das schreck- 
lichste Feuer vertilgen , fiär das man das Lemnische kennt (ava- 
nalavfihqi)^ Vs. 8ö0 o^fiaot d' ivtlöxoig xavS* alyXav^ £ tixa^ 
tat xavvv. „Halte den Augen ab (indem du dich. Schlaf, entge* 
genatellst) den jetzt ausgebreiteten Sonnenglanz^^ erklärt mit Meh- 
rerm Hr. Sehn. Wir bezweifeln, ob avtlöxoig heissen könne 
„halle ab,^^ und begnügen uns lieber mit der gewöhnlichen Er- 
kllrung: halte entgegen den Augen das jetzige Dunkel. Die son- 
derbare Antiphrasis, die Blindheit des Schlafenden alykij zu nen- 
nen , passt ganz zu dem geheimnlssvollen Ton dieses Ghorliedes. 
Vs. 864. Allerdings fuhrt in dieser Strophe Alles darauf, dass ge- 
sagt werde, ein unriskirtes Unternehmen sei ein gutes, völlig in 
der Denkungsart der handeltreibenden Schiffer, Hr. Sehn, fuhrt 
Dobree's sinnreiehe Vermnthimg an, dass 6er \8.Sb9 (dUiqg vavog' 
ic9X6g) zu streichen und am Schlüsse der Strophe für novog 6 
11^ q>0ßav xgdxiöxog zu schreiben sei ddei^g novog iö&kog. Es 
verdient sber der unlängst gemachte hübsche Vorschlag Biunn 
lein^s Erwähnung, dass der letzte Vers laute: novog 6 (i'^xovtov 
ngitiötog* Vs. 908. Das dsvxsgov wird gut erklirt mit dem er- 
heuchelten Hass, welches das ngtSxov ifsvdog war, nur sollte es 
heissen „übertrieben erheuchelten.^^ Denn wahre Schmerzempfin- 
dung lag , wie das Feuer der ganzen Rede Vs. 543 if. zeigt , der- 
selben zu Grunde. Neoptolem glaubte sich durch den Entscheid 
über die Waffen seines Vaters wirklich beeinträchtigt und seine 
Rede enthielt Wahrheit neben Dichtung. Vs. 983. Für sehr wahr- 
scheinlich halten wir die Conjectur aXXd *al öi dti Oxü%hv S^C 
uvxolg {xolg xo^oig) ij (mit Auslassung von ßla) 0xbIov6lv otds 
öS, da die zwei Begleiter des Odysseus, wie Hr. Sehn, zuerst be- 
merkt hat, irgendwo voraus bezeichnet werden sollten. Vs. 1005. 
Der firsgweise vorgebrachten Vermuthuiig, ob öw^riQüifieva^ zu 
verstehen sei afitt xoig xo^oig &7]Q<D^srai^ möchten wir beistim- 
men, da Philoktei mit seinem einzigen Freunde , dem Bogen, als 
Beute gefangen wird. Vs. 1049. Auf die den Trimeter in gleiche 
Hälften thellende Cäsur (ov ydg xoiovxayv du, xoiovxog e^fi' lya^ 
oder 1009 dvd^i^ov fiev öov^ Kßxd^ov d* ifiov^ oder an noch an- 



\26 Griechisclie Litterator. 

dern Stellen), die in sprichworllKhen , ocler In antithielfschen 
Satien , oder in solchen , die eine besondere Eotachlossenheit ans- 
drucicen, von Wirltan^ Ist, hätte irgendwo sollen anfmerksam ge- 
macht werden. Vs. 1108. Die gewöhnliche Lesart cv ipogfiav In 
nQ06q>iQa)Vi ov ntav&v du* ifitov SxXiov ngataialg (iBzd x^Q^^^v 
lövoiv wird verlassen, weil nach derselben zwischen der sonsther 
In die Höhle getragenen und der durch den Bogen gewonnenen 
wogßa ein nicht vorhandener Unterschied gemacht wQrde, und ge- 
schrieben: ov ipogßccv (xL nQ06q)iQa)v, ov, ntavfov xrl. C3ns 
scheint aber nach otü das Folgende matt. Wir möchten uns viel- 
mehr mit Beibehaltung der gewöhnlichen Schreibweise nach onhov 
eine Interpunction denken: Nicht ferner Nahrung heimtragend, 
nicht vermittelst meiner Geschosse, indem ich sie (die Geschosse 
und allerdings nicht tpogßdv) in meinen starken Armen halte. So 
ist es nicht so sehr eine Unterscheidung als eine Ausführung der 
Worte 01; — ngo6q>igav. Vs. 1135. Philoktet redet seinGeschoss 
an : dXV^ iv (lerakkayä fcokvfitjxdvov dvdgog igi066i. Du wirst 
bewegt, gehaudhabt, möchten wir igi60Bi, lieber aus der allgemein 
gebrauchten Uebertragung dieses Verbi, als mit Hr. Sehn, aus 
der Annahme erklaren, die Metapher sei darum gewählt, well 
Phil, sich den Odysseus mit dem Bogen am Strande des Meeres 
denke. Sonst Hesse sich (vgl. Vs. 140) schreiben dvdööBi, Vs. 1213 
ov y&g Iv ifdit y' fot wird hier nnsers Wissens stierst richtig er- 
klärt durch aus dem Vorigen hinzugedachtes iiatBvöio. Der Kurze 
wegen berühren wir noch mit einem Worte folgendes: die Rettung 
des angefochtenen Vs. 1253 durch treffende Erklärung, die schö- 
nen Emendationen Vs.1322 svaotttv, Vs.l418 xal ngäta filvtoi 
x&s ifids öxtüfavtvxag, Vs.l431 nolepilov. Dsgegen wurden wir 
Vs. 1228 lAcDV an ^fAagtov sich anschliessen lassen , welches Neo- 
ptolemos bei ^v (ifgetgvlav) öol «i^ouBvog xal rcJ öv^uavtt OtgatiS 
im Sinne hat. Vs. 1396 6g gä^t" £fiol fiev xmv Xoymv l^^at, öl 
61 Z^f, Sanng riini f^g, avtv 0iaTiigiag, worauf Philoktet einfallt: 
la fiB ndöx^^^ vaM^ &nBg nu^ilv fis isL Die Schwierigkeit in 
der Gedankenverbindung obiger Verse des Neoptolem hat Hr. 
Sehn, erst im Philol. aufgedeckt, wo er annimmt, dassdesNeo- 
ptolems Worte von Philoktet unterbrochen werden , und dann für 
^ijv vorschlägt idv. Die Unterbrechung, so dass nach 0aniiglag 
ein Gedankenstrich zu setzen, nehmen wir an, nicht aber die 
Aenderung von i^v in iäv. Nach unserer Ansicht ist folgendes die 
Gedankenverbindung: Neopt. Was ist zu thun, wenn ich mit Wor- 
ten nichts bei dif ausrichte 1 Denn zwar abstehen vom Zureden 
kann Ich, dass aber du lebest, wie du jetzt lebst, ohne Heilung 
->. er will hinzufugen, das geht nicht, denn du musst geheilt wer- 
den. Aber Phil, unterbricht ihn , da er nichts von der Hellung Tor 
Trola hören will: Lass mich diese Krankheit dulden, die ich muss, 
nur halte dein Wort und föhre mich heim. 

Doch mit dieaem , seien es Zweifel oder thellweise Beriditl- 



Schmitt: Orgairiamas der lateiniicheii Sprache. 127 

gangen , sehlfoBsen wir nnsere Anseige unter lebhaftem Danke filr 
den Herrn Heraoa^eber. Mit Ungeduld erwarten wir das «weite 
Bandclien , welebea die drei Tragödien aus dem Thebaniachen Sa- 
^nkreiae enthalten soll. Im dritten Bftndehen Terheisst er neben 
den zwei übrigen Tragödien die allgemeine Einleitung zum 8or 
phokles. Möge er glucklich daa schöne Werk vollenden! 
Aarau. R. Rauchemtein. 



Bericht über die Leistungen auf dem Gebiete der lateinischen 
« Grammatik in den letzten Jahren. 

Einen früheren Bericht über eine Reihe grammatlacher 
Schriften , a. diese Jahrb. Bd. 34 S. 465^ glaubte der Unterzeich- 
nete mit der* Hoffnung schliessen zu dürfen > dass, da to bedeu- 
tende Kräfte dem Studium der lateinischen Grammatik sich zuge- 
wendet hatten, bald eine ▼ollstlndige , den Anforderungen der 
Wissenschaft entsprechende oder wenigstens den Leistungen in 
der griechischen und deutschen Grammatik nicht nachstehende 
Bearbeitung derselben erscheinen werde. Seitdem ist eine Reihe 
von Jahren verflossen, ohne dass Jene Hoffnung erfüllt worden ist, 
sei es, dass die, welche sie erregt hatten, sich andern Gegenatinden 
zugewendet, oder dass sie wegen der grossen Schwierigkelten der 
Aufgabe die Ausführung ihrer Plane nur aufgeschoben haben. 
Nur ein Werk tritt uns för jetzt entgegen , welches wenigstens 
dem Titel nach das leisten zu wollen verspricht, was schon längst 
als ein Bedfirfniss erkannt worden ist, nämlich Organismus der 
lateinischen Sprache oder : Darstellung der Weltanschauung des 
römischen Volkes in seinen Sprachformen von Dr. Anton 
Schmitt. ZweiTfaeile. Mit sechs Formentafeln. Zweite Auflage. 
Mainz 1851; in der Ausfuhrung aber selbst hinter den missigsten 
Ansprüchen an ein Werk, das in dieser Weise sich ankündigt, weit 
zurückbleibt. Wenn die Weltanschauung eines Volkes und der 
OrganismuB seiner Sprache dargelegt werden soll , so verteht sich 
wohl von selbst, dass die gesammte Sprache in ihren Wurzeln und 
Formen, aowohl denen der Wörter als der Salze und der Darstel- 
lungswclsen, in ihrer historischen Entwickelung und Umbildung 
umfasst werden müsse; dagegen hat sich Hr. Seh. begnügt eine 
eben so dürftige als breite Entwickelung der Wortformen zu ge- 
ben, sie mit einigen philosophischen Gedanken und Phantasien zu 
verbrämen und statt grundlicher Forschung seine eubjectiven 
Meinungen mit unzähligen Wiederholungen vorzutragen. Nach«- 
dem der geistreiche C. F. Becker seinen Organismus der Sprache 
und das Wort in seiner organischen Verwandlung veriasst und der 
philosophischen Sprachforschung einen neuen Impuls gegeben 
hatte, mochte es Hrn. Seh. ein Leichtes scheinen den Organismus 
einer Einzelsprache ans den einmal angeregten Ideen zn entwl- 



128 Lateinische Litieratar. 

ekeln nnd, was Becker mit dialektischer Scliarfe tmcl lebendifer 
Combinatlona^abe «qtgeführt liatte, in den allgemeintten UmritB^ 
oline tieferes Studium auf das Lateinische übersutra^en und hier 
Alles aus Allem, wie er au sagen beliebt „sich orgsnisiren ^' >• 
lassen. Da d. V. die Darstellung der WeltanscShauung des römi- 
schen Volkes in seinen Sprachformen geben m\l^ so musste man 
erwarten, dass er in den Wortformen, auf die er sich beschränkt, 
das speciiisch • Römische und daraus die eigenthnmilche WelUa- 
schauung, die iu demselben ausgeprägt ist, nachgewiesen hsben 
werde, ds bekanntlich die meisten dieser Formen dem gansen 
indogermanischen Sprachstamme gemeinscliaftlich sind: aber dieses 
ist so wenig geschehen , dass, was den Römern eigeuih&mllch ist, 
nicht einmsi geschieden wird , geschweige denn , dass irgend wie 
die Weltanschauung des Volkes dsrsus abgeleitet werde. D. V. 
lässt die lateinische Sprache entstehen sus einer Vereinigung ,,der 
helleni-peiasgischen^^ mit der Mhetruskischen,*' wo nur zu bedsa- 
ern ist, dsss er weder nachweist, dass die Hellenen früher als die 
Pelasger Griechenland bewohnt haben^ noch irgend etwas über die 
etraskische Sprache, deren BeschaflTenheit und Gestalt milgetheilt 
hat, was bei der Dunkelheit, die noch suf derselben ruht, iu hohem 
Grade wünschenswerth für den Plan des Verfassers, da er in die- 
ser Sprache ein so bedeutendes Element der römischen findet, 
unumgänglich nothweodig gewesen wäre. Aber Hr. Seh. weiss 
kein Wort über dieselbe zu sagen , er bemüht aich vielmehr das 
Uralphabet der indogermanischen Sprachen nach eigenen Ideen 
zu construlren und dss Isteinische ohne die Cntersuchungen von 
Schneider, Lepsius, die Jetzt von Mommsen bedeutend erweitert 
sind, zu beachten, ohne die historisch gegebenen Grundlagen ,za 
benutzen und die schwierigen Frsgen, z. B. über die Zischlaute, 
über g, z n. s. w., irgendwie aufzuklären. Ebenso enthält der Ab- 
schnitt über die Laute nichts, was nicht in jeder einigermaassen 
ToUständigen Grammatik sich fände, das Eigenthümllche des Istel- 
nischen Lautsystems, dessen Erkeuntniss so nothwendig ist für die 
Einsicht in dss Wesen der Sprache , die Umgestaltungen und die 
Fortbildung derselben ist mit keinem Worte berührt, während 
jnsnche seiner Bemerkungen nur suf Missverständnissen beruhen, 
wie dass der leise Hauch , weil für ihn kein Schriftseichen im La- 
teinischen existirt, auch kein Lautelement sei, so dass nun aus h 
durcli fortgesetzte Articulation r/, /, ferner s, r, l etc. entstehen ; 
dass sich sus a, als Crvocal, die übrigen Vocsie entwickeln, die 
Behandlung TOn ai und et in stbei u. a. als Diphthonge, die An. 
nähme, dass r in s übergehe S.39, wss erst S.2()0 verbessert wird, 
u. m. a. Statt di« Lautgesetze der lateinischen Sprache, die noch 
so mancher Aufklärung bedürfen, zu entwickeln, miiht sich Herr 
Seh., ausgehend von der Ansicht, „dass der sprschbiidende Geist 
von dem Urgefühle, d. i. von der Idee des Universellen, als höch- 
ster Einheit^^ begione, ab ein „Urclementarwurzelwort^^ zu finden, 



Schmitt: Organismns der Jateinisdien Sprache. 120 

welches dieser höchsten Einheit entspreche, und findet es g^lnck- 
lieh in der Verbindung des „spiritas lenis oder dessen nächster Ar- 
tlculation, d. i. s, als dem subjectiven Elemente, und einem anderen 
Elemente, welches das objectlTC Princip der lateinischen Sprache, 
d. h. die Erscheinungsweit nach der Ansicht des römischen Volks- 
geistes, nämlich das Bewusstsein der objectiven Welt und ihrer 
Verhältnisse darstellt'^ und entweder o aus ax,u oder e aus axi 
entstanden sein kann. Hr. Seh. entscheidet sich filr e« ,,weiltf 
mehr den totalen und dunkeln Eindruck der Sinnen weit, e dage- 
gen wegen seines Factors t das hellere Bewusstsein der objectiven 
Welt, die Herrschaft des Creistes über die Sinnen wek ausspricht. 
Mit diesem glücklichen Funde des Urelemenlarwurzelwortes in 
der Silbe ae ist nun d. Verf., da er die Ansicht hat, dass aus der 
höchsten Einheit durch beständige Abstufung und Indi?idualisirung 
die einseinen Begriffe und Worte sich bilden, in den Stand gesetst, 
die ganse lateinische Sprache entstehen , sich organisiren zu las-* 
sen, denn „articulirt sich der Anliauch der Urelementarwurzel e 
oder t in s, so entsteht die sprachliche Bezeichnung des räumlichen 
Urwurselbegriffs, das Urpronomen ,^^ unter den- alle Objecto ge- 
stellt werden können ; „bleibt der Aashauch von e oder i unarticu- 
lirt, oder articulirt er sich Tielmehr in s, so ist die sprachliche Be- 
zeichnung des zeitlichen CJrwurzeibegriffs, die Stammform des Ur- 
rerbums^^ gegeben, und es können also aus dem ae alle Pronomina 
Nomina, Verba entwickelt werden. Aliein Hr. S. hat es nicht ge- 
wagt, dieses Experiment zu maclten, er läset aus ae nur die Prono-. 
mina und die Flexion des Nomen nud Verbum sieh organisiren, 
wobei jedoch nicht angenommen« zu werden scheint, dass in den 
Flexionen des Nomen jedesmal das Urelementarwurzelwort ent- 
halten sei, während dieses für das Verbum behauptet wird. Wir 
wollen nur Weniges ans der weitschweifigen Deduction des Verf. 
anführen, um einige Proben seines Verfahrens zu geben. So nimmt 
er S. 84 als nomlnat. sing, an; s-e, s-o; s-i, s-» (/t\ tu)^ ae-met^ 
und dieser Nominativ soll noch als Reflexivpronomen (1) 
existiren. Der Genitiv ist »e-ii(-«), sa-ti(s), ««-•(«), «o^f(*), a-e-a; 
st- {/-(«), sft-i(-s) aU; SU-», sti-f, sri-ti(-s), süs, au-i-met. Aus dem 
ae hat nun der Qetst des römischen Volks „dadurch , dass er a in 
i organisirte,^^ /e, /t gebildet; der noro. plur. von diesem te ist /e-s, 
t€'ia^ ti-af ve-a^ ve ia (v-ia); voa^ (o-ti-s), voamet; wie sich v aua 
i organisirt hat, ist nicht nachgewiesen, wohl aber ausfuhrlich re- 
^.f-r-t, ve-alr-n-m behandelt: die Pluralitätsform ve ist mit dem 
belebenden Spiranten a: vea; um die Pluralitätsform ganz unzwei- 
felhaft zu bezeichnen , wird . noch die Singolarform te angehängt, 
als vea-te; das Genitivverhältniss des Plurals wird ausgedrückt 
durch Verdoppelung des Verhältnissvocals ii, also veUe-u u; aber 
eund u machen einen Hiatus, daher tritt das äolische Digamma 
ein, statt dessen aber das , JLigament^^ r, also veate-r-u-ü; endlich 
gebt das zweite ti in m über, dieses klang aber dem römischen 

ti,Jakrb.f. Pkii.u. Päd. od. KriU Bibl, Bd. LZU. äfl. X 9 




122 GriecbUohe Litterator. 

I 

9tHftivov^ ci9Big d^intovg^ ov& ixai^xvvei AfycDv; In der Thal 
wäre avxü bei kiymv, au ergäoaen matt» und soll man tovzo ver- 
stehen, 80 fordert es für XiyG}v ein kräfti£;ere8 Verbum imperandi. 
Hr. Sehn. ?eraiothet nun /SAiacov. Allein Uy(ov scheint uns so su 
verstehen : und schämst dich nicht Worte zu machen bei einer so 
schändlichen Thati Vs. 1395 wünscht Teultros, der edelmüibige 
Odysseos möge an der Bestattmif des Aias nicht mithelfen, 

ß'^ t^ 9av6vu tovzo öv^x^ig xoi&' 

[t<x d' akka xal (i;ft9rpa0<5c, xBt riva ötgavov 

^iXstg xoßl^BiVy ovdhv akyog s^of^sv.] 

iya dh tikXa naina xoQövvä' 6v Öl 

avi^Q xa9^ VP^^S ic&kog cSv Ixlötaöo. 
Die eingeklammerten Verse werden von Hrn. Sehn, mit Recht für un- 
tergeschoben erklärt. Die Worte i^ds — noQövvm sind allerdiogg 
als Parenthesis su betrachten , doch aber glauben wir nicht , dasa 
mit zikka nivra ,, alles Weitere^' (die Bestattimg) im Gegensatn 
sur erwirkten Brisubniss der Bestattung verstanden werden könne. 
Man erwartet vielmehr folgenden Zusammenhang; An der Bestat- 
tung kann ich dich nicht Theil nehmen lassen, weil es dem Todten 
vielleicht nicht lieb wäre. Für die Bestattang su sorgen ist meine 
Sache und die mir ankommenden Verriclitongen will ich alle be- 
sorgen. Dir dagegen erkläre ich, dass du dich an uns als edeln 
Mann erwiesen. Darum schlagen wir vor tafia nivxa. 

PhüokteL Vs. 66 roiitov yngovikv ik ai/yvvaig, Hr. Sehn. 
sagt: „der Accus, tritt au dkyvvHv im Sijine von ovSiv tovzav 
kkyiov dkywBlg ifii, *^ Da aber die Negation au dkywBig gehört, 
80 wäre eher so au sagen : In nichta von diesen Aeusserungen wirst 
du mich beleidigen. Vs. 67 kvnijv xa6iv 'jiQyaloig ßakalg. Hr. 
Sehn, nimmt Anstoss an der ungewöhnlichen Ausdrucksweise kv%i^ 
ßakknv Zivi und vermuthet an sich passend aQBig. Sollte aber 
nicht mit ßaktig die Unvorsichtigkeit beseichnet sein, mit der 
Neoptolem gar leicht den Arg. Sciimera verursschen könntet 
Vgl. AI. 1005 ttvlag fio» xazaönilgog. Vs. 110 ntSg ovv ßkin&v 
tig zavza zokfi^öti, kakilv^ Da dem Ref. schon vorgekommen, 
dass der junge Leser dieaes als eine aornige Drohung gegen Odys- 
seus fassen wollte, so dürfte bemerkt sein, dass mit zig Meoptolem 
sich selber meint und zavza auf zd ipcvd^ v. 108 geht. Vs. 138 
Deotlicher wurde die Conatr. so gegeben : zix*^a nQov%Bi zkxvag 
izigag xal yvcifiag higag yvci^ia \ixBlvov) nag 9. Vs. 178 co 
dv6zava yiv^ ßgozmVj olg fi^ fiizgiog almv. Die Worte gehen 
wohl nicht auf das traurige Loos der Sterblichen im Allgemeinen, 
sondern, wie inj anaeigt, nur bedingt auf die, ol^ fiij (lizgiog alciv» 
Vs.l9U. Statt des sinnlosen vnoxaizaiy wofür schon Mannigfaltiges 
vorgeschlagen worden, ist aufgenommen visoKAa/s&i wie achon 
Pflugk conjicirt hatte, mit d^r Bemerkung, es bedürfe hier ein 
ßuccfttU. Gana recht! Im gleichen Sinne hatte Ref. f&raich ver- 
muthet vxaMu. Vs. 228 diX olxzlöupzeg avöga övöztiPoVf 



Schneidewin: Sophoklet. I« BiiidcheD. 123 

fiovop^ ljpi7|iov cids %&q>ikov xakoüßwoff. Das leere MaXfnif$Bvov 
wird mit Kechl terworfen. Ber^k't usiXovfUVov gefallt darum 
minder^ weil nach der Bescbaffenheit der Stelle die Worte igijiiov 
mÖB xaq)ilov eine Bestimmong sam fraglicbea Particip aeio aoUeo. 
Sehn, geraucht xvhXovubvov. Ob aber dieaea in dem angegebenen 
Süine ^,Schritt für Schritt alch fortachleppen^^ suUiaaig , ist su be- 
iweifeln. Es wurde eher heiaaen : aicb mannigfaltig wenden und 
kehren, ?gl. Ai. 19 ßd6i,v xvKkovvxa. ftef. dachte an anoxa^ov- 
luvovj ^der noch verkommen mnaa.^^ Senat wSre Brunck'a xiyxQti- 
fiivov aUfälllg genagend. Vb.267 dyifla vooqf xataq>^lvovta^ %^g 
ivigo^&oQOV uXriyivx ixUvijg dyQlq> %apixyfiart. CJnsweifel- 
haft ist die aus KuBlathiiis geschöpfte imPbilol. mitgetheilte Vcr* 
besaerung tpoivlip für ayglq}, Va. 271 tag ildov in noXkov OaXov 
Bvdovta wird erklMi ,«in Folge der heftigen Wiindachmerien.^^ 
Wir sehen keinen Grund die eigentliche Bedeutung ^in Folge der 
▼ielen Bewegung auf dem Meere *^ aufzugeben, die freilich den 
Kranken noch mehr angriff und aeinen Schlaf tiefer machte. Va. 
275 Qaxfi 9Q0^ivtBs ßaiu xal u uai ßogäg inmq>iXiiiia ößiTiQov^ 
oV avxolg tv%ok. Dieae letzten Worte acheint Hr. Sehn., wie 
aoa seiner Berufung auf Va. 315 u. 509 zu acbliessen » als Wunsch 
zu fassen. Daa Ist aber unrichtig. Die Verwünschung folgt mit 
aller Energie am Schlusae der ganzen fi^öig Va. 315 an ihren 
Platze und hätte hier, da sie sich auf die Kleiderfetzen und die 
kümmerliche Gabe von Nahrung bezöge, etwaa Kleinliches. Viel- 
raelir helsst es: was sie eben so bei der Hand hatten, und der Opt. 
iel wie 289 o fioi ßdXot, atgantog. Zu dem Va. 3D1, wo Philokt. 
aUne eioode ln$el mit den achönen Worten zu schildern beginnt, 
fiUt uns die Lage der Mönche ein auf der Felseninsel 77i9ripi, die 
wohl zwei Monate nicht besucht werden kann, keinen Fischerkshn 
bat und nur zuffillig kommt ein Schiff in die Nahe, nach Boss Kö- 
nigsreisen 11. 37. Uie Note zu Vs. 335 ist sehr gut, nur sollte, da- 
mit aie nicht aeitwärta abfi'ihre, noch bemerkt werden, dass der 
Jungling mit Stola erwähnt, kein Sterblicher habe seinen Vater 
gefallt. • Va. 347. Gut wird für «AAor ij 'fi skBiv , da hier der ent- 
gegengesetzte Fall iat als Va. 47 , vermuthet alXov avög hkiiv, 
Va. 394 St TÖv ^iyav UaxxioXov bvxqvöov vifLug. Wenn 
dieae Worte ao erklSrt werden, dass „Kabele deu Paktoloa gold- 
reich schaffe, <^ so bedurfte es des Zosatzea, dass buxqvöov pro- 
lepilach atehe, da der Schüler inaeinem Wörterbuche „schaffen'^ 
unter viiMv nicht findet. Vs. 421. Trefflich wird hier xl i'og na- 
AoBiOg verbessert In %L d* ai nukawg. Vs. 425 *AvxLkoxog avztß 
q>QOVÖogn oöxiQ ^ yovog^^ I>ie hergebrachten Lesarten, nämlich 
die eben angefiihrte und oönBQ ^v fiövog. Bind beide verwerflich, 
letztere unbfstorisch, erstere matt. Hr. Sehn, verrouthet og nag^v 
yovei (dem Nestor). Schon Musgrave wollte Sg nag^v, Ref. 
vermuthete og nuf^v fidv^. Es soll nämlich angedeutet werden, 
dasa In jener Verfolgung durch Memnon Nestor auf aeinem durch 



124 Griechische Litteratttr. 

den Fall seines Pferdes gehemmteD Rneksn^ sich ringfsum verlas- 
sen und allein sah, weswegen er auch nach seinem Sohne schrie, 
ßoaOB naiaa ov Find. Pyth. 6, 36. Vs. 442. Der richtigen Bemer- 
kung war noch beizufügen, dass, obschon Philoktet den Thersites 
meint , Neoptolem den Odysseus Terstehl , weil dieser ihm in sei- 
ner Lage zuvörderst vorschwebte. Vs.443. Thersites ovh Sv bZImz* 
etoasEttl üntlvy onov ftijdelg ^cii;. Die vorgeschlagene Aenderung 
des sJAct' in %l%tx scheint uns nicht nöthig. In BikBxo liegt zudem 
die Andeutung grosser Selbstgeßlligkeit. Wir fassen av alsy«r«, 
womit d Itpri harroonirt: der nicht leicht vorzog nur einmal zu 
sprechen, .wo es Keiner wollte, nämlich dass eres nur einmal thit^, 
geschweige denn mehrmals Vs. 445 ovx tliov avrdv, jytf^pfei^v 
V h' ovta ViV. Hr. Sehn, nennt avxov bei viv befremdlich und 
wHI dafiir avtog. So mösste es allerdings heissen, wenn Neopto- 
lem SU sagen hat: ich personlich habe ihn nicht gesehen. . All^ein 
N. sagt : ich ssh ihn nicht — besinnt sich dann ein wenig und fögt 
hinzu: erfuhr aber dass er existire. Von dem demagogischen 
Schreihals, soll ausgedrückt werden, habe N. kaum Notiz genom- 
men. Vs.467. Die Beziehung von fi^ '| anonxov ^\\ix'tiX6%tv Ü6o- 
Q(DV Vs. 454 ist kaum vorhanden. Vs. 521. Neoptolem warnt den 
Chor, er solle sich jetzt nicht durch Mitleid hinreissen lassen, 
wenn dagegen die Krankheit öberlastig würde, «oV ovxi%^ avxvg 
voig Xöyoig xotixoig (pavi^g. Zu tovxoig xolg kvyoig findet sich 
die Note „rd tavxix Xiyovxi.^*^ Daa müsste man eher auf Phllokt. 
beziehen. Allein N. warnt, der Chor solle nicht dannsumal mit 
seinen jetzigen Aeuaserungen in Widerspruch gerathen. Die Note 
sollte also heissen : „ool ravra kiyovti^*' Der Dichter konnte auch 
Bclireiben: toiöi 6oig Xoyoig^ allein rovroeg sagt: mit diesen dei- 
nen letzten Aeusserungen. Zu Vs. 529 ist das Citat „Ai. 904^ 
falsch, es sollte eher heissen Phllokt. 961. Scharfsinnig ist Vs. 631 
die Vermuthang ^ datfoov, Vs. 642 dkX iöxl für ovk aXkd Eine 
wahre Verbesserung ist die Zutheilung des Vs. 671 — 673 an Neo- 
ptolem. Zu rasch dsgegen ist Vs. 676 ovdaßa geschrieben fürdas 
herkömmliche ov fidka. Vgl. ov nivv und Kruger gr. Gramm. 
§. 67, 1^ A. 3. In diesem Chorlied, obschon nicht Alles Ins Reine 
gebracht werden konnte, reicht ein vergleichender Blick auf Wun- 
der's dritte Ausgabe hin, um zu erkennen, wie viel das Verstand- 
niss durch Hrn. Sehn, gefordert worden ist theiis mit Emendation 
nach Schollen und vermittelst Conjectnr, theiis durch ansprechen- 
dere Erklfiruug, während man sich früher durch so viel Dorniges 
und Geschraubtes hindurch arbeiten musste. Vs. 578 lesen wir 
eine ungezwungene und treffende Erklärung der Worte mkavotq 
l6mg 6g IgssrAi^di;, und Vs. 767 eine treffliche Emendation l^avy. 
Auch glauben wir Vs. 777 hier zum erstenmal richtig erklärt zu 
finden , warum der Bogen nokvnovn genannt wird. 

Doch unserm oben ausgesprochenen Vorsatze getreu wollen 
wir lieber solche Stellen berühren , in denen wir eine abweichende 



Scbneid^wios Sophokles. I. Bandchen. 125 

Meimmf haben. Vs. 791 wiril mit Recht aufmerksam gemacht auf 
idaa Ironiache in der Anrede m ^evb KBq>akkijVy das wir doch nicht 
auf den von Odysaena zugedachten Besuch besiehen , aondern so 
▼erstehen möchten, wie auch oft. unser ,, Landsmann!^' ironisch 
tönt. Vs. 8ü0. Philoktet bittet im verzweifelten Schmers den Neo< 
ptolem, ihn zu verbrennen t(ß Jirnivtm t^6^ avaxaXovifiva} nvQl^ 
für welches man axaxvxAov/iiv^ %vqI wollte. Hr. Sehn, weist 
aehr gut und gelehrt nach, dass das jd^fnviov nvQ ein sprüch wört- 
liches geworden war. Wenn er aber bemerkt , Ph. fordere mit er* 
swnngenem Humor den N. auf, ihn in das Feuer bu werfen, wel- 
ches im eigentlichen Sinne ein Lemnisches sei , so Ist es schwer- 
lich Humor , für den im wiäthendsten Körperschmers keine SteUe 
ist, sondern Fh. deutet an : meinen Schmerz kann nur daa achreck- 
liebste Feuer vertilgen, fnr daa man das Lemnische kennt (dva- 
naloviiivip). Vs. 830 oykuMi d' avtlöxoig xavS* alyXav^ a tiza^ 
tat xuvvv. „Halte den Augen ab (indem du dich, Schlaf, entge- 
genstellst) den jetzt ausgebreiteten Sonnengbinz^^ erklärt mit Meh- 
rerm Hr. Sehn. Wir bezweifeln, ob avzl6%0ig heissen könne 
„halte ab,^^ und begnügen uns lieber mit der gewöhnlichen Er- 
kUrung: halte entgegen den Augen das jetzige Dunkel. Die son- 
derbare Antiphrasis, die Blindheit des Schlafenden ulyktf zu nen- 
nen , passt ganz zu dem geheimnissvollen Ton dieses Chorliedea. 
Vs. 864. Allerdings führt in dieser Strophe Alles darauf, dass ge- 
sagt werde, ein unriskirtes CJnternehmeu sei ein gutes, völlig in 
der Denkuogsart der handeltreibenden SchiflTer. Hr. Sehn, fuhrt 
Dobree's sinnreiohe Vermnthimg an, dass der Vs.859(aJUi7ff vni/og' 
l69l6g) zu streichen und am Schluaae der Strophe für novog o 
fiij ipößiäv HQdxi0xo£ zu schreiben sei ddsijg novog iö^kog. JSs 
verdient aber der unlängst gemachte hübsche Vorschlag BSunn 
leiu^s Erwähnung, dass der letzte Vers laute: novog 6 iiijnov^v 
TiQaxhöxog. Vs. 908. Das dsvxsgov wird gut erklärt mit dem er- 
heuchelten Hess, welchea das agioxov i^avöog war, nur sollte es 
heissen „übertrieben erheuchelten.^^ Denn wahre Schmerzempfin- 
dnng lag, wie daa Feuer der ganzen Rede Vs. «^43 if. zeigt, der- 
selben zu Grunde. Neoptolem glaubte sich durch den Entscheid 
über die Waffen seines Vaters wirklich beeinträchtigt and seine 
Rede enthielt Wahrheit neben Dichtung. Va. 983. Für aehr wahr- 
scheinlich halten wir die Conjectur akkd xal OB dti öxstxBiv Sil' 
avxoig (xotg tdloig) ^ (mit Auslassung von ßla) 6xBkov6vv oUds 
6B, da die zwei Begleiter des Odysseus, wie Hr. Sehn, zuerst be- 
merkt hat , irgendwo voraus bezeichnet werden sollten. Vs. 1005. 
Der fragweise vorgebrachten Vermuthuiig , ob öw^ifgciptsvai za 
verstehen sei aiia xolg xo^oig di/pcD/iai'ai, möchten wir beistim- 
men, da Philoktet mit seinem einzigen Freunde, dem Bogen, als 
Beute gefangen wird. Vs. 1049. Auf die den Trimeter in gleiche 
Hälften theilende Cäsur {ov yag xoiovtmv dily xoiovzog ü^i* aysi^ 
oder 1009 ävd^wv fia/ öov^ naxd^iov d* iiiov^ oder an noch an- 



126 Grieebiflcbe Litieratar. 

dern Stellen), die in 8prichwortli6hen , oder in antithBtigchen 
Satten, oder in solchen, die eine besondere Entsclilossenheit aus- 
drucken, von Wiricung ist, hätte irgendwo sollen aufmerlcsani ge- 
macht werden. V». 1108. Die gewöhnliche Lesart ov tpogßäv In 
ngoöfpigmv^ ov mctvmv &t£ i^iov SxXmv XQataiaZg (i$xa x^O^^^^ 
l6X<Dv wird verlassen, weil nach derselben twischen der sonsther 
in die Höhle getragenen und der darch den Bogen gewonnenen 
q>0Qßd ein nicht vorhandener Unterschied gemacht würde, und ge- 
schrieben: ov qfOQßdv It£ nQoöq>iQmv, ov, ntavtöv xxL Uns 
scheint aber nach o{i das Folgende matt. Wir möchten uns viel- 
mehr'mit Beibehaltung der gewöhnlichen Schreibweise nach onJsmv 
eine Interpunction denicen: Nicht ferner Nahrung heimtragend, 
nicht vermitteht meiner Geschosse, indem ich sie (die Geschosse 
und allerdiogs nicht (pogßäv) in meinen staricen Armen halte. So 
ist es nicht so sehr eine Unterscheidung als eine Ausführung der 
Worte ov —ngoötpigav. Vs. 1135. Philoktet redet selnGeschoss 
an : dXk^ Iv (iBtakKfxy^ fCoXvfiijxdvov dvdgog i^lööei. Du wirst 
bewegt, gehandhabt, möchten wir igtWBi, lieber aus der allgemein 
gebrauchten Uebertragung dieses Verbi, als mit Hr. Sehn, aus 
der Annahme erkliren, die Melapher sei darum gewählt, weil 
Phil, sich den Odysseus mit dem Bogen am Strande des Meeres 
denke. Sonst Hesse sich (vgl. Vs. 140) schreiben dvdö&si, Vs. 1213 
pt; ydg Iv qpaci 7^ tu wird hier nnscrs Wissens suerst richtig er- 
klärt durch aus dem Vorigen hinzugedachtes natBvöm. Der Kune 
wegen berühren wir noch mit einem Worte folgendes: die Rettung 
des angefochtenen Vs. 1253 durch treffende Erklärung, die schö- 
nen Emendationen Vs.l322 sfiöolav, Vs.l418 xal ngäta iiivtoi 
tag iiidg öxiifaLtvxagt Vs.l431 noXifglov. Dagegen würden wir 
Vs. 1228 iXdv an ^(lagtov sich anschilessen lassen , welches Neo- 
ptolemos bei ^v (ifiagtlav) öol ni^oaBVog xal ttp övfinavti 6xgazdi 
im Sinne hat. Vs. 1996 mg gaöt^ ißoi ftlv tmv X6ymv A^Sort, öl 
dh Z^ts SonBg rj8^ f^igg^ avBv ümnjglag, worauf Philoktet einfallt: 
la fLB xdöxBtv tavd'* &iiBg na^Biv fis 6bL Die Schwierigkeit In 
der Gedankenverbindung obiger Verse des Neoptolera hat Hr. 
Sehn, erst im Philol. aufgedeckt, wo er annimmt, dassdesNeo- 
ptolems Worte von Philoktet anterbrochen werden , und dann ft|r 
^fjv vorschlägt iav. Die Unterbrechung, so dass nach 6<oz9^glag 
ein Gedankenstrich ani setzen, nehmen wir an, nicht aber die 
Aenderung von ^ijv in lav. Nach unserer Ansicht ist folgendes die 
Gedankenverbindung: Neopt. Was ist zu thun, wenn ich mit Wor- 
ten nichts bei dir ausrichte? Denn zwar abstehen vom Zureden 
kann ich, dass aber du lebest, wie du Jetzt lebst, ohne Heilung 
— er will hinzufugen, das geht niclit, denn du musst geheilt wer- 
den. Aber Phil, unterbricht ihn, da er nichts von der Heilung TOr 
Troia hören will: Iass mich diese Krankheit dulden, die ich ranss, 
nur halte dein Wort und führe mich heim. 

Doch mit diesem , seien es Zweifel oder theilweise Bericht!- 



Schmitt: Organisnos der lateiniscben Sprache. 127 

güBgen , achlicsaen wir nnaere Ansefge unter lebhaflem Danke f8r 
den Herrn Heraoageber. Mit Ungeduld erwarten wir das iweite 
Bandchen , welches die drei Tragödien aus dem Thebanfschen Sa^ 
^nkreiae enthalten soll. Im dritten Bftndchen Terhelast er neben 
den zwei übrigen Tragödien die allgemeine Einleitung zum Sor 
phokles. Möge er glücklich daa schöne Werk vollenden! 
Aarau. R, Rauehemtein. 



Bericht über die Leistungen auf dem Gebiete der lateinischen 
« Grammatik in den letzten Jahren. 

Bjnen früheren Bericht über eine Reihe gramroatlacher 
Schriften^ a. diese Jahrb. Bd. 34 S. 465, glaubte der Unterzeich- 
nete mit der* Hoffnung schliessen zu dürfen, dass, da so bedeu* 
tende Kräfte dem Studium der lateinischen Grammatik sich zuge« 
wendet hätten, bald eine Tollstindlge , den Anforderungen der 
Wisaenschaft entsprechende oder wenigstens den Leistungen in 
der griechischen und deutschen Grammatik nicht nachatehende 
Bearbeitung derselben erscheinen werde. Seitdem ist eine Reihe 
von Jahren verflossen, ohne dass jene Hoffnung erfnilt worden ist, 
sei es, dass die, weiche sie erregt hatten, sich andern Gegenstinden 
zugewendet, oder dass sie wegen der grossen Schwierigkeiten der 
Aufgabe die Ausführung ihrer Pläne nur aufgeschoben haben. 
Nur ein Werk tritt uns für Jetzt entgegen, welches wenigstens 
dem Titel nach das leisten zn wollen verspricht, was schon längst 
als ein Bedfirfniss erkannt worden ist, nämlich Organismus der 
lateinischen Sprache oder : Darstellung der Weltanschauung des 
römischen Volkes in seinen Sprachformen von Dr. Anton 
Schmitt. ZweiTheile. Mit sechs Formentafein. Zweite Auflage. 
Mainz 1851; in der Ausführung aber aelbst hinter den massigsten 
Ansprüchen an ein Werk, das In dieser Welse sich ankündigt, weit 
zurückbleibt. Wenn die Weltanschauung eines Volkes und der 
Organismus seiner Sprache dargelegt werden soll , so verteht sich 
wohl von selbst, dass die gesammte Sprache in ihren Wurzeln und 
Formen, aowohl denen der Wörter als der Sätze und der Darstel- 
luDgswcIsen, in Ihrer historischen Bntwickeinng und Umbildung 
umfasst werden müase; dagegen hat sich Hr. Seh. begnügt eine 
eben S4> dürftige als breite Entwickehing der Wortformen zu ge- 
ben , sie mit einigen philosophischen Gedanken und Phantaaien zu 
verbrämen und statt grundlicher Forachnng seine subjectiven 
Meinungen mit unzähligen Wiederholungen vorzutragen. Nach« 
dem der gelstreiche C. F. Becker seinen Organismus der Sprache 
und das Wort in aeiner organischen Verwandlung verfasst und der 
philosophischen Sprachforschung einen neuen Impuls gegeben 
hatte, mochte es Hrn. Seh. ein Leichtes scheinen den Organismus 
einer Eiaielsprache aus den einmal angeregten Ideen zu entwl- 



136 Lateinbclie LltteiBtar. 

Revl^e 16. Bd. 9. 432, diese NJahrbb. M. 54. S. 36 ff], auf die, 
da das Werk, so weit es das Lateinische betrifft, in den Jalir- 
Iwcheni, so weit Ref. weiss, noclmiclit besproclien ist, liier Icurs 
hingewiesen werden soll. Hr. Ciirtius hat mit vieicm Glticl^ tind 
Einsicht den von Bopp und Pott geöffneten Weg betreten und 
nicht allein eine Nachweisang des bisher durch die Sprachverglei- 
cheude Grammatik auf diesem Gebiete gelieferten Resultate gege- 
ben, sondern auch die Ansichten seiner Vorgiuger, besonders 
Bopp*s, einer besonnenen Kritik unterworfen und manche Erschei- 
nungen auf eine neue Art und angemessener erklärt , als es seither 
geschehen wsr. Wir weisen nur auf einige Punkte , die besonde- 
rer Beachtung Verdienen, hin. Hierher durfte zunichst gehdren 
die scharfsinnige Nach Weisung, dass in dem Verbum niclit der Be- 
griff der Thatigkeit , sondern die Aussage das Charakteristische 
sei, worauf schon friiher Humboldt ein so grosses Gewicht legte. 
In Besug auf die Personalformen war wenig Neues zu gewinnen, 
Hr. G. folgt meist Bopp oder, wie in den Ploralendungen der 1. 
und 2. Person, Pött, nur in der Endung des latein. Perfecta sti er* 
klärt er s för eine lautliche Erweiterung, was durch einige Ana- 
logien allerdings wahrscheinlich, nicht aber fest begründet wird. 
In Rücksicht auf die Bildung des Passirs schliesst sich der Verf. 
4er Ansicht sn, dass r nichts sei eis das pron. reflexiium. Von 
grösserer Wichtigkeit fAr die weiteren Untersuchungen ist die 
Nachwelsong, dass es in der Bildung der Verba euphonische Laote 
gebe, und dass dieses namentlich vom Bindevocale gelt«, den.Bopp 
ftir einen Pronominalstamm erklarte, ohne jedoch die Bedeutung 
desselben zur Klarheit bringen zu können, während Hr. C. auf 
der andern Seite auch einräumt, dass nicht selten die lautlichen 
Verschiedenheiten, die durch phonetische Zusätze entstehen, cur 
Beseichnnng von Nuancirung der Begriffe verwendet werden. 
Nach diesen vorbereitenden Untersuchungen wendet sich der Verf. 
zur Eintheilung der Verba, die ihm in der Art, wie sie bisher die 
Grammatik behandelt hat, durchaus missfallt. Er selbst stell^ 
zunächst die bekannten Hanptclassen mit und ohne Bindevocal 
auf und Usst die zweite in folgende Abtheiiungen zerfallen, je 
nachdem die Verba die reine Wurzel haben, oder den Zulaut (ein 
passender Terminus , durch welche Hr. C. das fremde Guna er- 
setzen will, da er sich dem Ablaute und Aulaute zur Seite stellt), 
oder Nasalirung, deren Bedeutung und Umfang ausfiihrlich erör- 
tert wird, oder darch Reduplication erhalten. Nach der Ankün*- 
digung des Verf. sollte man erwarten , dass in dieser Eintheilung 
all^ Verba begriffen seien, allein dem ist keineswegs so, sondern 
S. 82 kommt eine neue Classe, deren Verba durch t verstärkt 
werden, S. 86 wird eine Verstärkung durch d erwähnt, dann folgt 
die grosse Zahl derer, in welchen der Verf. den Zusatz von ja 
erkannt u. s. w. , so dass nach der Ausfuhrung des Verf. selbst 
Jen« allgemeine Eintheilung nicht ausreicht, Allein wenn auch 



CarUas : Die BildoDg der Tenpim «. Modi ia GntA. a. LaL 137 

dieges der Fall wif«, eo idlrda dodi dicte gane ShtbafllaB^ lir 
das Lateinlsclie ohae BedcalvDg und Eiaflots avia , da bckaaaf Kch 
die erste Glaase, die oiine Biodevocal, liier kaan aacb cxistirt, wie 
der Verf. selbst S. 73 anerkennt , obgleich die dort an^ffnbrten 
Verfaa nicht alle sein durften, die hierher gebaren, nnd andere 
Bildungen , wie die mit /, In sa besehrinfctem Maasse entwickelt 
oder erhalten akid, dasa man Bedenken tragen mass, sie ab be- 
sondere Ciassen hiaaustellen. Was von dieser Lehre in die istein. 
Oraroroatik gehört, glaubt Ref. in seiner Schnlgrammstik 8. 148 f. 
sttsammengesteilt tu haben; den gemachten Eiutbeilungen aber 
einen weiteren Rlnfluss auf die Behandlung dea Verbora an ge- 
stitten, d&rfle sich weder rom theoretischen, noch rom praktischen 
8taudpankte aus rechtfertigen. Wenn aber einmal der Verf. die 
verachledeoen Ciassen der Verba ordnen wollte nnd schon In 'seine 
Behsndloog manche abgeleitete Verba aufnahm, ao wire ea ge- 
wiss sehr erwünscht gewesen, wenn er auaffihrllcher, aiaeaS.lltf ff. 
. geschehen, über die abgeleitet«^ Verba sich ausgesprochen hStte,da 
gerade diese Bintlieiluog im Lat. einen so bedeutenden Binflnss sof 
daa Cenjugationssystem ausübt. Allein wie an manchen anderen Stel- 
. len, so ist auch hier ao bemerken, dass Hr.G. Im Vergleich sa dem 
Griech. nicht selten daa Lateinische etwas karg behsndelt und 
Ihm weniger Sorgfsit su wendet, was wenigstens durch den S. 215 
angeführten Grund nicht gerechtfertigt werden durfte. Die Zu* 
sitae selbst, nach denen der Verf. die einseinen Ciassen der Verba 
acheidet, werden Ton ihm, wie ea scheint, snnachst als lauth'che 
Erweiterungen betrschtet; sllein*S. 124 nnd 148 erkcnift er in 
denselben, gewiss mit mehr Recht, wie schon von Pott ECymol. 
Forschungen I. S. 4 ff. nachgewiesen Ist, Blemente, welche gerade 
fmr den Prisensstsmm von Bedeutung und diesem sngemessen 
seien. Schon sns diesem Grunde, dann auch weil die meisten 
Zusatse dieser Art nur susnahmsweise über den Prisensstamm 
hinausgehen , wäre es wohl sweckmassiger gewesen , wenn jene 
ganze Anordnung bei dem Prisens und als diesem angehörig, nicht 
als gültig für die ganze Verbalbildung hingestellt worden wSre. 

Die Tempora theilt der Verf., wie es die Sache selbst fordert, 
in einfache und snssmmengesetste und behsndelt sie in dieser 
BeihVnfolge. Gs wSre jedoch nicht unerwünscht gewesen, wenn 
er such über die von Hcriing tnit so viel Scharfsinn durchgeführte 
Ansicht, dass nur swei Gmndtempora ansuerkennen seien, die ge* 
rade durch die Sprschvergleichung unterstötst wird , sich susge- 
sprocheu bitte. Bei der Besprechung der einfachen Tempora 
kommen für das Lateinische nur das Präsens, ein Thell der Per- 
fecta und die Imperfecta eram und öam in Betrachtung. Was 
über das Prisens su bemerken gewesen wSre, ist, wie wir oben 
sahen , iit dem Abschnitte iiber die ferschiedenen Verbslclasseu 
aufgenommen worden. Die wenigen Reste der Imperfectformen 
werden 8. 116 ff« besprochen onU nachgewiesen, warum Im La- 



138 Lateinische LiUeraior. 

teinifteli«n kein dem Grieahischeii entopredieodet Imperfcct 9lcli 
bilden konnte, sondern die Sprache zn anderen Mitteln ihre Zo- 
flucht nehmen rouaate. In Räckaicht auf die Bildung von erwn 
schliesst aich der Verf. an Gieae an; aber dorch die Verglei* 
chong; von Asam und die Annahme , daaa die Dehnung jdea a nur 
euphonisch sei 9 dürften diese Formen schwerlich erklärt sein, und 
eine genauere Untersuchung derselben bleibt um ao mehr au wiuii- 
^len , als die ganze Imperfectblldung auf jener Eigenthnmitch- 
keit beruht. Ausführlich werden dagegen die Eigenthümllchkelten 
des reduplicirten Perfects besprochen. Hr. C. schickt der Be- 
trachtung derselben eine Prüfung der Ansicht Bopp's und Benar;^^8 
voraus, dass daslalein. Perfect dem griechischen Aorist entapre* 
che, und stellt derselben so schlagende Gri)nde gegenöber, dass 
man kaum Bedenken tragen wird , siif für gewichtiger zu halten als 
die seiner Gegner. Allein auf der andern Seite wurde dann die 
^igenthüraliche Erscheinung eintreten, daaa daa Lateinische dnea 
Tempus der Vergangenheit , einer Form , durch welche die Hand- 
Jung als der Zeit des Redenden fern stehend und von ihr getrennt 
bezeichnet würde, s. S. 148, ganzlich entbehrt und sich dieselbe 
erst durch Missbrauch einer anderen gebildet habe, walirend die 
Sprache weit eher das eigentliche Perfectum als diese Form misr 
Ben kann. Da nun in dem latein. Perfectum so verschiedenartige 
Formen verschmolzen sind , so dürfte es wohl nicht unwahrsclieiu- 
lieh sein, dasa wcnigatens eine dieser Formen ursprünglich nidit 
die Vollendung^ sondern die Vergangenheit bezeichnet habe. Auch 
dürfte in diesem Punkte um so grössere Vorsicht notbig sein, da 
ungeachtet der scharfsinnigen Erörterungen, die Hr. .€. schon 
früher über dieses Tempus angestellt hat, s. Zeitschr. für Alter- 
thumswissenschaft 1843. Nr. 119, doch noch mehrere Punkte 
nicht erledigt sind. So ist zunächst das i der ersten Person we» 
der was diesen Laut selbst, noch was seine Lange beti'lfft, 
durch das S. 183 Bemerkte hinreichend erklärt; ferner ist die Aa- 
»ahme, dass in ali slis das 8 ein euphonischer Zusatz sei, doch 
nur eine Aushülfe, da eine wahre Erklärung vermissen lasst, wesa* 
halb aich auch Bopp und Pott Etymol. Forsch. I. 22 bei derselben 
nicht begnügen mochten, ferner die, dass die Lange von e in 
erunt eine unorganische sei, obgleich hier auf die Länge der Ge- 
hrauch der Dichter nicht ohne Einflnss gewesen zu sein scheint 
£s ist zu hoffen, dass fortgesetzte Untersuchungen über diesen 
Tür die latein. Grsmmatik, auch die Syntax, so sehr wichtigen 
Punkt endlich ein erwünschtes Licht verbreiten werden, da bis 
jetzt schon wohl kein Punkt in der latein. Formenlehre mehr durch 
das vergleichende Sprachstudium gewonnen hat, aia gerade daa 
latein. Perfectum. Was der Verf. sowohl über Reduplicatlon im 
Allgemeinen, deren vielfache Anwendung und Bedeutung, schon 
früher Humboldt und neuerlich Dotlerlein , Reden und Aufsätze 
11. S, 111 ff., dargelegt haben , als über dieselbe Im lateb. Per- 



Cortios : Die BiMong. dec Tempora d. Modi im Griech. Q. Lat. 139 

feet bemerkt 4 Terdientalle Beachliui|;, iiieht iniflder was er bei- 
bringt, HIB die Aoaicht, daas eine- grosse Reihe von Verben iir- 
apruDglich die Redoplication gehabt, aber sie verloren und den 
Vocai derselben mit dem Stammvocal verschmolsen haben, e. Bopp 
V. Gr. §. Ö4b ff., mehr an begrVioden. Ob übrigens der Verf. in 
allen EInaehiheiten Recht habe , ob namentlich favi lavi ete. ana 
famä /ortit entstanden seien, mag dahiogeatellt bleiben. 

Ehe Hr. G. zu den zusammengesetsten Zeltformen übergeht, 
betrachtet er die Modi In den einfachen .Formen und macht mit 
Recht geltend, dass die Bildung der Tempora einer früheren Pe- 
riode angehöre als die der Modi. Dagegen möchte sich bezwei- 
feln lassen, ob S. 236 der Form dieam eine Beziehung auf die 
Gegenwart, dem dicerem die auf eine wahrende Vergaagenbelt 
beigelegt werde, da jenes die Zukunft mit umfasat, dieses Im con- 
ditlonalen Verhältniss die angenommene Bedeutung gar nicht, in 
anderen nur selten hat, was am so weniger auf&llen kann, als 
überhaupt nur das conjunctivlsche Verbal tnias von einem Stand- 
punkt ans, der nicht in die Gegenwart des Redenden fällt, durob 
]eue Form bezeichnet wird, also weder der Begriff der Dauer, 
noch der der Vergangenheit ursprunglich in derselben liegt. Ueber 
Ale Bildung des Coujuuctivs bieten die Untersuchungen des Verf. 
wenig Neues. Er erkennt In den Formen mit f, fm, velim etc. 
dem Optativ der Griechen entsprechende Bildungen, ebenso in 
amem; in legam^ moneam etc. wirkliche Conjnuctive, wie in den 
entsprechenden Formen im Sanskrit und Griechischen, s. Pott 
Etymoi. Forsch. 2, 695, und zeigt, wie ein Theil dieser Formen 
auch zum Ausdruck der Zukunft verwendet werden konnte. Ob 
vom etymologischen Standpunkte aus hier mit Recht auch der Im- 
perativ behandelt werde, da bei demselben nur die Peraonalen- 
dungen in Betracht kommen , ob er in dieser Beziehung überhaupt 
als Modus zu betrachten sei, möchte sich wohl bezweifeln lasseti. 
Die Formen desselben selbst werden mit Umsicht und io Bezog 
auf das Lateinische mit Benutzung des Oskischen und Umbrischen 
entwickelt. Die Resultate des Verf. stimmen im Wesentlichen 
mit den Ansichten Bopp^s überein, welcher dieselben neuerlich 
noch ausführlicher dargelegt und begründet hat. 

In der Behandlung der zusammengesetzten Zeitformen, deren 
Grunde S. 277 ff. ausführlich entwickelt werden, findet zunächst 
daa Imperfect seine Stelle, welches bis jetzt wenigstens als eine 
eigenthümllche Schöpfung der Lateiner dasteht. Der Vf. widerlegt 
die Ansichten von Benary, der in dem e die Spur eines Augmentes 
findet, und Bopp, der e als aus o^ dem Glassenvocal, f, dem Blnd&- 
vocal, entstanden betrachtet, weiss aber die Erscheinung auch nur 
durch Annahme einer unorganischen Delviuvig zu erklären. Hierauf 
wird das zusammengesetzte Perfect besprochen , aber schwerlich 
mit Recht die Perfecte auf tit und vi für früher entstanden erklart 
als die auf si ausgehenden , wogegen schon die von Pott Etymol. 



140 LateinUche Litteratur* 

Forscli. i. 22 ff. angeführten Gr&n'de sprechen dürften, dann-aber 
auch der Umaland, daaa wohl neben der zweiten die er^te, nicht 
aber neben dieser Biidung jene tu schaffen ein Grund vorhanden 
gewesen wäre. Eben so wenig dürfte die angenomnsene Abneigung 
gegen Silben mit t^, oder die Behauptung, das« die Stamme auf i 
die Ausstossung des v vorsögen, begründet sein. Wenn Hr. C. 
fit aus/Mt ableitet, so wird man dieses nur billigen, aber erwänscht 
wäre es gewesen, wenn genauer nachgewiesen wäre, wie fui ein 
natürliches Analogen von babhAva aein könne, während dem si das 
S. 303 verglichene ftsa, freilich nur, wenn man von der Endung 
absieht, naherstellt. Wie bei dem einfachen Perfect, so sucht 
der Verf. auch hier seine Ansicht durchzuführen, dass die Form 
mit st ursprünglich Perfectum, nicht Aorist gewesen sei, die auch 
hier nicht ohne alle Bedenken sein dürfte. In Rücksicht auf das 
ausammeiigesetzte Futurum schliesst sich Hr. C, nachdem er ero 
aus es/o nach dem Vorgange Bopp*s erklärt hat, was ungeachtet 
der Formen ero und erunl das Wahrscheinlichste sein dürfte, 
demselben auch In dem an, was er über bo gelehrt hat, zieht aber 
mit Ueeht die Ansicht vor, nach der auch in bo der Modusvocal i 
ausgerallen ist. Die Erklärung des Plusquamperfects imd Futur, 
.exact. ergiebt sich ans dem Früheren von selbst. Schwieriger 
aifeid Formen wie amasso^ prokibessit u. a., die, wie schon früher 
vom Verf. angenommen, aus aroaveso, prohibevesit entstanden 
aein aollen , obgleich sich nicht mit Sicherheit nachweisen Ifisst, 
dass die hier angenommenen Formen jemals existirt haben, und 
dieses um so zweifelhafrer ist , als wenigstens mehrere derselben 
sich an PrSsensformen ohne ableitendes a oder e anscIiKcssen. 
Ref. möchte noch immer es nicht für unwahrscheinlich halten, dass 
ursprünglich fuaid an den Prisensstamm sich angefügt habe, 8. 
Fliilologiis LS. 595, wie dieses auch in oataaini^ wenn anders 
diese Form richtig Ist, geschehen sein durfte. Noch grössere 
Schwierigkeit hat die Erklärung des Imperf Conj. von esse, wäh- 
rend die des gewöhnlichen Imperf. der übrigen Verbs sich leichter 
findet. Hr. C. ist geneigt eine unorganische Verdoppelung des 
8 anzunehmen, die allerdings auch sonst wohl in diesem Verbum 
sich findet, s. Giese a. a. O. S. 345, aber doch im Lateinischen 
auffallen wurde, da man neben fuerim auch fuerem erwarten 
müsste, und es dürfte daher die andere auch von Hrn. C. erwähnte 
Ansicht, dass sich die Wurzel es mit sich selbst componirt habe, 
den Vorzug verdienen. Ref. kann diese kurze Anzeige nur mit 
dem Wunsche und der Hoffnung schiiessen, dass der Hr. Verf. 
auch andere Theite der Grammatik in dieser Weise behandeln und 
die reichen Resultate der Sprachvergleichung und seiner eigenen 
Forschungen zur Aufklärung derselben verwenden möge. 

Fast zu gleicher Zeit mit Hrn. C. hat Ref. in allgemeinen 
Umrissen die Modnsbildung behandelt, s. Pliilol. Bd. 1. S. 589 ff. 
Sine andere Abhandlung, die deuseiben Gegenstand, den Hr. C. 



Seemami : De conjog. Lat. n. Pritaeh: D« cas. orig« «t nat. 141 

^mit ao glückücbem Erfolge entwickelt hat, erörtert, ninlich die 
Ton Hrn. Düntzer: Ueber die dem Grieehiachen und Latemi- 
sehen eigenthümlichen Tempus- und Modusbiidtmgen In der 
Zeitschrift für die Wiaaenachaft der Sprache Ton Hofer 11. 76 ff., 
bedauert Ref. nicht zur Hand su haben, da aie die Sache von 
einem andern Standpunkte aua beleuchtet uod aich von dem ge- 
lehrten VcrfaBser neue Geaichtapunkte mit Sicherheit erwarten 
lassen. Nicht so steht es mit einer kleinen Schrift , welche dem 
Culm^r Programm von 1845 — 1846 Torgedruckt ist: J}e coniuga" 
tionibus Laiinis commentaiio, Scripsit J. Seemalin, In welcher 
zunächst die Grunde entwickelt werden sollen, warum manche 
Verba nicht durchgingig der dritten Gonjugation, welche der Verf. 
die starke, foriior (die anderen heissen maneae)^ nennt und noeh 
immer lor 6\e binderocallose erklärt, als ob est^fert mit le§it 
auf einer Stufe stände, folgen, sondern in sndere übergehen. 
Diese Grunde sind schon lange von Pott Etym. Forsch. I. Ss ge- 
nauer entwickelt , als es von Hrn. S. geschehen ist Denn nichl 
leicht wird demselben Jemand glauben , dass s. B. volo^ gemo etc. 
desshalb der Analogie der 2. Conjug. folgen, weil die hquidae », 
/, m bei den Lateinern einen solchen Laut gehabt hätten , dass ein 
e nach ihnen gehört worden' wäre, nder dass man nach r ein i ver- 
nommen habe, da gerade dem letzteren e, dem / aber u sUeh am 
häufigsten anschliesst. Noch weniger wahrscheinlich ist, dass 
quatsici aus zwei Verben entlehnt sei, das s aus quaeso^ dage- 
gen M aus fttnero, oder dass die Dcslderativa in jenem nach r 
eintretenden t ihren Grund haben, oder dass sierio desslulb tri 
iiabe, weil es mit dagdävm verwandt sei und dieses sieh ans 
dag^ica entwickelt habe, oder dass teso und jnso dieser Analogie 
folgen, weil s mit den liquidis nahe verwandt sei und daher auch 
in der Bildung denselben folge u. s. w. Nach diesen Proben ist 
es wohl nicht iiöthig, weitere anzuführen, da die erwähnten hin«- 
reicbend beweisen, dass der Verf. nicht genug beksnnt war mit 
dem, was auf dem Gebiete, das er betreten, geleistet worden Ist. 
Dasselbe. geht aus dem zweiten Theile der Abhandlung hervor, 
.welcher die zweite Gonjugation zum Gegenstande hat, aber nur 
den bekannten Gedanken entwickelt, dass in derselben vorxugs- 
weise intransitive, in der 3. dagegen transitive Verba sich finden« 
Die Flexion der Nomina wird besproclien in der Schrift von 
E. A. Fritsch: i>e casuum origine et natura deque genitivi et 
ablativi graecae laiinaeque decHnaiumis eonformatione. Gisaae 
1845, welcher in den Casusformen allerdings Suffixe erkennt, dar* 
in aber von Bopp u. a. abweicht, dass er dieselben nicht ans Pro- 
nominal-, sondern aus Verbalwurzeln entlehnt glaubt, z. B. das m 
des Accusativ aus der Wurzel von meo, das Suffix des Genitiv und 
Ablstiv von dhn^ dhäv, 9i<o u. a. Wenn auch der Verf. mit vie- 
lem Scharfsinn seine Theorie zu vertheidigen sucht, so ist doch 
das Feld der Vermuthangen, das hier eröffnet, wird, da die Ge- 



142 Lateinische Litteratur. 

^alt dieser Wurzeln «ich kaam mit einiger Sicherhett; nachweisen 
ISsat, 80 gross, dass dieser Weg schwerlich zu einem Resultate je 
führen wird. Die Verwandtschaft des Genitiv und Ablativ wird 
dagegen mit Recht vom Verf. in Schutz genommen, so wie die* 
selbe schon früher von Bopp und Pott Etyra. Forsch. II. 631 f. 
dargelegt worden ist , wenn auch das Verfahren, das er einschlagt, 
nicht das richtige sein sollte. Wir berühren hier noch die Ab- 
handlung von Hrn. Hof er: Das lateinUche Dativ- Locatw In 
dessen Zeitschrift für die Sprachwissenschaft Bd 2. S. 19^fr.,in 
welcher nachgewiesen werden soll, dass der Dativ nur eine An- 
wendung des Looativ sei, indem der letztere nicht blos das Wo^ 
sondern auch das Wohin anzeige. Wenn sich auch nicht leicht 
glauben lässt, dass zwei so verschiedene Verhältnisse durch das- 
selbe Suffiic bezeichnet worden seien , so hat doch die Annahme 
viel Ansprechendes, dass in tibi^ sibi sich die orspriingliche Form 
des Locativ, entsprechend dem griech. g>i^ q^tv^ erhalten habe, fn 
den Formen tmfiäomiy arbori^ populo etc. dieses b ausgefal- 
lensei. Die Analogien, die der Verf. anfahrt, theils aus dem 
Latein, selbst, z. Bräeabus^ deis^ theils aus dem Gothischen, sind 
nicht gering anzuschlagen, nur das steht wenigstens nicht fest, 
dtfts auch Im Oskischen die auf / ausgehenden Formen wie esuf^ 
puff^T solche Locative zu halten seien. Dieselbe Ansicht, wenig- 
stens dass in der Datlvendung^ ausgestossen sei, ist angedeutet 
In einem Programme von Hrn. Blume: Aphoritti$che Beiträge 
%ur lateinischen Grammatik, Erstes Heft. Brandenburg 1845, 
in welchem das Genus und die Casusbildong auf eine ansprechende 
WeifliB behandelt wird. Der Verf. will namentlich die letztere 
vom Standpunkte des Latein, aus darstellen und vergleicht daher 
selten das Griechische nnd andere verwandte Sprachen ; doch 
sieht man an mehr als einer Stelle, dasS er zn den Resultaten, die 
er aufstellt, nicht ohne die vergleichende Grammatik gelangt 
sein würde. In der 3. Declination erkennt der Verf. die conso- 
nautische und die i- Declination, und man hätte erwarten können, 
dass ihr, wenn auch nicht in Rücksicht auf frühere Eicistenz, doch 
In der Beziehung der Vorrang eingeräumt worden wäre, als sie 
die Casnssuffixe reiner und deutlicher erhalten hat, als die voca- 
tische Declination. Diese letztere will der Verf. nach der VocaU 
reihe ordnen, sodass der o- die e-, t-, o-, ti-Declination folgen 
soll, was man In Rücksicht auf die beiden ersten wohl billigen 
kann, aber sich schwer entschllessen wird, die diesen entspre- 
chende Declination von denselben zn trennen , um sie blos dess- 
halb, weil Im Alphabet"! dem u vorhergeht, der t-Declination 
nachzusetzen , oder von dieser wieder die ti-Declination , die nur 
eine Modification derselben ist, loszureissen. Wenn der Verf. 
durch seine Annahme eine leichtere Erklärung der Heterociita ge- 
funden zu haben glaubt, so dürfte dieses nur ein untergeordnetes 
Moment seiu und ttn so weniger etwas entscheiden, als viele 



Blnme: ApboristiMbe Beitrage lar laiein. Grammatik. 143 

wohl erat dnrch die in spaterer Zeit eingetretene Gleichheit der 
MominatiTendungen entstanden sind. Auf den höchst bedeuten- 
den Unterschied, das« in der consonantischen Declination Weniger 
das Geschlecht als das Personliche und Unpersönliche bezeichnet 
werde, ist nicht Rücksicht genommen. Al^ NominatiTSufßx be- 
trachtet der Verf. mit Recht s und hätte , um es auch den Mas- 
ciilinen auf a (den Femininen dieser Endung wird jenes Suffix 
abgesprochen, so wie sich auch nirgends eine Spur desselben 
seigt) .zu vindiciren , auf das alte pariddas eeto verweisen können. 
Im Genitiv wird gleichfalls s oder is, für die o- Declination aber 
als die ursprüngliche Form des Gasnssuffixes iua (alterios, illfus) 
anerkannt. Da nun jenes Suffix und zwar mit Recht auch der 
42>DeGlinatlon zogesprochen, auf der andern Seite, wie schon oben 
bemerkt worde, als das ursprüngliche Datirsuffix das eigentlich 
ioeale 6i betrachtet wird, so sieht man nicht ein, warum sich der 
Verf. so sehr gegen die Annahme des Locativs sträubt und dnrch 
die Verweisung auf vereinzelte, durch besondere Verhältnisse be- 
dingte Structuren, wie „hiesigen Orts^^ u. i. , eine ebenso noth*- 
wendige als in vielen Spracheu entwickelte Bildung, die in ihrer 
äusseren Gestalt so leicht aich allmällg mit einer anderen vermi<^ 
sehen konnte, dem Latein, abzusprechen sich berechtigt glauben 
Iconnte. Eben so wenig wird man Hrn. B. beistimmen können, 
wenn er das so oft in der älteren Zeit erscheinende AblAtlvsuffix 
d für ein paragogischcs erklart und das einfache e f&r die A'bia*» 
tlvenduBg erklirt, da von diesem keine andere Spar als da, wo es 
Bindevocai ist, erscheint, das überhaupt nur als eine Trübung 
von i betrachtet werden kann und es jedenfalls eine sehr auffal- 
lende Erscheinung wäre, wenn in einer zufälligen Paragoge, za 
der meisteotheila nicht einmal ein Grund sichtbar ist , das Sans- 
krit, Zend, das Lateinische und Oskische, in dem bekanntlich rf 
fast durchgängig erhalten Ist, übereinstimmen sollten. Unbedenk- 
lich wird man dagegen Hrn. B. beistimmen, wenn er für den Nom. 
Plur. durchgängig die Endung es in Ansprach nimmt; sllein man 
hätte erwarten können »dass er auf die nicht so seltenen Ueber- 
reste dieser Form bei a- und ti-Stämmeo wie laeiüiaa , tnatrimes 
Festus ed. Müller p. 126, etVi« sc. Bacch., eüdem^ I. Serv., gna- 
iets vireia ib. , et« libereü l? Thor. u. a. Riicksicht genommen 
hätte. Wenn er aber behauptet, dass dieselbe Endung auch die 
des Accus. Plur., dass überhaupt der Accus, vom Nominativ nicht 
wesentlich verschieden sei, und die Ansicht ausspricht, „das La- 
teinische hat vielmehr die Accusativform der Nominativform im 
Singular durch den nur dunkel klingenden Auslaut ziemlich nahe 
gehalten, im Plural aber ursprünglich in der gemeinssmen Endung 
es ganz gleich gebildet ;^^ so ist man berechtigt schlagendere 
Gründe für dieselbe zu erwarten , als von Hrn. B. beigebracht 
sind. Denn einmal sind die Falle, wo diese Gleichheit sich findet, 
nicht aabireich,.Ur, B. führt ausser den Neutra dIeCoatracta der 



144 Lateinuche Lltteratnr. 

gri^chnchen 3. DedintÜon und den Daal an, geht fiber die aelhat 
im Lateiniaclien noch sichtbare Verschiedenheit sogar in den 
/-Stammen, wo is, im Accus, noch im Augusteischen Zeitalter ge- 
wöhnlich, im Nominativ so selten erscheint, dass ea nur für eine 
Verwirrung gehalten werden kann, nimmt auf die grosse Ver- 
schiedenheit von eei8 und 00s, gnaieU und gnatos n. s. w. keine 
Rücksicht, beachtet nicht die im Germanischen noch erhaltene 
Grundform , die sich durch den Anschluss des Piuralzeicbens an 
die Form des Accus. Sing, von selbst erklart, nimmt an, dass s. B. 
ilucem der Form das ^,sehr nahe gehalten sei,^^ und erkennt end- 
lich im Subject und Objcct, obgleich sie sich „wie Ursach und * 
Wirkung^^ verhalten, nicht etwa einen Gegensati, sondern gerade 
darin den Grund der Aehnlichkeit beider Casus. Hr. B. wurde 
schwerlich jene Behauptung ausgesprochen haben, wenn er nicht 
voddem Neutrum, dem er mit Recht den Charakter der Unbe- 
slimmtheit beilegt, ausgegangen wäre und so die unvollkomnen- 
ste Form allen librigen zu Grunde gelegt hatte, s. dies. NJahrbb. 
Bd. 43. S. 317 ff. Was sonst der Verf. über das Genus bemerkt,, 
enthalt einielne gute Andeutungen , Ist aber theils an allgemein, 
theils zu aphoristisch, als dass es den schwierigen Gegenstand er- 
achopfen könnte, und dürfte mit den gründlichen Unterauchunges 
Grimmas Im 3. Theile der deutschen Grsmmatik schwerlich eine 
Vergleichung aushalten. Im Einzelnen sollte nicht an der Be- 
hauptung , dass die Städtenamen schon ihrer Bedeutung nach als 
Femininen gelten, festgehalten, dagegen der im Lateiliiacheu aioht- 
bare Unterschied zwischen Geschlecht und Person beachtet sein. 
Nachtriglich erwihnen wir hier noch die Abhandlung von B. 
F ö rs t e m a n n : ü« comparalitis ei Buperiaiivis linguae Graecae 
et Latinae, Nordhuaiae 1844, in welcher die Resultate der neue- 
ren Forschungen über den genannten Gegenstand mit Umsicht zu- 
sammengestellt und einige neue Ansichten mitgetheiit sind. Von 
der Comparstivform (/ans, im Latein, iöa^ ior^ ausgehend, eHclärt 
sich Hr. F. wohl mit Recht gegen die Meinung Bopp*s, dssa In 
dem I die Wurzel t liege, erkennt aber in ö einen Ersatz für den 
ausgefallenen Nasal. Genauer wire hier zu erörtern geweaen, 
warum in den Neutris sflch s erhslten und mit u verbunden habe, 
cla im Masc. und Fem. r mit ö eingetreten ist. Als eine Abschwl- 
chung von ijans betrachtet der Verf. tiis, welches sich in tnagia^ 
potiß^ Ullis zeigen soll, vielleicht auch in satis, nimia u. mox^ ferner 
in firis statt priua in prialinua^ priseus^ wo man jedoch achwerlioh 
auf die Grundform mit n wird zurückzugehen haben. Die zweite 
Comparativform, die sich im Latein, nur in Verhältnlsawörtem er- 
halten hat, leitet der Verf. mit Anderen von tar, überschreiten 
ab, und nimmt diese Ansicht gegen die Einwendungen Benfey^s in 
Schutz. Ueber einige Punkte, wie die Verbindung, in welche 
otöer, ketlernua ^ sempiiernua ^ infra mit dem Comparativsnffix 
gesetzt werden, liatte man genauere Erörterungen erwarten dürfen. 



Porstemann: De coniparatiWg et superiattr. linguae Graec. et Lat. 145 

Nicht verwerflich dagegen dürfte die Vermothung sein, daas Indem 
Saffix ister an magiater^ miniaier^ Tielieicht auch dejrter^ beide Coro'- 
paratfvsuffixe verbunden aeien^ wie in umgekehrter Ordnung in po- 
aierior^ ulierior eic, DasSuperlativauffix/imti« wird^ wievon Öopp 
n. A. geschehen tat, aonderZnaaniinenaetzung von ta und ma abge- 
leitet, welches letztere Hr. F. auch in nonua anericennt u. dieses aus 
ffomiis entstanden glaubt, ferner in septimus^ decimus/Zn leicht 
scheint der Verf. über die gebräuchlichere Superlativform wegzuge- 
hen, Indem er die Erweiterung derselben durch is an» dem Bedurfulss 
gerade diese Bildung durch verstärkte Sufßxe darzustelien zu er« 
klireii sucht. Neben derselben werden noch isma in piimus aus 
prismua und in plurimua anerkannt , diese Form nicht scharf ge- 
nug In extrmnus^ aupremus ^ poatremna nachgewiesen ; ferner die 
Endung tama in poslumua , cittimug , qnoiumus statt quot-tumus 
u. a. (dass saUem hierher gehöre, wie demum zu dem Suffix mo^ 
hätte wohl genauer gezeigt werden müssen) , endlich istama in 
sinMimuB und deslimus gefunden. In dem zweiten Abschnitte 
werden ausführlich die Veränderungen beaprochen, welche durch 
die Anfügung der erwähnten Suffixe entweder an diesen selbst 
oder aiwden Wortstämmen herbeigeführt werden. Wenn hier Hr. 
F. geneigt ist die Formen ultra ^ ultra^ uUimus ans dem Ssnskritl- 
schen «/, welche sich \nud^ dann in vi verwandelt habe, abzu- 
leiten, so darf man an der Richtigkeit dieser Meinung um so mehr 
zweifeln, als in «/s, ti/<is,die gieichfslls angeführt werden, die 
Hinweisung auf o//as zu deutlich gegeben ist, als dass sie über- 
sehen werden konnte. Eben so bedenklich ist die Annahme, dass 
in ploirume der Diphthong aus u eutstsiiden sei, da sonst dieses 
aus Ol entspringt, und dass von plera^ hvt%pleora entstanden, pltf- 
ritfue gebildet sei. Nicht sicher scheint auch was der Verf. über 
die Bildung von melior sagt, welches er für eine andere Blldunfl^ 
von mollior hält , und mit madhus , fii^v In Verbindung bringt, 
in jenem aber u durch / ersetzt werden , In diesem ausfallen lässt, 
was In ocior In Vergleich mit mKvg wahrscheinlicher sein durfte. 
Peiar wird mit naivg in Verbindung gebracht und pinguis als 
Positiv angenommen, wo die Vergleichung der Wurzel per-d^ 
pewtisy a. Pott Btym. Forsch. 2, 277, näher liegen möchte. Aiich 
in maior scheint leichter der Ausfall von g angenommen werden 
SU können, als dsss gt in i verschmolzen sei, wenigstens aus der 
Stelle, die g im Alphsbete dem griechischen Zeta gegenüber hat, 
nichts für den Laut gefolgert werden dürfen. Ausführlich wird 
dann über den Metapläsmus der Comparatioiisforqien gehandelt, 
der Jedoch das Latein, wenig berührt. Der Verf. sucht hier den 
Grund,, warum der Comparativ und Superlativ der Wörter mit 
dicuß ond^rirs an das Partlcip sich an^chliesst, darin, dass für 
den Positiv die Adjectivendung nothwendiger sei als für die übri- 
gen Grade, da die Participialendung der comparati vischen gegeu- 
iUier weniger Bedeutung habe. 

/V. Jokrbb. f. Phil. «. PddL od, Krit, Bibl. Bd. LXU. Bft. 3. ' 10 



146 Lateiniscbe Litteratar. 

Für die Pronomina ist von Bedeutung die Abbandlung ron 
Hrn. Sctioemann: Bedenken und Fragen über die prononUna 
indefinita und interrogativa in der Zeltschrirt für die Wissen- 
schaft der Sprache I. S. 241 if., in welcher derselbe den Gedan- 
ken durchfuhr!, daaa die Pron. indefinita aus den demonstratiFen, 
die interrogativen ans den indefiniten abstammen , dass also die 
demonstrativen der Quell aller übrigen seien. So viel diese An- 
sicht fiir sich hat, da es bej der Bezeichnung der Gegenstinde 
durch Pronomina vorzugsweise auf den Ton ankommt, so durfte 
sich doch nicht mit Sicherheit behaupten hissen , dass die Inter- 
rogativen erst aus den Indefiniten entstanden waren ^ weil die 
verschiedene Betonung, z. B. bei qnis, zu gleicher Zeit eintreten 
konnte. Auch diirfte der Grund , dass sich nicht alle indefinite aus 
Interrogativen , wohl aber diese alle aus jenen ableiten lassen , we- 
nigstens nicht durchschlagend sein, da ja auch Substantiva zu In- 
definiten werden können, überhaupt das Gebiet der letzteren und 
das Bediirfnlss nach Mannigfaltigkeit bei denselben grösser ist, als 
dass sie alle aus Interrogativen hervorgegangen sein könnten. In 
Riicksicht auf die Ableitung des einen Pronomen aus dem anderen 
wird man öberatl den Scharfsinn des Verf.'s erkennen müssen, aber 
schwerlich, wie z. B. bei der Ableitung von iile aus is und de^ 
beistimmen dürfen. Ferner erwiibnen wir die gründliche Erörte- 
rung von Hrn. Fleckefsen: Ueber haec alajem. plur. Im Rhei- 
nischen Museum. Neue Folge. 7. Jahrgang. 2. Heft. S. 270. ^Da 
seither nur einzelne Beispiele der Anwendung dieser Form bei den 
Komikern und Virgil bekannt waren und es desshalb bedenklich 
schien, sie auch in der Prosa zuzulassen, wie sie Ref. bei Liv. 
bezweifelte , wo freilich an manchen Stellen unmittelbar c folgt, 
so hat Hr. F. aus den reichen Collatlonen Halms für Cicero nach- 
gewiesen, dass in den besten Handschriften sich 6 — 7mal die Forma 
haec als fem. plur. findet, eben so bei Caesar 5, 15, nicht selten^ 
wie schon bemerkt, bei Livias. Da nun von Seiten der Analogie 
dieser Form nichts entgegensteht, vielmehr kein Grund sichtbar 
ist, warum nicht auch dem Femininum das demonstrative c ange- 
hängt werden könne, da es an dem Neutrum nicht auffallt, so wird 
sieb, nachdem einmal diplomatische Sicherheit für die. Form ge- 
geben ist, nicht länger zweifeln lassen, dass sie auch bei Prosai- 
kern, wo sie hinreichend beglaubigt ist, nicht verworfen werden 
dürfe« und Hrn. Fleckeisen das Verdienst bleiben, sie wieder in 
ilir Recht eingesetzt zu haben. 

Für die Lehre von der Wortbildung bietet reichen Stoff die 
fünfte ^btheUung der vergleichenden Grammatik von Franz 
Bopp. Berlin 1849. In dem Abschnitte von den abgeleiteten 
Verben wird darauf aufmerksam gemacht, dasa im Latein. Causa- 
lia in der 1., 2. und 4. Conjugation sich nur in geringer Zahl fin- 
den, oder als solche nicht mehr empfunden werden, wie moneo, 
sedoj sopio^ so sehr auch das Letztere die CansaUbrm an sich 



f 



Bopp : VcrgleicIieDde GrammaUk. Fünfte Äbtheiinng. 147 

r 

trSgt. Dagegen erscbeinen necare^ plorare^ clamare sowohl der 
Form als der Bedeutung nach als Gaiisalia) obgleich es nicht gans 
wahrscheinlich ist , dass ploro nnr eine Entartung von plovo und 
somit das Causale von fluo wäre. Nicht minder bedenklich scheint 
es^ jado als für japio gesetzt, facto als aus der Worsei bkü 
(Ju'i) entstanden zn betrachten, da ausser den nicht geringen 
iantlichen Schwierigkeiten auch noch das entgegensteht, dass der 
Uebergang aus der 4. in die 3. Conjugation angenommen werden 
mnsB. Weit eher wird man in döceo ein Causale erbllcl^eu, da 
anch in di-sco^ wie schon bemerkt wurde, c ausgefallen scheint; 
vielleicht auch in capia. Die Verba auf sco haben im Latein, wie 
im Griech. die ursprungliche, desidertetlFe Bedeutung, lin Latein, 
auch die Reduplication verloren. In der Form selbst betrachtet 
der Verf. c als einen euphonischen Begleiter des s wie auch in 
escii , acheint aber S. 1069 diese Ansicht wieder aufgegeben zu 
haben. Als Intensivum wird, wie es auch von Pott geschehen, 
gingrio aufgeführt. Verba der 1., 2., 4. Conjugation sind Deno- 
minativa, dj ^, t sind, wie der Verf. schon anderwärts nachge- 
wiesen hat und hier noch welter begründet, in verschiedener 
Weise aus aißa contrahirt. Der Hr. Verf. weist namentlich darauf 
hin, daas ea aesiu-d-Siflucfu-d-B helsse,jn regn^-ä-s o abgefallen 
sei, und zdgt dadurch, dass d allein der Verbalbildung diene, 
nicht ein Theil des Nomen» sei. Die Verba auf igo ist Hr. B. 
geneigt auf 2^11 zurncksuftthren, was jedoch nicht so wahrschein- 
lich ist, da, wie er selbst bemerkt, der Uebergang desj In g sich 
sonst im Latein, nlcltt findet. Die Desiderativa leitet der Verf. 
Ton dem Particip. auf /tirtis ab, dem sich ya angeschlossen habe. 
So ansprechend aber diese Vermuthung ist, so bedenklich scheint 
ea do^h ihr zn foigen, da die vom Verf. schon angeführten 6e- 
gengründe, die Verschiedenheit der Quantität in türus und türio 
und der Umstand, dass sonst das l der 4. Conjugation aus aya 
nicht wxnya entspringt, zu bedeutend sind, als dass sie übersehen 
werden könnten. Aus einer dem schon beriahrten escit analogen 
Form des verb. subst , die sich in der Bedeutung des Werden mit 
einem Nomen verbindet, wie es in poasum geschehen, entstehen 
die Inchoativa, während über die Formen mit sso eine bestimmte 
Ansicht nicht ausgesprochen wird. Dass metu-i-t^ tribu-i-t u. a. 
Verbn denominaiiva seien , wie S. 1070 behauptet wird, möchte 
durch die angeführten Analogien schwerlich sich begründen lassen. 
Es folgt hierauf die Bildung der Nomina, wo darauf hinge- 
wiesen wird, wie diese erst nach der Lehre von der Flexion ver- 
standen werden könne: obgleich auf der anderen Seite die Flexion 
die Kenntniss der Wortbildung voraussetzt. Der Verf. beginnt 
diesen wichtigen Abschnitt der Grammatik mit der Erörterung der 
Participialformen, unter denen das partic. praes. als das gemein^ 
schaftlichc Eigenthum aller verwandten Sprachen erscheint, in 
demselben kann nur Afals Suffix betrachtet werden, das e in der 

10* 



148 Lateiniscbe LiUerator, 

dritten Conju^^tion entspricht dem i iil vehü , das vor swei Coa- 
Bonanteu in e nbergeht; ie in der 4. iist aus aya entstanden. Wah* 
rend im Griechisclien durch jenes Suffix auch die Participia des 
Aoristus gebildet werden, hat das Latein, dasselbe auf das Prisens 
beschranlct, auch von anderen Suffixen, welche zur Bildung Ton 
Participleii in anderen Sprachen verwendet werden , nur einzelne 
Trnmmer in Adjectivformen erhalten. So findet der Verf. in dem 
Suffix ösus^ ob mit Recht, mag dahiogestellt bleiben, ein Analo- 
goii der Form väns^ Im Griech. og in tstvipog. Auch das Medial* 
BVLfüxtnäna^ piBVog i$i in einigten Nominibus obrig, wie Fert^w 
mnu8y al'U^mtius^ und vertritt die zweite Person plur. im Passiv, 
wie Hr. B. schon in seinem Conjugationssysteroe nachgewiesen hat 
Ans diesem Suffixe leitet der Verf. mit grosser Wahrschehilich* 
keit das verwandte man^ Im Latein. minUi hominl, her, welches 
dem tnön In hemon entspricht , aus dem dann monia monia sieh 
bildet, femer men^ entsprechend dem Griech. fcsv, das statt ntv 
eingetreten ist, und menla^ in welchem tu nur als phonetischer 
Zusatz betrachtet wird , wie den Nasalen fiberhanpt gern eine 
Mnta nnd dieser ein Vocal sich anschliesst. In beiden Ist t und «r, 
s. B. regimen, tegumen^ statt des Classenvoeals eingetreten, kann 
ftber, wie in agmen^ ganz ausfallen, oder auch in die aus der 
2. Conjngation abgeleiteten Nomina dringen, z. B. monamentum 
etc. Das Suffix mäna selbst glaubt der Verf. aus der Zusammen- 
fftgung zweier DemonstrativstSmme ma und na entstanden und 
hült es wenigstens fnr möglich, dass durch dasselbe auch formell 
das mediale Verhiltniss susgedrQckt sei. Den einfachen Prono- 
minalstamro bietet das Suffix mu-s und tna. Dem mäna soll sicli 
mala-s anschliessen und / durch Vertaoschung mit n entstanden 
sein, was aber nicht minder unwahrscheinlich Ist, als dsss es mit 
mara verwandt sei, so wie Ref. auch noch immer Bedenken trägt, 
das sogenannte part. fut. pass. nur als eine lautliche Modificatioii 
des part. praes. act. zu betrachten , was der Verf. hier von Nenem 
zu erweisen sncht. Zu der letzten Form wird auch das Suffix 
hmdu8 gezogen, In welchem Hr. B. einen Ueberrest des verb. 
subst. wie in bam bo anerkennt und nicht abgeneigt ist, es für 
ein part. fut. zu halten. Wfihrend die bisher betrachteten Par- 
ticipia sich nach dem Verf. an ein Tempus des Indicativ anschlies- 
sen, giebt es eine Reihe anderer, welche ohne formelle Bezeich- 
nung eines Zeit- oder Gattungsverhältnisses ihre Bestimmung iu 
dieser Hinsicht nur durch den Sprachgebrauch erhalten haben. 
Es sind im Lateinischen die Suffixe ior und irie^ denen die Ver* 
wandtschaftsnamen paier ete. sich anschliessen. Den Ursprung 
des Suffixes findet der Verf. in der Verbslworzel tor, überschrei- 
ten, vollbringen, so dass die Wurzel des Stammes vor dem Suf- 
fixe ala nom. abst^ erscheint, eine Bildungsweise, die Im Latein. 
Mich sonst sich findet. Indem namentlich die Wurzel kar er 00 zu 
verschiedenen NomlnalbUdungen wie voluerisy ludicer ^ Juterum 



Bopp: Vergleichende Grammatik* Fünfte Abtbeilong. 149 

und nach Wechsel de« r und / in evJLum verwendet wird. Aus 
ior entspringt das Neiitralauffix tru-my ron welchem iru-s in to^ 
viUus nicht verschieden ist. Das SnfGx des part. praet. pass. tU'9i 
hat in sich nicht die Andeutung des passiven Veriiältnissea un4 
ist wesentlich nicht verschieden von dem meist an verba neutra 
der 2. Conjn^tion sich an8chlies9e;iden Suffix ida»^ was jedoch 
durch die angcfiihrten Analogien, quädraginta neben quattuor^ 
nicht ToUstandig bewiesen sein dilrfte. Hiermit schiiesst die 
5. Abtheilung des für die gesammtc Sprachwissenschaft so wichti- 
gen Werkes, und es ist sehr so wünschen, das« auch der noch 
fehlende Theil bald erscheinen möge. Einen Theil des Stoffes, 
der in der besprochenen Schrift enthalten ist, hat Hr. B. in einer, 
Referenten jedoch nicht zoganglichen Abhandlung lieber die Par-- 
ticipialbiidung der indoger mamachen Sprachen^ Berlin 1848, 
ausgeführt. Ausserdem mag noch als hierher gehörig erwähnt 
werden Lingnau: De verbalibus quibuidam dubiae originis in 
men et menium eseuntibua discepialia altera vor dem Programm 
von Braunsberg 1845. Der erste Theil war 1S\6 erschienen, 
s. diese NJahrbb. 22. S. 448; in dem vorliegenden spricht der 
Verf. sunachst von elementum^ ohne zu einem Resultate zu ge- 
langen; die Ansicht Pott'srdflM es vpn der Wurzel li stamme mit 
vorhergehender Präposition, welche wahrscheinlicher sein dörfte, 
als alle von Hrn. L. angeführten, ist nicht erwähnt. Als Staram- 
wrort von calumnia betrachtet der Verf. nicht caivSre^ wodurch 
eich aber u leichter erklart, sondern kalare, welches an der Stelle 
des u ein a erwarten Hesse. Mit Recht erklärt sich der Verf, 
gegen die Annahme, dasa aerumna durch Zusammenziehunjg aas 
aegrimonia entstanden; dadurch wird aber nicht bewiesen, dass 
in ae-gro eine andere Wurzel liege als in aer-umna^ nur ist dort 
r = s ausgestossen. Auafuhrlich wird dann uberoiTte/i gespro- 
chen , mit Recht die Ableitung aus orimen verworfen und oxxGi 
als Stammwort angenommen. Wenn dieses wahrscheinlicher ist, 
als dass omen mit audio in Verbindung stehe, so ist doch, wie es 
scheint, nicht sowohl von omm^ als von der alten Form os-ment 
auszugehen, die auf oö^oyLUi hinweist. Dagegen wird schwerlich 
Jemand dem Verf. beistimmen, wenn er abdom^ aus abdo und 
omen zusammengeaetzt glaubt, oc|er lamentum für ein Onomato- 
poeticum hält, „in miscria eiulantium a naturali sono la derivan* 
dura,^^ da für das letztere wenigstens die Vergleichung von xAaco, 
sclaiitfo» zu nahe liegt. Ferner gehört hierher die Abhapdl. von 
Dziadck: De aubataniivia verbalibua in io et ua deainentibua in 
dem Progr. von Trzemessno v J. 1847, welche jedoch nic|it sowohl 
die anf dem Titel bezeichneten Nomina, denn die von dem Verbai- 
atamm selbst abgeleiteten, wie re/fgt'o, avapicio etc., werden nicht 
berührt, ab die Nom. auf tio (aio) tua (aua) theils In Rücksicht auf 
ihre Bildung, theils in Bezug auf ihre Bedeutung besprich). Hr. 
D, weiast nach| daas die Ansicht Zunpt^a, dass die Wörter von dem 



150 Lateinlscbe Litterainr. 

> 

. Siipinimi stammten, nicht mit der TonPriscian Tibereinstimme, wel- 
cher dieselben vom Particip ableite , und erldart die letztere An- 
sicht fnr mehr begründet, da das Siipimim selbst nur der Accusa- 
tiv vom VerbalsiibstantlTum auf tus sei, weit mehr Nomina mit 
jenen Suffixen gefunden wurden als Sapina THr. D. bat auf tion 
ausgehende Nomina 290, auf tua endigende 197, namentlich ron 
Deponentia abzuleitende von jenen 230, von diesen 54 gefunden); 
dass es angemessener sei die Verbalia von dem Theil des Verbunt 
abzuleiten, der die Vollendung, als dem, der, wie das Suptnnm, 
die unvollendete Handlung bezeichne, besonders da mehrere Neu- 
tra von Participien als Snbstantiva mit Nominibus auf tio oder tus 
gleich gebraucht würden. Dennoch scheint der Verf. anzunehmen, 
dass die Ableitung von dem Supinum sowohl als die von dem Par- 
ticip nur als eine formelle betrachtet werden dürfe. Dann möchte 
es besser sein, tion und tUs als besondere Suffixe anzunehmen, 
die sich an den Verbalstamm selbst anschliessen , s. Johannsen 
S. 42 und 45, D&ntzer S. 59 , indem sich so die Schwierigkeit der 
Bildung, wo kein Supinum vorhanden ist, von selbst heben wurde. 
Die Verschiedenheit beider Formen in Rücksicht auf die Bedeu- 
tung wird an einer Reihe von Beispielen nachgewiesen, jedoch der 
Unterschied im Allgemeinen nicht bestimmt. 

Da die lateinische Sprache in der Zeit, aus welcher umfas- 
sende schriftliche Denkmil)er erhalten sind , schon Vollständig aus- 
gebildet erscheint, so muss jeder Beitrag zur Bntwickelungsge- 
schichte und zur Aufklärung der ursprünglichen Gestalt der For- 
men derselben, sei es durch Erforschung der Ueberreste des 
Lateinischen selbst, die aus der frühesten Zeit uns geblieben sind, 
oder der verwandten Dialekte, doppelt willkommen sein. Wir er* 
wähnen in jener Beziehung die Schrift von W. Corssen Originea 
foesiB Romanae. Berollni 1846, in welcher die Reste der Saliarl- 
schen und anderer Gedichte aus der ftrOhesten Zeit, wie sie sich 
in den alten Grammatikern erhalten haben, mit Sorgfalt gesammelt 
und zu deuten versucht worden sind. Wenn man auch in der Er- 
klärung jener Fragmente im Ganzen und einzelner Ausdrücke nicht 
immer mit dem Verf. übereinstimmen kann und seine Annahmen 
nicht genug begründet finden wird, so ist doch das Verdienst, das 
er durch die Zasammensteliung der hierher gehörigen Fragmente 
sich erworben hat, dankbar anzuerkennen. Wie bedeutend in der- 
selben Ricl|tung die Abhandlung von Bergk De carminum Satia- 
rium reliquils sei , hat Ref. in diesen Jahrb. Bd. 53 , S. 802 ff. 
nachgewiesen; s. Phllologus III., S. 746. Bben so verbreiten die 
Forschungen v. Ritschi in den Prolegomenis zu Piautas über die 
Orthographie, die Laut- und Formenlehre ehi neues Licht und 
geigen , wie viele Veränderungen , zum grossen Theile Verderb- 
nisse, wir erinnern nur an die Verkürzungen der Endsilben, die 
auf r und t ausgehen, erst seit der Zeit des Plautus in das Lateinl- 

' sehe gekommen sind, a. diese Jahrb. 60, S.252 if. Bd. 01, S. 18 ff. 



Zeosfl : De sabataotiroram Umbricorom deciiiiaüooe, 151 

Ueber dieselben Gegenstfinde Tcrbreilen sich laMreiche Bemer- 
kaii|[en LachtnaDn's in dem GommenUre sii Lucretiiia, z. B. über 
den Wechsel you e und i, o und u S. 15. 19. 20. 23. 96. 140, über 
die Contraction gleicher Vocale S. 135, über Elision, Hiatus, Sjn« 
ekphouesis, S. 129. 15^ 194 32^7.394; die Quantität der Silbe 
ü in petiü, Ut^ über das Passiy von vendo und perdo, aber den 
Acceut Ton calefacio, tnmefacio n. ä., über noenum S. 94, über die 
Form esim^ die selbst Tacitus noch gebraucht su haben scheint, 
s. diese Jahrb. Bd. 52, S. 48, u. a. Bei so reichem Stolfe ist zu 
erwarten, dass die Orthograplile , Laut*^und Formenlehre in der 
lateinischen 6rammatii[ bald eine bedeutende Umgestaltung erhal- 
ten werde, wenn sie nicht hinter den Leistungen auf anderen Ge* 
bieten der Sprachwissenschaft zurückbleiben will. 

Eine reiche Ausbeute für die festere Begründung und AusbiU 
düng dieser Theile der Grammatik bieten auch die Forschungen 
dar , durch welche mehr als sich vor Kurzem noch hoffen Hess die 
übrigen italischen Dialekte aufgeklärt sind. Wir erwähnen in dieser 
Rücksicht zwei mit Fleiss und Einsicht verfasste Abhandlungen von 
A.P. Zenas DeBuhtlantworum Umbricorum declinatione in den 
Tilsiter Programmen von 1846 nnd 1847. Der Verf. weist in den- 
selben nach, dass die Umbrische Declinatlon in vieler Beziehung 
mit der lateinischen übereinstimme , aber Im Singular noch einen 
Localis, im Plural einen Instrumentalis habe. Den Localis hatte 
bekanntlich schon Lassen im Umbrischen entdeckt, und Hr. Zeuss 
sucht genauer die Formen dieses Casus nachzuweisen, deren er 
drei anerkennt: mem^ welches in men übergeht, dann n und zuletzt 
auch e verliert ; die Form mara oder ma, die den Umbrern allein 
anzugehören scheint, und fem. Der Verf. vergleicht mit denselben 
tarne cume^ 6t, wie in ibi vbi ambi oder ambe. Den Umbrischen 
Dativ und Ablativ Plur. auf es, is vergleicht der Verf. mit dem 
alten ab oloes bei Festus, woraus er schliesst, dass daa lateinische 
is aus contrahirtem aes und oes entstanden sei und, da sich im 
Griech. IU0», Oiöi findet^ orspriinglich gleichfalls i gehabt habe. 
Der Instrumentalis im Plural hat als Suffix /. welches Hr. Z. mit 
bhta im Sanskrit uiid bus im Lateinischen, welches neben dem Abla- 
tiv auch den Instrumentalis bezeichne, zusammenstellt, und den 
Abfall von t^ annimmt. Dass diese Form wirklich vom Dativ (und 
Ablativ) Plur. verschieden gewesen sei, scheint llr. Z. genügend 
nachgewiesen zu haben, und ea lässt sich wohl aus dieser Erscrhei- 
nung folgern, dass anch Im Lateinischen ursprünglich eine beson- 
dere Form für den Instrumentalis bestanden, sich dann aber mit 
d» des Dativ vermischt habe. Der Genit. Sing, der 1. Declinatlon 
auf OB und es bietet Analogien zu dem Lateinischen /Viifif'/tas, JuU- 
aea, ebenao der Nomin. Plur. auf ar^ der nach Hrn. Z. ursprüng- 
lich aa lautete, zu dem bekannten laetUiaa inaperaiaa^ s. Non. 
Marc. iX. p. 341 ed. Gerlach ; der Nom. Sing, der 2. Declinatlon 
auf er/ nach Abwertung von ua zu ptier aocer etc. Weit umfaugrei« 



152 Lateiniich6 Litteraliir* 

eher nnti tiefer «ind die Unterftnchnngen in folgendem , Ref. nnr 
xtim Theil siiganglichen Werke: Die timbrischen Sprach- 
denkmäler. Ein Versuch xur Deutung derselben von 
S. Th. Aufrecht und A. Kirchhoff. Berlin 1849, In wel- 
chem die Verff. gründlicher und mit grösserem Erfolge, als alle 
früheren Unternehmungen geliefert haben, diese dunkeln Deber'- 
reute der Vorsoit su erklären gesudit und nicht allein den Sinn 
der Inschriften erforscht, sondern auch, was hier besonders in Be- 
tracht kommt, die Sprache selbst nach ihren Laoten und Bildungen 
behandelt haben. Yorsnglich verdient Beachtung die äusserst 
sorgfiitige Lautlehre, aus der hervorgeht, dass das Umbrhcbe Vo- 
cal{)y8tem dem lateinischen sehr nahe verwandt Ist, dass es eben 
so wcnijT als dieses Diphthongen geneigt Ist, sondern diese In i eo 
wie im Lateinischen zusammenzieht, in dieser Richtung aber noch 
weiter geht als das Lateinische. Eben so nahe stehen sich die 
Consonantcn. Obgleich die Umbrer von den mediis nur 6 gerettet 
haben, so theilen sie doch mit den Lateinern die Abneigung gegea 
die Aspirate, haben aber wie diese und die Osker den eigenthum' 
liehen Laut / entwickelt Nur den Umbrern angehörig ist der ans 
#/, wie die Verff. nachweisen, entstandene Laut rs, so wie das ans 
k erweichte 9 ^ welches durch den Eiiitluss von e oder 1 entsteht, 
der spater auch das Lateinische umgestaltet hat. Nicht weniger be- 
deutend, wenn auch nicht so aiisrnhrlich, sind die Untersuchungen 
fiber die Formeulehre , in welchen die Resultate der früheren For« 
schungcn mehrfach berichtigt und erginzt werden. 80 erkennen 
die Verff. mit Recht auch im Umbrischen Reste des in den ver- 
wandten Sprachen gewöhnlichen Locativ auf i, während sie als die 
gebriuchtlchere Form mem men tne m, wie Zenas, darstellen, aber 
eine andere Art der Erklärung versuchen , deren Richtigkeit wir 
dahingestellt sein lassen. Dagegen finden sie In der Form fem 
nicht wie Zeiiss einen Locativ des Singular, sondern des Plnral. 
Auch in der Deutung den Suffixes f weichen sie von Zenss ab und 
halten dasselbe, wie es von Laasen schon geschehen Ist und durch 
mehrere Stellen wahrscheinlich wird, für einen accus, plural., ob- 
gleich die Gestalt desselben von allen Formen dieses Cssus in den 
verwandten Sprachen wesentlich abweicht und von den Verfassern 
nur durch die künstliche Annahme erklärt werden kann , dass das 
sonst sn anderen Zwecken verwendete Suffix bhi, tpi hier zur 
Bezeichnung des Acciisativs gebraucht worden ael. Ueber die Ver- 
balformen möchte man oft genauere Aufschlüsse wünschen, sls sie 
von den Verff. S. 139 ff. gegeben werden. Wir bemerken nur, dass 
In pikafl ein Perfect ptavr gefunden wird, welches die Ableitung 
von 01 aus fui bestätigen würde, dasa den Umbrern ein doppeltea 
vom Lateinlachcn regelmasalgen, aber den alten Formeufasü u. i, 
analoges Futurum auf es/ und «s< (sis) In der 3. Pera.Sing. beige- 
legt. In /fita, facia o. a. Conjunctiva, die dem Lstelniachen /«am, 
fidam entsprechen, gefunden werden. Wir haben nur einige wo* 



Aufrecht a. Kircbhoffs Pie iimbri»chen Spracbdenkroaler* 153 

nige Bemerknngen aus den.nift eben so viel GelehrtaiDkeit als Be- 
sonnenheit und Scharfsinn angestellten Untersnchangen der Verff. 
nitgetheilt, da es sunidist nur darauf ankam anzudeuten, wie auch 
dieses Gebiet reichen Stoff darbiete fdr die Bearbeitung der latei- 
nischen Grammatik. Nicht minder Tördernd ist das, was in neuerer 
Zeit für die AnfklSrung der Oskischen Sprachdcnkmüler und die 
Erforschung der Oskischen, der Jatefnischen in mancher Bezie- 
hung noch näher stehenden Sprache geleistet worden ist. Nach 
den schwachl^n Anfangen, die Ref. jn diesen N. Jahrb. Bd. 34, 
S. 408 berührt hat, war ea besonders Lepslus, der durch die 
Herausgabe der Inecriptianes Umbrieae et Oseae, quoiguot ad» 
hue repertae sunt omnes. Beroi. 1841, diesen Untersuchungen 
eine neue Anregung oud reichliches Material gab, so dass Peter 
in der Hailischen Literaturzettnng 1842, Nr. 62 — 64 und 81—86 
mit grosser Umsicht die Grundzüge der Oskischen Grammatik dar- 
legen konnte. Mit frischem Eifer begann dann Th. Mommsen 
die Untersuchung sowohl der Denkmäler selbst als der Sprache 
u. Geschichte der Osker^ und seine Oskischen Studien, Ber- 
lin 1845, und die N seht rage zu den Oskischen Studien, 
Berlin 1846, enthalten nicht allein selbst Tielfsche Berichtigung 
gen und Erweiterungen des fräher Bekannten, sondern veranlass- 
ten auch Andere sich diesem Gegenstande zuzuwenden. Wir er- 
wähnen hier zunächst dfe Becension der Oskischen Studien ron 
Huschke in den Kritischen Jahrb. für deutsche Rechtswissen- 
schaft, besonders aber die Abhandjong von Cortlus:DasOski« 
scheunddieneuestenForschungenöberdasOskische 
In der Zeitschrift für die AI terthums Wissenschaft /). Jahrg. Nr. 49, 
50 und 61 — 63, welcher gestutzt auf die Untersuchungen Peter a 
das Oskische Laut- und Flexionssystem einer neuen Prüfung un- 
terwirft. Bei weitem das Bedeutendste und Gediegenste aber sind 
die Unteritalfschen Dialekte von Th. Mommsen. Mit 
siebzehnTafeln und zweiKarten. Lelpzigl850. In die- 
aera Werke hat der Verf. das, was er früher zerstreut in mehreren 
zum Theil achwer zugänglichen Aufsätzen über diesen Gegenstand 
veröffentlicht hatte, vereinigt, erweitert, geläutert und zu einem 
Ganzen verarbeitet, überhaupt den ganzen Stoff für jene Dialekte 
gesammelt und das von Lepsius begonnene Werk bedeutend weiter 
gefördert. Es kann hier nicht der Ort sein auf die Wichtigkeit 
der Schrift überhaupt einzugehen, sondern Ref. will aar auf einige 
Punkte hinweisen, um die Bedeutung derselben auch für das Scn- 
dlttm der lateinischen Grammatik darzuthun. Zwar hat Hr. M. e« 
von sich gewiesen dem Lateinischen neben den von ihm behandelten 
Disiekten seinen richtigen Platz anzuweisen; aber so viel geht 
doch von selbst aus seinen Untersuchungen hervor, dass daa Latein 
niache nicht ein Mixtum compositum aus lauter altitaliachen Dia- 
lekten aein könne, wie ea wohl dargestellt worden ist, sondern daaz 
es in Wurzeln und Formen ein dem umbrisch-aabelliscben Sprach- 



154 Lateinische Litteratar. 

stamme, besonders aber dem Oskischen nahe verwandter Dialekt 
ist, der aber auf der anderen Seite manche EigenthiimlicIikeUeii 
zeigt , die weder aus jenen Dialekten noch aus dem Griechischeti 
entlehnt sein können und eine besondere Entwickelung; desselben, 
aber innerhalb der Grenzen des indogermanischen Sprachslammes, 
aus dem wohl alle jene Eigenthümlichkeiten sich erklären lassen, 
Toraassetzen. Die Besonderheit des Lateinischen zeigt sieh schon 
in dem Alphahete, wenn es mit dem des Etruskischen, CJmbrIitcheii, 
Oskischen verglichen wird, weiche Hr. M., nnterstvtzt durch neue 
Entdeckungen, gründlicher und genauer hat darstellen können ala 
es Lepsius möglich war. Aus den Untersuchungen des Verfassers 
geht klar hervor, dass die Etrusker das griex^hische Alphabet aufr 
genommen, aber nur 19 Buchstaben beibehalten, einen neuen, das 
^ Zeichen fllr f, hinzugefügt; die für o, b^ d^ r aufgegeben; dieUm- 
brer von den Etruskern dasselbe Alphabet überkommen hüben in 
einer Zeit, wo h und k noch nicht fehlten, während sie selbst wie- 
der g aufgeben , statt dessen zwei neue Zeichen , das eine für rs 
und ein anderes für einen noch nicht näher zu bestimmenden Zisch- 
laut hinzufügen. Mit dem Umbrischen steht wenn auch nicht dlrect 
das oskische Alphabet in Verbindung,* aber es bewahrte die Form 
c, gebrauchte fiir den Laut d die Form/, richtete sich in Rück- 
sicht auf die Sibilanten anders ein und differenzirte t und m. Von 
dem Alphabet der zwischen denSamniten undUmbrern wohnenden 
Völker, der sabelllschen, haben sich bis jetzt nur zwei Denkmäler 
gefunden, die Steine von Crecchio und Cupra, s. S. 331, die aber 
theils erkennen lassen, dass auch dieses Alphabet aus dem, welches 
dem umbrisch-samnitischen zu Grunde liegt, hervorgegangen ist, 
theils desshalb von grosser Wichtigkeit sind , weil sie die Ausdeh- 
nung des sabelllschen Dialektea und dessen Verwandtsctiaft mit 
dem in Norden und Süden angrenzenden andeuten. Der Verf. be~ 
trachtet alle berührten Alphabete als entstanden aus dem griechi- 
schen, welches der Sage nach Demaratus nach Italien gebracht ha- 
ben soll, während das lateinisdie aus dieser Quelle nicht geflossen 
sein kann. Dass dasselbe nicht ans dem tuskischen entstanden sein 
kann, geht daraus hervor, dass die Lateiner für/ das hier sich fin- 
dende Zeichen nicht aufnehmen , sondern dafür das für das Dl» 
gamma gebrauchte anwendeten und so genöthigt waren für v nnd 
u dasselbe Zeichen zu brauchen, dagegen das Zeichen für q, wel- 
ches das etruskische und selbst das diesem zu Grunde liegende grie- 
chische Alphilbet Ihnen nicht bieten konnte, besitzen. Mit Recht be- 
hauptet lir.M. gegenüber K. O. Mtlller u. Lepshis, dass schon lange 
vor dem dritten Jahrhunderte der Stadt «das Lateinische Schrift- 
sprache gewesen sei, und dass eine Andeutung dieses frühen Be- 
sitzes in der Sage Hege, dass fiuander and Herniles das Alphabet 
nach Latinm gebracht und Carmenta aus diesem das Lateinische 
gebildet habe. Da aus schriftlichen Denkmälern die Gestalt und 
Eigenthumlichkeit des ältesten lateinischen Alphabet« sich uicht 



Mommsen: Die onteritaliflcheii Dialekte. 155 

nachweinen ISsst, so.zeigt der Verfasser aus Cicero ond Quintilian, 
dass dasselbe schon in der Siteaten Zeit 21 Bnchsfabeii gehabt 
habe, nnter diesen auch x, dessen Fiats am Eude des Alphabets, 
wo 69 auch in dem alten griechischen Alphabet von Caere sich fin- 
det, der Verfasser durch eine scharfsinnige Combination zu be- 
atimmen sucht, indem erannimnfit, dass die Laute x0 und ö6 sich 
frühzeitig vermischt, der Doppelsibilant aus dem griechischen Al- 
phabet in manchen Gegenden ausgefallen» das Zeichen für densel- 
ben aber beibehalten und für den verwandten Laut xo gebraucht 
worden sei und io manchen Alphabeten seinen ursprünglichen 
Platz nach ▼ behauptet habe. Durch diese Annahme wird aller- 
dings die auilallende Erscheinung des s am Ende des lateinischen 
Alphabetes, wie öberbanpt die Stellung und Bedeutung der Sibi- 
lanten, weichen der Vetfasser eine ansflihrliche Untersuchung ge- 
widmet hat, leichter erklärt als durch die Vcrmuthung von Lepsius, 
dass JT aus xg entstanden sei. Der zweite schwierige Punkt Im la- 
teinischen Alphabet ist die Entstehung des g. Hr. M. zeigt, dass 
nrsprfinglich k die tenais, g die media vertreten habe, und glaubt 
mit MViUer, dass durch massenhafte Einwanderung von Toskern 
nach Rom beide nicht mehr unterschieden, nur noch die tenuis 
gesprochen, aber für dieselbe das Zeichen der media gewählt wor- 
den sei. Aber schon zur Zeit der Abfassung der zwölf Tafeln hat 
e die Bedeutung der tenuis, woraus hervorgeht, dass nach Ueber- 
windung des tnskischen Elementes das Bednrfniss neben der te- 
nuis c auch eine media zu besitzen wieder hervorgetreten sei, 
welche sich in der That schon Im Jahr 456, also längere Zeit vor 
Carvilius findet , dem die Erfindung des Zeichens zugeschrieben 
wird. Hr. M. sucht dieses so zu erklären , dass Carvilius das Zei- 
chen^ zuerst In das Alphabet aufgenommen habe. Mit dieser Ver- 
änderung hing zugleich die Entfernung von z zusammen, an dessen 
Stelle g trat.. Dass aber z nrspröiiglich dem lateinischen Alphabete 
angehört habe, lässt sich nicht bezweifeln, nur scheint es frühzei- 
tig ausser Gebrauch gekommen, aber im 7. Jahrhunderte wieder 
aufgenommen zu sein. Dass die Lateiner ursprünglich keine Aspi- 
rarte hatten, so wenig als die Umbrer, ist bekannt, und Hr. M. zeigt, 
dass die so entbehrlich gewordenen Zeichen ^ (px verwendet wor- 
den seien zor Bezeichnung von 50, 100 und 1000, wie dieses 
schon ^on den Etrnskern geschehen war. Das griechii>che Alpha- 
bet, welches dem lateinischen zu Grunde liegt, ist nach Hrn. M. 
das dorische, wie es in Sicilien und in Unteritalien, besonders in 
Cumä gegen das Ende des 3. Jahrhunderts im Gebrauche war, und 
der Verf. vermuthet wohl nicht mit Unrecht,- dass die Lateiner den 
ältesten griechischen Golonien in Italien näher gestanden haben 
als Tyrrhcner und Sabeller und erst durch den Fall von Cumä za 
einer selbständigen Entwickelung und Bildung hingedrängt worden 
seien. 

Von den Itslischen Dialekten behandelt Hr. M« zuerst den 



146 Lfttdsiacbe Litteraior. 

FBr die Proooniiii« ist tob Bedeotnng die Abbandlung ron 
lim. SchoenaiiD: Bedenken vnd Fragen über die pronomma 
indeßnüm mmä inierrogaiica in der ZeiUclirift für die Wissen- 
schafl der Spniclie 1. S. 241 ff., in welcher derselbe den Gedan- 
ken dttrchffthrl, daaa die Ptm. iodefiniia aua den demonstrativen, 
die intenro^ÜTeii aiM den. indefiniten abstammen , dass also die 
demonatraÜTeii der Qndl aller nbrij^en seien. So Tiei diese An- 
sidll fGr sieb bat, da es bei der Bexeichnun^ der Gegenstände 
diireb Pronomina Toranfsweise anff den Ton ankommt, so durfte 
skb docb nicbl osit Sieberbeil bebaoplen hissen, dass die Inter- 
rogatiTen er»l ans den Indefiniten entstanden iriren^ weil die 
Tersdiiedene Belonunf , s. B. bei qais, su gleicher Zelt eintreten 
konnte. Ancb dürAo der Grund , dass sich nicht alle Indefinite aus 
inlerro^tlTen, wobi aber diese alle aas jenen abidten lassen , we- 
ni^lens nicbl diircbscblagend sein, da ja aoch Substantiva su In- 
definiten werden können, nberhaupl das Gebiet der letaleren und 
das Bedürfniss nach Manntgfaltigkeil bd denselben grösser ist, als 
ilaso sie aUe aus Inlerrognilven hervorgegangen sein konnten. In 
Kncksicbl auf die Ableitung des einen Pronomen aus dem anderen 
wird man ftlieratl den Scbnrfdnn des Verf.'s erkennen muss^nf aber 
oehwerlicb, wie s. B« bd der Abidtung von iüe ans $e und de^ 
bd^immen dürfen. Ferner erwähnen wir die grundliche Erorf e- 
muf von Hm. Flecleisen: Ueder haec alajem.piur, im Rhei- 
Hieben Museum. Neue Folge. 7. Jshrgang. 2. Heft. S. 270. Da 
seither nur einaelne Beispiele der Anwendung dieser Form bei den 
Komikern und Virgil bekannt waren und es desshalb bedenklich 
schien, de auch in der Prosa susulassen, wie sie Ref. bei Liv. 
benwdfdte , wo freilich an manchen Stellen unmittelbar c folgt, 
oo bat Hr. F. ans den reichen Collatlonen Halm's für Cicero nach- 
gewicoen^ dass in den besten Handschriften sich 6 — 7mal die Form 
hntt als fem. plur. findet , eben so bei Caesar 5, 15 , nicht selten^ 
wie schon bemerkt, bd Livias. Da nun von Seilen der Analogie 
dieser Form nichts entgegensteht, vidmehr kein Grund sichtbar 
isl^ wamm nicbt auch dem Femininum das demonstrative c ange- 
hincl werden könne, da es an dem Neutrum nicht aufßUl, so wird 
drlu nachdem einmal diplomatische Sicherhdt für die. Form gc- 
g^ben bst« nicht linger sweifeln Isssen, dass sie auch bd Prosai- 
kern, wo de blnrelc>iend beglaubigl ist , nicht verworfen werden 
dbrf^. wnd Um. Fleck^lsen das Verdiensl bleiben, sie wieder In 
ihr Recht einreoelat nn haben. 

Fikr die l^ebf« twn der Wortbildung bielel reichen Stoff die 



#ämO* 4hihmhmt der rergieicnennen vmmmmm von rraas 
Rnn n »e^^ »* ^ AbacbniWe von den nbgeleilelen 
VerWn wird darauf auftne^i^rtn gemaehl, dasa Im Latd^ Cawn^ 
IN I», d^.r 1 5 ««^ ^ Coningation sieb i»«r tn g^mger Zahl fa- 
TJ\.\.T als s>olche nicht mehr empfinden werden, wie moneo, 
< v„M,%,, ^ sehr auch das Letttere die Cwaalfonn an mcli 



Bopp: Vcrgleicheode Graminatik, Fünfte Äbtheilung. 147 

trS^t. Dagegen erscbeinen necare^ plorare, clamare sowohl der 
Form als der Bedeutung nach als Gaumlia , obgleich es nicht gans 
wahrscheinlicli ist , dass ploro nur eine Entartung ¥on piovo und 
somit das Causale von fluo irare. Nicht minder bedenklich scheint 
es, jacto als fär japio gesetzt, facio als aus der Worsei bkü 
(Ju'i) entstanden %\\ betrachten, da ausser den nicht geringen 
lantlichen Schwierigkeiten auch noch das entgegensteht, dass d<er, 
Uebergang aus der 4. in die 3. Conjugation angenommen werden 
mnsB. Weit eher wird man in doceo ein Causale erbticlteu, da 
auch in di-sco^ wie schon bemerkt wurde, c ausgefallen scheint; 
vielleicht auch in capto. Die Verba auf sco haben im Latein, wie 
im Griech. die ursprungliche, desid«rteti?e Bedeutung, im Latein, 
auch die Reduplication verloren. In der Form selbst betrachtet 
der Verf. c als einen euphonischen Begleiter des s wie aucli in 
e»cü , scheint aber S. 1069 diese Ansicht wieder aufgegeben zu 
haben. Als Intenaivum wird, wie es auch von Pott geschehen, 
gt/fgrto aufgeführt. Verba der 1., 2., 4. Conjugation sind Deno- 
niihativa , i^, ^, 2 sind , wie der Verf. schon anderwärts nachge- 
wiesen hat und hier noch weiter begründet. In verschiedener 
Weise aus aya contrahirt. Der Hr. Verf. weist namentlich darauf 
hin, dass es aestu-d-s ^ßucfu-d-s heisse, in regrC-ä-s o abgefallen 
sei, und zeigt dadurch, dass ä allein der Verbalbildung diene, 
nicht ein Theil des Nomens sei. Die Verba auf igo ist Hr. B. 
geneigt auf 2^a zurHckzuf&hren, was jedoch nicht so wahrschein- 
lich ist, da, wie er selbst bemerkt, der Uebergang desj In g sich 
sonst im Latein, nicltt findet. Die Desiderativa leitet der Verf. 
TOD dem Particip. auf /tirtis ab, dem sich ya angeschlossen habe. 
So ansprechend aber diese Vermuthung ist, so bedenklich scheint 
es do^h ihr zu folgen, da die vom Verf schon angeführten 6e- 
gengrnnde, die Verschiedenheit der Quantität in iürus und törto 
und der Umstand, dass sonst das I der 4. Conjugation aus aya 
nicht atis^a entspringt, zu bedeutend sind, als dass sie übersehen 
werden Icönnten. Aus einer dem schon berührten esci^ analogen 
Form des verb. subst , die sich in der Bedeutung des Werden mit 
einem Nomen verbindet, wie es in poasum geschehen, entstehen 
di€ Inchoativa, während übet die Fernen mit sso eine bestimmte 
Ansicht nicht ausgesprochen wird. Dass metu-i-ty tribu-i-i u. a. 
Verba denominaiiva seien , wie S. 1070 behauptet wird, möchte 
durch die angeführten Analogien schwerlich sich begründen lassen. 
Es folgt hierauf die Bildung der Nomina, wo darauf hinge- 
wiesen wird , wie diese erst nach der Lehre von der Flexion ver- 
standen werden könne: obgleich auf der anderen Seite die Flexion 
die Kenntniss der Wortbildung voraussetzt Der Verf. beginnt 
diesen wichtigen Abschnitt der Grammatik mit der Brörterung der 
Participialformen, nnter denen das partic. praes. als das gemein- 
schaftliche Eigenthum aller verwandten Sprachen erscheint, in 
demselben kann nur it/ als Suffix betrachtet werden, das e in der 

10* 



156 Lateioiacbe Litterator« 

Memaptschen , JetaeD Exiatens eben aowolil diireh Zengnlaae der 
Historiker als durch Inachriften erwieaen wird. Sind die lelsteren 
auch noch nicht erldärt, siim Theil nicht genau copirt und an Zahl 
nicht bedeutend, ao mtiaa ihnen doch eine aehr groeae Wicht iglieit 
beigelegt werden, da aie, wie ea acheint, his jetat die einaigen 
Ceberreate einea heitenobarbariachen, den Griechen naber ala die 
•abeliiachen Völlcer verwandten Volliaetamniea alnd, der, wie Hr. 
M. vermuthet, in der älteaten Zeit einen groaaen Theil llallena be- 
wohnt, mit den Aetolern, Arkadern und Kretern atammverwandl 
geweaen aei, dann zum groaaen Theil aich g^äciairt und nur in 
Sfleaaapien bia sur Herrachaft der Römer, ja bia in die Zeit den 
Auguatua aeine alte halbbarbariache Sprache und Sitte bewahr! 
bebe. Leider aind aber die Reste dieses Dialekten ao gering nnd 
ao dunkel, daaa es achwerlich gelingen wird, durch dieaelben jene 
Vermuthungen, ao ansprechend aie auch aind nnd ao viele Auf- 
achldsse sie auch über den Zusammenhang der ältesten Bevölke- 
rung Griechenlanda und llallena versprechen, nur Gewiaabeit su 
erheben. Da aber einmal die Aufmerkaamkeit auf jenen Strich 
Italiens gelenkt iat, ao dürfte die Hoffnung durch neue Bntdeckuni- 
gen allmilig den Schlüaael su dem Rälhael su finden nicht aufsa- 
geben sein. Durch die von Hrn. M. veraucbte Zuaammenatellung 
der iSndung ^g und aivi mit dem lateinlachen aa (a In Numa u. a.) 
und of, oe dihrfle nicht viel gewonnen aein, ao wichtig eaanch sein 
mttsate, wenn eine nähere Berührung diesea uralten Dialektea mit 
dem Lateiuiaclicn bewieaen werden könnte, da vielleicht ea mög- 
lich wäre, auf dieae Welae die Eigentbümlichkelten dea Römischea 
Idioms und seine Abweichungen von den verwandten Dialektea 
aufsuklaren. 

Weit reicher an Material, welchea durch die Entdeckung der 
Weihioschrift von Jgnone vermehrt worden ist, und an Resultaten Ist 
der Abschnitt über daa Gebiet und die Dauer der Oskischen Spra-> 
che. Je weniger die Römer, nachdem sie ihre Gegner, die Sam- 
niter, überwunden hatten, von deren Bigenthnmlichkelten, ao wie 
ihrer Literatur, wie Hr. M. mit Recht hinsufugt, übrig gelaaaen 
haben , um ao bedeutender müssen die monumentalen Ucberreate 
erachelnen, welche allein noch von einer so bedeutenden Nstion, 
einer so entwickelten Sprsche Zeugniss geben können. Msn wird 
es daher dem Verf. nur aehr Dank wissen, daaa er alle dieae Ueber- 
reate mit so grosser Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt copirt, ge- 
geaammelt und geprüft hat. Ueber daa Gebiet dea Oakiachen hat 
Hr. M. , nachdem aeine Anaicht über die Anadehnung der aabelli- 
acjiien Völker durch die Entdeckung dea Stetnea von Cupra mehr 
beatfitigt worden ist, beatimmtcre Andeutimgen gegeben, als daa 
früher möglich war. Ea umfasst nach ihm daa Land swiachen dem 
Portore, der via Appia, wo daa Measapische beginnt, nnd dem San- 
gro und Garigliano, von denen nördlich aabinisch und maraisch oder 
volsklach gesprochen wird, alao die Wobnsitse der Samnlter, Fren- 



Mommsen: Die aBteritalicchen Dialekte« 157 

taner, der nördlichen Apiiler, der Hfrploer, Campaner, Lncaner, 
Brntlicr und Mamertiner, d. h. aammtlicher aamnitlaclier Stimme. 
Eben so bestimmt wir^ die Zeitdauer der Sprache angegeben ; in« 
dem die ersten Spuren derselben auf Münzen vom Jahr 331 sich 
finden, wird sie seil 060 in öffentlichen Urkunden nicht mehr ge- 
funden, scheint aber erst unter August Terschwunden su sein. 
Innerhalb dieser Perlode unterscheidet der Verf. zwei Abschnitte; 
der erstere bis etwa sum Jahr 400 zeigt in den Denkmälern einen 
bedetitenden EInflnss des Griechischen auf Schrift und Bildung, 
der zweite eine freie, selbstindige Entwickelung der Sprache, die 
auf einen hohen Grad der Coltur bei den sie redenden YUkern 
schliessen lisst. Nach einer sorgfSItIgen Erklimng der einzelnen, 
besonders der grosseren Denkmäler stellt der Verf. das System 
der Sprache aosfnhrlich dar, welche in den wesentlichsten Punk- 
ten sich eben so sehr dem Lateinischen nähert, ah sie sich von 
dem Griechischen entfernt, wesshalb zunächst von Jenem, und nur 
wo es nicht ausreicht, ans den librigen indogermanischen Sprachen 
die Mittel zur Aufklärung des Oskischen gesucht werden miksseu. 
in der Daratellnng der Lautlehre Terzichtet der Verf. darauf, ein 
vollständiges System zu entwickeln, und hält es für besser, nur die 
Abweichungen ron der lateinischen Lantlehre anzugeben. So we- 
nig das, was er In dieser Hinsicht geleistet hat, geting anziischla« 
gen ist, so d&rfte doch erst durch eine vollständige Darstellung 
der Lautlehre das Charakteristische der oskischen Sprache erkannt 
und die Reinheit und Schönheit derselben, die der Verf. prefot, 
wahrgenommen werden können. In der Lehre von den Vocalen 
wird voraiiglich der Laut des differensirten t und u besprochen 
und an einer reichen Zahl von Beispielen nachgewiesen, dass ü dem 
lateinischen o entspreche, wie schon Lepsios erkannt hatte, u dem 
if ; ov oder o dem u oder Ö gleich stehe und etwaige Abweichung 
^en, sn denen es allerdings nicht fehlt, durch das Schwanken der 
italischen Dialekte zwischen o und u und dnrchLautverachiebnngzn 
erklären sei. Eben so sicher dürfte die, auch von Curtiua gebil- 
ligte Ansicht sein , dass t dem lateinischen t , dagegen \^ dem von 
Lucitins , der als Osker leichter diesen Unterschied wahrnehmen 
Iconnte, anerkannten ipingue oder &/ gleich stehe, obgleich Jene 
Unterscheidung des t nicht auf allen Inschriften in gleicher Weise 
erscheint, in R&eksicht auf die Verdoppelung der Vocale so wie 
auf die Diphthonge stimmt dasOskische fast durdigängig mit dem 
Lateinischen fiberein, da wahrecheinlich ein nicht geringer Theii 
der Verbindung Ton mehreren Vocalen zweisilbig ist. Dagegen 
ist es eine Eigenthfimlidikelt des Oskischen, dass ea wenigstens 
auf mehreren Inschriften nicht selten i vor f und n In beiden Ge- 
stalten eintreten lässt,* eben so, dass ea mehr als das Lateinische 
wenigstens in der Zelt, aoa welcher die ältesten Inschriften stam- 
men, die kurzen Scblussvocale meldet, die Schlussconsonaiiten er- 
halten bat, daher das d des Ablativs j der Abfall von o im Impen- 



158 LateinUche Litterator. 

• 
tiv, die Endiingr'der Adverbia auf i«, wo das Lateihisdie e hat; 
ferner dass zur enklitischen Aussprache geeignete Worte leicht ao 
die vorhergehenden darcli Krasis angeschlossen werden. 

Ausführlicher spricht der Verf. von den Consonanten , ohne 
jedoch den reichen Gegenstand erschöpfen su wollen. Wir be- 
merken nur, dass auch im Oskischen h sich selten mit den teuues 
verbindet, wohl aber vor denselben eintritt und dann wohl emeti dem 
ck ähnlichen Laat liatte; dass ferner z weicher als im Lateinischen 
gelautet zu haben scheine, dass für die Laote b und v die Zeichen 
aus dem voreuklidischen Alphabet entlehnt seien. Die Aufzählung 
der zusammenstehenden Consonanten, welche 8.218 sich findet, 
wurde grösseren Werth haben, wenn die componirten Worte von 
den nicht componirten geschieden wären; aber auch so zeigt sie, 
dass das Oskische in dieser Beziehung sich freier bewegt als das 
Lateinische und die Laute reiner bewahrte, nur bei durdians un- 
verlraglichen Lautverbindungen Veränderungen eintreten Hess 
und die Härte lieber durch eingesetzte Vocate als durch Assimila- 
tion und Bkthlipse entfernte. Weniger ursprünglich dagegen ist 
es in der nicht seltenen Znlassong von p statt gu und der schon 
m.die Schriftsprache einreissenden Ersetzung von ti darch «, wäh- 
rend es weit fester als das Lateinische nnd Umbrische zwischen 
Vocaleo das s bewahrt hat und seltner als das Lateinische m am 
Schlüsse des Wortes abfallen lässt. Anderes, was der Verf. be- 
rührt, übergehend, wenden wir uns zur Flexionslehre, in weicher 
der Verfasser zu dem schon in den Oskischen Studien Gegebenen 
wenig hinzugefügt hat Zu beachten diirfte nur sein , dass er in 
den Mascul. der 1. Declin. auf as neben a nicht allein aus dem 
Griechischen entlehnte, sondern auch vorsaronitische Wörter, wie 
sie die Messapischen Inschriften zeigen, anerkennt, diesen Worten 
den Genit ai vindicirt, während derselbe in den Fem. aa hat. 
Für den Nominat. Plur. fehlt immer noch ein Beleg, obgleich 
das Umbrische ar wahrscheinlich macht, dass er auf aa ausgegan- 
gen sei. Für die 2. Declination nimmt der Verf. gewiss mit Recht 
die Nominativendung iU und os(tfs) in Schutz , giebt den Locat. 
sing. , der auch in der 1. Declination neben dem Dativ anerkannt 
wird, mehrere Beispiele, die ei haben, während der Dativ auf tii 
«usgeht, und findet in den Formen auf uf einen Ablativ oder In- 
strumentalis, was wenigstens wahrscheinlicher ist, als dass diese 
Formen als Nom. Sing, der 4. Declination oder als Fem. zu be- 
trachten seien und, wie oben schon bemerkt wurde, wahrschein- 
lich im Umbrischen analogen Bildungen begegnen. Für den Nom. 
Plur. auf ifs, dem sich der oben schon erwähnte auf ts im Latein! 
anschliesst, werden mehrere deutliche Beispiele nachgewiesen, 
eben so für den Genitiv, der aber, was im Lateinischen nur in der 
3. und 4. Declination eintritt, das z oder s (r) nicht darbietet, also 
den verkürzten latein. Formen, wie awnmum^ entspricht. Der 
Abi. Plur. geht auf uis, ois aus, und es bedürfte wohl genauerer 



Mommflcn : Die anteritaliachen Dialekte. 159 

Priifnng, ob, ivie Ilr. M. annimmt, bqgJi ous ein Ablatifsuffix sei. 
Die 3. Declination bietet wenig Bemerkenswerthes dar, ausser daas 
Dat. und Abi. Pliir. auf iss ausgehen und sich vom Lateinischen 
entfernen. Die Pronominalformen, welche sich so zahlreich im 
Oskischen entwickelt haben, werden Tonn Verf. nur beiläufig bei 
den Declinationen erwähnt, was nur desshaib entschuldigt werden 
könnte, weil gerade diese so gründlich schon von Peter entwickelt 
worden sind. Nicht ausreichend scheint auch das , was über die 
Vor haiformen bemerkt wird. Für die zweite Person ist ein Bei- 
spiel noch nicht gefunden, für die dritte ist die nicht selten eintre- 
tende Schwächung des/ in d zu beachten, so wie der Ausgang der 
3. Plar. in ns, welches tili voraussetzt, was von K. 0. Müller und 
Bergk auch in tremonii nachgewiesen Ist. Das Passiv erkennt Hr. 
M. jetzt nicht allein in vinkier Tab. Bant. 21, lamaiir ib. 22, son- 
dern auch in comparacuster ib. 4 , sakaraler und BakahUer auf 
der Inschrift von Agnone 19 und 21, so wie in cenaamur , was er 
jetzt als den Inf. Pass. betrachtet. Allein die Deutung fast aller 
angeführten Worte ist entweder in Rücksicht auf die Wortbedeu- 
tung oder auf die Construction noch so wenig gesichert, dass man 
desshaib, weil hier das 0$kische r zeigt, schwerlich die sinnreiche 
Erklärung des Passivs aus der Anfügung des Reflcxivums wird 
aufgeben wollen. Von Conjugationsformen scheinen nur die la- 
teinische dritte und erste vertreten zu sein. Wenn Hr. AI. für die 
letztere das v zur Bildung des Stammes zieht und für diesen amav 
statt ama annimmt, so Ist doch nicht zu übersehen, dass auf diese 
Weise das Perfect durch die blosse Personalendung gebildet wer- 
den würde, dass kein Fall uachgewleseü wird, wo sonst aus ay €tv 
geworden wäre , dass ferner Hr. M. nicht umhin kann In der nicht 
geringen Zahl liquider Verba der 3. Conjug. die Anfügung Ton fui 
anzuerkennen, und dass im Oskischen, wie der Verf. selbst zuge- 
steht, die Bildungen mit affed auf die Anfügung \onfuH hinwei- 
sen, von dem /" nicht sowohl sich verwandelt haben als ausgefallen 
sein dürfte. Die Bedeutung der Oskischen Conjunctivformen für 
die Erklärung des lateinischen Conjunctiv wird von Hrn. M. tref- 
fend nachgewiesen. Die Formen des Perfecta werden sehr kurz 
berührt, und es dürfte nur zu bemerken sein , dass Hr. M.. jetzt 
fvfans für die 3. Plur. Perf. yonfuo hält, was jedenfalls wahr- 
scheinlicher ist, als dass ein Fmperf. darin zu finden sei, wenn auch 
die Annahme, dass das lateinische deda statt dedant^ welches sich 
auf der Inschrift «von Pesaro findet, für dederunt stehe und die 
^em alten et entsprechende Pluralform sei, genügender bewiesen 
werden müsste. fipaed wird als eine contrahirte Form für upaa^ 
erf gehalten; prufaiied nicht genügend erklärt. Sollte \n dem 
letzten vielleicht eine zAisammcngesctzte Tempusform wie arv- 
q>9r^ oder lob-te, liegen? Ueber das Futurum erklärt sich der Verf. 
dahin, dass erfust^ aus dem ust entstanden sei, nicht für fuerii^ 
sondern für ertV.hält, wodurch allerdings in fefakual die doppelte 



160 Lateinische Litteratar. 

B^eicbnun^ der Vollendung wegf&IIt; aber su wünschen wire dann 
ireweaen, das« er aich dar tt ber erklirt hatte, wie weil diese Bil* 
dun|^ aleh erstredce. Daaa die Formen mit sid, est die Wursel des 
^verb. aubst. enthalten, dürfte schon der Ponki we^n Manches fär 
•ich haben; allein nur eine umfassendere Vergleichun^ und Prii- 
fang der eiuselnen Stelleu icann zu einer Entscheidung darüber 
fikhren, ob wlrlilicli die beiden Formen wesentlich verschieden, 
nnd ob die letsteren einfache oder futura exacta aelen. Bine 
solche Vergieichungf iässt der Verf. vermissen. Bbeu so steht es 
uro dss Perf. Pass. , welches Hr. M. Jetst in Formen wie Knm" 
bennieia^ teremenrHu^ tnbarakkiuf u. a. findet, nnd in denselben 
eine Assimilation von nt und kt annimmt, obgleich er selbst in der 
Lautlehre als Gnindsats aufgestellt hat, dasa nur da, wo unertrig* 
liehe Lautverbindungen, die hier nicht vorliegen, eintreten, jenes 
Iluifsmittel angewendet worden sei. Wie die Pronomina so sind 
auch die Partikeln nicht genauer behandelt, sondern theils bei den 
Declinatlonen, theila in dem Glossar berührt. Dieses enthillt auch 
SU der Lehre von der Wortbildung und anderen Theilen der Gram* 
matik manche Andeutungen, die su einem übersichtliehen Gänsen 
verbunden, wohl mehr Aufschluss über das Charakteristische der 
oskischen Sprache gegeben haben wurden, als es in der Welse, 
wie sie behandelt sind, der Fall sein kann. Ohne auf die sehr aus- 
führliche und genaue Arbeit selbst hier einsugehen , erwihne Ich 
nur einige Bemerkungen der oben beselchneten Art, wie die An» 
nähme des Suffixes la in aderl d. h. Alella mit assimilirtem r von 
ader d. (i. ater; dass idun aus aetein abgeschwächt; aut aus oti/i, 
a% aus a/«9 atU entstanden sei und dass darin die Grundform von 
aute^ In amnur das Psrticipialsuffix mnua liege, der Zusats des fi 
auch in oskischen Verben sich seige, wie in angit neben aeum. 
Kben dahhi gehört die Bemerkung, dass in etanto im Anlaut ein e 
vorgeschlagen sei, inim eine reduplicirte Form, dass oebnuai den 
AbfstI eines Gutturals von venire andeute, dass per in semper und 
als Präposition gans verschieden, diese aus perum Jenes aus peri 
entStauden sei, die Ableitung von Safines^ dem eigentliche» Na- 
men der Samniter, von dem Stamm in «si/xi;, von Tiberis, Tibur 
u. a. aus der Wursel /e6., von Opaii^ Opacua u. a. aus der Wursel 
In opua u. a., die an sich sehr ansprechend sind , aber wohl noch 
der Prfffung bedürfen. 

Von dem volskischen Dialekte alnd una sehr wenige Ueber- 
reste erhalten, welche Hr. M. mittheilt und bespricht. Es laset 
sich aus denselben, wie schon Grotefend erkennt hst, nur da« 
abnehmen, dass die Sprache der Volsker mehr der Umbrischen als 
der Oskischen verwandt, weniger aber als Jene gesunken gewesen 
sei. Ob aus dieser Erscheinung gefolgert werden dürfe, dass die 
Volsker, Cuker, Aeqtier In den Gebirgen surückgebllebene lieber- 
reate der in den Ebenen verdringten Urbevülkerung seien, ist wohl 
noch manchem Zweifel unterworfen , besonders da Hr. M. aelbst 



Micke: Geschrchte des zweiten panischen Krieges. 161 

es nicht für gewiss hiU, das» der Volskische Dialekt von dem Sabel- 
liacheD sich wesentlich unterscheide, und wieder Samniter und 
Umbrer, deren Sprache die Volakiache eben so ahnh'ch ist, als 
einem Volksstamni an^ehörig betrachtet, so dass man nicht ktar 
sieht, welches Urvoilc ans den Ebenen verdrangt worden sein soll. 
Für den Sabellischen Dialekt finden sich, wie schon bemerkt wurde, 
nur wenige Denkmäler; aber durch die Fundorte der Tafeln von 
Crecchio und Capra, jenes in der Nähe von Canosa, am Sagrus, 
dieses um Truentas im sudlichen Piceniim, durch die (Jeberein- 
Stimmung in einem von dem CJmbrisch-Oskischen verschiedenen Al- 
phabete, durch die fast gleiche Schreibweise, durch einseine sprach- 
liche Erscheinungen glaubt sich der Verf. zu der sehr wahrscheinli- 
chen Annahme berechtigt, dass «Ue Völker swischen den Gebieten 
der Freotaner, Volsker, Latiner und Romer, Elrusker, Umbrer und 
Gallier dieses Alphabet und einen besonderen Dialekt gehabt ha- 
ben, aber frühe achon^ besonders in grösserer Nabe von Rom, 
römische Schrift, dann auch römische Sprache angenommen 
haben. 

[Scblass folgt.] 



Mkke, Dr. Rudolph: Gesehiehie des %w9iten puniaehen KrUgen^ 

nebst einer historischen Einleitang. IV ond 384 8. Breslaa, Ver- 
lag ▼OD Ed. Trewendt. 1851. 8. 

Der Verfasser dieses Werkes gjebt ans eine Geschichte von 
jenem denkwürdigen Ka^ipfe zwischen Rom und Karthago, wfcl- 
che auch för Nichtgelehrte bestimmt ist. Er sagt nämlich in der 
Vorrede, er habe sich der Popularität in der Art zu befleissigcn 

£esucht, dsss er seine Arbeit für jeden gebildeten und denkenden 
leser einzurichten bemüht gewesen sei. Wir wollen ihn auf sei- 
nem Wege begleiten und sehen , wie er seine Aufgabe gelöst 
hat. Das Werk zerfallt ausser dee Einleitung, in welclier der 
^erf. eine kurze Schilderung der Zustände Roms und Karthago's 
bis zum Jahre 210 giebt, io 3 Bücher, deren erstes die Jahre 218 
— 216 nmfasst, die Siege Hannibais, das zweite die Zeiten von 
215 — 207 , die syracusanisehen Handel , die Kämpfe in Italien, 
Spanien und Macedonlen, den Zug Hasdrubals , das dritte die Pe- 
riode von 206 bis zum Friedensschlüsse 201. 

Ehe Ref. an die Besprechung der geschichtlichen Darstelhing 
selber geht, muss er noch auf die Absicht des Verf., eine popu- 
läre Darstellung dieses Krieges für gebildete ond denkende Leser 
zu liefern, naher eingehen. Es finden sich nämlich nicht selten in 
derselben politische Anspielungen auf die Jetztzeit, welche füglich 
hätten vermieden werden könnco. Wohl kann und darf man Paralle^ 

n.Jakrb.f.PhiU «« Päd. od. Krii, BibL Bd. LXU. Hß,% 11 



<l>o Geschichte. 



I«« .leheu xwiBchen Personen und Breigninen «Her and neuer 
Sit «ISe. w£r,chon, wenn .olcl.e. biuftger «t.urs.ule .1, es 
derF.ll tat; .bcr absichtlich, wie an de« Haaren pohUsche Be- 
«Sinnge.. unseres modernen Buropa -uf d.e alte Geschichte an- 
w«den SU wollen, sie gar in dieselbe hmcinauweben, .st «naweck- 
mSHic Wir sollen die Geschichte der grossen Voraeit mit d e m 
Eraste und der Wurde, welche dem Geiste des Alterthum« ge- 
S^mt, un^rmhcht mit moderner Anscha«ung«we.se und .ergle,- 
Sen Betrachtungen, behandeln, nicht aber dieselbe be««t««; 
SL sehiem ünmuthe über die heutige« Zustande gelegent ich Luft 
«^^ehen; Reactlon und Demokratie sollen uns da gleich ferne 
'rinTwch weniger aber darf ei« Geschichtschreiber nnangemea. 
I^e und unbegrandete Ausdrücke gebrauchen wie S. 4, wo er 
den Tartiuinius Soperbus einen tyrannischen Bnben nennt .lar- 
qulnlushiess Superbus wegen seiner Strenge; ihn aber, auch wenn 
;r Tyrann gewesen wire, einen Buben »u nennen, riecht etwas 
Mch m o d e r n e r Demokratie. Eben so unpassend ist es , wenn 
ä HM^ Rmner -eborne politische Advocaten genannt wer- 
den «gen X gÄhtlicSe Wahrheit aber S. 382, den Masi- 
»^^nen übermSthigen Glücksritter tu nennen. Woher 
?«^le Welt hVt Hr. wLe seine Nachrichten über diese« rur- 

ate« Numidlens, der, begabt mit r:«'''*""''^^" «?*'«^" I"?"' 
seu und grossen Eigenschaften, sich som machtigsten Herrscher 
Numidiens aufschwang und den Römern ein gesuchter und be- 
wihrter Freund warl Nicht minder unpa«send ist es, den allen 
Manllu» Torquatut S. 158 einen alten Rigorlsten au nennen 
und S 157 von seinem sogenannten «Itromischen Sinne «u 
Sprech.«; «elgt sich nicht überall wihreod ««?' «f«» J« 7"»'" 
panischen Krieges der s o g e n a n n t e a 1 1 r o m i seh e S I n n . d e r 
Sftch so achtbar isti Wie ferner die ganae Charaktenstik des 
Marcellus verfehlt Ist, so lerrinne« auch die Crocodilsthra- 
• er desselben in Nichts. Aus den angeführten Beispielen geht 
hervor, wie der Hr. Verf. in der Wahl seiner Ausdrucke weniger 
«ine« pollUsehen Cynismus hatte au de» 1 ag ««8«« •«!}«»•. »•«» 
f«lirt Ref. auf den andern Punkt, das« nämlich der Verf. die Dar- 
tvxtmc seines politischen Glaubensbekenntntascs hatte sparen kön- 
nen Der Verf ist uimlich Demokrat , — wogegen man an und 
Mr »Ich nichts sagen kann . ein Demokrat kann eben so gut ein 
wackerer Pttriol sei«, als jeder andre — ; was aber haben seine 
demokratischen Henenserglessungen mit der Owjchichtedesawel- 
ten punischen Krieges tu schalfenl Warum will er ineiner Ge- 
schichte desselben seinen Unm^ith über die deutschen Zustande in 
allerlei Anspielungen aiislassenl Der GeschichUchreiber soll sei- 
nen Gegenwand rein objectiv behandeln , seine eignen subjectiven 
Anatehten, die sieh ihm etwa als Ausbruche verhaltenen fJnmntbes 
•nfdringen, darf er aber nicht mit hineinbringen ; das hat der Verf. 
•btn«« wenif gethaa, nla er «ndcreraeito aeinea GegeustaoJ nicht 



Micke: Geschichte des zweiten punischeii Krieges. 163 

mit gleicher Unpsrteilichkeft ins Auge gefasst hat, wie Ref. spl- 
ter am Scipio iinii Marcelliis zeigen wird. Der Verf. ist nicht 
objecli? genug, er sieht «ein Werk als MiUef zum Zwecke an, 
seine eigne Meinung ober die heutigen Verhältnisse in kurzen Be- 
merkungen und Seitenhieben auszusprechen. So nennt er gleich 
S. 7 die Patricier und Plebejer Adel und Canaille; vgl. ahn- 
liche Bemerkungen auf derselben S., wo die Nachkommen der 
TonRomulus ernannten Senatoren Voliblutadel heissen; S. 9. Das 
römische Volk, die Hellsehenden ausgenommen, war wo möglich 
noch alberner im Aberglauben, als ein grosser Theil des unsrigen, 
was weltliche und geistliche Uegiempg, wie jetzt, zu ihrem Vortheile 
auszubeuten verstanden; S. 12. DieBiirgerund Unterthsnen der Re- 
publik wurden aber trotzdem nie durch ein herrliches stehen- 
des Kriegs heer beglückt, sondern der Bürger selbst war jeden 
Augenblick Soldat, und zwar der beste Soldat auf der Erde, tlenn 
nicht Sold und Eid von und för gekrönte Häupter, sondern wahrer 
Patriotismus war der Hebel seiner Gesinnung und seines Muthes; 
S. 34. (Der Kriegsherr) hat die Alfihe des Anwerbens nicht, son« 
Sern seine Unterthanen — miissen sich für einen allergnadigsten 
Landesvater hinstellen, um die Ehre und das beneidenswerthe 
Gliick zu geniessen, sich für denselben über den Haufen schiesscQ 
zu lassen. Die Karthager, wie die meisten Republikaner, die das 
Gluck, für einen von Gott eingesetzteii Alleinherrscher zu bluten, 
nicht kannten — etc.; S. 59 über Preussens freisinnige Richtung 
nach 1807; S. 66 über Polens Theilungen; S. 71 über Hannibals 
finanzielles Talent, das sich manche Finanzminister heutiger Zeit 
wünschen möchten; S. In4. Jene Bürger waren keine deutschen 
Bedientennaturen, welche gehorsamst in jede Livree kriechen, die 
ihnen von der Gnade des Gekrönten octrojirt wird ; und vorher: 
In nnsern Tagen gilt der Ruhm eines Sieges blos dem Allergnadig- 
sten und seinem herrlichen Kriegsheere (!); S. 164 bei Bespre* 
chung des Verfahrens des Marcellus gegen Noia: Diesa Verfahren 
erinnert zu deutlich an gewisse Proceduren in unseren Tagen; 
S. 191. Natürlich, was nicht römisch gesinnt war, war geistes- 
schwach oder bösartig, das ist bei uns in gleichen Fällen ebenso; 
S. 202. Der Bluthund Marcellus — ein Vorbild gewisser Vater- 
landsretter unserer Zeit — hiess Alles gut; dergleichen Croco« 
dftsthränen sind zu bekannt etc.; S. 227. Mehrere vornehme 
Frauen wurden wegen liederlicher Auffuhrung öffentlich ange- 
klagt; was möchten unsere heutigen galanten Damen 
dazu sagen? S. 251. Was möchten heutige Minister und Kam- 
mermitglieder in solchem Falle thuni Sich wohl sein lassen und 
dem verarmten Volke die härtesten Kriegsstenern auflegen! 
S. 260. Ueberhaupt ist er (Scipio) im Allgemeinen keine ange- 
nehme Erscheinung, wie alle aflfectirte Schauspieler, sie mögen ge- 
krönt sein oder auf den Brettern agiren; S. 270. Eine römische 
Stadtlegion erschien in Arretium, die frühere Besatzung musate in 

11* 



164 Geschichte. 

der Umgegend auf Demagogen faheo; S. 311. Die Bewegang (der 
in Spanien abininnig gewordenen SOOO italischen Soldaten) war 
demokratischer Natar und es fehlt in unserer Zeit nicht an Ge- 
genständen zu dem ganzen Verlauf; endlich S. 334 der Schitiss: 
Kein Staat wird bestehen, der auf Willkür, uDamsehriinkte Macht- 
haberschaft Einzelner und Gewalt der Waffen gestutzt ist. Eine 
neue Welt muss erst entstehen und das Ungeheuer der Kriegfüh- 
rung aus ihr auf ewig verbannt sein, ehe überhaupt Tön einem ge- 
rechten, vernunftgemissen und glücklichen Zustande der Mensch- 
heit die Rede sein kann. Ref. theilt diese letztausgesprochene 
Hoffnung des Verfassers nicht; auf ewigen Frieden wird die Welt 
noch manche Jahrtausende harren können, ehe die Menschheit 
mit demselben beglückt wird. Wozu aber, fragen wir, diese wie 
die übrigen Expectoratlonen? D.Verf. will uns nur sein politisches 
Glaubensbekenntniss ablegen , obgleich dasselbe mit dem Werke 
nichts ZQ schaffen hat. Wir tadeln an und für sich niemanden, 
wenn er sich gedrungen fühlt, seine politische Meinung aaszn- 
sprechen, wir verdenken es keinem, wenn ihn Unmuth über die 
gegenwartige Lage der Dinge erfasst; wir glaubten aber, es wäre 
vernünftiger and, der Verf. verzeihe uns den Ausdruck, ehrlicher 
gewesen, in der Vorrede diess auszusprechen, statt sein Ernst and 
Wurde heischendes Werk mit solchen politischen Anspleliuigen« 
mit bitteren und oft witzelnden Bemerkungen würzen zu wollen. 
Indem er diesen seinen offen dargelegten Unmuth in sein Werk 
hineintrSgt, verfallt er zugleich nicht selten in einen sarkastischen 
Ton, der seiner Arbeit eben so wenig ansteht, als jene von uns 
gerügten Anspielungen. Dahin rechnen wir Stellen, wie S. 60: 
Wir möchten fast vermuthen, dass der Beiname des Grossen die- 
sem Manne (dem Hanno) wegen Körperlinge, nicht aber wegen 
geistiger Eigenschaften gegeben worden sei. U eberall erscheint 
er als eine kleinliche neidische Krämerseele, als ein treffli- 
ches Vorbild der Fanatiker der Ruhe und Ordnung 
um jeden Preis. Ihn können Ruhm und Ehre des Va-^ 
terlandea nicht aufregen, ihn lassen die Siege und Gross- 
thaten seiner Mitbürger kalt ; S. 207. Die Bürger der Achradina 
öffneten ihre Thore und flehten um Schonung. Die Schonung 
bestand darin, dass sie nicht als Sclaveu verkauft, sondern 
blos zum Theil niedergemetzelt wurden. In gleicher Weise äussert 
sich der Verf. iiber die römischen Prodigien und die Saperstitio, 
z. e. S. 212. Ferner S. 216 nennt er den Einfall des Gracchus, 
die Sclaven für Erlangung ihrer Freiheit kämpfen zu lassen, einen 
köstlichen Schwabenstreich. Dann verlallt er indessen 
Beurtheilung in denselben Ton , so S. 260, wo er ihn geradezu 
einen Betrüger nennt; S. 264 apricht er von den nach Sicilien 
als Strafcompagnien transportirten Trnppentheilen als einer wa- 
ckern Räuberbande. Das Angerührte wird vollkommen hin- 
reichend sein zur Charakterisiruiig des Werkea in der angedeute- 



Micke: Gefichichte des zweiten puuiscbeo Kriegctf. 165 

teil Weise. — Hat Ref. so, iirn alles Gesagte kurz zasammeii iti 
fassen , auf eine entschiedeu verfehlte Seite des Buches aufmerlc^ 
sam machen zu müssen geglaubt, so halt er es aiidrerKcits für senie 
Pflicht, auf eine eben so lobenswerthe Seite hinzuweisen. Dem 
Verf. ist es nämlich gelungen, Iturze Charakteristilcen und Verglei* 
chuiigeu in recht schlagender Weise zu geben. Dahin rechnet Ref. 
das kurze, aber treffende Urtheil über die Tugenden und Fehler 
des römischen Volkes S. 6; ferner die Vergleichung zwischen 
Karthago und Venedig in den Stsatseinrichtungen beider Republi« 
ken , welche vom Verf. freilich bis ins Einzelne hinein noch schla- 
gender hätte verfolgt werden können. Dagegen Ist die Verglei- 
chung der alten Sibyllen mit den Somnambulen und Stigmatisir teil 
S. 11 J durchaus unzulässig; bei den Sibj^lien oder weissagenden 
Frauen des römischen Aiterthums, weiche ursprünglich in abge- 
legenen Höhlen und überhaupt den menschlichen Wohnimgen 
entlegenen Orten ihren Aufenthalt hatten, findet sich niclits, was 
sie den Somnambulen unserer Tage gleich stellt; viel eher sind die 
Pythia und andere weissagende Priesterinnen der Grleciien den- 
selben zu vergleichen. 

Doch wir wollen nun die einzelnen Abschnitte des Werkes 
ausfuhrlicher besprechen. Was zuerst die Einleitung betrifft, so 
kann Ref. nicht umhin, dem Verf. in den meisten Punkten dieses 
Theiles seines Werkes beizustimmen. Die Darstellung des. Volkes 
und Staates von Rom und Karthago hält nicht nur das dem Umfange 
des ganzen Werkes angemessene richtige Maass, sondern stellt 
auch in anschaulicher Weise und in gedrängter CJebersicht das 
Wesentlichste zusammen, so über das Kriegswesen beider Staaten, 
über Ihre Verfassung. Weniger gefallt Ref. die Geschichte des 
ersten punischen Krieges, welche su kurz ist und dem gebildeten 
Leser für das Verständniss noch Vieles zu wünschen übrig lässt. 
Der Zug des Regulus nach Africa, llamilcars 6 jähriger Kampf auf 
Sicilien hätte wohl etwas ausfiihrlicher geschildert werden können. 
Der fünfte Abschnitt, die Eroberungen Roms im Gebiete der 
Gallier berühren die Verhältnisse zwischen Rom und Karthago zu 
wenig und hätten ganz unberührt bleiben können. Riehtiger sind 
vom Verf in den folgenden Abschnitten die zwischen 246 und 218 
liegenden Ereignisse in Africa und Spanien durch den Aufstand der 
Söldner und die Eroberungen der Familie des Barcas aiifgefasst, 
^eun wir ihm auch nicht in Allem beistimmen können. Diess gilt 
namentlich von dem über Hanno den Grossen gefällten Urtheile. 
Hanuo's Charakter scheint keineswegs lauter und rein, keineswegs 
frei von Leidenschaft und Missgtinst; doch war auch Hamilcar, ein 
so gläuzcndes Meteor er immerhin in Karthago's Geschichte ist, 
nicht ohne Herrschsucht, so wenig wie sein Sohn Hannibal, und 
das VerhältuIsB zwischen beiden und ihrer Vaterstadt, welches dem 
Verf. ganz in der Ordnung zu sein scheint, war gewiss nicht das 
gewölittliche'y die Zeit hat uns zwar die vollständigere Geschichte 



16g G esohieb te. 

jener Ereignisse nicht gegönnt, doch scheint es Iclar, dass HaniU- 
car wie Hannibal mehr die Träger der Icarthagischen Politik waren, 
ala die von der Politilc des karthagischen Senates Getragenen. 
Wenn demnach Hanno den Barcinern stets entgegenwirkt und mit 
ihm seine Partei, so ist es klar, dass ihre Gegenpartei die herr- 
schende t)nd zugleich das Thun des Staates bestimmende und lei- 
tende war, und zwar in einer Weise, wie Hanno, ohne darum ein 
Freund der Römer zu sein, sie für verderblich hielt. Jedeiifaila 
dachten die Karthager wohl schon 237 noch nicht daran, nach 2 
verderblichen Kämpfen, die Aufroerksamiceit Roms auf ihre filr- 
oberungen in Spanien zu lenken; wenn nun in Hamilcars, des Rö- 
roerfeindes, Geiste der Gedanke entsprang, in jenem Lande Ersatz 
;iu suchen für die verlornen Inseln des Mittehneers, so Hess seine 
damals herrschende Partei ihn gewähren ; diese hielt ihn , wie er 
aie bereicherte, nach ausdrücklicher Angabe der Schriftsteller. 
Auffallend ist auch, dass er auf jede Weise seine Armee an aich 
zu fesseln suchte, um durch sie und ihre Anhänglichkeit vor einer 
möglichen Abberufung gesichert zu sein. Daher stimmt Ref. der 
8. 62 und 85 ausgesprochenen Ansicht des Verfassers, die Barci- 
iier seien im Auftrage des Staates nach Spanien gegangen , erst 
dann bei, wenn ihm treffendere Gründe dafür beigebracht werden. 
Erst spater, als Hannibal Sagont belagern wollte, hatten sich die 
Karthager überhaupt soweit ermannt, dass sie selbst den Ausbruch 
des Krieges wünschten. Woher übrigens kam es, um noch dieaa 
Eine anzuführen, dass die Karthager, welche Schiffe in Menge be- 
aassen, dieselben spSter nicht benutzten, um dem bedrängten und 
SU wiederholten Malen Hülfe begehrenden Hannibal Hülfstruppen 
auf denselben zuführen zu lassen ? Für Spanien trugen sie während 
des ganzen Krieges die grösste Sorge, den Hannibal aber über- 
Hessen sie sich selbst. Wenigstens berichten uns Livius, der die* 
aen Krieg so ausführlich beschreibt, und andere alte Autoren nur 
von geringer Hülfe, welche dem Hannibal gesandt wurde. Hing 
das zusammen mit dem anfänglichen VerhäUiiiss zwischen der 
herrschsüchtigen und herrschenden barcinischen Partei und dem 
von ihnen nur fortgerissenen und gegängelten Karthago 1 Spielte 
die Partei des vorsichtigeren Hanno vielleicht im Hintergründe) 
Alles das sind noch ungelöste Fragen, aber wichtig für die Beurthel- 
lung des ganzen Verhältnisses. 

Die Darstellung der kriegerischen Ereignisse ist nicht nur 
meistentheils richtig, sondern auch mit Einsicht und Lebendigkeit 
abgefasst, so dass Ref. in dieser Hinsicht, und mit ihm gewba ein 
Jeder, der Hm. Micke's Buch liest, sich befriedigt gefühlt hat. 
Ref. beschränkt sich daher, um nicht zu weit in seiner Beurthei- 
long zu gehen, darauf, kurz den Inhalt der 3 Bücher anzugeben. 
Das erste Buch von S. 83 — L(>8 umfasst den Zeitraum vom Auf- 
bruche Hannibals aus Spanien bis zu den Schlachten bei Aakua und 
Ibera , vom Jahre 218 — 2X6. Es ist die glänzeudate Periode dea 



Micke: Geschichte des zweiten puniscben Krieges. 167 

Krieges, Hannibal nmeirahlt vom Siegcsrulimc, Roma Legionen 
fast vernichtet in 4 Ilauptsehlachten^ Italien grösstcndielTs mit 
dem Sieger Tcrbundet. Nachdem der Verf. die Anstalten der 
Römer geschildert, geht er über zum Hannibal, der vor Beginn 
seines Zuges Vorkehrungen trifft, inzwischen Spanien und Africa 
gegen einen Angriff der Römer zn schützen. Wir begleiten ihn 
dann auf seinem Marsche durch Spanien und Gallien, auf seinem 
Zuge über die Alpen, bis er zum Erstaunen der Römer in Ober-> 
italieo erscheint. Die gleichzeitige Eröffnung des Krieges auf der 
Halbinsel und in Siciiien, die Schlachten an der Trcbia, am Trasi- 
menischen See und bei Cannä, die etwas zn weitiliuftige Schilde- 
rung der spanischen Ereignisse, wobei der Verf. mit Recht auf 
Livius' oberflächliche Angaben aufmerksam macht ^ bilden den In- 
halt der übrigen Capitel dieses Buches. Das zweite Buch geht 
vom Jahre 215 — ^207, schildert uns die Verwickelungen mit Mace- 
donien, die Ereignisse in Syracus, dessen endliche Einnahme, den 
Fortgang des Krieges in Italien , die Kämpfe und den Untergang 
der Scipionen in Spanien, die Ereignisse in Campanien, das Auf- 
treten des P. Corn. Scipio, dessen Eroberung Spaniens, die Ver- 
bindungen mit den Ftirsten Numidiens, Hasdrubals Zug über die 
Alpen nach Italien und seinen Tod in der Schlacht am Metaurus. Das 
dritte. Bnch reicht vom Jahre 206 bis zum Friedensschluss mit 
Karthago und seinen Inhalt bilden die Geschichten vom Scipio und 
Masinlssa, des ersteren Ueberfahrt nach Africa, Hannibals Zurück« 
berufung, die Schlacht bei Zama und Karthago*s Demi^thigung. — 
Gegen die Darstellung dieser Ereignisse im Einzelnen Issst sich 
nicht viel Erhebliches einwenden, wohl aber verdient ein Punkt 
eine nähere Beleuchtung. In diesem Ksropfe treten Persönlichkei- 
ten auf, weiche eine sehr hervorragende Stellung einnehmen. Die 
Beurtheilung solcher Männer trägt zur genaueren Würdigung einer 
Geschichte dieses Kampfes viel bei, und da ist es, worin wir dem 
Verf. In vielen Stücken gar nicht, In andern nur mit grosser Be- 
schränkung, in andern allerdings unbedingt beistimmen. Bei einer 
für einen grösseren Kreis von gebildeten Lesern geschriebenen 
Geschichte des zweiten punischen Krieges fallt natürlich auf die 
einzelnen in demselben thätig eingreifenden Charaktere grosses 
Gewicht und der Leser forscht vorzugsweise nach dem Verhalten 
derselben. Da muss nun der wflhre Geschichtschreiber die grösste 
Unbefangenheit und Unparteilichkeit an den Tag legen, und das 
können wir vom Verf dieser Schrift oftmsis nicht sagen. Gelun- 
gen ist S. 124. 125 die kurze Charakteristik des Fabius Maximus, 
sein so verschiedenes Benehmen In früheren und späteren Jahren 
seines Lebens, viel weniger frei von parteilicher Vorliebe hält sich der 
Verf. in der Schilderung des Haupthelden dieses Kampfes, des Hanni- 
bal, welcher, so gross er auch als Feldherr war, doch auch manche 
Schattenseiten darbietet, welche in dem Volk6charaktc;r des phönici- 
schenStammes ihre Quelle hatten. Dageg[en, wie parteiisch, wie ver- 



168 Geschichte. 

kleinerangssBchtig zef^ sich der Verf. in der Schilderung des Sfar- 
cellu8, und in Tiei höherem Grade beim Scipio, den Hr.^ Micke gar 
nicht in seiner ganzen Grösse erkannt hat. Frei von Fehlern ist 
kein Mensch, am wenigsten aber die Helden und grossen M§nner 
des Alterthnms, deren einer Scipio ist, den unbegründeter Weise 
der Verf. zu verkleinern sucht, man könnte fast glauben, um nur 
seine politischen Liebliugsbetrachtungen und Witzeleien gelegent- 
lich anbringen za können. Wir wollen nun versuchen, diess beson- 
ders bei den beiden letzten Männern, welche am ungiinstlgsten be- 
urthellt werden. Im Einzelnen naher nachzuweisen. Marcellas war 
ein trefflicher Feldherr, aber ein rauher Soldat. So erscheint er 
uns im ganzen Kriege. Wenn er nun oftmals gegen abtrünnige 
Bundesgenossen hart und strenge verfuhr, so mtjsste der Verf. bei 
Beurtheilung seines Verfahrens bedacht haben, dass Rom dem 
Untergange nahe war und um jeden Preis suchen musste, sich 
SU sichern, dass nach römischer Ansicht den Bestraften nur Recht 
widerfuhr und dass stets in längeren Kriegen die Gemuther der 
Menschen verwildern und der Milde abgeneigt werden. Man 
denke nur an die Greuel des 30jährigen Krieges, welche von bei- 
den Parteien, Schweden wie Kaiserlichen, in gleich grausamem 
Maasse verübt wurden. Es ist nun einmal die Schattenseite lang- 
jähriger Kriege. Tadeln hätte der Verf. die oftmalige Härte des 
Marcetlns immerhin können, wie wir es thun, ihn aber S. 215 eine 
blutgierige H jäne (ein Feldherr der Neuzeit und eine Be- 
zeichnung desselben in den öffentlichen Blättern haben Hrn. Micke 
vorgeschwebt) zu nennen, Ist ungerecht; das Benehmen seiner 
Gegner, die Treulosigkeit der römischen Bundesgenossen^ Roms 
fast verlorne und nur durch die äusserste Energie aufrecht zu hal- 
tende Sache zwangen den Marcellus, der keineswegs grausam aus 
Neigung war, zu strengen Maassregeln. Dazu rühmte man seine 
Leutseligkeit im Umgänge (S. 163). So war denn seine Harte ge- 
gen Nola und dessen Umgegend (S. 164), gegen die Hirpiner und 
Samniter ein Gebot der Nothwendigkeit. Dabei darf man auch 
nicht vergessen^ dass der treulose und wankclmüthige Charakter 
der Einwohner Unteritaliens (ein Gemisch von Griechen und Ein- 
gebornen), wie noch heutiges Tages , ein oft strenges und selbst 
grausam scheinendes Verfahren erheischte. So ist denn das über 
Marcellus vom Verf. gefällte Urthcil ein zu hartes und wird oben- 
drein noch durch manche Züge von Milde , welche der römische 
Feldherr bewies, nicht gerechtfertigt. Die von ihm gebrauchten 
Bezeichnungen, blutgierige Hyäne, Bluthund (S. 202) sind daher 
unpassend , Vergleicbungen mit Blilcher (S. 209) nicht treffend, 
ironische Bemerkungen (S. 278 und S. 207) unangemessen ; wenn 
besonders S. 265 Marcellus^ Bestrafung feiger Soldaten getadelt 
wird, als habe er sie behandelt, wie ungezogene Schüler, mo 
erinnert das nur zu sehr an die Sorge einer gewissen politischen 
Partei für die Soldaten, deren Zartgefühl durch ein hartetf Wort 



Micke : Geschichte des zweiten panischen Krieges. 169 

pr 10 leicht Terletit werden konnte ; data aber die diaciplinariaclie 
Behandlung, welche Marcelhia anwandte, genau auf daa Ehrgefühl 
römischer Krieger berechnet war, iat dem Verf, leider ganz ent- 
gangen. Jedenfalls iat aelne Zeichnung vom Charakter des IMar* 
cellua für den Leser eine eben so unerquickliche, als es f&r uns 
unerquicklich ist, Herrn Micke nun zo seiner Schil«Lerung des alte, 
ren Scipio zu folgen. Es scheint, der Herr Verf. habe au diesem 
Helden römischen Altertlmms seinen Unmuth recht gründlich aus- 
lassen und seinem Werke dadurch die gehörige politische Wiirze 
geben wolle». Als Scipio zuerst ins öffeatliche Leben eintrat, war 
er noch sehr jung, hatte aber durch seine bisherigen Thaten sich 
so sehr die Liebe und Zuneigung der Römer erworben, dass diese 
den erst sieben und zwauzigjlhrigen Mann zum Proconsul für Spa- 
nien erwählten. Das war etwas Unerhörtes in Rom, aber Scipio 
rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen aufsljiänzendste durch 
die Erfolge seiner Thaten und Siege in Spanien. Das ist nun der 
Mann, welchen der Verf. fiir einen „Schauspieler, für eine keines- 
wegs angenehme Erscheinung erklärt, wie alle affectirten Scliau- 
Spieler, mögen sie nnu gekrönt sein, oder auf den Brettern agi- 
ren.^* Bei einer solchen lorgefassten Meinung nun ist es denn kein 
Wunder, wenn Scipio schlimm wegkömmt und der Verf. ihm , so 
%u sagen, kaum ein gutes Haar lasst. Vielleicht hat der Verf. hier 
hinter die GouHsseu gesehen, wie er den Scipio selbst bei Canu- 
gium hinter denselben licrvorblicken lasst, S, 153; aber wir glau- 
ben ihm sagen zu können, er hat doch nicht das Rechte gesehen. 
Im Hause der Scipionen herrschte holte Bildung und feine Sitte, 
▼om griechischen Geiste durchdrungen, und beide brachte Scipio mit 
auf den Schauplatz der Ereignisse. Das darf man aber nicht mit 
dem Verf. S. 259 Gräcisiren nennen, es ist ein schönes Zeichen, 
das6 vornehme Römer anfingen, mit der Bildung der Hellenen ver- 
traut zu werden. Viel schlimmer ist heutzutage das Französi- 
ziren,' dem Deutschlands Demokraten sich so gern mit Leib und 
Seele hingeben. Dass manche der alten Schriftsteller, namentlich 
.Polybius, ein Freund und Schützling des Hauses der Scipionen, 
ihn vielleicht zu sehr hervorheben, kam gerade von seiner ausgc- 
zeichueten Persönlichkeit, die auch die Unbefangensten hinriss 
und bestach ; aber von den ihm gewordenen Schmeicheleien abge- 
aehen, stimirten doch alle ohne Ananahme einstimmig im Lobe sei- 
Her Vorzüge und Tugenden übereiii. Der Verf. lobt nun freilich 
aeinen Scharfsinn, seine Nticbternheit, seinen Muth, seine Tapfer- 
keit, behauptet aber S. 2ö0, er sei nur als Feldherr und Soldat 
groas gewesen, als Bürger habe er nichts getaugt und sei zur Null 
geworden, sobald er das Schwert aua der Hand gelegt. Hierin 
stehe er unendlich weit hinter Hannibal zurück. Wenn er so 
spricht und den Scipio nun am Schlüsse noch mit einem Schau- 
spieler vergleicht, so hat der Verf. gar keine Anerkennung für dea 
JuDglings Benehmen biet Canuslum^ wo es doch auch der Rettung 



170 GeBcfaichte. 

des Vaterlandeg galt Freilich tadelt der Verf. den Sctpio ja aucli 
grade hier; wer aber wird demaelben die damals bewiesene Vater- 
Iands.llebe absprechen, und ist diese nicht auch eine Tugend, wel- 
che der Bürger seigt? Eben sosehr, als er Scipio's Eigenschaft als 
Bürger in Abrede stellt, spricht er ilun auch Frömmigkeit ab und 
sieht in seiner Verehrung der alten Götter seines Volkes, welche 
er seit Annahme der männlichen toga an den Tag legte, nur Heu- 
chelet und Verstellung, bezeichnet sie und ähnliche Proben seines 
religiösen Sinnes auch als GaAkeleien, welche er freilich su einem 
guten Ende durchgeführt habe. Gehen wir nun weiter und ver* 
folgen den Scipio auf seiner Siegesbahn in Spanien, so begegueit 
wir bei dem Verf. denselben Bedeiiklichkelten und Ausstellungen. 
Scipio gab dem jungen spanischen Fürsten einen Beweis seiner 
grossherzigen Gesinnung, indem er ihm die schöne Brant, welcbo 
Scipio bei der Eroberung von Neukarthago aus der Gefangenschaft 
befreit hatte , zurückgab. Diese bewegliche Geschichte, wie Hr. 
Micke sie nennt, zweifelt derselbe an als eine Erfindung des Li- 
vius, und warum? Natürlich nur desshalb, was er freilich nicht 
geradezu ausspricht, weil diese ErzaMung von Scipio's Edelmuth 
nicht in des Verf.*s ungünstige Schilderung von Scipio's Bürger- 
tugend hineinpassen will. Letztere will er nun einmal nicht aner- 
kennen, muss er auch des jugendlichen Feldherrn Tapferkeit und 
soldatischer Tüchtigkeit Gerechtigkeit widerfahren lassen. Au 
einer anderen Stelle, S. 287 , finden wir gar folgende Aeusserung 
über den Scipio vor der Schlacht bei Ilipa Im Jahre 207: „Er 
wfihit die erstere (die Sihlacht), beruft das Heer zusammen, gau* 
kelt ihm nach seiner Weise Gottbegeisterung vor und fällt beim 
Anblicke einiger günstig vornberfliegender Vögel beinahe gar in 
Verzückungen, hier nach dem Berichte des Appian.^^ Welcher 
Ton in einem für gebildete Leser bestimmten Geschichtswerke 
und welclie Ansichten über den religiösen Standpunkt des Feld^ 
herrn. Wären auch hier die Priester wirklich im Spiel gewesen, 
nimmer hätten sie doch einen Jüngling, wenngleich Feldherro, in 
Ihr Spiel eingeweiht und ihm die Ausführung überlassen. Und 
S. 291 heisst es von ihm in der Erzählung von seiner Zusammen- 
kunft mit Hasdrabal: Scipio, was sich von seiner Schauspielerkunst 
voraussetzen Hess, affectirte dabei altrömische Würde, u. a. w. ; 
wiewohl es doch ksuro glaublich erscheint, dass ein Jüngling von 
27 Jahren so vollendete Verstellungsgabe nnd Heuchelei sollte be^ 
Bcssen haben, einen so erfahrnen Mann wie Haadrubal ganz und 
gar zu täuschen. Scipio affectirte nicht altrömische Würde, son^ 
dern besass sie wirklich tn hohem Grade, wie alle alten edlen Ge- 
schlechter Roms, welche sie bei dem natürlichen Ernste der Rö- 
mer sich frühzeitig angewöhnten. Es war die gravitas der Römer. 
Diesen Ernst, diese Würde zeigte er aber auch gegen treulose 
Völker Spaniens, welche spater der Freundschaft mit Rom untreu 
wurden; ao verfuhteu die Römer stets und Scipio brauchte nicht 



Reignier : Aasfubrlicbe Grammatik d. franx. Spracl^e. 171 

aufsulioren, die Rolle den BeFreiers Spaniens zu »pleleo, und Miene 
zu machen, aich als dessen Oberherrn hinzustellen, S. 30^, Die* 
selbe Würde , welche er 'den ungehorsamen Spajiiern zeigte, ward 
in spaterer Zelt ein Erbthcil des spanischen Volkes bis auf den 
heutigen Tag. Fast unwürdig ist es ferner, S. 505 mit Livius an- 
nehmen zu wollen, Sclplo habe gegen mehrere abtrünnige Städte 
die Rache aufgeschoben bis zur ganzlichen Vertreibung der 
Karthager aus Spanien , um sie dann desto wüthender zu 
stillen — der beliebte Zug in jeder echt soldatischen Politik, 
wie hinzugesetzt wird. Solche und ahnliche Aeusserungen ünden 
wir nun häufig ausgesprochen. Siebeweisen, wie wenig richtig 
der Verf. den Charakter des Helden aufgefasst hat. Lauguen kön- 
nen wir nicht, dtfss dem Hannibal wohl an Feldherrntalent, Muth, 
Schlauheit, List, Geistesgrosse die erste Stelle unter den grossen 
Männern dieser Zeit gebührt , dass er auch gross war an Bürger- 
tugend, wie die spätere Zeit seines Lebens beweist; ob aber auch 
an grossherziger Gesinnung in dem Maasse, wie Scipio? In einer 
Beziehung stellt er weit hinter Scipio zurück , ich meine In seiner 
unversöhnlichen Rache gegen den Feind seines Volkes, wie Scipio 
sie gegen Karthsgo nicht zeigt. Jedenfalls aber Ist Scipio ein 
leuchtender Stern dieser Zeit, zu dem man mit Freuden empor- 
blickt und auf den Rom stolz sein konnte. Entsprach auch sein 
späteres Leben nicht ganz seinem früheren, so kömmt das Mer 
doch nicht in Betracht*, wir sollen ihn beurtheilen, wie ersieh 
zeigt in dieser Zeit seiner glänzendsten Thaten. Weiter zu gehen 
in Beurtheilung der besprochenen Schrift, enthält sich Ref. Sie 
hat neben den angedeuteten grossen Mängeln auch gute Partien. 
Wir wollten die Schrift nur nach dem Zwecke, zu dem sie geschrie- 
ben ist, beurtheilen. — Die Sprache ist meist fliessend und ge- 
wandt, eine gute Benutzung alter und neuer Schriften sichtbar und 
ohne das daran Ausgestellte, das wir haben machen müssen, 
wurden wir sie ihrem Zwecke ganz entsprechend finden. Druck- 
fehler machen sich wenige bemerkbar, „Brctern^^ statt ^,Brettern,^^ 
S. 260. Ein bisher uns nicht bekannt gewordener Ausdruck ist das 
Wort ,,Ty rannismus " statt des sonst üblichen „Tyrannei.«^ — 
Kiel* Dr. E. E. Hudemaniu 



Auejuhrliche theoretisch- praktische Grammatik der französi- 
schen Sprache für den Schul- und Privatgebrauch. Nach einem 
neuen Lehrplan bearbeitet von Louia Reignier. In 3 Abtheilttngeu; 
Nürnberg 1850, bei J. L. Lotzbeck. IV und 354 S. 

Jeder Monat bringt neue französische Grammatiken auf den 
Buchermarkt. Soll man sich darüber freuen oder beklagen? Ref< 



172 Französische Sprache. 

stellt an, das Letztere in tbun; denn im Allgemeinen hat dfc Bu- 
cliermaclierei , und insbesondere die Grammatiken -Fabrikation, 
möge man dagegen aach sagen was man wolle, mehr genutzt als 
geschadet. Man mu8s nämlich bei praktischen Letirbüchern davon 
absehen, dass der Wissenschaft ein Genüge geschehe, und 
sich auf den etwaigen Nützen beschränken, den dieses and jenes 
Lehrbuch In einem besonderen Kreise bringen kann. Das Letztere 
ist aber sehr leicht möglich, und desshalb muss einem billigen Be- 
urtheller, der nicht an einem stereotypen Lehrgänge klebt, ausser 
welchem ihm kein Heil möglich scheint, jedes neue Lehrbuch 
willkommen sein. Die angemeine Riihrigkelt, welche sich jetzt in 
der Abfassung von Hülfsbtichern zur Erlernung' der neueren Spra- 
chen zeigt, giebt zugleich ein ehrenvolles Zcugniss für die Leh- 
rer ab, die jetzt nicht mehr, wie früher, sich unter die Autorität 
einer kleinen 'Anzahl von Grammatiken stellen, welche in den 
Lehranstalten lange genug geherrscht haben. Die Zeit der De- 
bonale und Meidinger ist vorüber; selbst Mozin und Franceson 
sind meist verdrängt und auch der vielgebrauchte Orelli muss sich 
die Nebenbuhlerschaft von tausend minder inhaltvollcn , aber 
praktischeren Grammaliken gefallen lassen. Es ist die Gramma- 
tiken-Vielheit, sage Ich, ein chrenwerthes Zeugniss für die Leh- 
rer dieser Sprachen , weil sie beweist, dass die meisten Lehrer 
ihren Unterricht nicht mechanisch betreiben, sondern ihre eigenen 
Ideen von Methode und Praxis hegen, und dass diese Ideen in 
dem Maasse lebendig und segensreich sind, als sie sich in beson- 
deren Lehrbüchern verkörpern. So mangelhaft nun auch in die- 
sem oder jenem Lchrbuche die Methode sich herausstellen mag, 
80 dürfen wir nicht übersehen, dass wenigstens der Verfasser 
mit seinem Buche immer mehr ausrichten wird, als mit jedem 
andern , weil er in ihm nicht nur ganz und gar zu Hause, sondern 
weil es sein ganzes Ich, sein eigenes Leben und somit auch seine 
den Unterricht lebendig machende Methode ist. Und darauf 
kommt es bei der Erzielung eines segensreichen Unterrichts haupt- 
sächlich an, dass der Lehrer nicht durch eine vorgeschriebene 
Methode beengt ist; dass ihm dasjenige, was er mit Liebe lehren 
soll, auch sein Liebstes sein muss; und was könnte er Theu erstes 
haben^ als seine eigenen Ideen? 'Damit soll freilich nicht gesagt 
sein, dass demnach jeder Lehrer ohne Ausnahme seine Lehrbücher 
schreiben müsse. Es bleibt daneben nicht nur die Möglichkeit, 
sondern aach die Wirklichkeit, dass man in Lehrbüchern, deren 
Auswahl jetzt so gross ist, sehr oft seine eigene Methode vollkom- 
men wiederfindet oder sich so gut iplt ihnen befreunden kann, dass 
man mit ihnen dasselbe zu erreichen im Stande ist, was mau durch 
ein selbstierfasstes nicht besser erreichen wiirde. 

Indem Ref nach Vorausschickunji; dieser Worte zur Beurthei- 
Inng der oben angeführten Grammatik von Hrn. Reignter über- 
geht , so spricht er sogleich sem allgemeines Urthell dahin aus, 



Reignier: Aosfubrliche Grammatik d. franz. Sprache. 173 

dass dicgelbe sich ebenso sehr durch ihre Vollständigkeit wie durch 
Klarheit auszeichnet, und Ref. halt sich überzeugt, dasa Hr. R. 
und viele Andere, denen seine Methode zusagt, mit gutem Er- 
folge seine Scliuler zur gründlichen Erlernung der französischen 
Sprache anweisen wird. So gern nun Ref. anerkennt, das« Hr. 
R. den grammatischen StoiT mit Vollständigkeit zusammengestellt 
und besonders mit guten und ansprechenden Beispielen erläutert 
hat, so musa er doch andererseits sich ganz entschieden gegen die 
Anordnung des Stoffes erklären , welche nichts weniger als eine 
stufenweise ist. 

Der Verf. n^nnt seine Grammatik eine ausführliche; da* 
gegen ist nichts einzuwenden , da sie nicht nur alles Wesentliche 
enthält, sondern auch noch Vieles, was eher in das Wörterbuch 
alain die Grammatik gehört. Dann nennt er sie eine theore- 
tisch-praktische. Die praktische Natur derselben ist anzu- 
erkennen, weil die Elementar- und Formenlehre meist in einer 
sehr verständlichen Weise mitgetbeiit und zur Einübung recht 
brauchbare Beispiele beigefugt worden sind. Von Theorie aber 
ist wenig zusehen; oder nennt es der Verf. vielleicht Theorie, 
wenn er die Begriffe von Substantiv, Verb, Adverb nothdürftig 
und nicht einmal richtig defiiiirt? oder wenn er die Construction 
des Artikels, der Pronomina, Verba u. s. w. nnit einer empirisch 
abgefassten Regel angicbt? Und doch scheint Hr. R. auf seine 
Theorie etwas stolz zu sein, indem er auch in der Vorrede, die 
ganz im Gegensatze zu der klaren Abfassung der grammatischen 
Regeln in einem wunderlichen Deutsch geschrieben ist, sagt: 
„Sind die Beispiele (1! diess soll heissen: Elemente, Sprachfor- 
men und syntaktische Regeln) in der Grammatik anschaulich ge- 
macht, so hat sie das Nöthige gethan, vorausgesetzt, dass die 
Theorie aus dem Innern der Sprache selbst entwickelt wurde (was 
beiss(,das?). Und solche Lehrweise (!) hat der Verf. m vorlie- 
gender Arbeit nach Kräften aufgefasst ( ! ) und ^mlt praktischen 
Uebuiigsstücken verschmolzen.^^ Wie unklar der Hr. Verf. über 
das sein mnss, was Sprachtheorie ist, lässt sich aus seinen eige- 
nen Worten schon sehen, ergiebt sich aber noch mehr aus seiner 
Grammatik, in welcher auf nichts weniger als auf das Walten eines 
allgemeinen Sprachgeistes in der Wort- und Satzbildong der fran- 
zösischen Sprache hingewiesen, sondern jede Regel auf die trocken- 
ste Empirie gebaut wird. 

Drittens nennt der Verf. sein Buch eine Grammatik für den 
Schul- und Privatgebrauch. Der Franzose sagt: Qui court 
deux lUvres^ nen aura aucun. Es ist immer misslich, zwei 
Zwecke zu vereinen. Ein Schulbuch zum Privatgebrauch muss 
möglichst umständlich und fasslich sein , damit der Schüler iii den 
Stand gesetzt ist, sich nöüiigen Falls selbst zu belehren, während 
ein Buch zum Schulgebrauch möglichst kurz und concinn sein 
muss. Ref. hält jede Grsmmatik für eine neuere Sprache, die an 



174 FranzosUcbe Sprache. 

und nber 300 Seiten zihlt, wie die vorliegende, Ton vornherein 
fnr bedenldich. Das Miya ßißklov^ ^eya xaKov stellt sieb nir- 
gends schlackender heraus, als beiiQ grammatischen Unterrichte. 
Auf 150 — 200 Octavselten muss das ganze Sprachgebandii jn for- 
meller und syntaictischer Hinsicht zur leichtesten Uebersicht für 
den Schüler hingestellt sein, damit es möglich wird, es In jedem 
Jahrein jeder Glasse (natürlich in den untersten Classen aus- 
zugsweise) durchznbringen, so dass der Schuler, der durch 2 bis 
3 Classen gegangen ist, auch seine Grammatik zwei bis drei Mal 
durchgemacht haben und jede Stelle im Buche kennen muss, wo 
sich diese oder jene Regel findet. Ertraglich wird ein dickes 
Buch noch, wenn es so systematii^ch abgehandelt Ist, dass Jede 
Regel an derjenigen Stelle steht, wo sie aus rationellen und prak- 
tischen Gründen zu stellen hat, oder wenn ein vollständiges Sach- 
und Wörterregister beigegeben Ist. Bei der vorliegenden Gram- 
matik ist aber weder das Kine noch das Andere der Fall; denn das 
am Ende gegebene Registerchen genügt gar nicht, und daneben 
findet sich nicht einmal eine Inhaltsangabe der einzelnen Abschnitte; 
vielleicht weil der Verf., wenn er es sieh einmal gemacht u. vor Au- 
gen gerückt haben sollte, selbst über das Durcheinander des gram- 
matischen Stoffes erschrocken sein muss. Einige Pröbchen davon 
werden wir hernach geben. 

Zu den bisherigen Bemerkungen hat uns meist der blosse 
Titel des Buches veranlasst; Ref. geht zum Vorwort über, um 
des Verf. Absicht, die Ihn bei Ausarbeitung seiner Grammatik ge- 
leitet hat, näher kennen zu lernen. Dieses ist kurz (1% Seiten 
grober Schrift) und nicht eben meisterhaft, aber dafiir etwas 
geister- und gespensterhaft stilisirt Wir entlialten uns aller Be- 
merkungen und theilen nur den Anfang und das Ende mit: ^^Die 
Grammatik hat die Aufgabe, den Bau der Sprachelemente auf- 
lösend zu zergliedern und nachzuweisen; sie zerfallt also in zwei 
Hauptthcile, den etymologischen und syntaktischen. Der eine 
beschäftigt sich mit Aussprache, Bildung und Rechtschreibung der 
Wörter, mit dem Stoff. Der andere handelt von der Wortfügung, 
der Verbindung der Wörter zu Sätzen und der Sätze zu Perioden.^^ 
— „In der e r s t e n A b th e i 1 u n g sind meistens sämmtliche Rede- 
theile nur praktisch durchgeführt, und in dieser Anschauung 
Ist der Verstand schon wirksam; erst In der zweiten Abthei- 
lung werden die Begriffe mehr durch den (sie) Syntax entwickelt, 
also abweichend im Allgemeinen von andern französischen Gram- 
matiken, wodurch der Verf. gewissermaassen einen neuen Lehr- 
gang einschlug, der, alles Nachahmen entbehrend, die Lernenden 
recht bald ohne Ermüdung zum Ziele Ihres Studiums führen dürfte, 
besonders wenn die verehrten Lehrer das Nützliche dieser Bear- 
beitung, mit ihren Sprachkenntnissen helfend, unterstützen wollen.^* 

Der Hr. Verf. thellt also sein Werk In drei Abtheiluugen, 
von denen die letzte (S. 279 — 351) ein Lern- und Lesebuch bil- 
det uud also nicht nothwendig zur Grammatik gehört. Nur in 



Reignier: Ansfuhrlicbe Grammatik d. franz. Sprache. 175 

den swei ersten Abtheiliingen glebt er un« demnach Veninlassang 
sn untersuchen , ob wirklich ,,der Verf. f^ewissermaassen einen 
neuen Lehrgang einschlngf der, alies Nachahmen entbehrend , die 
Lernenden recht bald ohne Ermüdung sum Ziele ihres Studiums 
fuhren durfte." — Nachdem auf S. 1—14 von den Buchstaben 
ond deren Aussprache auf eine billigenswerthe Weise gehandelt 
worden ist, spricht der Verf. auf S. 14 — 17 vom bestimmten und 
Theilungsartikei und verwirft den unbestimmten, indem er 
8. 15 in einer kursen Anmerkung sagt: ,,Da8 Adjectlv un^ une^ 
e|n, eijie, wird unbegreiflicher Weise selbst von den bessern 
Grammatikern als unbestimmter Artikel aufgeführt i*^^ — Hr. R. 
hatte aber doch leicht begreifen müssen, dass zuweilen praktische 
Gründe und Herkommen gebieterischer sind als Vernunft und 
Wahrheit^ Ble bessern Grammatiker sind eben solche, welche 
das Praktische für den Lernenden beibehalten; welche, ebschoo 
sie recht gut wissen , dass uo, vne ursprünglich ein adjectivisches 
Zahlwort ist, doch die Deciination desselben gleich beim Artikel 
abhandeln, weil nun einmal auch in der deutschen Sprache ein, 
eine 4lurch den Tyrannen Usus aum unbestimmten Artikel ge- 
worden ist und sich kein besseres Fleckchen zu seiner Besprechung 
in der gansen Gramm, findet, als bei der Declln. des Artikels. Wie 
die besten Astronomen fortfahren werden zu sagen: Die Sonne 
geht auf und unter, so werden die besten und praktisch- 
sten Grammatiker fortfahren, von dem unbestimmten Ar- 
tikel toi, une KU spreche». Hr. R. moss den Uebelstand seines 
„gewissermaassen neuen Lehrganges ^^ selbst bedenklich finden, 
wenn er kein Wort weiter von un , une sagt und S. 19 •— 41 zu 
den Verben avoir ^ ^Ire und den 3 rege! massigen Conjugatiouen 
übergeht. Nachdem der Schüler 41 Seiten gelernt hat, kommt er 
erst zum Substantiv und lernt dessen Geschlecht und Pluralbil- 
dung kennen. Nun sollte man doch etwas von dem Adjectlv 
un , une und von seiner Abstumpfung des Zahlbegriffes zum so- 
genannten unbestimmten Artikel hören. Aber nein! man liest auf 
S. 42 unter der CJeberschrift: Geschlecht and Zahl der 
Substantiven nur die Worte: Mit den beiden Zeichen (sici) 
vn und le giebt man das männliche, mit une und la das weibliche 
Geschlecht zu erkennen. Also jetzt ist das Adjectlv i/», une^ wel- 
ches Hr. R. von den bessern Grammatikern nicht zu einem unbe- 
stimmten Artikel degradiren lassen will, gar nur ein Zeichen, 
und von seiner Deciination ist auch jetzt nicht die Rede. Hätte 
der Verf gewusst, dass sein Geschlechts zeichen (S. 42) le^ la 
ursprünglich ein demonstratives Pronomen [latein. ille^ iliaf ital. 
i/, (/o), la] »t, so hatte er gewiss auch mit zwei Auirufungszet* 
chen geseufzt: ^^Oau Pronomen le^ la wird unbegreiflicher Welse 
selbst von den bessern Grammatikern als bestimmter A r tikel an* 
geführt.'' — Was auf S. 42—57 über das Substantiv, Adjectlv, 
Bildung der Feminina und ComparatioD^ so wie über die Zahlwör- 



176 Franzoswcbe Sprache. 

tergeMgft wird, fat ^itt, wenn auch nicht uiieraichilich genug; 
das« aller die adjecti viachen Pronomina ce^ ceile, mon^ tan^ «on 
(auf S. 57 fgg.) von den apiter Tolgenden aiibatantiviachcn Prono- 
minen (mot\ toi^ lui^ soi^ celui) getrennt aind, von denen aie doch 
auf eine auch für deu Anfanger ^o leicht begreifliche Weise sieh 
ableiten lassen, spricht nicht für den neuen eingeschlagenen Lehr- 
gang des Verf. S. 73 giebt Hr. R. einen Begriff vom Verb. 
Hier können wir etwas von der Theorie desselben kennen lernen. 
,,Solche Verba (nämlich wie je dora^je vais) nennt man in t ran- 
aitir, weil sie mehr eine Art des Seins, einen Zustand als 
ein Handeln ausdrucken und daher kein Passiv haben. Jedoch 
erkennt auch der Grammatiker bei ihnen ein thitigea Objeet (!!), 
wenngleich nicht scheinbar, (1) wie x. B. Vhomme dort^ wo der 
Schlaf thitig auf die Sinne des Menschen wirkt und ihn in den 
Zustand der Bewusstlosigkeit versetxt." — Das heisat doch eine 
Sache auf den Kopf stellen! Warum hat Hr. R. nicht einen solchen 
Grammatiker genannt, der bei den Intransitiven Verben ein iküii'^ 
gea Objeet erkennt? und was heisst: „wenngleich nicht 
Bchelnbarl^^ Referent würde annehmen, dass Objeet nur ein 
Schreibfehler statt S objeet sei, wenn nicht die unglüekliche 
Erklärung von Vhomme dort daraufhindeutete, dass Hr. R. wirklich 
nicht an die Thitigkeit dea Subjectes gedacht haben kann, weil er 
den Schlaf (das Objeet) einwirken lisst auf den Menschen, der 
achlaft (Sobject). Die Sache ist aber die, dass das Subject 
t komme allein der ThStige sein kann und dass seine Handlung im 
dormir besteht. Bekanntlich können ]a die meisten intranaitiveo 
Verba ein Objeet xu sich nehmen, wenn dasaelbe einen mit dem Ver- 
bnm gleichen oder verwandten Begriff hat; z. B. ich gehe einen 
ach weren G a n g ; il dort nn hon aomme; iia%f^v fLUx^ö^ai ; tVe rtam, 
und lassen fdr diesen Fall sogar ein Passiv au, s. B. ilur via , vita 
tutior vivitur. Diese Conatruction ist nichts Z u f al 1 i g e s, sondern 
Dothwendige Folge der activen Bedeutung, die auch diesen als 
intransitiv bezeichneten Verben innewohnt. Daher hat Hr. R. ent- 
schieden Unrecht, wenn er S. 75 ssgt: „Zufällig transitiv 
erscheinen die Phrasen : Courir les spectacles, danser une gavette, 
ralsonner son röle, soupire dea vers etc.'^ 

Auf S. 79 — 143 folgen die unregelmäsaigen und defectiven 
Verba, aber leider In alphabetischer Ordnung, welche das Erlernen 
ungemein erschwert, während bei der Anordnung derselben nach 
Claasen gleichartiger Abwandlung das Imprimiren der Formbildnng 
ungemein vereinfacht und erleichtert wird. So müssten i. B. 
craindre^ feindre^ peindre^ oindre u. a. susammengestellt sein, 
während sie jetzt auf den verschiedensten Seiten zerstreut stehen. 
— Was auf S. 143 — 150 aber die Präpositionen , das Adverb, die 
Conjnnctionen und Interfectlooen gesagt wird, genügt im Gänsen ; 
aber auf eine strenge Unterscheidungsgabe der Partikeln versteht 
sich der Verf^ nicht. So sagt er %. B. S. 149: „Das conjunctive 



Reignier: Aasfuiiriiche Gramnatifc d. franz. Sprache. 177 

que dient ftoeh dasu, swd Veiigleichtingvg^leder zu vereinigen: II 
est pluB grand que möi^^ — und aetst ab Anmerkung hinzu : ,,Ohne 
folgende« Zeitwort ist hier que als ein Adverb au betrachten/^ 
AlaodieConjunction ist hier ein Adverb? Das ist niwlii Que 
ist und bleibt hier die Vergleichnngipartiicel (tat. quatn)^ weiche 
so wenig wie das relative Pronomen ^fii seine conjunctive Natur 
verlieren kann. Das« es im obigen Satse ohne Verbum steht, dfess 
hebt in que den Begriff der Relation und .VerbNidnng nieht auf; 
denn das Pronomen moi steht an der Stelle des Verbum, welches 
folgen sollte : il est plus grand , que (je ne suie^) moi. Wer will 
behaupten, dass in: il est anssi habile que modeste die Partikel 
que ein Adverb wäre? — Ein paar Zeilen tiefer sagt Hr. R. ,,iV0- 
que (nur) steht auch furne-rien^ s. B. je n'ai que faire icl ich habe 
nichta hier su thun.^' Grundfalsch! Que gehört hier gar nicht 
lu ne^ sondern ist Obj ec t zn /at>0; und^enW steht wie ovn 
l%m fJarje ne sais; also: ich weiss nicht, was ich hier thun soll ; 
vgl- j« n'ai que faire de gon aide ich weiss nicht, was ich mit sei- 
ner Hülfe thun soll, d. i. ich kann seine Hülfe nicht brauchen. 
\¥,eün ne-que zusammengehörte, so müsste ja nach avoir der Infi-1 
nitiv mit ä folgen, z. B. je n ai qü*ä faire ici, und das heiast dann 
etwas ganz anderes: ,yich habe hier nur zn handeln,^' „ich darf 
nur handeln.^^ 

Die zweite Abtheilung (S. 151—278), in welcher, wie 
der Verf. in der Vorrede sagt, die Begriffe mehr durch den (sie) 
Syntax entwickelt werden, ist ein zweiter Cursus und enthält eine 
Vervollständigung des in der ersten Abtheilung einstweilen lieber- 
gangenen. Hier liesse sich nuh mit dem Verf. stark rechten über 
die Auswahl. Ref. wiirde gar Vieles, was in der ersten Abtheilung 
steht, in die zweite gebracht haben, und umgekehrt. Er kann, um 
nicht zu weitläuftig zu werden, auf das Einzelne nicht weiter ein- 
gehen und giebt nur zur Rechtfertigung dieses Unheiles an, dass 
auf S. 152 der Schüler erst etwas vom Apostroph und den 
demselben unterworfenen Wörtern, von der Cedille (S. 5, wo 
von der Aussprache des c die Rede ist, ist die Cedille gar nicht 
erwähnt!), vom Trema, Tiret; auf S. 161 ff. von der Plural-, 
bildungzusa m>m engesetzterWörter wie beau-frhre^ tire^ 
botie u. 8. w. ; auf S. 176 von der Uebereinstimmung der Adjectiva 
mit dem Substantiv im Genus und Numerus erfährt, u. s. w. Die 
syntaktischen Regeln sind meist genf&gend, aber bunt durch- 
einander gemischt, so dass es schwer fallen wird, dass der Schüler 
zu einer Uebersicht derselben und schnellen Erlernung gelangt. 

Trotz dieser Ausstellungen wollen wir das Werk dea Verfas- 
sers nicht vernrtheilt haben; wir sind sogar nberzeugt, dass es 
lo der Hand eines gewandten Lehrers seinen Nutzen bringen 
wird. Sollte daa Buch eine zweite Auflage erleben, so wäre 
allerdings zu w&nschen, dass der in ihm enthaltene Stoff eine 

iV. Jahrh, f. Pkü. u. Päd, od. KrU. Bibl. Bd, LXU. Hft. 2. 12 



178 EnglUche Sprache. 

grosse Umttellung erlitte. — Druck und Papier tindscliön, aber 
ersterer iiiclit aelir correct. 

Eialebeo. Dr« Gräfenhaum 



1. Englisch' deutsches und deutsch-englisches Handwörterbuch 

für Reisende^ Auswanderer und Schulen, sowie fiir Deutliche 
in Amerika. Nebst einer kunsgefaesten englischen Grammatik , den 
^ nothwendigen Gesprächen und Nachweisungen ober Münzen, Maasse 
und Gewichte« Mit durchgangiger genauer Angabe der Aussprache 
des Englischen mit deutseben Schriftzeichen von Dr. F. £. Feiler, 
Director der Handelsschule zu Gotha. * Gera und New- York 1850. 
XXXI. 196 u. 183 S. 16. (J5 Sgr.) 

2. Neueste Ferschule %ttr Sprache der Engländer, basirt auf der 

nahen Verwandtschaft der englischen und deutschen Sprache von 
M. Selige geprüftem Lehrer der englischen Sprache. Berliu bei W. 
Adolf u. Comp. 1850. 124 S. 16. (714 Sgr.) 

3. Englische Conversations- Grammatik für Deutsche, Nach einer 

originellen und fasslichen Methode bearbeitet , Termittelst welcher 
man diese Sprache in einigen Monaten erlernen kann. Von Dr. TAo- 
tnaa Gaspey, aus London. Heidelberg bei Jul. Groos. 1851. Vlll 
ü. 325 S. (l Thlr.) 

Nr. 1. Was das Wörterbuch des Herrn Dr. Feller betrifft, 
so ist dasselbe ohne ein Vorwort ins Publikum geschickt worden, 
wahrscheinlich weil der Verf. den Zweck und die Abfassungs weise 
des Buches durch den uniständllchen Titel hinlänglich motivirt 
gifttibte. Zwar glebt ein beigedruckter buchhändlerischer Pro8pect^ 
BUS welchem hervorgeht, dass Hr. F. ein anderes Wörterbuch für 
den Kaufmann und Fabrikanten herausgegeben liat, wohl 
eine Art von Vorrede ab ; aber da die Worte nicht vom Verfasser 
unterschrieben sind, dürfen wir sie auch bei der Beurtheilung des 
Torliegenden Buches nicht mit dem Verf. in Zusammenhang brin- 
gen. Wir halten uns daher auch nur an den Titel, demzufolge das 
Buch für Reisende, Auswandererund Schulen bestimmt 
ist. Die vorausgeschickte kurzgefasste englische Grammatik, wel- 
che nur aus einer compendiarischen Formenlehre besteht, kann 
offenbar nicht für Schulen bestimmt sein und ist also zum Besten 
der Reisenden und Auswanderer abgefasst. I nun, für diejenigen, 
welche die englische Sprache etwas radebrechen lernen wollen, 
um auf Reisen die nothwendigsten Geschfifte mit den Engländern 
oder Amerilcanern in der Landessprache abzumachen und dann als 
Uebersiedler das Weitere ex usu zu lernen , woliei ea nur auf die 
allernothdürftlgste Aflittheiiungaföhlgkeit tn der englischen Sprache 
anicommt, — für salche mag der grammatische Abriss genügen. 



Feiler: Hand worter bäcb. 179 

Ob aber auch der Haopttheil dea Wcrkchena, daaWorlerboch? 
Dieses steht sehr zu bezweifeln ; denn es ist eben so unvollständig 
als iinzweckmässig abgefasst. Hr. F. muas doch voraussetseii, dass 
sein Buch hauptsächlich nur für aolche einen Werth haben sollte, 
welche der engMschen Sprache nicht mächtig nnd eines wohlfeilen 
Moth- und Hülfsbüchleins bedürftig sind. Aber gerade diese 
Hulfsbednrftigen bedürfen auch ganz besonderer Berücksichtigung; 
man muss bei ihnen alle Mangel und Schwächen Torausaetzen ; 
man darf bei ihnen keine Festigkeit in der Grammatik anticipiren 
und keine Combinationsrähigkeit, welche nur derjenige besitzt» 
der schon in der Hauptsache mit der Sprache vertraut ist. Nun 
aber hat Hr. F. nicht blos alle unregelmässigen Imperfecta und 
Participien und alle unregelmässigen Plurale der Nomina in der 
alphabetischen Reihenfolge übergangen, sondern auch sogar nur 
die Stammwörter aufgenommen und die abgeleiteten Nomina 
und Verba der eigenen Formirung überlassen. Dieser Mangel 
macht sowohl für Reisende und Auswanderer, als auch für Schiller 
das Buch ganz unzulänglich. Aber der Auswanderer vermlsat auch, 
was in einem englischen Wörterbuche jetzt uuerlässlich ist, die 
hauptsächlichsten amerikanischen Idiotismen, in ersterer 
Hinsicht hat dem Bedurfuiss auf eine ganz andere Weise ala Herr 
Feller neuerlich F. W. Thieme entsprochen in seinem: Neues 
und Tollständiges Handwörterbuch der englischen und deutschen 
Sprache, mit Berücksichtigung aller grammatischen 
Dnregelmässigkeiten.^^ Braunschweig bei Vieweg nnd S. 
1849. 2 Thle. 51<4 Bogen. (2 Thir.) In zweiter Hinsicht, dass 
nämlich für den Auswanderer f^owohi , als für den Leser aitoerika- 
nischer Werke und Zeitungen die ameriksnischen Eigen thumlicb- 
keiten beachtet werden müssen, besitzen wir jetzt ein höchst em- 
pfehlenswerthes: „Neuestes vollständiges Wörterbuch der engli- 
schen und deutschen Sprsche. Mit Berücksichtigung des 
amerikanischen Idioms. Zum Gebrauch für alle Stände. 
Mit gedrängter Grammatik beider Sprachen, einer Ausspraohlehre 
und praktischen Gesprächen, nutzlichen Winken für Auswanderer, 
amerikanischem Zolltarif und Münz-, Maass- und Gewichtstabelle. 
Von Wm. O d e II El w el l>^ Stereotypausgabe. Braunschweig bei 
6. Westermann 1849. 2 Thle. 

Was die knrzgefasste Grammatik der englischen Sprache bei 
Hrn. Feller auf S. V — XXVI betriift, so besteht sie, wie schon an- 
gedeutet, aus einer blossen Formenlehre, die aber für den ersten 
Anlauf genügen dürfte , da sie sich durch CJebersIchtllchkeit aus» 
zeichnet und die Aussprache der Formen überall mit deutschen 
Lettern beigeschrieben ist. In dem alphabetischen Verzeichnisa 
der unregelmässigen Verba hat Ref. folgende vermlsst: to burn 
(brennen) impf, und partic. burnt; io dwell (wohnen) impf, und 
partic. dweit^ neben der regelm. Form dwelled; io mu«/ (müssen) 
impf, und partic. muat ; bei to ieeih ist die btigegebene Bedeu* 

12* 



ISO Englische Sprache. 

tttnff sinken »t sieden wohl nur Druckfehler; ferner fehlt to slriJte 
(schlügen) Impf, und partic. Struck; to string (anfreihen, besai- 
ten) impf, nnd partic. strong; to undo (auflösen) impf, und partic. 
undid. Bei to beat (achlagen) hätte neben dem Particip beaten 
•nch noch beat angegeben sein aollen. — Die dann folgende Liate 
der nnentbchrllchateji Redenaarten auf S. XXVI bia 
XXXI Ist an apirlleh aoagefalien, als daaa ale auch norden be- 
Bcheldenaten Bedürfniaaen genii^en könnte. 

Der Haupttadel trifft aber daa fast ohne Plan abgefaRste Wör- 
terbuch selbst; wenigatena Ist nicht absusehen, warum eine so 
ungeheure Menge der gangbarsten Wörter fehlen. So fehlen s. 
B. fast alle Worter, deren Bedeutung wegen der Aehnlichteit mit 
dem deutschen Laute sich errathen laast, s. B. chocolate^ elepkani^ 
poet^ po^sy^ poetick ^ poeticai n. s. w. Allein so mangelhaft es 
schon ist, beim Gebranch des Buches es auf ein blosses Käthen 
und blindes Tappen ankommen zu lassen, so Ist nicht einmal die- 
Urs System vom Verilasaer consequent durchgeführt worden. 
Warum hat er W^örter wie coffee^ orange und tausend andere aof- 
genommen ? warum fehlt nncle (Oheim), wo das o in n ubergegan« 
f^en iati Diese Inconsequenzen machen den Nutzen des Buches 
sehr zweifelhaft. Soll der Schuler oder Auswanderer errathen, 
daas island eine Insel, Eiland heisst, weil sich isiet (Inselcheii) im 
Buche findet? Das ist zu viel verlangt! 

Die Unvollstandigkeit eines Wörterbuchs überhaupt nachzu- 
weisen, ist nicht schwer, da es niemala ein ganz vollstlndiges ge- 
hen wird; es w&re daher auch ungerecht, ein kleines Wörterbuch 
•la mangelhaft dadurch zu bezeichnen, dasa man ea mit einem 
grösseren vergleicht und dieses und jenes Wort als übergangen 
nachweist. Dieses zn thnn ßllt auch hier dem Ref. nicht ein ; 
aber das kann man von einem fnr Schiller und Reisende bestimm- 
ten Wörterbuche verlangen, dass in ihm die allertägiichsten 
Begriffe nnd deren Benennungen sich verzeichnet finden 
sollten. Ob es dieser billigsten aller Forderungen genüge, probirt 
man am beaten, wenn man ein für Scholbedürfniaae und fiir die 
eraten Anfange berechnete« Leaeatuck hernimmt und sich auf das- 
aelbe, wie ein Anfänger thun würde, präparirt. Ref. Iiot dieas mi^ 
dem Feller'schen Wörterbuche gethan und sich auf die in der oben 
Nr. 2 angegebenen Vorschule zur englischen Sprache von Selig 
findende Krzählnng von 5 Sedezseiten: The orange man or TJie 
honest boy and tke thief priparirt und hat gefunden, dasa der 
Schüler folgende Wörter nicht finden würde: soso, whilst weil, 
wührend, so lange als, la siehe da! surely aicherlich. [Hr. Feller 
giebt wohl eure nnd aetzt vorans , dsss der Nacliachlagende das 
Adverb selbst bilden könne; aber ea Ist weder in einem Vorworte, 
noch in der knrzgefaaaten Grammatik eine genügende Anleitung 
Ikber die Wortbildung gegeben, und im Buche selbst keine Conse- 
qnenz bewiesen; so s. B. fehlt bei SNperior daa Substantiv eupe- 



Feller: Handwörterbuch. ISX 

riariig^ wahrend bei aure sich aurety fiudet; uud uuaer Adverb 
surelff halte um so eher dastehen aoiien, ^eil ehi paar Wörter 
hhiter auiety das Adjectiv surly (mürrisch, verdriesslicb) folgt uud 
ehien Aitüu^er irre fuhreu kauu .] Ferner fehlt in dem Feiler^- 
sehen Wörterbuche und findet sich in dem angeriebenen Lesc^ 
stucke: ailly unschuldig, einfaltig, schwach; alreaäy bereits, fi«gA 
puh ! natured^ good n, und ill n. gut- und bösartig. — Kömmt hier 
der Scholer mit den alltäglichsten Wörtern in Verlegenheit^ so 
wird es der Reisende noch weit mehr. Ob wir Keisen in England 
machen oder eine englische Rcisebeschreibung lesen , ist hierbei 
einerlei, und wir können daher Hm. Feileres Wörlerbudi an einem 
Stück Reisebeschreibung prüfen. In der oben unter Nr. 3 ange- 
führten Englischen Conieriiations -Grammatik von Tb. Gaspey 
findet sich als Leseübung: ui Day in Holland S. 245 ff. Refer. 
probirte das Wörterbuch xu den beiden^ zusammen kaum ober 
eine Seite langen Abschnitten auf S.271 und S.274 und fand 
folgende Wörter nicht im Wörterbucfie verselchnet : decomposed 
aufgelöst, verwest, unfortunate uuglucklich, höUl Gasthof, tnaid- 
servani Dienstmädchen, ^Ae«se - mongtfr Käsehaodler, fonnerly 
ehemals, vor Zeiten, äuperiority Ueberlegenheit, admiral Admi- 
ral. Nehme ich auch vom ietsteu Worte ati) dass es vielleicht eben 
desshalb ausgelassen sei, weil Jedermann es errathen kann, so 
spreche ich mich aber entschieden gegen die Verfuhrung und An- 
leitung 2um Rathen uus; ein Buch muss belehren, aber uicht 
ratheu lassen ; tweitens war das Wort admiral schon wegen der 
Aussprache anzuführen. Man findet bei Hrn. Feller: admire 
(bewundern), aber nicht ad/nira/ (Admiral). Könnte nicht leicht 
der Schüler, der admiral sucht und nicht findet, in die Versuchung 
gerathen, wenigstens usch dem vorhandeilen admire z. B. ver-* 
niuthcn, admitai sei ädmdräl aufezusiprechen ? Da Hrn. Feller 's 
Wörterbuch kaum ein anderes Verdienst beanspruchen kann ^ als 
dass den in ihm enthaltenen Wörtern überall die Aussprache bei- 
gefügt ist, so hätte gerade beiden Wörtern, wo die Aasspraclie 
durch Homonyme zweifelhaft werden kann , ganz vorzüglich Vor- 
kehrung gegen Irrthümcr dieser Art getroffen werden mfissen. — 
in wie weit wird sich nun aber das Wörterbuch brauchbar zeigen, 
wenn man damit einen Roman oder Dichter lesen will? Es wird 
sich seine Msngclhaftigkeit in dem Maasse starker herausstellen^ 
als sldi der Schriftsteller in einer dem gewöhnlichen Lebenskreise 
entferntem Sphäre bewegt. Wählen wir aber nur z. B. euie Schrift, 
die sich auf das Familienleben beschränkt, wie The Vicar of Wu- 
k^eld by OhGold$mHh^ so zeigt sich auch hier die völlige Uusu- 
läoglichkeit des Feller'schen Wörterbuches. 

Nach des Ref. Uebcrzeugung ist das Buch , dss sich wegen 
aeuies Taschenformates, seines billigen Preises und der beigefug- 
ten Aussprache empfiehlt, am brauchbarsten Tür diejenigen, welche 
grammaüache Festigkeit und emlge Routine in der WortbUiluug 



1^2 Englische Sprache. ' 

besitzen und hier nnd da bei der Lectare eine.Vooabel naclisa« 
flchlagen brauchen. Um daa Buch atlgemeiii brauchbar su macheo, 
wird Hr. FeHer, wenn sein Buch ehie aweite Auflage erleben sollte, 
waa bei der Wohlfellheit desselben au erwarten steht, mit Benu- 
tzung der besten neuen Wörterbücher eine grössere Vollständig- 
keit erzielen und sich nicht scheuen miiss.en, auch der grammati- 
flehen Construction der Verba einige Rechnung zu tragen, da mit 
Unrecht jetzt nirgend die etwaige Präposition oder sonstige Par- 
tikel angegeben ist, mit welcher die Verba construirt werden. 

Nr. 2. Das Büchlein des Hrn. Selig verdanlct seine Entste* 
hnng dem Gedanken , ,, ob nicht vermittelst der vielen durch Sinn 
und Ton verwandten englischen und deutachen Wörter sich fnr 
Anfänger der englischen Sprache ein fasslicheres und bequemeres 
Lesebuch herstellen Hesse, als die bisherigen.^^ Nebenbei berück- 
sichtigte der Verf. dPe Schwierigkeiten, welche der Anfanger beim 
Krienien der Vocabeln zu überwinden hätte, ohne sich an irgend 
einen andern Anker halten au können, als an die mechanische Kraft 
des Gedächtnisses. Um hier nachhelfend ao erleichtern, stellte er 
ein englisch-deutsches Vocabularinm ans lauter in beiden Sprachen 
nach Sinn und Klang verwandten Wörtern zusammen (S. 1 — 27), 
wie z. B. ace Ass, acre Acker u. s. w. öake bscken, haiter BScker 
11. s. w. calaah Kalesche, calf Kalb u. s. f. Daran scbliesat sich 
S. 28 — 92 eine englische Formlehre, verwebt mit Ueber- 
setzungsbeispielen, die meist nur ans den im vorangeachickten 
Wörterbuch enthaltenen Vocabeln gebildet aind. Den Scbluss 
(S. 93 — 124) bilden ganz entsprechende, leichte und auf die Con- 
versafion abzweckende Uebongsstikcke. — Ref. ist überzeugt, dass 
das Schrift chen den Zweck, die Schfiler in kurzer Zelt zu einer 
Fertigkeit im Uebersetzen zu bringen, erreichen iisst, obschon er 
die Einrichtung dieser Vorschule nicht in jeder Hinsicht billigen 
kann; denn einerseits leidet sie an zti grosser Dürftigkeit, anderer« 
seits an nnniUzen Wiederholungen, und beides in Folge des un- 
praktischen Ganges, den der Hr. Verf. genommen hat. Die ersten 
27 Seiten werden von dem Wörterbuch eingenommen, ohne dasa 
den englischen Wörtern die Aussprache beigeachrieben ist oder 
eine kurze Anweisung über die Aussprache vorangeachickt wäre. 
Ueber letztere werden erst S. 68 und 69 suf nicht vollen zwei 
Sedez-Seiten einige Andeutungen gegeben, die um so ungenägen- 
der erscheinen müssen, sIs es dem Verf. nicht einmal gefallen hat, 
englische Wörter als Beispiele tu geben, wie z. B. „s wird wie 
das deutache ß oder wie das f in der Provinz Brandenburg ge- 
sprochen. — 8h wird wie f(^, sp und st werden nach hannöveracher 
Weise ausgesprochen. — g wird entweder wie im Deutschen hart 
oder wie im Französischen mit vorhergehendem d susgesprochen. ^^ 
Aufs. 70 ff. folgt dann das englische Alphabet, die Declination 
des bestimmten und unbestimmten Artikeis, die Bildung des Pia- 
ral, die Comparatioo, Zahl- und Fürwörter, die Hntfsverba to Aove 



Selig: Neueste Vorachale z. Sprache d. Engländer. 183 

ftnd io 6e, das regelmassige Verbom io haie und ein alpliabeti- 
Bclies Verzeicliniss der .luircgelmässigen Verba ; wahrend auf S. 28 
— 67 der Artikel, der Piural, das Nomen mit dem Adjektiv « die 
Pronaniina, die Verba to have und Io be nach den einxeineo Tem- 
pora, das Verbum io hate^ die Zahlwörter nebst Comparatif blldoiig 
mit Beispielen lum Debersetaen aus dem Englischen ins Deutsche 
und unigeicehrt Torausgeschickt waren! Der durch diese Wieder« 
holong des Dagewesenen entstandene Papieraufwand konnte füglich 
besser benutst werden zur Beifiigung so mancher nülslichcn Regeln, 
die dem Anfänger nicht ohne Machtheil vorenthalten worden sind. 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir auf einen Fehler auf- 
merksam sa machen, der in ausserordentlich fielen Schulbiicherii 
gemacht wird. Er betrifft nämlich die Einübung der Hiilfs- und 
selbständigen Zeitwörter nach den einsehien Tempora. So giebt 
s. B. auch Hr. Selig auf S. 35 / have mit Beispielen zum Ceber- 
setzen in beide Sprachen; auf S. 36 / am; auf S. 37. i wau u. s. 
f., so dass er demnach jedes Tempus einzeln lernen und einzeln 
praktisch anwenden lässt. Man glaubt, dasa bei dicaer Methode 
eine grössere Sicherheit erreicht werde. Bef. kann dieser Mei- 
nung nicht beipflichten; die Erfahrung lehrt, dass der $chuler sein 
Verhum weit sicherer nnd wegen der Uebersichtliehkeit weit 
schneller lernt, wenn er s B. das Verbum to have^ to be oder 
io love als ein Ganzes, das sich aus zwei Seiten zusammenstellen 
Ulsst, zu memoriren aufbekommt, als wenn man ihm die Tempora 
einzeln aufgiebt nnd die Aofeinaoderfolge derselben noch durch 
dazwischen geschobene Uebungsbeispiele vollends zerrcisat. So 
braucht auch Hr. Selig zum Vorschreiben und Einüben von io be 
und io have die Sei^o 35-i^48> worauf dann S. 79--83 dieselben 
Verba noch einmal vollständig ausconjugiri und in übersichtlicher. 
Aufeinanderfolge gegeben werden. Wozu das? Ein Knabe, der 
englisch lernen will oder soll, muss g^stig mindestens so reif s.ein» 
dass er im Stande ist, in 1 — 2 Tagen eines der beiden Hülfszeit- 
wörter zu erlernen, sonst fange man lieber mit Ihm noch gar nicht 
eine fremde Sprache an. Hitte der Hr. Verf. dasjenige, wss er 
(S. 68 ff.) unter der Ueberachrift Grammatikalisches (wiu 
wenn das Vorhergehende nichts Grammatikalisches gewesen wäre!) 
giebt, gleich in dem erateu Theile passend angebracht, so wurde 
seine Vorschule unbedenklich noch einmal so praktisch ausgefal- 
len, sein. 

Ein weiterer Mangel iat, dass ein Schema der passiven 
Conjugation gar nicht gegeben Ist; auf S. 86 findet sich hierüber 
Mos die Bemerkung: „Die passive Form der englischen Zeitwörter 
wird vermittelst des Zeitworts io be (sein) und des Participium 
perfeetl des betreffenden Zeitwortes gebildet; der Englander sagt 
also z, B, ich bin gchasst, ich war gehasst, ich werde gehasst sein 
u. SrW.'^ — Voilatout! In einer Vorschule zur Sprache der 
Engländer ist die Abfertigung des Anfängers viel zu vornehm und 



Ig4 EnglUche Sprsclie. 

\ertran6ii8vol1. Wem fcli das Vcrhiim fo he gtuckweMe viito Ver* 
üchlncken Torbreche, dem darf ich nicht sutraiien, das« er nach 
obiger Regel sich gleich In die Bildung der passiven Verba finden 
werde; wenigstens wurde es doch gut gewesen sein, neben dem 
deutschen Passiv : ich bin (werde) gehasst, ich war (wurde) gehassC, 
ich werde gehasst sein (werden) das englische I am hated , I was 
hated^ I shall be hated lilnaeusufAgen. 

In dem alphabetischen Verzeichniss der nnregelmässigen 
Verba auf S. 87 — 92 hat Ref. folgende Verlia vermisst: to dream 
träumen, imperf. und part. dreamtf iofreighi befrachten,/rovgA/ ; 
fo geld verschneiden, gell; to heave heben, impf, hoce^ part. ho- 
een; to leane anlehnen, leant; to leape springen, leapi^ to Hght 
leuchten, lit; to qnit verlassen, quit; to rot verfaulen, Impf, ro/- 
ted^ part. rotten; to seeth sieden, impf, so/i, ^firi,9odden;to 
»hape gestalten, shaped^ skepen; to ahine glansen, shone; to 
smet riechen , smelt; to äweat schwitzen, sweat; to was werden, 
ftfased^ wasen; to wrühe sncken, writhed^ writhen. Beim Ver. 
bum to beat schlagen fehlt neben der Form beaten das kdriere 
beat^ welche Formen auch S. ill in der Brsahlung The litttedog 
Trusty gleich neben einander vorkommen: What! and Is Trusty 
to be beaten! He did not throw down the milk, and he sh&n't be 
heat for lt. — Druck uiid Papier sind gut, auch der Preis ist bil- 
lig; die Correctnr hatte etwas sorgfältiger gehandhafot sein kön- 
nen. AufgeAillen sind dem Ref. S. 57. Z. 10 v. u. stasesmen statt 
etateamen^ S. 68. Z. 1 v. u. o at. ou^ S. 70 Faturnm st. Futurum 
(ebenso 2 Mal auf S. 85); auf derselben Seite Ist die 2. Pers. Im- 
perf. Conjunct. mit tkou wert angegeben; diese Form ist aller- 
dings sehr häufig, aber die gewöhnlichere Ist thou were^ welche 
dem Schüler zur Einübung vorzuschreiben gewesen wäre. S. 108. 
Z. 8 V. o. be said st. he eaid, S HO und 111 sind richtig pagl- 
nirt, aber ganz umgestellt, oder wie der Drucker ssgt : versdiossen. 
S. 111. Z. 2 v. n. heat statt beat. ' S. 112. Z. 11 v. u. ef him atett 
of him. 

Nr. 3. Die englische Conversations- Grammatik des Herrn 
Dr. Gsspey gehört zu den erfreulichsten Erscheinungen im Ge- 
biete der prsktischen Lehrbücher. Ref. ist mit Aer Methode des 
Verf. vollkommen einverstanden, und da weder gegen die Aufein- 
anderfolge des Lehrstoffes noch gegen die Richtigkeit und Klar- 
lieit der Regeln etwas einzuwenden ist, so bleibt ihm neben der 
angelegentlichsten Empfehlung dieses Buches nichts weiter zu sa- 
gen , ala mit wenigen Worten noch die vom Verf. als originell be- 
zeichnete Methode anzudeuten. Hr. Gaspej beabsichtigt durch 
sein Buch, den Schüler in möglichst kurzer Zelt zu beratiigeii, 
englisch zu sprechen. Zu diesem Zwecke wird der Lernende vovk 
der ersten Lection an zum Sprechen angehalten, um seine Zunge 
gelftiifig und sein Ohr fühig zu machen, die fremden Laute richtig 
und schnell aufzufassen. Und der Verf. hat es verstanden, diese 



BibliograpkiBche Beriobte q. kurze Anseigen. 185 

■ebwierige Aiiligate auf die praktischste Weise so losen. Iv dem 
ersten Thefle seines Buehcs lehrt er in 27 Lectionen die Aus- 
sprache, Deoliuation^ Conjitgstiou und Partikeln; giebt su jeder 
Lection eine schriftliclie U ebung suro Uebersetsen aus dem 
Deutachen Ins Englische; dsnn eine Lese-Uebung nim Ueber- 
setzen aus dem Englischen ins Deutsche , welche aus Fragen und 
Antworten besteht und gans desselben Inhaltes Ist, wie die schrift- 
liche Uebnng. Diese Uebiingen sind mit der grössten Sorgfalt auf 
den Fortschritt vom Leichten suro Schwierigem berechnet, und der 
Lernende eignet sich ohne alle Schwierigkeit und in kuraer Zelt 
ein reiches Msterial von Vocabeln und Redensarten des alUagllchen 
Lebens cum mündlichen Gebrauche an, wfihrend zugleich seine 
fielshigung zum Lesen und Schreiben In der englischen Sprache 
rasch Torschreltet. — Im zweiten Thelle, welcher in 25 Lectionen 
die Syntax und Bigentluimllchkeiten der englischen Spreche be- 
handelt, lat im Ganzen derselbe Lehrgang beibehalten, uimllch 
Einübnng der Regeln durch fJebersetsung aus dem Deutschen Ins 
Englische und Conversation lisch Frsgen nnd Antworten ; es kommt 
hier sber drittens noch ein Reading Esercige hinzu, d. h. eine zu- 
sammenhangende Lecttire, weldie zugleich den Stoff für die Con- 
reraation und für die Uebersetzung aus dem Deutschen Ins Eng- 
lische enthalt, ao dass derselbe Gegenstand in jeder Lectiou Immer 
dreifach durcligearbcitet und demnach dem Schüler so geläufig 
gemacht wird, dass er auch aelbst bei minder gutem Gedächtniss 
Vocabeln und llegelu sich imprimiren mnss, während zugleich die 
Debung der Zunge und des Ohres ui^unterbrochen fortgesetzt 
wird. — Wir sind überzeugt, dass die Grammatik des Um Gas* 
pey sich in vielen Austslten Eingang verschaffen und segensreldien 
Nutzen bringen wird* 

Gisleben. Dr. Gräfenhan. 



Bibliographische Berichte u. kurze Anzeigen. 

M. TuUii Ciceronis Tusculanarum diaputaiionum ad M. Bru- 
tom Hbri quinqoe. Erklärt von Dr. Gusia» 'IHscher. Leipzig, WeidmanuV 
sehe Bacbhandlaivg. 18ö0. kl. 8. (18 Ngr.). — Unter den Werken 
des Cicero, welche in die „Sammlung lateinischer Schriftsteller mit deut- 
schen Anmerkungen," die in der. Weidmännischen Bncbhandlong beraus- 
kommen soll, zuerst aufgenommen worden sind, haben die sogenannten 
Tascolanischeo Qnastionen — richtiger Disputationen — • also eine der 
ersten Stellen gefunden« Und die Herausgabe i&t in gute Hände gelegt 
worden: Hr. Dr. Tiscber bat seine Aufgabe richtig gefasst und befriedi- 
gend ausgeführt. 



186 Bibliographische Berichte o* knrie Anzeigen. 

Vor Allem oinss den fiearbeitern solcher Aasgaben, wie das gaaxo 
Unternehmen sie bezweckt, daran liegen, einen möglichst richtigen, fir 
den Schaler lesbaren and verstindlichen Text hersoAtellen ^ ohne sich 
dabei an allen Stellen pedantisch an die diplomatisch genaue Kritik der 
in den Handschriften vorhandenen Lesarten zo halten. Hr. Dr. T. hat 
diesen Gesichtsponkt^ovorderst ins Aage gefasst gehabt: ihid ist die Ge- 
staltong and Darbietung eines solchen Textes der erste Aagenmerk ge* 
wesen. Dass hierbei „die Untersochongen namentlich Ton Klotx and 
Tregder von dem grdssten Binflasse sein massten, versteht sich ran selbst; 
doch hat dabei der Heraosgeber seines eigenen Urtheils sich nicht etwa 
ganz begeben, vielmehr das ihm richtiger Scheinende, von wo es ihm sich 
darbot, aufgenommen*' (Vorw. S. VI). Der Text ist also im Allgemeinen der 
Klotz-Tregder*sche. „An einzelnen Stellen indess sind nach reiflicher 
Ueberlegang neae Conjectaren, wenn sie nahe lagen, recipirt worden, 
an anderen wenigstens in den Anmerkongen dem allgemeinen Urtheil zar 
PrSfang vorgelegt" (ebend.)« Der Hr. Heraosgeber ist nämlich der An- 
sieht (vergl. die Anmerk. zu V. 37, 107), dass alle Handschriften des vor- 
liegenden cicoronianischen Werkes von einer alteren, aber schon nicht 
mehr fehlerfreien Handschrift abstammen ond es daher nothig nicht blos, 
sondern auch völlig sachgcrnnss ist, Verbesserangen im Texte vorzoaeh> 
men, wo sie sich dem Kritiker ganz aagenscheinlich aufdringen. Wir 
wollen unsere Leser mit denselben kürzlich bekannt machen and unsere 
Meinung darüber abgeben. 

1. 5. (10) lautet das Fragment aus einem alteren Dichter in den ge- 
wohnlichen Aosgnben and Handschriften folgendermaassen : Mento som* 
mam aquam attingens enectas siti Tantalus, ganz gegen alle Metrik. 
OreUi hat verbessert siti enecatas. Hr. T. sacht die Stelle aof leichtere 
Weise ;bo heilen durch blosse Umstellung: en^ctus Tantaids siti, und das 
billigen wir voili^tanciig in einer solchen Schulausgabe, obwohl bekaAnt- 
lich die altere lateinische Metrik noch ziemlich im Argen und Ungewissen 
liegt, and wir sogar vermnthen können und müssen, dass die alteren La- 
teiner die Silben nach dem Tone, nicht nach der Quantität gemessen 
haben. 

I. 31. (75) heiss^ es In den gewohnlichen Handschriften and Aos- 
gsben: Secernere autem a corpore animom nee quidqnam aliud quam 
emori discere, woraus Bentley gemacht hat: nee quidquam alind est mori 
discere, Tregder: Secernere autem a corpore animum ecquid aliud est. 
quam emori discere 1^ Hr. Dr. T. hat sich naher als alle seine Vorgänger 
an die , freilich offenbar falschen , Lesarten der Handschriften gehalten 
und emendirt: ecqnidnam aliud est quam emori discere? Sicherlich sehr 
beifallswnrdig, da di^ Form jenes Fragewortes wirklich auch gewöhnlich 
gewesen , wie aus Piautas erbellt. 

U. 7. (IS). Ego a te non postulo, at dolorem eisdero verbis afti- 
cias, quibus Epicurus voluptatem, homo, ut scis, voloptarius, oder wie 
Orelli will: qnibus Epicnrus [voloptatem] , homo etc. Eine intricate 
Stelle! deren Sion man wohl leicht erkennt; aber ist die Redensart ver< 
bis aliqncm afficere zu dulden? Und darf man eisdem verbis aflicere 



Bibliograplkiscbe Berichte q. knne Anxeigen. 187 

gleich fletzeo dem eisdem verbis eppellare? Hr. Dr. T* hat, doroh sol- 
che Zweifel bewogen, die leichtere Lesart, eine Conjectar Taober^s, eines 
ihm befreaudeten jungen Berliner Gelehrten, ▼orgezogen: ut dolorem eis- 
dem verbis efficias, quibas Rpicoras, Tolaptatem, homo etc/ „dass da 
den Schmerz mit denselben Worten, wie Epicor (Quam soavo est!), zum 
Vergnngen machen sollst/* Wobei freilich die Apposition homo, ot scis^, 
Totaptarias, dorch \oluptatem, was zom Hauptsatze gehört, vom Neben- 
satze getrennt wird , was wir etwas so hart finden. 

JI. 16. (38) lahmt der Vers: C^rte Burypylus hfc qoidero est. Ho- 
minem ex^rcitom etc. Der Herausgeber hat est ohne Weiteres getilgt, 
obwohl in allen Handschriften das Wort steht. Allein „in den Toscola- 
nen findet sich öfter in allen .Handschriften ein ond dieselbe Interpolation.'' 

HI. 6. (12). X^e aegrotns sim ; si inquit (inqoid) foerat, sensos ad« 
Sit. Diese Lesart, anch der besten Handschriften , offenbar nnrichtig, der 
Sinn ans dem Zosamroenhange indessen klar; nor ist die Frage die, wie 
beides nach Möglichkeit ond anf die leichteste, gefall igste Weise in Ueber- 
einstimmnng gebracht werden könne? Der Vermothongen giebt es genug. 
Was Hr. Dr. T. ersonnen nitd in den Text aufzunehmen für rathlich be> 
fonden, scheint sehr ansprechend, nämlich: sin, inquit, qui foerat, sen- 
sos adüit, sive secetor sive etc. So ist dem Genius der lateinischen 
Sprache nnd nach Möglichkeit anch den von den Handschriften gebotenen 
Lesarten Rechnung getragen. , 

IV, 21. (48). — — in 09 prins accipiaro ipse, 
Quam gladinro in stomacho, snria ac pulmonibus sisto. 

So alle Codd., ausser dass der eine Oxon. giebt: fnria. „Die Volg, sora 
pasBt schon darum nicht, weil eine Wunde in der Wade ja nicht so ge- 
fahrlich ist. — Bentle^. will furiae , als Schimpfwort auf den Gegner,*' 
nnd allerdings nennt Cicero an einer Stelle den Clodius furiam, „einen 
bösen Dämon ;'^ doch passt das wenig im Monde eines Gladiatoren (Skia« 
Ten) gegen seines Gleichen. Leicht ond gefillig emendirt nnser Herans- 
geber mit Hülfe der Lesart des Oxon. fori. Bei den Komil^rn ist ja for als 
Schimpfwort wie nnser „Spitzbube" so häufig ! „Und wie bald konnte 
das a von dem folgenden ac sich dem vorhergehenden Worte anschlan- 
geln l'*« Und so ist doch auch ein vernünftiger Sinn in das Ganze binein- 
gebraoht. 

V. 14. (41). Ut enim innocens is dicitor, non qui leviter nocet, sed 
qni nihil nocet, sie sine metn is babendus est, non qui parva metnit, sed 
qni omnino meto vacat. Hier ist offenbar in dem parva metoit ein Feh- 
ler; „denn wer wenig Forcht hat (und das ist unleugbar der Sinn), der 
wird nicht parva, sondern vielmehr blos magna furchten.*' Die Verbes 
semng froherer Gelehrten „parum'' ist mit Cic^o's Sprachgebranch . un- 
vereinbar , da bei ihm parom stets non satis bedeutet. Und sollte wirk- 
lich Cicero hier in der Stelle sich eines Versehens im Ausdrucke schnidig 
gemacht haben? Der Herausgeber bessert also: qni parvo meto est, und 
„ans metp st konnte sehr leicht metnit entstehen.*' 

V. 31 (87). Hier hat der Herausgeber die Lesart eororo (bonornm) 
gerettet, dadurch, dass er das Wort in dem Sinne nimmt: ,^von derglei- 



188 BibKograpbische Berichte Q. kunee Anzeigen. 

eben (wirklichen) Gütern/' d. h. „die das wahre Wesen der Glock« 
eeligkelt ansmachen, die mit der honestas verbunden aind/' Dazu ist 
der Gegensatz; ea, qaae bona — videantur dorcbaos passend. 

An mehreren Stellen weist Hr. Dr. Tischer unnothige Verbesse- 
i^ingen zoruck , z. B. V. 37. (107). I. 23. (55). II. 16. (38). III. 8. 
(17). 17. (36). 27. (66). V. 33. (96). 40. (116 id). 41. (119) oder nimmt 
eine anerkannt zu billigende Verbesserang auf (z, B. I. 4. (7). 12. (27). 
13. (29). 19. (45). 22. (50). 23. (53). 24. (57). 26. (62). ibid. ,(65). 29. 
(71). 32. (78). 37. (89). 38. (92) a. a., nie ohne selbige gehörig geprüft 
ztt haben nnd den Grund mit kurzen Worten anzuführen, der ihn jedes 
Mal bestimmt hat , die betreifende Lesart zu berücksichtigen. In einigen 
wenigen f>Hlllen nur macht er blosse dessfallsige Vorschläge, als II. 13. 
(80). 14. (33). V. 40. (116). Bei letzterer Stelle wärden wir „Epica- . 
rei^* vertheidigt haben. 

Auf solche ^eise hat der Heransgeber einen Text hergerichtet, der 
nicht blos fSr den Schuler leicht verständlich ist, sondern auch dem Leh- 
rer manche Interessante Anregungen bietet , und somit das Ziel jener 
Sammlung Ton Autoren , „nur In seltenen Fällen , wo der Sinn der Stelle 
wesentlich sich ändert oder sich leicht eine das Nachdenken anregende 
Bemerkung anknöpfen lässt, eine kurze Andeutnng zu geben/* wohl vor 
Augen gehabt. 

Bei Abfassung der kurzen (S. VII — XII), aber nichts Wesentliches 
unberücksichtigt lassenden Einleitung hat der Herausg. Ritter*s Geschichte 
der Philosophie und Kühneres prolegomena benutzt, deren lehrreichen 
Vorgang er dankbar anerkennl (Vorwort S. VI). 

Was die erklärenden Noten anbetrlfTt, so beziehen sieh dieselben 
thellt auf die Grammatik , theils auf das Lexicalische , theils auf das Sti- 
listische , theils endlich auf sogenannte Reallen. Hier lag nun dem Her- 
ausgeber ein sehr reicher Vorrath vor, ausser den Auslegungen anderer 
Schriftsteller und einzelner Gelegenheitsschriften die Erklärungen von 
F. A. Wolf, Ofelli, Klotz und Kühner. Hr. Dr. T. hat dieaelben gezie- 
mend benutzt; er hat mitunter kein Bedenken getragen, sie da, wo er 
in der Sache mit ihnen übereinstimmt und die Bemerkungen sich ober- 
diess vielleicht durch treffende Kürze auszeichneten , wörtlich aufzuneh* 
mcn, was wir nur billigen können, weil es nicht die Sache Eines Man* 
nes sein kann, alles zu leisten, und Jemand Anders nicht selten durch 
die Gunst des Angenblicks gerade das TrelTendste zu linden vermag. Im 
Allgemeinen haben wir in der vorliegenden Ausgabe fast oberall die rechte 
Mitte zwischen dem Zuviel und Zuwenig beobachtet gefunden. Der hier 
angelegte Maassstab wird freilich immer ein rndividoeller sein. So hätte 
z. B. der Ref. für seine Person gern eine Bemerkung zu senatorits nane- 
ribus (I. $. 1) , zu non roges (§. 17), zu Minos und Radamanthus ($• 10)» 
einige Worte mehr ober die avduvrjati des Plato (zu I. $. 57) n. •• w. 
gewünscht, um Derjenigen wiSlen, für welche diese Ausgabe zunächst be* 
stimmt ist. Eben so hätten wir nicht jener, freilich sehr beliebten, aber 
Anfänger auf einen falschen Standpunkt stellenden Breviloqoenz gehuldigt, 
nach welcher etwas als \a irklich btngestelU wird, was doch nur in der 



BSbÜQgraphuche Berichte o. knne Anzeigen. 189 

Idee des Sobriftstellers, des AlterthoniB o. s. w« existirt hat, z. B. II. 2 
($. 4), wo es ^on dem Terloren gegangenen cioeronianifichen Dialoge Hor- 
tensius hciast : der berübinte Redner Hortensius habe darin den Nutzen 
philosophischer Studien bestritten, Cicero aber denselben glänzend ver- 
theidigt, statt: Cicero habe jenem von ihm gefertigten Dialog die Anord- 
nung gegeben, dasa er in demselben den Uortensius die Rolle eines Be- 
streitenden, sich selbst die Rolle eines Vertheidigers philosophischer 
Studien spielen lasst. Eben so Terhält es sich mit den mythologischen 
Gegenstanden. Ref. weiss ans Erfahrung, wie wteit in solchen Fällen 
der Stumpfsinn und die Trägheit des Geistes bei den meisten jungen 
Leuten geht, wie sie solche Aussagen wörtlich hinnehmen, ohne sich 
dabei etwas Anderes, und eben das Rechte zu denken. 

Ein gutes Register über die Anmerkungen ist dem Werke beige- 
geben. Für Correctheit des Druckes ist gebphrende Sorgfalt gelragen. 

So ist denn die vorliegende Ausgabe der Tuscolanen so angeth&n, 
dass sie nicht blos den Schülern zur Grundlage bei der oSentllchen Lee 
ture der Schrift, sondern auch beim Privat-Studium mit vollem 
Rechte empfohlen werden kann. [ — r~] 



Die Vorstellungen der allen Griechen und Römer über die 
Erde als Himmelskörper. Von Dr. L. Oetiinger, Groiish. Bad. Hofr. und 
Prof. der Mathem. an der A. L. Univers, zu Freiborg i. Br. Freiburg, 
]850. Diernfellner. II u. 116 S. 4. — Die Bearbeitung einiger Artikel 
der Pauly^schen Realencyclopädie des Alterthums hat den Verfasser ver- 
anlasst, die Vorstellungen der Alten ober die Gestalt, Bewegung und 
Grösse der Erde, einen oft und mit erschöpfender Ausführlichkeit behan- 
delten Gegenstand, von Neuem aus den Quellen zU untersuchen, und diti 
vorliegende Abhandlung giebt die Resultate dieser Forschungen zugleich 
mit den ausführlich abgedruckten Beweisstellen. Während die Ursprung-^ 
liehe Absteht, in der die Arbeit unternommen, es zwar erklärlich macht, 
dass das philologische Element in ihr bedeutend vorwaltet, die mathema- 
tische und astronomische Seite dagegen äusserst populär behandelt wird, 
so bleibt es bei dieser besonderen Rücksicht um so mehr zweifelhaft, wess- 
halb der Verf. aus Schriften, die jedem Philologen zur Hand stehen, aus . 
Hesiod , Plutarch , Strabo , Lucrez , Seneca und Anderen , die anzuführen- 
den Stelleo, mitunter seitenlang, in seine Arbeit verflochten hat« In 
dieser Rücksicht auf die philologischen Leser ist der Verf. offenbar zu 
weit gegangen , indem er selbst die Kenntniss der mathematischen und 
astronomischen Litteratur , die bei dem Professor der Mathematik ohne 
allen Zweifel vorauszusetzen ist, in auffallender Weise verläugnet. Denn 
anders kann es kaum genannt werden, wenn z. B. S. 17 als Quelle für 
die letzten Ergebnisse ans den Gradmessungen die Dimensiotnen des Erd- 
körpers nach Nürnberger^s astronomischem Wörterbuche angeführt und 
mit den Zahlen in Mädler's populärer Astronomie und in BessePs populä- 
ren Vorlesungen zusammengestellt werden. Nurnberger^s Zahlenangaben 
sind bekanntlich ohne irgend eine Autorität, and selbst die angeführten 



190 Bibliographische Berichte u. Icorze Aneeigen. 

Stellen aus Madler und Bessel geboren nicht in eine Schrift, welche 
überall aaf die Quellen zurückgeht und die ßeweifistelten für die einzelnen 
Punkte gesammelt hat. Als Originalstellen waren hier für Besael's letzte 
Untersuchung der zehn, zum Theil verbesserten Gradmessungen die Ab- 
handlnng im 19. Bande von Schnmacher^s Astron. Nachrichten und auch 
Airy*s Bestimmung in der Encyclopadia Metropolitana anzuführen. 

Die Einleitung überhaupt (S. 1 — 37) kann der Schrift nicht zur 
Zierde gereichen. Es werden die allbekannten Erscheinungen der Be- 
wegung der Erde, ihre Stellung im Sonnensystem, im Vorübergehen so- 
gar der gegenwärtige Stand unserer Kenntnibse von diesem Systeme ab- 
gehandelt , und die gewohnlichen Beweise für die Kugelgestalt der Erde 
sowie die allerersten Begriffe Ton den Erscheinungen und der Eintheilung 
der Sphäre weitschweifig und nicht einmal ohne Unklarheiten dargestellt, 
Oder kann man erwarten , dass Jemand , der es hier lernen soll, eine Vor- 
stellung von Präcession und Nutation aus der folgenden Phrase erhalten 
wird: „Bei diesem Oscilliren ruckt der Mittelpunkt dieser kleinen Ellipse 
jährlich um d0,23 Secnnden immer fort und nach 19 Jahren treten die 
früheren Standpunkte wieder ein'*? (S. 21). 

Aller andern Bemerkungen ahnlicher Art uns enthaltend, mag es ge- 
nügen , den Inhalt der Capitel anzugeben. 

I. Gestalt der Erde (S. 27 — 64). Die alten dichterischen 
Ansichten bei Homer und Hesiod. Meinungen der Philosophen von der 
Zeit des Thaies bis auf Plato and Aristoteles , der romiachen Philosophen 
bei Lncrez und Seneca, 

II. Ort der Erde (8. 65 — 74). Es werden in ähnlicher Rei- 
benfolge die Ansiebten über den Ort im Räume and die Beziehang der 
Erde zom Universum vorgetragen. Bia auf Anaximander raht die Erde 
auf einer Unterlage, welche zugleich das eherne Himmelsgewölbe stützt. 
Von Anaximander bis Aristoteles und von Aristoteles bis Copernicus 
schwebt die Erde im Mittelpunkt des sphärischen Universums. 

Hl. Bewegung der Erde (S. 74^87). Bei den Dichtern nnd 
Philosophen ist die Erde im Allgemeinen unbeweglich. Mit Anaximander 
und Demokrit tritt zuerst die Idee von der jährlichen Bewegung der Erde 
auf; System dea Philolaus und seiner Schule. „Copernicus verdankt dem 
Philolaus nichts als höchstens die Bestätigung, dass auch Andere 
schon vor ihm einen Gedanken , den er bisher in sich gehegt hatte , g e - 
habt and durchgeführt hatten.'* •»- Meinungen von der Ansicht 
des Plato über die Azendrehung. Die Aristotelische Ansicht herrscht 
bis auf Copernicus. 

IV. Schiefe Stellung der Erdaxe (S. 87—91). Nachdem 
sich richtige Begriffe von der Gestalt der Erde festgesetzt haben , treten 
die ersten Untersuchungen über die Neigung der Sonnenbahn gegen den 
Aequator hervor. Beobachtungen der Sonnenhohen durch die Schatten- 
langen des Gnomons , — Bestimmungen der Polhohen. 

V. Grosse der Erde (S. 91 — 116). Zusammenstellung der be- 
kannten Angaben für den Umfang der Erde, welche die griechischen und 
römischen Astronomen hinterlassen h^ben. 



" BibliographiMbe Berichte u. kttrze Aaseigen, 191 

* 

Die sammtlicben hier abgehandelten Theiie aind bereits so oft Ge- 
genstände der Untersuchungen von den verschiedensten Seiten her ge- 
wesen, dass man nicht leicht ein neues Resultat in der jetzigen Bearbei- 
tung nachweisen wird. Immerhin kann es jedoch dem Philologen ange- 
nehm sein, die Ansichten de& Alterthums in dieser Hinsicht zusammenge- 
stellt, nbersichtlich gruppirt und tersehen mit den beweisenden Stellen 
gesammelt zu besitzen« Er wird aber selbst in dieser Beziehung Vorsicht 
anwenden müssen, denn des Verf. eigene Urtheile Ober den Werth und 
die Bedeutung alter Astronomen verrathen nicht selten auffiillende Ab-« 
weichungen von den gewohnlich unter den Mathematikern und Astronomen 
verbreiteten, wohlbegrundeten Ansichten. Statt anderer nur ein Bei- 
spiel ans der Vorrede. „ Ptolemans scheint , heisst es dort , mehr mit 
beobachtendem, als mit schöpferischem Talent begabt gewesen zu sein 
und es soll sofort ( ! ) seinem Verdienste nicht zu nahe getreten werden.^^ 
Den zweiten Theil des Satzes bei Seite gelassen, mag der Verfasser 
versichert sein, dass kein Mathematiker vor ihm Ptolemäus für einen 
Beobachter , für ein „beobachtendes Talent^' gehalten hat. Es i«t allge- 
mein bekannt, und der Verf. kann sich, wenn nicht aus dem Almagest 
selbst, doch wenigstens bei Delambre, Biot und Anderen davon die Ueber- 
zeagung verschaffen , dass so gut wie keine Beobachtungen , am Wenig- 
sten sichere und werthvolle von Ptolemäus angestellt und überliefert 
bind , ja dass sogar der Pixsternkatalog , den man lange Zeit hindurch für 
sein Werk gehalten (Ptol. spricht darüber nicht klar) , mit aller Sicher- 
heit dem Hipparch zuzuschreiben ist. Ohne Widerrede aber halt man 
den Ptolemäus für einen grossen Theoretiker , dem Beobachtungen und 
überhaupt Zahlenangaben nur als Beispiele zu seinen Untersuchungen von 
Interesse waren. Die Kenntniss der allgemeinen Lage der Dinge sollte 
man billig bei allen Schriftstellern voraussetzen können, die sich mit ge- 
schichtlichen Untersuchungen über Astronomie beschäftigen. 

D'ArreU. 



Französisches Lesebuch für einen methodischen Unterricht 
nebst einem kurzgefassten Abriss der französischen Sprachlehre und einem 
vollständigen Wörterverzeichnisse zum Gebrauch in den untern Classen 
der Gymnasien und höheren Bürgerschulen. Herausgegeben von Dr. F. 
W. A. Eitze, Gymnasiallehrer in Stendal. Magdeburg, Fabricius 1850. 
Preis 27^ Sgr., bei Partien 22% Sgr. — - Unter den vielen in jüngster 
Zeit erschienenen franzosischen Lesebüchern nimmt das des Hrn. Dr. 
Eitze mit den ersten Platz ein. Ein streng methodisches Fortschreiten 
vom Leichteren zum Schwereren, die wichtigsten für den Anfänger un- 
entbehrlichsten Regeln aus der Grammatik , weiche im Ganzen bündig und 
fa&slich vorgetragen sind, eine anschauliche Ueberfticht der gebräuchlich- 
sten unregelmässigen Zeitworter und die ausserordentlich reichhaltige 
Sammlung von einzelnen, den jugendlichen Geist ansprechenden einfachen 
Sätzen und grosseren Leaestpcken sind ein Vorzug dieses Buches vor so 
vielen anderen bisher erschienenen franzÜsischen Lesebüchern. 



102 Bibliographische Bericht« n. karte Anseigeo» 

Wenn auch, was aber ohne andere Uebeletande nicht gnt mSglich 
ift , manche Redetheile vor dem Abschnitte gebrancbt sind , in welchem 
sie besonders behandelt werden , so erschweren sie Jedoch nicht daa Ver* 
ständniss , da sie in Iceiner andern Form erscheinen , als in den , weiche 
schon gleich Anfangs angegeben sind ond somit bei' dem Schaler als be- 
kannt -Yoniasgesetzt werden können. Das Bach «erföltt in xwei Cursas, 
Ton denen der erste Beispiele an allen Regeln der niedero Grammatik, 
enthält, soweit sie bis Tertia eines Gymnasiams incL Torgetrageo wer- 
den ; der zweite Corsas bezweckt aosser einer weiteren tCortbildang io 
der Kenntnisfl der französischen Sprache aoch Unterhaltnng , Belehrang 
and Brweckoeg des Gemothes; er enthalt Anekdoten, Fabeln, Brzahlao* 
gen nnd natarhistoriscbe Stacke. Bei den letzteren hat der Verf. mit 
richtigem Blicke erkannt, dass, wenn sie längere Zeit ansschliesslieh be* 
triebet! werden, sie das Jugendliche Gemoth ermüden; desshalb hat er 
sie unter die Anekdoten etc. vertheilt. Der Inhalt der gewählten Stucke 
ist aber so anziehend, dass sie von dem Lehrer sofort angewendet- wer- 
den können , um den Schüler in der mundlichen Darstellung zu oben und 
ihn gleich von vorn berein zom Sprechen hinzafShren. Wunschenswerth 
wäre gewesen, wenn der Verf. auch einige leichtere anziehende Dialoge 
mit aufgenommen hätte. Er meint zwar, dass dergleichen in den Br* 
Zählungen wiederholt. vorkommen; indessen genügt diess nicht, da Jugend- 
liche Gemäther nichts mehr anspricht, als erlernte Gespräche unter ein- 
ander vorzutragen und dadurch eine gewisse Zuversicht nnd Dreistigkeit 
im Sprechen sich zu erwerben. Das WoKerbuch Ist ausf&hrKch. Besen« 
ders hervorzuheben hierbei ist, dass der Verf. die einzelnen Bedeutungen 
eine« Wortes aus der Grundbedeutung desselben entwickelt« 

Soweit das Urtbeil im Allgemeinen. Wir erlauben uns nur nocb 
anf einige Punkte hinzuweisen , welche unseres Brachtens mangelhaft er- 
scheinen durften. In $. 1 beisst es: Der Apostrophe (') wird gebraucht, 
wenn ein a, e oder i am Bnde eines Wortes weggefallen ist , z. B. 
Tami statt le ami , Fid^e statt la id^e , s'il statt si il. Offenbar wäre es 
besser gewesen, wenn der Verf. sich nicht so allgemein ausgedruckt, was 
leicht zu IrrthSmern veranlassen kann. Das si wird nur als Conjunc- 
tion vor 11 oder ils apostrophirt, nicht als Adverbiom. Mit kurzen 
Worten konnte auch angegeben werden, wo die Unterlassang des Apo- 
strophs eintritt, z. B. vor onze, oui, bei dem Pron. le, la hinter einem 
Imperativ , aosser bei y oder eu , überhaupt bei Wortern , die nicht zu- 
sammen gehören ai-Je un ami ? etc. — Bei der Aussprache des ch konnte 
auf die Aussprache desselben wie k hingewiesen werden, bei ien auf die 
von ient als i-ang\ Burope wie nbrohp auszusprechen , ist nach dem Ur- 
tbeil der besten Grammatiker fehlerhaft, es ist das eu nor ein scharf an- 
gestossenes o. Ausserdem fehlen die wichtigsten Wörter auf -geu wie ja, 
z. B. gageure , chargeure etc. Im Ganzen ist die Tabelle für die Aus- 
sprache der französischen Buchstaben zweckmässig eingerichtet. Seite 19 
mussten die Wörter auf -^ler und -^ter erwähnt werden, welche das 1 und 
t nicht verdoppeln , sondern den accent aigu in einen accent grave anter 
den angegebenen Bedingungen verändern. Zu unbestimmt ist J. 5 die 



Schal- nnd UaiTeraitatsnadirieliteii n. s. w. 19S 

Regel aber die Weglassong des Artikels bei ea. $. 6 konnten die weni- 
gen Fälle trie la- porte de la maison die Haosthür etc. erwähnt werden. 
Bei der Lehre vom Comparativ wäre die Anseinandersetzung des compa- 
ratif d^^galit^, c. de sap^riorit^ und c. dHnf(6riorit6 eine einfachere und 
«weckmässigeriQ gewesen* In §. 9 konnte die^ gewohnlichere Form vingt- 
et>an hingestellt werden. Nor diese wenigen Mängel haben wir ans er** 
lanbt in einem Bnche für Anfanger herausznstellen. Im Ganzen aber 
freuen wir nns, aussprechen zn können, dass kein Buch so geeignet ist 
für den Unterricht wie dieses. Directoren und alle, denen daran liegt, 
dass die Schüler schnelle Fortschritte im Französischen machen, mögen 
dieses treffliche Bach nicht zur Seite legen. Es umfasst den Cursos von 
Quinta, Quarta nnd Tertia und wird an den Anstalten, wo es durch diese 
3 Classeo hindurch eingeführt ist, jedem nur einigermaassen strebsamen 
Schaler Ton sehr grossem Nutzen sein. Doehler. 



Schul- und Uniyersitätsnachrichteii^ Beförderungen 

und Ehrenbezeigungen. 

Brandenburg a/H. Ostern 1851 betrag die Zahl der Schüler 
des Gymnasiums 190, wovon auf Prima 14, auf Seeunda 25, auf Tertia 
52, auf Quarta 45 , aof Quinta 32 und auf Sexta 22 kamen. Abgegangen 
zur Universität waren im Laufe des Schuljahres zu Michaelis 1850 7, zu 
Ostern 1851 4. Als Lehrer fungirten: Der Director Prof. Braut ^ der 
Prorector Prof. Dr. Heffter^ der Conrecto/Dr. Schröder^ der Subrector 
Ramdohr^ der Mathematicus Sehonemann, der I. Collaborator Dr» Ti- 
wchery der II. Collaborator Dohler y der HI. Collaborator Dehmelj der Ma- 
sikdirector Taglkhsbeek und der Turn- und Zeichnenlehrer Flaue. — 
Nachdem der Prorector Heffler schon im Jahre vorher einen Theil einer 
^yWissensehqftUehen Etknogrophie^*^ gegeben hatte, worin er von dem 
Nntzen und Interesse, von den Quellen , den Hulfs Wissenschaften und den 
wenigen Schriften darober, im ersten Haupttheüe vom Ursprünge und von 
den Racen der Menschen gehandelt, im zweiten Haupttheüe angefangen 
hatte die Völkerkunde zu erörtern, und zwar im ersten Abschnitte die 
Kategorien, nach welchen die Volker überhaupt und jedes insbesondere 
za betrachten und za würdigen wäre, hat er diesen Gegenstand in dem 
Programme von diesem Jahre weiter fortgeführt nnd im Ganzen 24 Kate- 
gorien aufgestellt. Dann Ist er vorgeschritten bis zum zweiten Ab- 
schnitte dieses zweiten Hanpttheiles und hat „die Ethnographie im Be- 
sondern'^ (nach den fünf Erdtheilen geordnet) begonnen und unter Nr. I. 
die Einleitung zur (speciellcn) Ethnographie von Europa gegeben, so 
weit es der ihm zngemessene Raum gestattet. Er dürfte damit ein eben 
so interessantes als noch wenig angebautes Feld angebaaet haben 
(vergl. diese Jabrbb. 1851. 51. Bd. 1. Heft. S. 85 ff.). — Die altstädti- 

ff, Jükrb. f. Pkil. m. Päd. od, KrU» ßibl, Bd. LXII. Uft, 1, 13 



194 Schol - and UniTertitatoiuicliriditeRy 

sehe Saldorn^seb^a Scbola ist seit Ostern 1851 bohern Orts in einer i, ho- 
hem Burgerscbale'* erbeben worden mit den Rechten der Real- 
«cbaien im weitesten Umfange, nämlich mit Binscblass des Rechtes for 
die Abitorienten, auf der Bau- Akademie das höhere Banfach sn stndiren, 
welches nicht allen Realschaien ansteht. Diese Rechte sind: 1) for die- 
jenigen, weiche die Abiturienten- Prof ong aof der Schule selbst bestanden 
haben, Besuch der Bau- Akademie, des Geworbe-Institotes, das Studium 
des höheren Forstfacbes und des Bergbaues , Eintritt in den Postdienst, 
.das äteuerfach und die Bureaaz der Provinaial - Bebördan« 2) Für die 
Secundaner, welche die Reife fSr die Prima haben, die Berechtigung 
zum einjährigen Militärdienste. Die Zahl der Schüler während des Win- 
tersemesters betrug 349. Die Lehrer dar AnsUlt sind: der Recter Biebe^ 
der Prof. Dr. Hornige der Collaborater I« ond Mathematicos JiTtrcftncr, 
der CoUaborator II« Gi^e, der Collaborater III, ond Lehrer dar neuem 
Sprachen Büchmann ^ der CoUaborator IV. Klautasehf der Collaborater 
V. Kläher^ der Caiitor SchkrmeUter^ der Lehrer GStze^ der Lehrer Bode. 
— Das Programm dieser Ostern enthält die Abhandlung vom Prof. Dr. 
Hornig: ^, Formen und Gebrauch des heeiimmien AriikeU hei flortaumn 
von Aucj^* eine Forteetzong des Pr'ogrammes der (bekanntlich eingegan- 
genen) Ritter-Akademie Tom Jahre 1847, wo der Verf. vom mittelhochd. 
Satzartikel bei dem genannten Minnesänger gehandelt hatte« Er geht 
den bestimmten Artikel daselbst nach allen seinen Formen durch und 
fuhrt die Belegstellen an nach der Ausgabe von Lachmann und Haupt. 
Die fleissige Arbeit wird für Kenner und Forscher des Altdeutschen yon 
Interesse sein. ^Sie ist zugleich eine zweite Vorläoferin von einem voll- 
ständigen Worterboche zu den Schriften Hartmann^s von Aue, das der 
Verf. bereits fertig liegen hat und das nur auf eine gunstigere Zeit des 
Buchhandels wartet, nm ans Licht zu treten. [ — f.] 

CoBLBNZ. In dem LohrercoUegium des dasigen konigl. G^pranasioms 
trat wahrend des Schuljahres Mich. 1849 — 50 die Veränderung ein, das« 
der vierte Oberlehrer Henrich , nachdem er bereits commissarisch mit den 
Geschäften eines katholischen Schulrathes bei der dasigen Regierong be- 
traut gewesen, unter dem 18. April definitiv zum Regierungs- ond Scbul- 
rathe ernannt ward. Da die Schulerzahl der Quarta eine Tbeilung noth« 
wendig machte, so war am 20. Sept. 1849 der Schulamtecandidat Dr. Chr* 
GerA. Spengler vom Gymnasinm zu Trier berufen worden. Mit dem 
Schlüsse des Schuljahres sah der Director Dr. Frs. Nie. Klein der Ent- 
lassung ans seinen bisherigen Dienstverhältnissen entgegen. Bekanntlich 
ist, wovon im Programme sich noch keine Notiz findet, auch der Ober- 
lehrer Dr. J. AI. CopeUmanii als Director des josephinischen Gymnasinm 
nach Wien berufen worden. Die Schnlerzahl betrag am Ende des Sem* 
roers 1849 332, am Schlüsse desselben Halbjahres 18o0 347 (11 in Ja.« 19 
in Ib., 32 in IIa., 41 in Hb., 55 in HL, 30 In IV ai, 32 in IVb., 61 in 
V., 76 in VI. ; die Vorbereitungsschole zählte in zwei Classen 46 Schaler). 
Michaelis 1849 gingen 17, Ostern 1850 1, Mich. dess. Jahres 11 zur Uni- 
versität. Als wissenschaftliche Abhandlung enthält das Programm: Sehe^ 
dae Homerkae vom Oberlehrer Dr. Joh. Akgi^ CaptUmann (16 S. 4.). 



Beförderungen und Bhi^enbeEefgon^en« 195 

Wenn Ref. den Fleiss , den Scbarfsinn und die aoegebreiieten 8preeh- 
kenntnisee dee Hrn. Verf. nnd das Verdienetliche seiner Arbeit im Allge- 
meinen aaf das Bereitwilligste anericennt, so hofft er, dass die Gegen- 
bemerkangen f welche er in Bexug aaf manche Pankte sn machen gedenkt, 
um so mehr, als ans dem Streben nach Fordemng der wissenschaftlichen 
Wahrheit hervorgegangen angesehen werden« Der erste Theti behan- 
delt die Partikel ttig , nnd der Hr. Verf. erklart sich zuTorderst gegen die 
bis jetzt von den Meisten fär unzweifelhaft gehaltene Annahme, dass 
dieselbe eine Verkürzung aus ntQi oder nsifl sei , indem er behauptet, die 
Präpositionen seien die jüngsten Erzengnisse der Spraehschopfnng, die 
Partikeln geborten zu den frühesten, seien wahrhafte ovofUttonoiovfiBvat 
Ref. kann sich nicht davon überzeugen, dass die Präpositionen im Allge- 
meinen spatern Ursprungs seien , als die feinern nnd rein geistige Ver- 
hältnisse ausdruckenden Partikeln, nnd nm so weniger, als ja erweisbar 
manche Partikeln aus Zusammensetzungen mit Präpositionen entstanden 
(K. B. das deutsche zwar aus ze wäre), anderentheils so tiele Ver- 
kfirznngen sind ifth auf fiijv n. a.). Anch waren ja die Partikeln , wia 
die Präpositionen, ursprünglich Adverbien nnd man moss sich demnach 
wohl dazu bequemen , für beide mindestens eine gleiche Entstehungszeit 
nicht in Abrede zn stellen. Will man nun aber auch zugeben , dass ni^ 
nicht aus nsQi verkürzt, sondern ans der beiden zn Gründe liegenden 
Wurzel gebildet sei, so wird man doch damit die auf die Analogie von 
nigi gegründete Annahme der ursprünglichen Bedentnng nicht wider- 
legt sehen. Der Hr. Verf. erklärt sich aber ferner gegen die Ansicht, 
wonach niff den Worten , denen es beigefügt wird ^ eine stärkere Beto- 
nung verleihe nnd durch die Hervorhebung desselben entweder eine 
Concession oder Entgegensetzung ausgedruckt werde. Es ist damit 
nicht ausgesprochen , dass diess von vornherein die Bestimmung der Parw 
tlkel gewesen sei^ sondern erst nachdem sie zum tonlosen, sich an das vor- 
hergehende enklitisch anschliessenden Wortchen geworden. Wenn aber 
der Hr. Verf. dagegen einwendet, dass eine Enclitica'die Bedeutung 
eines Wortes nicht verstärken kSnne (encliticae voces ipsae levioris mo- 
menti sunt, quam quae aliorom verborum vim possint engere, quin etiam 
sua propria vi sustinere se minime pbssnnt), so erinnert Ref. an das für 
alle Sprachen , namentlich fdr die alten, geltende Gesetz, dass Wörter 
aller Art, wenn sie hervorgehoben nnd stärker betont werden sollen, ne« 
ben unbetonte gestellt werden , so wie daran , dass gerade die Verände- 
rung des Tones , welche im vorhergehenden Worte durch die Bnclitica 
bewirkt wird (die gewiss von den Griechen bei den perisperaenis nnd 
paroxytonis vernehmbar war, wie sie bei den otytonis durch die Verän- 
derung des gravis in den acutus auch änsserlich sichtbar bezeichnet wird), 
von selbst die Aufmerksamkeit des Lesers darauf lenkt. Eben so wenig 
kann der zweite von dem Hrn. Verf. angefShrte Gegengrund, das« dann 
ytig bei Worten, wie nviup6v^ VM%a pleonastisch stehe, eine Geltung 
haben, da doch wohl die Möglichkeit, diese Worte stärker zu betonen, 
nicht in Abrede gestellt werden kann. Hätte der Rn Verf. jene Verstär- 
kung, die durch den Ton gegeben wird, richtig anfgefasst, so wurde er 

13* 



196 Schul- and UniversiiaUnadiricbieii, 

seinen dritten Gegeogrond gewiss nicht anfgettellt haben — denn wer wird 
K. B. 11. V. 135 verkennen , dass nifiv wegen des Gegensatzes von 6^ totc 
eine Hervorhebung gefanden? —^ und sich gewiss auch davon uberxeugt 
haben , dass aus jener Annahme sich der concessive und adversative Ge* 
brauch recht gut ableiten lasst. Oder reicht nicht auch im Deutschen 
die blosse stärkere Betonung ans , um ein Zugeständniss oder einen Ge^ 
gensatz zu bezeichnen ? Des Hrn* Verf. eigene Ansicht geht dabin, dass 
die concessive Bedeutung quarnquam, quamvia die Grundbedeutung , von 
derselben die Bedeutung tarnen abgeleitet, wie ja auch im Lateinischon 
manchmal quamquam und tarnen verwechselt würden, und daraus die von 
qwdem^ »altem entstanden sei. Da nun aber dagegen schon der Umstand 
spricht, dass ein solcher Begriff, wie er durch quamquam und quamvb 
ausgedruckt wird, schwerlich, sobald sein Bedürfntss sich zeigte, durch 
ein blos tonloses Wort ausgedruckt werden konnte, da die Entwicke- 
lang der adversativen Bedeutung aus der codcessiven durch die Analogie 
lateinischen Sprachgebrauches, weil die romische Satzverbindong in We- 
sentlichem andern Gesetzen, als die griechische folgt, nicht genügend 
erklärlich , noch weniger aber die Abschwachung in^f uMiem oder »altem 
ganz natartioh erscheint , da fem er dann «sq nicht mit den relativen Pro- 
nominen und anderen Partikeln schwerlich zu einem Worte verschmelzen 
konnte — denn nimmt man mit dem Hrn. Verf. an, ooirsp sei ursprüng- 
lich = quamqaam Aio, so muss man entweder das Relativum als durch 
Ttsff in das Demonstrativum verwandelt ansehen , oder, wenn man berück- 
sichtigt, dass das Relati?um und Demonstrativum ursprünglich dieselbe 
Form hatten , mindestens nicht recht begreiflich finden , warum denn ni^ 
gerade nur den für das Relativum geltenden, nicht den für das Demon-. 
strativum gebildeten angehangen worden sei — , da endlich durch die 
Erklärung manchen Stellen Gewalt geschehen muss, wahrend wir oben 
gesehen haben, dass bei der bisherigen Erklärung Alles sich natürlich 
erklart, so scheut Ref. sich ntcbt gegen don Hrn. Verf. für die Ansicht 
der meisten Spraohkenner zu stimmen, wenn schon er die Etymologie, 
wonach die Wurzel ein ovofkcttoneiovfiBPOv n — q mit dem Begriff des Fe* 
ne tränten und daraus eine reiche Worterzahl svspam, sri^ov, ttinQtUnm 
u. s. w. abgeleitet sei, auf die Partikel anwendbar findet, da ein unse- 
rem ganz entsprechender Beg'-iff recht gut als Grundlage für die Badea- 
tung derselben angesehen werden kann. Dass Od. III. 256 £s new Mz^Vi 
nicht das von Wolf aufgenommene maxsQ i. die richtige Lesart sei , ha- 
ben die meisten Herausgeber schon erkannt , indess kann man den Hm« 
Verf. nicht absprechen , dass er dafür den Beweis recht gut gegeben hat* 
Wenn Ref. mit der in §. 1 vorgetragenen Ansicht nicht einverstanden sein* 
kennte, so halt er die in $,'2 vorgetragene aber evrt für sehr beachtens- 
werth. Der Hr. Verf. nimmt nämlich jene Partikel als ans sv und %i zu- 
sammengesetzt an , so dass die ursprüngliche Bedeutung and wohl, und 
denn gewesen sei, also das Zusammentreffen einer Handlung mit einer 
zweiten ,in derselben Ztoit bezeichnet w^rde. Als Beweisstellen dafSr 
werden Od. XIIL 93; XX. 73-77; X(V. 147 ff.; U. VI. 392 angeführt 
und man sieht recht gut ein , wie die Partikel nach und nach an einem 



Beforderongen und Ehrenbezeigangeii. 197 

Relativom werden konnte. Auch der Umstand ,' dass tvc« rior mit v«(f 
rerbanden, sonst immer asyndetisch einen Sats beginnend sich findet, 
während der Nachsats sehr haofig durch di eingeleitet wird, wird von 
dem Hrn. Verf. snr Begrondnng seiner Ansicht recht gut benotzt. In 
$. 3 behandeit derselbe die Stelle Od. I. 292. Bs erregt ihn grossen 
Anstoss , das« Athene dem' Telemach rath , die Matter einem Manne sa 
geben, wenn er über des Vaters Tod Gewissfaeit haben werde, da dos 
Recht doch dem 9ohoe nicht sostehe, Tieknehr ansdrilcküch in tielen 
Stellen dem Vater der Penelope, dem Ikario», Tindieirt werde. Dess* 
halb tilgt er nach Iblxs das Komma ond verbindet oo«« Ibivs xai dW^ 
fiiftiqu dflwvttt: qnan<ttm hoAomm fanebrinm etiäm decet matrem taam 
viro i. e. ooningi 6Uo> -tribuere* Die geradezu widersprechende- Stelle 
IL 22ä beseitigt er dadnrch , dass er .dort deiaai als erst aus dem Miss-' 
Verständnisse der erstereo -filelie entstanden nnd in beiden' die gleiche 
Lesart ak die orsprfingKohe ansieht. .Erscheint es non schon an und fnr sieb 
bedenklich, eine nach den Handschriftea ond Schollen (so vid dem Ref. 
aogenbückHch bekannt ist) nicht «weifelfaafta Lesart am der Erklarnng 
einer andern willen andern so müssen , wesshalb denn anch der Hr. Verf. 
selbst einiges Bedenken Snssert, so sieht rfodann Ref. gekudesa nieht ein^ 
warum d«v Sohn die Bbren dem Vater erweisen soll , welche seine Mai« 
ter ihrem Gatten daizabringen verpflichtet ist; Soll der Sohn sie mu-* 
gleich fdr die Motter mit leisten? Schwerlich konnte jene als der Pflicht 
entbunden erachtet werden. Oder soll der Sohn , jetzt mündig gewor-* 
den , d^m Vater die Ehren erzeigen , die vorher statt seiner die Matter 
zu geben verpflichtet gewesen ? Das kann in den Worten nicht liegen.' 
" Kurz , fönden wir die Stelle so geschrieben, wie der Hr. Verf. vorschlagt^' 
wir worden Anstoss daran nehmen. Ref. erinnert eich nun allerdings^ 
nicht einer Stelle dafar , dass der Sohn die Matter naoh des Vaters Tod» 
verheirathen könne, nnd gäbe es eine solche , so worden die von dem Hnu 
Vßrf. angelahrten Stellen der Odyssee Widersprechen. Allein die Grie- 
chen hegten fortwahrend Bedenken in Betreff einer zweiten Bhe^ wenn 
Stiefkinder vorhanden waren (vergl. das von Wachsmath hellen. Alter^' 
ihumsk. II. p. 128 Angefahrte), ond dass schon Im Zeitalter der Odyssee 
etwas Derartiges anerkannt war, beweist die Steile XIX. 5S0flg. Mass 
nnn aber gerade Movat die Bedeutung haben : zar rechtskraftigen Bhe 
geben? kann es nicht auch von dem gesagt werden, der seine Binwilli- 
gong dazu nicht verweigert ? Wie nun also, wenn nach den Rechtsbe- 
griffen wohl des Sohnes BinwilUgong erforderlich war, wenn die Mutter 
eine zweite Bhe eingehen wollte, so kann doch wohl die bisherige, durch« 
eine andere Stelle gesehntzte loterpnnction bleiben. [D,] 

CoNSTAifZ. Anch in dem Schuljahre 1849 — 18&0 sind einige Ver- 
änderungen in dem Lehrerporsonale des hiesigen , mit der höheren Bor«: 
gerschole verbundenen Lyceums ond be^ der Vertbeilung des Unterrichts 
esogetreten. Lehramtsprakticant £6fo, Haoptiehrer der Tertia nnd Unter- 
Qoarta des hiengen Lyceoms ,' worde im Monat Februar an jenes* in Frei- 
borg versetzt. Die von ihm bis dahin behandelten Unterricfatagegen- 
sUnde hat hierauf , in Folge eines Brlaases dea Grossh^ Obenitodienrathes 



198 Schal- und UniTdrsitatsnaehriehtMy 

▼om 13* Febr. 1860 Lehramtspraktlcant Frühe ^ der vorher an dem Gyin- 
nasioni in Donaneschingen angeAtellt war , am 23« Febrnar ubemommeB. 
ÄQob in der höheren Bürgerschnle fand ein Wechsel statt. Knrze Zeit 
nach dem Anfange des Schuljahres erhielt sie nämlich einen neuen Reti- 
gionslehrer, nachdem die Pfarrgeistlicbkeit dahier auf einen Briass des 
Grossh. Oberstndienraths vom 15. Oct. 1849 sich zur Uebemahme des 
Religionsunterrichtes in der genannten Schale bereit erklart hatte. Mit 
der Ertheilung desselben wurde hierauf Beneficiat Grubfr von ihr be* 
auftragt , der deh Unterricht am 29« Oct. übernahm und die religiös sitt«> 
It^ha Bildung der Schuler fortan mit Bifer ru befordern sachte. Durcii 
den Eintritt des ßenefidats Gruber wurde aber auch ein Missstand an der 
hiesigen Anstalt gehoben« Prnher genossen die Schüler der vier nntereo 
Classen des Lyceums diit jenen der höheren Burgerschule, wßnii anch der 
Grad ihrer Vorbildung ganz verschieden war, gemeinschafblicfaen Reli- 
gionsonterricht. Jetzt aber kennten die Zöglinge beider AnstidteQ in dep 
Lehrstanden der Religion getrennt und besonders unterrichtet werden. 
I^ehrer Leiber, dem ftnher ein Theil des ReMgionsnnterrichtee angewie- 
sen war, übernahm von jetot an in der höheren Bürgerschule den ganzen 
dentsciien Sprachunterricht , der vorher zwischen ihm und dem Lehrer 
Xiflirfer vertheiit war, und dieser letztere trat nun, seinem Wunsche ge*^ 
mass, als Religionslehrer in die fünf ersten Classen des Lyeenma ein, ao 
dass er von diesem Zeitpunkt an den grossten Theil des Religionsunter* 
riohtes in dieser Anstalt allein zu besorgen hatte. — Endlich ist noch 
zo" bemerken, dass die Schüler der Unter- und Obersexta, welche in dem 
Torhergehenden Schuljahre in den Lehrstuuden der lateinischen Sprache 
betnahe durchweg vereinigt waren , von nun an in dem grossten Theile 
der diesem Lehrgegenstande zugewiesenen Zeit gesonderten Unterricht 
erhalten konnten, was für die Behandinng dieses Lehrzweiges ohne Wider- 
rede for nützlich erklärt werden muss. Der Classen vorstand der Sexta 
hatte nämlich frfiber noch den Religionsunterricht in der fünften Classe 
des Lyceums za ertbeilen. Damm konnte er der Lecture lateinischer 
Schriftsteller in der SexU nicht so viel Zeit, als es nach der Wichtigkeit 
des Gegenstandes winschenswerth war, anwenden; er war vielmehr ge- 
nothigt, den beiden Abtheilungen gemeinschaftlichen Unterricht zu er-*» 
thellen , einige ansserordentliobe Stunden abgerechnet , in welchen er mit 
den Schülern der Obersexta beeondere Stücke las» Dadurch nun , dass 
Jiehrer Idnder den Religionsunterricht in der Quinta besorgte, konnte die 
;m voraosgehenden Schuljahre angeordnete Combination der SehSIer bei* 
der Abtbeilaagen der Sexta wieder aufgehoben .werden. — Der Unter- 
rieht in der italienischen und englischen Sprache wurde im Winterseme- 
ster von Lehramtsprakticant Bhle mit einer Anzahl freiwilliger Theilneh- 
mer begonnen nnd nach dessen Abgang von Prof. Aeet fortgesetzt. -— 
Der Tamnnterricht wurde im Sommersemester vom Lehramteprakt. Frühe 
den Sohiilem der beiden Anstehen ertheilL For das kommende Schul- 
Jahr wurde von dem Gemeinderoihe die Herrichtung eines geeigneten 
Tnrnplatees zugesichert. — Am Schlosse des Schuljahres 1848 — 184§ 
If9r4^ § Schaler der ObersexU auf die Uoivers|tat eotlaMOO^ Vpn dfcT 



• • • . 



BeforderoBgen und Ehreobeieigongen. 199 

•en wollten 3 (kaiholr) Theologie stodiren , 1 JorUprodonz , 3 Mediciii« 
Alle betogen die UiiiTeraltat Freibnrg. — Di» SchSlersahl war im ver- 
iloMenen Schoijabre folgende: a) Die höhere Borgerschole sah|te 61 SchS- 
ler. Von diesen gehören 40 aar katholischen ond 12 aar eTangellschen 
Gonfession. Aulander sind unter ihnen 8 Schäler. Von den Jnlandern 
sind Auswärtige, d. h. Schnler, deren Bitern nicht in Constana wohnen» 
6. Von diesen 61 Schülern haben in Laufe des Jahres die Anstalt wie- 
der Terlassen 8. Die ansgetretenen sind meist an bürgerlichen Gewer^ 
ben Sbergegangen» b) Das Lyceum war von löO Scbalern besucht. Unter 
diesen sind 133 Katholiken ond 17 Protestanten, Ausländer besuchten 
das Lyceom 20» Auswärtige 67. Ausgetreten sind wahrend des Schul* 
Jahres 8 Schüler. •— Personal a) der höheren Burgerschule. Inspeotor t 
Freiherr Ignaa Hemriek von fFettmfberg- Directort Geistlicher RaCh 
Sdbnsisssr. Lehrer: J. Bohapfelf J. B» Lahor ^ F. Heim. Ausser diesen 
Classentelnrern ertheilen in der höheren Bürgerschule Unterricht: Prof. 
H9§mainmy Geschichte ; Prof. 5«»» Natnrlehre ; Prof. Dr. WM^ Geographie 
nnd Pransosiscb ; Lehrer Jünder, Geographie ; Bene6ciat Gni^er» Religion ; 
Lehrer SeftmoiMs, Kalligraphie , Zeichnen und Gesang. VerwaUunga* 
rath. Director: Geistlieber RaCh ScAmstsser» Lehrer Leifter» Gemeinde* 
rath jhiguBt Volderautr^ Hofgericbtsadvocat Hos, Obmann des engeren 
Burgeranssebusses. Geschäftsführer: Lehrer M^er. Verrechner: Stadt- 
rechner Motitw, b) l>^ Lyceoms. Bphoros: I^eiberr J. E. von Woo^ 
senöerg". Director : Geistlicher RMh ^cAmejsser. Lehrer t die ProfessO" 
reu Hc{^«omi, Furtmangitr^ Soioy ü«et, Lyeeoms(ehrer Kreuo^ Prof. 
Dr. ßFMy Geistlicher Lehrer linder, Ijehramtsprakticant FrükOy Musik- 
nnd Zeicbnungalehrer Sokmalholo. Einzelne Fächer besorgen in dem 
Lycenra: Lehrer Lei6er, hebräische Sprache; Lehrer Hdoopfei, Natur- 
gesch. ; Lehrer Hcmb, Arithmetik ; Stadtpfarrer PnrtefiAeimer, evang. Re- 
ligionsunterricht. Bibliothekar: Lyceumslehrer Kreuo, Verwaltungsrath. 
Reg.-Comm.: Hofgericht»rath Honoeü. Mitglieder: Director ^cAmeMfer, 
Prof. n«^mann, Fron» hoii^ PriTato, Fidel ^Tees» Private. Geschaftsf61in 
rer: Lehrer M^eopfel, Verrechner: Stiftnngsverwalter G^hard. — Als 
i^issenschaftl. Beilage ist mit dem Progr. aosgpgeben worden : ^^Der ret- 
fefide Ckoron^ eine mythologische Abhandlung von tF, FurUoäng^er, Pro- 
fessor. Fortsetsong und Schluss. Constana, 1850. Druck too J, Stadler. 
S. 41 — 109 in gr. 8.^ Die erste Abtheilung dieser Abhandlung haben 
wir bereits in diesen JahrbSchem (Bd. 68. Heft 3. S. 196—199) ange-* 
neigt und auf diese in dem Gebiete mythologischer Forschungen seh^ be- 
achtenswerthe Schrift aufmerksam gemacht. An die ^nseige der ersten 
Abtheilung schliessen wir nun die der aweiten an. In derselben ancht 
der Verf. die Verbindung des Pferdes mit dem Wasser und beider mit 
dem Tode, wie sie durch d^s Gewebe der griechischen Mythen sich hin- 
dnrcbschlingti weiter au erforschen nnd spricht das Resultat» zu welchem 
er gelangt ist» in folgender Weise (8. 71) aus: ,,Ea ist das Rine Licht- 
und Lebensross in der niederen Sphäre, in die es durch das Wasser bin- 
abgesogen , um ans dem Wasser in ewiger Wechselwirkung der beiden 
Differensen in die obere wieder emporsnsteigen; es ist das Rost des Ha- 



200 Schal- nnd UaiverskatfiiActirichten, 

des, das za|[;lMcb das des Zeus ist, and das des Poseidon, im letzten 
Groode aber das des Urposeidon, des Indischen Wischno.'* Aoch in 
dieser Abtheilong , wie in der ersten , sah sich der Y,erf. Teranlasst bei 
•inzelnen Mythen den Versuch so einer neuen Deutung zu machen und 
hebt in dieser Beziehong insbesondere die der Dioscuren (8. 57—63) 
hervor* pieser ganze Mythos (8. 57) bewegt sich ursprilnglich im Kreide 
der Vorstellungen, die an das Licht geknüpft sind; sie selbst können nur 
als Offenbarungsweisen des Lichtgottes, die zu selbststSndigen Wesen 
erhoben wurden, betrachtet werden. Polydeukes; der Vielienchtende, 
ist der Lichtgott, wenn er am Morgen sich erhcibt: erheisst Castor^ der 
Ordnende , wenn er am Abend «ich hinabsenkt. Beide sind Jünglinge, 
weil sie die immer sich verjungende Kraft jenes Gottes darstellen ; aie 
sind Lenker weisser Rosse , weil sie das Licht durch den Aetherraom 
dahin fuhren. Beide stamsMn voih Zeus , dem Schöpfer des Lichtes; ihre 
Mutter ist Leda, jene dunkle Urmaterie, aus der das Licht anfstMgt «nd 
zu der es wieder zurückkehrt. — Hierauf- geht der Verf. über zur Kunst, 
lim in den uns erhaltenen Gmbmalern das gewonnene Resultat in Betreff 
des Todtenpferdes theils zu bestätigen , theils zu ergänzen. Besondere 
Berücksichtigung fand die Erklärung des Denkmales von Merkaba, weldies 
Le Bas beschrieben (Monuments d^antiq. iig. enGr^ce, 3*cahier, Argolideet 
I^aconie p. 85 ff.), mit dem 'durch ein Penster schauenden Pferde (8. 75 
bis 81). Obgleich die Erklärung des gelehrten Franzosen sehr interessant 
nnd durch eine Reihe archäologischer Beweise gestutzt ist, konnte der 
Verf. ans mehreren Grfinden , die an den betreffenden Stellen augefuhrt 
sind , dessen Ansicht nicht ganz theilen. 4)er Gegenstand selbst aber ist 
um sb weniger ohne Interesse f da das bezeichnete Pferd lange als ein 
archäologisches Räthsel gegolten und anch /durch die Deutungen von 
Inghirami, R. Roc bette, O. MS 11 er keine volle Erledigung ge- 
funden bat. Um nicht zu ausfnhrlich zu werden, müssen wir die 
Leser auf die Schrift selbst verweisen. — ▼ Am Schlüsse dieser Unter"» 
suchnng auf dem Gebiete der Kunst wird der „reitende Charon*' selbst 
in.hetruskischen Denkmälern nachgewiesen. — ^ Der folgende Theil der 
Arbeit enthält eine kurze Untersuchung über den „schiffenden Charon,'* 
▼on welchem der Verf. die erste Nachricht in dem Gedichte fand, dea 
Pausanias Minyas nennt und es einem sonst nicht weiter bckantiten Pro- 
dicus beilegt« Darauf wird in kurzen Zogen die Bntwickolnng der Sage 
bis auf die spätere Zeit herab durchgeführt. >-— Der Anhang giebt eine 
wohlgelungene Uebersetznng und eine gründliche sprachliche und sach- 
liche Erklärung des am Anfange (Abtbeilung I. 8. 1) mitgetheilten Volks- 
JiedeSf Es wird dieses gewiss allen willkommen sein , welche die dich- 
terischen Brzengnisse der Neugriechen einiger Berncksichtignng würdigen. 
Indem wir hiermit die Anzeige dieser interessanten Schrift schliesaen, 
können wir nicht nmhin den Wunsch ansznsprechen , dass der Verf. sein 
bereits ausgearbeitetes grösseres Werk über die gante CharonB'Sage 
(Vorrede zur 1. Abtheil. 8. IV) , von welchem der reteetide Charon nur 
ein zn einem kleinen Ganzen ausgezogener Theil ist, recht bald dem Drucke 
nbergebeo möge, Bs bat derselbe seine Meistersohaft auf dem Gebiete 



'Beförderungen and Ebrenbezeignngen. 201 

mytbologüeher Forflchangen in der von ans besprochenen Schrift bewie- 
sen, and finden wir schon in ihr einen wichtigen Beitrag xor Brledigang 
der Frage über das Verbaltniss der Cnltnranfange Griechenlands zur Cnl- 
tar von Aegypien und dem Orient , so wird dieses in dem Werke, welches 
den ganzen Sagenkreis omfasst, noch mehr der Fall sein. [4^] 

Ueber das Gymnasiom liefert nns ein geehrter Correspondent nach 
«inem abgestatteten Besoche folgenden Bericht: Lehrgegenstande. 
Die Religionslehre tut in jeder Classe wöchentlich, 3 Standen nnd wird^ 
wie es scheint, sehr zweckmassig vom Niedern zom Höheren anfsteigend 
betrieben. Mit dem Katechismos ist in den antern 2 Classen bibüsolie 
Geschichte Terbanden and firlernnng von Gebeten and Hymnen. Aach 
in den antersten Classen schon werden die kirchlichen Feste and Zeiten 
erklärt*), in der 3. Classe die Sonn- uhd Festtags-Bvangelien mit sobrift- 
liehen Arbeiten hierüber, in der vierten Classe das Messopfer, das Kir* 
chenjahr ond die evangelischen Abschnitte der Sonn- and Festtage. In 
der fünften Classe wird eine KinieiUing in die. heiligen Schriften des alten 
Testament» gegeben, die Apostelgeschichte gelesen* ond erklärt in der 
Ursprache. Endlich in der sechsten Classe werden vom Director Sehmeia-' 
ser die Briefe der Apostel erlaatert nnd christliche Sittenlehren vor- 
getragen* Gemeinsam haben den Religionsanterrichts 1) die zwei 
nntem Classen , dann 3) von der vierten Classe an isuner die ontere ond 
obere AbtheUang jeder Classe. Hieraas geht hervor, dass man in Baden 
(denn der Schniplan wird wohl nicht. blos fSr CoDstanz sein) die Reli- 
gionslehre frnctificirlicher treibt als bei ans, wo ein Reiigionsbnch fSr die 
Gymnasien eingeführt ist , welches so recht dazu gemacht zu sein scheint, 
den jungen Leuten den letzten Fanken von Liebe zur Religion za beneh- 
men. Dass doch die Herren fast immer ihr eigen Werk , das sie anf- 
baoen wollen, selber zerstören! — Wie soll man das nennen? Wenn 
vollends die in nnserm Religionsbache vorkommenden and philosophisch- 
mystisch geschriebenen nnd darnm den jungen Leuten unverständlichen, 
langen Abschnitte wort- wörtlich ans wendig gelernt werden sollen, so wird 
die Religionslehre eine Qnal selbst für fleissige Schaler , «wovon man sich 
täglich oberzeogen kann. Deutsche Sprache. Diese beginnt in 
der antersten Classe mit einer Wortlehre and der Lehre vom Satze und 
dessen Erweiterung mit schriftlichen nnd mündlichen Beispielen. Auch 
werden kleinere Gedichte nnd Parabeln ans Brwefeiier's Jagendbibliothek 
roemorirt. Dazu kommt Uebong im Lesen ond orthographischen Schrei- 
ben. Lehrer Linder» Wöchentlich . 3 Stunden. In der zweiten Classe 
l^emmt die Lehre von den Sätzen ond der Rechtschreibnng in schrift- 
licher nnd mondlicher Uebung vor. Gelesen ond erklart werden Stucke 
ans Briidbter. DIess in den zwei untern Classen in wöchentlich 3 Stan- 
den nach QoUMger*» Lesebuch. Lyceumslebrer Kriuz, In der 3. Cl. 
erscheint H^ffmawata deutsche Elementar- Grammatik. Viele Uebungen 
der Rechtschreiblebre. Mehrere kleine , schriftliche Aufsätze. Vortrag 



^ Lehrer der Religion in allen Classen, mit Ausnahme der Ober- 
oder 6. Classe, ist Lehrer Linder. 



202 Schol- and UniTersitatsnaohricliten, 

aQ0wendl|; gelernter Gedichte. Wöchentlich 3 Stonden. Lehr&mtflprakti- 
cant Frühe, Inder rierten Claiae, obere ond entere Ablbeilung, wird 
nach Hoffmann die Grammatilc fortgesetst nnd die Regeln werden durch 
Binndliche Beispiele eingefibt. Hier werden schon schriftliche Aofsatae 
ausgearbeitet, poetische nnd prosaische Stucke Torgetragen. Lehramts* 
prakticant Frühe, Wöchentl. 2 St. IMe 5. Classe behandelt eine Theo* 
rie des poetischen Stils. Daneben werden Aufsätze Terfertigt und de^ 
nrand liehe Vortrag geübt. Beide Abtbeilungen der Classe gemeinsam« 
Prof« Furiwängler^ 2 St. wöchentl. Endlich in der 6. Ciasse , untere 
Abtheilung, wird Ton dem Director nach seinem Lehrboche (Carltrnhe bei 
Groos. 1838) Rhetorik gelehrt, Auffindung, Anordnung und Binkleidnng 
des rhetorischen Stoffes. Dazu BrkISrong deutscher Master, schriftliche 
Ausarbeitungen , roondliche Vortrage. 2 St. wöchentl. In der oberen 
Abtheilung: angewandte Rhetorik. Schriftliche Ausarbeitungen. Bxtem- 
perirter Vortrag. Wöchentl. l St. — Lateinische Sprache. La- 
tein wird ia den unteren 3 Classen wöchentl. 10 Stunden gelehrt, uad 
zwar beschäftigen sich die ersten 2 Classen nur mit Einübung der For- 
men ; nur in der 2. Classe werden einige nothwendige syntaktische Regeln 
mit hereingesogen. Erst in der 3. Classe wird nach Wiederholung der 
Formenlehre die ISyntax gelehrt. Selbst in der 4. Classe beider Abthei«* 
Inngen wird die Formenlehre in ausserordentlichen Stunden nochmals re« 
petirt und die Syntax fortgesetst. Auch die Lehre Tom Hexameter und 
der Prosodie fiUIt in die 4. Classe, obere Abtbeil.; classische Stellen wer- 
den roemorirt. Wahrend in den untern 2 Classen DoIVb^ in der 3. nnd 
4. Cl. FeldbmueVe kleine Grammatik in der Schule su Grunde gelegt 
wird , erscheint in der ö. Classe Zumpi , welcher die grammatische Theo» 
rie schliesst. In der 6. oder Oberclasse kommt keine Grammatik mehr 
▼or. Also 7 Jahre Grammatik! Als Nebenbocber wurden benutzt in den 
untern 2 Classen Dolly in den folgenden Süpfle, yon seinen ,,MateriaUen 
AM iateintfeAen StUübungen^^ zu den „Aufgaben etc." und von diesen 
wieder stufen- und classenweise vom Leichtern sum Schwerem anfsteigendy 
80 dass anch iii der Oberclasse Siipfle übersetzt wird. Die 4. Classe 
widmet in beiden Abtheiliingen, sowie die untere Abtheiinng der 5. Cl., 
dem Latein wöchentl. 8 Stunden. Die obere Abtheilung der Quinta 
hat nor 6 Stunden wSchentlich , aber die Uebersetsnngen aus Virgil mit 
der Unterqninta geroeinschafllich , also wohl auch 8 Stunden. In der 
Oberclasse werden 7 Stunden wöchentlich auf Erklärung von Schriften 
nnd Stilubungen Terwendet. Die Lectionen theilten der Director Sehmeif 
»er und Prof. Hoß^ann, In der 3. Cl.'wird C. Nepos nnd Phidrns ge< 
lesen, in der 4. untern Abtheiinng Caesar d. b, g. nnd in dar obem Abth. 
Caosar d. b. c« neben Ovid^ Metamorphosen. In der &• Cl. Virg. Aea., 
Ctcero*s Briefe in der untern Abtheil., in der obem Gieero's Reden und 
Salluflt. In der Oberclasse Tacitus' Annalen, Horns, Cic. d. ofiioifs. 
Lehrer des Latein sind jedesmal die Classen Yorstande. — Griechin 
sehe Sprache. Der Unterricht in der griechischen Sprache beginnt 
erst im 4. Jahre, in der 4. Classe, mit der Formenlehre nach Feldbaiueh^e 
GrammaUk , welche bis so den Verben In fu fortgesetet wird. Zur Bio> 



BefoFdernngeD oad Ehrenbeseignngea. 203 

Sbinig dient die Chrestooiathie von Fddbauick ond 8uf^» In der obern 
Abtbeiiqng der Quarta wird die regelmaasige Formenlehre repetirt, dann 
die Verba in (u und die onregelmaMlgen', sowie die Dialektaversolriedeii- 
heiten data gelernt. Daneben wird obige ChrestomaUiie, eine 8amraliuig 
Siopischer Fabeln nnd Rom. Od. gelesen. Jn der 5. CL, untere Abtfa.: 
Hom. Od.y Xen. Cyrop., 8yntax' nach Feldbmueh. In der Oberqnintaa 
die ganze Syntax und Wiederholung einzelner Theile der Fermenlehro 
nach FeHbauHK Hom. Od., Jacobs' Attika. In der Oberotasse untere 
Abtheilong werden Xenophon's Menorabilien und Abschnitte ans HeriH 
dot, dann Hom. Ilias gelesen, letztere mit besonderer Herrorhebnng der« 
jenigen Partieen , welche lor Erklärung der Bigenthdmltchkeiten Homer'a 
als die geeignetsten erscheinen. ' In der Obersezta werden Plato nnd 
Tragödien erklart« Priratim lasen die Scbnter 8 Gesinge der Ilias ond 
wurden daraus geprüft. Der griechischen Sprache werden in der 4, Gl. 
yißtj in der 5. fünf, in der 6. vier wochentl. Stunden gewidmet. Lehrer 
der griechischen Sprache : In der 4. Ciasset Lehramtsprakticant FrüAe; 
Oberabth. derselben; Prof. Nwu; 5. Cl.Prof. Furiwangier; Oberabth.: 
Prof. HoJ'^inai^ii ; in der Oberclasse , in beiden Abtbeiinngen : die Proff. 
Biiffmann ond Furiwangier, — Die franzosische Sprache er- 
scheint aU einer der Hauptlehrgegenstande ond beginnt in der 3. Classe, 
in welcher die Formenlehre nach Hirad^s Grammatik bis zu den onregei- 
massigen Zeitwörtern gelehrt ond eingeübt wird. Wochentl. 4 St. Jn 
der 4. Cl. Unterabth. die anregelmassigen Verba mit Tielen Uebnngen. 
Dazu KSrühttr*» Lesebuch. In dieser Sprache wird viel gelesen, übersetzt 
nnd namentlich memorirt. Schriftliche und Dictandoobungen. Wöchent- 
lich 4 St. In der Oberabtheilong der 4. Cl. wird nach HtrseTf II. Cure 
die Lehre vom Artikel, Bigenschaftswort und Fürwort, von unpersön- 
lichen ond intransitiven Zeitwörtern gegeben. Memoriren als Vorfibong 
zum Sprechen» Viele- Lecture. Scbnicoropositionen und Dictandoubnngen. 
Wochentl. 4 St. In der 5. Cl. Unterabth. Wiederholung des Vongen 
und Zeiten und Modi, Uebongen in HiraeVi Sprachlehre und Lecture in 
Wedcer^t Lebens fran9aises. Wochentl. 3 St, In der Oberclasse : We- 
cker's Le9ons fran^aises. Schriftliche ond mond liehe Uebongen zum 
Uebersetzen aus dem Deutschen ins Französische. Wochentl. 9 St. Leh- 
rer des Französischen sind Prof. Nee$a in 111. IV. 1 ond 3, ond Prof. Dr. 
Berlin V. nnd VI. — Geographie. Die unterste Classe erhalt in 
diesem Lehrgegenstande gemeinschafüich mit den Schülern der I. Classe 
der höheren Bargerschale Unterriebt. Behandelt wird: Ortskenntniss, 
Kenntniss der Himmelsgegenden , Gestalt und Bewegung der Krde , Be- 
schreibung von Constanz , .der Amtsbezirk, der Seekreis, Ober-, Mittel- 
nnd Unterrheinkreis. Das Aligemeine von Deutschland. Wochentl. 3 St. 
Lehrer Idnder, In der zweiten Classe t Physische Geographie vori Europa, 
insbesondere von Deutschland. Die Flussgebiete der Donau, des Rheins, 
der Ems, Weser, Elbe, Oder und Weichsel. Die Gebirge von Central- 
Eoropa. Politische Geographie der grösseren Staaten Deutschlands. 
Uebnngen im Kartenzeichoen. Wochentl* 3 St. Prof. Dr. Worl, In der 
3* Classe wird die Geographie von Deutschland wiederholt. Sedann 



204 8ehttl- und Universitatsnachrichteo, 

ausfohrlicher die übrigen Staaten Earopa*8 anter phytischem nnd stall- 
itischeai Gesichtspankte. Bndlich Aroerika. Uebungen im Kartenzeich* 
nen. Wochentl. 3 Sjt. Prof. Dr. WorU (Afrika, Asien, Aastraiien?) — 
Der Unterriebt in der Geschichte beginnt in Quarta, Uoterabth. Hier 
wird in wochentl. 3 Standen allgem. Weltgeschichte nach Beck^s Leitfaden 
gelehrt. Lyceomslehrer Kreuz* In der Oberabtheil. der Qaarta wird 
Geschichte der Griechen und Römer, sowie alte Geographie nach Beck 
behandelt. Wöchentt. 3 St. Prof.« Furiwängler, In der Unterabtbeilnng 
der Quinta wird von Prof. Dr. fFSrl in wochentl . 2 Standen die Ge- 
schichte von Frankreich nnd England nach Beck gelehrt. Geschichte 
der deutschen Litteratur kommt in der Sexta , Unterabth» , vor. In dem 
▼erflossenen Jahre wurde vom Director dieser Gegenstand vom 16. Jahrb. 
bis auf die Gegenwart nach Schäfer's GrunUHss bebandelt mit zahlreichen 
Proben ans den besten Werken. (Wahrscheinlich im Jahre vorher von 
Anfang bis zu obigem Zeitabschnitte.) — Arithmetik. In diesem 
Lehrgegenstande erhalt die unterste CHasse mit der I. der höheren 8Sr> 
gerschule gemeinschaftlich Unterricht. Behandelt werden die Grundrech- 
nungsarten mündlich und schriftlich in theoretischen nnd praktisohen 
Uebungen , wochentl. 4 St. Lehrer Heim, In der II. Classe geht man 
sn den gemeinen und Decimalbruchen über; Anwendung auf das Geschfifts- 
leben. Wochentl. 4 St; Lehrer i^etm. Hl. Classe. Wiederbolong der 
gemeinen und Decimalbruche ; der Drei- nnd Vietsats , die Kapital-, Zins- 
und Gesellschaftsrechnungen etc. ; die Lehre von den Proportionen und 
Quadratwurzeln. Wochentl. 3 St. Lehrer Heim. — Die Mathematik 
beginnt In der IV., Unterabtheil. Wiederholung des gesammten bisherigen 
Rechnungsunterrichtes. Zinsrechnangen. Bucbstabenrechn. Anfangsgrunde 
der Geometrie. Wochentl. 3 St. IV. Gl. Oberabth.: a) Arithmetik und 
Algebra: Buchstabenrechnungen. Quadrat- und Cubikzahlen und^Tur- 
zeln. Leichte Gleichungen vom I.Grade, b) Geometrie: Parallel- 
linien. Congruenz und Aehnlichkeit der Dreiecke. Wochentl. 3 Stund, 

V. Gl. Unterabtb. : a) Arithmetik nnd Algebra: Allgemeine Zahlen- 
lehre, Combinationen , Potenzen, purzeln und Logarithmen. Gleichun- 
gen vom 1. und 2. Grade, b) Geometrie der Ebene. Wochentl. 4 St. 
Der V. Oberabth. : a) Geometrie der Ebene und des Raumes. Geometri- 
sche Aufgaben, b) Arithmetik und Algebra : ftrithmetische und geometri- 
sche Progressionen. Quadratische Gleichungen. Wochentl. 4 Stunden. 

VI. Unterabth. Gleichungen von hohem Graden. Zinszins- nnd Renten- 
recbnnngen. Kreisfunctionen und Trigonometrie. Wochentl. 3 St. Prof. 
Sek. Oberabth. Physik nach Eisenlohr. Wochentl. 4 St. Lehrer der 
Mathematik ist Prof. Setz. — Naturgeschichte. Dieser hochwich- 
tige Gegenstand beginnt in der Unterabth. der Quarta mit einer Einlei- 
tung in die Naturgeschichte im Winter. Das Allgemeine der Wirbelthiere. 
Im Sommer Botanik. Dte Schuler wurden geübt im Bestimmen der 
Pflanzen nach dem kunstlichen System. Die vorzuglichsten Pflanzen wur* 
den von denselben beschrieben, nach 8chilling*s Grundriss. Lehrer Boh^ 
ajfel. 2 St. wochentl. V. Ol. Unterabth.: Im Winter: Wiederholung der 
Einleitung in die Natnrgesobichte. Reptilien und Fische. Im Sommert 



Beförderongen and Bbrenbexeignngen. 205 

Botanik , wie oben. NB. Die Oberabtbeilangen haben mit den Unterab- 
tbeilungen den Unterricht gemeinschaftlich. — Bndiich Philosophie 
in der Unterabth. der Sexta: a) empirische Psychologie, b) formale Lo- 
gik. Wöchentl. 3 8t. Lyceamslehrer Ereuz, In der obern Abtheiiung 
giebt derselbe Lehrer in 3 Wochenstonden Encyklopädie der ifaeoreti- 
sehen Philosophie nach Beck. Ausser der Religion and den bereits be- 
merkten Lehrgegenständen werden auch deutsche und franzosische Sprache, 
sowie Geschichte, Naturgeschichte und Zeichnung In den meisten Classen 
▼on den zwei Abtheilongen gemeinsam besucht. — Anhang. Das Zeich* 
neu wird in den untern 4 Classen gelehrt in je 2 Wochenstnnden , die 
Kalligraphie in den untern 2 Classen in 3, in der 3. Cl. in 2 wochentl. 
Lehrstunden. Für künftige Theologen wird in zwei Cursen hebräische, und 
für freiwillige Theilnebmer der obern 2 Classen englische und italienische 
Sprache gelehrt« Der Gesangunterricht hat 4 Curse, jeder Cnrs wo- 
chentl. 2 Stunden» Sehr eifrig wird auch geturnL Bemer- 
kung« Nach einem nennjährigen Stndinm also werden die Schüler zur 
Universität entlassen« Sie lernen ausser den Lehrgegenständen , welche 
bei uns betrieben werden , vorzagsweise deutsche und franzosbche Spra- 
che , Naturgeschichte nnd Philosophie. Diess durfte diejenigen Herren, 
welche mit der Abfassung eines neuen Schulplaoes betraut werden , ver** 
anlassen, doch endlich die Stimme des Volks zu würdigen. — • Schliess-' 
lieh sehen wir, dass die Lehrer am Lycenm (die Lehrstanden an der 
höheren Borgerschule nicht gerechnet) durchschnittlich 18—24 Stunden 
wöchentlich Unterricht geben. Dafür aber beginnen sie ihr Lehramt mit 
einer Besoldang von 700 fl. und bringen dieselbe auf 1800 fl., wie mir 
roitgetheilt wurde. — Das edle Bemühen unserer gegenwärtigen Land* 
stände, beide Kammern, wollte unsere Einnahme von dem Maximum 
1000 fl. auf das Maximum 1200 fl. erhohen. Der Antrag der Kammern 
wurde durch Se. Majestät den König auch genehmigt, nur mit dem Unter-^ 
schiede, dass statt der beantragten Qninqaennien Sexen- 
nien, wie früher, eingesetzt worden. Auch wurde die allerhöchste 
Verleihung der Altersznlage von der religiösen und politischen Gesin- 
nung des betreffenden Lehrers abhängig gemacht. Se. Majestät , biess 
es in dem dessfallsigcn Rescripte» werden die Berichte der Rectorate 
prüfen und nur denjenigen die allerhöchste Gnade angedeihen lassen, 
vifelche in religiöser und politischer Beziehung untadelig dastehen. Wir 
warten nun mit Sehnsucht auf das Resultat dieser Prüfungen. 

Kempten. Brosner^ Prof: am Gymnas. 

Dresden. An der Kr9UZ9chule fand in dem Schuljahre 1850 — 
51 eine wesentliche Veränderung im Lehrerpersonale nicht statt. Kur 
die zn Badereisen beurlaubten Lehrer Dr. Sülig und Sachte leistete der 
Lehrer feiest zeitweilig Aushülfe. Der vom Oct. 1849 als Probelehrer 
an der Anstalt beschäftigte Dr. Theod. Flathe trat Ende Sept. 1850 ein 
Lehramt am Gymnasium zn Plauen an. Seit dem 7. Jan. 1851 ist der 
Schulamtscandidat C. Häble mit Probelectionen beschäftigt. Dem latei- 
niscben Unterrichte in VIII. and IX. v«erde eine Stunde wöchentlich bin- 
zugefügt (so dass jetzt in der ersteren Ciasse 6; in der letzten 4 Lectio^ 



206 8ch«l- and Unirenititsnadiricliteiiy 

nen sind) , aa$8erdem der Gesangnnterricht anf Tertia ausgedehnt. Von 
anerkennenswerther Ffiraorge der Behörden far die Anstalt giebt der 
Bericht über die Sammlnngen nnd Apparate, so wie nber das Local der 
Schale Zeogniss. Die Schnlerzabl belief aich Bnde Mars 1851 aaf 297 
(nämlich 27 in I. [Prima] , 30 in If. [Obersecanda] , 33 in 11 1. [Unterse- 
cunda] , 35 in IV. [Obertertia] , 45 in V. [Untertertia] , 48 in VI. [Ober- 
qaarta], 46 in VII. [Unterqaarta] , 26 in VIII. [Oberqointa] , 27 in IX. 
[Unterqainta}. Michaelis 1850 gingen 12, Ostern 1851 23 Primaner aar 
Universit&t mit Zeagnissen der Reife nben Die wissenschaftliche Ab- 
handlang des Programms : Der grieehkehe und ehrktUehe Gotimbegriff ah 
Grundlage der Ethik (45 8. 8.) hat den Oberlehrer Dr. Frz. L. Götz aam 
Verfasser. Untersochongen , wie die hier begonnene , liefern einen dop- 
pelten Gewinn, indem sie einmal in das innere Geistesleben des Alter- 
thums eiafQhreny was doch die Aufgabe der daraaf gerichteten Stadien 
ist, sodann aber über die Gegenwart and ihre Bestrebungen ein klare- 
res Licht Verbreiten. Der Hr. Verf. ist sich des Letzteren klar bewosst, 
indem er im Vorworte erklart, er wolle einen Beitrag liefern zu vrdten- 
terer Wardigang der religiösen , insbesondere der christlich - religiösen 
Bthik Tor einer blossen Vernunftmoral , die gegenwartig nicht blos auf 
dem Gebiete der Wissenschaft von Neuem ernst und kräftig vertreten 
werde, sondern noch in den Sphären des Volkslebens immer mehr BSin- 
gang finde. Der vorliegende erste Theil behandelt die Lehre des So- 
krates und Plato, die Portsetzang wird die des Aristoteles hinzufSgen. 
Wir erkennen in dem Vorliegenden Lebhaftigkeit nnd Klarheit der Dar- 
stellung ond ein umfängliches Studium der Litteratur, so weit sie dem 
Hrn. Verf. zugänglich war. Das Urtheil darüber, ob die Lehren der 
beiden griechischen Philosophen bis auf ibsa Tiefe erschöpft seien, wollen 
wir grSndticberon Kennern oberlass^ nnd nur zwei Bemerkungen uns er- 
lauben. Einmal nämlich tritt uns die nngeheuere Verschiedenheit des 
christlichen Gottesbegriffs von dem , welchen auch ein Sokrates nnd Plato 
erfasst hatten , nicht genug hervor. Denn jener enthält den durch Chri- 
stum mit der sandigen Menschheit versöhnten Gott und bietet dadurch 
far die Bthik einen Ausgangspunkt, wie ihn diese gar nicht za ahnen im 
Stande waren. Vielleicht wird der Hr. Verf. im zweiten Thale diess 
nachholen, indess hätte doch schon von vornherein darauf aufmerksam 
gen\acbt werden sollen. Sodann aber erscheint hier das , was Sokrates 
gefunden , als etwas ganz unerwartet Neues ; aber es ist dasselbe doch 
▼ielfältig TOrbereitet und durch die Bntwickelong des griechischen Volks- 
bewnsstseins bedingt; auch haben die Dichter von der Gottheit Begriffe, 
welche wohl dem von Sokrates Gelehrten nicht ganz nnebenbfirtig ge- 
nannt zu werden verdienen , ja hier um so mehr Beachtung hatten finden 
sollen , als darauf gerade bei ihnen auch eine Ethik gebaut ist. Freilieb 
ist hier noch nicht hinlänglich vorgearbeitet, indess doch sciton genug 
geschehen, dass in einer Uebersicbt davon gesprochen werden kann. 
Ueberhaupt aber verdient das ganz besondere Berücksichtigung, dass 
gerade die Philosophie, Indem sieP'den Glauben an die Gotter zerstören 
half, ohne an seine Stelle ein Befriedigenderes setzen gn können , die Na- 



B«forderiuig9u ood ElureiibexeigQngen. 207 

tionalethik su grosserem Verfalle fuhfte. Die Sittlichkeit der Griechen 
war grosser, als sie noch an die G otter- glaub teo, als nachdem sie darch 
VernonftgroDde Manches anders gelernt hatten. Freilich ^ird dadurch 
das Streben des äokrates und seiner Nachfolger, das auf Besserung ge- 
richtet war, nicht verkleinert, aber auch die Brfolgtosigkeit desselben 
bewiesen, und diess gerade liefert den deutlichsten historischen Beweia 
dafür, dass ohne Glauben keine Sittlichkeit möglich sei, Sittlichkeit aber 
nicht Ton der Wissenschaft, die man Ethik nennt, komme, durch die- 
selbe höchstens das Streben nach Verwirklichung eines Tugendbegriffes 
bei Einzelnen angeregt werde. — Das Ostern 1861 erächienene Pro- 
gramm des Fit9thum^§ch€n Ge§ehleeht9gißmna9ium9 und de9 
Bio ehm 0101*80 he n GymnaBial-Erziehungshauset enthält, wie 
gewöhnlich, von dem Director die Darlegung der Grundsätze, durch wel- 
che die innere Einrichtung der Unterrichtsanstalt bestimmt und geleitet 
wird. Jede derselben verdient eine allgemeine Beherziguog, da sie über 
das, was In der Gymnasialpädagogik unbedingt festzuhalten, was nea 
aufzunehmen, was auszuscheiden ist, stets neue Gesichtspunkte eröffnen 
und den Erscheinungen auf dem Gebiete der Pädagogik aufmerksame 
Blicke schenken. • Aus dem Lehrercotleginm schied zuerst Dr. Carl Kw- 
nuf , um die dritte Professur an der königlichen Landesscbule zu Meissen, 
dann Dr. Arnold Schäfer^ um die achte Lehrerstelle an der königlichen 
Landesscbule zu Grimma anzutreten. Der an die Stelle des Ersteren 
berufene Dr. Ueberweg aus Leichlingen in der Rheinprovinz verliess be- 
reits Ostern l8öl die Anstalt wieder, des Letzteren Stelle übernahm Dr. 
IFt/A. Herbtt , vorher Lehrer am Gymnasium zu Cöln. Für kurze Zeit 
waren die Candidaten der Theologie O. HeiMü und Sehoh beschäftigt 
gewesen , da beide zu anderen Aemtem in ihre Heimath zurückkehrten. 
An die Stelle des französischen Sprachlehrers Laforgue trat Gerold Ben- 
quKrel ans La Cbanx de Fonds, und den durch Nake^B Abgang erledigten 
Gesangunterricht übernahm FercK Sieber, Zur Universität gingen Ost. 
1850 zvvei , Mich, desselben Jahres ein Zögling. Die Schulerzahl betrug 
am Schlüsse des Winterhalbjahres 1860 — 51: 117. Den Schulnachrlch- 
ten geht voraus: Schollen zu Chriatoph BudolpKe CosMj eine nMUhematt- 
$ehe Abhandlung des Coüegen Dr. Drechsler (47 S. 8.). Der Br. Verf. 
hat sich durch die Erläuterung* des ersten, deutschen algebraischen Lehr- 
buchs, der 1524 von Christoph Rudolph zu Janer veröffentlichten Coss 
(er hat die Ausgabe: „Die Coss Christoph Rudolphs. Mit schönen Ezem- 
peln der Coss durch Michael Stifel gebessert und sehr gemehret. Zu KÖ- 
nigsperg in Preussen gedruckt, durch Alexandrum Cutomyslensem im jar 
1553*' zu Grunde gelegt), nicht nur um die Erkenntniss des Standpunktes 
einer für das Leben und die Wissenschaften so bedeutsamen Kunst in 
Jener Zeit , sondern auch um Fördernng der mathematischen Wissenschaft 
selbst, da ja für dieselbe die richtige Beurtheilung möglichst vieler Wege, 
welche, um zum Resultate zu gelangen, eingeschlagen worden sind, von 
Wichtigkeit ist, ein unbestreitbares Verdienst erworben. [D.] 

Gotha. In der Nacht vom 17. auf den 18. Januar starb nach einem 
kurzen Krankenlager der Hofrath und Oberbibiiothekar Frkdrich Augwt 



208 Schal* Qnd Univerftitatonacbrichten, 

Ukert. Br war den 28, Oct« ITA) zn Eutin geboren, wo er den Unler- 
rioht von J. H. Fosi und später Ton Bredow genosg; von dem Erstem 
wurde ihm (rubzeitig die Vorliebe für das Stodium dtfr alten Geograpbie 
eingeflosst, welcbe er zam Baaptgegenstande seiner gelehrten Foraphan- 
gen machte. Vom Jahre 1800 — 1803 stadirte er zu Halle ^ wo er sich 
unter Fr, Aug, Wolf den philologischen Stadien widmete ; dann wendete 
er sich nach Jena und genoss hier noch eine kurze Zeit 4en Unterricht 
▼on SckuUii der bekanntlich 1804 nach Halle übersiedelte. Nach der 
Unirersilatszeit wurde er Hauslehrer erst in Dansig, dann in "Weimar; 
hier wurde ihm die Leitung der Söhne Schiller's und des jungen Ton 
Wollzogen übertragen. Im Jahre 1808 wurde er als Lehrer an das 
Gymn. illnstr. zu Gotha berufen und erhielt zugleich eine Anstellung an 
der herzogl. Bibliothek. In beiden Aemtern erwarb er sich bedeutende 
Verdienste, als Lehrer am Gymnasium besonders durch seine Vortrage 
im Fache der Geographie, als Bibliothekar durch fleissige Mitarbeitang 
an der Aufttellung und Katalogisirung der Bibliothek, welche onter Ja* 
cobs* und Ukert*s Leitung auf das Doppelte (über 120,000 Bande) aage^ 
wachsen ist. Seit Jacobs' Tod (den 30. März 1847) legte er die Stelle 
als Professor am Gymnasium nieder und übernahm die Oberaufsicht aber 
die Bibliothek und das damit Yorbundene Munzcabinet. 

Eine grosse Reihe grundlicher Schriften, besonders im Fache der 
Geographie, liefert den sprechendsten Beweis für seine Thatigkeit als 
Schriftsteller. Ausser Uebersetzungen historischer und geographischer 
Werke aus dem Franzosischen, Englischen und Spanischen, die zum Tb eil 
ohne seinen Namen erschienen sind, sind folgende Schriften von ihm Ter- 
Iksst: „Ueber die Insel Lemnos und Mosychlos." Weimar, 1812. Abge- 
druckt aas den allgem. Geograph. Ephemeriden, December 1812. — 
„Ueber die Art bei den Alten die Entfernungen zu bestimmen.'* Ebend. 

1813. — ^ „Ueber die Geographie des Hekatäos und Damastes.'* Ebend. 

1814. — „Ueber die Geographie Homer's.** Ebend. 1815. — ' Diese 
Abhandlangen sind gleichsam als die Vorlaufer seines Hauptwerkes zo 
betrachten : „Geographie der Griechen and Rdmer," welches Ton Jahre 
1816 — 1846 in drei Bänden erschienen ist. Der 1. Band ist Job. Heinr. 
Voss gewidmet. Leider gab das Werk Veranlassung zu einem ärgerli- 
chen Streit zwischen Lehrer und Schaler; der erste warf dem letzten 
racksichtslosi^enatzung ihm mitg^theilter Resultate eigener Forschungen 
Tor. Das uaparteiische Publicum erkannte bald wie Unrecht Voss hatte, 
dem dankbaren Schüler desshalb Vorwurfe zu machen , dass er manches, 
im früheren Unterricht Empfangene nicht unmittelbar als Vossische Ent< 
deckung hinstellte. Wie viele einzelne Bemerkungen , Ja wie viele Er- 
gebnisse tiefer liegender Forschungen hätten Friedr. Aog. Wolf, Kari 
Reisig, Gottfried Hermann , Aug. Bofckh in den Schriften ihrer Schaler 
als ihr Bigenthum reclamiren müssen ? Sie thaten es nicht und freueten 
sich vielmehr, wenn sie sahen, dass strebsame Schüler a^f dem von ihnen 
gelegten Grunde fortbaneten. ^-^ Durch Voss war er auch auf die My- 
thologie hingeleitet worden. Wie fleissig seine Sammlongen in diesem 
Zweige der Wissenschaft sind, bezeogt seine neaeste Schrift: „ober Da- 



Beförderungen and EhrenbeieigiingRn. 209 

monen, Heroen und Genien," LoSpglg, 1860, besonders abgedruckt ans 
dem 1. Bande der Abhandl. der Königl. Säehs. Geeelkchaft der Wissen- 
schaften. — Die Beschäftigang mit der Erdkunde Ton Hellas brachte 
Ukert anch anf die Vergleichnng mit dem jetzigen Zustande Griechen- 
lands. Diesem Studium verdankt man* „das Gemälde Ton Griechenland." 
Königsberjg, 1811, neu aufgelegt Darmstadt, 1833. — Auch die neuere 
Geographie blieb von seinen Forschungen nicht ausgeschlossen. So be- 
arbeitete er far Deutschland „Kinnair's und Beanfort*s Reisen in Asien, 
Armenien und Karamanien," Weimar, 1821, ferner lieferte er zu dem 
„Handbocb der neuesten Erdbeschreibung" den 1. und 2. Band der 6. Ab- 
theilnng, welche die Beschreibang der Nord- und Sudhalfte Afrika's be- 
greift. — Durch ihn wurden Teroffentlicbt : „Luther's Leben," S^Bde. 
Gotha, 1617, von seinem Vater, Georg Heinrich Albert Ukert; dann 
„Loffler's kleine Schriften," 3 Bde. Weimar, 1817. 1818 Als gemein- 
schaftliches Werk Ton Fr. Jacobs und Ukert erschienen „die Merkwür- 
digkeiten der herzogl. BibUotbek zu Gotha," 3 Bde. Leipzig, 1835—1838, 
zu weichem Werke jedoch Ukert keinen Beitrag geliefert hat. — Schliess 
lieh müssen wir noch der Verdienste gedenken, welche sich Ukert um 
das, Deutschland zur Ehre gereichende Werk: „Geschichte der europäi- 
schen Staaten," Gotha bei Fiiedr. Perthes, erworben hat, indem er die 
Redaction dieses Werkei seit seinem Beginn vom Jahre 1828 zuerst mit 
Heeren, und nach dessen Tode (1843) allein gefuhrt hat. -^ Ukert war 
Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften, deren Verzeichniss man auf dem 
Titel des zuletzt erschienenen Bandes der alten Geographie (Weimar, 
1846) findet. [~nn,] 

HBiDBLBEae. AuisMg au$ der den HeidMerger Jahrbüchern der 
LkUratur heigegehenen Chronik der ünivenUät Heidelberg vom Jahre 
iSsO *)• Am 23. Nov. ward die Feier des Geburtstages des erlauchten 
Restaurators der Universität, des hochstseligen Grossberzogs Cori Frts- 
driehy von der Universität in herkömmlicher Weise begangen. Die Fest- 
rede ward von dem zeitigen Prorector, Geb. Hofratb IVicAeil, gehalten 
und ist bereits im Dirock erschienen unter dem Titel s 

„Sacra NataUUa Dhi Caroli Frtdertct, Magni Dam Badarum 
ReU die XXiL Noven^r. 18&0 etc. — PraenutUiur Conspectua marborum^ 
gai ab auetore a. 1849 tn JVoaocomJe eiiroli euni, Heidelbergae tjrpis Jul. 
Groos. 18Ö0. 37 S. in 4." 

Der Redner, der bereits in einem vor 12 Jahren gehaltenen Vortrage 
die Fragen „ti^er die Ursadien der m Heidelberg vorkommenden Krank- 
heiten^ und die Mittel ^ diese zu be$eitigen^^ behandelt hat, giebt ia der 
vorliegenden Rede gevtissermaassen eine Fortsetzung, welche Alten denen 
erwünscht sein wird , welche diese vrichtige und schwierige Frage auf 
gründlichem Wege an der Hand de Erfahrung und in einer musterhaft 
classischen Sprache erörtert zu tHehen wünschen. Das Jahr 1849 mit 
seinen Heidelberg in so hohem Grade berührenden Ereignissen lag vor 



*) Die Chronik der Universität Heidelberg vom Jahre 1849 siebe 
NJahrbb. Bd; 59. Hft. 4. 8. 443—446. 

H. Jahrb. U MU- «• IVd. ed. ErU. Bibl. Bd. LXIL Hfl. 3. 1^ 



210 Schill« Md UniverflitatMiAeliridiUii, 

Htm und bot «He naiarliche Veranlaisnng ca. einer Ererteraag über die 

Polgen and Wirkongen derselben aaf den KrankheiUsastaod der 8udt 

gowohiy wie insbesondere der klinischen, der Leitang des Redners anver- 

trauten Anstalten. Alles daa, was zo andern Zeiten nnd an andern Orten 

unter fihnlichen Verbal tnissen den Grond so schweren Krankheiten ond 

anhaltenden Epidemien gegeben, war auch hier eingetreten; war doch 

selbst die Cholera ganz nahe gerückt and mit alter Stfirke aufgetreten, in 

der Universitätsstadt traten die wofalerwarteten und beforchteteo Folgen 

jedoch nicht ein. „Tunc tenporis (so schildert der Redner in ebenso 

lebendiger als wahrheitsgetreuer Weise Jene Zeit) urbs inter proeUa sita 

et ingenti militum copia insolito modo repleta erat. In urbe ipsa perpe- 

tuus tumultus militom, qoi vel abieront Tel venerant, quiqoe Tel tyapano 

pulsamnt Tel sciopetororo usum exercaerunt. Carcer tIz exstrnctns*) 

et nosocomium magnam et insolitam hominum multitudinem retinebant; in 

illo numerus ad 160, in hoc, quod alias vix centam aegrotos continet, ad 

quad ringentos ascendebät. Praeterea metuendum erat, ne nri»s a sedi- 

tiosis defenderelnr , vi caperetnr eique baee illave damna ferrentnr, quid 

4uod legibus earomqne cura fere cessante quilibet sibi suisque pessinia 

quaeque accidere posae aestimavit. Quae quam ita sint, animns sex per 

septimanas perpetoa variaque commotione deprimebatur. Qoia est, quin 

hisce sab ionditionibus graviores morbos eosqne epidemicos, thypbosoa 

▼erbi causa exspectasset V Attamen tale quid non accidit, typhi, dysen- 

teriae etc. casus non frequentiores , quam annis praeterlapsis, iique tIx 

oontagii saspicionem movemnt** 

In der klinischen Anstatt war der Krankheitszustand durch die grosse 
Zahl der dorthin gebrachten Soldaten allerdings ein bedeotender, zumal 
im Vergleich zu früheren Jahren; erwägt man aber, dass tou 1140 in 
dieser Anstalt behandelten Kranken nur 24 gestorben sind , nnd dass von 
285 Andern y welche -nicht aufgenommen wurden, anch nicht ein eintigar 
gestorben ist, so wird man gewiss sehnlichst Yorlangen, die Grunde zu 
erfahren, die ein ebenso seltenes, als erfreuliches Resultat herbelgefohrt 
haben. Diese werden nun von dem Redner näher entwiofcelt und zum 
Tbeil speclell angegeben ; zum Theil stellen sSa sich ans der Beschaffen- 
heit der einzelnen Krankheiten heraus , Welche hier beeonden dorehga- 
fährt werden und, dem bei weitem gräzsten T)ieilo nach, zu den mildern 
ond weniger gefährlichen geborten. 

Möge es uns vergSunt sein , hier noeh die gewichtigen Warte bei- 
zufSgen, mit welchen der Redner am 8cMassa seinas Voitraga an die 
jängem Medietner sich wendet: 

„Ad TOS rae converto, commilitones düecUssimi , qni slndio seien- 
tiae roedicae operam datis, artemqne sahitarem qnandoque exercitnri estta. 
Btenim consulto ea non tetigi, quae de theoria merboram* anpra comme- 
moratornm dici possint et acquievi in eo, qood artem apeolat. Noiit« 
inde oonclndere, scienUam miuoris habendam esse. Tantum enim abeat, 
nc ea, quae ex fida experientia deducta et abstracta sunt, et singnla pbae- 



*) Das Bezirkastrafgefangniss. 



BeiSrdeningen und E|ireRbeieig«iig«n. 211 

nomena, caoaasfiae morborain inter m conjangant et expKcant, negligen- 
da flint, ut potios nemo hoc stodioiii, eUi vellet, evitare possit, idem- 
qoe natorae hcmianae congroum et neceesarimn sit. Inde qaidem redun- 
dant itia aystemata medicinae, qaae, Qtot erronea, imperfecta artiqao 
miniu coDgrua, tameu taraquam doeameota ingenii etudtiqae aactorom 
digaa ftont, qoae historia medicinae posteritati coneerTet. AKod vero , 
est artem faeere , aliud icieatiam colere. Haec illam qaidem adjavare et 
pro parte docere, haodqnaqnam regere debet; qoare »binde accidit, et 
ip«e aactor et inventor aystematis cujaadam ad lectos aegrornm ejasdem 
oblivisceretar atioque modo de rebus medicia dissereret, alio ageret. 
Nolite igitur nimiam fidem habere veteram aeqoe ac recentiorum tbeoriae, 
syttemati aot bypotheaibog in arte facienda, ntt enim veteres hypothesi« 
baa oniTorsam acientiam illnttrare atodebant, sie recentiores minima« qnae- 
qae ejasdem partes reapiciant. Nolite eos sequi et imitari, qui aegroa 
carare videntor, nt ea eomprobent, qoae invenisse eibi videntor. Imite- 
mini potias Hi^ocraf em , ^defiAomum aliosque , qui libere et aincero 
animo systemati non addicti, aut a Tincnlis ejus Uberati artem exercent« 
Scitote, morbom sdentiae, aegrnm Tero artis esse! pro Tirtbus scientiae 
operara dato! ntivra doiciftaS^TSl curatote vero non morbum, sed ae- 
grotitm. '* 

An der Universität selbst fanden im Laufe des Jahres 1860 die fol- 
genden Verandemngen statt: Durch den Tod verlor dieselbe den Profes- 
sor der Rechtswissenschaft, Dr. Montadt» An die Unirersitat Freibarg 
Mrard als Professor der Botanilc berufen der Privatdocent Dr. Afeftentus. , 
In der theologischen Pacultat erhielt Professor Bundeshagen den Cha- 
rakter eines Kirchenraths ; von Erlangen ward Dr. Sehoberkin als ausser- 
ordentlicher Professor in dieselbe li^acnltät berufen. In der philosophi- 
schen Pacultat ward der ausserordentliche Prof. RSth sura ordentlichen 
Professor der Philosophie ernannt; antjBr die Zahl der Lehrer wurden 
aufgenommen : Prof. Hefmann aus Moskau (für Philologie) und die Pri- 
yatdocenten Dr. WUhdmji (für Physik), BomWägw (für Chemie), Qoe- 
peg (für englische Sprache und Litteratur) und Kuno Fiieher (für Philo- 
sophie). An der Bibliothek ward der bisherige Bibliothekssecretar Prof. 
Saehsee zum Bibliothekar ernannt« Prof. und Bibliothekar WeU ward ^ 
sum Mitglied der American Oriental Society zu New-York erwählt. Pro- 
motionen fitnden folgende statt: In der theologischen Pacultat (noch 
am Schlüsse des vorigen Jahres , am 19. Dec. 1849) : /dboft Wilhelm Karl 
Penningion^ Prediger der presbyter, Gemeinde au New-York, „qui (so 
lauten die Worte des Diploms) e Chami posteris natus Aethiops idemque 
servus candore animi se oronibns commendabiiem reddidit ac faber fer- 
rarins thesauri illius ezeraplo salutarem Evaagelli dlscipUnam pressnle 
amplexus est neqne vero se solom in libertatem corporis animique vindi- 
cavit, verum etiam popuiarium suornm mentis caliginem discotere sordes» 
quo ezpuTgare usque et usque annititur, denique pectore pariter disertns 
atqne literls ernditus noper admodum in conventn Ulo pacifico Lutetiae 
Parisiomm oratoir Europaeorom quoque ocolos in se convertit iisqoe in* 
teWgentiam snaai ezperientiamqae conprobavit.'^ In der Joriatischea 

14* 



212 Schul- uod UnivenititMachricliUn, 

Facnltat fanden 1& Promoüonen statt , in der medicinischen l ond 
in der philoaophiachen 7. — r Die im irorigeu Jahre gestelHen 
Preisfragen ergaben folgendes Resnltat. Die med icini sehe Fa- 
cnltat hatte verlangt i. „Genaue ond zahlreiche Untersuchnngen des Ma- 
gen» nnd D^irminhaltes ¥on Embryonen Terscbiedener Thiere und aas 
verschiedenen Lebensaltern,. insbesondere in mikroskopischer Bexiehnng, 
um SU erfahren, ob das Verschlucken der Amniosflfissigkeit und der in 
ihr befindlichen Haare und Bpiihelinmpartikeln ein constanter und gesetx- 
massiger Vorgang sei." Diese Frage wurde von Ludwig Thudiekumf 
Bind, med. aus Büdingen im Grossh. Hessen beantwortet und der Ver- 
fasser des Preises würdig erkannt. 

Die yon der philosophischen Facnkat gestellte Preisfrage: 
„Variae lonicornm s. Physicornm de aeterna rernm maieria senteniiae ex- 
plicentur atqne iUostrentur" wurde von dem Studiosen der Philologie 
Theodor LoMeüi ans dem Badischen gelost und ihm der Preis von der 
Faeultät zuerkannt. — Die« von der theologischen und juristischen Fa* 
cultät gestellten Fragen wurden nicht beantwortet. 

Für das Jahr 1851 wurden folgende Preisanfgaben gegeben: 

a) Von der theologischen Facultat: 

„ A ecurate describatur rera indoles commnnienis, quae dicitur, bono* 
rum in eeclesia Hierosolymitana; comparetur haec communio bonorum 
■ ex una parte cum illa , quae apud Kssaeos flornit, ex altera parte cum 
ea, quam hodie comounismum vocant, roonstretur, quid momenti ha^ 
beat illa primorum Christianorum consuetndo In constituenda ecdesia 
hujos temporis evangelica.^' 

b) Von der juristischen Facultat: 

„Colligantnr et explicentnr sententiae de jure hereditario, quae inspoi- 
culo tarn Saxonico quam Suevico coniinentur et praesertim , quomodo 
inter se conveaiant «nt discrepent , demonstretur." 
e) Von der medicin Ischen Facultat: 

„Die Behauptung BerfiJknrd^s, dass auf Verletzung eines bestimmten 
Himtheiles bei Thieren, Zucker im Harn erscheine, ist durch Ver- 
suche zu prüfen. " 
d) Von der philosophischen Facultat: 

Bine philologische: „Quaeratur , qnamnam philosophornm scholam 
ac doctrlnam Tacitus secutns sit.'' Und eine national-oconomi- 
sehe: „Quaeratur de indiciis, ex qutbus opum copia atque tributorum 
solTendororo facultas in populo quodam cognosci possiu" 

Anmerkung. Beantwortete Preisfragen müssen spätestens am * 
15. Oct. 1851 bei dem Denan der betreffenden Facultat eingereicht wer- 
den. An dem Tage, wo die Aufgabe eingereicht wird, mnss der Ver- 
fasser noch Civis academious sein, [4^] 

Pfpbvbd&o. Zu dem Liehrerpersonale, das am Schlüsse des toH- 
gen 8chuljahres«|g der Anstalt wirkte , trat su Anfang dieses (1849 — 50) 
der geistliche Lehrer Etkert, welcher nach allerhöchster StaatsministeriaU 
Bntscblieeanng Tom 31. Sept. 184d ^on dem Lycenm in Heidelberg an das 
hiesige mit der heberen Bürgerschule ▼ereinigte GyoMiasium versetzt 



BelorderoDgeo und Ehreobeceigangen. 213 

wurde. Die einzige Storang, welche der Unterricht im Laufe des Schul- 
jahres erlitt y wurde durch das immer mehr suhehraende Unwohlsein 
des Lehramtsprakticanten Büekier reranlasst, welchem es vom 9. Juli 
an unmöglich wurde, seinen Unterricht bis som Schlüsse des Schuljahres 
fortausetsent Die dadurch ausfallenden Stunden besorgten die ubrig<*n 
Lehrer. — Das durch Versetzung des Oberamtmannee van Teyffel er- 
ledigte Bphorat, welches derselbe vom 4. Juli 1849 bis zu seinem Weg- 
zuge nach Weinheim mit grosser Liebe und Bereitwilligkeit verwaltet 
hat, wurd« von dem Grossh. Ministerium des Innern dem Oberamtmanii 
vün Faber obertragen; ebenso von derselben hohen Behörde das durch 
Vecsetsnng des AmMrevisors Kühf nach Heidelberg erledigte Ehrenamt 
eines landesherrlichen Commissars des Verwaltungsrathes des Gymnasioms- 
fonds und des Fonds der höheren Burgerschule. — Von den landesherr- 
lichen katholisch-theologischen Stipendien worden von dem katholischen 
Oberkirchenrat he die Summe von 850 ft. für 12 Schaler des hiesigen Gym- 
nasiums bestimmt. — Die Gymnasiumsbibliothek sowohl als auch das phy- 
sikaliBche and Natnraliencabinet word«n durch Anschaffungen werthvoller 
Werke und Apparate sehr vermehrt. — Das Personal des Gymnasiums 
und der höheren Burgerschule ist folgendes: Bphoros: Oberamtmann von 
Fdbm". Lehrer: TroUer, Prof. und provisorischer Di rector; E^ert, geist- 
licher (kathol.) Lehrer; Aftiller', geistlicher Lehrer und evsngel. Pfarrer; 
Ropp, f^ehramtsprakticant ; BüehUr, Lehramtsprakticant; Bruntier und 
Lehmann y Reallehrer; Schreiber, HSlfälehrer und Prädicatorverweser; 
Afffssner, Gesanglehrer (Oberlehrer an der Stadtschule); Köhler y Lehrer 
der Instrumentalmusik (Oberlehrer an der Stadtschule). Verwaltungs- 
rath: Präsident: Oberamtmann von Fofter; Mitglieder: der provisor. Di- 
rector Troder; Lehrer Eekert; Bfirgermeister Wiedemer; Verwalter Ko- 
nig; Verwalter Ewmgery als Verrechnen. ^- Die Anstalt besuchten Im 
Laufe des Schaljahres 70 Scholer. 

Als wissenschaftliche Beilage ist dem Programme beigefügt: „flwfo- 
riscAes Regieter su C. Julkie Ca$ar*$ Denkwürdigkeiten des gallischen und 
Bürgerkriegee von j4» Rapp. Freiburg , 1850. Buchdruckerei von Franz 
Xaver Wangler. 64 S. in gr. 8." Dieses Register ist mit anerkennens- 
wertbem Fleisse (in alphabetischer Ordnung) abgefaest, konnte aber aas 
oconomischen Rocksichten nicht einmal bis zur Hälfte erscheinen. ESs 
schliesst mit EratoHhenee, — Bei dieser Arbeit worden Oudendorp\ 
Hertog^e und Bmimsfarfc^s Ausgaben von Cäsar benutzt, so wie auch Dru- 
mann*» Geschichte Refms, OrdWe Önomasticdn Tollianum, SüpfleU Cioe- 
ronis epistolae selectae und Jbeken'i Cicero in seinen Briefen. — Deo 
(106) Personennamen sind die betreflTenden Stellen , in welchen sie vor- 
kommen, beigesetzt and die Beziehungen angegeben, in welchen sie ge- 
nannt werden* — Der Fortsetzung dieser Arbeit, welche der Verfasser 
im Dfichsten Programme verspricht (8. 64), sehen wir mit Vergnügen 
entgegen. [#] 

Rastatt. Im verflossenen Schuljahre 1849 — 50 bedingten fol- 
gende Verhältnisse des Lehrerpersonals Aenderongen der vorjührigen 
Stundenvertheilotig (NJahrbb. Bd. LVIIL Hft. 4. S. 445). Durch höchste 



214 Bdi^' ud DoJTeirilitwMifhTidrtdB, 

atMteBUiiflerialMtacUiaMaiic 8r. KSäigL Hohdt dec GnmkoRogi rem 
39. Decbr. 1860 wsrd« don Prof. JMb — seit 11 Jahrea an der hieftgea 
AeiUlt thilic -^ die Pfarrei Fendeelieini übertrafen. Bei amem an 
Oatem stattfefendenen Abisfe iibemalial den grosaten Tlieil seiner Lehiw 
lieber, da der doivb Briass des Grosab. Miniaterinaia des Innern vea 
8. Febr. 1850 ibn an eraetaen beatimste Pfiumrerweaer OMmg in Ger- 
lacbabeiBi ein Abiebnungsgesoch eingereicht hatte, einstweilen der Can- 
didat JiVana Bmm-m Spater wurde dnrcb Anordnung der betreffenden 
beben Kircben- ond StaaUbeborden de» Vicar Bmk von Sinsbeim deasen 
8ielie proTisoriseb nbertragen. Bei der im Janoar 1850 eingetretenen 
BrkraniLttng dea Prof. Dr. Wmk wurden, da eine andere Anabnlfe nicbt 
tbnnlich war, dessen Lebrstnnden von den Celiegen Sdbiq^er, Jfnbn, 
#«dUer, NMoInt, liemanan», Bitter« und SdUM^ Die 

Bibliotbekarstelle aai Lyreum wurde durcb Briass Gressb. Oberstndiea- 
mtbes vom 12. Ner. 1819 de« Prof. ^ßeelei nbertngen. Yemidirt wurde 
die Bibtiotbek und Sammlungen der Anstalt tbeils dnrcb Anacbaffangen, 
unter welchen besonders daa deutache Nationnlweric „Monumenta Ger- 
maniae historica** au erwähnen ist, tbeils durcb wertbvoUe Geschenke. 
Wahrend des Schnljabrea wurde die AnaUlt ▼on 146 Scbiiiem beancht. 

Die mit dem Programm ausgegebene wisse n s ch a ft liche Beilage hat 
den LyceuBulehrer Dr, J. Itoueh tum Verfoaaer. Sie fuhrt den Titel: 
ffZur Brfarm dw hmSmAm GHArttmOmim. Raatalt, 1860. Bncbdmcke- 
rei von W. Maier. 42 8. 8.^ Der Raum gestattet uns nicbt, ausführ- 
lich auf diese Schrift ihrem ganaen Umfimge nach , cinsugeben. Wir 
müssen uns daher damit begnügen, den Hanptinhalt derselben in Folgen- 
dem snsammenanftssen. Um einerseits den Bedürfnissen der an Handel 
und Gewerbe bestiauaten ZogUnge nicht erst auf einer hohem Stufe in 
besondern Schulen an genügen, aondem ihren Unterricht von Anfang an 
ihren Zwecken gemäss an leiten, und andererseits die classischen Studien 
nicht nur in ongeschmalerter Ausdehnung an erhalten, sondern in vrirk- 
samerer Weise an beleben, als es Jetai geschehen könne, soll in den 
Mittelschulen (S. 10) der Unterricht im Latebischen bis an dem Zeit- 
punkte, wo ober die Wahl des Berufes und somit des Bildungsweges ent- 
achieden ist, bis nm vierten Jahreacnrae gana wegfallen und in den fol- 
genden Jahren die den Gyranasialstudien sich widmenden Zöglinge dafür 
um ao eindringender und erfolgreicher, mit steter BeHicksichtigung des 
. nationalen Blementea, ia die classischen Sprachen und Litteratnr einge- 
führt werden. In den drei ersten Jahreacursen , welche S. 41 als Unler- 
^Qfmnosium beaeichnet sind, soll gelehrt werden: Religion in je 2 Wo- 
cbeostunden, Deutsch in I. und II. In Je 6 und in III. In je 4 Stunden. 
Franaosisch beginnt in III^ mit je 6 Sttinden. Rechnen und Geometrin 
in den drei Jahreacursen in je 3 Stunden. Naturgeschichte in je 4 St. 
Geographie in I. und II. in Je 4 Stunden und in m. in je 3 St. Kalli- 
graphie in I. und IL in je 2 St. und b III. in je 1 St. Zeichnen, Ge- 
aang and Turnen in Jedem dieser Cnrse mit Je 2 Standen. Die Lehr- 
gegenst&nde des Obergjrmnaunms, welches die sechs weiteren Jahrescnrse 
gnhaita, waren folgendet Religion In jedem der 6 Curse Je 2 Standen 



Deforderangen und Bhrenbexelgnngcin. 215 

wöchentlich. Dentfcfa in!., fL ond 111. je 3 Standen, in IV. 4 Stand., 
in V« 3 Stand, und in VI. Je 4 St. Griechiach in dem enten Semeater 
dea 1. Jahrescnraea wochenllich 13 Stunden; dann ini zweiten Semeater 
bia xam ö. Jabreacnrae 8 Standen and im 7. 7 Stunden. Lateiuiacb wurde 
mit dem sweiten Semeater dea 1. Curaea mit 4 Stauden wöchentlich be- 
gonnen, in II., III., IV. Qod V. mit 6 and in VI. mit 5 Wochenatunden 
fortgeaetzt. Fransöaiach in I. in 4, in II. and IIL in je 3 und in IV., V. 
nnd VI. in je 2 Stunden. Phiioaophiache Propädeutik in V. und VI. in 
je 3 Stunden. Geachichte in allen Curaen, mit Ausnahme dea fünften, in 
je 3 Stunden. Mathematik and Phyaik in I. und II. in je 3, in den nbri- 
.gen Jahreacnraen in je 3 Stunden. Syatematiaehe Natorgeachichte In 
III. and IV. in Je 3 Stunden. Poiitiache Geographi« in V. iu 3 Stund. 
Zeichnen in I. und II. in Je 2 Stunden« Geaang und Turnen in allen 
Curaen in Je 2 Standen. 

Fiir den deatachen Sprachnnterricht , welchem der Verf. einen weit 
groaaeren Antbeil an dem GymnaaialnoterrichU} zageachrieben wiaaen will, 
ala jetzt geachieht (S. 37), ond für den ein ganz anderer Weg einge« 
achlagen werden mfiaae (S. 39), giebt er Tersuchaweiae einige Punkte za 
einem künftigen Plane und aetzt dabei die atete Bennteong einea reich- 
baltigen nnd gaten Leaebuchea überall voraua , welchea beaondera für die 
oberen Claaaen den Blick in die eigentlichate Thatigkeit dea dentachen 
Gelatea, der Lösnog der hochaten Prägen dea Geistca und Lebena eröffnet. 

Der lateinische Sprachunterricht aoll, wie ea S. 34 beisst, aufhören 
den Mittelpunkt dea Gymnaaiainnterrichtea zu bilden. Die lateinische 
Lecture wird (S. 36) beachrankt auf Caaar de hello Gallico, Cicero^a nnd 
Uvina* Reden, Cicero*a Laliua, Tacitua, einige Elegien von Tiballna, 
Propertina ond Ovidiua, VirgiPa Aeneia lib. I bia IV nnd Horatina« Die 
griech. Leetüre wird dagegen (S. 37) ao ausgedehnt, daaa nicht nur Ho« 
mer , aondern auch der- gi;oa8te Theil von Herodotos , aehr Tielea aua 
Thukydidea und Xenophon'a historiachen Schriften , Demosthenea' Philip« 
picae, Xenophona Memerabilien und von Piaton auaaer der Apologia and 
dem Kriton auch die Dialoge Phädon, Phadrua, Protagoraa, Philebua und ' 
Abachnitte aua der Republik geleaen werden. Neben Sophoklea und Bn- 
ripidea aollen auch einige Stunden auf griechiache Elegiker und Theocri« 
tna gewendet werden. 

Ana dem Angeführten ist eraichtlich , daaa nach dem Vorschhige dea 
Verf. in den drei nnteraten Jahreacaraen kein lateiniach gelehrt , aondern 
dieaetf erat nach dem Griechischen in dem zweiten Semester dea 
vierten Jahreacnraea angefangen werden aoll , und zwar in der Weiae, 
daaa daa Griechiache durchweg mit einer grosaeren wöchentlichen Stun- 
denzahl bedacht werde ala daa Latelniache. Waa nun dieaen Vorschlag 
aelbat angeht , ao iat er nicht neu. Wir erinnern an Herhört (Pädagogik 
8. 31. 267 ff.) , Dwsen (Anleitung für Erzieher die Odyaaee mit Knaben 
M leaen) , van Haude *) (Briefe ober die Natur nnd den Zweek dea ho- 



*} Tan Henade aagi in der angeführten Stelle: „So leite der lioh- 
rer dann von der nnteraten Abtheilang an drei auf einander- 



216 Schal- and Universitatsnachricblen, 

faeren Unterrichts, uhersetst von Klein S. 117. 118), Niemeser (Grand- 
fifitze der Brziehong und des Unterrichtes Th. II. 8. 526. 527); allein für 
praktisch aosfuhrbar in öffentlichen Schulen ist dieser Vorschlag von den 
meisten Schulmännern nicht gehalten worden. Ja es wird sogar , beson- 
ders in der neuesten Zeit , die Furcht geäussert, es könne an uusem 
Mittelschulen dahin kommen, dass das Griechische nicht mehr far alle 
Schuler obligatorisch sei. Ueber diese Sache spricht sich Schwan (Lehr- 
buch der Methodik. Dritte Ausgabe. S. 120) folgendermaassen aus; „Ob- 
gleich die griechische Sprache Geist und Gemuth am meisten bereichert, 
mit der deutschen naher verwandt , und auf die lateinische bildend einge- 
flossen ist , so' müssen wir doch ^^^ lateinischen im Jugendunterricbt den 
Vortritt lassen , weil sie in ihren Begriffen etc. unsere jetzige (abend- 
ländische) Cujtur hauptsächlich hat erzeugen ^helfbn, durch ihre logische 
Vollkommenheit den Verstand ganz ▼orzuglich schärft, und als die ans 
naher liegende auch die leichtere ist, und zu. der hoher hinauf bildenden 
griechischen den Weg bahnt; doch so, dass der Unterricht in diesec 
letztem nur im Anfange einige Schritte hinter der ersteren her, aHmaUg 
aber mehr zugleich , und endlich Hand in Hand mit ihr geht.*' [^f:] 

Wbrtbbim. Nach der Brnennung des Hofrathes Professor PiaU, 
welcher seit 1821 an der Bildungsanstalt seiner Jugend und Vaterstadt 
treu und verdienstvoll gewirkt hatte , zum Archivrathe bei dem Grossh. 
General- Landes- Archive zu Carlsruhe, übernahm Anfengs Decbr. 1849 
der Prof. Ed, FohUaek provisorisch dessen Lehrstunden, und wurde da- 
gegen in den eigenen vom Lyceallehrer Caspari vertreten. Den Unter- 
richt des Letzteren in Tertia übernahm vorlaufig seit dem 13. Dec. 1849 
der Lehramtsprakticant Fr, Müller aus Wertheim , und wurde durch Br- 
lass des Grossh. Oberstudienrathes vom 31. Decbr. 1849 darin bestStigC. 
Durch Erlass des Grossh. Oberstudienrathes vom 10. April 1850 wurde 
Prof. Hertlein zu Mannheim in die zweite Lehrstelle seiner Vaterstadt 
Wertheim wieder zurückversetzt; dagegen der Lehramtsptakticant Atneld 
aus Carlsruhe vom Lyceum zu Wertheim an das Pädagogium zu Pforz- 
heim berufen. Seinen bisherigen lateinischen Unterricht am Lyceum in 
Prima und Secunda übernahm der Lehramtsprakticant Fr. MüUer und die 
Lehrer Prof. Fäklueh und Caspari traten demnach wieder als Hauptlehrer 
in Quarta und Tertia ein. Durch den Erlass des Grossh. Oberstudien, 
rathes vom 25. Mai 1850 wurde dem dritten evangel. Pfarrer Müklhau»9er 
zu Wertheim der Unterricht !n der Religion in 8 Stunden wöchentlich u. 
in der hebräischen Sprache in 6 Standen wochentl. de&nitiv übertragen. 



folgende Jahre die Grammatik der lateinischen Sprache, wahrend sein 
Amtsgenosse der zweiten Abtheilung in dieser Classe das nämliche 
für das Grieehische anfangt, und die Grammatik dieser Sprache, indem 
er griechische Themata machen lasst, auf der dritten und den folgenden 
Classen unterhalt. Ungekehrt hütte ich's lieben erst das Griechische 
und dann das Lateinische; hierzu aber scheint unser Jahrhundert noch 
nich^ reif zu sein, obschon es einstens doch wohl so eingerichtet werden 
wird; früher oder spater schlagt man den Weg der Natur ein. Aber 
^rst fürs Gegenwärtige gesorgt!^' 



Befordernngen nod Ehrenbazeigungen. 217 

Es ertheilte derselbe aber nach freiwilflger and genehmigter Trennang 
der dritten ond vierten Religionsciasse in der Religion wöchentlich 10, und 
in der hebräischen Sprache wöchentlich 6 Stunden in drei Abtheilungen 
Unterricht. — Nach dem Abgange des kathol. Religionslehrers Coopera- 
tor OeUutgf welcher seit dem 14. Dec. 1846 mit gewissenhafter Bemfs- 
treae am Lycenro gewirkt hatte, trat den 14. No?. 1849 der katholische 
Religionslehrer Cooperator Aieg^el in 8 Standen Religtonsnnterricht wö- 
chentlich fnr ihn eip. Der wochentl. Gesangnnterricht in 4 Stunden 
warde durch Brlass des Grossh. Oberstndienrathes vom Sl. Decbr. 1849 
dem Masiklehrer fftidt in Wertheim provisorisch übertragen. 

Durch Beschluss des Grosshersogl. kathol. Oberkirchenrathes vom 
S. Dec. 1849 wurden an fünf kathol. Lyceisten in Giasse V. u. Vf., Viel- 
ehe sich der kathol. Theologie widmen wollen , im Gänsen 225 fl. an Sti- 
pendien fSr das Sommersemester 1849 vorscfariftsroassigTertheilt. In 
den Lyceoms- Verwaltnngsrath ist für Prof. Dr. Neuber der Lyceallehrer 
Cospart eingetreten. Seit mehreren Jahren war Prof. Neuber ein frei- 
williges und diensteifriges Mitglied dieses Collegiums , was dankbar von 
der Anstalt anerkannt wird. Die Schnlerxahl betrog im Laufe des Schul- 
jahres 140. Unter diesen waren 95 Protestanten, 44 Katholiken und 
1 Israelit. Bei dem Schlüsse des Schuljahres waren 116 Schuler anwesend. 

Als wissenschaftliche Beilage sind dem Programme von dem Prof. 
Hertlein beigegeben: ^^KrHitche Bemerkungen zu JuliarCe Schriften. 
Wertheim, 1850. Druck der Muller'schen Buchdruckerei. 27 S. in gr. 8.<< 
Diese Bemerkungen schliessen sich an die von dem Verf. im Jahre 1847 
gleichfalls dem Programme des hiesigen Lyoeums beigegebenen ,,&mendif- 
fioiies Jultaiiae" an. Auch bei dieser Arbeit fehlte dem Verf. die Aus- 
gabe des gelehrten und scharfsinnigen Petavins, wie überhaupt neue 
handschriftliche Hfilfsmittel ihm nicht xn Gebote standen. Er war daher 
▼«rsnglich auf sich und seine Kenntniss des Autors beschrankt. Auf Ein- 
celnes einxugehen gestattet der Raum nicht. Wohl aber müssen wir auch 
von den vor ans liegenden kritischen Bemerkungen aussprechen, was schon 
bei der Anzeige der Emendationes Jutianae (NJahrbb. Bd. 51. Hft. 3. 
S. d02) bemerkt worden i^t, dass nämlich anch sie sehr evidente Verbes- 
serungsvorschlage an einer grossen Anzahl von Stellen enthalten , und sa 
der Erwartung berechtigen , dass die von dem gelehrten und scharfsiAni- 
gen Verf. beabsichtigte neue Ausgabe dieses jetzt nur wenig gelesenen 
und berücksichtigten Schriftstellers gewiss allen billigen Anforderungen 
entsprechen werde. Möge es dem Verf. möglich werden , dieses Werk 
recht bald erscheinen zu lassen ! [^] 



218 Erklärungen. 

Erklllrungen. 

Bin Paar Worte stur f^erständigung für Herrn K. W. Krüger. 
Herr Krager beantwortet die in dieeen Jahrbüchern Veröffentlichte 
Erklärung, in der Hr. Hertlein die von jenem in dem Scbriltchen „üeker 
dieJ^andUehHe Art Seh^mugaben zu fmiigen'^ gegen ihn gesehlenderUn 
Vorwurfe und Schmähungen zurückweist, mit einem neuen Produkt aei- 
nea Zornea , betitelt: „I/efter fiagiaUy «tue X^euterolog^/' Nachdem er 
darin aeine Anklage gegen den neuesten Heransgeber der Anabasia und 
gegen die Weidmännische. Buchhandlung Ton Neuem begründet sn haben 
glaubt ,. wendet er aich gegen Unterseichneten , auf dessen Urtheil in der 
in dieser Zeitschrift (noch vor Erscheinen der ersten Kruger'achto An- 
klageschrift) niedergelegten Recenaion der Anabasis von Hertlein die an- 
gegriffene Verlagsbuchhandlung hingewiesefi hatte» Zonächst Teraulasat 
ihn die Behauptung des Recensenten, ^ydass die Ausgabe tou H» nicht 
weniger berechtigt und in ihrer Art nicht weniger mustergültig aei aia 
die von Kr.," sn folgender Aeosserung: „Wir wollen die kecke Behaup- 
tung prüfen. „„ Pur nicht weniger berechtigt.'"' Waa yerateht denn 
der Mann unter Berechtigung? Giebt es etwa eine andere als die auf 
Leistungen gegründete? Und will Hr. Br. behaupten, daas Hr. H. in 
Stoff und Form der Anmerkungen eben so viel geieiatet ala ich?" Hier- 
auf diene zur Antwort, dasa die Berechtigung einer neuen Schulauagube 
lediglich auf swet Prägen beruht. Die eine iat< war ein Bedurfniaa dasa 
vorhanden ? Die zweite : iat diesem Bedürfniss Genüge gethan ? Steht 
die Frage so, dann ist die Anabasis von H* ganz gewiss nicht weniger 
berechtigt, ala die von Kr. Denn Bedürfniss war eine Bearbeitung dea 
vielgelesenen Schulbuchs wie die von H., weil die einzige unter den vor- 
handenen, die mit ihr verglichen worden kann, nämlich die von Kr«, er- 
atens nur da zweckmässig zu brauchen iat, wo die Kriiger'sche Gramma- 
tik eingeführt ist , zweitens weil eine grosse Zahl von Schulmännern den 
grossen Reicbthnm von Anmerkungen nnd besonders die zahlreichen Ver- 
weisungen auf die Grammatik , wie sie sich bei Kr. finden , fär unzweck- 
mässig hält, drittens weil der Preis der Kroger'achen Anabasia vor deai 
Erscheinen der Hertlein*schen Ausgabe für ärmere Schüler viel zu hoch 
war. Diese drei Punkte sind bo evident , dasa ihre Wahrheit ausser von 
Hm. Kr. gewiss nur von sehr wenigen Sachkundigen *~- unter diesen ist 
mir nur Sintenis bekannt , auf den sich Hr. Kr. beruft — nicht anerkannt 
wird. Den ersten Puokt sucht Hr. Kr. in der vorliegenden Schrift da- 
durch zu widerlegen, dass er yersichert, sein Buch werde „viel mehr an 
Orten gekauft, wo seine Grammatik nicht eingeführt sei." Das wäre in 
der That seltsam und Jedenfalls von der liaturlichen Ordnung der Dinge 
geradezu ab». eichend Doch Hr. Kr. beruft sich auf seinen Commissionäri 
und dagegen giebt es keine Appellation. Gleichwohl wird ea ihm schwer- 
lich gelingen , es einigermaassen anschaulich zu macheo , wie ein Schaler 
die zweite Ausgabe seiner Anabasia, in der die grammattffche Erklärung 
mit sehr spärlichen Ausnahmen in blosser Verweisung auf seine Gramma- 
tik besteht, ohne die letztere in der Hand zu haben, zur Gewinnung dea 



BrUirnngen. 219 

granniatiicheii VcntandniMes su bemitieo habe« 80 lange er diesen 
Naehweia nicht fSr alle uberzeogead geführt hat, wird er aUen denen, 
die ana inethodisehen Gruaden anderer Uebeneagang sind , seine Aasidit 
ond seine Ausgabe onniogtich aofdringen kennen, ja er darf diess nicht 
einmal wollen, wenn er sich nicht mit sich selbst in den stärksten Wider- 
sprach setsen will. Wir lesen nämlich in seinem Schriftchen : „Ueber 
die handlichste Art^* o« s. w., wo es galt Hertlein an widerlegen, der in 
der Vorrede seiner Anabasis das Verihhren, gar keine Grammatik %n 
citiren, sa rechtfertigen sacht. Folgendes: „Darum muss es mir als volHg 
unbegreiflich erscheinen , wie man bei Ablassung einer Schnlaulgabe, in- 
inaL griechischer Schriftsteller,' der Grammatik entrathen könne. Bine 
Seholausgabe, die keine Grammatik an Grunde legt, ist in der That für 
keine Schule tanglicb/' Ist das begründet — und das Ist es allerdings, 
wenn nicht, wie es bei Hertlein wenigstens in den meisten Fallen, ob* 
wohl nicht immer genagend geschehen ist, die Anmerkung selbst die 
Grammatik ersetat •— dana ist folgerichtig die Krager*sche Aasgabe, 
nach seiner eigenen Erklärung, für alle die Schuten nntai^ich, wo seine 
Grammatik lücbt gebranobt wird , und es ist das Bedurfhus einer andern 
Schulausgabe der Anabasis , da die €hrammatik von Kr. unter den Hun- 
derten von Gymnasien Deutschlands verhältaissmassig doch nur an we- 
nigen eingeführt ist, von Qrn. Kr. somit selbst eingeräumt. Was den 
sweiten Punkt anlangt, so beweist die Tielseitige Zustimmung, die der 
der Haupt-Sauppe^scben „Sammlung** zu Grunde gelegte Plan gefunden 
hat, hinlänglich, dass die Zahl derer, die in einer Schulausgabe nicht 
eine so consequente Anleitung anm Verständniss fast jeder grammatischen 
Besiehungim Auter, wie sie Kr. gegeben iiat, sondern nur eine Andeu- 
tang an schwierigeren Punkten gegeben, und das Sachliche, mehr als es 
bei Kr« geschehen war , berücksichtigt wissen wollen , gegenwärtig sehr 
gross ist. Drittens endlich bedarf es keiner weiteren Ausfahrung , dass 
.es ▼erhältnissmässig, wepigstens in den Prorinaial-Gymnasien nur wenig 
Schuler giebt, die für eine Ausgabe der Anabasis 1% oder audi nur 
1 Tbaler ansnwenden haben. Wenn man diesen Umstend erwägt, so 
wird man .den rechten Maassstab «ur WSrdigung folgender Stelle in un- 
serem Schrifteben finden : , Jst es denn keih pecuniärer Verlast lur mich, 
wenn ich, um mit seinem Buche concurriren zu können, genothigt bin, 
das meinige bei einem beträchtlich grosserem Umfange auf die Hälfte des 
Präses herabzusetzen? Ist es keine Beeinträchtigang , wenn die Be- 
aahlong far den von ihm abgeschriebenen Theil meiner Arbeit in -fremde 
Taschen fliesst? Ist es keine Beeinträchtigung, wenn dadurch mittelbar 
nnch dem Absätze meiner Sprachlehre geschadet f wird ?^* Hinc illae la- 
crimae ! Die Schüler sollen seine Anabasis kaufen , um dadurch veranlasst 
an werden, sich auch seine Grammatik anzuschaffen. Bs scheint danach 
fast, als ob Hr. Kr. die Gymnasien als seine pomäne 'betrachte, die er 
nur zu seinem Vortheile ansznb«iten habe. Die Schule hat das entge- 
geogesetate Interesse , und sie weiss den Herren Haupt und Sauppe und 
der Weidmapn^scfaen Buchhandlung Dank far ein Unternehmen, welches 
gute Texte und aberall wenigstens die nothigste Hälfe für die Präpa- 



220 Brklarangeii. 

ration schafft und zwar tn einen Preise, der es dem Lehrer möglich 
macht , von allen ScbSlern —^ das ist ein sehr wesentlicher Gewinn — 
die Anschaffung za yerlangen. Was die zweite Frage anlangt, ob 
die Anabasis von Hertlein dem BednrTniss genagt , so glaube ich diese in 
meiner Recension nachgewiesen za haben, und ich kann mich nicht über- 
«engen, dass ich von Hrn. Kr. in irgend einem Punkte widerlegt worden 
«ei. Demnach scheint mir die Berechtigung, nm die es sich handelte, 
aujfser allem Zweifel. Hr. Kr. findet aber Widersproche in meinem Ur- 
theil und meint n. A. durch meine Brklarnng, dass „die Vollständigkeit 
des Krnger'schen Commentars so exact sei, dass sein Nachfolger nar sei- 
ten Veranlassung zu einer Bemerkung oder einem Winke finden konnte, 
wo jener nicht bereits das Nothige gesagt hatte,** habe ich mir eine An- 
erkennung, wie ich sie dem recensirten Buche zu Theil werden lasse, 
selber „versperrt/* Als ob nicht zwei Bearbeitungen eines Autors, die 
in der Anlage verschieden sind, in ihrer Art gleich Tortrefflich sein 
konnten , wenn nnr eine jede von beiden dem Bedürfnisse entspricht, 4em 
sie dienen wilU Uebrigens beabsichtigte die Recension durch jene «nd 
ähnliche Aeusserongsn nicht blos das Verdienst Kr,*s um die Anabasis, 
sondern gleichzeitig die Schwierigkeit anznerkennen , die sich Hr. H. bei 
seiner Arbeit eben wegen Kr.'s Vorgange entgegenstellte. So sehr sie 
ihm durch letzteren einerseits erleichtert war, so war sie ihm anderer- 
seits doch auch wieder dadurch offenbar erschwert, dass Kr. den mög- 
lichst kürzesten Ausdruck, nach dem auch H. strebte, die passendsten 
Parallelstellen n. A. fast aberall vorweggenommen hatte, so dass ein un- 
erwünschtes Zusammentreffen mit seinem Vorganger selbst in der Form 
nicht selten , wenigstens nicht ohne künstliche Umschweife , fast nnver- 
meidlich war. Wenn nan Hr. Kr. meint, dass eben darum Hr. H. von 
seinem Vorhaben hätte abstehen sollen, so verlangt er, dass das Tnter- 
esse der Schale dem seinigen nachstehen soll und zwar uro einer Anzahl 
von Stellen vnllen, an denen der neue Heraosgeber mit dem froheren 
mehr oder weniger übereinstimmt. Dass diese Uebereinstimmong von 
Hrn. Kr. in einer grossartigen Weise nbertrieben oder falsch ^edentet 
hat, das habe ich bereits in meiner kurzen Anzeige der dritten Ausgabe 
der Anabasis von Kr. (Zeitschr. für Alterthomswissenschaft, 18S0, Nr. 70) 
gezeigt. Aber selbst wenn, wie dieser fälschlich behauptet, die Hilfte 
der Kruger'schen Anmerkungen in die Aupgabe von Hertl. abergegangen 
wSre, dann waren doch noch immer sieben Achtel der ganzen Arbeit 
Hrn. H/s anbestrittenes Eigenthnm. Denn der Text bei Letzterem — 
und dass dessen Beschaffung nicht den geringsten Theil der Mähe bei 
Abfassung einer Schulausgabe in Anspruch nimmt, weiss Niemand besser 
als Hr. Kr. — ist ganz nnabhangig von dem KrSger^scben , wie die Re- 
cension nachgewiesen hat, und bildet drei Viertheile des Buches. Dass aber 
diejenigen Anmerkungen bei H., die mit denen bei Kr. keine Verwandt- 
schaft zeigen , nicht braifchbar und nicht werthvoll seien , dafSr ist Hr 
Kr. den Beweis schnidig geblieben. Nach allem dem wird es hoffentlich 
aoch Hrn. Kr. — wenn er für Grdnde überhaupt zugSnglioh ist — ein*- 
leuchten , dass Unterzeichneter kelneK Grund hat, von seinem Urtheile 



BrklariiDgeii. 221 

ober seine und über di# Hertlein^ache Anabasb irgend etwas earackzu- 
nehmen. Schliessiich sei nnr noch bemerkt, dass es mir, nach meiner 
sabjectiven Ueberzeogung allerdings als wesentliche Bedingung für eine 
tüchtige Schulausgabe , namentlich für mittlere Classen , gilt , dass sie an 
einer grundlichen, grammatischen und mühevollen Praparation eine roog- 
liehst Gonsequente Anleitung gebe, dass ich es aber für die Aufgabe eines 
Recensenten einer Schulausgabe halte, die Ansicht and das Bednrfniss, 
wie es sich bei Anderen geltend macht, mit möglichster Objectivität au 
berücksichtigen, da ja die Wahrheit des Spruches, dass nicht blos ein 
Weg nach Rom führe , auf keinem Gebiete unbestrittenere Geltung bat, 
als auf dem der Pädagogik» Es giebt ebensowenig eine absolut beste 
Methode für irgend welchen Unterricht. An der Persönlichkeit des 
Lehrers liegt auch hier, wenn nicht Alles, doch das Meiste. Hätto sich 
Hr. Kr. auf diesen Standpunkt stellen wollen , dann würde er die frag- 
liche Recension richtiger und die ganze von ihm angeregte Streitfrage, 
die ich hiermit für meinen Theil für erledigt erkläre , unbefangener und 
gerechter aufgeCeuMt haben. Brettenbaeh. 



Bemerkungen zu der im Band LXL Heft 2 der neuen Jahrbü' 
eher abgedruckten Recension von dem Lehrbuche der aUgemei' 

nen Geschichte von Dr. 6r. Zeiss, 

Es ist eine häufig vorkommende Erscheinung, dass der Verfasser 
eines Buches mit der Recension desselben nicht zufrieden ist. Der Unter- 
zeichnete ist nicht in diesem Falle , da der Recensent von dem Buche 
selbst so viel wie nichts gesagt und nach einer , jetzt freilich etwas in 
Verruf gekommenen, Recensenten*Manier an den Bruchstücken einer Seite 
der Vorrede seinen Scharfsinn zu zeigen versucht hat. Es ist nicht 
meine Absicht, auf eine Widerlegung aller einzelnen Bemerkungen des 
Recensenten einzugeben, sondern ich erlaube mir zunächst nur die eine 
Seite, welche den Unwillen des Hrn. Rec. erregt hat, im Zusammenhang 
mitsutheilen , damit der Leser selbst zu urtheilen im Stande sei. Es 
scheint mir das um so noth wendiger, da fast alle Bemerkungen des Reo. 
ans dem Missverstehen meiner Worte, wenn nicht ans absichtlicher Ver- 
drehung derselben , hervorgegangen sind , und da dei^ Rec. das Verständ- 
iiiss seiner oft sehr unklaren Auseinandersetzungen . durch eine Masse 
falsch gebrauchter Kunstaosd rücke erschwert und sich selbst durch die 
hohnische Verachtung, mit welcher er meine Worte als Unsinn hinstellt, 
den Schein wissenschaftlicher Ueberlegenheit zu geben sucht« Die frag^ 
liehe Seite meiner Vorrede ist nun folgende: „Die allgemeine Geschichte 
zeigt uns den Entwickelungsgang der menschlich ea Bildung von den älte- 
sten Zeiten, so weit unsere Kenntniss reicht, bis zur Gegenwart. Die 
Cultur , insofern sie in den Zuständen und Begebenheiten der Volker zar 
iirscbeioiing kommt ^ bildet den Inhalt der allgemeioen Geschichte, oder, 



222 Brklinmgen. 

wie man sie aoeb zn nenneo pflegt, 4«r Weltgeiditcbte. Die aligeneioe 
Gel chichto tobh Standpunkte der Goltor uoterecbeidet sich aber von der 
Goltargeecbicbte im engeren Sinne dadurch, dass sie die Erceagnisse 
der Bildang nur im Zasammenbange mit dem sie erseogeirden Vo||[8geiete 
ond den wieder mit diesem in enger Verbindung stehenden Thaten und 
Schicksalen der Völker betrachtet; sie stellt das Staatsleben der einxel- 
nen Volker in den Mittelpunkt ihres Gemäldes, weil der Staat der Triger 
ond die Bedingnng aller Bildung ist, and ein Volk ohne Vereinigong zn 
einem geordneten Staatsleben weder Bildang noch Geschichte hat. Das 
Staatsleben eines Volkes bildet den Mittelponkt seiner Geschichte , aber 
auch nar diesen; am ihn groppiren sich alle übrigen Leistungen des Vol- 
kes, gleichsam die Ausstrahlungen des Volksgeistes. Staat, Religion, 
Litteratnr, Kunst, SKten und Gebräuche eines Volkes bilden ein organi- 
sches Gänse, sie stehen in einem engen Zusammenhange and In gegen- 
seitiger Wechselwirkang. Sie alle susammen geben dem Volke sein 
eigenthnndtches Gepräge, and ihre Kenntniss ist desshalb nothwendig, 
nm den eigenthumlichen Geist und die Bildung eines Volkes sa erkennen. 
Nicht die politische Bildung allein weist einem Volke seine Stelle und 
seine Bedeutung in der allgemeinen Geschichte an, sondern seine geistige 
Ueberlegenheit, sein Einflnssi auf den Zustand und die Entwickelung an- 
derer Volker and auf die allgemeine Bildung überhaupt. Wurde wohl 
das kleine Athen , ja das ganse Griechenland eine so wichtige Stelle in 
der Weltgeschichte einnehmen und behaupten können, wenn nur die po- 
litische Bildung in Frage käme? Gewiss nicht. Wenn aber das der 
Fall ist, wenn Staat, Religion, Litteratnr ood Kunst eng zusammenhän- 
gen , und die Leistangen eines Volkes aaf allen diesen Gebieten sosam- 
mengenommen, seine Bildung aasmachen, so darf auch in einem Lehrbncbe 
der allgemeinen Geschichte nicht die poKtiscbe Geschichte allein oder so 
▼orsugsweise besprochen werden , dass die Darstellong der fibrigen Lei- 
stungen nur wie ein Anhängsel beigegeben erscheint. fi9 mass schon in 
der Darstellong der innere Znsammenhang und die Wechselwirkung der 
verschiedenen Lebensäusserongen ond mannigfachen BHdong eines Volkes 
hervortreten. Wie die Wichtigkeit eines Volkes von dem Grade der 
Einwirkung anf die Entwickelung anderer Völker abhängt; wie dieje- 
nigen Zeiträume hervorsuheben sind , in welchen eine solche Einwirkung 
stattfand oder sich vorbereitete, so ist aach bei dem einzelnen Volke 
das aosfuhrlicher zu besprechen, wodurch dieses Volk sich aasgezeich» 
net and einen Einflass auf andere Völker ausgeöbt hat.*^ 

Betrachten wir nna die Bemerkungen des Rec. za dieser Stelle. — 
Ich übergehe es , dass der Rec. behauptet , „die engere Cnlturgeschichte, 
wie er sich ausdruckt, sei dasselbe, wofür sonst der Name Alterthnms- 
wissenschaft oder Altertbumsforscbung exlstirt.'* Wenn aber der Ree. 
sagt, ich wolle die politische Geschichte „über das Gymnasium hinans 
▼erlegen/* obgleich ich ausdrücklich gesagt habe : „das Staatsleben eines 
Volkes bildet den Mittelpunkt seiner Geschichte ,'* ond obgleich ihn ein 
Blick in das Buch selbst vom Gegentbeil aberzeugen konnte, so mass 
mich das wundern. Per Rec. bespricht dann mehrmalt die Stelle: |,die 



Erklaraocen. 223 

Cttltor, iniolern m« in den Zostinden und Begebenheiten der Volker zur 
Ersobeinnng kömmt, bildet den Inhalt der allgemeinen Geschichte,*' and 
fragt: „inwiefern die Coltnr eines Volkee in seinen Znständen ond Be- 
gebenheiten nicht zur Erscbeinang komme.*' Darauf muss ich zuerst 
antworten , dass seine Worte einen ganz andern Sinn haben als die mei- 
nigen ; meine Worte geben keine Veranlassung zu der an mich gerichteten 
Frage; ich spreche gar nicht Ton der Gultnr eine« Volkes. Aber ich 
will demobngeachtet auf die Frage des Rec eingehen nnd ihm als Erwi- 
derung die Frage Torlegen : Glaubt der Rec. , dass die ganze Bildung 
eines Menschen oder eines Volkes in seinen Zustanden und Begebenheiten 
zur Erscheinung komme? — Ich glaube das nicht. -— Der Rec. bespricht 
dann ferner die Stelle: „Die allgemeine Geschiphte vom Standpunkte der 
Cultur unterscheidet sich von der Cniturgescfaichte Im engeren Sinne 
dadurch, dass sie die Erzeugnisse der Bildung nur im Zusammenbange 
mit dem sie erzeugenden Volksgeiste und den wieder mit diesem in inniger 
Verbindung stehenden Tbaten und Schicksalen der Volker betrachtet;'^ 
der Reo« nimmt grossen Anstoss daran, dass ich sage, der Volksgeist 
stehe mit den Tbaten und Schicksalen der Volker in inniger Verbindung; 
erfragt, ob der Volksgeist über den Thaten schwebe f Zweifelt denn 
der Rec daran, dass man den Charakter, die Thaten, die Lebensein- 
ricbtüngen und die Leistungen eines Menschen unterscheiden und für sich 
betrachten kann? Ist ea denn wirklich ein Unsinn zu sagen, die Thaten 
eines Menschen stehen mit seinem Charakter' im Zusammenhange? Gilt 
das denn nicht auch von einem Volke? — Eine ähnliche Unklarheit des 
Rec. liegt auch dem weitschweifigen Tadel des Titels zo Grunde» Doch 
ich iibergehe das, da der Reo. selbst sagt, man werde ea for Wortklao« 
berei halten. 

'Der Rec. entwickelt weitläufig , aber auf eine sehr anktare Welse 
seine Vorstellung von einem Lebrbuche der Geschichte. Er scheint sich 
fSr diese Auseinandersetzung mit Hülfe von Löbeir« Methodik des ge- 
schichtlichen Unterrichts praparirt, es aber nicht bis sa der Klarheit ge« 
bracht zo haben , dass er seine Meinung einfach nnd yerstandllch ans« 
sprechen kann. Gegen alle Lehrbücher , welche seiner Vorstellung nicht 
entsprechen, schleudert der Rec. di^s Anathema. Da bis jetzt, so viel 
mir bekannt ist, noch von Niemandem der Versuch gewagt worden Ist, 
ein solches Lehrbuch zu schreiben, so trifft mit meinem Lehrbuche zu- 
gleich alle anderen Lehrbucher der yernichtende UKheilssprjich. Es 
gereicht mir daher zur grossen Beruhigung, dass der Rec. wenigstens 
sagt : „wir müssen das Buch als ein allgemeines Geschichtswerk betrach- 
ten, dessen Form es hat, und zwar als ein zwischen populären Weltge- 
schichten und für das gelehrte Pa(>licum bestimmten Geschichts werken in 
der Mitte stehendes, wie sie von Schülern der oberen Gymnasialclassen < 
gelesen werden können." 

Nachdem der Rec. als Ersatzmittel für die durch sein Verdammung s- 
urtbell beseitigten Lehrbücher, wenn auch ohne noch mit sich selbst 
recht einig zu sein, das Dictiren des geschichtlichen Lehr- 
stoffes besonders in den unteren C lassen empfohlen hat. 



224 Brklamngea. 

eriQDert er in Besiehnng auf 4en Inbalt meines Baches dreierlei: 1) dau 
ich nicht i^theils hypothetisch , theils aus der Ueberlieferang nnd dem, 
was wir von den anstanden der gegenwartigen NatnrvoUcer wissen , ein 
irgend anschauliches Bild des primitiven Menschheitslebens und der Gnl- 
tnranCange construirt,' insbesondere aber den Fortschritt Tom Jägerleben 
in seiner weiteren Bedentnng aar nomadischen oder stationären Viehzucht 
nnd Ton dieser zum Ackerbau entwickelt habe." Ich habe nicht ,, h y « 
potbetisch ein Bild des primitiTen Manschheitslebens 
constrairty" weil ich die im Yorigen Jahrhundert in den sogenannten 
Geschichtea der Menschheit bis zum Ueberdruss ausgeführten Phantasie- 
bilder von den ersten Zustanden der Menschen nicht für Geschichte halte« 
2) Vermisst der Reo. die Nachweisung des Culturzosammenhanges der 
orientalischen Völker. Zwar sagt er selbst , dass „die sporadische eth- 
nographische Darstellung für die alte Geschichte nothwendigsei;*^ femer, 
yydass für den Orient die abgesonderte nnd abgeschlossene Gestaltung 
des Culturlebens charakteristisch sei;" aber dennoch verlangt er die 
Nachweisung des Culturzusammenhanges und fordert, dass ich y,erg an - 
zende Hypothesen nicht hatte schonen" sollen. Ich habe 
den Zusammenhang nachgewiesen, so weit der jetzige Stand der Por- 
schnng es gestattet; das mir empfohlene Mittel der „ergänzenden Hypo- 
thesen" zu benutzen, verbietet mir aber meine Ansicht von der Pflicht 
des Geschichtsschreibers. - 3) Findet der Rec sieh durch „die Darstel- 
lung der indischen und ägyptischen Reilgionsformen" nicht befriedigt. 
Ich habe für meine Darstellung die besten ficbriften und namentlich ,far 
die indische Geschichte die V^erke von Lassen nnd P. ▼. Bohlen sorg- 
faltig benutzt; ich habe auch die Hauptmomente der indischen Religions* 
geschichte nach Lassen's vortrefflicher Schrift angegeben; ich habe viel- 
mehr den Vorwurf zn grosser Aosfnhrlichkeit, als den des Rec. erwartet. 

Noch bleibt mir manche Erwiederung übrig; doch das Gesagte wird 
genügen. Kampf mnss sein in der Wissenschaft vrie im Leben; die 
Wurde der Wissenschaft aber verlangt, dass der Kampf nur für die Wahr- 
heit, mit redlichen Waffen, ohne spitzfindige Verdrehung nnd mit An- 
stand geführt werde. 

Weimar« Guattw Zeus. 



Neue 

JAHRBQCHBR 

für 

Philologie ml Pädagogili, 

oder - 

Kritische Bibüotliek 

für das 

Schol- QDd Unterrichtswesen. 



In Yerblndoog mit einem Vereine von tielehrteo 

begründet von 

H. JoL Christ Jahn. 

Gegenwäftig herausgegeben 

Prof. Remhold Klotx zu Leipzig 

und 

Prof. Hadolph Dietseh zu Grimma. 




BBTOHDXWAHXICimrB« JJJ1B«AM«. 

Zweinndflechsigster Band. Drittes Heft. 



Leipsig, 185L 

Druck apd Verlag von B. G. Teabner. 




■M<r>lk>« 
ScbictMl «' ■ 
welche *e S 

halten äai 

den Pholi** »ere« 
alle lloffnuace».' 
■nrtaucbeu k«m^* .* 
Dioi>ysi(» '"* Haia«*^^ ' 
Theil , i» ■eleh«»»'»" 
kommeo. Der »«>»• ü _ K. 

nnd iiädutdieM« »«•«■' ■•! ■" 

«eben Partei PjVjj,^^ «^ ^ y, |- ^ — fr ■ ■ » _ "» **- 

fTpleiiTi.'de» ■^"•.'^'"Jftliril ■...inTS- »ir^ 
rille f eUatt «1 .-«Ktf" ^« EEÜSir.^» 

de.. Titel: "'«s"!"'' ° ,;; °p"SS;3T»- <: "-* "V""- : 

tiog thc money cif Harpain». r» ; |. «!«• Ta«~M« 

(dal. Lmdo». ■!" 1 *."«»" „„J^de. ..a -i-a.,*.^ — 

einem Anliqnit.leiil.»»''!" > ' "?° ., ^ Bede ... VU^- "»^ 
3.btelS47. Sie »oheiDcn emen lliei. oe- ^^ 



L. 



228 Griechische LiiteratiiT. 

Hyperides als Ankliger des Demoitbenes in Betreff der barpali- 
Bchen Gelder hielt. — Bei einem Ausfluge nach Theben im Früh- 
ling dea laufenden Jahrea gab ich mir alle Mühe den Ort su er- 
mitteln, woher dieae MSS. durch die Araber, welche aie auage- 
graben (thc Arab excavatora) entnommen waren, aber ohne Er- 
folg. Die Rede ist geschrieben auf Papyrusi von einer beaaeren 
Gatiung.^^ Schon nach den ersten Mittheihingen wurde in den 
Verhandlungen der genannten Gesellschaft die Vermuthung aus- 
gesprochen, dass die Bolle bei einer Mumie gefunden sein .möge. 
Diese Annahme hat seitdem durch weitere Entdeckungen dea Hrn. 
Harris Bestätigung erhalten , indem derselbe mehrere Bücher der 
lilade nnd eine grammatische Schrift dea Alexandrinera Tryphon 
aua Gräbern an alch gebracht hat , a. Ausland 1849. Nr. 227. 1850. 
Nr. 300. Die Handachrift, welche die hyperideiachen Fragmente 
enthält, befindet alch, wie Hr. Babingtou berichtet (S. XVi), in 
London unter Verachlosa bei den Banqoiera Hrn. Banking: aie hat 
nicht wieder eingesehen werden können, da Hr. Harris den Schlüs- 
sel mit sich nach Aegypten genommen hat. Indeaaen iat das Fac- 
aimile, welchea nicht in den Buchhandel gekommen su aein acheint, 
nach dem einatimmigen Zeugniss der Herauageber mit ao grosser 
Sorgfalt aoagefuhrt, dasa von der Benutsung .der Handschrift 
aelbat kaum ein wesentlicher Gewinn so erwarten ateht. 

Der Bearbeitung der Fragmente haben aich anabhfingig von 
einander mehrere Gelehrte untersogen. Zuerat behandelt die- 
selben Aug. Böckh in der halliachen AUgem« Litter.-Ztg. October 
1848. Nr. 223-227; die Abhandlung ist auch in einem besonde- 
ren Abdruck eraehienen, welcher mir vorliegt, unter dem T.: Nen 
aufgefundene Bnichatficke aua Reden dea Hyperides. Halle, 1848. 
(48 S.) 8. Um dieaelbe Zeit hatte Herrn. Sauppe seineraeita die 
Entsifferung und Brgänsung der Bruchstücke faat vollendet und 
führte aie su Ende, ohne von Hrn. Böckha Abhandlung eüiett 
Buchstaben su kennen $ seine Bearbeitung erachien in Scbneide- 
wins Philologus 3. Jahrg. 1848. Hft. 4. S. 610-^658. Eine sweite 
Recenaiön gab derselbe (April 1849) in dem Epilogua su seiner 
Auagabe der Fragmente der attlacben Redner (Oratorea AttJcl. 
P. H. p. 347—353), hier natürlich mit gebührender Rückaicht auf 
seinen Vorgänger. Endlich hat Hr. Babington dieaelbe Arbeit In 
dem vorliegenden Buche unternommen, ohne an die deutacben 
Gelehrten alch su kehren ; er bemerkt in seiner ehileltenden Ab- 
bandlong (S. XXiV. Anm ), ala daa ganse Ms. in den Händen des 
Druckers alch befand und faat alle Bogen abgesofen waren, aei 
ihm roitgetliellt worden, dass eine Abhandlung von Bockh über 
denselben Gegenatand in der Hall. L.-Ztg. enthalten sei; was sie 
enthalte, wiaae er nicht, da er aie aich nicht verachaffen könne. 
Ba Ist diese In der That auffallend, da Hrn. Babingtons Anagabe 
erat im vorifen Jahre eraehienen iat; die Vorrede iat Tom 20. Dec. 



Die igyp tischen Fragmente des Hyperides. 229 

1849 datirt: fudetseri lehrt ein Blick In seine Arbeit bald, dass er 
bei derselben von seinen Vorgangern nlcltte gewusst hat. 

Uro das Verhaltnisa der Tersehiedenen Bearbeitungen richtig 
Sil beiirtheilen , ist es noth wendig, zunächst die Handschrift Ina 
Auge in fassen, von welcher Hr. Babinglon ein grösseres Brneh- 
Stück (XVI), ferner das Alphabet and bemerkenswerthe Einsein- 
heiten nach dem Facslmile von Hrn. Harris auf zwei Tafeln hat 
lithographiren lassen. Die Handschrift ist in galten geschrieben, 
welche zwischen 27 — ^29 Zeilen schwanken ; ^ine Spalte hat 30 Zei- 
len , während die damit zusammenhangenden nur 29 Zeilen ent- 
halten. Auf die Zelle kommen In der Regel 15 oder 16 Buch- 
staben, doch findet auch hier ein Schwanken von 13 — 19 statt. 
Häufig sind Wörter abgebrochen, aber nie anders 'als am Knde 
einer Silbe, was Hr. Böckh allein bemerkt hat. Gonsonanten,' 
welche mit der folgenden Silbe gesprochen werden , sind jedes- 
mal zu dieser herübergezogen , namentlich auch bei den Compo- 
sltis , s. b. Fr. XV1\ 25 d-voiö^riöOftsva. 27 i-nsuQlvato. 1% 12 
l'[l^a]ntttrj%^vctt. XXI, 2 [t(;i7(p£]<9fiata; eine Ausnahme macht 
nur Fr. 1V% 4 nQo8B8avBi.O'fiivog. Dasselbe geschieht auch in 
der Regel bei Bllslonen: Fr.^XIX. XXII, 11 aX-k' ovxiva. XV', 23 
V'tp* viioSv, XXI, 3 xa-9^ S. XVII, 19 xa-t IftotJ, doch steht 
daneben XI^ 1 S^t'-ovrog und IX, 8 tov&'-^uiv. Die Wörter 
sind nicht immer von einander geschieden. luterpunction, Accente 
u. dgl. sind nicht gesetzt, mit Ausnahme eines Striches, der sich 
häufig links onter der Zelle vorfindet, In welcher ein neues Sats- 
glied beginnt. Darüber hat Hr. Sauppe Im Fhilologns a. a. O. 
S. 656 gehandelt; Hr. Babinglon hat sie In seiner Ausgabe wieder- 
gegeben. Von andern Eigenthlimllchkeiten bemerken wir, dasa 
das stumme Iota willkQrlich weggelassen oder gesetzt Ist, auch 
wo es nicht hingehört, s. B. ovtmi, nXslmi^ ferner dass das v 
1<PbXuvöux6v häufig auch vor Consonanten steht, s. B. 14, 10 
^xci/ q>iQG}Vj 18, 10 Idmxtv (pvXdttBiv^ 33, 22 iittt^Bv x6 nat- 
dlov\29^ 26 Ist es in BlX^fpaöiv n(3g getilgt. Im Uebrigen ver- 
weisen wir auf die Herausgeber, von denen Hr. Böckh summarisch, 
Hr. Sauppe Im Fhilologns a. a. O. und Hr. Babington in der Ein- 
leitung zu seiner Ausgabe des genaueren das bemerkenswerthe 
besprochen haben. 

Die Schrift des Papyrus, welche der alexandrinischen Cur- 
aivschrift sich annähert, ist von Hrn. Böckh und Sauppe mit dem 
von Barikes zu Elephantine aufgefundenen Papyrus zusammenge- 
stellt worden, der das 24. Buch der lliade enthält, und dem von 
Letronne bekannt gemachten , In welchem Th. Bergk Fragmente 
des Chrysippos erkannt hat. Da die letztere Handschrift vor loO 
V. Chr. geschrieben ist, so setzt Hr. Sauppe mit voller Wahr- 
scheinlichkeit unsere Fragmente jedenfalls nicht später als in die 
erste Hälfte dea 2. Jahrhunderts v. Chr. Hr. Babington behan- 
delt dieae Frage S. XIX-XXIV sehr ausführlich , ohne zu einem 



2S0 GriachUche Utterator. 

beBtimmteR Resultate su kommeii: er schwankt swiachen dem 
8. Jahrh. v. Ghr. und dem 3. Jahrli. n. Chr., neigt sich indeaaeo 
mehr su der Meinong seiner gelehrten Freunde ^ namentlich des 
Hrn. Sharpe, welche die Handschrift üi die Zeit der Ptolemaer 

aetsen. 

Daaa in den vorliegenden Fragmenten Bruchatikcke von Hy<- 
peridea Rede ("IVcepfi/di;^, s. F. G. Kiessiing Lycurgi fragm. 
8. 153. Sauppe Orat. Att. 2. S. 275) %atd JtifM>a^ivoys erhal- 
ten aind , wird erwieseii durch die Anführungen der Grammatiker. 
Von den sehn Fragmenten, welche Hr. Sauppe in den Orat. Att 2. 
8. 290 f. susammengesteUt hatte, finden drei sich auf dem Papy- 
rua wieder (107. 106. 109), namentlich die Phrase jcal xadijfi«- 
voQTcatiD vno ry KataxoiMy^ welche Harpokration aus der Rede 
■of bewahrt hat; aach waa Plutarchoa Deroosth. 15 sagt, fiodel 
seine Bestitigung; andere Citate, so weit sie nicht aus einaelneu 
Wörtern bestehen , lassen sich leicht zu dem erhaltenen in Be- 
sfehung aetzen. Bine von Hrn. Sauppe und Hrn. Babington über- 
einstimmend hergestellte Brgansung 111% 13 (17) ixl yfJQa[g ov- 
ö^] bestätigt Pollux , der den Ausdnick aus Hyperldcs (Fragm. 
285) anführt, ohne die Rede su nennen. Die Auföhrung hat Hr. 
Babington übersehen. 

Leider sind die Fragmente sehr lückenhaft: gleich der Ein* 
gang der Rede ist verloren, in der Mitte fehlen offenbar bedeu- 
tende Stücke und aucli der Epilog ist uürollstaudig. Gans unver- 
aehrt ist fast keine einsige Spalte, und ea lässt sich nicht ermit- 
teln j wie viel derselben neben einander gestanden haben, nirgends 
ist links oder rechts ein anderer Rand erhalten ala in der Breite 
einea Zollea, der die Golumnen trennt, während unten und oben 
häufig ein breiter Rand sich findet, der die Stelle erkennen lässt« 
welche das Fragment in der Spalte einnahm. Hr. Harris hat in 
seinem Facsimile die eiuselnen Bruchstücke in willkürlicher Ord- 
nung auf einander folgen lasaen. Diese haben alle Herausgeber 
aua inneren und äuaaeren Gründen verlassen; drei der Frsgmente 
nämlich (IX. Xlll. XVll) gehören offenbar nicht su der Rede ge- 
gen Demosthenea, andere dagegen, welche bei Hrn. Harria weift 
getrennt atanden, schienen dem Inhalte nach in naher Beaiehung 
SU einander su stehen oder fugten sich unmittelbsr susammen. 
Daa letstere erkannte Hr. Böckh allein bei Fr. XV und HI, von 
denen dieses den Sats su Ende führt, der auf jenem mit dem 
Schluaae der Spalte abbricht. Weit glücklicher war hierin Hr. 
Sauppe: er entdeckte« dass Fr. XVI den unteren Theil der auf 
Fr.. VII beginnenden Spalten bilde, und in die Mitte fögte alch 
Fr. XXV ala verbindendes Glied die fehlenden Bachstaben ergän- 
send ; ferner fand er in Fr. XXII das rechts abgerissene Stück der 
auf XIX cum grosaeren Theile erhaltenen Zeilen , die auf XXVII 
erhaltenen Buchstaben waren von Fr. XXVI abgeriaseu} XIV, den 
unteren Theil von drei Columuen bildend , fügte sich genau mit 



Die agyptlsoheo Fragmeate de« Hyperides. 231 

dem oberen Theile auf Fr. VIII lusaiiitnen : eodiich verband er 
Fr. XII, das die unteren Zeilen iweier Spalten enthalt, mit der 
dritten und vierten Spalte von Fr. VI, hier durch den Sinn gelei- 
tet, da ein äusserer awingender Beweis nicht geführt werden kann, 
weil in der Mitte noch eine Lücke bleibt. Endlich fanden sich 
einige auf Fr. Xlli fehlende BuchsUben auf Fr. XXViU. So hat 
Hr. Sauppe vier von Hrn. Böckh als werthlos beieichnete Slucke 
an ihre gebührende Stelle eingefügt, andere in die rechte Verbin- 
dang gebracht und damit überhaupt für die Anordnung und Br-; 
ganzung der Bruchstücke eine weit sicherere Grundlage gewonnen, 
llr. Babugton endlich ist in einigen Fallen auf die rechte Spar ge-. 
kommen, in anderen ist er abgeirrt. Dass Fr. III sich an XV an- 
schUesst, hat er mit seinen Vorgangern erkannt, auch in Fr. XVIII 
die 8u XUI gehörenden Buchstaben gefanden (S. 72) ; dass XII die 
unteren Stücke der dritten und vierten Spalte von VI enthalte, 
vermuthet er S. 60 übereinstimmend mit Hrn. Sauppe; dagegen 
hat er Fr. VIII und XIV , weiche Hr. Bockh um ihres Inhaltes 
willen insammcnsteQte und Hr. Sauppe zusammengefügt hat, zwei, 
verschiedenen Theilen der Rede zugewiesen. Auffallend ist es, 
dass er bei Fr. XVI und VII auf halbem Wege stehen blieb. Br 
erkannte sie, wie auch Hr. Bockh, ihrem Inhalte nach als zusam-^ 
mengehörig, er fand auch, dass VII das obere Stück zu den unte- 
ren Columnen auf XVI bilde, aber nun ordnet er sie XVI* VII% 
XVl*^ VII^ während das Verhältniss gerade umgekehrt ist. Icl|: 
setze zum Beweise, dass Hr. Sauppe das Rechte .getroffen, die 
Stelle her, wo YU^ XXV^ XVP zusammenstosscn: 
Vm,Z. 10. —"jQMaXojy dh 

[i\aza omöa i6[tlv' 

ovx o\x&g m^ohto 

toi; crp|tdfi6y||ai;rdfv, XVP 
15. mg Ijotxev, 6x66a ^i/, 

dlk* Iva sldy^ dip* otfa>i; 

avxQv deitov (ii6[^o]v 

ngittsö^ai %tX. 
Die Buchstaben links von dem Striche stehen aaf Fr. XXVIP, mit 
avxäv beginnt XVP. Die Klammern zeigen Sauppe's Ergän* 
Zungen an. 

Es leuchtet schon hieraus ein, dass Hr. Sauppie in der Her- 
stellung der Frsgmente das Meiste geleistet hat, und wir folgen 
desshalb seiner Anordnung, indem wir die Zählung von Hrn. Har- 
ris in Klammern beifügen. Dass er jedem Stücke seine rechte 
Stelle angewiesen , nimmt er selbst nicht in Anspruch , da aller- 
dings die rednerische Combination grosse Freiheit hat. In der Er- 
gänzung des Fehlenden sind die deutschen Gelehrten vielfach 
ubereingetroffen , in manchen Fällen hat Hr. Böckh das Richtige 
gesehen und Hr. Sauppe hat danach seine zweite Recension ab- 



232 Griediisdie Liftieratur. 

gcindert; lo aaderen Btellen bat der Letitere das Wabre. Ba ver- 
atebl aicb von adbal, daaa biufig eine sicbere Herateltiiag nicbt 
moglidf bt, ao daaa Ar vielerlei Vermutbangen Kanni blelfct. 
Beide Heraoageber baben ubereinatinmend mit der Handaebrlft 
die Zeilen abgeaetat, ao daaa der Umfang der St&cke genau über- 
aeben werden kann; dieae Form dea Dradkea hat in den Oratores 
Attid aufgegeben werden mbsaen. 

Wibrend die deutacben Bearbeiter rieh auf daa Notbwendige 
beacbrinicten , bat Hr. Babington mit dem Räume Teraehwenderf- 
acber umgeben können. Er giebt sunicliat in einem Drucke, der 
der Form der Bucbataiien in der Handachrift aicb annihert, die 
einieinen Spalten wieder und fogt diesen mit rother Schrift aeioe 
Brgansungen ein $ was nicht mit ▼oliiger Sicherheit au lesen war, 
ist durch kleinere Lettern unterschieden. Auf dieae Art erhill 
man eine leichte Ceberaicht dea in der Handschrift enthaltenen. 
Zu bedauern ist, dsss von den Zeichen, welche rie anwendet, unr 
der oben besprochene Interiinearstrich wiedergegeben Ist. Unter- 
halb jeder Spalte ist dann in gewöhnlichem Drucke, mit Accenteo 
und Interpunctionsseichen in fortlaufenden Zeilen daa Fragment 
wiedergegeben ; hier aind die Ergansungen dea Herauagebera von 
dem Ueberlieferten nicht geschieden. Vergleichen wir nun sei- 
nen Text mit dem aeiner Vori^nger, so finden wir, daaa er aorg- 
faltig gelesen hat, aber gewinnen daraua keine eihebUcbe Aua- 
beute, denn dieae haben es daran eben ao wenig fehlen lassen; 
Binselnea hat er su erginaen versucht, was diese, wie ans scheint, 
mit Recht unberfthrt liessen; Vieles hat er übereinstimmend mit 
ihnen hergestellt, Anderes abweichend, und hier scheint Hr. Ba- 
bington uns kaum in einem Falle daa Rechte getroffen xu haben. 
Er belierracht die Sprache nicht so vollstandfg, um ein so schwie- 
riges Geschifl , wie die Behandlung von Fragmenten ist , mit Si- 
cherheit su üben. Wie schwer es gelingt, in den Lücken die 
Worte des Redners hersustellen, wollen wir an einem acblagen- 
den Beispiele seigen. Dasa Fr. XIX und XXII an einander paa- 
aen, hat Hr. Sauppe erkannt, und deashalb nur wenige Bochsta- 
ben beiaufBgen gehabt; die Grense der beiden Bruchatbcke iit 
durch einen vertikalen Strich beaeichnet Hr. Bockh uiid Hr. Ba- 
bington haben Fr. XIX au erginaen veranebt, Paraua ergeben 
aicb folgende Varistionen; 



Die igypttseben Pragmettte des Hjpendei . 



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Hyperideft begegnet aa dieser Stelle der Behauptoog des De- 
motthenet, dest der Areopagos das peiiillGhe Verfahren gegen ihn 
Alexander tu Gefallen eingeleitet habe: ^Niemand räumt einen 
solchen aus dem Wege, den man kaufen kann — wie den Demo- 
sthenes — , sondern den man weder durch Worte gewinnen, noch 
mit Geld bestechen kann.^^ Hr. Böckh irrte ab, indem er voraus- 
setate : „Demosthenes, wie es scheint, hatte den Rath beachuldigt, 
er wolle einem Hanne eine Ehrenbeselgung, wahrscheinlich einen 
xu ▼erkundenden Kram, nur zu Gunsten Alexanders öder um die- 
sem gefallig SU sein, anerkennen: diesen Mann nimmt Hjperidea 
in Sdiuts.^^ Hr. Babington endlich verflllt auf seitsame und un- 
mögliche Dinge, Indem er meint, es handle sich darum, eine Bild-. 
aEide Alexanders wegzunehmen. Die Buchstaben, welche Hr. 



^r^^fehe Lttterattur. 

^* ^^ ll^l sind FOD ihm lelbst als undeutlich 

B.bW*^° •''Ar ßSn noch e.« .weites Brochst&ck (VIII- ) bei, 
L^debaet *y ^^j^ y^^ ßabingtoof hioter seioen Vor^o^ern 

-am Be^ifV^^ kt- Hr Sanppc hat den Schluaa durch die Vcr- 

t^rüctfc^^^J^^'-^i aV hergestelU: 

bioduiig ditaea ö* 



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Die agypÜBchen Pragnmite d« Hyperides. 2S5 

liier stimmeii wiederum , soweit die Herrtellimff nur tof Huth- 
lOAMsung berulit, Hr. Böckh und Sanppe bis avf minder wesent- 
liches mit einander iiberein; Hrn. Babing;ton wollen wir Iceiden 
Vorwurf daraus maclien, dass er nicht gefunden hat, was sich 
nngesucbt darbietet, aber er Iwtte aoch das mussige tij das nichts- 
sagende tag EoixBv und das unstatthafte -Präsens <piQn fär sich 
bebalten sollen. Bedarf es weiterer Proben, dass Hf. Babingtoa 
des griechischen Sprachgebrauchs nicht so michtig war, um mit 
sicherer Hand die Herstellung der Fragmente ?ersnchen su kön- 
nen, so führen Wir an aus Fr. 1' (8), 21 dv o,rc , wo did %l gefor* 
dertwird, lm%Bq>ttlaiov^ wo es inl XBipalalov hcissen muss, 
P (9), 16 dkkä] öri an6voi[a, ä ^fiojö^arsqy vx[d tov i]ymva 
ölixa^dfispov] vvv xgoxivdw[hvBi] bI xal nQoavaiöxvMtü^ wo 
Hr. S. hergestellt hat [xal fäg ij] d^ asrdvoi[a, ä ^fiiio]ö9evss% 
vn[hQ axdvtayif] täv dd[i]H[ov]v[ttov] vvv MQo[xi]viw[Bv]si nal 

Es wurde überflüssig sein, wollten wir mehr dergleichen sn- 
sammenstellen; ich wende mich lieber sur Betrachtung solcher 
Stellen, an denen die Verroutliungen Hrn. Babingtons nicht unbe- 
achtet bleiben dürfen oder deren Besprechung sonst einen Gewinn 
erwarten iässt. Nach dem oben Bemerkten bedarf es wohl keiner 
Bechtferügung, wenn ich hierbei Hm. Sauppe's [S.] Beceiisioa 
und Anordnung tu Grunde lege. Gleich in dem olien angeführten 
Fragment 18, Z. 13 (XIV ') bescichnet Hr. S. in den Worten oL 
8b 6tQ€ttffyol 9tal ol QijtoQsg aXlayv ev^na txovöiv die firgansung 
a[iUL]iDy als unsicher: der Ausdruck ist zu unbestimmt und füllt 
auch, wie es scheint, die Lücke nicht aus, ebenso scheint auch 
d urch ixov6]iv die nächste Zeile nicht hergestellt : vielleicht hiess es 
d[jS$Millid]xmv Svsxa [dJLtjq>a6]i,v. Dss T hst Hr. Böckh [B.] ge- 
lesen (S. 19), wahrend Hr. Babington E su erkennen glaubte. — 
1, 10 (XXV-) hat Hr. S. hergestellt inB]id^ yaQ ^^^[^sv d äv]dQBg 
diKa[6tal "^gnaklog Big tj^v ['Attcui^p] xal ol^a — Hier ergänzt 
Hr. Bsbington [Bab.] naWQovzBgy was auch Hr. Böckh vermuthete, 
und statt *Avti7Cf^v schreibt er inKhiölav. Wir halten diese Er- 
ginaung für die richtige, da die hiermit susanmienhängenden Frag* 
mcnte yon der Volksversammlung handeln, in welcher Harpaloa 
zugegen war. — Für 2. und 3. (VUV XXVS XVl^ und XVP) 
kommt der Ergänzung das Fragment des Phllochoros au Hülfe^ 
welches in dem Leben der X Redner S. 846'' erhalten ist. Dass es 
lockenhaft sei und sich mit Hülfe des Pbotios herstellen lasse, hat 
znerst Hr. S. gesehen, und danach haben Dübner in der Pariser 
Aasgabe des Plutarch und Westermann in den Bioygdfpoi S. 285 
gesdirieben : Bovko§iiytov t ^A^r^wdmv 'AvtMdtQm jtaQhdovvw 
tov av^Qtoü^ov dvxBiisBv (6 ^iißo^divfjg) , iygaiii x duo^iM^Li 
xä xjQi^iiaxa Big dKgonoXiv * f^ffia xä d^fcq» xov dgiftfuov dndvta * 
ipi^6avxog d' ^Agnakov ixxamöi» [tfvyxatoxofitoai xakavxa^ tä 
dvBVBifiivxoL Big xi^v dj/^gonolMf Bvgi^fi xgioHOCia] nal ssvt^ 



230 OriecfaiMhe Utteratar. 

jcovra in dUfio ntttopä^ Sg (pijöi 0tX6%OQog. Die Handtchriftea 
Meten ^dij^ und ich halte dk»s für das Wahre, fi^d^ iat mit Un- 
recht von den Herausgebern ana Photloa Texte herabergenommeo, 
da Harpaloa gerade die Summe in der Volksversammlung angeben 
aoli und auch In der That angiebt; denn die in dem L. d. X Redner 
folgenden Worte: altlav t6%sv 6 ^tfnoötivtig dcagodoxlag uai 
dta Tovvo flirre t6v agif^iiov tiSv dvaKO(n09ivtmv fASfitiwK&g 
fLijtB xijv tmv qwXaüöovtan^ afiikeiav beliehen sieh nicht auf die 
Angabe der Summe , welche Harpalos mit sich nach Athen ge- 
bracht hatte, sondern auf den Rest, der auf der Burg niedergelegt 
war: dessen Betrag hatte Demosthenes dem Volke nicht angege- 
ben. An der obigen Stelle scheint mir aber vor ^^97 noch etwas 
9« fehlen , wie ich schon In der Zeitschrift f. die Alterthumswiss. 
1848, 33. S. 258 ausgesprochen habe. Hr. B. und Bab. haben sich 
allein an den Wyttenbach'schen Text gehalten und die gaote Lücke 
übersehen , was nicht ohne Ruckwirkung auf die von ihnen ver- 
snchte Herstellung der Fragmente des Hjperides geblieben ist. 
Hr. S. hat das Richtige; ich mochte aber 2, 10 BMfj^QnaXov il 
d^ mtodhl^ay vorliehen 'V^pffffilov d* ij8fi aar. — 3, 25 haben B. 
lind Bab. übereinstimmend geschrieben Iv t(o d^[(i]ü> i[nta]x66ta 
^ii[6]ag Blv[ai] tdlavta vvv xa i^liiijö^i tnfaipigiig xa . . , waa 
vollkommen mit den 350 Talenten bei Philochoros übereinstimmt; 
das falsche /kann nicht befremden, da wir es, wie oben bemerkt, 
auch an andern Stellen finden. Hr. S. liest n statt ti (beide Buch- 
ataben nnterscheiden sich in der Handschrift fast unmerklich) und 
vermuthet vvv tä n[avta] 6y ivaq^tQtig Ha[tayQaq>^] mit der Er- 
klärung: du lässt nach deiner Rechnung nur so und so viel 
■uf die Akropolis hinaufbringen. Das konnte aber durch den bloa- 
aen Dativ nicht gessgt werden. — 2, 22 liest Hr. Bab. 6iov tov 
XOQBVt[^v and möchte etwa XaQl]6iov ergansen. Hr. B. und S. 
lesen nur . . . ov, und in der Thst Hsst sich nach dem Facsimile 
öl nicht mit völliger Sicherheit erkennen. — In 4. haben Hr. B. 
und S. übereinstimmend erkannt, dass die letste Zeile von IV^ In 
der ersten von IV^ fortgesetst werde; Hr. Bab. aber hat, da er die 
Krgänzung nicht fand , den Ausfall einer Zeile sngenomroen und 
dsför Mussiges und Verkehrtes vermuthet. — 9, 10 (P) hat Hr. 
8. im Phiiologns a. a. 0. geschrieben : [xal ydg] oix vnig [shtoöt 
%a]lavtanf d[ixdg€r<,] all' [v]%ig x[giaxo]6i(Dv y ovÖ* v[fchQ 
Ulmv] ddiXfi(i[ax&v ^ all* v]uBg andvtlmv]: Statt xgiaxoölwv 
schreibt Hr. Bab. XBtgaKoölmv^ während Hr. B. sich för keJna 
von beiden entscheidet. Wir halten das erstere fnr wahrschein- 
licher ; da 350 Talente oder etwas darüber von den 700 sich wirk- 
lich vorfanden, so konnte bei einer summarischen Angabe des feh- 
lenden wohl keine andere rnnde Zahl als 300 gewählt werden. 
Femer hat Hr. Bab. geschrieben ovo' v[nhg ivlam] ddix7jpi[atav]^ 
Hr. B. oi)d' v[nig ivog] adixi^fifaroff , all* v]Mhg andvxmv. DIesa 
scfaeittt mir das. Wahre und ich sehe nicht ein, wesshalb Hr. 8., 



Die agyptifcben PragBente dea Hyperidea« 2S7 

wihrend er seine fr&here Vermiilhang fallen lieM y in den Onl. 
att. II. S. 340% 11 geachrieben liat ovo' vmIq ivog adimniatatv^ 
wenn ea niclit ein bioaser Drudfeliier iaft. — 13 (V), 12 litt 
Hr. S. mit groaser WahrscheinllclÜEeit erginst 3c]al ot4 fQ^iiwttu 

io^ivta in x^s [ÖiOi%ii0B]4Dg 6utn^ [stpi«]o(^0aVM^5 

. . . Nach XQ^ißaza liat die Handaclirift elg (Hr. S. liest cto), waa 
Hr. B. und Bab. mit einer Form von q>iQ6iv verbinden wollen 
{üöipiQOig B., Ü6ol0$$g Bab.); ich denke, ea wird üg [«dAf|iov] 
oder etwaa Aehnllchea gestanden haben. Denn von einer a^^^^o^a 
iat an dieser Stelle keine Spur. — 14, 1 (V^ hat die Handachrift 
XQvg x[ij]v iknlda MQO0i[xs]6Bv äöxB ^tjiivtt MQoaiödiödai. In 
dem Verbnm iat nach s daa n noch allenfalls in erkennen; ausser- 
dem will Hr. Bab. noch eine Spur von tj vor dem 6 wahrgenom- 
men haben; er achreibt daher xgoösuoliiöiv j achwerlich richtig; 
in xQoöixBöBv sind Hr. B. und S. tuaammengetroffen. Aber über 
dem 4 In IXxlda ateht ein a, woraoa Hr. B. geschlossen hat, dass 
es 'Eklttda heissen müsse. Slir scheint diess das Wahre und 
mgogtiqv iknlöa jiQoöixBöBv geradeso unmöglich; denn ,,gans 
wider Erwarten^^ wurde jutgä tiqv iknlda sein , nicht ngog xipf 
iXnlda, — 15 (V") schreibt Hr. S. xuvxa ov n[BQifQgi^}6[9ti x]^ 
^tlfp[l6߀inf öjvXkaßav x6[vZ^Q%a]lav ^ xal xovg fil[y fiAOjdfo»- 
xov]g Sxavxag \ßBxa]ß[ak]iodai MSM[olfjßxag dg ^ii|av[dpof], 
OMC f{%]opxag «AA[i?i/] ovÖBßlav a«o6[tgo]ip^y ^ xovg dh [önxQi^ 
xag]^ 0^ avToi äv iJ7i[ov d9id6v]xsg MQog xw[ttiv tijv] dvvaiiiv^ 
ixovxt[g] xd XQ'^iMintt xal xov[g] öxgaximag^ o0avg S[%a]&xog 
itüxäv Blx[B]Vf xovxovg M^na[v]xag ov (iovov KBxmkyxag dno- 
6x^vtti Ix[bI]vov xy ovAA^st, xy'jdQitiXov^ dXXa nal\ . . [S]xa- 
öxav . '. . Den Anfang hat Hr. S. aehr glücklich hergestellt; im 
Uebrigen stimmen die Herausgeber sum Theil öberein, öaxQawag 
aber und aMtdovxBg hat Hr. S. überseugend erginsl. Ffir das 
Erstere hat Hr. B. akkovg % was su unbestimmt Ist wo es scharfer 
Gegensätze bedarf > dasselbe gilt von ßagßaQOvg^ wie Hr. Bab. 
geschrieben hat. Dem iroi;^ da öaxgdnag geht voran ein xovg 

lii[v ]g anavxag; hier glaubt Hr. S. im Anfange der Zeile 

das Ende eines und den Anfsng von Sl so erkennen, wihrend 
Hr. B. ein X las und Hr. Bab. A und Spuren eines sweiten A; ea 
aclirleb desshalb i\\Xkovg, Daa letstere ist bestimmt falsch , weil, 
wie oben angeführt , In der Mitte der Silbe die Zelle nicht abge- 
brochen wird; überdleaa wire ikkovg auch an dieser Stelle an un- 
bestimmt. Hr. S. schrieb igiö\\^mxovg^ wobei si^erwigen ist, 
dass es bedenklich erscheinen mnss, eine solche Silbenbreehnng 
vermuthungsweise hersustellen, wenn auch Fr. 5, 4 eine Ausnahme 
von der sonst befolgten Regel Sberiiefert ist. Hr. B. scbligt 
ov/iftajxovg vor; doch scheint diess für Z. 4 su viel und für Z. 5 
SU wenig Buclistsben su geben; dasu muss man fragen, welche 
Bundesgenossen sollten gemeint sein? denn Athen war damals ohne 
alle Bundesgenossen. Ich denke, es wird rEk]\\k[iira]g geheisaen 



238 Griechische Litteratnr. 

haben. Dftsa paest vortrefflich [iiQB]]\6ßBVB6\rain wie Hr. B. und 
Bab. flchreiben , wahrend Hr. S. [pL$]\\[ta]ß[aX]i69ai verronthet ; in 
der 5. Zeile fehlt etwa ein Buehatalie, die folgenden hat Hr. Bab. 
ßevBö^ai gelesen, wahrend Hr. Boekh nar /Sa . B69ai aicher er- 
kannte. So erhalten wir den Gegeneats^ denen wir bedürfen: 
tovg fthf "EXXfivag Mavtctg 9QB6ßBVBö9ai nBfiolijxag dg 'Ali- 
fytvÖQOV — ^ tovg Sb eatganag ov ^ovov KBKmXvxag anoötijvai, 
xtA. Am Schiaase kann statt [S]xaotoi^ auch ein Perfectnni ge- 
dacht werden, wie Hr. Bab. angedeutet hat. — 16, 19 IF. ist mit 
Sicherheit zu lesen nnd au erginaen [x]ai ovdiv^avfiaötov. 
[ovdjisroTS yäg olfiM . . . v avtav ßB — ... slxormg qd[Xovg] 
tovg M Evginov [xlxjn/tat: was för die grosseren Lücken (von 
7. — ^9 Buchstaben) vorgeschlagen ist, erweist sich schon aas §ua- 
aeren Grnnden ala unmöglich. — 17 (XV und IIP) hebt hervor, 
wie achmihlich es sei , dass Demosthenea in solchem Alter von 
J&aglingen sich müsse wegen Bestechlichkeit anklagen lassen. Hier 
hat Hr. S. in den Orat. Att. a. a. O. Z. 18 hergestellt [bIz] o[vh 
al6xv]VBi t^wl xi^XixovT[og] av vxo (iBiganliov »gi^vofiBvog kbqI 
d&Qodoxlag^ tfiXiTtoihog nach Hrn. Böckh, den Eingang Im We- 
aentllchen übereinstimmend mitTh. Bergk, der in derZeitschr. f. d. 
Alterthumsw. 1849. S. 2S2^ luerst anf die Wichtigkeit dieaer 
Stelle (vergl. 111% 3 vvv ds — ol viot tovg vahg i^xovta hij öto- 
q>QOvliovöiv) für die Bestimmung von Demosthenes Geburtsjahr 
liiogewiesen hat, vergl. meine Abhandlung über Eubulos In Schnei- 
dewina Philologua 5, 15. Bei Hrn. S. haben sich in den Gitaten 
zu diesem Fragment einige Drackfehler eingeschlichen. Zu Z. 10 
ronss es heissen Dinarch 1. §. 108. 110, zu Z. 13 knl yi^gwg ovdtp 
Lyeorg. g. Leokr. §. 40. Den letzten Ausdrucke hat auch Hr. Bab. 
gefunden, das IJebrIge, was Hr. B. und S. in gleicher Weise her- 
stellen , hat er verfehlt. — 20, 2 schreibt Hr. S. in den Orat. Att. 
B.a.O. nach Hrn. Bockhs Vorgange dt' aiyvotäv [ij Öi 6XtyBai]glttv^ 
hier kann man auch mit Hrn. Bab. an a^Btglav denken. Im fol- 
genden ist [xataggtjjtogBv^Blg von Hrn. .S. eine trefiAiche Her- 
ateilung. — 22, (XP), ± haben Hr. B. und Bab. tvif^g erkannt, 
was Hr. S. auch in seiner zweiten Reoension aufgenommen hat. 
Ist etwa hier an die Zeiten der Schlacht bei Chäroneia zu denken? 
Im Folgenden hat Hr. S. geschrieben: ov navxa 9i[%atmg äv 
vta i^iiBig [vxfjlgBtolßBV xal [di^ xal d]no[9]vi][6]xoi(iL[B]v [v«tg 
itov (sc. tov d^.ttot;). Hier haben Hr. B. uod Bab. au Anfange 
der zweiten Lücke Spuren der Buchstaben biö wahrgenommen und 
dengemlsa ergänzt nal bI öhi Ano^'^itoifiBv, Auch das dt- 
[xatiog Sv]^ so ansprechend es ist, hat ein Bedenken, wenn wir 
vergleichen, dass in der folgenden Zeile auf den gleidien Raum 
nur die Buchstaben vntj kommen; Hr. Bab. achreibt desahalb dt- 
xaUng avtä '^(i^Blg av vxsg,, eine Wortstellung, die man allenfalls 
anlassen kann. Hr. B. wollte ötxai &v. — 24 (XI'') ist so 
vcralümmelt, dass alch nicht viel mehr herauabringen lisat, als 






Di« agyptUcbea Pragmente des Hyperides. 2S9 

"öt^ai bIhS}»« *äl8iap]dQ0v ßaöiXiwg ... Di« nSchsle Zeäe be. 
gfaut KHTHCBE^ darüber steht aber eiae Correctar, weJehe Hr. 
B. TQ Tov, Hr. S. ti . vov lieat; Hr. Beb., der ein Faeainiiie der 
Stelle giebt, meint ein Scholion dario in sehen, gewiss ohne Grund, 
nnd liest ngätov. tov ist sicher; der erste Buchstabe kann audi 
H gewesen sein. Aber ich weiss eben so wenig damit ansufanceo, 
als die Herausgeber; Hr. S. scniigt vor ßMüimq [xal dvi]x7itwß 
daov. — 28 (VI*"), 2 schreibt Hr. 8. aal rd fisv TUcti^oQslv iv 
tm diHa6jniQUD lectl igsAly^stv tovg slXfjq>6tas tä xq^iaozu xal 
isdof^ottiptotag xoro T^g «atoldog ^[filv] ^o[(hfXH]^ iiv[ov% 

T8 nal q>lkovg] Hatrj[yOQov6i\ ' ro d[8 . e]lXmp6vag . . . 

i^JßovAi; .... Diese Brgimung ist unmöglich ; denn Uastfreunde 
des Hyperides oder anderer Anklager waren in die Sache nicht 
verwickelt, da es sich nur um Athener handelte, und als Freund 
erkennt er in dieser Rede Demosthenes nicht an. Mir scheint in 
der Sache Hr. B. ganz das Rechte getroffen au haben; ich wurde 
schreiben mit geringen Abweichungen: i^lfilv] XQo[6ha]^8v [^ 
ß(yvlii toig] xaTi}[yopoig]* to^ d[B xqI-vbiv tovg s[U!^g)6tag xtl. 
Cebrigens ksnn hier an keinen andern Rath gedadit werden, als 
den gleich hernach wieder erwähnten Areopag. — Die Lücke 
swiscäen VI^ und XW (29) möchte Hr. S. dem Sinne nach aus- 
Allen diixsQ dsl ituvxag [v]n[äg cJ ärdgig di%a0t€ci ftolaöai 
toi)g iJLBtaipiQSiv ilS^ikovxag ix f^g »ojAeog. Mir scheint das un- 
möglich, namentlich wegen der Worte xal slg tovg tdq>ovg tovg 
t(Sv ngoyovfov^ weiche so gar keine Beziehung haben würden. 
Mit Recht hat Hr. B. auf Deinarch g. Dem. §. 109 f. hmgewiesen, 
wo diese gante Stelle nachgebildet su sein scheint, und als Ein- 
gang vorgeschlagen diöxBQ iü xavtag Vfutg — dnoßkittfav^ 
tag xrA.; der erste Infinitiv, der von öü abhängt, ist tifimgi^^a^ ^ 
tf&ai toüg ddixovvtag, Z. 14, 15 ist aXXfjv nicht vollständig er- 
halten , Hr. B. glaubt dX[kd] xal la erkennen. — SO (XIF) au 
Ende scheint mir der Sinn lu fordern : oinro xal ^i/fLoö^ivtig ^^ 
xg6g [ifiägjxkaiiiöai^i [i^ov avt<p] fii^ XaptßdvBtv, 

Soweit lassen sich dicFragm. mit Sicherheit der Rede gegen De- 
mosth. zuweisen; es bleiben noch 3 Stücke übrig, welche ihr be- 
«timmt nicht angehören, und sieben (XX. XXIII. XXIV.XXIX. XXX. 
XXXI. XXXll), mit denen sich nichts anfangen lasst, da sie nur 
einzelne Wörter oder gar nur einzelne Buchstaben nnd Schrift^ 

zttge enthalten; z. B. Fr. XX .... v .... «a « . . . s . ., Fr. 

XXIX [n]m>pq>B. lue drei Stücke IX. XUI. XVU haben die Her^ 
ausgeber alle ausgeschieden; es ist klar, und am genauesten von 
Hrn. Böckh entwickelt , dass IX und XUI so dem Eingänge einer 
Vertheidigungsrede gegen eine öffentliche Anklage gehören. Fr. 
XVU hielt derselbe von vornherein für ein Stück einer Erbschafts«- 
rede, wie auch Hr. S.; doch schien nach näherer Ueberl^gung 
Ihm diess nicht nothwendig der Fall zu. sein , und er versuchte, 
wie ea der Vertheidigungsrede angepssst werden könata Dem 



240 GriedBMhe Uttenftiir. ' 

hit Hr. S. in den Ortt alt. II. 352S 22 Not. nrft ^tea Granden w{- 
deraprochen. üebrif eng «tiamien aUe Heraagg. darin SbereiH) dass 
auch dieae Fragm. Reden dea Hyperidea angehört haben werden. 

Zur Erlinterung der Brnchalucke haben Hr. B. und 8. in 
Ihren Anmerkungen wichtige Beitrage gegeben. Hr. Bali, be« 
achrankt aich meii tena auf Parallelateilen , die er fleiaaig suaani* 
nengetragen hat; aber er mischt eft Ueberflustigea hinein, i. B. 
wenn er su 5, 5 {lV^)^$aQix6v mit der bekannten Steile aua Har- 
pokraUon eriiutert, oder 20, 24 (XIV) au 'JnadfitUag ebenfaih 
Harpokration u. d. w. anfuhrt, wo die drei Oymnaaien aufgeiil|ll 
werden. In der Erklirung irrt er mandimai ab, i. B. wenn er 
20, 4 (Vnp) vxojtovtiDV von den Areopagiten nimmt, wo Syko- 
plianten gemeint sind, mit denen Hyperidea hier Demoathenea 
suaammenwirft. Hr. S. hat sich ein besonderea Verdienat dadurch 
erworben, dass er (PIiiloL a. a. O. S. 647) die Frage, welchen 
Gewion die aufgefundenen Bruclistucke für die Charakteristik dea 
Hyperidea und für die Kenntniss des harpailschen Processes er- 
geben, einer eingehenden Behsndlung unterwirft und in kurzen 
Zügen den Gang dea Processes susammenfasst. Daa Reaultat ist 
kein anderes, als dass Demosthenes durch das Zusammenwirken 
•der makedonischen Partei und derer unter aeinen eigenen Partei- 
genossen, welche um jeden Preis einen Krieg mit Alexsndtt woll- 
ten, ohne eine Schuld ?on seiner Seite in den Process irerwickelt 
und vermittelst desselben gesturat wurde; die letsteren, su denen 
Hyperidea gehorte, konnten es Demosthenes nicht vergeben, dass 
er die Athener turuckgehaiten hatte, sich um des Harpalos willen 
in einen Kampf lu aturzen, der nothwendig sum Verderben der 
Stadt auaschlagen musste. 

Eine Frage hat Hr. Sauppe nur ber&hrt und Ihre nihere 
Unterauchung vorläufig bei Seite geschoben, über dss VerhUtniss 
von Deinarchoa Rede su der dea Hyperidea. Wir hoffen, dasa er 
die gegebenen Andeutungen sp8ter weiter verfolgen werde. Gegen 
die Rede des Deinarchoa ergeben aich schon an aich erhebliche 
Zwdfel (siehe Weatermann quaeat. Demoath. 3, 118 ff.), und 
dasu kommt y daaa aie ge|enwärtig ala eine bloase Cople der 
hyperldeischen erscheint. So wird doch am finde noch daa 
Urtheil dea oft fkber Geb&hr geachmahten Demetrioa von Hag- 
neaia lu Ehren kommen (Bentley Oposc. P. 872 nennt ihn snm- 
mnm eriticum atque hiatoricum), deaaen Worte Dionyaioa von Ha- 
likamaaa fai aeiner Abhandlung ikber Deinardma Cap. 1 airfbewahrt 
Iwt: %al votU6Bi89f Sv t$g ii^ttg dvta vov^ iwolußwtmg td¥ 
lif^v top futtä ^fjjftoMivovg $lvm toAtov^ Molv yag «s^c» 
sov xttQaxt^Qog' alX opk&g %o6w%oip tfKovog imuunolmu»^ 
ßexB xovg lihf SXlovg avtov Xiyavg^ 6%id6v vxhg l|i^orra %al 
iuax6vovtag^ dyvoBiv övfißißipUf vdv^s fii; yQaq>ipta vm wi- 
%ov liovov ixBtvov voiklißC^ai. Ehe die Rede dea Hyperidea 
bekannt wurde, war teh der Anaicht, daas die drei Reden iUier 



ZiHiipt: Lateinische Grunmatik. 241 

iten iM^palischeti Prosest, welche Dehisrchot NameD tra^n, swar 
nldit Tor Gericht gehalten , sondern ala Schalnbongen su betrach-* 
ten aeien^ aber ich sah darin noch keinen Grund aie Deinarchoa 
absuaprechen, sunial da Dionyaioa a. a. O. Cap. 10 aie den Schien 
beisählt. Gegen wärtif aber zweifle ich nicht mehr, dasa üie ein 
apateres Machwerk seien, dessen Verbreitung den Untergang der 
achten Reden Deiharchs beschleonigt hat. 

Grimma ' Arnold Sehaefer» 



BerielU überldie Leistungen auf dem Gebiete der lateinischen 

Grammatik in den leisten Jakren. 

[Schluss.] 

Rec. spricht in Bezug auf die Schrift des Hrn. M ommsen 
[Die Unteritaliecben Dialekte^ a. vor. Heft 8. 153] noch die Ue^ 
heraengmig aus^ dass derselbe durch die Zutammenstellung and 
Sichtung des Materials , so wie durch seine Untersuchungen auch 
für die firkenntniaa der latein. Sprache einen höchat wichtigen 
Beitrag geliefert, und den Forschungen auf diesem Gebiete einen 
nach mehr als einer Seite hin lu benutsendeo Stoff dargeboten 
habe, und geht su den vollatiindigen Grammatiken iiher. Hier finden 
wir auch jetxt kein Weric , dass aus rein wissenschaftlichem Inter- 
esse und nur aus der Absicht, die Sprache und ihre Formen dar- 
zustellen, hervorgegangen wäre, vielmehr aind alle Schriften die- 
ser Art Schulbncher , und desshalb schon 4iowohl in Rücksicht auf 
Form als Stoff beschränkt, obgleich die grosse Verschiedenheit 
des Umfangs, wie die Mannigfaltigkeii; in der Behaiidlnngaweise 
zeigt, wie ungleich die Anforderungen sind, welche die Verfas- 
ser oder die Lehrer überhaupt an die Schulgrammaük machen, 
und wie wenig man sich, so nothwendig es auch wäre, bis jetzt 
fiber bestimmte Grundsätze und Methoden geeinigt hat. In den 
Buchern dieaer Art, welche in den letzten Jahren entweder neu 
erschienen oder wieder aufgelegt sind, herrscht entweder das 
ake System der Grammatik, welchea die Spracherscheinungen 
nach den Wortarten und Wortformen ordnet^ oder das neue, wel- 
che Ton dem Satze ausgeht, oder ein aus beiden gemischtes Ver- 
fahren, wo in eins^elneo Lehren das alte System aufgegeben, der 
Hauptsache nach aber beibehalten ist. Den bedeutendsten Rang, 
unter den Werken der ersten Art nimmt noch immer die Grammar 
tik von Zumpt ein, die vor Kurzem in einer neuen Auflage er-, 
schienen IH und ausführlicher in diesen Jahrbüchern wird be- 
sprochen werden. Dieser am nächsten durfte stehen die Latet- 
fiisdke Sprachlekre %unäeh$t für Gymnasien bearbeitet von Dr. 

n.JuhTb.f. PhU.n. Päd. od. KriU BlkL Bd. LXn. HfL X 16 



242 Lateinisi^e Litteraiar« 

Ferd. Schill X. Paderboro, 1848., über die Ref. aeiiie Ajnieht 
Bclioii aiiBgesprocIien hat , s. diese Jahrbb, Bd. 53. S. 289. In die^ 
selbe Ciaaae geliert die Laieinische Satzlehre nach claasiichen 
Autoren bearbeitet und mU Anwendung aufzahlreiche Beispiele 
und Aufgaben ton Venedey. Wien^ 1848. Der erste Theil, 
dit Formenlehre, ist Ref. nicht sii Gesicht gekommen; dieser 
sweite schliesst sich in der gaosen Art der Behandlung an die 
Bröder^sclie Grammatik an; die Hauptsache sind die meist gut ge- 
wählten Beispiele, da die Regeln ohne allen innert Zusammen- 
hang, die einzelnen Spracherscheinuogen, die Casus-, Modus- und 
Satsformen nicht weiter entwickelt, sondern nur iusserlidi an ein- 
ander gereiht werden, obgleich an einigen, aber nur wenigen 
Stellen der Verf. das Beduifniss einer tieferen AufTassung scheint 
g^hlt lu haben, fiine gewissenhafte und iweckmfissige Be- 
nutsung der reichen Beispielsammlang kann demungeachtet auch 
diesem Werke, das, wie mau sieht, mit Liebe lum Gegenstande 
und zur Schule gearbeitet ist, einen Werth geben. 

Nicht so streng an das alte System hält sich die Grammatik 
¥0B Billroth. Der Verf. derselben war ein so scharfer Denker 
nnd sogleich so dem Praktischen augewendet, dass ihm die Män- 
gel der früheren Methode nicht verborgen bleiben konnten; aber in 
seiner Umgestaltung des älteren Systems ist er auf halbem Wege 
stehen geblieben, hat aich dem neueren in manchen Betiehungeu 
angeschlossen , In anderen eigene Ideen durchgeführt, aber den 
Stoff noch nicht au einem wohlgegliederteii Ganzen verarbeitet. 
Von dem Werke liegt eine neue Bearbeitung vor: Lateinische 
Schulgrammatik von Dr. G. Billroth. Dritte Ausgabe^ besorgt 
\on Dr. Fr. Eilend t. Leipzig, 1848, in welcher der gelehrte 
Herausgeber, wie in der zweiten Aasgabe, den Plan des Ganzen, 
wie er von Billroth angelegt war,4ind bei Weitem die meisten Er« 
scheinungen im Einzelnen nsch der friiher befolgten Ordnung bei- 
behalten hat. C3m nicht zu wiederholen was schon liber die zweite 
Ausgabe vom Ref. bemerkt worden ist, s. Zeltschrift für Alter- 
thumswissenschaft 1838, S. 1231 ff., erwähnen wir nur, dass Hr. 
B. im Attsdnick hier und da etwas geindert hat. So nahm er 
früher §. 254 drei relative Zeiten im uneigentlichen Sinne 
an, jetzt sind es drei Zeiten der äusserlichen Relation oder 
Beziehung geworden, und ebenso sind §. 255 an die Stelle der 
relativen Zeit im eigentlichen Sinne die Zeiten der 
innerlichen (gegenseitigen) Relation oder Bezie- 
hung getreten, was schwerlich eine Verbesserung genannt wer- 
den kann, da die ersteren die Beziehung auf den Standpunkt de« 
Redenden, also gerade ein inneres Verhältnisse wenn dieses an- 
ders von den übrigen geschieden werden kenn, daratellen« dagegen 
in Fällen , wie gaudeo cum literas tnas lego eine innere Beziehung 
kanm sich finden lässt. So sind S. 292 statt der lateinischen Aus- 
driicke Substanz und Accidenz die deutschen },WeBen^^ 



Elieiidt: Laielnisebe Schttlgranmiatik. 3. AuFg. 243 

uod ,,geIegentliGhe oder zufallffpe Eigenheiten^^ ge- 
setzt II. a. An Biideren Stellen sind Verkdrsnagen eingetreten, 
oder Zusätze gemacht. Die bedeutendsten unter den letzteren 
sind §. 99^ die Aufzahlung der adiectiva ond adferbia correla- 
tiva, die früher fehlte j $. 296^ die Bemerkungen über einzelne 
Präpositionen, welehe mehr lexicalischer Natur sind oder syno« 
nymc Verhältnisse berühren; §. 305, die weitere Ausführung dea 
Verhältnisses der Coordination und der dasselbe vermittelnden 
Partikeln, wo nur die ungenaue Bestimmung, dass die coordinir^ 
ten Sätze in keinem inneren Verhältnisse ständen , da dieses auf 
die Catisalsätze nicht anzuwenden ist, die doch hierher gezogen 
werden, hätte beseitigt werden sollen ^ so wie man auch nicht 
sieht, wie durch die pronomina demonstrativa Sätze sollen ver* 
bunden werden. Ferner ist §. 335** hiuzugekommen , deruber 
non quod^ non quo das Bekannte nachträgt Die meisten Erweite* 
rungen hat das fünfte Capitel: Von der Wortstellung und dem 
Feriodenbau, erhalten. Hr. E. hat diese Lehre mit Klarheit nnd 
in der nothigen Beschränkung, aber über den grammatischen und 
rhetorischen Accent nur §. 397 gesprochen, und zwar so, dass er 
gerade den Satztheilen einen stärkeren grammatischen Accent bei- 
gelegt, die denselben nicht haben können. Manche ßinzelnheiten. 
In denen im Lateinischen eine * bestimmte Wortfolge herrscht, 
hätten wohl noch berührt werden können. Endlich Ist der Ab- 
schnitt von der Metrik, S. 46-^, erweitert und fast gänzlich umge- 
arbeitet, was gewiss nur' zu billigen ist, da dieser Theil in den 
früheren Auflagen so dürftig war, dass er den Anforderungen an 
diese Lehre, wenn sie einmal in der Grammatik eine Stelle er- 
halten soll , nicht genügen konnte. 

Zu dieser vermittelnden Classe von Lehrbüchern gehört auch 
die neueste Bearbeitung der Grammatik, nämlich : Grossere iatei* 
nische Grammatik auf Grundlage der kleineren für untere und 
mittlere Ctaesen zum ßehufe eines bis in die höheren Gymnasial^ 
classen stufenweise fortschreitenden Lehrganges^ ausgearbeitet 
und mit einer reichen Auswahl classischer Beispiele versehen von 
Dr. C. B. Putsche. Jena, 1850« ist aber in der Hauptaache 
conservativer als die Billroth'sche Grammatik und hat der neueren 
Auffassung mehr äusserlich einen gewissen Bhifluss gestattet, als 
dasa wesentlich die Behandlung und Methode umgestaltet worden 
wäre. Hr. P. spricht sich in der Vorrede S. VII f. dahin aus, dasa 
er beide Methoden, die ältere und neuere, mit einander zn ver- 
einigen gesucht, und allerdings zwar die Sjntai, der Formenlehre 
entsprechend , in drei Hanptstöcke (vom Nomen , vom Verbnm, 
Ton den Partikeln) eingetheilt, innerhalb dieser drei Hanptstücke 
aber zugleich die drei Satz verhältniaseberuckitichtigt habe, so daas 
in den beiden ersten dem Elementarunterrichte sngehörigen Hanpt* 
st&cken die fSr den Aufiinger mehr geeignete ältere. In dem drit- 
ten far einen höheren Cnrsua bestinaitea Haoptsl&cke dagegen 

16* 



244 Laieiiiiiiche Litteraior. 

(He ,^in das innere Wesen dea Satzes und das Verstaiidni«» der 
Sprache tiefer einweibende Becker*aclie Behaiidlnugsari^* vorher r- 
aehe. Wenn man bedenkt, wie das Becker*ache System in die 
Auffaaaiiog aller gramraatischen Erscheinungen tief eingreift, sie 
alle vom Satse aus sich entwickeln lässt und in ihrem VerhSltniss 
aar Daratellung des Gedankens ausfährt, so wird man einige Zwei- 
fel an der Möglichkeit einer solchen Trennung, wie sie Hr. P. 
versucht hat, nicht unterdrücken können, wenn anders dieselbe 
einen Einfluss auf Behandlung der Grammatik haben soll. Dieses 
ist aber in dem vorliegenden Werke nicht der Fall : denn jenes 
dritte Hauptstück, in welchem der Verf., wie er sagt , Becker ge- 
folgt ist , enthält 'einmal einen Abschnitt iiber die Adverbien (der 
Gewissheit und Ungewisshelt, der Verneinung) und über die Ver- 
bindung der Adverbien mit Substsntiven, einen sweiten von.dea 
Präpositionen, nämlich von der Auslassung und Wiederholung der- 
selben und von der Verbindung der Substantiven durch Prapoai- 
tionen. Die dritte Abtlielluug handelt von den Gonjunctionen oder 
von dem suaammengesctzten Satae und zwar in der ersten Unter- 
abtheilnngvon der Sataverbindung, und hier zuerst von der stren- 
geren Satzverbindung, nämlich der Beiordnnng und der Unterord- 
nung, dann von der weiteren Satzverbindung, und hiervon EUlpae, 
PieonasmuB ^ Satzverschränkong und Anskoluthie; in der zweiten 
Unterabtheilnng von der Wort- und Satzatellung. Man sieht 
schon aus diesem Verzeichnisse, daas dss dritte Hauptsttick eine 
Reihe so mannigfacher und verschiedener Spracherscheinungen 
neben einander stellt, dass man nicht wohl einsieht, wie eine 
streng systematische Methode« die von einem Hittelpunkte aus 
alle Erscheinungen sich entwickeln iäast, auf diese abgerissenen 
Theile und Stücke irgendwie Einlltiss haben könne. Indess könnte 
man dieaea für die beiden ersten Abtheilungen wohl in Zweifel 
ziehen , in der dritten aber aia möglich betrachten. Allein auch 
darin wird man sich täuschen , denn wenn schon die Ueberschrift 
,»Von den Coiqnnctionen oder vom zusammengesetzten Satze ^^ auf 
eine ganz andere Behandlung, als in der Vorrede angedeutet ist, 
schliesaen lässt, so wird man in dleaer Erwartung iK>ch mehr be- 
stärkt durch die S. 4()4 auagesprochene Anaicht, dasa „die Lehre 
vom zusammeugefietzten Satze füglich in der Lehre von den Con«' 
junotionen abgehandelt'^ werde, da somit die Exponenten der Satz« 
Verbindungen diesen übergeordnet, die letzteren also der Becker'- 
schen Ansicht entgegen als das Untergeordnete betrachtet wer- 
den. Ferner würde msn sich sehr täuschen, wenn man der Ueber- 
achrlft folgend §. 360 ff. die Lehre von den Gonjunctionen auclieu 
wollte, da dieae vielmehr in der Formenlehre S. 133—172 aua- 
führlich, aber mehr lexicalisch behandelt ist, während in der Syn- 
tax S. 405 und 406 die Coordination, S. 415 und 416 die Subor- 
dination der Sätze, ao weit diese durch Gonjunctionen bezeichnet 
wird 9 namentlich die letztere in wenigen Worten abgehandelt) die 



Patsche: Grossere lateinische Grammatik. 245 

grammaiieclien VerblKnisse dieser Emcheinnngen hiam berührt, 
ihr Ziisamineiihang mit dem Hauptttatae und ilire Entwidcelung aus 
den Thellen deaaelben nichl nach^ewieaen , aondern mir an^e* 
^deutet wird. Da also die Piiiikle, in welchen Hr. P. Beclcer ge- 
folgt an aein behauptet, nur in den Ueberachriften der Capitel, 
nicht in diesen au suchen > der Stoffe der dahin gehört, an einem 
anderen Orte besprochen ist, da ferner die sweite Unterabthei- 
Inng Ton der weiteren Satzverbindung (man wird diesen Ausdruck 
schwerlich richtig finden können , da kurs vorher Sats Verbindung 
von dem ausammengesetzten Satae , hier von gaoa anderen Er- 
scheinungen gebraucht ist, und in der Sataverschräukung wieder 
Ireine freiere, sondern vielmehr eine engere Sattv^rhindung statt- 
findet) an jedes grammatische- System sich anüchltessen kann ; so 
sieht man in der That nicht, wie der Verf. jene Andeutung in der 
Vorrede verstanden habe, und wird die Eigenthlimiicbkeit sehiea 
Werkes in dieser Beziehung nur darin finden können, dass er die 
syntaxis omata entfernt, die Lehre von den Attributivsätaen nach 
Becker aufgenommen , die iibrigen Verhallnisse des ausammenge- 
setzten Satzes nur im Allgemeinen angedeutet, dem diesen kuraen 
Bemerkungen zu Grunde liegenden Systeme aber auf die Behand- 
Inng und 'Anorditung dea Stoffes einen Einfluss nicht gestattet, 
sondern diesen naehZumpt in die Formenlehre oder einige Theile 
der Syntax verwiesen und dem Lehrer oder Schüler i'iberlassen 
hat, hier das zusammen zu suchen, was nöthig ist, um das im 
dritten Hauptstacke angedeutete Fachwerk auszuflillen. 

Das Verhältniss dieser grösseren Grammatik zu der weit ver* 
breiteten kleineren hat Hr. It seihst theils auf dem Titel, theils 
in der Vorrede bezeichnet. Das neue Werk ist nicht ein für sich 
bestehendes und für eine höhere Biidnngsstufe allein berechnetes, 
sondern es hat den ganzen Stoff des kleineren auch in der diesem 
einmal gegebenen Form in sich aufgenommen; nur ist zu den be- 
reits früher vom Verf. unterschiedenen Cursen ein fünfter, den 
wir oben als drittes Hauptstnck kennen gelernt haben, hinzuge- 
kommen, während die Erweiterungen der friiheren Hauptstiicke 
meist in Zusätzen und Anmerkungen sich (inden. Da der Verf. 
früher, als er wollte , zu der Auaarbeitnng des Werkes gedrangt 
worden ist , so sind einige Theile der kleineren Grammatik ohne 
alle Veränderung geblieben und namentlich der grösste l'heil der 
Formenlehre ganz so wiederholt, wie er sich in jener findet, so 
dasa eine gleichmsssige Behandlung des grammatischen Stoffes 
späteren Ausgaben vorbehalten bleibt. Wenn übrigens der Verf. 
bemerkt, dass ,,den Schulern höherer Classen tieferes, rationelle- 
res. Eingehen In die Formenlehre weit eher als in die Syntax ent- 
behrlich zu sein scheine,''^ so ist, abgesehen davon, dass diese 
Ansicht wohl noch manchem Zweifel unterliege, da gerade in den 
höheren Classen die enge Verbindung . in der die Formen mit der 
Bedeutung stehen , scheint klar gemacht werden sti können y nicht 



246 Lateiniscfae Litteratur. 

wohl SU erkennen, warum er diese Entschnldigang geltend gemacht 
hat, da er nach S. VIII überzeugt i«t, daas für den Schüler über- 
haupt nur die praktisch - dogmatische Sphäre der Grammatik ge- 
hört, die wissenschaftlich entwickelnde und begründende dem 
Lehrer Torbehaltierii werden mnss. Obgleich Hrn. P. jeder Schul- 
mann darin beistimmen wird, dass die streng wissenschaftliche 
Behandlung der Unterrichtsgegenstände überhaupt^ folglich auch 
der Grammatik dem Gymnasium fern liege, schon well sie nur 
einen geringen Theil des Stoffes in sich aufnehmen kann , so iüt 
doch auf der anderen Seite eben so fest zb halten, dass die Schul- 
grammatik hinter den Anforderungen der Wissenschaft nicht zu- 
rückbleiben , die Resultate derselben nicht ignoriren, nicht da eine 
zusammenhanglose Masse dogmatisch an einander reihen dürfe, 
wo wissenschaftlich der Zusammenhang nachgewiesen ist. Die 
lateln. Grammatik ist in der Regel das Buch, in welchem der Schü- 
ler zuerst eine Summe von Regein übersehen lernen kann und soll, 
sie ist das Buch , welches seine Thatigkeit am Meisten in Anspruch 
nimmt ^ die erste Grammatik, deren er sich bedient, ist seine 
erste Logik, und er wird sich, )e nachdem in derselben der Stoff 
ohne strengen Znsammenhang, oder in einer Ordnung ihm vorge- 
führt wird, In der das Eine aus dem Andern sich entwickelt, von 
vornherein an ein zusammenhängendes Denken oder das Gegen- 
theil gewöhnen, oder gar nicht denken, sondern nur das Gedacht- 
tiiss üben. Ferner ist au fürchten, dsss, wenn die latein. Gramma- 
tik hinter den Anforderungen der Wissenschaft zurückbleibt, der 
Schüler, wenn er etwa eine diesen entsprechende deutsche In die 
Hände bekommt, oder ein französisches Sprachbuch n. s. w., leidit 
dahin gefi)hrt werden kann, jener neben diesen keinen grossen 
Werth beizulegen , und der Gymnssialnnterricht von einem solchen 
Verfahren entschiedenen Nachlheil erleiden milsste. Das« dieses 
durch die Grammatik des Verf. 's nicht geschehe, dafür bürgt so- 
wohl die güitstige- Aufnahme, welche dieselbe gefunden hat, als 
der glückliche ßrfolg , mit dem sie gebraucht wird , und die Sorg- 
falt, die er auf die Verbesserung und Vervollkommnung derselben 
verwendet. Von diesem Streben zeugt auch die neue Bearbeitung 
an vielen Stellen. Denn wenn auch der grösste Theil der For- 
menlehre fast ohne Veränderung aus der kleineren Grammatik auf- 
genommen ist, so sind doch die übrigen Abschnitte fast alle ver- 
bessert, umgestaltet oder erweitert. So sind in der Lehre von 
der Congruenz S. 183 ff mehrere Zusätze gemacht, von denen 
aber §. 208, Zus. 3 und § 209, Zus. 5 zu §. 205, Zus. 5 hätten 
gezogen werden kennen, während S. 185 Anmerk. zu §.401 ge- 
hören und S. 181 Anm. das Wesen der zu erklärenden Con- 
struction nicht treffen dürfte. Zahlreicher sind die Verändcron- 
gen, die der Abschnitt von den casibus obllquis erhalten hat 
Wenn hier der Verf. Object für den Gegenstand erklärt, welcher 
mit dem Prldlcate in Beziehung gesetzt wird, und dann das er» 



PuUche: Grouwte laUinitche Grammatik. 247 

finsen^e, bestimmende , jenes wieiler al« etn regiertes «der ah- 
Mogig^es und als trauaifivea daratellt, und dieses feistere im Ac- 
cuMlW nachweist, so sollte man erwarten, er werde dsnn auch 
seigen, welche Objecto blos abhängig, welche nur bestimmend 
seien. Allein dieses ist nicht geschehen, sondern die Anliuupfung 
an den sllgemefnen Lehrssts findet nnr Statt bei dem Accusative, 
nicht bei den (übrigen Casus. Auch dass der Accusstiv ohne wei- 
tere Beschrankung jetzt als der Casus des transitiven Objectes 
dargestellt wird, ksnn leicht sn dem IrrChnm verleiten, dass aurh 
die §. 217 ff. berührten nur bestimmenden Objecto sn den tranai- 
tiyen gehörten. Der Dstiv, welcher frIVher als der Caaos der 
äusseren Verbindung beseichnet wurde, int jetst richtiger sIs der 
CasDs des empfsngenden Objects dsrgestellt. Ob die doch wohl 
nicht so häufigen Conatructionen, wie aestimanCi<--est Tac. Germ. 6 
u. a., ferner der dat. ethiciis mit Recht sogleich im ersten § fkhet 
den Dativ eine Stelle gefunden haben, lässt sich besweifeln; bu 
wie ob §. 223 pssaend «wischen die ton verwandten GegensUiHdeij 
handelnden §§. 222 und 224 ff. gestellt sei. Der Genitiv, früher 
der Casus der inneren Verbindung, ist jetct der Casus des er- 
sengenden Objects. Hr. P. betrachtet denselben mit Hecht 
cum Theil als Ausdruck für dss Attribut und weist S. 219 und 
221 nach, wie dieser Attribntivgenitiv sich aus dem prSdicativen 
Satsverhaltnisse entwickele, so dsss msn nicht absieht, warum er 
nicht unter dem attributiven Sstsverheltnisse behandelt ist. Die 
meisten Verüoderungen list der Ablativ, der Casus des adverblalea 
(naher bestimmenden) Objects, was jedoch, da auch aridere Casus 
diese Function haben , su weit sein dnif te , erfahren. Hr. P. be- 
ginnt Jetst mit den localen Verhiltnissen und schreitet naturge- 
mass SU den ilbrigen Verhallnissen fort, wahrend er früher eine 
andere weniger zweckmissige Ordnung befolgt hatte. Nur dss ist 
nicht einleuchtend, wsrnm §. 249 der sogeusnnte accus, grsec. ala 
statt des Ablativs gebraucht dargestellt und §. 252 ff. ein An- 
hang : besondere Regeln , hintugerügt wird , die hier besprochenen 
Gegenstande nicht an den Ihnen gebührenden Stellen behandelt 
sind. Eben so sind die PrSpositlonen mehr lexicslisch nsch dem 
Accus, und Abi. beigefügt, nicht in die Lehre von denselben selbst 
verarbeitet. Auch das ist wohl nicht su billigen, dsss Hr. P. swar 
hiufigauf den Wechsel der Casus, oder der blossen Casus und 
der Casus mit Priiposltiouen hinweist, sber nnr selten den Unter- 
schied der Bedeutung oder Anschauung angieht. In dem Capitel 
ober die Adjectiva sind §. 258 einige, sum Theil den auch sonst 
in den Erweiterungen berührten poetischen oder spliteren Sprach- 
gebrauch betreffende Zusitze gemacht, Vieles dagegen istxu den 
Pronomina, besonders über das reflexivum, iiber ts, ober die in- 
terrogativa und indefinita hinzugefügt worden. In Bezug auf die 
letsteren ist es auffallend , dass Hr. P. noch an der Ansicht fest- 
hilt, dass nach si, nisi a. a. quis und in negativen Satseu futs- 



248 Laleinische IjitAeraUir. 

^uam und uUus an « ta ii aiiqyü stehe, s. §. 276 und 277. Aoch 
iai schwerlich sti billigen , das» die Auadrocksweisen für das deut- 
sche man §. 280 unter dem Pronomen, nicht bei den Personal- 
formen , die als Sprachfbrmen in der Grammatik nicht weniger ale 
die Zeit- nnd Modusforroen xu beachten aind, berührt werden. 
Hr. P. hat nur die leisten in das Gebiet der SynUs gesogen, und 
da er dieselben schon früher siemlich ausführlich behandelt hatte, 
nur wenige Zusätze su machen für nöthig erachtet. Ob es ubri* 
gens praktisch sei, die Lehre von dem Modus mit dem schwierig- 
sten Verhaltnisse, dem conditionalen, lu beginnen, dürfte sich 
bezweifeln lassen. Namentlich möchte die AufCsssung des §. 293 ff. 
besprochenen Potentialis undConditionalisdem Sohnler nicht leicht 
erscheinen, besonders desshalb, weil nach §. 295 auch. der Poten* 
lialis theils conditionsl, theils ohne Conditionalbedeutong ge- 
braucht werden soll, wonach folgerecht auch der Indicativ in Gou« 
ditiooalsiitsen conditionale Bedeutung haben musste. In dem Zu- 
aats 1 möchte man neben den gewöhnlichen diceres, crederesanch 
einige andere Fälle des Potentialis der Vei^angenheit angefiihrt 
sehen, s. Etaler Spracherörterungen S. 171. An den Coojonctiv 
|n Hauptsatsen scUiesst der Verf. sogleich den Gebrauch dessel* 
ben in Nebensstaen, unter der Aufschrifl: vom Gonjunctiv nach 
Conjuuctiooen an, eine Darsteliuog, durch die leicht der Schüler 
verleitet werden kann , zu glsuben, der Gonjunctiv werde geradezu 
durch die Partikeln bestimmt und habe in dieaen FiUlen eine 
pudere Bedeutung als im unabhfiogigen Satze; und er wird dieses 
um so mehr glauben, als er hier fast nirgends erfährt,, wie die 
Auwendung des Goajunctivs nach der gensnnten Gonjunction aus 
der Bedeutnng des Modus nberhsopt und der dem Lateiner eigen- 
thümlichen Auffassung einiger Verhiltnisse hervorging, sondern 
snnehmeu mnss, der Gonjunctiv bezeichne die Folge, s. §» 300« 
312, den Grund §. 307. 313 u. a., oder sich sn eine nur gedacht- 
uissmfissfge Auffassung dieser Verhältnisse gewöhnen wird. Fer- 
ner ist suffallend, dass §. 300 die Satsverhältnisse der Con- 
atructionen mit ul,^ nicht blos die Bedeutung der Partikeln darge- 
ateilt wird, in den übrigen Fällen nichts der Art erwähnt ist, so 
wie dass nur Beispiele des factitiven ui nach faaere u. a., nicht 
pber dea consecutiven, nsch t/o, eben so keine Absichtssätze ohne 
ein sie bestimmendes trsnsitives Verbum angeführt sind, sondern 
der Schüler auf den Gursus verwiesen wird , der erst in Secondn 
nach der Ansicht des Verf.^s behsndelt werden soll. Auch der 
folgende Abschnitt über den Infinitiv und accua. c. Inf. (das Supi- 
num nnd Gerundium ist von dem Infinitiv getrennt und erst nsch 
dem Participinm behandelt) hat nur wenige Zaaätze erhalten, 
mehrere die Lehre von dem Participium und besonders die von 
dem Gerundium. * 

Die neuen Abschnitte, welche die grössere Grsmmstik erhal- 
ten hut, sind schon oben erwähnt worden, der Kern derselben Ist 



PoUche: Grossere lateinisdie Grammatik. 249 

die S. 133 — 172 gegebene Atifaihhiiig der ConjonctioneDf vod die 
Lebre tod der Wortetelliing §. 404 ff. In Besug auf die erslere 
will jedoch Hr. P. nicht, wie es scheinen Itönnte, dMS aie in ihrer 
ganzen Aoidehnung dem fünften graiamatisehen Lehrgange, a. 
S. IV, vorbehalten werde, und hat in^der Icleineren Grammatik 
einen Theil dea hier gegebenen Stoffea achon dem dritten Lehr- 
gange bestimmt, aber nur nicht angegeben, was in den vierten 
oder fünften au ziehen sei. Hr. P. beginnt diesen Absclinitt der 
Formenlehre (S. IV wird aie Bedeutungslehre genannt, die je« 
doch nicht allein die Conjunctionen, sondern alle Formwdrter, iie 
Präpositionen, die Pronom. o. s. w. umfassen Icönute) mit der rein 
syntaktischen Lehre von coordinirten und snbordinirten Sitae», 
die §. 369 wiederholt wird und nur hier an ihrem Platzt iat. 
Wenn auch Hr. P. das EigentbCimliebe der coordinirten Sfitse dar« 
in findet, dasa sie nur ünaserlich verbunden seien, so müssen wie 
wiederholen) dass vorzligUch das Vef hihniss von Grond und Folge 
ein inneres sei, aber auch alle abrigen coordinirten Sätze äd einer 
höheren Kinheit verwachsen. In diesem Abschnitte wird such die 
Lehre von den Frsgsatzen voUstiiodIg abgehandelt; nur die Lehre 
von denrUdodua^in denselben, die sich früher in dem Abschnitte 
über den Copjnnctiv nach Conjunctionen fand, ist jetzt ^rt aBa- 
gelassen und in die oratio oblique verwiesen, s. §. 317 und 330. 
Da in der Lehre von dem Conjunctiv«, nach Conjtuictionen die Be- 
deutung der letzteren meist schon angegeben iat, so waren hier 
manche Wiederhol ongen nicht zu vermeiden, s. §. 168 und 306 
u. a. Da wir hier auf das Einzelne nicht weiter eingehen können, 
so bemerken wir nur noch , dass, wahrend die Conjunctionen, die 
so eng mit dem Salze und dessen Bedent|ing znssmmenliangen , in 
die Formenlehre verwiesen sind , die Adverbien , welche mit Aus- 
schluss der Negationen syntaktisch keinen Einflnss haben, in der 
Syntsx §. 354 behandelt werden. Eben so sieht m8n.nicht, warum 
hier und nicht in der Lehre von dem Attribute von der Verbindung 
der Advcrbia mit Substantiven die Rede ist, da §. 362 die Stelle, 
au die dieser Gegenstand gehört, angedeutet wird, oder warum 
hier luid nicht in einer Anmerkung zu der Lehre von den Präpo^ 
altionen über die Wiederholung und Auslassung der Präposition 
gesprochen ist. Ausfuhrlich erörtert der Verf. in diesem Ab- 
schnitte noch einige Constructionen des Belstivum, von dem somit 
an 3 verschiedenen Stellen, in der Lehre von der Cougruenz, von 
dem Modus und in dem dritten Ufiiptstncke die Rede ist. Da 
Hr. P.) wie er in der Vorrede sagt, rascher, als er beabsichtigte, 
die Bearbeitung der latein. Grammatik hat vollenden müssen, S0 
lasat sich hoffen, dass er spater dieses letzte Hauptstück ^ in wei- 
chem so wenig Zussmmenhang herrscht , besser gestalten und ord* 
neu werde, was sber nicht möglich sein dürfte, wenn es ein blos" 
ses Schema bleiben, der Stoff so demselben aber iü anderen 
Theilen der Grammatik zerstreut geboten werden sollte. Danq 



250 Laieiiiiiche Litt^rator. 

wSreeetv&nschenswerther, wenn der Verf. die wenigen Anden- 
tanf en über die Satatverhäitnisse, die dts dritte Hittptstnck bietet, 
gaos entfernte und intsh diesen Theil der Grammatllc nur naehden 
Wortarten (Adverlkien, und Conjunctionen) behandeln wofllte. 

Um Viele« weiter entfernt sich Ton dem früheren Systeme 
die Schutgrammaiik der lateinischen Sprache von Dr. Fr. ^rits 
und Dr. F. Berger. G5ttingen, 1848, welche das zweite Glied 
in der Reihe der Parallelgrammatiicen ist, welche nach den An- 
sichten, wie sie von vielen Schulmannern, besonders von Thiersch, 
anf der Philologenversammlung in Bonn und auch sonst nicht sel- 
ten ausgesprochen worden sind^ Hr. Rost dem Unterricht Im 
Deutschen, Lateinischen , Griechischen au Grunde legen will. Je 
wichtiger und nothwendiger dieses Unternehmen ist^ s. Kriiger 
Andeutungen sur Paralletgrammatlk ond diese NJahrbb. Bd. 45. 
S 264, um 80 mehr muss man es mit Dank anericennen^ dsss sich 
die HHrn. Verff. mit so viel Hingebung dem einmal gefassten 
Plane sich unterworfen und Ihre Aufgabe mit so viel Fleiss und 
Umsicht gelost haben. Auch das ist nor su loben ^ dass sie nicht 
gemeinschaftlich die ganae Grammatik bearbeitet, sondern der 
Eine die Formenlehre, der Andere die Syntax behsndelt hat. Bs 
ist ihnen so gelimgen ein Werk zu liefern , das unter der grossen 
Zahl der Sehulgrammatiken einen ehrenvollen Platc einnimmt und 
gewiss dazu beitragen wird, den Unterricht Im Latein, zu fördern 
und bildender zu machen. Durch diese Vorzfkge wird wohl hin* 
reichender Ersatz dafür gegeben, dass manche Spracherscheinun- 
gen mehr so wie sie das bereits entworfene System als wie es der 
Charakter der iatein. Sprache gefordert hatte, behandelt worden 
sind , dass auf der anderti Seile die Aufgabe, welche sich die VerfT. 
nach der Vorrede gestellt haben, eine Satzlelire zu geben, welche 
ans dem einfachen Satze, d. h. aus der Nator der Sprache selbst 
hergeleitet Ist, nicht als vollstfindig gelöst betrachtet werden kann. 
Auffallender ist es, dass die grössere Körze, welche die Parallel- 
grammatik verspricht, besonders wenn sie, wie Hr. Rost beabsich- 
tigt, mit dem Deutscheu beginnt, siso wohl in der deutsch. Grsmm. 
die allgemeinen grammatischen Begriffe dargelegt, in der Iatein. 
und griech. als bekannt vorausgesetzt werden können, nicht er- 
reicht worden ist, und das Werk, da es 644 meist eng gedruckte 
Seiten urofasst , wohl umfangreicher erscheinen diftrfte , als es den 
Zwecken der Schule frommt. Wollen wir das Einzelne etwas 
nlherins Auge fassen, so miissen wir, da die Formenlehre von 
Hrn. Berger, die Syntax von Hrn. Kritz bearbeitet ist, beide Thelle 
getrennt betrachten. Die Formenlehre giebt den nöthigen Stoff 
im Ganzen in zweckmässiger Auswahl und mit Bernckaichtignng 
der neueren Forachnngen; allein sie acheint in manchen Punkten 
zu breit und auafnhrlich , indem der Verf. thells zn viel RSsonne- 
ment einiliessen lüsst, thells durch die Anordnung gendthigt Ist, 
Manches weitläuftiger su behandeln > ala es durch das Lsteinische 



Kritz Diid Bergen Scholgrammatik der latein. Sprache. 251 

selbst geboten war, theils, da er das Allgemeine bei den eioxel- 
nen Erscheinungen nicht selten noch einmal angeführt, mehrfache 
Wiederholungen zugelassen hat. Auch findet sich Manches, was 
wenigstens nicht genau und bestimmt genug sein durfte. So kann 
§. l^yfo es helsst: ,,Grammatik ist der Inbegriff der Regeln, nach 
welchen die Sprache eines Volkes sich gebildet hat/^ leicht %n 
MlfssTcrständnissen ober das Wesen der Sprache sowohl, s. Hum- 
boldt Ueber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues 
S. 39 ff., als über die Grammatik der HHrn. Verff. nnd deren Auf- 
gabe iuhren. Ferner soll die Grammatik ,,dle Aufgabe haben, au 
zeigen, wie die Wörter entstehen,^^ wornach man erwarten mosste, 
dass von der Bildang der Wurseln nnd der Stimme ausgegangen 
werde, was keineswegs der Fall Ist. §. 2 helsst es: „entstanden 
Ist die latelniiiGhe Sprache in Rom,^^ und doch ist so eben gesagt^ 
,^die latein. Sprache ist ein Zweig des indogermanischen Sprach- 
staromes^^^ und betrachten die Römer ihre Sprache nicht als ihnen 
allein, sondern dem lateinischen Volksstamme angehörig, s. Klotz 
Handbuch der-lateln. Litteraturgeschichte S. 15. Dann wird be« 
hauptet: „die I^tciner sind pelas^ischen Ursprungs, während die 
Sabiner und Etrusker das uugriechische ßlement ausraachen,^^ obg 
gleich es noch keineswegs feststeht, dass die Etrnsker einen bc« 
deutenden Einfluss auf die latein Sprache ausgeübt haben und in 
welchem VerhäÜniss die »abinische Sprache zu der latein. ge- 
standen habe. In der Rt^rmologie wird zuerst die Lautlehre und 
das Alphabet behandelt. In Bezug auf das letztere ist es auf- 
fallend , dass / wieder als besonderes Zeichen aufgeführt, dann » 
als aus dem Griechischen entlehnt betrachtet wird; §. 6 wird von 
den Sprachwerkzeugen die Nase ausgeschlossen, als ob die nasales 
nicht in manchen Sprachen eine bedeutende Rolle spielten. §. 7 
wird die in vielen Fällen dem ei sich nähernde Aussprache des t 
übergangen und die Schreibung negiegeniiOy adulescens^ epi- 
siula u. a. nicht mit Recht der „älteren Zeit^' zugeschrieben. §. 8 
heisst es: ch fand sich auch „in acht lateinischen Wörtern vor,^^ 
wo es bestimmter hiesse: „wurde — eingeführt/^ Der Abschnitt 
über die Veränderung der Laote ist sehr ausführlich , aber nicht 
so klar und präcis behandelt, als zu wünschen wäre. Der Verf. 
braucht die Bezeichnung „Umlaut^^ ftlr fast alle Vocalverinde- 
ruiigen und sucht dieses in einer längeren Anmerkung, die In einer 
Schulg^rammatik fremdartig ist, zu rechtfertigen. IndessVfrd sich 
die deutsche Grammatik schwerlich dieser Anordnung fßgen kön- 
nen, nm so weniger, als Hr. B« offenbare Ablaute wie t^go^ ioga 
u. a. als Umlaute betrachtet Zu grosser Weitschweifigkeit hat 
es'geftihrts dass der Verf. von einem Uebergehen der hellen und 
duiÄcIcn Vocale in einander spricht und dieses nach den ver- 
schiedenen Thellen der Etymologie, Wortbildung nnd Fleiion 
verfolgt, statt einfach die lautlichen Bedingungen anzugeben, unter 
denen jene Veränderungen eintreten, da es ganz gleichgültig sein 



252 LateiniüRlie Liiterator. 

kann , ob sie bei der Wortbildung oder Flexion vorkommen. So 
ist Hr. B. genothigl, sechsmttl in bemerken, das« Veränderungen 
dadurch bedingt werden, dam die Silbe offen oder geschioaaen ist, 
waa er leicht bitte Termeiden können , wenn er gerade diese Be- 
schaifenheit der Silben und die Eigenthomlichkeit dea r-Lantea 
•1s den Grund der Veränderungen Torangestellt hatte ; ea wurde 
dann mit wenigen Worten iibersichtlich das gesagt worden sein, 
was auf 2eng gedruckten Seiten so ausgeführt wird, dass der Schuler 
schwerlich alle die geschiedenen Fälle wird behalt^ können. Auch 
im Elinaeinen findet sich Manches, was nicht genan sein durfte. So 
Ist äi schwerlich aus dei^ sondern erst aus äii entstanden; In es/, 
fera^ voU kaum eine Sypcope anauerkennen, man müsste sie denn 
bei est für den gansen Sprachstamm annehmen ; in servis kaum eine 
Blision des o, das sich vielmehr in t geschwächt und mit is ver- 
bunden au haben scheint. Eben so dürfte es awelfelhaft sein , ob 
in rerum neben rei^ felis neben feles eine Laiiiverstarknng statt- 
habe; oh feei neben /octo hierher zu rechnen sei. Die Annahme 
einer Apocope in allar iasst sich schwerlich rechtfertigen, siehe 
Freund Schollen S. XLVII. Die Lehre von der Verandernng der 
jConsonanten würde an Ueheralchtlichkeit gewonnen haben, wenn 
die Präpositionen in composltis ausgeschieden und abgesondert be- 
handelt worden waren. Ob inaöanonäo u. a. ein Znsais von s oder 
nicht vielmehr in ab ein Wegfall des « ansunehmen sei , ob nicht 
dasselbe in Riicksicht auf red in reden geile , ist bekanntlieh noch 
nicht entschieden. Dass die Verstärkung des Präsensstammea 
hier berührt wird, ist wenigstens nicht forderlich, eben so, dass 
die Verdoppelung der liquidae, b« B. Iri reiiigio u. ä., als eine nicht 
seltene dargestellt wird: denn der Schüler kann sie sich darnach 
auch in Prosa erlauben. 

Die Lehre von der Flexion dea Nomen ist S. 31 bis 121 be- 
bandelt. Es werden für dieselbe die Nennwörter in Anspruch 
genommen, au denen Hr. B. auch die Adverbia rechnet« a. §. 28, 
waa vom etymologischen Standpunkte aus wenigstens in Rücksicht 
auf die meisten Adverbia aicli rechtfertigen Iasst. Nur hätte dann 
der Verf. S. 215 f. in den verschiedenen Adverbialsuffixen wie tttSj 
te^ e, <im, im etc. verhärtete Casusformen nachweisen müssen 
und §. 33 ipcht sagen dürfen: ,,flexionsrahig sind die Nennwörte/ 
und die Aussagewörler.^** Zu den Nennwörtern gehören auch die 
Pronomiih als ,,st^ll?crtretende Nennwörter.'^ §. 29 folgt eine 
genauere Bestimmung derselben^ die jedoch schärfer nervorhebea 
müsste , dass die Dinge selbst und ihre Beschaffenheiten nicht wie 
sie an sich lind (was Hr. B. hinsusetst: „ausser aller Besiehung 
auf ein beaonderes Bewusstsein des Redenden,^' könnte leicht misa- 
verstanden werden), sondern nur nach der gerade vorlie^renden 
Besiehung, in der sie der Redende au sich oder su snderen Diu- 
gen setat, beseichnet werden. Schon aus diesem Grund dürfte 
die Trennong der sogenannten Pronominalia von den Pronomen 



Kritc und Berger: ScholgraouDatik dor latein. Sprache. 253 

und ihre Aufstellung^als qualitative Adjectiva tqh generelle^ B<h 
griff bedenklich sein, da 2. B. aolcher die apeciellate Beieich-» 
Bung enthält durch die Hinweiaung auf eine gegenwSrtige Ben 
schaffenheit, ohne die es gar nicht verstanden werden kann, wah* 
reud die eigentlichen Adjectiva, die Hr. B. Adjectiva von spedel«- 
lem Begriffe nennt, sich Imnier auf die Arten der Dinge beliehen« 
§. 35 enthalt die allgemeinen Genusregeln. Wenn dort behauptet 
wird : ,,der Wortauslaut enthält das ßrkennungsxeichen des gram- 
matischen Geschlechtes,^' so ist dieses, wenigstens für die nomina 
der 3. Decl., nicht genan. Ferner hätten wohl die Städte aus der 
Zalü der schon durch ihren Begriff zu den femiolnia gehörenden 
Wörter ausgeschlossen werden können. Ungenau ist §. 37 In det 
Definition der Casus, dass sie Besiehungen der Gegenstände zu 
einander bezeichnen, da sie ja nur die Beziehung zu den Thätig- 
keiten andeuten. §. 38 kann es nur stören, wenn eine starke 
und schwache Declination unterschieden wird, da diese Bezeich» 
nungen im Deutschen, von dem ausgegangen werden soll, andere 
Bedeutungen haben; auch hat der Verf. dieselben auf die Verbal^ 
flexion, obgleich hier ganz ähnliche Verhältnisse obwalten, nicht 
übergetragen. Ein Druckfehler ist es wohl, dass der acc. plur. 
der achwachen Declin. als es angegeben wird. Warum §. 40. 
A. 3 die Genitive wie nummum u. a. als alten Gesetzen entlehnt 
bezeicjinet werden, lässt sich schwer absehen. Sehr ausföhrlicb, 
S. 45 — 73, wird i'iher die 3. Decl. gehandelt. Vieles, was schon 
in der Lautlehre bemerkt war, wiederholt, S. 59 — ti5 eine lieber- 
sieht der INominativ - und Genitivbildungen g;egebeu, die gewiss 
nur dazu dienen kann^ den Schiller abzuschrecken. Aoffotleod 
ist, dass §. 41, 7 von einer Verwandlung des r in das ursprüng- 
liche s gesprochen, unter c die Einwirkang der offenen und 
geachipssenen Silbe nicht berührt und das Suffix es durch Ver- 
wandlung von t \n e erklärt Wird. Uebrigens ist der Abschnitt 
über die Umbildung des Stammes mit Umsicht behandelt, nur 
wäre im Interesse der Schüler mehr Präcision zu wünschen« Die 
Genusverhältuisse hat der Verf., wie es auch Ref. versuchte, mit 
Recht nach den Wortstämmen zu bestimmen gesucht. In dem 
Abschnitte von dem Pronomen wäre wohl eine Andeutung über 
die bei den demonstrativis etc. sich findende Vermischung der 
verschiedenen Declinationsformen mehr am Platze gewesen, als 
die S. 113 gegebene Tabelle, in welcher die demonstrative keine 
Stelle finden, auch dürfte es bedenklich sein, hie und iUe als 
„Pronomina zur Andeutung räumlicher Bezietumg'*'' hiiizustellen ; 
ganz unzulässig aber ist es, is und das Relativum unter dieser Ka- 
tegorie zu begreifen, s. S. 303 ff. 

Die Lehre von der Flexion des Verbum wird S. 121 — 195 
behandelt, und hier zeigt sich, dass es gefährlich werden kann, 
wenn die Parallel grammatik in zu weiter Ausdehnung Anwiendung 
findet. Schon die Definition des Verbum, §. 69 , ^^das. Aussage- 



254 Lateinische Litteratur. 

wort öder Verbum sa^t eine Eigenschaft von einem Gegenstande 
aus,^^ möchte schwerlich richtig sein, eine Eigenschaft wenigstens 
in dem Verbum nicht ausgesagt werden. Sehr treffeud sagt Hum- 
boldt a. a. O. S. 251: Durch einen und denselben Act knüpft das 
Verbum das Sein das Prädicat mit dem Subjecte zusammen, 
allein so, dass das Sein, welches mit einem ejiergischen Prä- 
dicat in ein Handeln übergeht, dem Subjecte selbst beigelegt, also 
das blos als Terkniipfbar Gedachte zum Zustande oder Vor- 
gange in der Wirklichkeit macht ;^^ w&'hrend die Annahme einer 
Eigenschaft gerade das Bedeutsame des Vorgehens aufheben 
mnsste. §. 70 wird über die Zustandsformen , d. h. die genera 
d^s Verbum, aber nicht klar und verstandlich gehandelt, auch 
lässt sich zweifeln, ob das reflexivum mit Recht als ein genns aeti- 
vum bezeichnet werde, da es ja mit gleichem Rechte dem Passiv 
zugerechnet werden konnte. § 71 bespricht „die Aussageformen 
des Verbums oder modi, participia, infiuitivi und supina, so dass 
also der Unterschied zwischen verbum finitum und infinflum, der 
durch das Wesen des Verbum eben so wohl als durch die Form 
gegeben und gefordert ist , fast vernichtet wird. Ist einmal das 
Verbum „Aussagewort^^ so kann Particip und Infinitiv nur in so 
fern an demselben gerechnet werden , als sie wohl das energische 
Fridicat, nicht aber die Aussage enthalten. Deashalb unterschei- 
det Hr. B. eine Aussage schlechthin und man weiss nicht, weiche 
andere noch, und sucht dadurch nachzuhelfen, dass er unter 2 
sagt: „bezogen werden kann die Eigenschaft auf den Gegenstand 
entweder als das Prädicat, oder als Attribut, öderes kann auch 
der Verbalzustand an und fiir sich als abstracter Begriff aufgefasst 
und dargestellt werden;'^ allein einmal ist der zuletzt erwähnte 
Vorgang kein Bezogenwerden , gehört also nach 1 nicht hierher, 
das attributive Verhältniss enthält swar eine Beziehung, aber keine 
Aussage, ist also specifisch von dem prädicativen verschieden und 
wurde alle Adjective als Theile des Verbum und als Aussagefor- 
men erscheinen lassen. So wie durch diese allgemeine Bestim- 
mung nichts aufgeklärt wird, so ist auch d^a Wesen des Modus 
nicht genau bestimmt und der Vorgang im Geiste des Redenden 
nicht scharf genug bezeichnet, wenn der Indicativ die Aussage als 
wahrgenommen (es kann wohl das Ausgesagte, nicht aber die Aus- 
sage als eine wahrgenommene bezeichnet werden), der Conjunctlv 
als eine Vorstellung, der Imperativ als gewollt darstellen soll, denn 
dann sind ignosce — deinde slnas Liv. 3, 48 zwei Imperative 
und der Indicativ enthält keine Vorstellung. Dieselben ^Bestim- 
mungen werden aber auch auf das verb. inRnitum übergetragen, 
und das partic. praes. und praet., fut. act. und pass. bezeichnen 
daa Attribut als ein wahrgenommenes, das part. fut. act. und pass. 
alt ein gewolltes und begehrtes, eine Form für das vorgestellte 
Attribut giebt es nicht. Es Ist zu förchten, dass durch diese An- 
nahmen nur Verwirrung bei dem Schüler hervorgerufen werde, da 



Kritz ond Berger : SchalgraMSftük der lateia. Sprache. 2S5 

der Begntt der Wahriiehiman^ viel weiter bl ala hier utgt^tbem 
wird, das Wollen aich ferner nicht auf das Attribut, aosdera auf 
die Tliatigkeit bezieht und nicht der uraprüngllcbe Begriff ist, s.' 
p. 266^ noch weniger hierher das Gerundiam gehört, dem ülierdiess 
die liauni naclizuweisende Bedeutung der Zuicunft, die, wenn sie 
richtig wäre, wieder nicht wahrgenommen werden icönnte, beige* 
legt wird. Für den Infinitiv werden dieser selbst und das Siipl* 
num als Formen aogegeben, das Gerundium erst S. 127 als die Ca- 
sus desselben beseichnet, wss bekanntlich manchen. BedenlceD 
unterliegt. Mit Recht hat daher Hr. Kr. S. 431 auf diese Lehren 
keine Rikksicht genommen. Auch die Tempora sind §. 72 sum 
Theil nicht genau bestimmt, Indem den tempp. der actio iofecta 
die Bedeutung beigelegt wird, dass sie den Zustand als ,,slch ent* 
wlckelnd^^ beseiclinen, denn dann wnrdelegit nicht die schon ein- 
getretene und im vollen ^ange sich befindende Handlung des Le* 
sena, sondern erst eine Vorbereitung dazu, etwa lecturos est, 
bezeichnen. §. 76 wird von Verstärkung der Verbaleodungen ge- 
handelt, ohne dass über die Gestalt des Stammes selbst und seine 
Veränderungen dss Nöthige vorausgegangen wäre. Erst §. 40 und 
93 wird das Möthige, wj^nn auch nicht vollständig, nachgeholt, 
aber hier Verschiedenartiges gemischt, da die Verstärkung des 
PrSsensstammes durch n gewiss eine andere Benrtheiluog^ ubihig 
macht , als der Zusatz von sro. Hinter den Resultstea der aeae- 
ren Forschungen bleibt der Abschnitt über die Bildonf des Per- 
fects zurück, was um so mehr auffallen mnss, da gerade hier die 
Rücksicht auf das Griechische den rechten Weg hatte zeigen köo- 
neu. Von der ursprünglichen Form des Perfects mit der Red«- 
plicationist erst hinter den Coujanctionen , §. ^9, die Rede; ala 
Grundform gilt Hrn. B. das Perf. mit vi oder ui, obgleich diese 
fsst nur an abgeleiteten Verben sich findet, und stV sMe obrigea 
Bildungen sind ihm nur „Ersatz dieser verstärkten Endungen;^* 
legi steht slso für hcsi oder legui vl s. w. Wir können hier nur 
auf die Untersuchungen von Pott , Bopp ond Curtius verwelseiiy 
die das richtige Verhaltnias schlsgend dargethan haben^ Eben ae 
wenig ist au billigen, dsss die Lsutverwandlung in/rct, adegi etc, 
mit der in dilesi^ dilectum etc. glelchgeatellt wird, s. §. 76 A., 
ohne dass in den letzten Formen der Eiofluss der offenen Silbe 
und des Doppelconsonsnteu beschtet Ist. Mit Recht nimmt da- 
gegen der Verf. eine doppelte Conjogatlon , eine ursprüngliche und 
eine zusammengezogene, an; ea wäre nur das Wesen der letzteren 
wohl schon hier gensuer zu erläutern gewesen , wss erst %. 103 
geschehen ist. Zu der ursprünglichen Conjug. werden die Verba 
mit consonliutischem Stamme und mit u gerechnet , die mit i, 
§. 80, als onregelmässige Bildungen betrschtet. Eigenthümlich, 
nur Manhart Lat. Grammatik, 1830, der eben so an Thiersch, wie 
Hr..B. an Rost sich snschliesst, hat etwas Aehnliches versucht, 
ist dem Verf. die Behandlung der sogeu. 3. Conjugatioo, in welcher 



256 Lateinische LiUeratur. 

er verba mit dem Charakter ii, verba ronta, liquida apirantia unter- 
acheidet and die Formenbildung In dieaen Claasen nachweiat. Wir 
aweifeln, daas durch diese Einrichtung, die allerdings der griech. 
Grammatilc angemessen ist und hier einen guten Zwecic hat, der 
Jatein. Grammatilc oder dem Sohüler, der sie lernen aoll, ein 
Dienst erwiesen werde. Denn da bekanntlich die Perfect- und 
Snpin-Bildung, um die es sich hier sllein handelt, durch jene Be- 
schaffenheiten des Verbalstaramea nicht oder nur wenig bestimmt 
werden, sondern in allen Classen der Verba Formen mit si, mit 
unverändertem Stamme ^ in den meisten Bildungen mit Terlinger«- 
tem Stammvocal oder Reduplication vorkommen, eben so das Sa- 
piuum nur in geringem M aasae oder gar nicht durch dieaelben be- 
rührt wird , 80 kann jene Ejutfaeilong nur den Erfolg haben, daae 
von allen diesen Formen so viel Mal gesprochen werden muss, ala 
Hr. B. Classen unterscheidet, während die Unterordnung der ver- 
achiedenen Verbalstämoae unter die verschiedenen Bildungen viel 
kürzer und einfacher aum Ziele ^fiihrt haben würde. 

Anderes übergehend, wenden wir una cur Syntax, welche 
Herr Krits, der sich schon durch aeine Aasgaben des Salkiat 
imd Velleius als einen gründlichen Kenner der lateln. Sprache be- 
wahrt hat, mit eben so viel Sorgfalt und Sachkenntniss ala Klar- 
heit und Einfachheit bearbeitet hat. Nur darin mochte daa Be- 
dürfniss der Schule nicht genug beachtet sein, dass, wie schon 
der auBsere Umfang aeigt , da sich die Syntax von S. 221 bis 610 
erstreckt, während die griechische Syntax bei Hrn. Rost iiidit 
einmal 200 Seiten einnimmt, theila ein su reieher Stoff mitge- 
theilt, theils Manches etwaa su ausführlich behandelt iat Hr. 
Kr. ist, wie billig, von dem Satze ausgegangen und hat sich auch 
aonst im Ganaen an die Anordnung des Becker'schen Systeme an-^ 
geachlossen, in einigen Punkten aber dasselbe verlassen. Der 
wichtigste von diesen dürfte die Annshme eines explicativen Attri- 
butes bei dem Prädicat sein , d. h. eine Bestimmung des Prädicatea 
nicht allein durch Adv^erbia, sondern auch durch Nomina, und 
dass er derogemiss auch in der Anordnung und Beseichnung der 
JNebensätie ein anderea Prinoip su verfolgen veranlaaat worden 
iat. Was nun jene Bestimmung des Prädicatea durch Nomina be- 
trifft, ao hat dieselbe, wenn sie von dem Standpunkte dea DenC^ 
sehen betrachtet wird, welchea hier das logische Verhältnlss fest* 
halt, nichta gegen sich, und Becker erkennt ebenfalls in Formen 
wie primus venit u. a. ein objectives Verhiltniss , ein Gerundium^ 
8. deutsche Grammatik Bd. 2. S. 221 ff., giebt zugleich aber auch 
zu, dasa der Form nach in jenen Verhältnissen ein Attribut, nicht 
ein Obje'ct liege, und diese Form ist es gerade, an der die Gram- 
rostik festhalten muss, wenn sie der Sprache nicht eine andere 
Auffassnngsweise aufdringen will, als dieselbe angedeutet hat. 
Daher scheint es immer dem Geiste des Griechischen und Latei- 
iihichen angemeaaener, in aolchen Verfailtnisaen, ebenao wie hi 



KriU and Berger: Sobnlgrammatik der latein. Sprache. 257 

anderen attributiven Verhältnissen , eine Beatimmnng des Gegen- 
standes SU finden , die aber demselben nur in Rnclcsfcht auf das 
Pradicat beigelegt wird. Ferner würde Hr. Kr. nicht sliein jene 
AdjectlTS, sondern mit rachr Recht die Participta hierhergezogen 
baben. Wenn 'er dagegen Verhältnisse, wie Cicero consul crea- 
tns est u. ä., hier behandelt, so Ist schwer abzusehen, wie so 
^nc verschiedene Erscheinungen zusammengestellt werden konnten. 
Denn diese Verhiltnisse beruhen offenbar auf den objectiven Con- 
•tructlonen des Activs, sie gehören, da dem ersten Nomen durch 
das zweite nicht ein Merkmal In Rücksicht auf das blosse Sein bei- 
gelegt , sondern die nähere Bestimmung erst durch die Im Verbum 
prädicirte That hervorgerufen wird, zu den factitiven Beziehungen 
und stehen mit den friih^r erwähnten in keiner Beziehung. Noch 
weniger Ist es aber wohl zu billigen, dass Hr. Kr. auch die Lehre 
▼on dem Comparativ und Superlativ hierher gezogen hat. Wenn 
der ablat. bei dem Comparativ hierher gehört, dann sieht man 
nicht, warum überhaupt noch ein objectives Verhaltniss, in sofern 
dasselbe nur eine Bestimmung des Pradlcats. enthält, nIchCelue 
Ergänzung, anerkannt wird , da dieses nsch der S. 323 gegebeneu 
firklärung des expllcativen Attributes, welches dann eintreten soll, 
^wenn es den in dem Pridicate enthaltenen Begriff zu näherer und 
vollständigerer Anschsuung durch Nachwelsung seiner Bezie- 
hung' auf Raum und Zeit, seine Gründe und Folgen 
Irberhaupt 'durch Angabe der daralt verknüpften 
Nebenumstände ^^ zum grossen Thell hierher gezognen, aber 
nicht hier behandelt wird. Wenn Hr. Kr. den in der Vorrede 
ausgesprochenen Grundsatz« die Syntax mit Beseitigung der her- 
kömmlichen Behandlung, welche zu ihreni Principe die verschie- 
denen Wortarten und Wortformen hat, aus dem einfachen 
Satze zu construiren ,- consequent hätte durchfilhren wollen, so 
wnrde er an der erwähnten Stelle alles das haben behandeln müs- 
sen, was Becker unter der Kategorie des bestimmenden Objects 
zosammengefasst hat; allein er hat dieses unter den einzelnen Ca- 
sus ausgeführt, hat sich slso an die Wort form, nicht an den 
Satz gehalten. Dagegen in der Lehre von dem hypotaktisch ver- 
bundenen Satze hat Hr. Kr. consequent unter den attributiven 
Sätzen alle adverbialen, Zeit-, Cau$al-, hypothetischen Sätze be- 
handelt und lässt Ihnen dann „transitlve^^ Sätze folgen, deren 
Bezeichnung wenigstens nicht atigemessen sein durfte, indem sie 
dem (ergänzenden) Objecte entsprechen. Auch lässt sich vom 
Standpunkte des Verf.'s, der auf die Sprachforroen so wenig Ge- 
wicht legt, es schwerlich rechtfertigen« dass er unter diesem Na* 
men die untergeordneten Consecutivsätze und die Finalsätze be- 
handelt, die jedenfalls unter die adverbialen Attributivsätze, wie 
sie Hr. Kr. nennt, gehören. Ein anderjer Punkt, der Bedenken 
erregt, ist die Behandlung der Pronomina demonstrativa und pos- 
sessiva unmittelbar nach dem Attribute, die hier nicht nach Ihrer 

' lt. JakrK f, PhiL m. Päd. od. KriL Bibt. Bd.hXU. H/t. 9. 17 



258 Lateinisdie Litteratnr. 

Oeltting als Attribute, simdern nach ihrer Bedentung tind wohl 
Sil aiisnihrlich , S. 297-310^ besprochen werden. Allerdin^ 
bietet das System, dem der Verf. folgt, fiir die demonstrativen 
Pronomina als solclie in der Satalehre lieine Stelle dar; da sie eben 
so wenig passend in der Etymologie imch ihrer. Bedeutung behan- 
delt werden Itönnen , wie es von Beclcer geschehen ist , so bleibt, 
wenn einmal der Gegenstand fiir die Grammatik notliwendig ist 
und man eine unsweclcmissige Stelle denselben nicht anweisen 
will, nichts übrig, ala diese Wörter, wie manches Andere, in eine 
besondere Bedeutungslehre su verweisen. Hatte Hr. Kritz, ein 
Schöler Relsig's, völlig freie Hand gehabt, so hatte er vielleicht 
den Ton diesem angedeuteten Weg weiter verfolgt. Uebrigena ist 
nicht abansehen, warum gerade nur die genannten Pronomina, 
nicht auch die iodeflnita , die in R&cksicht auf Bedeutung nod Ge- 
brauch noch grössere Schwierigkeiten haben, besprochen wor> 
den sind. 

Das Einzelne ist, wie schon erwähnt und wie sich vom Verf. 
erwarten Hess , mit grosser Gründlichkeit ausgeführt , und wir 
wollen nur einige Bemerkungen hinsufügen. §. 109 heisst es: „ein 
Gedanke entsteht durch die Verbindung mehrerer Begriffe su einer 
Gesammtvorstellung in dem menschlichen Bewusstsein;^^ dann 
wiirde aber auch das attributive Verhaltniss hierher gehören. Fer- 
ner bitte bemerkt werden sollen, dass die copula, die Hr. Kr. an- 
erkennt, wenigstens Im Verbum keine Beseichnung habe, da sie 
in der Flexion schwerlich sich findet, s. Gurtius S. 15. §. 110 
werden die Beseichnungsformen dea Subjects sehr ausführlich 
durchgegangen, dabei aber Manches schon herbeigesogen, was 
tlieils in das attributive , theils in das objective Satsverhaltniss ge- 
hört; so in jenes der Uebergang der Adjectiva in Substantiva, wel- 
cher S. 31/ nochmals ausführlich und am rechten Orte erörtert 
wird. Femer Ist ausführlich über den Gebrauch des Plurals der 
Substantiva gesprochen, aber nicht in Rücksicht auf syntaktiache 
Verhiltnisse, sondern auf die Bedeutung. §. 111 werden nicht 
allein esse undßerij denen allerdings eine Pradicatsbestimmong, 
aber eine allgemeine, beigelegt wird, sondern auch videri^ 
existere^ 9vadere als Httlfsseltwörter sur Darstellung der Copula 
beaeichnet, was wohl eben sowenig au billigen ist, als dass die 
Sitse „der Rasen grünt^^ und „der Rasen ist grün^^ u. s. w. im 
Wesentlichen als gleichbedeutend betrachtet werden, da in dem 
letzten das energische Attribut fehlt. §. 112 werden die For- 
men für das unbestimmte Subject: man, es sehr passend susam- 
mengestellt, nur sollte es nicht beissen, dasa die Beseichnung 
jenes Subjects im Lstein. wegfalle; auch sieht man «lebt ein, war- 
um 3, a und c getrennt werden, da hier die modale Auffassung 
nicht in Frage kommt. Ueber die Cougruens der Satstheile iat 
§. 114 gesprochen, aber man vermisst die Fille, wo mehrere 
Subjecte eintreten. Hr. Kr. hat diese wohl mehr dem Schema tU 



Kritz and Berger: SchDlgrammatik der Jatein. Sprache. 259 

mtM in Liebe §.120 unter dem nicht sweckraagaifen Namen aiia> 
aere Erweiterung dea Subjecta lieliandelt, denn der Grund, warum 
sie hier ausfuhrlicher erörtert worden, iat^ wie §. 123 seigt, eben 
nur die Rnclcaicht auf die CongruenzTerhältniaae , die also schon 
der Uebersicht wegen von §. 114 niicht sollten getrennt aehi. 
§. 115 wird fiber die genera verbi gehandelt, und es wäre hier 
eine genauere ßesprechung der Deponensform um so mehr am 
Piatse gewesen, da diese in der Formenlehre fehlt. Auch in die- 
sem Abschnitte ist schon vielfach in das objective Verhaltniss 
übergegriffen. Wenn S. 246 von der Verwandlung der activen in 
die passive Construction die Rede ist, so hatte auch auf den Unter- 
schied beider aufmerksam gemacht werden können, s. Becker 
deutsche Grammatik Bd. 2. S. 20. Bei den activen Formen , die 
gewöhnlich reflexiv aufgefasst werden, wie lavare u. a., missbilligt 
der Verf. S. 249, dasa man ein pron. pers. supplirt, und ver- 
gleicht unser baden, brechen u. s. w. Ist dieses richtig, dann 
dürfen dieae Verba schwerlich als Ersatz des Refiexivums ange- 
sehen werden. Sehr sweckmassig sind §. 117 die Tempora be- 
handelt, nur dörfte es vielleicht angemessener gewesen sein, wenn 
die auf den Gebrauch der Formen des Infinitivs besügiichen Be- 
I merknngen tusammengestellt worden wären, schon desshalb, weil 
diese Formen den Tempora dea verb. finit. nicht durchaus gleich 
sind. Ob es vom Standpunkte des Lateinischen sich rechtfertigen 
f lasse, dass das sogenannte perf. historicum von dem logicum, so 
( wie es vom Verf. geschehen fst, getrennt wird, möchte sich wohl 
i bezweifeln lassen, so ^ie dass Sätze, wie Sali. C. 51, 11. mottl 
fc — habuere; 11, 3 nemo — concupivit u. a., zu dem aoristischen 
Gebrauche des Perf. mit Recht gerechnet sind, da mniti« nemo 
I u. s. w. eben einzelne Fälle andeuten. S. 268 wäre die Ursache 
rt des gleichen Gebrauches von est und fuii u. a. w. nachzuweisen 
und wohl mit dem eigentlichen Gebrauche von/t/tY, wie er sich In 
den angeführten Stellen zeigt, zu beginnen gewesen. §. 118 be- 
it handelt die modi. Der Indicativ soll das Pradicat ala nach, in 
Folge einer Wahrnehmung dem. Subjecte beigelegt bezeichnen; 
wir würden die damit nicht ganz übereinstimmende, in Anm. 1 ge- 
ll gebene Erklärung, dass der indicativ die sprachliche Form aei, 
ie etwas als ein Wirkliches zu setzen und darzustellen, bei weitem 
,11 vorziehen. S. 273 sollte C. Or. 3, 52, 201 in dem Zusätze nicht 
o erwähnt sein, da vells nach §. 112, 3,a steht, auch Tusc. 1,29,70 
ist unsicher, wegen credo — esse. Der Conjonctiv soll das Prä* 
I- dicat als dem Subjecte „nach menschlicher Vorstellung'^ beigelegt 
g bezeichnen, wo „menschliche^ wohl fehlen könnte, die Hindeu- 
tnng darauf , dass es nur in der Vorstellung existire, zu wün- 
g sehen wäre, wie sie auch 3,a sich findet. Eben so ^äre wohl 
i deif Conjunctiv überall auf die Vorstellung des Redenden zurück- 
; zufuhren gewesen , während Hr. Kr. den Grund desselben auch 
\ in der Vorstellung dea eingeführten Subjectes findet, denn der 

17* 



260 Lateinische Liiterator. 

Redende belnichtci du, wafl der Andere spricht und denkt, ala 
etwas ,' was mirnoch in aeiuer Vorateltnn^ beruht, für ihn noch 
nicht der Wirklichkeit angehört. S. 27ö, Zus. 1 war über ne in 
Heiaeheaiisen wohl etwas genauer za sprechen. Mit Recht int 
S. 277 ff. der Potentialia der Vergangenheit und der Conditiona- 
lis dei* Gegenwart naoh fitzler geschieden , nur .wären einige 
schlagendere Beispiele für |enen mit tum^ für diesen mit nüne na 
wihlen gewesen. 

Der vierte Abschnitt handelt von ^th Erweiteruiigen des ein- 
fachen Satzes. Die Erweiterung des Subjects ist eine äussere, 
die wir schon berührt haben, und eine innere, d. h. Attribut und 
Apposition. Die Entstehung des attributiven Verhältnisses nun 
dem pr&dicativen wäre hier wohl zu beri'ihren und zu bemerken 
gewesen, dass es sich nicht auf daa Subject allein, sondern auf 
den Substantivbegriff Oberhaupt beziehe. Wenigstens würde, wenn 
der Verf. dieses unter 2, S. 285 hatte sagen wollen, der Auadruck 
„Erweiterung des Subjectes^* und „Beisatz zu einem sobstantivi- 
sehen Worte^^ nicht zu einander passen. Auch die Behauptung, 
dass dss Attribut zur Individualisirung diene, dürfte nicht genau 
sein, da die hinzugefügten Nomina nur die Art angeben, welcher 
der Beziehnngsbegriff untergeordnet wird. Ferner die Erklärung, 
dass die Apposition das. Attribut als aus dem Wesen des Gegen- 
standes auageschieden darstelle, dürfte nicht ganz klar sein. End- 
lich hatte der Verf., wenn er seinem Principe, auf die Wortformen 
keine Rücksicht zu nehmen, wie es scheint, hier den attributiven 
Genitiv behandeln müssen, aber derselbe -wird erst §. 12d unter 
dem Objecte aufgeführt. S. 289 wird bei der Verbindung meh- 
rerer attributiver Bestimmungen ein Uuterschied gemacht zwischen 
qualitativen und quantitativen Adjectiven, allein die angeführten 
Beispiele zeigen, dass diese Trennung nicht nothwendig war, son- 
dern auch bei den letzteren das qualitative Adjectlv sclion ver- 
schmolzen war mit dem Snbst., und dann eine Bestimmung hhizu- 
tritt. Dagegen dürften die Fälle unter ce. eher der Appoaitioii 
angehdren. Wenn zu dieser 8. 293, A. 9 Vergleichungen gerech- 
net werden, so dürfte dis Gebiet derselben wohl zu sehr erwei- 
tert sein. Unter den verschiedenen Formen der Apposition ver- 
miest man die Falle wie ^Ibae^ in urbej ferner den Infinitiv und 
das Gerundium als Apposition. Mehrere andere Verhältnisse sind 
genauer erörtert von Füisting Deber die relative Appoaition, In den 
Philologenverhandlungen von 1838, S. 103 ff. Auch die Erweite- 
rung des Prädicates ist entweder eine äussere oder innere; die 
Süssere ist die Verbindung mehrerer Pradicate durch copulatlve 
oder adversative oder disjunctive Partikeln und gehört also eigent* 
lieh zu den parataktisch verbundenen Sätzen. ^ Die Innere Erwei- 
terung dea ' Prädicata durch ein hinzutretendes Attribut ist ilie 
determinative durch Adverbien, die oben achon erwähnte explica- 
tive durch Adverbia und Nomina und eine objective (tranaitive). 



Kritz und Berger: Schulgrammatik der latein. ^Sprache. 261 

Uoter den Adverbien wird auch die Negation behandelt, obgleich 
dieselbe, wenn aie fleh auf die Aussage berieht, kaum hier eine 
Stelle finden kann. Wenn der Name der sweiten Art der Prädi-. 
catserweiterung durch den Zusatz transitiv erläutert wird, so 
durfte, wie schon erwähnt, dieser Abschnitt bei weitem nicht alle 
die Erscheinungen umfassen, die in denselben aufgenommen sind, 
allein §. 125 fehlt dieser Zusats. Die hier gegebene Deduction 
der verschiedenen Objectsforroen erregt mancherlei Bedenken. 
Die Besiebungen der Casus sollen sich ergeben aus dem Wesen 
und der Natur des Satzes, d. h. aus dem Verhältniss der beiden 
Bestandtheile desselben , desSobjectes und Prädicatea. „So wie 
der Sats , heissl es §. 125, aas seiner einfachsten Form, dem Subj. • 
imd einem intransitiven Prädicatsausdruck heraustritt und ein 
transitives Verbum als Prädicatsbezeiehnung bekömmt (der ^tzl), 
80 tritt auch sofort das Bediirfniss des Accusativs ein, zur Bezeich- 
nung des ergänzenden oder näheren Objectes;'^ allein verlier ist 
Immer nur von einer Erweiterung dea Prädicats die Rede gewesen, 
ohne Rücksicht auf das Snbject ; man sieht nicht , warum dieses 
hier herbeigezogen wird, besonders da legere librum ohne Rück- 
sicht auf das Sifbj. das objectivc Verhältniss darstellen kann. Fer- 
ner ist die Beschränkung des ergänzenden Ohjrcts auf den Accu- 
sativ schwerlich zu billigen, da der Genitiv bei memini, der Dativ 
bei dare u. a gewiss nicht weniger dazu dient, den unvollständigen 
Verbalbegriff zu ergänzen , und umgekehrt der Accus, nicht durch- 
gängig ergänzende Objecte enthält. Nach dem Accusativ wird 
der Ablativ bestimmt als Casus der prädicativen Nebenbestimmon- 
gen der Ursache, des Mittels, der Zeit, des Ortes, von denen die 
letzteren auch im Accusative liegen können ; so wie man auch nicht 
sieht, warum der Ablativ gerade diese Stelle einnimmt. Der Ge- 
nitiv wird von der ohjectiven Bestimmung des Verbum ganz ausge- 
schlossen und enthält nur attributive Bestimmungen des Sub- 
stantivums, gehörte also, wie schon erwähnt, durchaus nicht In 
das CapItel, welches überschrieben bt: Erweiterung des Prädi- 
cats durch ein hinzu tretend es Object. Unklar ist endlich die Er- 
klärung des Dativs: „da Subject und Prädicat nicht blos gesondert, 
wie in den bisherigen Fällen (allein schon im Anfang von Nr. 5 
ist von beiden die Rede), sondern auch in ihrer Verbindung und 
ala Einheit gefasst noch eine nähere Bestimmung durch ein 
Substantiv zaiassen, auf welches Subj. und Präd. gleichmässig be- 
zogen wenden, so dient zur Bezeichnung dieses entfernten Objects 
vorzugsweise der Dativ.^^ Was heisst hier Subj. und Prädicat in 
eine Einheit gefasst? ist eine andere als die gemeint, dass sie zu- 
sammen den Satz bilden? was bedeutet: entferntes Object? ist 
etwa.in hoc Uli nocet Uli von nocet entfernter als in illum video 
jenes* von diesem? Was heisst „vorzugsweise?'' Worin besteht 
nun eigentlich daa Wesen des Dativs^ Die Thätigkeit wenigstens, 
die das Object im Dativ ausübt, der Thätigkeit des Subjects ge- 



262 * Lateiiiische LUteratar. 

genilber, im Gegensats su dem rein leidenden Verhaltniss des 
Objects im Accusatlv, wird durcii die Erklärung des Verf.'s in 
keiner Weise angedeutet. In der Durchfülirang des Biaselnen 
folgt auf den Accus, sogleich der Dativ , dann Genitiv und Ablativ^ 
Die Erklärung, die hier §. 127 vom Dativ gegeben wird^ stimmt 
nicht gani mit der früheren^ auf das Object im Dativ soll die Tlia- 
tigkelt des Subjects durch einen vermittelnden Gedanken 
übergetragen werden. Dieser Gedanke ist der des Subjectes und 
bezieht sich auf den Gegenstand , an den es bei der das nähere 
Object treif enden Thätigkeit denkt. Allein gerade dieses Denken 
wird hereingebracht und könnte also bei den vielen Fallen, wo ein 
näheres Object sich nicht findet, gar nicht eintreten. Eben so 
wenig sieht man, wie S .^46 A. aus jenen allgemeinen Bestimmun- 
gen eiiT Dativ der räumlichen Nähe (wenn obviam ire eine Thätig- 
keit im Raum Ist, so ist das davon abhängige magno viro noch 
kein Dativ der räumlichen Nähe), und wo hier und S. 84^ b. bei 
similis, proximus etc. der überleitende Gedanke des Subjectes 
bleibe. Deutlicher ist §. 128 der Genitiv, weniger klar §. 129 
das Wesen des Ablat. bestimmt. Allein es ist schwer abzusehen, 
wie der Genitiv, ,,der Casus des durch einen Sub8tantivausdrnck(1) 
beseichneten determinativen Attributes,^^ nach dem §. 125 Bemerk- 
ten auch bei Verben, s. S. 369 ff., und bei Adverbien , s. S. 366, 
eintreten könne. Jenes wird dem Verf. nur dadurch möglich, 
dass er nach dem genit. partitiv. und possessivus (zu dem auch der 
gen, qnalilatis gerechnet wird) plötzlich einen genetischen (1) 
Genitiv einführt, der sich als Genitiv des Urhebers, des Stoffes, 
»Is causaler Genitiv zeigt. So viel Gutes und Treffliches in die- 
sem Abschnitte auch der Verf. im Einzelnen giebt , und so viele 
neue Beobachtungen er mittheilt oder frohere näher bestimmt (bei- 
läufig möge erwähnt werden , dass er S. 395 einen abl. localis auf 
ae und i (aus o-t ) anerkennt , von dem die Formenlehre nichts 
weiss), so vermisst man doch eine zweckmässige Anordnung der 
verschiedenen Gebrauchsweisen der Casus, die desshalb nicht 
wohl gegeben werden konnte, weil das Verhältniss der Casus selbst 
in ihrer Grundbedeutung nicht scharf genug gefasst und darge- 
stellt, Ihr Gebrauch für ergänzende und bestimmende Objecte, för 
causale und locale Verhältnisse nicht genug geschieden ist. Als 
Ergänzung der Abschnitte von dem objeetiven Verhältnisse folgen 
noch mehrere Zusätze, zunächst der über die Präpositionen, der 
aber mehr lexicaler Natur ist, und aber den Gebrauch des Infini- 
tivs, des Gerundiums nebst dem Gerundivum, des Supinums und 
der Participia als Theile des einfachen Satzes. Allein was vom 
Infinitiv gesagt wird , bezieht sich blos auf den Gebrauch dessel- 
ben als Sobject, als Object Ist er nicht den Thellen des einfachen 
Satzes beigezählt , sondern unter den Objcctssätsen S. 347 be- 
handelt, ohne dass der Verf. bestimmt erklärt, der Inf. sei eine 
Verkürzung eines JMebensatzes^ oder einen anderen Grund fiir 



KriU oud Berger: Schuigrammatik der iatein. Sprache. 263 

diese Änordnunf^, die eine vorzugsweise für das objeciive Verhäll- 
niss des einfachen Satzes geschaffene Form demselben entzieht, 
•ngiebt. Dort wird auch von dem acc^s, c. inf. gehandelt, aber 
das Wesen desselben schwerlich geniigend erklart; wenigstens ist 
bei der Lehre vom Accusatlv nicht bemerkt, dass er die Beziehung 
zwischen Subst. und Verbum auf die allgemeinste Weise bezeichne, 
noch wurde daraus sich erklären, warum er zum Infinitiv treten 
müsse. So wie der Inf., ist auch das ParCicip verhältnissmassig 
kurz behandelt, weil Manches in der Lehre von den Tem« 
pora, der abl. absol. unter dem Abiat., die Anwendung der Parti- 
cipia statt der Nebensätze §. 150 besprochen ist. Im zweiten 
Capitei des ersten Buches, wird von den Fragesätzen gehandelt, 
und zwar nicht allein von den einfachen Fragen , sondern auch von 
den Doppel- und abhängigen Fragen. Es sind also hier die gram^ 
matischen Verhältnisse, denn die directen Doppelfragen würden 
zu den parataktisch-, die indirecten Fragen zu den hypotaktisch- 
verbundenen Sätzen gehören , der Form der Frage untergeordnet 
worden. Das dritte Capitei handelt von den Heischesätzen, d. h. 
VOM dem Imperativ und einigen schon bei den Modus- und Tempus- 
formen und deren Gebrauch beröhrten Anwendungen dc^rseibeo. 
Das zweite Buch handelt von den verbundenen (ein Ausdruck, der 
auf die untergeordneten Sätze schwerlich passt) Sätzen, die ent- 
weder parataktisch verbundene (warum nicht beigeordnete) Sätze, 
und zwar copulative, adversative, disjunctive, caussle und conse- 
cutive, oder hypotaktisch verbundene , nämlich attributive und 
transitive, sind. Da nicht allein Haupt-, sondern auch Nebensätze 
in copulativer, adversativer u. s. w. Verbindung stehen können, so 
sollte man den ersten Abschnitt oder wenigstens die Anwendung 
der dort besprochenen Verhältnisse hinter den untergeordneten 
Sätzen erwarten, aber es findet sich keines von beiden. Die unter- 
geordneten Sätze hat Hr. Kr. mit Recht nach den grammatischen 
Verhältnissen geordnet, wenn auch seine Ansicht von diesen selbst 
manchen Zweifeln unterliegt. Sehr angemessen Ist §. 144 die Be- 
handlung der consecutio temporum ; der Modus ist mit Recht bei 
den einzelnen Satzarten angegeben. In der Behandlung desselben 
ist sich der Verf. übrigens nicht immer gleich geblieben, denn 
während an manchen Stellen die Bedeutung des Conjunctivs, wie 
sie fär den Hauptsatz angenommen ist, fest gehalten wird,- s. S. 
513. 516 U. a., ist S. 4^j8 der Grund des Conjunctivs darin gefun- 
den, dass der Nebensatz das Prädicat des Hauptsatzes näher be- 
stimmt und erklärt, was nur zum Theil genauer bestimmt wird, 
indem unter hb. c. der Grund als aus der Vorstellung des Sub- 
jectes im Hauptsatze hervorgehend, nicht aber bei B. und aa. die 
Ursache des Conjunctivs nachgewiesen wird. Auch die S. 5i0, 
Zus. 3 gegebene Erklärung durfte schwerlich geniigen. In B^zug 
anf die attributiven Sätze ist schon bemerkt worden , dass sie ent- 
weder adjecttvische Attributivsätze oder adverbialisclie sind , und 



264 Laieinisclie Litieratnr. 

die letsteren werden nach dem Inhalte in Zeit-, Caiiaal-, hypothe- 
flache Satze getheilt^ also die Vergleichnngsaätze aiisgeachlosaen 
und die GoncesaiTsatze unter den hypothetischen behandelt, oder 
tranaitive Sätze, die als Object-, Gonsecutiv-, Finalsätze erschei- 
nen. Die Bemerkungen über die Objectasätze erstrecken sich nur 
S. 545 und 546 auf qnod, S. 546—561 wird Tom Infinit!? gdian- 
delt. Dagegen werden die Sätze mit ut nach facto , die ganz ent- 
schieden Objectssätze aind, so gewiss als in facit aedem diese« 
Object ist. zu den Gonsecntivsätzen gezogen, welche auf die Satze 
mit ui nach pronominalen Qualitäts« und Quantitätsbestimmungen 
beschränkt werden sollten, s. Kräger Latein. Gramm. S. 753. Die 
Finalsätze theilt der Verf., je nachdem dfeselben einen Zweqk oder 
eine Absicht enthalten , auf eine künstliche Weise in zwei für die 
Grammatik bedeutungslose Glassen. Zeit und Raum yerbieten 
dem Ref. auf diesen reichen Abschnitt, der» wie die früheren, 
viele treffliche Bemerkungen und feine Beobachtungen enthält, 
näher einzugehen. Wir bemerken daher nur noch, dass in dem 
dritten Buche von der oratio obliqua und von Idiotismen in der 
Sstzgestaltung und im Gedankenausdruck gehandelt wird. Diese 
Idiotismen sind Anakoluihie, Ellipse (von der schon Mancbea in 
friiheren Abschnitten vorweggenommen ist) und Pleonasmus. Einige 
andere Lehren, welche die Grammatik gewöhnlich enthält, sind 
auageschlossen , namentlich die Lehre von der Wortstellung, Satz- 
und Periodenbau. Wenn der Verf. bei jedem einzelnen Satzver- 
hältnisse sowohl , als bei den zusammengesetzten Sätzen voii der 
Stellung der Worte oder Sätze gesprochen, wenn er ferner die 
Satzlehre bis zum Periodenbau fortgeführt hätte , so würde nichts 
gegen dieses Verfahren einzuwenden sein; da aber das letzte nicht 
geschehen und die Wortstellung nur hier und da berührt iat , so 
wird man, da dieaelbe ein so bedealcndes Element für die Dar- 
stellung der logischen und.rhetor. Verhältnisse ist, den Nsngel 
dieser Lehre eben so wenig billigen können, als dasa es Hrn. Kr. 
nicht gefallen hat, eine kurze Uebersicht der gewöhnlichen Vers- 
maasse und Metra seinem Werke beizufügen , da es sich wohl der 
Mühe lohnt, aueh diese FormderRede in der Grammatik zu 
berühren. Das Wenige, was Ref. auf dem beschränkten Räume 
hat mittheilen können^ zeigt« wie eifrig Hr. Kr. der latein. Syntax 
eine den Resultsten der Wissenschaft und dem Bedürfnias der 
Schule entsprechende Gestalt zu geben bemüht gewesen ist, mit 
welchem Fleisse er den Stoff gesammelt , geordnet, klar und ein- 
fach dargeatellt hat, ao dass nur zu wünschen bleibt, er möge den- 
selben eher beschränken als erweitern, ond die In der Vorrede 
angedeutete Ansicht voii der Aufgabe der Santax und die Ent- 
wlckelung deraelben aua dem Satze weiter verfolgen und nach 
dieser sowohl als nach dem Charakter der lateiniachen Sprache 
alle einzelnen Thelle der Grammatik darstellen und ausbilden. 
Peon nur dsnn wird die Parallcigraromatik von Nutzen aein, wenn 



Kühner : Sohalgraaiaiaiik der lateio. Sprache. 265 

sie nicht alleio eio allgemeine« Schema der Sprache giebt^ aondern 
auch das Charakteri8ti§che der Eincelaprache klar hervorhebt und 
nicht dem Systeme su Liebe in Schatten stellt. 

Denselben Zweck, welchen die Herren Berger und Krits im 
Aoge haben, verfolgt mit grossem Erfolge Hr. Kühner. Seine 
Lehrbacher der griech. und latein. Sprache, nach dem gleichen 
Systeme bearbeitet und als Parallelgrsmmatiken auftretend, ha- 
ben so viel Anerkennung gefunden und sind so verbreitet, daso 
ea genügen wird , auf das neueste Werk desselben : Schulgram-' 
maiik der tateinischen Spreche von Dr. Raphael Kühner. 
Dritte, sehr verbesserte Auflage. Hannover, 1850, als suf eine .sehr 
erfreuliche Erscheinmig hinsuweisen. Da das Werk sowohl in 
seinem Umfange — die neue Ausgabe umfasst, was wir nur sehr 
billigen können, da ohnehin schon der Stoff sehr reichlich gege- 
ben ist, nur 3 Selten mehr als die sweite — als auch in Rücksicht 
auf das Sjstem und die Methode dasselbe geblieben ist, im Ein- 
zelnen aber manche Veränderungen erhalten hat, so wird es hin- 
reichend sein, einige derselben su erwähnen, um za zeigen, wie 
der Verf. bemüht gewesen ist, seinem Werke grossere Vollkom- 
menheit SU geben. So ist es nur sn loben , dass er der Etymolo- 
gie eine chronologische Uebersicht der lateinischen Litteratnr 
S. XV und XVI vorausgeschickt hat. In der Lautlehre sind die 
Veränderungen der Vocale geusuer verzeichnet, hätten sich aber 
wohl noch präciser darstellen lassen; auch der Abschnitt von denen 
der €on8onanten hat einige Veränderungen und Zusätze erhalten, 
doch dürfte es nicht su billigen sein, dass der Zusatz von n in sino 
und von p in emptus auf gleicher Linie stehen. Die Lehre von 
der Declination hat wenig Veränderungen erfahren ; einige Bemer- 
kungen über die Pronomiua, die mehr der Syntax angehörten, sind 
dieser zugewiesen. In der Flexion des Verbums ist die Perfect- 
ufld Supittbiiduug etwas anders als früher ausgeführt, aber niclit 
so, dass sie durchgängig befriedigen kann. Namentlich muss man 
sich wundern, dass S. 95 von einer schwachen Endung f die Ilede 
Ist und dass der Verf. annimmt, der Verlost des s oder v werde 
gemeiniglich ersetzt durch die Rednplicatioo oder durch Vocal- 
veränderuiigen, da sich schwerlich zweifeln lässt, dass der Her- 
gang gerade der umgekehrte gewesen sei. Die verba impersona- 
lia, S. 118, werden eingetheilt in verba, welche physische, ethi- 
sche, dialektische Beziehungen ausdrucken; aber es ist wohl zu 
bezweifeln,' dass der Schüler sich dieses werde klar machen können. 

In der Syntax geht Hr. K. von dem Satze ans, muss also das 
Verbum als die Seele desselben betrachten. Demnach sollte man 
erwarten, er werde, wie in seiner grösseren griechischen Gram- 
matik, von dem Verbum und dessen Wesen beginnen; allein die 
Lehre von den Arten des Verbums folgt erst nach dem Abschnitte 
über die Congruenz und dürfte auch in der Art, wie sie von Hrn. 
K' gegeben ist, schwerlich ausreichen. Di« Pronomina hebaudeU 



266 LateiDische Litteratar. 

der Verf. erst nach dem objectiven Verbiltnisse , was, wenn die- 
ser Gegenstand einmal in die Syntsx aufgenommen wird, gewiss 
riclitiger ist, als wenn sie dem attributiven nachgesetzt werden; 
allein sweckmissiger möchte es noch erscheinen, durch dieselben 
die Lehre ron dem Objecte, die in dem Abschnitte über den Infi- 
nitiv fortgesetzt wird, nicht zu unterbrechen. Die untergeord- 
^ neten Sätze theilt Hr. K. in Adjectiv-, Sttbstsntiv-, AdverbialsStse, 
.was man, da er von dem Satze, welcher ausSubject, Attribut, 
Object besteht , ausgeht, nicht hStte erwarten sollen. Die Art, 
wie sich die Nebensatze aus dem Hsuptsatse entwickeln und in 
welcher Beziehung sie zu dem Hauptsatze stehen , ist nicht ge- 
nügend dargelegt, was auch, da der Verf. einmal von den syntak- 
tiacheu Verhiltnissen absieht, nicht wohl geschehen konnte. Da- 
gegen werden die Modusverhältnisse ausführlich erörtert, und nur 
zuweilen vermisst man die Nach Weisung des Gruudes, der den 
einen oder anderen Modus herbeiführt. Im Einzelnen bitte sich 
vielleicht Einiges anders ordnen und ausführen lassen, z. B. §. 142, 
wo in den Sfitzen, in welchen ut nach facio, officio o. s. w. ein- 
tritt, das finale ut gefunden wird, wahrend es nseh esi^ coniin^it 
u. 6. w. ftir das consecutite erklart wird, wenn ferner nach effi- 
cere ^ probare eic, ut dieselbe Bedeutung haben soll und das ut 
nach f7a, talis etc. diesem fast gleich gestellt wird u. s. w. Es 
würde au weit fuhren, wenn wir welter in das Einzelne eingehen 
wollten, und wir bemerken daher nur noch, dsss nach der Unterord- 
nung und oratio obliqua die Ellipse, Brachyologie (diese wohl in 
zu grosser Beschränkung), Zeugma, Pleonasmus, Wort- und Satz- 
stellung behandelt, der römische Versbau in Beziehung auf Vir- 
gllitis, Ovidiiis und Horatius dargelegt und in drei weiteren An- 
hangen die gewöhnlichen Abkürzungen, der römische Kalender 
und die römische Geldrechnung kurz behandelt werden. 

Von kleineren Schriften erwähnen wir noch kurz die scharf- 
sinnige Abhandlung von Meiring lieber das lateinische Prono- 
men relativum mit dem Conjuncliv in causalen^ concessiven und 
verwandten Sätzen in dem Programme von Düren 1847, in wel- 
chem der Verf. nach einer Kritik der Ansichten der Grammatikor 
von dem Gedanken ausgeht, dass durch den Relativsatz ein Merk- 
mal entweder des Individuums oder der Art oder des ArtbegrtfFe« 
hinzugefügt werde, und den Indicativ in Relativsätzen, die ein 
Merkmal des Artbegrifies hinziifiigen, für nothwendig hält, wenn 
durch die Hinsufügung der Artbegriff an sich bestimmt wird, wenn 
der Artbegriff an und für sich Gegenstand eines Prädicates ist; 
. den Conj. , „wenn die attributive Hinsufügung eines Merkmala 
ein Individuum naher bestimmt.^^ In den Causalsa'tsen dagegen 
ist nach dem Verf. der Indic. dann nothwendig, wenn das Merkmal 
als ein individuelles, als inhärirende Thataache bezeichnet wird; 
oder wie es S. 14 heisst , es wird durch den Indic. ein Grniid be- 
zeichnet, durch den Conj. eine Innere Begründung, indem durch das 



Maller: De attract. apnd latinos. 267 

Attribtit mit dem Conjunctiv dag Pridfcat als ein dem Attribute 
gemiisa zu erwartendes , als ein darin begründetes dürgestellt wird. 
Im Concessivsatse ersclieint das Individuum als Trager eines Art- 
begriffes, der irgend ein entsprechendes Pradicat erwarten lasst. 
£8 durfte zweifelliaft sein , ob die hier gegebene Erklärung Ton 
der des Ref. wesentlich sich unterscheide, aber mehr zu urgirea 
sein, dass der Sprechende es ist, der das im Pradicat Enthaltene 
erwartet, es aus den ilbrigen Eigenschaften des besprochenen 
Gegenstandes abjeitet, und dass darin der wahre Grund des Con- 
jnnctives liege, weniger darin, dass der eine Relativsatz das Indi- 
viduum, der andere die Art oder die Gattung naher bezeichnef. 
Die eigenthiimliGfie Beschaffenheit der dritten Classe von Sitzen, 
welche Hr. M. herbeizieht , Ist nicht so scharf und klar bezeich- 
net, dass sich kurz seine Ansicht darsteilen Hesse. Ferner be- 
rühren wir die Abhandlung : Philosophische Betrachtungen Ober 
den Gebrauch der Conjunctionen ut und quod in der lateinischere 
Sprache. Zweiter Theili lieber die Correlativa in den xusam- 
nfßengesetiten Sätzen und über uv (dann). Von Dr. J. 0. Tö- 
pfer, Programm von Luckau 1847, In welchen aber der Verf. 
seinem Ziele sich noch wenig genähert, sondern nach einigen 
geistreichen Bemerkungen über die Grundbedeutung der Casus 
und die Satzerweiterung, den zusammengesetzten^ Satz und die 
Verschiedenheit der deutschen , latein. und griech. Sprache in der 
Anwendung desselben, verbreitet er sich weiter iiber das Wesen 
der Correlation, Ihre Form im Latein., Griech. und Deutschen, 
ihre logische Nothwendigkeit und giebt sehr beachtenswerthe 
Andeutungen über die Anwendung derselben in Adjectiven und 
Substantiven, geht aber dann zu einer ausführlichen Erörterung 
der Partikel &v über , die uns hier fern liegt. Das Glogauer Sqhul- 
programm vom Jahre 1846 enthält: De attraeiionis apud latinos 
eo genere quo post verbum licet et similia dativum vel accusa- 
iivum praedicati cum verbo infinit o esse et aliis eivsdem pole- 
statis iungunt scripsit L. M. Mii 1 1 er, Dr. phil. Der Verf. fuhrt 
zunächst Beispiele an , um den Gebrauch des acc. cum Inf. nach 
licet auch da zu rechtfertigen , wo bei dem fnfinitiv eines Begriffs- 
verbums ein anderes Subject eintritt, und sucht dann nachzuwei- 
sen , dass der accus, cum iofin. bei esse mit einem Nomen , wenn 
das Subject nicht besonders genannt sei^ dann eintrete, wenn sich 
die Aussage dem Scheine nach auf eih Individuum, in der Thal 
aber auf Viele oder Alle beziehe, und weist dieses an einer Reihe 
zum Theil schlagender Beispiele nach. Die zweite Form, wie 
licet Themistoclem esse otiodum^ wird nicht weiter erörtert , die 
dritte, licet Themistoeli esse otioso^ in zwei Classen geschieden^ 
je nachdem der Dativ des Substantives oder Pronomens bei licet 
fehlt oder ausgedrQckt wird, und gezeigt, dass die froheren 
Schriftsteller die erste Form nur da anwendeten , wo das Subject 
sich leicht ergänzen lasse, die späteren aber auch da, wo dieses 



268 Lateinische Liiteratur. 

nicht moglidi sei. Nachträglich mag auch noch erwähnt werden : 
De infinitivo historico apud seripiorea latinoB. Specimen I, Scri- 
palt Th. R. Mende, 1845, Programm des Gjmnaaiuma zu Brieg, 
in welchem der Verf. die verschiedenen Erlclärungen des inün. 
bistoricus, die sich bei Grammatikern und Interpreten finden, ge- 
Bammelt und einer Kritik unterworfen hat. Er selbst erklärt sich 
S. 10 dahin : „et recte quidem ex nostra sententia enallagen dices 
infiniti?um bist , qnia omiijno si hoc dicendi genus — in vulgarem 
roodum tranaformamos , dicendum erit, infinitivom pro verbo finito 
positum esse etc., was freilich nichts Neues und um so weniger 
baltbar sein dürfte, als Hr. M. übcrdiess eine Bilipse annimmt, 
ohne jedoch bestimmen zu können, was denn eigentlich su ergän- 
zen sei und fnr welche Form des verb. fiuit. der infin. bist, ein- 
trete, da er selbst S. 12 gesteht, dass keine demselben vollkom- 
men entspreche, und alle Zeitverhältnisse, eine nothwendige 
Bestimmung des verb. finitum, S. 14 ihm mit Recht abspricht. 
Noch erwähnen wir die auffallende Aeusserung des Hm. M. S. 4: 
terminationi infinitivi germanicae ennon alia vis est, quam phon»- 
.tica, qua ex sensu qnodam nobis Innato trunci informes hab^ fl*^g'^ 
geb in vocis formam rediguntur, welche zeigt, dass er ein tieferes 
Studium dem Infinitive nicht zugewendet habe« s. Grimm Dentsche 
Grammatik IV. p 10 >, Hoefer vom Infinitiv S. 56 ff. Das Progr. 
von Soest vom Jahre 1846 enthält die Abhandlung von Dr. W. T. 
P. Patze: Heber die Co ndiiional- Sätze der lateinischen Spra- 
che^ und scheint dem Titel nach hierher zu gehören. Allein in 
der That sind es philosophische Betrachtungen über das Wesen, 
die Bedeutung und den Inhalt der Couditionalsätze , die der Verf. 
anstellt, der zwar auch die Formen für dieselben im Griechischen, 
Latein., Deutschen, Französ. n. %. w. nachweist, die dem Latei- 
nischen eigenthümiichen aber weniger beachtet und entwickelt. 
Noch erwähnen wir die Schrift von G. F. Löschke Fom 
rechten Gebrauch der Conjunctionen quod^ ui^ne^ quominus^ 
quin eic,^ $o wie des accusatwi cum infinitivo mit Rücksicht auf 
die Betonung der durch sie %u bildenden Sätze. Dresden 1850, 
welche zwsr wenig neue und bedeutende Resultate, aber ein 
reiches, wenn auch wenig gesichtetes Material liefert und ge- 
wiss mehr zur Aufklärung der schwierigen Gegenstände, die sie 
behandelt, beitragen würde, wenn es der Verf. verstanden hätte, 
weniger breit und dafür bestimmter und präciser seine Ansichten 
darzulegen. Um mit dem letzten Punkte, der auf dem Titel er- 
wähnt ist, da auf denselben der Verf. auch in der Vorrede das be- 
deutendste Gewicht legt, zu beginnen, so ist Hr. L. der Ansicht, 
daaa die Constructionen des accus, cum infin. von quod und tit 
vorzugsweise den Zweck haben, Undeutlichkeit und Zweideutig- 
keit zu vermelden , dass aber die Wahl der einen oder anderen 
Construction sicli grossen Theils nur aus der Betonung ersehen 
lasse, indem da, wo der Ton auf dem Verbum liege, weil auf 



Loschke: Vom rechten Gebrauch d. Conjanct. qaod, at, ne etc. 260 

dieses nur eine Conjunction einwirken könne, quod oder v/, wo 
aber der Ton auf dem Subjcct und Verbom augleich liege, weil 
diese beiden Wörter, um gemetnscIiafUicii betont werden zu kön- 
nen, durcli die Form des accus, c. inf. zu einem Begriff vereinigt 
werden, der acc. c. inf. angewendet werden ttifisse, s. S. 8. 20. 
80 f. 38. 78 u. a. So wiclitig al>er die Betonung in der Spractie 
ist, so raöciite es docli bedenkiicli sein, so wesentlich und formell 
verschiedene Strnctnren, wie die in* Frage stehenden, lediglich 
nach dem Tone unterscheiden und von diesem sie abhängig ma- 
chen zu wollen, da, um anderer Griiode nicht zu erwähnen, der 
accus, c. inf. die beiden Begriffe, die er umfasst, nicht so dar- 
stellt, dass sie gleichen Ton haben, sondern es von anderen Be- 
dingungen abhängt, welcher von beiden stärker betont werden 
soll, weil ferner auch in den Sitzen mit ui und quod nicht noth- 
wendig das Verbura den grammatischen hat, sondern vielmehr die 
dasselbe bestimmenden C)bjecte , der rhetorische aber durch den 
Zusammenhang bestimmt wird , weil es endlich schwer zu glauben 
ist, dass der accus, cum inf. nach den sogenannten verbis seotiendi 
und declaeandi keinen tieferen Grund habe und hier der Aeeusat. 
und Infinit, so regelmasaig den gleichen Ton haben sollten, dasa 
die Ausnahmen zu den seltensten Erscheinungen gehören. Hr. 
L. scheint freilich dieses in Frage zu stellen. Indem er S. 8 ohne 
Beschränkung die Regel giebt: „nach den Verbis und Wörtern 
des Erkenntnissvermögens steht theils der acc. o. inf. und quod^ 
theils der acc. c. inf. und uV"^ und S. 60 ff, durch eine sehr unklare 
Deduction zu erweisen sucht: „es muss nach den Wörtern dea 
Erkenntnissvermögens, die einen Casus der Sache mit sich ver- 
binden , da , wo in diesem Casu eine Thatsache angegeben und 
das Verbum, welches sie angiebt, desshalb allein betont ist, id 
(hoc, illud) — quod, wo aber Snbject und Verbum gemeinschaft- 
lich betont sind , der acc. c. inf. folgen,^^ wo vor allen nöthig war, 
nachzuweisen, dass in den zahlreichen Beispielen des acc. c. inf. 
nach hoc, illud nichts der Art vorkomme, was Hr. L. eine That- 
sache nennt; endlich S. 79 eine ziemliche Anzahl von Stellen auf- 
fuhrt, wo quod nach verbb. sentieodi sich finden soll, ohne die 
in dieser Thatsache so nothwendige Vorsicht irgendwie zu beob- 
achten, s. Madvig Opuscc. II. p. ^32. Da die Erörterungen der 
allerdings in der Grammatik etwas karg behandelten Satze mit 
quod fast 100 Seiten einnetimen, so ksnn man daraus die Breite 
und Weitschweifigkeit, mit der Hr. L. verfshrt, leicht abnehmen. 
Er scheidet die Sätze mit quod in zwei Classen, von denen die 
eine das Object einer GefohUthätigkeit ist, die andere ohne eine 
solche Thätigkeit eintritt, und meint, dass „diese Sätze die That- 
sache, die sie enthalten, stets mit dem Correlstiv id, hoc, illud 
betonen'^ (der Verf. ist nämlich der Ansicht, dass die urspröng« 
lieh doch nur der Satzgliederung dienenden CorreUtiva dem Satze, 
der sich auf dieselben bezieht und durch sie eingeleitet whrd, ein 



270 Latelniiche LiUeratar. 

gans besonderes Gewicht geben), atelll aber S. 22 wieder die neue 
Eitttheilung auf , dass alle mit quod gebildeten Sätze entweder un- 
betont sind, oder betont, das heiast, dasa aie ein Correlativum tot 
aich haben. Nach diesen Gesichtapankten, su denen noch der 
tritt, dass die Sitae mit qtiod den casus entsprechen, wird die 
Lehre entwickelt und oft bei ganz bekannten Dingen eine grosse 
Menge von Beispielen angeführt, aber Schwierigeres doch nicht 
nur Klarheit gebracht, weil Iteine bestimmte Scheidung der logt- 
sehen Bedeutung und der grammatischen von quod sowohl, als 
dem acc. cum iofin., s. S. 61, keine deutliche Ansicht von der Be- 
tonung und der Correlation su Grunde liegt. Nachdem quod io 
d<r Bedeutung daas besprochen ist, folgt die Bedeutung weil , 
und Hr. L. sucht S. 95 ff , aber schwerlich mit Erfolg, nachzuwei- 
sen, dasi in accedü quod u. a. quod die Bedeutung weil habe. 
Wir fibergehen, was über qma, quoniam gesagt ist, und bemer- 
ken aus dem Aoschnitte über ut nur das, dass auch hier, wo ne- 
ben dieser Partikel der accus, c. infin. eintreten kann, nur die Be- 
tonung und etwa die UndeutUchkeit entscheiden soll, ohne alle 
Ruckaicht anf die Bedeutung der Verba des Hauptsatzes und 
deren verschiedene Auffassung, a. S. 162 ff. Die Construction 
mit quo minus wird S. 183 daraus entwickelt, daaa die Satze mit 
ne nach deierrore u. ä. sehr selten seien und die Lateiner, um nicht 
blos sagen su können , dass Jemand verhindert wird, sondern auch 
woran er verhindert wird, zu prohibere, impedire den Abi. der 
Sache gefugt hatten und daraus die Construction mit quo minus 
sich gebildet habe, also atatt impedit eOy ut ne, impedit quo 
minus gesagt worden sei. Soll hier eo so viel sein ala ab eo^ so 
durfte sich diese Deduction schwerlich rechtfertigen laasen, und 
Hr. L. wire wohl nicht auf dieselbe gekommen, wenn er auch die 
alte Form qui minus beachtet und bedacht bitte, dass seine Er- 
klärung nur auf einen geringen Theil der Verba , nach denen quo 
minus folgt, Anwendung leidet. Den Gebrauch des Tacitus, s. 
Roth. Agric. S. 257, hat der Verf. nicht beachtet. Quin betrach- 
tet derselbe als aus dem Nominativ qui imd ne entstanden und 
verwirft die eatgegengesetzte Ansicht, ohne jedoch eine Stelle 
nachzuweisen, in welcher qui und is in einem Satze sich finde, 
ohne die Satze mit der einfachen Partikel qui zu beachten und 
ohne zu erwägen, zu welchen Künsteleien seine Annahme, dass in 
quin ein ut enthalten und dazu überall ein Correlativ, welches bei 
quin gerade so oft sich nicht findet , denn die pronomina quis^ tw- 
nernemo j nullus u. a. wird Niemand für Correlatira halten, su 
ergänzen sei, fuhren müsse. Dieses Gorrelativum soll nun übereil, 
wo es sich nicht findet, hinzugedacht werden, eben so wohl iu 
Sätzen , wie nunquam accedo (sc. Is) quin sbs te abeam doctior, 
als in denen, wie Germani retinerl non poterant quin, wo im 
Hanptsstse so, in dem Grade ergänzt wird, und bei nondubito^ 
was so viel ist aia non tarn dubius sum u. a. w. Auf die Frage, 



Brann : Goars de m^thodologie et de p^dagogie etc. 271 

warnm quin nur nacb neg atiren Sitsen erscbeioe , hat aich Hr. L. 
nicht eingelaasen und wurde überhaupt den gansen. Gegenstand 
anders behandelt haben, wenn er mit den Untersuchungen Haa- 
sens, 8. Reisig's Vorlesungen S. 575, bekannt gewesen wäre. 

Die beiden Schriften über den Sprachgebranch der Dichter 
in Rilclcaicht auf die grammatischen Formen, nämlich R. S ternii 
Symbolae ad grammaticam Bomanorvm poeiicam, Hammone 
1845, und Die Lehre von dem Gebrauch^der Casus in der /a- 
teinischen Dichtersprache. Bearbeitet von F.A.Bach. Gotha, 
1848, haben schon ihre Anerkennung in diesen NJahrbb. gefunden, 
a. Bd. 44. S. 159 ff. und 205 ff., so dass es nicht nöthig ist, noch- 
mala auf dieselben znrückzukommen. 

Elsenacb. W. Weiaenbom. 



Cours de mUhodologie et de pädagogie ä Fusage des inatitti* 

tenrs primaires , des 6\hreB des ^coles normales et de toaa 
ceox qai se destinent k la carri^re de Penseignement, par Tb« 
Braun , Professenr de P^dagogie et de Methodologie k T^cole nor- 
male de T^tat & NiTeÜea. Broxellea, librairie de Deprez - Parent, 
Roe de Violette, 15. F. Parent, £ditear. 1849. ^ 

Da die Pädagogik in Pädagogik im engeren Sinne und Didak- 
tik oder Wissenschaft und Kunst der Erziehung und des Unter- 
richts zerfallt, so Nvird der Titel des voriiegenden Werkes dem 
Leser auffdlend sein. Denn nach demselben haudelt es zuerst 
von der Methodologie, einem Zweige der Didaktik ^ und thellt 
diese Lehre in allgemeine und besondere ein. Diese werden im 
ersten und zweiten Theile des Buches abgehandelt. Die Ueber- 
schrift des dritten Thelles ist : P^dagogie. Was kann aber unlo- 
gischer sein , als in einer Kintheilung niederere Begriffe höheren 
gleich zu aetzen? Man sollte erwarten, dieser dritte Theil stelle 
die Gruudsätze der Erziehung auf, zu welcher Erwartung die Auf- 
schrift berechtigt. Weit gefehlt: die ganze Pädagogik des Verf. 
besteht in der Aufstellung der Rechte, Pflichten, nothwendigen 
Eigenschaften und Verhältnisse des Lehrers, worauf er zuletzt 
noch ein Capitel über Kleinkinderschulen (dcoles gardiennes) fol- 
gen lässt. In welcher Verbindung dieses mit dem übrigen Inhalte 
steht , ist nicht abzusehen. Die nähere Ueberschrift dieses Thei^ 
les: L'instituteur en fonctions ou le mattre d*^cole en gdn^ral, ent- 
spricht besser seinem Inhalte. Da dieses Buch eine Anleitung für 
den Elementar-Lehrer sein soll, so musste der dritte Theil zuerst 
abgehandelt werden, weil seine Pflichten und nothwendigen Ei- 
genschaften seine Methode wesentlich bedingen. In der Einlei- 
tung (introdoction) zum ganzen Werke redet der Verfasser die 



272 Pädagogik. 

Blementar-Lejirer ao imd macht sie auf die Wichtigkeit a. Würde 
ihres Amtes aufmerksam. Zugleich sucht erste ober ihre schlechte 
äussere Stellung- su trbsten. Seine Worte sind: Et cependant, 
mes honorables confr^res, votre position dans ia soci^t^ nVst gu^re 
brillante. Un bten petit nombre d'esprits d'öllte comprennent to- 
tre d^vonement, partagent votre enthouslasme pour TinttSr^ le 
plus pnissant de rhumanit^. Vous pourriez tous lalsser aller na 
d^couragement, attacher raoins d'importance k votre mission, Tonn 
en d^goüter peut-^tre. Wir sehen, dass es in dieser Besiehung^ 
in dem glorieuse Belgique^ wie der Verf. es anderswo nennte eben 
so schlecht aussieht, wie bei uns. Diejenigen, welche das künf- 
tige Schicksal des Staates in Binden haben, ron deren Wirken dae 
Glück des Volkes bedingt ist, werden von den bittersten Nahrungs- 
sorgen geqnfilt, können daher nicht so leben, wi^s der Würde 
ihres Standes angemessen ist, werden von denen, die bei allen 
ihren Handlungen nur ihr eigenes Interesse Im Auge haben, über 
die Schultern angesehen, nnd müssen endlich unter der Last ihres 
Elends erHegen, wenn die Begeisternng für ihren hohen Beruf 
sie nicht aufrecht hilt. Die CJrssche dieser betrübenden Erschei- 
nung giebt der Verf. in folgenden Worten richtig an : Les hommen 
de sa?oir et d*expörience se sont accord^ de tont temps k juger 
de l'importance d'une fonction, ä estimer Ia valenr d'nne mission« 
d'apr^s le bien qa*el]e est appeide k faire k Phumanltd, seien qn* 
eile contribue plus ou moins k rendre le genre humain heureux 
et mellleur. Le plus souvent, le vutgaire juge tout autrement; 
pour lui, le vdritable bienfaiteor du genre humain est celui qni, 
par sa mission , est i m^me de rendre des Services ä'un effei es- 
t^fieur et imm^diat. Möchte der Verf. darin Recht haben, dass 
nur le vulgaire dieser Meinung sei! Dann würden wir nicht sehen, 
dass diejenigen, deren Dienste äussere und unmittelbare 
Wirkungen hervorbringen, wie die Gerichts- und Verwaltungs- 
beamten , sogar die Subalternen derselben , so wie die höheren 
Ofüciere im Heere, ein sorgenfreies, js. üppiges Leben führen kön* 
neu, während der arme Schulmeister, der im Schweisse seines 
Angesichts still und geräuschlos Kenntnisse, Sittlichkeit und Reli- 
gion verbreitet und eine wahrhaft glückliche Zukunft, so weit sein 
Wirkungskreis reicht, herbeisa fuhren sucht, darben muss und der 
Missachtnng preisgegeben ist pi Anm. der Red] 

Der erste Theil handelt in zehn Capiteln über die Methodo- 
logie im Allgemeinen (Methodologie gduf^ral). Sie haben folgende 
Ueberschriften : I. Pödsgogie, didactique, m^thodique ou m^ho* 
dologie. II. Principes didsctiqnes les plus importants. III. Forme 
ieuristfqne. IV. Forme r^p^titoire, examinatofre. V. Forme 
dialogique. VI. Forme de Texpositlon contenue ou acroamatiqne. 
Vil. Forme dogmatfque de Pestalozzi. VIII. Forme de Jacotot. 
IX. Forme Bell-Laucaster. X. Quelques r^flexions gdn^rales snr 
Femploi des dlff<!rentes formes de Tenseignement. Ton de Ten- 



Braan : Coan de m^ihodologie et de pädagogie etc. 273 

«eigfoement ou mtni^e d'enselgner. Dif nit^ de rinstitntear. Ben- 
timeot d^affeetioD. Quelques conseils pour ge pr^parer conveiia- 
blement k un entretien socralique. Dieae Elntheiluo^ l»i Frieder 
durchaua anlogiach. Obgleich das erate Gapitel gans allgemein 
ist und allea Folgende umfaaat, ao iaft ea dennoch mit deraaelben 
gleichgesetzt worden. Ea giebt übrigens eine richtige Ueber- 
sieht über das Feld der Pädagogik. Wenn aber der Verf. be- 
hauptet, der Elementarlehrer mnaae aich mit der ganzen Pädago- 
gilc vertraut machen, ao möchte er zu viel von Ihm fordern» Br 
sagt: L'inatituteur primaire qui voudra a'acqnitter dignement de 
la miaaion , k laquelle il a*eat voud devra donc se familiarher avec 
Veruembie de la pddagogie. Strenge genommen, hat ^i* Recht. 
Denn auch in den trivialsten Dingen wird derjenige .am besten 
unterrichten, der die gründlichsten Kenntniase davon hat. Es wäre 
daher allerdinga aehr zu wünschen , dass auch der Elementarleh- 
rer auf derti ganzen Felde der Pädagogik einheimiach wäre.' Da 
aber seine Vorbildung, die Zelt der Vorbereitung zu seinem Be- 
rufe dieses unmöglich machen , so werden die Seminarlehrer, wel- 
che in der Pädagogik durchaus %n Hauae sein müssen, sich darauf 
beachränken, ihre Schüler mdir praktisch voraabereiten, ohne 
es jedoch zu unterlasaen, ihnen jedesmal die theoretischen Satze 
auf eine ihrem Standpunkte angemessene Art begreiflich zu ma- 
chen. Jeder aieht ein, dass dieses eine sehr schwere Aufgabe Ist 
und nur von dem gelöst werden kann, der mit Gründlichkeit uud 
Klarheit des Wissens eine ausgebildete Lehrgabe verbindet. Im 
zweiten Gapitel atellt er die Grundsätze dca Unterrichts auf (prin- 
cipes didactiques). Er theilt sie in 3 Classen ein: Principe» rela- 
tifs 1. ä rinstituteur; 2. k Tdeve; 3. aus objects de renselgne- 
ment. (§. 1.) Vom Lehrer fordert er Gründlichkeit der Kennt- 
nisse, fortwährendea Bestreben, seine Kenntnisse zn erweitern, 
fortwährende Verbesserung seiner Methode durch Selbstbeobach- 
tung, Interesse an dem, waa erthut. Wurde und Kraft beim Unter- 
richt, die Kunat, den Unterricht anziehend (attrayant) zu machen. 
Der Leaer wird ohne mein Bemerken einsehen , dass das Aufge- 
zählte keine Grundsätze (principes) sind, sondern Forde- 
rungen, und dass diese selbst nicht richtig aufeinander folgen. 
Ander Spitze mnsste stehen: Interesse an dem, was er 
thut; denn eben dieses Interesse an der Sache macht erat alles 
Andere möglich; es ist ein sicheres Zeichen, dass der Lehrer Be- 
ruf zu seinem Amte hat; es treibt ihn unwillkürlich uud unwider- 
stehlich an , sich in jeder Hinsicht zu vervollkommnen. Der Verf. 
schlagt dagegen daa Interesse an der Sache so niedrig an , dass er 
glaubt, einer dürfe ohne. dasselbe, also ohne Beruf Lehrer 
werden. Dieses geht aus folgenden Worten hervor: Si, dans 
rorigine, ce penchant n'existe pas, il peut naltre daus la suite, et 
la vocatlon, fälble d'abord, peut croitre et ae d^velopper. En se 
famillarisant avec les mati^res de renseignement , on finit par y 

Pi. Jahrb. f.. PhU. ». Püd, od. Krit. Bibl. Bd. LXU. Hß. 3. 18 



274 Pädagogik. 

prendre ^oilt. ht es wohl ansunehmen, dags ein Mensch, der 
nur au8 Nebenruckaichten, ohne Intereaae am Lehrfache, ein Lehr- 
amt antritt, Lust haben wird, sich in den Unterrichtaatoif hinein- 
zuarbeiten? Nein, er wird nicht nnr keine Luat dazu haben, aon- 
dern es wird ihm nicht einmal möglieh sein , <ia ihm die Anlagen 
dazu fehlen. Sollte man einen ala Lehrer anstellen , der kein In- 
teresse am Lehrfache, keinen Beruf dazu hat, in der Hoffnung, 
dass sich Beides bei ihm entwickeln werde? Heisst das nicht das 
Unmögliche erwarten und die heilige Sache der Jugendbildung 
schmählich terrathen ? Und doch geschieht es leider nicht selten. 
Verkennung der Wichtigkeit des Jugend Unterrichtes, erschmei- 
chelte Vorliebe für diesen oder jenen , Nepotismus und ähnliche 
Tugenden bevölkern oft die Schulen mit Lehrern, die man mit 
€1 eissein hinauapeitschen sollte, wie Christus die Kaufer und 
Verkaufer aua dem Tempel. Der Verf., der sonst die Wichtig- 
keit und Wiirde des Lehramtes gehörig würdigt, hat dieses viel- 
leicht In Bezug auf belgische Lehrer gesagt, welche ihr Amt ohne 
Beruf angetreten haben, um sie anzuspornen, so viel ala es ohne 
Beruf möglich ist, ihren Pflichten nachzukommen. 

Die letzte Forderung des Verf. an den Lehrer war die Kunst, 
den Unterricht anziehend zu machen. Die Alittel , welche er zur 
Erreichung dieses Zweckes angiebt, sind richtig; nnr mit einem 
kann ich nicht einverstanden sein. Er sagt nämlich: L'enseigne- 
meut a plus d'attrait aux yeux des ^l^ves alora qu'on leur d^mon- 
tre rutilit^ de teile ou teile branche d'instruction pour U culture 
iutellectuelle eri g^iidral ou pour lea relations sociales en particu- 
lier. C*e8t surtout par une varldt^ adroitement comblnde dans les 
objets de renselguement qu*on parvient ä captiver Tintdret de son 
jeuue auditoire. Der Lehrer soll also dem Eiementarschöler, uoi 
ihm mehr Interesse für diesen oder jenen Unterrichtszweiff einzu- 
flössen, den Nutzen desselben für seine geistige Bildung oder für 
das Leben zeigen. Stellt man sich das Alter und den Bildüngs- 
staiid des Elementarschüllers vor, so sieht man gleich , daas dieses 
Bestreben vergeblich ist und dem angemeasenen und zwecl^- 
mässigen Unterrichte nur die Zeit verkümmert. Da der Verf. 
schon im Vorigen von der gehörigen Mannigfaltigkeit in den Lehr- 
gegenständen gesprochen hat, ao tat es auffallend, dass er hier 
darauf zurückkommt, da Ungehörigkeiten im Unterrichte die 
zweckmässige Mannigfaltigkeit doch nicht befördern können. 
Am Bude dieses Capitels sagt der Verf.: Une grande perspicacit^, 
je dirais presque d'immenaea facultas naturelles sont n^cesaairea 
pour provoquer et maintenir chez Tdl^ve le goüt des dtodea. Suus 
ce rapport, il est-beaucoup de choses qu'on peut sentlr, mais noo 
exprimer. C*est ce qui donne du sens et de la Taleur k ce juge- 
meut: Telinatiiuteur a du tact. Kann man aua diesen Worten 
dem Verf. nachfühlen, worin der Lehrer-Takt besteht? Da 
dieses unmöglich ist, und der Verf. es auch nicht erklärt iiat^ weil 



Brann; Coars de m^thodologie et de p^dagogie etc. 275 

er es nicht kann , wie er gesteht , so geht der Leser hier leer ans, 
wenn er sich diese Sache nicht selbst klar zu machen weiss. Wir~ 
wollen es versuchen. Der Lehrer-Takt besteht in der Fertigkeit, 
bei der Erziehung und dem Unterrichte jedesmal zu erkennen 
und zu fühlen, wie man sich Tcrhalten muss. Dieser Takt ist 
da» Produkt einer durch Wissenschaft und Erfahrung ausgebil- 
deten Lehrgabe und^einer dnrch Uebnng geschärften und verfei-, 
nerton Beobachtungsgabe. Er ist die schönste Frucht alles pä- 
dagogischen Strebens. Der Lehrer, welcher diesen Takt hat, 
weiss, wo er sich passive verhalten, wo er einschreiten muss. Da 
die Eraiehung sich vorsetzt, der Selbsteiitwickeiung der mensch- 
lichen !Natur die rechte Richtung zu gehen, sie darin zu unter- 
stutzen und zu fordern, so wird er sich passiv verhalten, wo diese 
Entwickelung selbst voranschreitet, wo sie stille steht oder zu 
langsam geht, antreiben, wo sie sich überstürzen will^ hemmen, 
wo sie aus dem Gleise kommt, wieder hineinlenken. Doch wehe 
ihm, wenn er da einschreitet, wo der Entwickelungs-Process von 
selbst gut von Statten geht. Die dem Zöglinge eigenthomliche 
Natur wird er vernichten und die seinige ihm einzuimpfen suchen. 
Die Niclitachtung dieser Art von Passivität bei der Erziehung ist 
eine grosse Taktlosigkeit, welche besonders in unserer Zeit 
alle Individualität vernichtet und Alles unter ein Niveau zu bringen 
sucht. So verhält es sich auch in Bezug auf den Unterricht. Der 
Lehrer, welcher diesen Takt besitzt, weiss, was der Schüler von 
selbst begreifen kann, was und wie er es ihm erklären muss, hei 
jenem wird er nur leiten, bei diesem lehren. Er weiss also,- 
wann er bei der Erziehung und dem Unterrichte aich passiv ver- 
halten oder thätig einschreiten und wie er einschreiten muss. Der 
Entwickelungs- und Bildungsprocess seiner Schüler geht vor sei- 
nen Augen von Statten, Nichts entgeht ihm, und nach diesen sei- 
nen Beobachtungen richtet sich unwillkürlicjb sein Verhalten. 

(§. II.) Die Principien des Unterrichts In Bezug auf die Zög- 
linge sind: 1) Der Unterrichtsgang muss sich nach der geistigen 
Entwickelung des Kindes richten. 2) Man darf die geistigen Fähig- 
keiten der Zöglinge nicht aus den Augen verlieren. 3) Alan muss 
Sorge tragen, den intellectuellen Standpunkt der Zöglinge ken- 
nen zu le rnen und daran den Anfang des Unterrichts anzuknüpfen. 
4) Man muss, so viel wie möglich, auf eine anschauliche Art zu 
Werke gehen. 5) Man darf die Zöglinge nicht begünstigen wegen 
ihres Talentes, ihrer natürlichen Anlagen; man mass im Gegen- 
theile den schwächsten seine Aufmerksamkeit vorzugsweise 
schenken. 

Nr. 3 musste zuerst stehen, weil der Lehrer ohne Kenntniss, 
des intellectuellen Standpunktes der Schüler ihre geistige Ent- 
wickelung und ihre geistigen Fähigkeiten nicht beurtheilen kann. 
(§. III.) Die Grundsätze in Bezug auf die Lehrgegenstinde 
sind folgende: 1) Man muss den Lehrstoff gut ordnen. 2) Man 

18* 



276 PSdagogIk. 

darf nicht zn leicht &ber ftle ersten El€\mente clefi «nsehmillehen 
Unterrichts wegschlupfen und roiiss den Unterricht oft auf dietie 
ersten Elemente zurVickfiihren. 3) Man muss Tom Bekannten zum 
Unbekannten übergehen. 4) Vom Leichten und Einfachen znm 
Schweren nnd Ziisaromengesetzten. 5) Das weniger Wichtige 
vom Wichtigeren trennen; das Unentbehrliche vom blos Win- 
fichenswerthen nnterschelden. 6) For jeden Ünterrichtszwcfg 
die angemessene Methode wählen. Diese Princlpien sind richtig. 
Mochten sie besser befolgt werden ! Am Meisten wird gegen das 
5. nicht aliein von Lehrfern, sondern sogar von Beh&rden gefehh. 
Wie leicht wäre z. B. das Erlernen fremder Sprachen , wenn der 
Lehrer ans allen Theilen der betreffenden Grammatik das Noth- 
wendigste answfihlte nnd seinen Schnlem zuerst befbrichte! Diese 
wurden so auf dem ganzen Gebiete dieser Crrammatik in verbilt- 
nissmassig kurzer Zeit einheimisch und in den Stand gesetzt , In 
diese Sprache und aus derselben zu fibersetzen. Welche Auf- 
munterung für Lehrer und Schuler ^ wenn sie einen so raschen Er- 
folg ihrer Bemiihnngen sehen! 

Bei jeder Wiederholung wird das Uebrige, je nach seiner 
Wichtigkeit zuerst, an das Gelernte angeknüpft. Auf einzelne 
und seltene Erscheinungen lasse sich der Lehrer beim grammati- 
schen Unterrichte nicht ein, um die Aufmerksamkeit vom Ganzen 
nicht abzulenken. So entwickelt sich allmälig vor den Augen des 
Schillers das grammatische Gewebe. Diese Methode hat auch 
noch den Vorzug , dass das Wichtigste durch die stete Wieder- 
holung immer fester eingeprägt und klarer wird. Die alten Phi- 
losophen rufen uns zn: Folge derNatur! Beobachtet , wie die 
kleinen Kinder ihre Muttersprache lernen , und ihr werdet finden, 
dass die beschriebene Methode die der Natur bei ihnen ist. Un- 
sere Schüler hingegen lernen jahrelang Griechisch, Lateinisch, 
Französisch ohne entsprechenden Erfolg. Warum? Weil die 
Methode nichts taugt. Zuerst müssen die analoge, dann die 
anomale Formenlehre, hierauf die verschiedenen Lehren der 
Syntax gelernt werden. So dauert es Jahre, ehe einer auch den 
leichtesten Classiker selbst stfindig übersetzen kann. 

(§. iV.) Obgleich der Vbrf. dieses Capitel in drei Theile ein- 
gethefit hat , so hinkt doch noch ein vierter nach , der jenen lo- 
gisch nicht beigeordnet werden kann. Er fuhrt folgende Ueber- 
schrift: Principes didactiqncs qui se rapportent aux circonstance« 
ext^rieures de IVcole. Das erste Princip ist: fl ne fant rien en- 
treprendre de nonveau avec des ä^ves dont l'instruction ne aerait 
pas assez avanc^e pour marcher avec sticc^s dans cette voie. Jeder 
sieht beim ersten Anblicke, dass dieses Princip sich auf keinen 
äusseren Umstand der Schule bezieht, sondern mit dem im 
§. II aufgesteltten ersten nnd zweiten Principe zusammenfüllt; 
denn wer die geistige Entwickelung und den intellectaellen Stand- 
punkt der Zöglinge im Auge hält, der wird mit ihnen Nichts unter- 



BraUQ : Coara de m^thodoJogie et de p^dagogie etc. 277 

oehmco , was demselbea nicht entstpricht. Auch verbietet dieses 
der dritte Grundsatz des dritten Capitels: Aller du connu k Vin- 
connu. Das vierte Priocip fallt ebenfalls mit dem ersten Principe 
von §. II zusammen; denn wenn der Unterrichlsgaiig sich nach der 
geistigen Eiitwicltelung des Kindes richtet, so wird auch die Aus< 
dehnung jedes Unterrichtszweiges nach der Dauer des Schulbe- 
suches der Zöglinge berechnet sein. Also bezieht sich auch die- 
ses Princip nichi auf das Aeussere der Schale. Das zweite und 
dritte Priocip beziehen sich auf die Frequenz der Schule und ent- 
sprechen der Aufschrift. 

Der Verf. handelt im zweiten Capitei iiber die verschiedenen 
Lehr formen. Er theilt sie zuerst ein In exposition interrompue 
et cooteoue : aiiterbrochenen und ununterbrochenen Vortrag. Dtn 
erstereo theilt er in folgende Arten : a. La forme caldchdtique ou 
socratique, b. la forme euristiqne, c. la forme repetitoire, d. la 
forme dialogique. Diese Eiutheiluug ist wieder unlogisch; 
denn die forme catc^chetiqne ou socratiquc und dialogique bezeich- 
neu dasselbe^ nämlich die katechetische Lehrforjn, welche mau 
auch die sokratlscbe oder dialogisclie nennen kann. Von dieser 
Lehrform sind die unter lit. b. und c. aufgeführten Unterarten; 
denn diese Lehrart ist heuristisch (eurisUque), wenn sie ge- 
sprächsweise tlas Unbekannte oder nur dunkel und verworren 
Gedachte auffmden lehrt oder zum deutlichen fiewusstsein bringt^ 
was schon in der Seele des Hörenden lag; sie ist doJkimss tjsch 
oder, wie der Verf. sie nennt, examinatoire , wenn sie prüft, auf 
welcher Stufe der Schüler überhaupt, oder in einer besonderu 
Art von Kenntnissen steht; sie ist repetitorisch (rdpetitoire), 
wenn sie nur das Aufgegebene oder Vorgetragene abfragt. S JNic- 
meyer's Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts, 2. Thcil, 
§. 20. Nach dieser Eintheilung handelt der Verf. in 7 §§. von 
der katechetlschen oder sokratischen Form. Was er in dfescp §§. 
über die Fragen und Antworten sagt, gilt von allen Formen dieser 
Art. Logischer Weise erwartet man, dass er in demselben Capi- 
tei die übrigen Formen abhandelt. Weit entfernt; sondern im 
dritten Capitei spricht er von der heuristischen^ im vierten 
von der repetitorischen und dokimastischen, im fünften 
von der dialogischen Form und, mirabile dictu! im sechsten 
über den ununterbrochenen Vortrag. Hier sind also höhere 
und ufedere BegrilTe wieder gleichgesetzt. Nach dieser Ueber- 
sicht haben wir noch unsere Behauptung zu begründen , dass die 
katechetische oder sokratische und die djalogibche Form eine und 
dieselbe sind. Der Verf. giebt folgende Definition von der kate- 
chetischen Form: Cette forme consiste k faire naltrc chez 
releve de nouvelles idees au moyen d'une conversation Stabile par 
demandes et par rdponses.^ Nichts Anderes ist die dialogische 
Form in Seh u 1 e n. Dagegen sagt der Verf. : Le mot dialogique 
empörte ridee d*uu entretlen, d*une conversation. Le diaiogue, 



278 Pädagogik. 

considdr^ comme forme d^eoseignement , estiine convenation en- 
tre detix ou plusieiirs personnea qni oiit pour biit de a^natruire 
iniitiiellemeiit en ^changeant entre eiiea lea rdlea de maitre et 
d^^l^Te. Cette forme d'enseignement ae diatingne donc complele- 
menl de cellea que noua avona examin^ea jusqu' ici. (1) Gegen- 
aeftige Belehrung i^t kein wesentlicher Zweck des Dialoga, 
sondern gegenaeitige Mittheilung von Gedanken. Dieaea 
findet zwiacheu Schüler und Lehrer atatt. Der Schüler theilt in 
seinen Antworten dem Lehrer aeine Anaichten über den in Rede 
steheqden Gegenatand mit und dieaer aucht aie durch aeine Fragen 
SU berichtigen und ihm klarer und deutlicher zu machen. 

Nachdem der Verf. Cap. 2, §. 3 geaagt hat, die katecheti« 
gehe Frage rousae klar, bestimmt, einfach und kurz aein^ aetzt er 
noch hinzu: La queation'doit-dtre correcte; eile doit ^tre falte en 
termea convenablea; eile ne doit paa Impllquer coiitradiction. Die- 
ser Zusatz iat überfli'iaaig, da unpaasende Auadrücke und Wider- 
spruch von den lier genannten Eigenschaften der katechetlachen 
Frage schon Tonaelbat auageschloaaeo werden. Waa der Verf. 
im 4. §. diesea Capitela über den Unterachied der katechetiachen 
Fragen nach Form und Inhalt sagt, ist ao unTollständig, dasa es 
heaaer weggeblieben wäre. Hier hat der Verf. etwas Dnmö^- 
lichea unternommen , da, wie Niemeyer in dem angeführten Werke 
Theil 2, §. 21, Anm. 1 richtig aagt, „bei keiner Form dea Unter- 
richta der Lehrer ao viel durch die Praxis lernen muas, sla ge- 
rade hier. Sie giebt allein Gewandtheit, und wird zu einer Art 
von Kunatfertigkeit, die keine Theorie geben kann. Bei Man- 
chen findet aich indeaa ein fast angebornea katechetiechea und so- 
kratiachea Talent. Dennoch verschmähe keiner die Regeln und 
die guten Muster.'^ Die Verschiedenheit der katechetiachen Fra- 
gen nach Form und Inhalt beruht aber nicht auf Regeln , aondera 
« auf einer Mei'^ge von oft zufälligen Umatänden , die man unmög- 
lich vorausaehen kann. Der Lehrer ronas ao viel Takt haben, daas 
er faat unwillkürlich Inhalt und Form aeiner Fragen darnach ein- 
richtet, — Im § 5 apricht der Verf. von der Vertheilung der 
Fragen (di^tribution dea queationa) unter die Schüler. Obgleich 
diese Anweisung nur Aeusseres betrifft und die Richtigkeit und 
'Angemessenheit der Fragen aelbst vorauaaetzt , ao mischt er doch 
folgende Regel ein , die sich auf die Beachaffenheit der Fragen be- 
zieht , wovon achon geaprochcn iat : On aora ^gard , dana la soe- 
cessiou dea quesliona , au degr^ d^inteUigence et d'inatruction des 
^l^vea. §. 3 heiast es unter Anderen: . . . eile (la queation) doit 
dtre h la hauteur de rintelligence de celui k qui on Tadreaae. — • 
§§. 6 und 7 wird über die Antwort mit einer unerträglichen Weit- 
schweifigkeit gehsndelt. Der Inhalt dieser §§. ist im Ganzen 
richtig. B Ina iat aber aoch in dieaer Rücksicht zu ergänzen: un- 
ter den Uraachen, warum der Schfiler keine oder eine unrich- 
tige Antwort giebt ^ führt er auch böaen Willen von Seiten 



Braun : Coors de m^thodologie et de p^agogie etc. 279 

dieses snf (boaderie, caprice und dergl.). Dieses gehört iiiclil 
hierher, sondern aar Lehre über die Disiiplin. 

Cap. 3 spricht der Verf. über die heuristische Form. Br 
erkürt sie, wie folgt: Par ce procdd^ on exige de r^l^?e qu'll 
trouve^ i Taide de ses propres r^flexions, ie r^ultat vouiu, ea 
lul fournissant ia matiöre sous forme de questions. Die Ausdrücke: 
ä Taide de ses propres r^flexions und en ini fournissant la mati^re 
sind zu allgemein, daher unbestimmt und dunkel. Die richtige 
Definitiou ist die oben angegebene, worin Alles bestimmt und klar 
ist. Obgleich die heuristische Form eine Art der katechetitche» 
ist, so sucht der Verf. §. 2 dieses Cspitels beide doch noch sii 
unterscheiden, als wenn sie wie Arten neben einander standen. 
So sieht ein Fehler den andern nach sich. Bei der Aufstellung 
dieser Verschiedenheit ist der Verf. in offenbare Irrthümer ver- 
fallen. So sagt er: Par fapplication de la forme eurlstique, f^I^ie 
connalt, avaut de commencer son travail, le but qu^on lui proposc 
d^atteindre; la forme cat^ch^tique (kann keine andere sein, als 
eine der übrigen Arten derselben , die r^p^tiCoire oder examina* 
toire), au contraire, ne lui fait pascounaitre le but propos^ avant 
qu'il y soit arrivä. Hier verwechselt der Verf. die heuristische 
Lehrform in Gesprächen mit der bei gegebenen Aufgaben; 
bei jener wird dem Schuler das Ziel nicht angegeben, welches er 
erreichen soll. Darin besteht ja gerade der Reia und die kräftige 
Wirkung dieser Form, dass er sich am Ziele befindet, ehe er ce 
vermuthet, und ohne verhalt nissmSssige Anstrengung seine Kennt- 
nisse vermehrt sieht; bei Aufgaben wird ihm allerdings dss su er- 
reichende Ziel geseigt und Anleitung daso gegeben. Ist diesen 
geschehen, so wird der Schüler sich selbst überlassen und veran- 
lasst, durch Benützung des Gegebenen das Ziel zu erreichen. Der 
Verf. fahrt fort: II en rt^sulte que dans cette derni^re voie (forme 
r<^p<$titoire oder examinatoire) T^l^ve est plus expos^ ä se d^tour- 
ner et k s'^garer: nicht mehr als bei den anderen Formen, da der 
Lehrer ihm immer lenkend zur Seite steht. Die Regeln, welche 
der Verf. §. 4 in Bezug auf die Anwendung der heuristischeit 
Form giebt, beziehen sich fast nur auf Aufgaben, gehören also 
nicht hierher. 

^ap* 0^ §. 2 giebt der Verf. die Arten der akroamatlscheo 
Lehrart an mit folgenden Worten : On se sert de la forme acroa- 
matique en pr^sentant la mali^e k l'^l^ve: 1) en dictant, 2) en 
lisant, 3) en racontant. Diese drei Arten müssen auf Eine redu- 
oirt werden ; denn diese Lehrart ist nichts Anderes , als ununter- 
brochener mündlicher Vortrag; also kein Dictiren,kein Vor-' 
lesen. Der Verf. sagt in demselben § : Cela n'a lieu toutefois que 
dans les classes ^l^mentaires et mdme avec les ^l^ves tr^faibles; 
und §. 3: Cette forme s'spplique principalement k ia classe infi^ 
rlenre. Gerade das Gegentheil ist der Fail ; denn der susammeo- 
hangende, ununterbrochene Vortrag setzt bei dem Schüler die 



280 Pädagogik. 

Flhigkeit voran« , dem Gedankengange so folgen mil immer reger 
Aufmerksamkeit. Dieses iat aber nicht Sache von Schülern, wie 
sie in der unteraten Ciasse aitsen , und gar von sehr schwachen 
unter denselben. Daher mnaa man die Schiller allmälig an die 
Auffassung solcher Vortrage ge wohnen, indem man diese Form 
mit der katechetischen abwechseln lässt, von kürseren su länge- 
ren Vorträgen voranschreitet und den Schüler jedeamai auffor- 
dert, den Inhalt möglichst genau zu wiederholen. Sind dieae 
Uebungen längere Zelt hindurch foHgesetst worden , so wird der 
Schiller erst die Fähigkeit erlangt haben, solch; Vortrage mit 
Notsen ansuhören. Dann gehört er aber nicht mehr nur unter- 
sten^ aondern wenigstens zur oberaten Classeder Elementaracholey 
ja mit seltenen Ausnahmen erlangen die Schiller auf dieser Sehuie 
nicht einen solchen Grad von Verstandesbildung und Auffassnnga- 
kraft, dass sie einem längeren Vortrage folgen nnd denadbea 
wiedcrhoien können. 

Das 7. Capitel enthält nur einige Zeilen, welche der Vert 
der Pestalozzi'schen Methode widmet Der Leser aber, bei de» 
die Ueberschrift die Hoffnung erregt, das Wesen dieaer Methode 
in wenigen Worten dargestellt zu sehen , wird sich sehr getäuscht 
§nden; denn der Verf. acheint dieaelbe nicht recht zu kennen. 
Statt ihr Wesen anzugeben, sagt er, worin daaselbe nicht bestehe : 
sie sei niclit nne forme ioterm^diaire entre la forme acroamatiqne 
et l'drotdmatique, nein, sie bestehe in etwas ganz Anderem, ale 
einen oder mehrere Sätze auszusprechen und sie dann (von den 
Schülern) wiederholen zu lassen, obgleich diese Art- zu unterrich- 
ten von seinen Schulen* nicht gänzlich ausgeschlossen gewesen sei. 
Darauf fahrt er fort: On con9oit, du reate, que cette forme (forme 
dogmalique de Pestalozzi) provoque d<yk plus de rapport entre 
r^^ve et le maltre que la forme acroamatiqne, guoiqu^elle n^es" 
ige gudre d*acUvitä d^ettprit che% le premier. Diese Worte, ent* 
halten ein falsches Urtheil des Verf. über die Wirkung einer Me- 
thode, welche er nicht kennt. Denn die Pestalozzi'sche Methode, 
wenn sie recht angewandt wird , aetzt den Geist des Schülers in 
grosse Thätigkeit und nimmt ihn von mehr ala Einer Seite in 
Anspruch. Der Grundsatz dieser Methode ist: Zuerst die An- 
schauung, dann die Definition, zuerst die Fertig- 
keit, dann die Regel, zuerat dieSachkenntniaa, dann 
die Worterklär u Dg. S. Heinrich Pestalozzi von G. J. Blodi- 
mann. Leipzig 1848, S. 148. Deraelbe sagt 8. 144 desselben 
Werkes eben so wahr ala schön s Im reichen Bildungsstoffe, den 
Natur und Leben beut, umherblickend und forschend, erkannte er 
(Pestalozzi) ala allgemeinste und wesentlichste Mittel der Elemen- 
tarbildungdie Zahl, die Form und die Sprache. Die Zah- 
lenlehre, die Formen- und Grösaenlehre nnd die Sprachlehre, von 
ihren Elementen auagehend, in lückenlosen Uebungen fortachrei- 
tefid, durch Anachaunng und aelbattbätigea Auffinden die geistigen 



Braon: Conrs de m^thodologie et de pödagogie etc. 281 

Krifte anref end und bildend , wurden diefewaltigen Hebel 
iuleliectueller KrSflif ung^ und Aasbildung, durch welche die Zög- 
linge in korser Zeit AuMerordenlliches leisteten und diejenigen in 
Erstaunen seUten , welche die Anstalt besuchten und ?on der Mög- 
lichkeii einer so sicheren Intuition und scharfen Combination keine 
Vorstellung hstleu. Dieses Urtheil eines Mannes, welcher aclil 
Jülire au Yverdün mit Pestaloasi selbst gewirkt hat, setae ich 
dem des Verf. um so kühner entgegen, je ifiehr alle diejenigen, 
weihe die Pestaloaai'sche Methode kennen, damit einverstanden 
sind. Nach dem Gesagten leuchtet ^ von selbst ein, dass auch 
folgende Behauptung des Verf.: On comprend als^meot que Tin- 
tultion n'est pas essentielle dans cette m^thode d^easeignement, 
auf einer Vei-kennung dieser Methode beruht. 

Wir gehen aum zweiten Theile über, dessen Inhalt die be- 
sondere Methodologie ist. Er serflillt in dreiaebn Unterabthei- 
lungen: 1) Aldthod« par Intuition; 2) Methode de lecture par 
^mäsion dea aona; 3) Methode de dessin; 4) Mdthode de calligra-* 
phie; 5) Methode de religion,* 6) Methode du calcul mental et du 
calcul ^crit; 7) Methode des exercices de memoire; 8) Methode 
du chant; 9) Methode d'enselgnement de la langue matemelle; 
10) Methode d*orthographe; 11) Methode de lecture expressive; 
12) Methode destjle; 13) Methode de gjnuiastlqne. In dieser 
Einthdhiog sieht man sich vergeben» nach einem Thellungtgrundo 
um. Selbst Zusammeagehöriges oder Verwandtes ist gewaltsam 
aoaeinandergerissen, wie: Lesenlernen (2), Erlernen der Mutter- 
sprache (9), Ausdracksvolles Lesen (11). Methode par Intui- 
tion (1) gehört in die allgemeine Methodologie, weil diese Me- 
thode bei jedem unterrichte angewendet werden kann; ebenso die 
Gedächtnissübungen (7). — In der Elaieitung zur ErlSuterunf 
der Methode par Intuition sagt der Verf. : Les exercices par io*^ 
tuition sont (oni äi4) iiitroduits dans renseignemeut prImaire de- 
puis les travaux de Pestalozzi. Warum nicht: ont ^t<S introduita 
. . . par Pestalozzi ; denn Pestalozzi hat diese Methode sowobl 
zuerst erfunden , als in den filemeutaronterricht eingeführt. Denn 
schon im Jahre 1802 erklarte die Regierung das Pestalozzi'sche 
Institut zu Burgdorf als ein öffentliches, der Nation angehörige«, 
gab Pestalozzi und den ältesten Lehrern einen festen Gehalt, be» 
förderte die Herausgabe der Elementarbucher, inabesoudere dea 
„ABC der Anschauuiig^^ und dea „Buchs der Mutter^% und verord- 
nete, dasa alle Monate zwölf Schullehrer in der Methode daselbst 
unterrichtet werden sollten. S. H. Pestalozzi von Blochmann, 
S. 65 und 66, — Audi heisst es in dieser Einleitung: Toutefois, 
on le couf oit , les rc^ponses obtenues ne sont pas toojours confor- 
mes aux r^gles de la langue; tr^-sonvent m^me, on devra se con* 
tenter de termes k pelne suffisants pour ddtermlner Fobject ea 
queation. Quant aux expresalona ddfectueusea aoua le rapport 
Srammatical, on lea corrigera loraqu'oa a'occopera de la langun 



282 PädBgoeik. 

m^me, etc. Also soll man alle Sprachfehler, die während des 
Unterrichts vom Schäler gemacht werden, durchgehen lasacn and 
Ihre Verbeaserung anf die grammatischen Stunden verschieben? 
JHan müsste sich alle diese Fehler notlren, um sie nicht zu ver- 
gessen. In den genannten Stunden würde man das Fehlerver- 
aeichniss vornehmen und, um eine gründliche Verbesserung zu be- 
wirken , nicht selten auch den betreffenden Unterrichtsstoff wie-^ 
derholen. Die gewöhnlichen grammatischen Stunden wurden 
dazu nicht ausreichen, geschweige denn, dasa etwas Anderes 
darin vorgenommen werden könnte. Denn auf dieser Unterrichts- 
stufe wird fast kein Satz vom Schüler ohne Fehler gesprochen. 
Der Verf. schlügt also hier etwas unmögliches vor. Wlre die 
Ausführung seines Vorschlages aber auch möglich , so wäre sie 
doch sehr unzweckmissig ; denn der Schüler muss lernen, mit der 
Sache gleich den richtigen Ausdruck zu verbinden. Der Lehrer 
dfiuss daher, wenn der Schüler sich* unrichtig ausdrückt. Ihm den 
richtigen Ausdruck ohne weitere Bemerkung deutlich vor- 
sagen und von ihm wiederholen lassen, um seine Aufmerksamkeil 
von der Sache nicht abzulenken. 

Der Verf. schliesst sich mit Recht bei dem ersten Unter- 
richte in der Elementarscliale der Pestalozzi'schen Methode %n. 
Seine Anleitung, den Geist der Kinder von sinnlichen Anschau- 
ungen zu klaren Vorstellungen and deutlichen Begriffen zn er- 
beben, Ist angemessen und zweckmässig. Um so auffallender Ist 
die oben nachgewiesene Verkennnng dieser Methode von Selten 
des Verf. Dieser Widerspruch scheint dadurch entstanden zu 
sein, dass er nicht aus den Werken des Pestalozzi selbst geschöpft, 
sondern spätere Bearbeitungen derselben benutzt hat. Obgleich 
die erste Umgebung des Kindes das väterliche Haus Ist, so geht 
der Verf. bei diesen Uebungen doch richtig von der Schule aus, 
da diese Par alle Schüler dieselben Gegenstände enthält 
and Gemeinschaftlichkeit des Unterrichts möglich machte Nach 
dem Grundsatze dieser Methode: Der Kreis des Wissens 
fängt nahe uro einen Menschen her an und dehnt sich 
von da concentrisch aus (Abendstunde eines Einsiedlern 
von Pestal.) geht der Verf. von der Schule zum väterlichen Hause 
über. Da aber die* Anschauungen sinnliche, unmitteibaro 
sein müssen, so wird der Lehrer jedes Kind zu seinem väterlichen 
Hause zu begleiten genöthtgt sein,. um dort den Unterricht mit 
ihm fortzusetzen. So würde der Unterricht weder der Zeit noch 
der Sache nach ein gemeinschaftlicher bleiben, sondern in Privat*- 
Unterricht übergehen. Da dieses Verfahren mit einer öffentlichen 
Schule unvereinbar Ist, so nuss der Lehrer nur dasjenige, in der 
Schule bleibend, vornehmen^ was an und In jedem Hatiae Ist, 
nnd die sinnliche Anschauung voraussetzend die Uebungen daran 
anknüpfen. Das sclieint aber unser Verf. nicht zu wollen , son- 
dern zu verlangen , dasa der Lehrer die Schiler wirklich zu ü 



BraoD : Cours de m^tbodulogie et de p^dagogie eic 283 

f iterlichen Hindern begleite und dort Alles mit ihnen durchgehe. 
Er sagt s. B. im 2. §. des IL Cap. S» 57: Aprea avoir proToqu^ 
quelques rc^ftexions par rapport k l'extdrienr de ia roaison ^ on con- 
äuit Venfant dans rinl^rieur ; on y fait reroarquer le corridor, etc ; 
im 3. §.: Eo soriant de la maisoo par la porte de derri^re, noua 
arrivons daiis la cour etc; de la coor nous nous rendrona k la baaae- 
cour etc.; en traveraaut T^curie, on parlera des chevaux etc.; en 
traversant r^table, on causera(!) des moutons etc. Da dieses, 
wortlich Terstandeo , durchaus unausführbar ist, so wollen wir an- 
nehmen, dass diese Wanderung nur im Geiste angestellt werden 
soll und Lehrer und Schüler dabei in der Schule bleiben. Vom 
viterlichen Hause geht er xu den Umgebungen desselben über, 
hierauf xur Betrachtung des Dorfes und seiner Umgebungen, dann 
des Himmels, der Gestirne, der Zeiten: Tag und Nacht, der 
Jahrxeiten. S. 64 giebt der Verf. einige Vorschriften, die der 
Lehrer bei diesen Uebungen befolgen soll. Unter diesen ist die 
neunte: II exercera rimagination dea enfanta überflüssig, da ohne 
die Uebung der Einbildungskraft die Methode nicht denkbar ist. 
Zuletzt sagt der Verf.: Nous terminerons nos observations sur ce 
point en indiquant la marche k soivre^dans Texplication des ta« 
bleaux consid^r^ comme objects d'intuition. Zu diesem Zwecke 
hilt er den Schülern ein Bild vor, lisst sie Alles erkliren, was es 
enthält, hierauf die Vorstellungen angeben, welche die verschie- 
denen Figoren des Bildes wecken , dann darüber urtheilen und 
moralische Reflextonen anstellen. Es wäre meines Erachtens viel 
sweckmässiger gewesen, den Gang dieser Uebungen an wirk- 
lichen GegenstSnden zu zeigen, weil diese dem Wesen der 
Methode zufolge den Uebungsstoff abgeben und man nur dann, 
wenn man die Gegenstande nicht selbst anschauen lassen kann, au 
bildlichen Darstellungen seine Zuflucht nehmen darf. 

Hierauf geht der Verf. zum Lesenlernen über. Von den 
verschiedenen in Deutschland erfundenen Methoden nimmt er die 
Lautmethode an , welche er m^thode de lectare par Emission dea 
Botts nennt, entgegengesetzt der m^thode par ^pellation. In Be* 
zog auf das Deutsche ist die Lautmethode allerdings die natur-» 
liebste und leichteste. Ob sie dieses auch in Bezn; auf das 
Franzoaischelst, kann aber noch sehr bezweifelt werden, da 
in dieser Sprache die Buchstaben in vielen Verbindungen anders 
als einsein ausgesprochen werden. Auf diese Verschiedenheit 
moss der Lehrer Rücksicht nehmen, damit der Schüler jedem 
Buchstaben, wo er auch immer vorkommen mag, den rechten Laut 
au geben lerne. Wir wollen dieses am ersten Beispiele zeigen, 
woran der Verf. die Methode «u veranschaulichen sucht. Der 
Lehrer spricht den Vocal t aus und lässt ihn von jedem einzelnen 
Schüler , dsnn von allen zugleich wiederholen. Eben so macht er 
es mit dem Consonanten ir. Hierauf spricht er beide in Verbin- 
dung aus: in, nl, und übt die Schuler auch darin. Der Liebrer und 



284 Pädagogik. 

die Schüler sprechen natürlich in wie im Deutschen ans oder wie 
in den fratuösischcn Wörtern inimitie^ innc!. Der Schüler wird 
aUo dieses in überall so aussprechen. Dieses darf er aber nicht, 
well in in den meisten Fällen wie aen durch die Nase gesprochea 
wird. Da nun nachher diese Silbe in §. 2 auch unter den söge* 
nannten voyelles composees aufgeführt wird, welche einen ein- 
fachen Laut liaben, so muss der Schüler auch die Aussprache die- 
ses Lautes einüben. Da aber in In der ftegel Nasenlaut und die 
zuerst eingeübte Aussprache eine Ausnahme von derselben Ist, so 
muss der Schüler jetzt die Ausnahme aur Regel machen. Dieser 
Uebelstand findet bei den übrigen Nasenlauten und den sons moull- 
1<£8 statt. Uebrigcns ist es zweckmässig, dass der Verf. das Schrei* 
benlernen mit dem Lesenlernen von Anfang an verbindet, weil so 
Auge , Ohr und Hand des Schülers zugleich geübt werden und 
das zu Lernende dadurch vollständiger und (klarer aufgefasst und 
besjser festgehalten wird. Der Verf. schliesst diese Darstellung, 
indem er sagt : Nous terminons Texposd de notre m^thode de lec* 
ture en rdcapitnlant les avautagcs rcSsultaut de son emploi. Diese 
sogensonte RecapituUtion ist eine fast wörtliche Wiederholung 
von dem, was der Verf. schon S. 73 und 74 gesagt hat. Die un- 
wesentlichen Verschiedenheiten sind folgende: S. 73; LVo- 
fant re9oit psr cons^quent dans les sons ce qu iL faul pour la iec- 
ture; S. 103: ce dont il a besoin; dort: notre m^thode, ä la con- 
diiion toutefois yu''elle aoil bien appliqyäe; hier: notre m^lhode« 
fourvu quelle soll bien prätiqude; dort: £ln suivant notre md- 
ihode^ Venfani travaille avec connalssance de cause; il peut se 
rendre compte de ce qu'il falt et de la raison pour laquelle ii le 

falt; hier: Dans f emploi de notre mätkode du motifpour 

lequel; dort: . . • facilite l'enselgnement , — les sons so/U les 
^Idments de la langue — c*est par eux que doli commeacer l*en- 
selgnemeut de la langue — ; hier : /ai^orts^ — ieB sons cofisiitueni 
— Tenselgnement de la langue doit commencer ; S. 74: possede 
les fonderaents necessaires; il peut aborder Velude de la gram- 
maire; S. 103: — possöde les fondements ncScessaires d fen- 
seignement grammalical — ; S. 74: — habitud d^s son bas dge 
a dc^composer — ; S. 103: älanl habitud ä decomposer — ; S. 74: 
par memoire; S. 104: de memoire , — dort: on gagner a du temps; 
hier: on äpargnera du temps — . So geht es weiter bis zu Ende, 
wo S. 74 steht: — soit k l^cole, soit 4 la malson paierneUe — ; 
S. 104 aber: soit k Tecole, soit k la maisoo. Der Leser über- 
zeugt sich, dass die Verschiedenheiten nur In einigen Aus- 
drücken bestehen und die Identität des Inhaltes verbergen sol- 
len. Dieses ist eines von den BSitteln, welches di^ Bnchermacber 
anwenden. 

In der Einleitung zu dem Abschnitte über den Zeichnenunter« 
rieht spricht der Verf. über die Wichtigkeit dieses Unterrichts. 
Da er sich nicht auf die Aufj&ählung d^r Umstände einlassen könne, 



Braun : Conrs de m^thodologie et de p^dagogie etc. 28d 

in welchen das Kind^ wenn es erwachsen sei^ wirkHchen Nutten 
Ton seinen Kenntnissen im Zeichnen ziehen könne, so wolle er sich 
darauf beschränken, zu zeigen, welchen Einfluss dieser Unter- 
richtszweigauf die formelle Bildung (d^veioppement Intellec- 
tnel).der Zöglinge habe. Trotz dieses Vorsatzes, den mate- 
riellen Nntzeavoh dieser Darstellung auszuschliessen , liest man 
unter Nr. 2: li (le dessin) peut 6tre consid^r^ comrae une connaii- 
fiance indispensable pour certalnes professions, par exemple, pour 
)es professions industrielles. Der formelle Nutzen i|t unToll- 
utandig und ohne alle Ordnung^ dazu so allgemein dargestellt, dasa 
die Elementarlehrer, für welche dieses Buch bestimmt ist, in 
ihren Kenntnissen nicht sonderlich gefordert werden. Das Za- 
sammengehörige Ist sogar gewaltsam auseinander gerissen. So 
steht unter Nr. 1: Il^ontribue efficacement k dc^velopper rintelli- 
gence; unter Nr. 5: Le dessin prodtiit les plu^ heurcux eiFets sur 
la cntture de Tesprit en g^n^ral; il ^Teille le sentiment intuitif; 11 
habitue Tenfant k dtre attentif ; il exerce la perspicacit^; excite 
IMmagination. Alles dieses bezieht sich nur auf die intellectuelle 
Bildung. Vom moralischen Nutzen ist theils in Nr. 3, theils In 
Nr. 5 die Rede. Nr. 3: II procore beaucoup d^^agr^ment dans la 
pratique et il est la source de tnille plaisirs innocenta. Par le 
dessin nous parvenons k coaserver le Souvenir des objets qui nous 
ont laiss^ des expressions agr^ables; Nr. 5 ... 11 est tr^-propre' 
k combattre Toisivet^ , et c^est eo outre on excellent pr^servatlf 
coDtre les plaisira qui gdtent le coeur, Ueber den ästhetischen 
Nutzen spricht er Nr. 5 In folgenden Worten : . . inspire le senti- 
ment du beau , forme le goüt et falt nattre i'amour de i' ordre. Das 
Letzte mdss zuerst gesagt werden, da ohne Liebe zar Ordnung das 
Gefühl des Schönen nicht entstehen, noch der Geschmack sich 
bilden kann. Unter Nr. 4 heisst es: Le dessin exerce la main; 11 
la «end plus habile k maint autre exercice , et sp^cialeroent k la 
calligraphie. Dieser Einfluss bezieht sich nur auf den K örper, 
gebort also nicht hierher. Die von ihm Torgeschlagene und er- 
klal'te Methode Ist im Wesentlichen die von Pestalozzi. Ueber 
die Nothwendigkelt dieses Unterrichts für Elementarschulen scheint 
der Verf. nicht mit sich einig zu sein. S. 105 sagt er darüber: Une 
autre consld^ration (qne les dispositions naturelles des enfants 
pour le dessin) nous .engage k signaier cet enseignement corome 
devani faire partie du programme d'une bonne ^cole ^l^men- 
taire, c*est l'utilit^ dn dessin. Dagegen S. 106: Ici (dans les Gen- 
ies ^lementaires), Sans mdconnattre Timportance du dessin, on ne 
pent le consid^rer que comme une brauche acceasoire etc. Tont 
Etablissement montd sur une plus grande Schelle que iVcole prl^ 
mairedoit, an contraire, nous paraft-il, admettre Tenseignement 
du dessin dans son programme comme nne brauche essentielle 
etc. Was die Kalligraphie betrifft, so enthält die Anweisung des 



^286 Pädagogik. ' 

Verf. nichts Bigenthumlicliefl, sondern befolgt dte in unseren Ele- 
menUrscIiulen übliche Methode. 

Hierauf koiuTOt der Verf. aum Religionsunterrichte. Er ant- 
wortet auf die Frage: Que doit-on enseigner, en mati^e de reli- 
gion, aux enfatits de la classe inf^rieure: L^euseignement de la re- 
ligion pour la clasae iiif<Srieure doit comprendre tout ce qui est en 
rapport avec le degrd dintelligence des ^l^ves, tout ce qui est 
n^cessaire'k cet Age pour t^veiüer le sentimeot moral et rellgienz. 
Kann der Elementarlehrer aus diesen Worten lernen, was er in 
dieser Classc lehren mussl Ob das moralische oder religiöse Ge- 
fühl zuerst erwacht, in welchem Verhältnisse diese xu einander 
stehen, davon erfahrt der Leser hier Nichts. ,,Schon im «ar- 
ten Alter, sagt mit Recht Niemeyer Grundsätze etc. Bd. 1. 
S. 146, äussert sich Selbstachtung und Sfibstznfriedenheit, bei 
dem Bewusstsein^ recht gehandelt zu haben, im entgegengesetz- 
ten Falle Reue, Beschämung, Niedergeschlagenheit, Unruhe. 
Schon das Kind äussert Hochachtung und Vertrauen gegen Alles, 
worin sich der Sinn der Rechtlichkeit, der Uneigennütsigkeit, des 
Edelmuthes zeigt; wo das Gegentheil erscheint, Geringschätzung^ 
lind Misstrauen.*^ Es ist nun die Sache des Lehrers, dieses Ge- 
fühl, wann und wo es sich beim Schüler äussert, zu pflegen und 
zu verstärken; denn dieses kann bei jeder Gelegenheit gesche- 
hen. Ueberall, wo der Lehrer mit den Schillern zusammen ist, 
sei es in der Schule oder ausser derselben, muss er dieselbe be- 
nutzen , weil die sittliche Anlage , wenn sie vernachlässigt wird, 
leicht verloren geht. Hat dieses moralische Gefühl. nur einige 
Stärke erlangt und ist das Gewissen erwscht, so „empfinden die 
Kinder das Bedurfniss, wie Niemeyer S. 152 sagt, den letzten Ur- 
heber dieser Einrichtung, oder die Hand aufzusuchen, welche je- 
nes Gesetz in ihre Brust geschrieben hat, und sich von ihm ab- 
hängig zu denken.^' Hat sich dieses durch die F&ege des sittlichen 
Gefühls entwickelt, so ist eine feste Grundlage zur Religiosität 
gelegt, worauf der Lehrer getrost fortbauen kann. So folgt der 
Religionsunterricht, wie jeder andere Unterricht muss, dem Ent- 
wickeluugsgange der Natur. In der Nichtbefolgung desselben ist 
•ehr Häufig die Ursache der verfehlten sittlichen und religiösen 
Erziehung zu suchen. Unser Verf. sagt von Allem diesem Nichts 
und spricht nur im Allgemeinen über die Wichtigkeit des Re- 
ligionsunterrichts, ohne das sittliche Element zu beachten. Seine 
Methode hat nichts Eigenthümliches. Er hat sich nachGru- 
ber's und Ov erber g's Handbüchern gerichtet, wie er selbst sagt. 

In der Einleitung zum Rechuenunterrichte giebt der Verf. 
richtig ausser dem materiellen auch den formellen Nutzen des- 
selben an. Er klagt dabei sehr heftig über die schlechte ^Methode, 
die in einigen Schulen im Schwange sei, indem er unter Anderen 
ssgt: Abusant dca facultas de notre jeune gdn^ration, et perdaot 
de vue que Ton est appelc^ ä en faire des hommea^ on en fait de 



■i 



Braan : Coars de m^thodolog^e et de p4dagogie etc. 287^ 

v^iiiaUea machines d eompier,. On cultive I« ro^oire au pr^Jn- 

dice de Ueaprit 'A ce pofnt de Tae (die formelle Bildung), 

it fallt ae prononcer hautement contre la mdthode dWithmdtiqiie 
qiie Ton auit daoa quelquea ^coles. Hier lässt er Peataloszi Ge- 
rechtigkeit wiederfahren. Uebrigena ist aeine Methode dieselbe, 
welche ia unaeren Elementarschalen achon seit Jahren angewandt 
wird. 

Was die Gedächtnissübungen betrifft , so erkennt der Yerf. 
nicht nur den materiellen, sondern auch den formellen Nutzen 
derselben an. Im 1. CapiteP dieses Abschnittes zieht er der ge- 
wöhnlichen Eintheilung des Gedächtnisses in Zahl-, Wort« und 
Sachgedächtnlss die in Sach- und Zeichengedachtniss mit Recht 
vor, la memoire des objets et celle des repr^sentations de ces ob- 
jets, oder anch la n^moire materielle et la memoire formelle. 
Was soll aber diese Bemerkung hier, wo es darauf ankomint, den 
Elementarlehrern Anleitung zu diesen Debungen zu geben? Sie 
wird ihnen Nichts nutzen. Statt dessen hätte er aie darauf auf- 
merksam machen sollen , dass die Anlagen der Kinder auch in Be- 
ziehung auf das Gedächtniss verschieden sind und der Lehrer auf 
diese Verschiedenheit bei den betreifenden Uebungen Röcksicht 
nehmen muss. Die Einen haben von Natur ein schwaches Ge- 
dächtniss , welches weder Vieles auf einmal aufnehmen noch be- 
halten kann; Andere haben ein leichtes Gedächtniss, womit sie. 
Vieles und Mannigfaltiges in einer bestimmten Ordnung schnell 
auffassen können, aber auch bald wieder vergessen ; Andere haben 
ein treues, festes Gfedächtniss^ aber kein leichtes; wieder 
Andere ein leichtes und festes. In Bezug auf aeine psychologi- 
schen Kenntnisse sagt der Verf.: Nous abandonnons du rcste aux 
psychologues le soln de discuter cette question , et pour dviter de 
commettre qaelque erreur dans nne science qui nou8 est ^Iran- 
§ere^ nous uVutamerons aucune dissertatlon et nous entrerons Im- 
mddiatement en mati^re. Der Verf. glaubt also als professeur de 
pddagogie et de mcSthodologie die Psychologie entbehren zu kön- . 
iien , nicht bedenkend , dasa ein gründlicher und wahrer Pädagog 
diese Wissenschaft eben so wenig entbehren kann, ^ie ein Arzt 
die Anatomie und Physiologie. Diese Unkenntniss des Verf. er- 
klärt auch die Unsicherheit und UnSelbstständigkeit, womit er 
überall auftritt. Ja , es ist auffallend , dass der Verf. bei seinen 
pädagogischen Bestrebungen diesen Hangel nicht fühlt und sich 
mit blosser Empirie begnügen kann. Verstände er übrigens auch 
diese Wissenschaft, so dass er über das Gedächtniss eine wissen- 
schaftliche Abhandlung schreiben könnte, ohne Gefahr, in irgend^ 
einen Irrthum zu gerathen , so wäre diese doch hier wenig ange-' 
bracht, wo er es mit Eleroentarlehrern zu thun hat, denen die 
Methoden, welche Wissenschaft und Erfahrung als die besten 
aufgestellt haben, erklärt und empfohlen werden müssen. Ein wie 
niedriges Ziel der Verf. diesen Uebungen steckt, geht aus folgender 



* 288 Pädagogik. 

Aeitneriing hervor: Ceg exercices 8ont d\ttiiit^ incontestable . . . 
Poiir en donner une id^e, noiia cUerons les jeiines gar^ons^ lern 
jeiineBfilles placds comroe domealiqiies ou comroe aervantes. IIa 
ont aouvent des cominiaeiona k faire, et aont, k cet effet, obli^^ 
de retenir diflF^rents noma. Ne leur arrive-t-il paa aouTent d'oa- 
blier Tune oa laatre de cea commisaiona ou de a'en acquiUer d'une 
mani^re inexacte et incomplete? Sollen also bei Kindero , welche 
wahracheinlich Knechte oder Magde werden mnaaen , die Gedacht- 
niaaübungen keinen anderen Nutzen haben, als das^ aie die Auf- 
trage nicht Tergeasen und pünktlich auarichten ? Oder aoll ihnen 
nicht vielmehr durch diese Debnngen ein Schatx mitgegeben wer- 
den, worans aie in den verschiedenen Lagen dea Lebens Rath^ 
Kraft und Trost schöpfen können und wodurch aie su braven Afen- 
achen und guten Bürgern werden 1 UeberlMupt musa der Lehrer 
bei seinen Bestrebungen ein höheres Ziel im Auge haben. Wenn 
er dieses hat und Beruf zu seinem Amte iu sich fühlt, so brau- 
chen ihm keine Ermahnungen gegeben zu werden, wie folgende: 
1! faut eviter d'intimider les enfants, soit par un ton trop nide, 
aoit par une physionomie sombre , aoit en leur infligeant trop l^ge- 
rement des punitions etc. Uebrigens ist die Methode, welche der 
Verf. bei diesen CJebungen anzuwenden vorschlägt, zweckmässig 
niid wird schon lange in unseren Elementarschulen befolgt. — Der 
folgende Abschnitt handelt über die Methode dea Gesangunter- 
richtes. Wie der Verf. an vielen Stellen dieses Buches demsel- 
ben einen gelehrten Anstrich zu geben sucht und diejenigen aus- 
aer Augen lässt, für welche er es bestimmt hat: ao ist es auch 
hier der Fall ; er aucht nämlich die Organe dea Geaangea anato- 
misch zu erklären und verweist den Leser auf den Conrs de phy- 
sique par 6. Laln^. Was soll der Elementarlehrer mit dieser Be- 
merkung 1 Uebrigens hat er die Methode angenommen, welche 
B. Braun empfiehlt in seinem Werke: Der Gesang In den file- 
mentarachulen. Stuttgart, 1844. Dasselbe Streben, seinem Werke 
einen gelehrten Anstrich zu j^eben, zeigt der Verf. auch in dem 
folgenden Abschnitte über die Methode, die man bei der Voran- 
schanlichung dcfr geometrischen Formen in Elementarschulen su 
beobachten hat. Er sagt in der Einleitung dazu: Avant d'^tablir 
rimportance de cet enseignement, nous croyons oe'cessaire de 
Fexaminer d'abord sons le poInt de voe scientifique , et ensuite 
sons un point de vne p^agogique. J. Schmid eat d^avia qaWre 
aon importance comme science , il offre l'avantage bleu plus grand 
encore de ddvelopper dans des proportions incroyablea les facnlt^ 
intellectuelles. Diese Worte veranlassen den Leser, eine Ab- 
handlung über den wiasenschaftlichen und eine andere liber den 
pädagogischen Werth dieser CJefrangen zu erwarten. Ba folgt 
aber Miohts ala das angeführte Urtheil von J. Schmid and du von 
Zerrenner , der den wissenschsft liehen Werth dieses Dnterricbta 
oiclH annimmt Uebrigens Ist die Anleitung dea Verf. nur eb 



Braon: Coan de m^thodologie et de p^dagogie etc. 280 

Ansmg; von Dieeterweg's „Uoterricbt lt\ den Kieiokindenchulen^' 
Dieses sagt er selbst. 

Der folgeode Abschnitt ist dem Unterrichte in der Mutter- 
sprache gewidmet. In dem ersten Capitei spricht der Verf. über 
die WichtiglLcit desselben und sagt unter Anderen: La destination 
de r^cole primaire, oü Pon n*a pas encore en vue une seience dd- 
terminde, mais le d^eloppemeni et la cuüure des facuU^ de 
r komme etc., als wenn die formeiie Bildung in anderenSchu- 
len nicht l>ezwe€l(t wirde und nicht beswedct werden musste. 
Daran knüpft er eine Klage über die unangemessene Art, wie 
dieser Unterricht in vielen Schulen Belgiens ertheilt wird. Seine 
Worte sind : Us (certains instituteurs) rechercheot les dc^finitions 
BSTsntes et les phrsses pr^tentieuses et abstraites. Aussi dans la 
plus modeste ^cole de campagne, on entend poser k i'^l^ve des 
questlons qa'll ne peut pas comprendre, et le pauvre enfani ripo- 
ster par des r^ponses qnMl ne comprend pas dsvantage. Dieses 
Uebel scheint dort aiemlich sllgemein xu sein. Auch bei uns ist 
es noch nicht verschwunden. Dieses wird nur dann geschehen, 
wenn die Lehrer gehörig vorbereitet ihr Amt antreten und wah- 
rend desselben theoretisch und praktisch zweckmässig geleitet 
werden. Dann werden sie nicht mehr uöthig haben, durch schein- 
bare Gelehrsamkeit ihre Unwissenheit und Untüchtigkeit zu über- 
tünchen. Lehrer-Seminare können dieses Uebel nicht ausrotten, 
so lange der Staat den Lehrer in jeder Hinsicht seinem Schicksale 
überlisst. Es ist seine Pflicht, ihn so zu stellen, dass er nur 
seinem Amte leben kann und nicht gezwungen ist, auf eine 
seines Standes unwürdige Art mit Vernachlässigung desselben sein 
Lebeo zu fristen, auch ihm Manner zur Seite zu stellen, die ihn 
zu leiten im Stande sind und dieses mit Humanität thun. Die vor- 
geschlagene Methode beruht auf der pestalozzischeo. Mit Recht 
wird alles Abstracte sorgfältig vermieden. Nun folgt ein Abschnitt 
über die Orthogrsphie, als wenn diese nicht zur Erlernung der 
Muttersprache gehörte. In der Einleitung dazu aagt der Verf., 
in dem kalligraphischen Unterrichte hätten die Schüler gelernt, 
die Buchstaben in einer dem Auge gefälligen Gestalt darzustellen; 
jetzt komme es darauf an, die Schüler anzuleiten, unter diesen 
Buchstaben diejetiigen auszuwählen (choisir parmi ces csractj^- 
rea), welche zur Daratellung der Wörter nöthig sind. Kann man 
die Thätigkeit der Kinder bei diesen Uebungen ein Auswählen 
(choisir) nennen, oder ist sie nicht vielmehr ein schnelles Ver- 
binden des Lautes mit dem entsprechenden Buchstaben, eine Ue- 
bertragnng des Gehörten in die Erscheinung 1 Unter den beson- 
deren orthographischen Regeln gicbt es mehrere ungenaue und 
unbestimmte, z.B.: On ^crit par airc les substautlfs et les ad- 
jectifs formds d*un moi 'plus court (/?): actionnaire, propri^taire, 
etc., formds d*sction, de propr^t^. Kann das Kind aus dieser Re- 
gel lernen, welche Substsntlve die Endung^alre haben; denn werden 

N. jQhrb. /*. nu, «. Päd. od, KrU. BibL Bd, LZU. Bß. S. i^ 



\ , 



290 Pädagogik. 

nicht alle «b^elelteten Wörter von kürzeren gebildeti Der fol- 
gende AbBchnilt handelt iibcr die m^thode de lecture expresaii^e. 
Der Verf. hat aicb, wie er selbst sagt, bei dessen Bearbeitung nach 
dem Handbuche von L. Kellner, Lehrer an der Normalachule 
SU Heiligenstadt, gerichtet. In der Einleitung äussert er sich 
über die seltene Freude, die man habe, in den dortigen Schulen 
ein ausdruckavollea Lesen su hören. Unter den Ursacheil giebt 
er auch die an, dasa die Lehrer selbst nicht lesen können. Seine 
Worte sind: Bofin, devons-nous le dire^ la maufaise lecture dea 
enfants provient de ce que plusienrs instituteurs eux-m^mes ne 
aavent pas lire. Dieses ist M^ieder charakteristisch für die bel- 
gischen Elementarschulen. Hierauf spricht der Verf. über die 
Stilübnngen. Die Methode, welche hier vorgeschlagen, erklärt 
und auseinandergesetst wird, geht von der Anschauung aua, hat 
also die pestaloazische zur Grundlage. 

In Bezug auf die Geographie, Geschichte n. Naturgeschichte 
hat der Verfasser die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Er for- 
dert von dem Blementarlebrer vollständige Kenntniss dieser Wis- 
senschaften in folgenden Worten : Gelui qui enseigne doit avoir des 
notions claires et pr^cises sur Cenaemble de ces connaiasances. 
Diejenigen, die nicht lesen können, sollen gelehrte Geographen, 
Geschichtskenner und Naturhistoriker sein! Ein Mann, der bei- 
nahe verhungern muss, der wirklich zu den Proletariern gehört, 
weil der Staat ihn im Stiche lässt, soll ein Gelehrter sein! Wo 
soll er sich diese Gelehrsamkeit erwerben? Soll er sein etwaiges 
Vermögen veratudiren , um vielleicht nachher im Amte ein gtria- 
gerea Gehalt zu beziehen, als sein Vermögen Zinsen abwarf! Auch 
von den Schölern wird zu viel gefordert. — Der arme Elementar- 
lehrer soll dabei ein Turner k la Werner aein. Die ganze An- 
weisung des Verf. ist ein Auszug aus dem bekannten Werke des 
Genannten. Wer zu viel fordert, erhält Nichta. So geht es 
auph dem Verf. 

Wir kommen jetzt zum dritten Theile. Schon oben habea 
wir gesagt, dasa seine Ueberschrift dem Inhalte nicht entspricht. 
Er zerfallt in 14 Capitel, deren Ueberschriften wir hier anführen: 
Ij L'instituteur comme fonctionnaire public. 2) L'instituteur dans 
ses rapports spdciaux avec quelques membres de la commune. 
3) L*instltuteur consid^r^ comme Thomroe ä qui oo a confi^ T^du« 
cation et rinstruction de la jeunesae; Tiustituteur comme institu- 
teur; qualilds n<!cessairea. 4) La discipline dans Tdcoie primaire. 
5) La discipline au dehors de P^^cole. 6) L*institutcur doit avoir 
une connaissance particnli^re et pr^cise de Tarrangement In- 
terieur et ext^rieur de Tdcole. 7) L'instituteur dana ses rap- 
ports avec aes supdrieura. 8) L'instituteur dans ses rapports 
avec les parents de ses d^vea. 9) L'instituteur dans ses 
rapports avec ses coll^gues. 10) Ce que Ton exige de Tinsti- 
tuteur cn qualit^ de clerc et de aacristaiu. ll)L^iustitutenr comme 



j 



Brenn : Coars de m^tbodologie et de p^dagogie etc. 291 

secr^ftaire commiinal. 12) L'institotear comme parlicolier. 
13)Moyen8 aiiqtiels dolvent recoiirir lea instituteiira, poiir ae per- 
fectionner datis lenr profeaaion. 14) Lea (scolea ^ardiennea. 

Die BinleituDg sa dieaem Theile, welche ungeföhr vier Sei- 
ten fallt , ist eine wortliche Uebersetzung aus dem fiandbuche der 
Pädagogik n. a. w. voo B. Overberg, auf welchea Werk der 
Verf. selbst hinweist; dieser Theli seihst nach dem'Bnc^e von M. 
Ludwig: Der Schailehrer, bearbeitet. Der. Verf. sagt in 
einer Note: Aprte avoir examln^ conaciencieusement on grand 
nombre d'ouvragea p^dagogiques , nous nous sommea arr^d, pour 
le plan de cette iroüidme pariie^ au livre de M. Ludwig, iuti* 
tui^: /9 MnUre tfdcole. Cet ouvrage, par aon enaemble et l'or- 
dre des mati^res, nous a paru le guide ie plus ratlonnei et le plua 
en rapport avec la carriöre reelle de rinstitotenr. Der Verf. ge- 
steht also , dasa er nur auf Compilation ausgeht und kein eigenes 
System *aaf zustellen hat. Betrachtet man die Folge der 14 ange- 
führten Capitel , ao sucht man Tergebena einen Grunde worauf 
derselbe beruht. Daa erate Capitei zerfallt in zwei §§. Der erato^ 
ist überschrieben: Les droits de rinstituteur comme fonctionnaire 
public. Zu diesen Rechten des Lehrers rechnet er auch das Recht 
des Staates, ihn abznaetzen oder zu auspendiren. Er sagt nämlich 
unter Nr. 2: L'instituteur primaire est protdgfs dana Texercice de 
sf« fonctions par une loi speciale; cette loi, du 23 Septem bre 1842, 
eteblit clairemeiit les cäs dana lesqiiela il peut dtre destüuö o\\ 
seulement autpendu, Weiclie Verbindung! — Gap. IIL § 4 spricht 
der Vcrr vom. Aeussern des Bleroenterlebrers und macht uuter 
anderen folgende Forderung an I4in: il Ini faut nn ext^rieur impo- 
sant , Voeü vif et la physionomie rägulidre (/). Ferner verbietet 
er ihm , de porter rooustaches-, ou de d^vejopper au baa de son 
roenton une barbe d'une lougueur et d'une dpaisseur d^esur^es. 
Steht es in der Gewalt des Lehrers, sich selbst ein lebhaftes Auge 
oder eine regelmassige Gesichtsbildung anzuschaffen? Den Bart 
kann er sich freilich abrasiren. Gehört dieses und dergl. in eine 
Pädagogik, wie der Verf. dieaes Gerede nennt? 

In Cap. 7 bespricht der Verl zuerst das Verhältniss des Leh- 
rers zum Pfarrer. In Belgien hat dieaer nach dem Gesetze vom 
23. September 1842 nur das Recht, den Unterricht in der Religion 
und Moral zu überwachen. Zu dieaem Zwecke darf er so jeder 
Stunde die Schule besuchen. Der Pfarrer hat also die schönste 
Gelegenheit I) nicht nur den genannten Unterricht an leiten, aon- 
deni seinen Einflass auf den Gesammtunterricht und die Erziehung 
durch die Schule auszudehnen. Der Pfarrer aber nur, der mit 
den Grundsätzen der Erziehung und des UnterrichU vertraut ist 
und dieselben längere Zeit so angewendet, dass er sich von ihrer 
Richtigkeit durch eigene Erfahrung überzeugt hat, kann diesen 
EInfluss auf die Schule geltend machen. Wer aich dieser wissen- 
schaftlichen und praktischen Befähigung nicht bewnsst ist, der ist 

19* 



292 Padigogik. 

in seinem Gewissen Terpflichtelv^ die Aufsicht iiber die Schnle 
Mlnnern su fiberlassen, die sich dieses Bewusstseins erfreuen, unci 
niclit BUS fiitellLeit ein Gescliaft su fibenietimen , dem er niclit ge- 
waclisen ist. Wenn der Pfarrer also sugleicli ein wissenschaftlicher 
und pral(tischer Padagog ist, so werden sich die Zwistiglceiten, die 
der Verf. besorgt, swischen dem Pfsrrer und Lehrer nicht erhe- 
ben. Der Pfarrer wird diesem überall, ohne sich die Miene eines 
Hberlef enen Geistes so geben (denn 8chte Wissenschaft ist be* 
scheiden), mit gutem Rathe an die Hand gehen und ihm sogar prak* 
tische Anleitung geben. Weil er dabei ans einer tieferen und 
reichhaltigeren Quelle scliöpft, als es der Lehrer vermag, und wirk- 
liche Ueberlegenheit sich von selbst Achtung verschafft, so wird 
der Lehrer seine Belehrungen und Anweisungen freudig anneluiiea 
uqd befolgen. Nur auf diese Art l(ann sich das rechte Verhaltoks 
■wischen Pfarrer und Lehrer bilden und das eintri'chtige Wirkea 
Beider der Gemeinde heilsam sein Nur so wird der Pfarrer im 
Stande sein, das schwere Amt des Lehrers lu erieichtern, weil 
seine eigene Erfahrung in ihm das Wollen und die Ausführung des 
Gewollten erregt und möglich macht. Folgende Lehren, die der 
Verf. dem Lehrer giebt, sind also, unter dieser Voraussetsong, 
fiberflüssig: 1) II n'oubliera Jamals que le cur^ a contract<$ Tobliga« 
tion de surveilier la maiii&re dont 11 s*aoquitte de ses foncCions par 
rapport k Tenselgnement de la religlon et de la morale. 2) L'in- 
stituteur rendra k son curd le respect qui lui est d^ 3) L'iostitu- 
teur n^oubliera Jamals que le cur^ occupe dans la socidt^ une po- 
sition plos ^lev^e que la sienne. 4) L'iustituteur se reprdsentera 
sbuvent que le cord a des connaissances plus dlevdes que les aleo- 
nes, et qu'ii a fait des dtudes scientifiques. 

Hiermit wallen wir unsere Beurthellung schliessen, indem 
wir glauben , dem Leaer ein getreuea Bild des vorliegenden Wer- 
kes gegeben SU haben. Werfen wir jedoch noch einen Rickblick 
auf dasselbe, so finden wir uns veranlasst, noch folgendes Urthell 
hinsutufdgen : 

Das Werk enthllt wenig Originelles; das Meiste ist deut- 
schen pidagogischen Schriften entlehnt, woraus der Verf. keinen 
Hehl macht. Er sucht die deutsche Elementarschule, wie sie sich 
In den drei letsten Decennien gebildet hat, auf belgischen Bodeo 
su verpflansen. Dieses Bestreben ist ein lobenswerthes. Refer. 
kann nur wünschen , dass ihm dieses gelingen möge. 

Reckiinghauscn. 

Ca9per9» 



BibHographiBcbe Berichte q. kone Anieigen. 293 

Bibliographische Berichte u. kurze Anzeigen. 



jirütophama ByzantU^ grammatid Alesandrini^fragthisnta^ 
colleg. et dupofl. A, Nauxk, Aeced. Ü. Sehmidiü comm. de CaUistrato 
Aristopbaneo. Halis , 1848. 8. — Bet ondera seit F. A. Wolf seine für 
die Kritik der Homerischen Gedichte so sehr wichtigen Prolegoniena in 
Homernm herausgegeben hat, ist die Anfmerksamkeit der Philologen, in 
höherem Grade als froher der Entwickelung der grammatischen Studien 
ood sprachlichen Porschnngen bei den Griechen zugewendet worden* Man 
hat eingesehen, wie nothwendig znr richtigen Beurtheilung der jetzt Yor«- 
Hegenden Texte iintiker Schriftsteller es für uns ist, zu wissen, welche 
Schicksale, welche Behandiungsweise diesen Texten zu Theil geworden 
sind , seit dieselben von den Händen ihrer ursprünglichen Verfasser der 
Oeffentlichkeit übergeben wurden. Bekannt ibt, wie lebhaft, vorzüglich 
seit der GrSndong der grossen Bibliotheken zu Pergamos und Alexandria, 
an diesen beiden Orten sprachliche Studien betrieben wurden. So dan- 
kenswertb nun die Bemuhongen derjenigen Gelehrten sind , welche ver* 
sucht haben , ein allgemeines Bild dieser Studien zu geben , so moss man 
ffir jetzt doch noch anerkennen , dass alles hierher gehörige Einzelne noch 
nicht so genau erforscht und bekannt geworden ist , uro ein richtiges Ge- 
samratbild aufstellen zu können. Bs sind daher Monographien der Art, 
wie die vorliegende , wissenschaftlich forderlich , ja notbiyendig. Wenn 
demnach auch derUnterz. nicht mit Allem ganz einverstanden ist, was 
der Verf. sagt, so ist er doch keineswegs Willens, die Verdienstlichkeit 
dieser Arbeit (sowohl in der Auswahl, als in der ganzen Behandlungs- 
vieiee ^es Stoffes) irgendwie zu schmalem. Den Gegenstand der Abr 
handlang bildet der Grammatiker Aristophanes , der in zahlreichen Scho- 
llen citirt wird und dessen litterarisehen Binfluss man nicht gering an- 
schlagen darf. Nachdem der Verf. im Jahre 1845 als Vorlaufer ans einem 
Pariser Manascripte ein vorher nnedirtes Fragment von Aristophanes her- 
ansgegeben hatte, lüsst er nun eine allgemeine Schilderung des Lebens 
und der Werke dieses Mannes folgen, die mit Gründlichkeit und Geist 
abgefasst ist. Wohlthuend ist dabei die Bescheidenheit, mit welcher er sich 
in der Praefatio (S. III — VII) ausspricht und von der er bei seiner Po- 
lemik gegen andere Gelehrte nur selten abweicht. Folgen wir nun dem 
Verf. in das Einzelne seiner Abhandlung. 

Cap. I: De Aristophanis vita et scripüs. Der Verf. geht von den 
Berichten ans, welche Soidas und Eudokia s« v. 'Aqiarotpäpiqs geben, in- 
dem er mit Meineke die Worte des Snidas j^ßagilBvovtog IltoXtikuiov — 
ndpv ffOlA«," die irrthumlich bei demselben s. v. 'Aqtctciwfiog einge- 
schoben sind , ebenfalls auf Aristophanes bezieht. Eigentlich Neues bie- 
tet der Verf. in diesem Abschnitte beinahe gar nicht, indem er, mit 
Ritachl auf gleiche Grundlagen bauend , zu gleichen Ergebnissen gelangt. 
$. 1 behandelt er das Vaterland des Aristoph. und seine Lehrer; $• 2 die 
Zeit und die Verbaltnisse seines Lebens ; S* ^ seine Schuler ; §• 4 seine 
litterarisehe Thatigkeit im Allgemeinen und $• 5 die Zusammenstellungen 



294 Bibliograpliisctae Berichte n. karte Anselgen». 

and Änfichten der neoeren Gelehrten aber denselben. * Za bedauern ist, 
dass der Verf. bei der Schilderang der litterarischen Tbatigkeit ^es Ari- 
fitopbanes nicht ausfahrlicher auf sein Verhältniss za der gesammtea Ge- 
lehrsamkeit seines Zeitalters, aaf seine besondere Ricfatang iia Gegen- 
satze za der seiner Studiengenossen eingegangen ist. Denn wenn aach in 
den nachfolgenden Capiteln' seine Werke speciell besprochen werden , so 
dass man daraus erkennt, was er in wissenschaftlicher Beziehung gelei- 
stet hat, 60 genagt das doch nicht, nm den Standpunkt festzastellen, 
welchen Aristoph. einerseits unter seinen gelehrten Zeitgenossen einnahm, 
und welchen man ihm andererseits wegen seiner Verdienste um die Bot- 
wickelnng seiner Wissenschaft anweisen mnss. 

Cap. II: De notis prosodlaeis et critids ab Aristophane adhibitis. 
Dass der Verf. diesen Gegenstand zur Sprache bringt, so wie dass er ihn 
der spedellen Besprechung der einzelnen Werke vorangehen ISsst, er- 
scheint desswegen zweckmässig, weil dadurch das allgemeine kritische 
Verfahren des Aristoph. wenigstens theilweise aufgehellt wird; Ansioss 
aber ist daran zn nehmen , dass der Verf. auf diese nur theilweise Be- 
handlung der so interessanten und wichtigen Frage nach dem grammati- 
schen und kritischen System des Aristoph. sich beschrSnkt hat, ohne nur 
einen Versuch zur Losung dieser Aufgabe zu machen. In dieser Bezie> 
hung hätte ihm die ausgezeichnete Schrift Ton K. Lebrs, De Aristarcbi 
etudiis Homericis (R^oraont.. 1833, 8.) zum Vorbilde dienen können. Da 
das nun nicht geschehen ist , so ist es sehr fraglich , ob diese Abhandlung 
über die prosodischen und kritischen Zeichen des Aristoph. hier an ihrer 
Stelle ist. §ß 1. Nachdem der Verf. in BetrefT der prosodischen Ziehen 
das Verdienst des Aristoph. dahin eingeschränkt hat, dass derselbe diese 
schon vor ihm gebräuchlichen Zeichen in ein System gebracht and rer- 
vollständigt und bei der Herausgabe mehrerer Dichter lA Anwendung ge- 
bracht habe, lässt er die dem Arkadios beigelegt« Schrift; üe^l XTJg xmv 
t6v0v tvifiaioog xal tciv üxrifiarav avrmv xal netfl x^^vcav %ul nvBViUi' 
tav nebst einer Annotatio critica folgen. Diese Schrift ist allerdings 
ganz geeignet^ dem Leser die Ansichten des Aristophanes über die be- 
treffenden Gegenstände deutlich zu machen ; doch wäre eine Vergleichung 
des darin Mitgetheilten mit den fibrigen zerstreuten Notizen zu wünschen 
gewesen. $. 2. Die Geschichte der Anwendung kritischer Zeichen bei 
der Herausgabe von Schriftwerken im grieehisehen Alterthume ruht im 
Dankein, nar wenige abgerissene Nachrichten werfen einiges Licht darauf: 
das Wenige, was wir in dieser Beziehung vom Aristophanes wissen , hat 
der Verf. mit Genauigkeit zusammengestellt. 

Cap. III: De studiis ad Homerum aliosqae poetas ab Aristophane 
collatis. Bei der grossen Menge von Abschriften , in denen Hörnerne Ge- 
dichte im Altertharoe überall- verbreitet waren , wohin sich die Konde der 
griechischen Sprache und Litteratur erstreckte, konnte es nicht ausblei* 
ben, dass in den verschiedenen Exemplaren sich mannigfach von einen* 
der abweichende Texte vorfanden. Dtess trat klar an den Tag , als in 
Alezandria grosse Htterarische Sammlungen angelegt worden , und von da 
gingen daher die Versuche ans, die Homerischen Gedichte aaf etnen 



Blbüograpfaiflche Berichte Q. karee Anxeigen. 295 

kritisch berichtigten Text zaracksaftihren. Einen solchen Versuch 
machte auch Aristopbanes ; ob derselbe aber auch Commentare zu diesen 
Gedichten herausgegeben habe , ist sehr unwahrscheinlich, da solche nir- 
gends erwähnt werden. Der Verf. zieht es desshalb mit Recht vor , die 
sablreichen Erklärungen Homerischer Wörter, welche als von Aristopha- 
nee ausgehend bezeichnet werden, als ans anderen Werken desselben 
Grammatikers entlehnt anzusehen. Bin Vl^ahrscheinlichkeitsgrnnd Cur die 
Annahme der wirklichen Existenz Aristophanischer Commentare zum Ho- 
meros ist zwar z. B. ip Schol. in Hom. II. ßy 133 (ed. Bekker) enthatten, 
V90 man aus den Worten: „^y toig umt *jiQiüto(pdvrjv vnoiivi^fAccaiv 'jIqi- 
etd^X^^ ^ohl den Schlnss ziehen konnte, dass diesem gegen Aristopbanes 
gerichteten Commentare des Aristarchos vnofLVT^ficcTcc 'jgKftoqxivovg vor* 
angegangen seien , die dieser dann in einer Gegenschrift zu widerlegen 
oder zu berichtigen Tersucbt habe. So lange aber bestimmtere Beweise 
dafür nicht aufgefunden sind , thut man doch besser, mit dem Verf. an 
der Existenz jener Commentare zu zweifeln. Nachdem nun der Verf. zu 
dem Brgebniss gekommen ist, dass Aristopbanes nur der kritischen Con« 
stituirong der Homerischen Texte seinen Pleiss gewidmet habe , geht er 
nit anerkennenswerther Gründlichkeit auf die kritische Behandlung naher 
ein nnd bespricht zuerst die a^enjffstg (die dem Aristophaties Terdachti- 
gen oder unbekannten Verse), dann seine (entweder von ihm beibehaltenen 
oder auf Vermuthnng beruhenden) Lesarten , von welchen letztern nicht 
v^enige jetzt als gültig anerkannt werden. Das Resultat dieser ausge« 
zeichneten Auseinandersetzung ist (S. 59) folgendes : Quantum e subsi- 
diis nostris mutilis et passim corrUptis agnoscere nunc licet, Aristopbanes 
io recensione Homerica Zenodoti.maxime Testigia secotos band paucis in 
loci« scripturas servavit attentione dignissimaa ; saepe item veras et ge- 
nninas iectiones a successoribns male desertas optima tutatus est; idem 
qaamquam conjecturis suis a communi veternm aodacia et temeritate haud 
abatinuit, tamen vitia quaedam recte primus agnovit; deniqae in athete- 
sibvs tametsi aliquante ultra justos 6nes evagatus est, Judicium tarnen 
comprobavit omnino laudabile.*' Zum Schlüsse dieses Capitels bespricht 
der Verf. noch dasjenige, was von des Aristopb. Behandlung anderer 
Dichter (Hesiodos, Archilochos, Alkaeos', Anakreon, Lasos, Pindaros, 
Kuripides, Aristopbanes) und von seiner Betheiligong an der Feststellung 
des Alexandrioischen Kanon überliefert wird. Fälschlich aber meint der 
Verf. (S. 62),xdass bei keinem antiken Schriftsteller sich für eine Be- 
handlung des Sophokles durch Aristopbanes ein Beweis finde, indem we« 
nigstens Phot« p. 249, 19 mit Sicherheit, yielleicht auch Etym. magn. 
p. 625, 22 darauf hinweist. 

Cap. IV : Aristophanis Ai^stg. Der Verf. stellt die Ansicht auf, dass 
zo diesem Hauptwerke als einzelne Theile folgende Schriften zu rechnen 
seien: nsql ovotucaCag iqkiHnSvy nsgl ovyyevmwv ovofuxtmv^ ns^i ngoctpoh' 
«rqtfcfov, nBgl ßkaaq>ri(UMv y 'ATtmal Xi^ngj Actii(ovi%<xl yXfoaacci, Auf den 
ersten Blick aber letfchtet ein , dass der Inhalt dieser einzelnen Schriften 
in der Art verschieden gewesen zu sein scheint, dass ihre Znsammenge- 
horigkdt und Vereinigung in ein Hauptwerk bezweifelt werden muss. 



296 Bibliographisoh« Berichte n. knne Aaxdgeo. 

Den 4 ersten Schriften lag offetibar eine ^Classification der Aasdrncke 
nach ihrem Sinne, den beiden leisten eine solche nach der Anfwendnng 
derselben in den verschiedenen Dialekten als Princip sa Grande. Wollte 
nun der Verf. auch nicht der Ansicht Dittrich's (vergt. Philologus Bd. 1. 
S. 332 f.) beipflichten , dass nämlich die einen Schriften als Vorarbeiten 
der anderen zn betrachten seien, so war es jedenfalls nothwendig, daae 
er seine eigene Ansicht besser begründete, als es geschehen ist. Höchst 
interessant dagegen ist, was der Verf. aber die Quellen, die Anlage and 
die Schicksale der Aristoph. Ak^ti^ mittheilt, obgleich auch hier in Be- 
treff der Anlage die Verschiedenheit des Inhaltes -der beiden genannten 
Classen yom Verf. anerkannt wird , wahrend ihre^ Zasammengehörigkeit 
behauptet, aber nicht bewiesen wird. Zum Schiasse dieser allgemeinen 
einleitenden Bemeckungen folgt das schon früher vom Verf. heraasgege- 
bene Pragroentam Parisinum '£x roiy 'AQictoqtdvovg tov neqi li^emp dia^ 
laßovtos nebst einigen Erläuterungen. 1) IIsqI ovoiuccücg fjliiutov. 
Diese Schrift«, von der N. 5 Fragmente zusammengestellt hat, behandelte 
die Namen der verschiedenen Lebensalter der Menschen and Tbiere. Za 
diesen 5 Fragmenten sind die zahlreichen Stellen verglichen, wo diesel- 
ben Angaben des Aristoph. entweder ganz, oder nnr theil weise, entweder 
mit Nennung der Quelle oder ohne dieselbe sich wiederholen. 2) IIs^l 
evyywvmv ovoiitttmv (Fragm. 6 — 12). Der Verf. meint, dass ausser 
den Stellen , wo bei der Besprechung von Verwandtschaftsbezeiohnungen 
Aristophanes als Gewährsmann angefahrt wird , aaf diesen auch andere 
Stellen verwandten Inhalts zuruckgefiihrt werden müssen, wo auch sein 
Name nicht genannt ist, da er, wenn nicht der einzige, so doch sipher 
der ausgezeichnetste Schriftsteller über diesen Gegenstand war. An die- 
ser Stelle kann der Unterz. aber nicht umhin, dem Verf. entgegen ZQ 
treten, der S. 129 über Moritz Dittrich, den Verf. einer Abhandlung aber 
des Aristoph. Bucher über die Verwandtschaftsnamen und die Benennaogen 
der Lebensalter, folgendes Urtheil fallt: „Ceterum nihil Aristophani pro- 
fait, qui noper hojus et praegressi capitis fragmenta congessit Maurit. 
Dittrich in Philol. L p. 225—269." Wer aber jene Abhandlung mit an- 
befangenem Urtheil liest , wird ihr nicht so jedes Verdienst absprechen, 
wie es der Verfasser thnt. So ist z. B. sehr in Betracht za ziehen, was 
Dittrich (a. a, O. S. 248 ff.) ausspricht, dass die Anreden (ngoatpfovjqöug)^ 
welche N. für einen besonderen Abschnitt angesehen haben will, za der 
Schrift aber die Verwandtschaftsnamen gebort haben mögen : dieselbe Ver- 
muthung hat auch Meier ausgesprochen, N« dagegen meint, dass die 
nifoctpmtnjciis hiervon zu trennen seien und ein besonderes Capitei der 
•^('S^^S gebildet haben , ohne aber einen bessern Beweis, als nar einen 
Wahrscheinlichkeitsgrund dafür zu geben (S. 152). Diese Annahme no- 
thigt ihn (S. 140) za der Behauptung , dass eine Stelle des Eustathios, 
wo diese «ifoatpav^aeig unter Verwandtschaftsnamen zerstreut stehen, aas 
2 Schriften des Aristophanes zusammengestellt sei. Diess ist nan zwar 
möglich; jedenfalls aber ist es an sich wahrscheinlicher, dass solche ver- 
wandtschaftliche Anreden in demselben Bache mit den Verwandtscfaafts- 
namen behandelt waftren, and dass jene Stelle de« Bastatbios dessbalb 



BibliograpliiBclie Beridiie n. korse Anseigeo. 297 

gerade ISr Dittricb's Annahme apricht, — Von geiner Meinnng ^ird N. 
in Cap. 3 JIbqI nffoafpvn'TJafmP (Fr. J3. 14) verleitet, den sicheren Boden 
der Ueberileferang ganz zo verlassen , indem er ans anderen Crrammatikem 
ansammenstellt, weiche AnsdrScke Aristophanes wahrscheinlich ebenfalls 
in diesem Abschnitte behandelt haben mSge, 4) Iltgl ßXaatpfnimv (Fr. 
15 — 34). ' In diesem Theile seiner Untersnchong giebt der Verf. nicht 
nar, wie auch in den iraheren, den Beweis seiner ausgezeichneten Kennt- 
niss der griechischen Grammatiker (im weitesten Sinne) , sondern kommt 
aach za sicheren Resultaten ; noch mehr ist er offenbar zu Hanse auf dem 
Gebiete der beiden folgenden Abschn.: 5) UmKctl li^sis (Fr. 25 — 30) o. 
AuHmfVMcl yXmciUU (Fr. 31 — 35) , denen dann noch Fragm. sedis incertae 
(36 — 90) u. Fragm. dubia (91—101) mit ausführlichem Commentare folgen. 

Cap. V : Aristophanis IIa(fOiii£tci, Der Verf. schliesst sich in Be- 
treif der griechischen Paromiographen an Schneidewin*s so tief einge- 
hende Untersuchung über diesen Gegenstand an und verwendet daher, 
ohne auf dieiseii Litteraturzweig im Allgemeinen einzugehen , seine ganze 
Aofmerksamkeit auf Aristophanes als Paromiographen. Hier entsteht 
aber die Frage, ob nicht ancfat die IZa^oifi^ai zu den Ai^sig zu rechnen 
sind? Dass diese an sich wohl annehmbar ist, lässt sich nieht in Abrede 
stellen , da der Begriff der ntt^oiyLia sich dem der Xi^ig wohl sobsumifen 
Ijisst. Binen Beweis für die Richtigkeit der Annahme, dass die Jlai^oiiilai 
ein besonderes Werk gebildet haben , bleibt der Verf. schuldig : denn als 
Beweis kann nicht gelten, dass 1) aus einem Scbolion zu Aristoph. Av. 
1292 (wo «fisryoi nagotyLtai erwähnt werden) geschlossen wird, dass der 
Grammatiker Aristoph. ausser diesen SfisxQoi ntxQOtfiieci auch I/Ufisrpot 
besonders zusammengetragen habe , und dass 2) eine Stelle des Markellos 
▼oD^nkyra (bei Euseb. adv. Marcell. p. 16, c ed. Colon, a. 1688) auf 
diesen Aristoph. bezogen wird , wfihrend dort nur gesagt wird , dass ea- 
gi6s ^^S 6 Bücher nagoifiiai (2 von metrischen , 4 von nicht metrischen) 
gesammelt habe. Wenn jener eotpog wirklich der Grammatiker Aristoph. 
war , was aber doch zweifelhaft ist , dann Ist es allerdings wahrschein- 
lich, dass die 6 Bücher der naQOijiiai ein für sich bestehendes Werk 
V areo. Die Zahl der erhaltenen metrischen Sprichworter ist 5 , die der 
mcht metrischen 8. 

Cap. VI: Aristophanis comm. in Callimachi HtVoxas et argumenta 
fabniarum Aristophani tribnta. Alexandrinische Grammatiker ordneten 
die reichen von den Ptoiemaern zusammengebrachten Buchersamminngen 
und arbeiteten Kataloge (nivcntig) ans, „quibus'non solum singulos om- 
ninm auetorum libros percenaerent, sed etiam de praestantia eorum ac fide 
Jodioiom interponei^nt atqne ingenium artemque scriptorum in censaram 
Tocarent, denique ambitum singulomm voluroinum apposito cujosque initio 
et fine additoque versuum numero significarent.'* Zu den so gehalt- 
reichen n£paHBg des Kallimachos schrieb Aristophanes einen Commentar; 
der Verf. glaubt mit Recht, 8 Fragmente des Aristoph. als diesem Com- 
mentare entnommen ansehen zu dürfen. — Ferner, wie schon Aristote- 
les und «eine Schüler diSuantaUai geschrieben haben, so verfasste auch 
Aristoph. theils metrische , theils urosaische vno^iosig mehrerer Dramen^ 



298 Bibliographische Berichte a. Icarse Anxeigeo. 

wenigstens wenn man der handschriftlichen Ueberlieferang Glauben schen- 
ken will. Richtiger aber ist wohl des Verf. Ansicht, das» die dem Ari^ 
stophanes beigelegten metrischen vnod'iasig nach Form and Inhalt za 
offenbar den Stempel einer späteren Zeit an sich tragen , als dass man sie 
der Blathezeit der Alexandrinischen Gelehrsamkeit einordnen darfite. Ais 
acht sind daher nar 3 zu bezeichnen: 1) zor Antigene des Sophokles, 
2) zur Medea und 3) zu den Bacchae des Euripides ; ond auch diese sind 
nur ungeschickte Bxcerpte der eigentlichen Aristoph. vxo^icBtg, 

Cap. VII : Ceteri Aristophanis libri. 1) ils^2 dvaXoyietg. In die- 
sem Werke legte Aristopbanes , so zu sagen, sein sprachlich -kritisches 
System dar. Leider sind die davon erhaltenen Nachrichten so wenige 
und zugleich so ungenügend, dass sich daraus auf das Ganze so gut wie 
keine Schlüsse gründen lassen. Auch der Verf. hat es vermieden, auf 
eine nähere Beleuchtung dieses wichtigen Gegenstandes sich einzulassen* 
2) FUqI alyldog. Höchst ungewiss erscheint es , ob die Notiz des En- 
sta^hios (ad Hom. II. p. 603, 28), dass Aristophanes eine besondere Schrift 
vsqI cciyidos abgefasst habe, nicht yielmehr auf den Aristoteles zu be- 
ziehen sei. 3) UsqI t^g dj^vviiivtig öuptaXrig, In diesem Werke trat 
Aristophanes als Commentator des Archilochos auf. Der Verf. erscheint 
aber als zu zaghaft, indem er es dahingestellt sein lässt, ob diese Schrift 
vielleicht nur einen Theil eines ausgedehnten Commentars zu den Ge- 
dichten des Archilochos überhaupt gebildet habe ; gegen diese Möglich- 
keit spricht der bestimmte Ausdruck des Athenäos (Ul. p. 85, e: — 'Aq*- 
aToqtävfig 6 YQocfifucuiiog iv t^-nsQl r^g diwfUvrjg anvvdXffg ßvyy^dfk^ 
(lati — ) deutlich genug. 4) TIsqI nqoc^nmv. Dem eiuen erhaltenen 
Fragmente zufolge scheint Aristoph. hier von bestimmten in den Schau- 
spielen häufig vorkommenden Namen und damit constant verbundenen 
Charakteren gehandelt zu haben ; wie auch in unserer Zeit wir bei man- 
chen Namen (z. B. Fallstaff , Tartüff u. s. w.) an bestimmte Charaktere 
denken. 5) IIbqI x<av 'Ad'rjvriaiv ktmQidoov, 6) UafidXXrjXoi Mevavdffov ts 
nal d(p' av iulsipsv inXoyai, 7) Ilagl Stacav, 8) 0tniv6fiev€t, Von den 4 letz- 
ten Schriften sind. die erhaltenen Nachrichten sehr ungenügend; was sich 
aber darüber sagen lässt, hat der Verf. mit Fleiss und Scharfsinn darge- 
legt. Den Schluss des Nauck'schen Werkes bilden 4 Indices: 1) Ind. 
fontium; 2) Ind. rerum et verborum; 3) Ind. scriptorum ab Aristophane 
laudatorum; 4) Ind. locorum emeodatorum et explicatornm. Es wird 
dadurch die Uebersicht über den reichen lohalt des Buches wesentlich 
erleichtert. Anhangsweise ist eine Abhandlung von Rud. Schmidt „Com- 
mentatio de Callistrato Aristophaneo,'* welche im Jahre 1838 in Halle als 
Gratulationsschrift erschien, wieder abgedruckt worden. Ueber diese 
zu berichten , dürfte kaum noch passend erscheinen , da dieselbe seitdem 
den gelehrten Kreisen zur Genüge bekannt geworden sein muss und da 
Abänderungen daran nicht vorgenommen worden sind. Die Ausstattung 
des Buches ist bei dem geringen Preise recht gut, und der Druck ist bei- 
nahe durchgängig correct. Möge der Verf. aus den wenigen Einwürfen, 
welche der Unterz. glaubte aussprechen zu müssen, ersehen, mit wie 
grossem Interesse derselbe das Werk gelesen hat, und möge er überzeugt 



Bibliographische Berichte o. kurze Anseigett. 299 

sein , dais Arbeiten ähnlichen Inhalts and von gleichem Werthe dem Unter- 
zeichneten, 80' wie jedem Freunde philologischer Stadien, höchst will- 
kommen a<ein werden. 

Dr. H. Brandes. 



EUze (F. W» ji.) , Französisches Lesebuch für einen methodi- 
schen Unterricht nebst einem kurzen Abriss der französischen Sprach- 
lehre und einem vollständigen Worterrerzeichnisso zum Gebrauch in den 
unteren Classen der Gymnasien und höheren Bargerschulen. Magdeburg, 
Fabricius. J850L 8. 37% ngr. — Fasst man die Bestimmung des vor- 
liegenden Baches in das Auge, so muss man dasselbe als seinem Zwecke 
voUkoramen Genage leistend anerkennen. Es ist, wie sich schon ans 
dem Titel ergiebt, nicht die Absicht des Verf. gewesen, neben dem Lese- 
buche ein vollständiges Lehrbuch der französischen Sprache zum Privat- 
gebrauche auszuarbeiten, sondern er wollte einen Leitfaden geben, an 
den der Unterriebt des Lehrers sich erklärend und ergänzend anschlies* 
sen soll. An der Methode des Verf. konnte man hoehstens darin Anstoss 
nehmen, dass er als zur Satzbtidang unentbehrlich nur das Zeitwort 
- nennt, während doch wenigstens das Hauptwort eben so unentbehrlich 
ist; Beweis genog dafür sind die Beispiele, mit denen er den ersten Cur-«- 
sos des Lesebaches beginnt. Das handelnde oder leidende Subject ge- 
hört nicht weniger noth wendig zn einem Satze, als die auf dasselbe be- 
zügliche Angabe des Handelns oder Leidens. Im Uebrigen ist die Dar^ 
legung der franzosischen Sprachlehre, welche dem Lesebache vorausgebt 
(S. 1-«— 48), zwar kurz, aber dabei klar und dem angegebenen Zwecke 
vollkommen genügend. Das Lesebuch (S. 49 — 322) zerfällt zweckmäs^ 
siger Weise in 2 Cursus; Der erstere ist dazu bestimmt, Beispiele zu den 
Regeln der Sprachlehre, in einfacher, aber zweckentsprechender Form, 
vom leichteren allmälig zum Schwereren fortschreitend, zu bieten, um 
dem SchOler Gelegenheit zu geben , das so eben theoretisch Gelernte in 
seiner praktischen Anwendung kennen zn lernen. Neben diesem Zwecke 
geht der Vorrede zufolge noch ein anderer für den Scholgebrauch sehr 
passender her, indem der Verf. beabsichtigt, auch durch den Inhalt der 
ZQ übersetzenden Sätze zn lehren nnd zum Lernen anzuregen. Der zweite 
Carsus, welcher ausser weiterer Fortbildung in der Kenntniss der fran« 
zosiscben Sprache auch Unterhaltung, Belehrung und Brweckung des Ge- 
muthes der Schaler bezweckt, enthält Anekdoten, Fabeln, Erzählungen 
nnd naturhistorische Stacke. Auch hier ist der Grundsatz des Ftort^ 
'schreitens vom Leichieren zum Schwereren leitend gewesen. Den Schluss 
des Baches bildet ein Wörterverzeichniss znm Lesebache (S. 226 — 308), 
welches möglichst nützlich und ansfShrlich zn machen sich der Verf. be- 
moht hat, indem er darin ausser der Herleitung der einzelnen Bedeutun- 
gen eines Wortes aus der Grundbedeutung desselben auch bei den mei- 
sten Wortern, wo der Schüler sich nicht allein helfen kann, deren Aus^ 
Sprache und Abstammung angiebt. Man kann daher dieses Buch zur Ein^ 
fofarung in den unteren Classen der Gymnasien und höheren Burgerschnlen 



300 BibliQgrapbiflche Berichte a. knrae AnBeigen. 

bestens empfehlen and die Zarersicht ansiprechen , dass es sich bei der 
Benatsong bewahren werde. Dr. H. Brandes, 

Reig-mer (L.), Ausfährliehe theoretisch-praktische Grammatik 
der französischen Sprache fSr den Schul- und Privatgebrauch. Nach 
einem neuen Lehrplane bearbeitet. Nürnberg , Lotzbeck. 1860. 8. IV 
ond 354 S. *)• — Der Verf. scheint nicht nnr dem Namen sofolge , son- 
dern, wie es sich auch aas seiner in yieien Fallen hervortretenden man- 
gelhaften Kenntniss des deutschen Sprachgebrauchs ergiebt, ein geborner 
Franzose zu sein. Er hat in dem vorliegenden Werke den Versuch ge- 
macht, nach einem neuen, ihm zweckmassiger erscheinenden Lehrplane der 
deutschen Jngend das Erlernen der franz. Sprache zn erleichtern. Wie es 
nun im Allgemeinen gewiss eine richtige Bemerkung ist, dass die Franzosen 
angstlich die Befolgung der Gesetze ihrer Grammatik und ihres Sprachge- 
brauchs überwachen, u. dass sie in ihren Lehrbuchern zwar eine Menge der 
feinsten u. treffendsten Bemerkungen über ihre Sprache darlegen, aber in 
der wissenschaftlichen Anordnung n. Bntwickeinng des Stoffes meist Vieles 
zu wünschen übrig lassen, so findet sich dieselbe auch bei dem Verf. der vor- 
liegenden Grammatik bestätigt. Wenn man auch nicht im Mindesten an des 
Verf. grundlicher Kenntniss der französischen Sprachezweifeln will, so kann 
man dennoch diese Grammatik nicht empfehlen, besonders nicht zum 
Privatgebrauche. Denn vor allen Dingen muss man an der in mehreren 
Beziehungen verfehlten Anordnung des Lehrstoffes entschiedenen Anstoss 
nehmen und vermisst überhaupt im Ganzen, wie im Einzelnen die er- 
forderliche logische Soharfe der Begriffe und Ausdrücke und die nothige 
Klarheit in der systematischen Anordnung des Lehrganges. Wenn man 
daher auch bereitwilligst zugesteht, dass die Bemerkungen des Verf. iber 
die Aussprache und über, die Feinheiten des Sprachgebrauchs vollkom- 
men treffend sind, so kann man dennoch nicht wohl glauben, dass 'diese 
Grammatik geeignet Ist, das Erlernen der französischen Sprache zu er- 
leichtern. Schon in den ersten Worten des Vorwortes G^Die Grammatik 
hat die Aufgabe, den Bau der Sprachelemente auflösend zu zergliedern 
und nachzuweisen; sie zerfallt also in 2 Haupttheile, den etymologi« 
sehen und syntaktischen") tritt Unklarheit der Begriffe deotlich hervor. 
Aus dem Worte also sieht man, dass in den vorhergehenden Worten 
die Aufgabe beider genannten Theile der Grammatik enthalten sein soll. 
Nun kann man zwar zugeben, dass es die Aufgabe des etymologischen 
Theiles ist, den Bau der Sprachelemente auflösend zu zergliedern; aber 
keinem Deutschen wird es einfallen, mit dem Verf. die Anfgabe des syntak- 
tischen, Theiles darein zn setzen, dass man den Bau der Sprachelemente 
nachweist: richtiger hatte der Verf. als letztere Aufgabe bezeichnet, den 



'*') ObschoH diese Schrift ausführlicher Bd. 62. Hft. 3. S. 171 be- 
artheilt worden ist, hat die Red. doch diese von ihr besteilte Anzeige 
derselben nicht unterdrücken wollen, und zwar um so weniger, da beide 
Ref. aus verschiedenen Gesichtspunkten die Sache angesehen zn haben 
scheinen. Ann. d. Red. 



Biblia^raphiMbe B«ri«hle n. kone Imeigmi« SOI 



SaUban vermttteUt der Spracbeleroeiite nachnweiseD oder in lehren. — 
Das ganae Werk zerfallt in StAbtheiluogen, Ten denen die erste eine 
Darlegnng sammtiicber Redetbeile enthält, die zweite nach dem Ans* 
dmcke des Verf. die Begriffe mehr dnrch den (!) Syntax entwickelt, die 
dritte endlich eine Sammlung der Torsugtichsten Synonymen, neu nnd 
fasslich dargestellt y aosgesachte Redensarten, Anekdoten nnd Charakter- 
BOge amfasst. 

Abth. I. (S. 1 — 150.) ' Schon im ersten Abschnitte ober das Alpha- 
bet und die Anssprache der Bnchstaben, welcher das hierauf BezngÜche 
im Ganzen gut entwickelt, fehlt es doch nicht an Ungenautgfceiten , ja Un- 
richtigkeiten : zu den enteren ist z. B. zu rechnen S. 3 , Z. 1 v. u., wo 
dem Worte pays die Anssprache pei beigefugt wird, wahrend es jeden- 
falls zur Vermeidung von Missverstandniss besser gewesen wäre, wenn 
der Verf. auf irgend eine Weise angedentet hätte , dass das e in der Ans- 
» spräche vom 1 einigermaassen zu trennen ist, etwa so: pe-i. Zu den eigent- 
lichen Unrichtigkeiten gebort z. B., dass der Verf. npter die Diphthongen 
neben den übrigen auch folgende Zusammenstellungen von Vocalen rech- 
net: ia, ie, loa, na, oue, ja sogar iao, ien u. s. w.; kurz der Verf, scheint 
jfalsch lieber weise alle, wenn auch nor zufälligen Zusammenstellungen von 
Vocalen als Diphthonge anzusehen. Ohne nun auf Widerlegungen im 
Einzelnen einzugeben , wird die Unzweckmässigkelt der Anordnung dieser 
Grammatik am deutlichsten an das Licht treten , wenn man eine einfache 
Uebersicbt derselben giebt nnd nur gelegentlich einige kurze Bemerkun- 
gen darüber einstreut. 

Alpliabet. Prosodie. Artikel und Declination mit dem Artikel. 
Httlfszeitworter avoir und ^tre. Von den Conjngationsformen. (Dieser 
letztere Abschnitt bespricht die Conjogation nach Zeiten , Modis und Per- 
sonen ganz allgemein: daher hatte derselbe der Conjogation der Hulfs- 
zeitworter voraosgeben sollen , da ja auf diese ganz dieselben Principien 
anzuwenden sind In Beziehung aaf Zeit, Modus und Person, wie auf alle 
übrigen Verba.) Regelmässige Verba (hierbei ist zu bemerken, dass 
der Verf« nur 3 regelmässige Conjugationen annimmt, nämlich in — er, 
•— ^ir und ^-re : was ist aber die Folge der Weglassong der Conjogation 
in — oir? Doch wohl nur die, dasa eine um so grossere Zahl der Verba 
ZQ den onregelmässigen gereclinet werden muss, was jedenfalls nur zur 
Erschwerung des Lernens beitragt). Conjngation eines unpersentichen, 
eines passiven und eines refleotiTen Zeitwortes. Ueber den Charakter 
oder Auslaut des Stammes bei den Verbis. Von den Modosformea. Auf- 
gaben zo den Conjngationsformen. Von den Tempnsformen. Vom Sub- 
stantiv (nebst Ploralbildong). Männliche Adjectiva auf — al. Bildung 
der weiblichen Adjectiva. Motion, d. h. Geschlechtsänderung der Snb- 
stantiva.(Ware dieser Abschnitt nicht richtiger dem von den Formen der 
Adjectiva vorhergegangen, besonders da gleich nachher wieder zu den 
Adjectiven Qbergegangen wird?) Vergleichungsgrade. Bedeutung der ' 
Adjectiva. (Zo den Adjectiven rechnet der Verf. auch die ZahlwSrter, 
und irriger- Weise auch das Demonstrativpronomen, ce und die Possessiv- ^ 
proiiomina non , ton o. s. w.) Pronomen : 1) personliches. Die Parti- 



302 Bibliographische Berichte a. kone Aateigen. 

kein en nod y; 2) demonstratives: ce, ceini o. 0. w. (s. oben); 3) pos- 
aesftivea: la mien u. s. w. (s. oben); 4) relatives; 5) interrogatives; 
6) unbestimmtes Propomen. Vom Verb. (Hier nimmt der Verf. die frfi- 
Ifer unvollendet gelassene Besprechung des Zeitwortes nnd seiner Formeo 
wieder auf.) Aufgaben zu den unpersönlichen and passiven Verbalfor- 
men (S. 75 — nachdem S. dOf. die Conjugation derselben mitgetbeiit 
ist). Vom Particip. Subjectivsatze mit ihren verschiedenen Regimen. 
Unregelmassige Verba der ersten , sweiten , dritten , vierten Conjogation. 
Defective Verba. Von der Präposition. (Grammatisch unrichtig ist, das« 
der Verf. unter die von ihm genahnten „accidenteüen Präpositionen'^ 
s. B. except^ , concernant n. s. w. aufgenommen hat). Vom Adverb. Von 
den Conjunctionen. Von den Empfindungswörtern. 

Jeder unbefangene Beurtheiler wird schon aus dieser Uebersicht er- 
kennen, dass die Anordnung des Lehrstoffes in dieser Grammatik eirte 
verfehlte zu nennen ist, und dass man entschieden bezweifeln moss, dass 
der Lehrplan des Verf. geeignet ist , dem Schuler das Erlernen der fran- 
zosischen Sprache zu erleichtern. Denn wenn der Grundsatz gewiss 
richtig ist, dass , je logischer und uberRichtlicher die Anordnung in einer 
Grammatik ist, desto leichter ihr Inhalt sich dem Gedächtniss des Ler- 
nenden einprägt,* so kann man nur bedauern, dass der Verf. seine wirk- 
lich grosse Kenntniss der franzosischen Sprache und der Feinheiten der- 
selben durch ein falsches Streben nach Originalität und Neuheit in den 
Schatten gestellt hat. 

Die zweite Abtheilung (S. 151 — 278) ist wesentlich bestimmt , die 
syntaktischen Regeln der Sprache zu geben, und obgleich auch hier 
Manches anders geordnet sein sollte (z. B. wären einige Abschnitte besser 
in die erste Abtheilung zu setzen gewesen), so ist dieser Theil der Gram- 
matik dem ersten im Ganzen weit vorzuziehen. Man sieht, dass der 
Verf. hier auf einem Gebiete steht, welches er wirklich beherrscht und 
über welches er treffende und lehrreiche Bemerkungen in Menge giebt. 

Noch^ vorzuglicher in ihrer Art ist die dritte Abtheilong (S. 379 — 
351). Dieselbe enthält 1) eine reiche Sammlung von Redensarten, die 
der französischen Sprache eigenthumlicb sind (zum Auswendiglernen in 
37 Lectionen getheilt). 3) Die Ausdrucke zur Bezeichnung der Stimmen 
der Thiere. 3) Einige eigenthnmilche Diminutivformen. 4) Eine Zusam- 
mensteliong synonymer Ausdrucke mit Angabe der hauptaäcfalichsteo Aa* 
Wendungsarten nach acht französischem Sprachgebrancbe. 5) Aneodotes 
et traits caract^-ristiquea , zum U ebersetzen aus dem Pranzösischeo in das 
Deutsche und, wie e« scheint, zur Uebung der Schuler, die gelernten 
Regeln in den hier gegebenen Beispielen nachzuweisen. Indem der Ref. 
die Beaprechang dieser Grammatik , welche neben manchem Verfehlten 
vieles Verdienstliche enthalt, beendet, richtet er an den Verf. die wohl« 
gemeinte AofTordernng, er möge nicht glanbeo, dass der ausgesprochene 
Tadel durch persönliches Uebelwollen oder durch Brotneid veranlasst 
worden sei; es soll im Gegentheil den Ref. freuen, wenn er siebt, dass 
der Verf. in einer künftigen Leistung ähnlicher Art die begangenen Fehler 



. Bibliographiflobe Berichte n. knrze Anieigeor 303 

Termei4et. Die ÄBSstattong des Boches ist recht got ; nnr sollten einige 
onftogenehme Drackfehler vom Corrector nicht übersehen worden sein. 

Dr. H, Brandes. 



Zur Erklärung des BorQ%. Einleitungen in die einzelnen Ge- 
dichte nebst erklärendem Register der Eigennamen von Fei. Seh» Feld- 
bauteh. Erstes Bändchen. Oden and Epoden, Heidelberg. Akademi- 
sche Verlagshandlong von C. F. Winter. 18dl. XVIII und 135 S. — 
Der Hr. Verfasser erklärte, bevor er als Mitglied in den Grossherzog- 
lichen Oberstudienrath in Karlsrahe berofon wnrde, eine Reibe von Jah- 
ren den Horaz an den Lyceen zu Rastatt and zn Heidelberg. Vor der 
LectSre jedes einzelnen Gedichtes gab er (Vorrede S. I) den Schalern 
eine Binleitang über den Inhalt nnd die Bedentung desselben in die 
Hände. Was er ausser dieser Einleitung zur Erklärung für nothig hielt, 
trug er nnr mundlich vor. Um nun diese Einleitungen seinen -Schülern 
zngängUcber zu machen , entschloss er sich, dieselben durch den Druck 
zu veröffentlichen und dabei, was sich auf. mythologische, geographische 
oder historische Notizen bezieht, in einem erklärenden Register der Ei- 
gennamen zu erörtern, uro bei der mündlichen Erklärung bekanntere oder 
minder wichtige Punkte nur kurt berühren zu können *)» Es ist somit 
diese Schrift nicht sowtohl für Gelehrte, als vielmehr zunächst für die 
Schule bestimmt, deren Zweck es ist, mit dem Verständnisse der alten 
Schriftsteller auch Wohlgefallen an ihren Werken und Liebe für das 
Studium derselben zu erwecken. 

Diese ihre Bestimmung erreicht die Schrift vollständig. Sie giebt 
Alles, was der Schuler zum richtigen Auffassen und Verstehen jedes eiii' 
zelnen Gedichtes nothig hat, in reiner fliessender Sprache mit Kürze, 
Klarheit und Fasslichkeit. Viele Citate zu geben , hat der Hr. Verfasser 
mit Recht vermieden. Sie sind für ein Schulbuch unpassend. Die we« 
nigen, welche er anführt, beschränken sich grösstentheils aufstellen aua 
alten Schriftstellern , welche in der Regel ihrem Wortlaute nach angefahrt 
werden. Dieses geschah aber nicht sowohl um Belege zu geben, als um 
den 'Strebsameren Schüler auf diesem Wege zu den Quellen der Erklä- 
rung hinzuleiten. 

Wenden wir uns nun zor näheren Angabe des Inhaltes der Schrift, 
so folgen nach der Vorrede (S. I bis Vlll) Notizen über das Leben nnd 
die Dichtungen des Horaz, verbunden mit der Angabe der verschiedenen 



*) Das Manuscript dieses Buches war bereits in den Händen des 
Verlegers nnd von da in die Druckerei abgegeben worden, als der Hr. 
Verf. in die Grossherzogliche Oberstudienbehörde berufen wurde. Er 
drückte nun der Verlagshandlung den Wunscl^aos, den bereits begonne- 
nen Druck eine Zeit lang zu verschieben. Vor dem neuen Beginne &eB 
Druckes wurde das Manuscript nochmals durchgesehen , um einzelne Be- 
merkungen , die etwa aus der neuen Ausgabe Orelli*s von Baiter oder 
ans Zeitschriften und sonst sich darboten , zu berücksichtigen , so weit 
es thunlich war oder angemessen schien (Vorr. S. VIII), 



904 , BibUograplibelie Berichte a. kune Anseigea. 

Beerbeiinngen , iivelche dieser Dichter erfahreo (8* IX hu X VIII), und 
dano eine allgemeine Binleitung za deo Oden (S. 1 — 8), an welche die Bin- 
ieitnngen %u den einseinen Oden n.Bpoden (S. 9t~135) sich anschliessen. 

Um die Art ond Weise genau an zeigen , wie der Hr. Verf. seinen 
Gegenstand behandelt hat, geben wir als Probe die 6. Ode des 3. But 
ches „y^n <ite Üonter.^^ „1) Mahnung an die Römer snr Gottes- 
furcht und zur Sittenreinheit, ohne die das Verderben Roms 
sicher zu erwarten stehe. Der Dichter sagt: Nur durch Wiederherstei- 
long der Terfallenen Tempel und durch Gottesfurcht könnt ihr, Römer, 
die Wohlfahrt ond Macht des Staates begründen.^ Die Vemachlässigong 
der Götter bat Italien schon viele Nachtheile gebracht (1 — 16). — 
Aber das Sittenverderbniss hat sich in die Familien eingeschlichen ; die 
Jungfrauen werden. in unrömischer Weise erzogen, die Frauen geben 
sich der Sitteniosigkeit hin, während der 'Mann den Trinkgelagen 
fröbnt (17 — 33). — - Nicht durch die Nachkommen solcher Bitern 
hat Rom seine Feinde besiegt, sondern durch ein mannlich kraftiges 
Geschlecht , das in Arbeit und Muhen lebte, während wir von weichlichen 
Bitern entsprossen sind , und die Nachkommen stets noch mehr entarten 
werden (33—48)." 

„2) Von den Zeiten des Sulla und Marius her hatte in Rom wäh« 
rend der Verwirrungen und Greuel der Burgerkriege das Sittenverderb- 
niss immer mehr zugenommen, und fromme Ehrfurcht vor den Göttern 
war verschwunden. Viele Tempel standen als Ruinen da, theils durch 
Alter zerfallen , theils durch Fenersbr^nst zerstört. -^ Als nun Aogustos 
nach der Besiegong des Antonios den Janastempel schloss ond dem rö- 
mischen Staate den Frieden gebracht haben wollte, wandte er seine 
Sorge auch auf die sittlichen und religiösen Zustande. Er baute nicht 
nur selbst dem Apollo einen jßlänsenden Tempel (Od. I. 31) , sondern 
verordnete auch , dass die verfallenen Tempel hergestellt wurden (Od. 
II. 15), und zwar diejenigen, die als Familienheiligthumer galten, auf 
Kosten der Familie, die öffentlichen auf Kosten des Staates (im Jahre 
726). — Dass nun Horaz diese Bestrebungen des Herrschers durch seine 
Gesänge anterstotzte, geschah nicht ans Schmeichelei, sondern ans Va- 
terlandsliebe.'* 

Schon ans dem Vorstehenden ist zu ersehen , vri^ die 'Vor uns lie- 
gende , in Rucksicht ant Inhalt und Form gleich trefHicbe Schrift nicht 
ein Werk des Augenblicks , sondern vielmehr die reife Fracht eines stren- 
gen und gründlichen Studiums ist. Freilich liess sich das von einem 
Manne auch nicht anders erwarten, welcher nicht nur dnrch ausgezeich- 
net wissenschaftliche Leistungen seine gründliche Gelehrsamkeit ^bereits 
bewährt, sondern der auch durch seine Schriften über Horaz (De Ho« 
ratio Flacco non adulatore. Heidelb, 1839. Bemerkungen zu der 3. Sat. 
des Horaz im 1; Boche. Rastatt, 1843) sich als ein feiner und vertrauter 
Kenner dieses Dichters gezeigt hat. Wir zweifeln daher auch nicht, 
dass diese für die Schule so brauchbar und zweckmässig abgefasste Schrift 
sich auch in einem viel weiteren Kreise bei den Freunden des Dichters 
Eingang und die wohlverdiente Anerkennoog verschaffen werde« 



Schul- snd UnlrenititroBcliri^ten n* «• w. 



305 



MH Freoden begraaien wir daher dieses Blich , welches aach in 
MfDcr äusseren Aosstattnng nichts xn wfinschen fibrig lasst (Drnck und 
Papier sind sehr gut), ond wSnsohen nor dem Hrn. Verf. die nothige 
Bf nsse , nn anch in seinem JeCxt erweiterten Berufskreise in den Stand 
gesetzt an sein , das «weite Bandchen , welches die £inIeitongen in die 
Satiren nnd Episteln nebst dem erklärenden Register der Eigennamen 
enthalt y recht bald eracheinen an lassen. [:^] 



Schul- und Uniyersitätsnachrichten^ Beförderungen 

und Ehrenbezeigungen. 

GKOSSBEB.ZOOTBÜM Badeh. Nach der im Grossb. Badischan Re« 
gierongsblatte (1851, Nr. XXI) mitgetheiltea Uebe^sicht wsr der Be-* 
•fand der GtiehrteMekulen und der höheren Butgeraehiäen im Schuljahre 
1849 hh 1850 *) folgender : 



Anstalten. Gesammtzahi 

der Schüler« 
A. lAfceen, 

Carlsrahe * -283 

in der Vorschule . • • . 320 

Constanz • 150 

Freibarg 470 

Heidelberg 169 

Mannheim 239 

Rasutt 146 

MTertheim ..... 140 



6. €!ymnanen. 
ßrachsal ... . J . 
Donaaeschingen . . • 

Lahr 

Ofienbnrg .... 
Taaberbischoftiheim 



1837 

149 
79 
95 
70 

122 



515 



C. 



Borlach h 66 

Lörrach 100 

Pfgrabfim ...... 110 



Gesamratcahl 
Anstalten. der Bchnler. 

D. Bohere Pürgersekulen^ 

Baden .... ... HB 

Bischofsheim am Rhein .' . 11 

Bretten 32 

Bachen ...... 63 

Eberbach 20 

Emmendingen . . i • . 36 

Kppingen ... . • * •' ; 87 

Ettlingen 32 

Ettenheim 61 

Freiborg .••.*.. 85 

Giiirnsbaeh • 13 

H^delberg « .... 177 

Homberg ...;.-. 14 

Kork ....... 18 

Mannheim ...... 168 



Mosbach 
Mnltheira • • 
B^wetsingen . 
Sinsheim • 
Scbopfheim 
Ueberling«n . 



86 
7t 
51 
7» 
74 
26 



376 Villiogen ...... 36 



*) Den Bestand der defehrtenschnlen ond höheren Bfirgersdmten im 
Bcbaljahie 1848—49 s. NJahrbb. Bd. 59. Hft. 4. S. 443. 443. 

iV. Jokrb, f. PkU. u. Päd. od. KfÜ. Bibl. Bd. LXn. If/I. S. 20 



306 



Sdud- und Uolverakiiti— «Jiridrtea, 



Anatalten. 
Waidahoi 



GeaamaUabi 
der Schaler. 

. . . 43 



1364 



GesaMBtsahl 
Aoatalten. der Schaler. 

ZnuammetuUUitug» 

Lyceen 1837 

Gymoaaieo • • ... . 516 

Pidegogieo 276 

Höhere Bnrgeracholeo . . 1364 

3992 

Im Spitjahre 1850 worden ▼oo den Lyceen and aoff den Graad der 
bei dem Groash« Oberaiadienrathe eratandenen Mataritataprüfang lam 
Stodiam der beigeaetiteo Berabfacher auf die Uiiiveraitat eotlaaaen *) : 



/ 
























i. . 


Davon widmen aich dem Berafii aehe : 


Von dem Ly- 
ceom sa 


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Theo 

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logie 

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1 




Rechta- 
polizei. 


Handela- 
atand. 


Carlarahe 


15 


1 


4 


4 


2 


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... 


1 


Conalans 


11 


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2 


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— .. 


2 


1 


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BVeiborg 


42 


22 


1 


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2 


2 


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1 


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Heidelberg . 


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— 


6 


3 


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2 


4 


... 


.-. 


... 


Mannhelm 


16 


8 


5 


5 


2 


— 


1 


_ 


_ 




Rattatt . . 


16 


9 


..^ 


3 


2 


.... 


2 


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«. 


__ 


Wertheim . 


9 


3 


_ 


2 


2 


1 


1 


-M 


«^ 


- 


Nach beim 






















Groaah. Ober- 






















atudienrathe er- 


• 


• 


















atandener 
















• 






Mataritatfpra- 




















fang . M • 


10 


2 


3 


-— 


4 


— — 


— 


1 


— 




134 


.45 


19 1 


87 1 


19 


8| 


i^ 


1 


2| 


1 



ITefter die EnUauung der Sekuler attf die ütdverekat 
beben wir aaa der „Verordoang aber die Gelehrteoacholen im Groaali. 
Baden*' folgende Beatimmnngen heräoa. 

„Die Abitarienten aaa der oberen Ordnung der acchaten Claaae der 
Lyceen haben eine beaondere Mataritataprüfang sa beatehen. Die 
Znlaaaong aar Abitarientenpräfong kann aolchen Schülern verweigert 
werden, welche im lets^ Jahre wegen achlechter AufTähning bestraft 
and mit der Aaaweisang aat der Anatalt bedroht worden aind.** ($• 14«) 

y, Jeder, der aaa einer aaawartigea Lehranatalt oder ana einem Pri- 
▼atanterrichte aar Unireraitit übergehen will, bat aich ebenfalla, ttnd 
zwar Tor dem Beiage einer Hocbachale, ia allen Fächern, die in der 
«beraten Claaae einea Lyceoma vorkommen , einer mündlichen und achrilU 



*) Daa Verieichniaa der im Spa^ahre 1849 sam Stadium Ton Be- 
niCifidiern auf die Univeraitat eatlaaaenen Schaler a. NJahrbb. Bd. 59. 
Hft. 4. S. 443. 



Bei5»d«nHi§(Wi and BkrmUseigwifni. M7 

licbm Prfiliiiig so onterws^HeBy in Aof«ra er sich «fnem Berufe widnety 
wofür eio akademischer Cors und eine Staatsprüfung Torgetchrieben sind, 
und er später auf Zulassung tu dieser Siaatspriifung Ansprach machen 
will. Melden sich solche juage Leute, weiche ans einer öffentlichen An- 
stalt wegen schiechter AnHihrong ausgewiesen wurden, so wird die 
Oberstndienbehorde ober die Zulassung zur Prnfhng nach Erwägung der 
Ursache der Ausweisung und der für die spatere Zeit belgebraehteii 
Sittenseugnisse entscheiden,^ (J. 17») 

„Zu der in dem $. 17 bestimmten Prüfung wird eine eigene Prn- 
fnngs-Commission angeordnet. Diese Commission besteht ans Lehrero 
verschiedener Lyceen und tritt Jedes Jahr im Spatjahr in Carlsrnhe t a- 
sammen. Bei einer gans geringen Anzahl von Bzaminanden kann auch 
den Lehrern des Lyceums zu Carlsruhe allein die Prifung übertragen 
werden. Die Tage der Prüfung werden durch öffentliche Blatter be- 
Icannt gemacht, worauf sich diejenigen, welche sich derselben anteraie- 
hen wollen , bei der Oberstndienbehorde zu melden haben. Die Prnlnn^s- 
Commisslon erstattet über das Resultat der Prüfung Bericht an die Ober- 
stndienbehorde, welche nach dem Erfände sofort die unbedingte Entlas* 
sung ertheilt oder verweigert. Keiner , der ohne Brlaubniss der Ober- 
stodienbehorde die Universitatsstndien begonnen , kann , den Fall des 
letzten Absatzes des $.19 gegenwartiger Verordnung ausgenommen, zn 
einer Nachprüfung zugelassen werden.^' ($• 18.) 

Im letzten Absätze des'$. 19 heisst es: „Eine Dispensation kann nur 
für diejenigen stattfinden, welche von einem entlegenen Orte im Auülande, 
wo sie öffentUchen oder Privatunterricht erhalten haben , unmittelbar eine 
ebenfalls entlegene ausländische Universität bezogen haben und glaub- 
hafte Zeugoisse über einen vor dem Uebergange zu Oniversitatsstudien 
genossenen genSgenden Unterricht beibringen. In diesem Falle ist die 
Prnfungsbehorde ermächtigt, den Betheiligten zur Staatsprüfung in sei* 
nera Berufsfacbe unter der Bedingung zuzulassen , dass er zuvorderst sich 
der Nachprüfung in den Lycealkenntnissen unterwerfe.^' 

Ueber die Abiturientenprufnng ist in der „Schulordnung'* $. 40 
Folgendes festgesetzt: 

„Die Abitorientenprfifong geschieht theils schriftlich, theils mund- 
lich. Die schriftlichen Arbeiten sollen bestehen : 

1) in einer freien deutschen Ausarbeitung; 

2) in einem lateinischen Stile; 

3) in einer deutschen Uebersetznng aus einem schwereren lateini- 
schen und einem leichteren griechischen Schriftsteller, wozu solche Stucke 
zu wählen sind , welche in der Schule nicht gelesen wurden.'' 

„Die mündliche Piufiing,die nach erstandener öffentlicher Prüfung 
abzuhalten ist, soll sich auf Lehrfacher der obersten Classe erstrecken 
und vorzuglich dazu dienen , die Kenntnisud derjenigen Schüler naher zn 
erforschen , welche bei der öffentlichen Prüfung nicht genugsam unter- 
richtet schienen." 

„Der Abiturientenprufnng wohnen, nebst dem Director, sammtliche 
Lehrer der obersten Classe, die Bphorea und die Commissarien der Ober- 

20* 



308 fldialr mid UidtenltltMiafilnndMi» 



\ 



gtadUtt-CoanniMioii bei. Aoeh die Lelurtr der fibrigeii CieaMn kennen 
daran TheSl nehmen." 

Diesen Angaben scbUeMen wir an die 
I7eftentdkl d^r SekSUnuM an- der fQh fimkmueke n Sekvle su Carlänü^ 
und dm doaiti m FerftiRdimisr «te^^^nden FortrAule mi ^ndMitjoftre 185Qy51. 

fiadener. Ntehtbad. Im Garnen. 
I. Allgeneine mathematiicbe Clane . dL 1 32 

II. „ „ ^ . 14 8 aa 

ill. „ „ „ . 5 1 6 

Ingeniearacbnie 6 18 24 

Bauaehni 34 19 fA 

Pentechaie ........ 12 & 17 

Chembch-technische Sohnle ... 11 6 .17 

Mechanifcii-technisebe Schale ... 10 42 62 

Postoehnle 23 — 23 

Handelaschale 10 2 12 

Hospitanten _13 6 19 

169 106 277 

Vorschale 51 ' 4 55 



■ «» I M 



220 112 331 

m 

BeandbnburQ: ü/H. Zar Micbaelismesse des laafendeo Jahres er- 
scheint hier — und nimmt bereits darauf die Wiesike'sche £uchbandlan|; 
Bestellangen an — eine „GescAicAte der iofstimcAen ^racAe u^dArend 
lArer L/Aen^donut <t ans den Quellen geücbopft and dem gegenwartigen 
Standpunkte der Wissenschaft angepasst *' vom Prof. Dr. M, W. Htfftfr^ 
ein Werk langjähriger selbfitstandiger Studien, bei dem auch' die For- 
schungep Anderer nach Möglichkeit benutzt worden sind« Dasselbe darf 
um so mehr.auf Anerkennung hoffen , da seit hundert Jahren über den her 
sagten Gegenstand entweder nur Allgemeines oder Stuck weises , nie etwas 
Ganses geliefert worden y die Schriften aber, welche früher eigens die 
Sache behandelt, nach Bernhardts richtigem Urtheile nur „vorgeb- 
liche" Geschichten der ^Art — es wird darin- namentlich Sprache und 
Litteratur auf confuse Weise mit einander vermengt — genannt au wer- 
den verdienen und darum bereits „grosstentheils der gebühren- 
den Vergesse nheit anheim gefallen*' sind ^nd trotz ihrer ziem- 
lichen Anzahl die Aufgabe wenig oder gar nicht gefordert haben. Allein 
das historische Moment ist auch bei einer Sprache ein durchaus zu be- 
rücksichtigendes, für das noch immer unter uns lebendige Studium der 
lateinischen Sprache also auch eine Geschichte derselben unumgänglich 
nothwendig, ein wesentliches Qedurfniss, zu jeder lateinischen 
Grammatik, zu jedem lateinischen Wörterbache eine unentbehrli» 
cheZugabe. Das Werk wird etwa 10 Bogen stark and der Preis 
möglichst billig gestellt worden« [Ä^.] 

Breslau. Von dem Gj/mnasium zu St, Maria Magdalena 
ist aus den Jahren 0;itern 1849 bis Ostern 1851 Folgendes zu berichten. 



Befordenmgtn and BbrenbeieigiiBfeo. 909 

Nodi vor Begina des ersten Jahres war der Proreeter Pref. Dr, Klon- 
•Mittn gesterbeo. Per College Dr. BUner wurde Ende 8ept. 1849 von 
seineia Ante snspendirt und %var bis Ostern 1851 in dasselbe noch nicht 
wieder eingesetat worden. Am 20. Jan. 1850 starb der sein Probejahr 
abhaltende Schnlamtseandidat. Dr. Reinkold Berger, Am 11. April dess« 
lahres starb der frühere Prorector Dr. F. J, JNaneH (geb. am 18. Mai 
1781 SQ Halle,. Sohn d^ berahmten Theologen, seit 1804 Lehrer am 
Friedrich« Wilhelms-Gymnasiom, so wie an dem Hecker^schen Seminar and 
der Heinsias^Bchen Madchenschole in Berlin , seit 1806 Conrector vom 
Gymaaffom and Prediger an Costrin, Nach freiwilliger Aufgabe dieser 
Amtes errichtete er 1809 in Breslaa eine bis an sein Bnde von ihm ge- 
leitete. Privatschole, die sich bald aaf Mädchen beschrankte ond einen 
ausgexeichneien Raf gewann. Ostern 1814 worde er 6. College am 
Magdalenen-Gymnas. and rockte nach ond nach bis zom Prorectorate ror. 
Am !• Jan« 1846 trat er in den Ruhestand. Seine xahlreichen , beson- 
ders Cur Mädchen geschriebenen Schriften sind hinlänglich bekannt). Die 
vorgekommene Brledigong wurde durch Ascension besetzt and es beistand 
demnach Ostern 18öt das ,Lehrer-Collf»gium aus dem Director, Rector 
ond Prof. Dr. C. Sckonhfrn^ Prorector Prof. Dr. ülte, Prof. Dr. Rüdi- 
ger , den Collegen Oberlehrer Dr, Sadebeek^ Klop9ch^ Dr. TsscAtrner, 
Dr. Bartseh y Dr. Betnerl, i\i{fli| Dr. Schuck (neu angestellt ond einge- 
fShrt am 15« Oct. 1849), dem Collaborator John^ den Lehrern Seltssam^ 
Köhler^ Sturm y Cantor Kahl^ Zeichnenlehrer Maler EHner und Schreib*, 
lehrer Jung. Theils zur Abhaltung ihres Probejahres , theils als Mit« 
glieder des konigl. pädagogischen Seminars, unterrichteten in dem ange- 
gebenen Zeitraum an der Anstalt: Dr. Kergel (Mich. 1849 als Prof. der 
Philologie an die Universität zu Olmutz berufen), Dr. Reimemn (seit 
1. Mai 1850 als ordentÜeher Lehrer an der Burgerschule zum heil. Geist 
angesUllt), Cammler^ Dr. Beinlig^ Dr. ¥FUtiber (seit Mitte Nov. 1850 am 
Gymnas^m >o Glatz angestellt). Privatunterricht im Polnischen er- 
theilte Hr. Fritz , im Englischen bis zu seiner Anstellung an der höheren 
Bürgerschule Hr. Sehotthi, Die Frequenz stellte sich wie folgt: 

I. II. Iir. 1]I^. IV. V. VI. BlemenUrclassen. Sa. 
1. März 18601 37 43 39 56 70 68 70 166 549 

1. März 1851 : 41 49 52 62 65 66 63 165 563 

Abiturienten waren 3 Mich. 1849, 7 Ostern 1850, 5 Mich, dess. Jahres, 
]1 Ostern 1851. Dem Programme von Ostern 1850 ist eine auch im 
Buchhandel erschienene Monographie des Oberlehrers Dr. Sadebek: Die 
Strehlener Berge (38 S. 4., nebst einer lithographirten Karte) voransge- 
stellt« Ist Re€> auch nicht im Stande , dieselbe , am wenigsten die mathe- 
matischen Berechnungen , zo beurtheilert , so kann er doch dem ungeheu- 
ren Fleiss, den der Hr. Verf. allem nar einigermaasflen Wissenswertheq 
und Interessanten , selbst dem Kleinsten , zugewandt hat , ehrende Aner- 
kennung zollen. Mochten wir ober alle Gegenden Deutschlands so 
gründliche Forschungen und Erörterungen besitzen. Vor dem Pro- 
gramme Ostern 1851 findet sich: Qraeea nomina in Sl exeuntia. Com' 
menlalKWtt lexieograpbieae et grammatkae pmrU prima, Scripeit Pistotheue 



SlO 86biil- nnd UniterMtmadtrichtoD, 

TVtcJUmff (52 fi, 4.)- Wenn keinem Zweifel nnterworfeo ist, welche 
wieblige AofschlfiM« die Brforschnng der grieefafseben BIgennamen über 
die Denkart, 8itten ond die Gescbicbte des Volkes, so wie iiber die Ver- 
wandtschaft und den Verkehr mit anderen Stammen der Menicbbeit ttefem 
mnsf , dagegen eben so gewiss, dass, mn diese Aofgabe genügend xa 
losen , eines einxelnen Menscl^en Zeit nnd Kraft nicht ausreichen, so wird 
man sich gewiss innig frenen, wenn Einteloe einen Theil derselben ta 
bearbeiten nnd so die dereinstige Vollendung des Gänsen Torzobereiten 
nnternehmen. Daher begrüsst Ref. die vorliegende Schrift des Hm. Verf. 
mit Preode qnd um so mehr, als derselbe nber den Umfang 'der Aufgabe 
▼ollkommen klar ist, wie es sich dabei um das Vorkommen der Namen, 
die Es^istens nnd die Verhaltnisse der Personen , welche ihn fihren , so 
wie um die Ableitung und ursprungliche Bedeutung handelt, desshalb auch 
ein Herbeiziehen der gleich gebildeten Appellativa unümganglieh ist« Es 
kann gewiss nur gebilligt werden , dass er seine Arbeit In einen lexieo- 
graphischen , alle einzelne Namen und Alles darüber an Bemerkende ent- 
haltenden, nn j einen grammatischen, mit der Bedeutung der Bndnng n, den 
bei ihfer Anfügung und der Nachbildung fremder Worte mit denselben 
beobachteten Gesetzen sich beschäftigenden Theil scheidet. Die bis 
Jetzt mitgetheilte parUcnla prima enthalt von dem lexicographlschen Ab<- 
schnitte die Buchstaben A — mit 4 und Jeder Artikel wird dem Leser 
eben so von dem ausdauernden und emsigen Fl^isse und der umfangreichen 
Gelehrsamkeit des Hrn. Verf., wie von den wichtigen Resultaten, welche . 
für die einzelnen Theile der Alterthums Wissenschaft daraus herrorgeheri 
werden, oberzeugen, und dadurch der Wunsch gerechtfertigt erscheinen, 
dass es zur Ausfuhrung des Ganzen an Zeit und Kraft nicht mangeln 
mSge. Die Unterscheidung ; welche Appellative wohl nur von Gramma- 
tikern erfunden sind, um mythologische Namen zn erklaren, und wie soU 
che wiederum wohl zu Appellativen geworden, wird Jedenfalls im zweiten 
Theile gegeben werden. Bei dem Worte aneetui wurde Ref. , um Jeden 
Irrthum unmöglich zu machen, in der KSrze das Vorkommen desselben 
bei Herodot erwähnt haben. [D,] 

Eisen ACH« Unser Gymnas., welches sich in demselben gesunden nnd 
blühenden Zustande, welcher bereits wiederholt in dies. Jahrbb. bezeichnet 
0. auch statistisch nachgev« lesen worden ist, noch gegen wfirtlg befindet n. 
gewiss, besonders hinsichtlich der Tüchtigkeit des Lehrerpersonals, wohl 
keiner ibnllchen Anstalt im deutschen Vaterlande nachsteht, hat sich fort- 
während liebender Forsorge und besonderer Beachtung der hohen Staats- 
reglerung zu erfreuen gehabt« Die letztere Ist auch in der neueren Zeit 
nicht erkaltet und hat nur noch neuerdings einen Ausdruck In dem ehren- 
vollen Entschlüsse gefunden, durch welchen Se. Konigl. Hoheit der Gross- 
herzog dem hochverdienten Director der genannten Lehranstalt, einem 
trefflichen , auch In weiteren Kreisen bekannten Philologen aus der G. Her- 
mann sehen Schule, K. H. Funkhänd^ den Charakter als „Hofrath" anter 
dem 2. Febr. d. J. allergnadigst verliehen hat. [K.] 

Gbra. Die Einladungsschrift zu der in der hochfnrstlichen Lan- 
dasschnle zn begehenden Feier des Jahreswechsels von 1850 anf 51 eaU 



BaiMenmgjHi und Kliraibenigiageo. Sil 

fciltt finHpito, Ratine und GoeAe. fifti Bättüg aur Oeeekhkte der irth 
giteken Munk. Ente ^Mkeiiung. Vom Prof. Dr. PA. Mayer (27 8. 4.). 
Wir freaen ont, don Hrn. Verf. auf einem Felde wieder la finden, aaf 
dem wir fcbon einmal ihn gern begleitet liaben, ond nm so mebr, alt wir 
an ihm dieeelbe Priaebe and Lebendigiceit , dieselbe Besonnenheit ond 
Feinheit dea UrtheiU, die er damala nna bewies , nicht vermiMon. Daai 
snr BrlEonntniia dea grieehiachen Drariia^a nnd dea griechischen Geisteai 
deaaen lierrllofaate Schöpfung Jenes anerlcanntermaassen ist, inr reehten 
Wordigttng des Ic&nsUerischen Stendpnnictes , den unsere Nation ein- 
nimmt, snr PSrdemng der Aeathetilc ala Wissenschaft nichta natilieher 
aei, ala die Yergleichiing ans gleichem Stoffe gebildeter Konstwerlce ana 
alter und nener 2^it, darfiber kann kein Zweifel sein , eben so wenig aber 
auch darüber, dasa vor Tollstindigeren Brreicfanng jenes Zweckes daa 
claasisebe Drama der Fransosen nicht übergangen werden dürfe, eben ao 
wohl well es eine eigenthumUche AofFassnng nnd Ansbildong des von den 
Alten Ueberlieferten enthalt, als anch well es aaf die Entwickelong dea 
modernen Drama, wenn anch nicht allein entscheidenden, doch onrer'« 
hennbar wichtigen Binflnss ansgeabt hat. Es ist desshalb ein glücklicher 
Unutand, dass wir von Eoripides iwei Stucke' aua demaelben Sagen- 
atoffe besitien , deren jedes von einem Dichter der beiden neueren Perio- 
den , die Iphigenia in Aulide von Racine , die in Tauris von Goethe eine 
Nachbildung erfahren hat. Einer Rechtfertigung bedurfte es desshalb 
von dem Hrn. Verf. nicht, dass er Enrlpides, nicht den voliendetsten 
griechischen Tragiker -Sophokles, mit den beiden letztgenannten Dichtern 
ftuaammengeatellt hat, und nm so weniger, als Buripides am melaten die 
Basis für die Theoria des Aristoteles geliefert h^t, für das romische 
Drama aber, wie ganc insbesondere für daa franxosische, fast ansschliesS'* 
lichea, oder doch haoptsachlichea Muater gewesen ist. Ja uns scheint 
eine solche Znsammenstellung um so passender, als wir in der Goethe^^ 
sehen Iphigenia eine Wiederannäherung an den Geitt *nnd künstlerischen' 
Charakter dea Sophokles, bei den Franzosen ein Stehenbleiben auf dem 
Standpunkte dea Buripidea zn erkennen glauben. Der Hr. Verf. beginnt 
mit einer recht klaren und anschaulichen Uebersicht iiber den Zusammen- 
hang der Handlung in der Buripideischen fphigenie; nur anfeine aolche 
kann ja die ästhetische Baurtheilnng gebaut werden. Wir erlauben una 
hier beilaofig auf den Umstand aufmerksam zu machen, dass KlytSmne- 
atra den Frauen des ^hores heisst die Morgengaben ins Zelt zu bringen. 
Nimmt man an, dass diess Buripides wirklich gewollt, so muss der Chor 
oder doch ein Theil desselben, nm der AnfTordernng zu genügen, seinen 
Platz verlassen, eine Sache, die vielem Zweifel unterliegt. Die Art nnd 
Weise, wie Aeachylns und Sophokles denselben Stoff behandelt, konnte 
nicht fitglich übergangen werden , und der Hr. Verf* stellt desshalb , waa 
sich darüber sagen lasst, kurz zusammen; natürlich fuhrt dicss aber anf 
das Urtheil Gruppe*s (Ariadne S. 540 ff.), dass das Stuck dem Buripidea 
abzusprechen und f3r sophoklelsch zu halten sei. Den ana Ariatopb. 
Ran. 1309 entnommenen Grund beseitigt der Hr. Verf. mit Bremi pnd 
nimmt mit Hemsterhnys (Alberti zn Heaych. p. 130, n. 17) bei Hesycbins 



812 aduü'- and UatvewkitiMwIiridit— , 

^ae iüsclM Lotart aa aad beieielipet da« Citai daiaalben Mtfiftütdlan 
.anter ina^ivivta aU irrthünüich. Die Sieile bei Aelian lliet* Ab. YU. 
d9 bevreUt ihm allerdingst das« mit dem Boripideiaeben Stacke eiae Aea- 
derong Torgegaogeo , and indem er eiaerseite mit Breaii die dort aagep 
fttlirten^ Worte al« aar far den Aasgang geeigaet erkeaat [Ref* kaaa «iah 
unr davon y dass sie nar aa AgameaMion gerichtet sein konaen, aock alchl 
fibersengen. Warum sollte doch Artemia aaftretea » am. dea Agamemnon^ 
.welcher das Opfer an bringen entschlossen ist ^ in Voraas ao barahigea? 
War es nicht viel sweckaiassiger, wenn der Dichter, nachdem Agamenuioa 
and Iphigeaia aam Opfer fortgesogen , dte im 8chmeraa veraweifeiadea 
Klytamnestra aas dem Mande der Gottia Trostang aa Theil werden 
liess ?] , andererseits den jetsigea Schinss wegen «einer angebearea Schwa- 
chen (mit Porson Praef. ad Hec. p. XXIII) aad al« aa« Earip« Hecaba 
anm Theil eatnommen far nnächt halt , so eot«cheidet er «ich für die too 
BerqMuin (praef. ad Iph. Aul. p. XVII) aa^eetellte Aneicht. Nechdeoi 
ar daraaf kars mit B. Müller (ZeiUchr. U d. AlterthooMw. 1838. Nr. VA. 
8. 186 — 90) die Meinang, Agathen oder Charemon «ei der Verfaecar, aad 
die Bernfong auf Athenäos mit Schweighaaser aad Bartsch (d. fiarip. Iph« 
Aal. aaot,) abgewiesen aad sich dagegen auf die Zeagnisse fnr die An» 
thentie bei Aristot. Poet, [da«« die«« Buch noch einer kritischen Skbtaag 
bedürfe, hat Frs. Ritter , wenn «chon «eine Ansicht aber eine solcha 
«chwerlich richtig ist, geaeigt. Vergl. nach Keck: Ueber die Parodo«. 
Die Stelle XV. 6 scheint übrigen« an« von Ari«tot. «elbst herrahreadj, 
dem Gramm. Bekk. und Theophil. Aatioch. bemfea hat, erklart er, da«a» 
wenn man ^och Anfiuig and Ende far interpolirt sn betrachten babci der 
^ ästhetische Geaa«« am Gänsen nicht gestört werde nnd man die Urtheüa 
* O. Maller'« (Gesch. der gr. Litt. S. 177) aad Berahardy'a (Griech. LitL 
fi. 873) nicht anterechreiben könne. Indem er die«« sa beweieen «ich 
an«chickt, kommt er noch einmal anf die Ver«chtedenheit der Behaadiaag 
de« Stoffe« voa der des Sophokle« sarock and seigt, da«a Baripides den 
OdysseaSy wena er aicht von der Bntwickelang der Haaptcharaktera 
die Aolinerksamkeit iu «törender Weise absiehea wollte, denftelbea an- 
moglich in sein Stock bringen konnte. Sollen wir hierfiber anser Ur- 
theil aassprecben, so scheint nns gleichwohl Bnrip. Etwa« dadurch ver«» 
loren su haben^ Dean Agamemnon*« Handlang«wei«e wurde deatlicber 
motivirt erscheinen, wenn «ich ein ao«6erefi Gewicht, wie da« de« Ody«« 
seu«, der «eiae schwachen Seiten sn benntsea verstand, an ihn hing. 
Der Dichter hat swnr die Stimmung des Heeres nicht unberacksichtigt 
gelassen, allein dies« Motiv erecheint uns doch sa sehr htater der Sceaa 
Uegead» Mit Recht weist der Hr. Verf. sodana Hartang's Behanptuag 
(Einleitung sur Antigone. Leipsig, 1850), es «ei eiae Verkehrtheit, in 
Jedem Stucke einen Grundgedanken finden sn wollen, mit billiger Wor^ 
dignng in die gebührenden Schranken suruck nnd «teilt aU Grundge- 
danken de« Stucke« folgenden auf: ,ydass eine reine und gro««e Seele au« 
den Verwickelungen und Gefahren , die da« Schick«al droht , darch freie 
Hingabe an den höheren Willen siegreicher hervorgehe, aU diejenigen, 
die durch l^iat oder Gewalt sieb harten Schickangen sa enlaiahaa oder 



Bel8MinaiK«B und Ehrtnhmtigan^n» 818 

M wid«rietMB ywmuktm,^ R«f. «rfarn^t iich dag egon dmawMdta, dasi 
ihn dabei Iphigenia ia eioen Gcfansats gettelU erscbeSat, der in dem 
8ticke felbst Dicht hiaUnglich eiithalten ist, deno weder Agamemnon, 
noeh AchiUeaiy Docb selbst Klytamnestra machen einen wirkliehen Ter- 
auchi dem Sprticbe des Sehers das Opfer mit Gewalt oder List an ent* 
aisben, und der so schnell Tereitelte erste BnUchinss des Agamemnon be^ 
reitet ihm wobl SclMners^ aber er gelangt Ja doch an das Ziel seiner 
Woasche. ^ AU .den Grundgedanken halt Ref. folgenden festt Der Zorn 
der Gotter y durch MissachUing erregt, wird darch die far Vaterland nnd 
die Ihrigen sieb aufopfernde Liebe gewendet und diese selbst dnrdi die 
Gotter durch himmlische Verklarnng gelohnt, und glaubt, dass auf den- 
selben ' die £ntwjckelong der gansen . Handlung hiniielt. Denn indem, 
waa Agamemnon will, durch Meoelaos rereitelt wird, ist doch nor die 
Nothwendigkeit, dass das Opfer für der Griechen Ehre erforderlich ist, 
dargelegt, und alles das Folgende, .ehe Iphigenia selbst mit ihrem Eni» 
Schlüsse herrortritt, dient nar dasu, die Grosse des freiwillig darge^ 
brachten Opfers snm Bewoistiein an bringen. Damit ist aber auch die 
Nothwendigkeit dieser Gestaltneg der Exposition , die bis aar Ankunft 
der Iphigenia selbst geht, gegeben, damit erscheinen auch die Charaktere 
motivirt. Denn von Agamemnon lernen wir anders denken ^ wenn wir^ 
was in den vielen Aensserungen anklingt, in Betrachtung. sieben, dass er 
si$h dem Kriegssage nach Troia um seiner Ehre willen nicht .entaiehen 
darf, dass, wenn er sich eatsoge, damit Ton dem Heere der durch ihn 
iber dasselbe gekommene Zorn der Artemis nicht gesühnt wäre, dass ei 
sich also bei ihm nicht blas um den egoistischen Zweck, die Beibehaltung 
des Oberbefehls, handelt, dass ihm mit seiner Grösse des Griechenrolkea 
Ehre am Hersen liegt. Dann dient ihm Menelaos nur Kolie , weil dieser 
nur seinen , nicht des Gansen Zweck verfolgt , Klytamnestra, die nur von 
der Mutterliebe aus richtet und urtheilt, wahrend Achilleos des hoch« 
herzigen Madchens Entschluss sn würdigen und desshaib seinen eigenen 
Wunsch sn unterdrücken versteht» Es wnrde uns an weit fuhren, wollten 
wir noch in Einzelnes eingehen. Wir haben uns der Auseinandersetxan'g 
des Hrn. Verf. aufrichtig gefreut und können ihm in Besu^ auf das Haupt« 
resultat: „dass das Stuck hohen dramatischen Genuss gewahre, weil es 
einen grossen und schonen Gedanken dorchfobre, die Anlage, Bitnatio* 
neu und Charaktere dazu in richtigem Verhaltnisse stehen und der Zwecke 
den Aristoteles jeder Tragödie setze, offenbar erreicht werde,^ nur bei- 
stimmen. Mog9 er unsere Bemerkungen einer Prfifung und Beachtung 
nicht gans unwerth finden. [/>.] 

GiESSBif* Zu der Feier der 25jahrigen Amtswirksamkeit des Di« 
rectors Dr. Ed. Qeist (16. Dec 1850) hat der Gymnasiallehrer Dr. H« 
Rumjf gewidmet : Bekrage asur Homeneehen WerteMSrung und KrHük 
(27 8. 4. und 2 Tafeln Abbildoagen). Der durch seine Abhandlung 4e 
ae4e Hern, uud de yufMnoiUt, MeneU